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Uwe Klußmann und Dietmar Pieper (Hg.)

DIE HERRSCHAFT
DER ZAREN

Russlands Aufstieg zur Weltmacht

Karen Andresen, Benjamin Bidder, Georg Bönisch,
Christine von Brühl, Annette Bruhns, Carmen Eller,
Christoph Gunkel, Nils Klawitter, Walter Mayr,
Jörg R. Mettke, Joachim Mohr, Christian Neef,
Jan Puhl, Norbert F. Pötzl, Johannes Saltzwedel,
Mathias Schepp, Eva-Maria Schnurr, Mathias Schreiber,
Michael Sontheimer, Rainer Traub

Deutsche Verlags-Anstalt

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Die Texte dieses Buches sind erstmals im Heft »Das Russland der Zaren«
aus der Reihe SPIEGEL GESCHICHTE (Heft 1/2012) erschienen.

1. Auflage

Copyright © 2012 Deutsche Verlags-Anstalt, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München und
SPIEGEL-Verlag, Hamburg

Alle Rechte vorbehalten

Typografie und Satz: DVA/Brigitte Müller

Gesetzt aus der Bembo

ISBN 978-3-641-09369-3
V002

www.dva.de

Inhalt

Vorwort

TEIL I

VOM FÜRSTENTUM
ZUM ZARENREICH

Der zornige Zar

Anfangs ein Reformer, wurde Iwan IV., genannt »der Schreckliche«, zu einem unberechenbaren Gewaltherrscher

Von Uwe Klußmann

Zwei oder drei Halleluja

Die erzkonservative russisch-orthodoxe Kirche stützte das Zarenregime

Von Jörg R. Mettke

Schätze im Osten

Die Eroberung Sibiriens

Von Jan Puhl

Die Auferstehung

Blutige Machtkämpfe prägten die Zeit der »Wirren«

Von Eva-Maria Schnurr

Bräutigam hinter Gittern

Wie ein Dänenprinz zum Gefangenen des Zaren wurde

Von Annette Bruhns

TEIL II

AUFBRUCH NACH EUROPA

Tyrannischer Aufklärer

Peter der Große modernisierte Russland mit harter Hand

Von Mathias Schreiber

Sumpfblüte aus Stein

Träume und Alpträume in St. Petersburg

Von Walter Mayr

Der Wille zur Macht

Katharina die Große verband deutschen Fleiß und französischen Esprit mit russischer Strenge

Von Georg Bönisch

Erhebung aus der Sklaverei

Der Bauernrebell Jemeljan Pugatschow gab sich als Zar aus – mit erstaunlichem Erfolg

Von Christoph Gunkel

Triumph in Paris

Der Sieger über Napoleon, Zar Alexander I., wurde als »Retter Europas« gefeiert

Von Dietmar Pieper

TEIL III

VERHINDERTE REFORMEN

Der furchtsame Despot

Nikolai I. erstickte die Revolte der Dekabristen und errichtete einen reaktionären Polizeistaat

Von Carmen Eller

Die Ehre des Poeten

Das bewegte Leben des Nationaldichters

Alexander Puschkin

Von Johannes Saltzwedel

Träume von einer besseren Welt

Russische Intellektuelle kämpften gegen die Zensur und für eine andere Gesellschaft

Von Rainer Traub

Widersprüche eines Erzählgenies

»Die Toten Seelen« und Nikolai Gogol

Von Rainer Traub

»Russland zerfällt in zwei Teile«

Helmuth von Moltkes hellsichtige Beobachtungen in einem gespaltenen Land

Bombe vor die Beine

Bauernbefreier Alexander II. wurde Opfer von Terroristen

Von Christoph Gunkel

Absturz in Roulettenburg

Fjodor Dostojewskis Leiden in Deutschland

Von Carmen Eller

Leben im Totenhaus

Verbannung nach Sibirien hieß das millionenfache Urteil gegen kritische Geister und Kriminelle

Von Joachim Mohr

»Millionen Menschen verfaulen«

Akribisch protokollierte der Dichter Anton Tschechow das Elend auf Sachalin

Von Christine von Brühl

Anschluss verpasst

Der späte Bau von Eisenbahnen hemmte die Entwicklung des Riesenreiches

Von Norbert F. Pötzl

Für eine Handvoll Dollar

Warum der Zar Alaska verkaufte

Von Uwe Klußmann

Meister der Seele

Das Malergenie Ilja Repin porträtierte Gegenwart und Geschichte seines Landes

Von Annette Bruhns

Wehmütige Klangkunst

Westliche Eleganz und russische Melancholie: der Komponist Peter Tschaikowski

Von Johannes Saltzwedel

Verräter Ihrer Majestät

Der Zaren-Geheimdienst warb auch Terroristen als Spitzel

Von Benjamin Bidder

TEIL IV

EXPANSION UND UNTERGANG

Eckstein des Reiches

Den Kaukasus konnte Russland zwar erobern, aber nicht befrieden

Von Christian Neef

Kampfname »Koba«

Der junge Stalin als Terrorist und Straßenräuber

Von Christian Neef

Der letzte Kaiser

Nikolai II. ließ sein Reich in den Untergang taumeln

Von Michael Sontheimer

»Wilde Schießerei«

Ein staatlicher Mord löschte 1918 die Zarenfamilie aus

Von Michael Sontheimer

Arzt mit blutigen Händen

Mit harten Reformen wollte Premierminister Stolypin das Regime retten

Von Uwe Klußmann

Geplanter Bürgerkrieg

Wie Lenins Bolschewiki die Revolution vorbereiteten

Von Uwe Klußmann

Gott und Lamm

Der Mord an Rasputin, Mönch, Scharlatan, Vertrauter der Zarin

Von Nils Klawitter

Vom Wahn zum Mord

Antisemitismus war im späten Zarenreich alltäglich – bis in die höchsten Kreise

Von Karen Andresen

»Darüber thront nur Gott«

Im Kreml haben Größenwahn und Bürgerferne Tradition

Von Mathias Schepp

»Putin ist ein Zar«

Gespräch mit dem Historiker und Politologen

Alexander Rahr über die Kontinuität der autoritären Herrschaft

Von Uwe Klußmann und Dietmar Pieper

ANHANG

Chronik 988 bis 1918

Buchhinweise

Autorenverzeichnis

Dank

Personenregister

Vorwort

Zu keinem anderen Land unterhielt das Russland der Zaren so enge Beziehungen wie zu Deutschland. Schon Zar Iwan IV., von den Russen »der Gestrenge« genannt, im Westen bekannter als »der Schreckliche«, hatte den umtriebigen Deutschen Heinrich von Staden zu einem führenden Organisator seines Sicherheitsdienstes, der »Opritschnina« gemacht. Zwei Jahrhunderte später, im Sommer 1762, bestieg eine Deutsche sogar den Zarenthron: Die ehemalige Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst hieß nun Katharina II. und wurde zu einer ebenso verehrten wie gefürchteten Herrscherin. Deutsche waren im russischen Reich als Spitzenbeamte und Geheimdienstchefs, als Außenminister und Kanzler für die Zaren tätig. Mehr noch: Von Katharinas Sohn, dem Preußen-Bewunderer Paul I., bis zum letzten Zaren Nikolai II. heirateten die russischen Kaiser mit Vorliebe deutsche Prinzessinnen.

Doch bei aller Bewunderung für deutsches Organisationstalent und preußische Tugenden blieb das Verhältnis der Russen zu den Zuwanderern aus dem Westen zwiespältig. Man wurde oftmals nicht richtig warm miteinander, so beschrieb es zum Beispiel der Nationaldichter Leo Tolstoi in seinem Opus »Krieg und Frieden«, das den legendären Kampf gegen den Vormarsch Napoleons 1812 nachzeichnet. Der deutschstämmige Oberbefehlshaber, heißt es da, tauge nicht zur Verteidigung des russischen Vaterlandes, »weil er alles so gründlich und genau überlegt, wie es eben in der Natur eines jeden Deutschen liegt«. Mehr Gefühl, das war es, was sich die Russen nicht nur bei Tolstoi wünschten.

Die engen familiären Bande zwischen russischen und deutschen Herrschern verhinderten auch nicht, dass die beiden mächtigen Kaiserreiche zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine fatale Frontstellung zueinander gerieten. Die Russen schwärmten für panslawistische Ideen und machten die Sache der Serben zu ihrer eigenen; die Deutschen verfolgten ebenfalls imperiale Interessen. Der Erste Weltkrieg, den Nikolai II. und sein kaiserlicher Cousin Wilhelm II. nicht zu verhindern vermochten, zerrüttete das Zarenreich noch schneller als sein deutsches Pendant und führte zur russischen Revolution von 1917.

Dennoch lebten Impulse des fast fünfhundertjährigen Zarenregiments auch in der Sowjetunion weiter. Die Bolschewiki verlegten die Hauptstadt vom revolutionären Petrograd wieder nach Moskau und regierten das Riesenreich vom Kreml aus, als benötigten sie die Aura monarchischer Macht. Der georgische Priesterseminarschüler Josef Stalin setzte die imperiale Tradition als roter Zar fort, wobei er die autokratische Willkür früherer Herrscher noch weit übertraf.

Selbst die Präsidenten des neuen Russland nach 1991, das sich eine demokratische Verfassung gegeben hat, regierten bald wieder mit einer zarengleichen Machtfülle. Russlands Herrscher sehen sich heute ähnlich wie zu kaiserlichen Zeiten als Garanten konservativer Werte. Über den imperialen Stil des Präsidenten Wladimir Putin und die Parallelen zwischen dem Zarenreich und der heutigen Russischen Föderation gibt in diesem Buch der Politologe Alexander Rahr Auskunft; er war bis Juni 2012 Leiter des Berthold-Beitz-Zentrums in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Rahrs Vorfahren lebten in Russland, sein Großvater kämpfte gegen die Revolution als Adjutant eines zarentreuen Generals.

Zu den Autoren gehören zahlreiche Russlandkenner aus der SPIEGEL-Redaktion, darunter alle Moskauer Korrespondenten seit Mitte der achtziger Jahre. Sie beschreiben und analysieren die Grundlinien der russischen Geschichte eines halben Jahrtausends, einer Ära, in der das einstige Großfürstentum zur Weltmacht aufstieg: Es geht um Themen wie die Verflechtung von Kirche und herrschender Macht, den Aufbau der nach Westen ausgerichteten Metropole Sankt Petersburg auf den Knochen ihrer Erbauer, die gewaltsame Expansion des Zarenreiches nach Süden in den Kaukasus, den Untergrundkampf russischer Revolutionäre und das Mysterium des Moskauer Kreml.

Porträts der bedeutendsten Zaren gehören ebenso in dieses Bild wie Beschreibungen des Lebens und Wirkens von Schriftstellern und Intellektuellen, des Malers Ilja Repin oder des Komponisten Peter Tschaikowski, die bis heute weit über ihr Heimatland hinaus wirken. Erstmals können deutsche Leser Texte aus Reden des zaristischen Ministerpräsidenten Pjotr Stolypin lesen. Der Politiker, der das Land durch die Schaffung einer bäuerlichen Mittelschicht stabilisieren wollte, stand zugleich für eine Politik blutiger Repression und wurde Opfer eines linksradikalen Terroristen. Im Putinschen Russland ist Stolypin eine Ikone fast wie zu Sowjetzeiten der Revolutionär Lenin.

Der Niedergang der Zarenherrschaft wird schlaglichtartig an der Affäre um den irrlichternden Erotomanen Grigorij Rasputin beleuchtet. Der Bauernspross untergrub das Regime durch sein wildes Leben ebenso wie durch die Umstände und Folgen seines Todes. Für den Mord an Rasputin, in den Verwandte der Zarenfamilie verwickelt waren, wurde niemand bestraft. Der Staat des Zaren hatte damit abgedankt, wenige Monate bevor der zuletzt völlig ratlose Nikolai II. dem Thron entsagte.

Hamburg, im Sommer 2012

Uwe Klußmann, Dietmar Pieper

TEIL I

VOM FÜRSTENTUM ZUM
ZARENREICH

Der zornige Zar

Er war belesen und extrem jähzornig:
Iwan IV., »der Schreckliche«, schuf als Gewaltherrscher
die Grundlagen des russischen Imperiums.

Von Uwe Klußmann

Der 17-Jährige, dem der Metropolit Makarij am 16. Januar 1547 in der Uspenski-Kathedrale im Moskauer Kreml die mit Fell umkränzte Zarenkrone aufsetzt, ist ein Feind der herrschenden Verhältnisse. Russlands erster Kaiser traut seiner höfischen Umgebung nicht. Schon als Kind hat Iwan Moskaus mächtige Hochadelige, die Bojaren, hassen gelernt. Nominell herrscht Iwan IV. als Großfürst, seit er drei Jahre alt ist; sein Vater, Großfürst Wassilij III., ist in dieser Zeit gestorben. Als Regentin fungiert seine Mutter Jelena, aber als der Junge sieben ist, stirbt auch sie. Nun streiten habgierige Bojaren miteinander, die den Moskauer Kreml in eine wahre Kampfarena verwandeln. Eine Fürstenversammlung, die Bojaren-Duma, beherrscht das Land. Die Adelsmänner empfinden den kleinen Iwan nur als störend.

Voller Groll wird Iwan IV. später beschreiben, wie die Bojaren ihn und seinen Bruder behandeln: »Man ließ uns darben wie die Kinder eines Bettlers. Wir waren schlecht gekleidet und litten Hunger und Kälte.« Iwan erlebt wüste Schlägereien zwischen verfeindeten Fürsten. Besonders empört es den künftigen Zaren, dass sich der führende Bojar Andrej Schuiski eines Tages auf das Bett seines verstorbenen Vaters fläzt. Als 13-Jähriger schlägt der Missachtete zurück. Iwan lässt den Bojaren Schuiski bei einer Audienz verhaften und von Jagdhunden zerfleischen. So verhasst ist ihm der Mann. Zimperlich ist der Zar in spe, ein halbes Kind noch, wahrhaftig nicht. Zur Feier seiner Volljährigkeit, mit 15 Jahren, lässt er mehrere Fürsten hinrichten. Der junge Herrscher versteht sich dabei als streng gläubig. Unter Leitung des Metropoliten Makarij liest er viel und gründlich – Bibeltexte, Biografien von Heiligen und Chroniken Russlands. Seine Intelligenz fällt ebenso auf wie seine Zähigkeit.

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Der Großfürstensohn sieht sich als kommender Herrscher eines aufstrebenden Reiches, von Gott berufen. Sein Großvater, Großfürst Iwan III., hatte 1472 Sofija Paleolog geheiratet, die Nichte des letzten gestürzten Kaisers von Byzanz. Moskaus Herrscher übernahm aus Konstantinopel den doppelköpfigen Adler als Staatssymbol, das byzantinische Zeremoniell und die Idee des Kaisertums. Schon Iwan III. nannte sich bisweilen »Zar«, doch erst sein Enkel wird nach dem Ritual des byzantinischen Kaisers gekrönt – eine Herausforderung gegenüber den europäischen Großmächten. Der Zar ist nur Gott und der christlichen Reichsidee verpflichtet, ein absoluter Monarch.

Die orthodoxe christliche Religion hatten die Russen schon ab 988 aus Byzanz eingeführt, als Fürst Wladimir I. in Kiew, der »Mutter aller russischen Städte«, sich und sein Volk taufen ließ. Nachdem die Mongolen Kiew im 13. Jahrhundert zweimal zerstört hatten und der russische Metropolit, das Oberhaupt der orthodoxen Kirche, 1299 zunächst nach Wladimir und dann 1326 nach Moskau übergesiedelt war, wurde die Stadt an der Moskwa zur russischen Hauptstadt. Doch auch dieses Machtzentrum geriet für mehr als zwei Jahrhunderte unter die Herrschaft der mongolischen Khane. Ein Hang zu Härte im Umgang mit Beherrschten und zu Korruption wird die Spätfolge dieser Fremdherrschaft sein.

Die erfolgreiche Schlacht gegen die Mongolen auf dem Schnepfenfeld 1380 stärkte dauerhaft das Selbstbewusstsein der Russen. 100 Jahre später schüttelten sie unter Großfürst Iwan III. das »Tatarenjoch« endgültig ab. Iwan III. vereinte russische Fürstentümer im Nordosten des heutigen Landes zu einem gemeinsamen Staat. Der Großfürst verstand sich bereits als Alleinherrscher, als »Gossudar« von »ganz Russland«. Hier mischten sich mongolische Verwaltungspraxis und byzantinische Staatsideologie. So entstand das Fundament eines Großreichs. Der Mönch Filofej, geboren 1455, steuerte das nötige Sendungsbewusstsein bei: Moskau, so der zeitweilige Abt des Klosters Pskow im russischen Nordwesten, sei nach dem Untergang der oströmischen Hauptstadt Konstantinopel 1453 das »Dritte Rom«, etwas Unersetzliches, denn ein viertes Rom werde es nicht geben.

Dieses Dritte Rom war raumgreifend, schon Iwan III. erweiterte es bis zum Ural und zum Eismeer. Sein Sohn Wassilij III. setzte die »Sammlung der russischen Erde« fort. Von ihm erbt Iwan IV. ein Gemeinwesen, das zur Großmacht strebt. Dem stehen jedoch Hindernisse im Weg, innere und äußere. Die parasitäre Bojarenoligarchie am Hof bereichert sich hemmungslos, plündert die Staatskasse. Als Bausteine für ein starkes Russland sind die Bojaren wertlos. Der junge Zar auf dem byzantinischen Thron aus Elfenbein will ihre Macht schwächen, mit allen Mitteln.

Nach einem verheerenden Brand in Moskau, kurz nach seiner Krönung, hält Iwan IV. eine Rede auf dem späteren Roten Platz vor der Kremlmauer. Darin verurteilt er die Bojaren als »bestechlich, unmoralisch, habgierig« und hält ihnen vor, sie übten »falsche Gerechtigkeit«. Damit spricht er die Wahrheit aus, »prawda«, ein Begriff, den die Russen auch als Chiffre für Gerechtigkeit verstehen. Um die Verhältnisse zu ändern, lässt Iwan einen »Auserwählten Rat« einberufen, ein Gremium aus Geistlichen, sachverständigen Hofbeamten (Djaken) und Bojaren.

Der Alleinherrscher schafft erstmals eine lokale Selbstverwaltung. Stadtbewohner und freie Bauern wählen Verwaltungsleiter, Starosten. So schwächt Iwan den Einfluss der hohen Aristokratie und stärkt den Dienstadel. Staatsbeamte lässt er zentral besolden. Das eingespielte System der »Kormlenije«, des korrupten Durchfütterns von Beamten durch die örtliche Bevölkerung, schafft er ab. Drei Jahre nach seiner Krönung beruft Iwan eine beratende Landesversammlung ein, die ein neues Gesetzbuch erörtert. Das bestechliche Gerichtswesen will er umkrempeln. Gewählte Volksvertreter können Gerichtsverhandlungen besuchen. Als Kontrolleure sollen sie die Justiz beaufsichtigen.

Ein Jahr später ruft der Zar hohe Geistliche zu einem Konzil zusammen und mahnt Reformen an. Denn auch in den Klöstern herrschen chaotische Zustände. Statt mit frommer Lektüre beschäftigen sich viele Mönche eher mit leichten Mädchen und scharfen Getränken. Auf dem Konzil wirft der Zar den Mönchen vor, dass sie »in Saus und Braus die Güter des Klosters verprassen und der gemeinsten Unzucht frönen«.

Der energische Herrscher reformiert auch das Militär. Die Grundbesitzer sind nun verpflichtet, pro 160 Hektar Land einen Krieger »beritten und in voller Rüstung« zu stellen. So verdoppelt Iwan das russische Heer innerhalb von 20 Jahren auf etwa 300000 Mann. Moskau wird zu einer Militärmacht, einschließlich moderner Schützenregimenter mit Schusswaffen.

Der Zar setzt auf eine offensive Streitmacht. Russland kann nur aufsteigen, wenn es zwei Gegner schlägt: die Khanate Kasan und Astrachan. Beide Staaten sind Überbleibsel der mongolischen Goldenen Horde. Mit massiven Raubüberfällen gefährden die Khanate den Handel und die Sicherheit Russlands. Sie entführen und versklaven Tausende von Russen, darunter viele Kinder. Nach zwei gescheiterten Angriffen gelingt es den russischen Truppen im Oktober 1552, die 800 Kilometer östlich von Moskau gelegene Hauptstadt Kasan zu stürmen, auch mit Hilfe eines deutschen Sprengmeisters, der ihre Festungsmauern zerlegt.

Der Sieg von Kasan macht den 22-jährigen Zaren zu einem Volkshelden.

Die Moskauer bereiten dem heimkehrenden Feldherrn unter dem Geläute der Kirchenglocken einen begeisterten Empfang. Den Menschen in der Hauptstadt erscheint der Monarch, angetan mit seiner goldenen Krone und seinem purpurnen, prachtvoll geschmückten Gewand, wie ein Heiliger. Zu Ehren des Sieges lässt Iwan auf dem Roten Platz die Basilius-Kathedrale errichten. Dass er nach der Fertigstellung angeblich den Architekten blenden lässt, damit dieser nie wieder eine so schöne Kirche bauen kann, ist eine Legende.

Im Sommer 1556 marschieren russische Truppen in Astrachan am südöstlichen Rand des Reiches ein. So sichern sie die Wolga als Handelsweg. Im Jahr darauf werden auch die Baschkiren am Ural dem Reich angegliedert. Im Süden nehmen die Soldaten des Zaren nun die Berge des Kaukasus in den Blick. An den Ufern des Flusses Terek errichten sie eine Festung. Völker im Nordkaukasus, vor allem die Tscherkessen, sehen einen Vorteil darin, sich an Russland anzulehnen. Sie befruchten das aufstrebende Reich mit ihrer Vitalität und ihrem Kampfgeist.

Auch wenn er die Festung am Terek unter osmanischem Druck 1571 schleifen muss, demonstriert der Zar selbst in seinem Privatleben, wie eng er das Schicksal der Russen mit den Völkern des Kaukasus verbunden sieht. Verwitwet nach dem Tod seiner ersten Frau, einer Russin, heiratet er 1561 die Tochter eines kabardinischen Fürsten. Die Kaukasierin nimmt den orthodoxen Glauben und den Namen Marija an. Ihrem Mann erteilt die Zarin hilfreiche Ratschläge, etwa zum Aufbau einer Wache nach dem Vorbild kaukasischer Bergfürsten. Mit der Herrschaft über Tataren, Baschkiren und Kaukasier wird das Zarenreich zum Vielvölkerstaat. Damit dieses Land sein Gewicht als Großmacht in Europa einbringen kann, braucht es Zugang zu Ostseehäfen. Das Baltische Meer bietet die Handelswege in die entwickelten Länder Mittel- und Nordeuropas. Deren technischer Fortschritt fasziniert den Zaren. Iwan beauftragt den Handelsagenten Hans Schlitte aus Goslar, in Deutschland Glockengießer, Goldschmiede, Ärzte und Papiermacher anzuwerben. Schlitte versammelt 123 Spezialisten, die bereit sind, in Moskau zu arbeiten. Doch Lübecker Ratsherren, die russische Konkurrenz fürchten, vereiteln die Abreise der Delegation. Schlitte wird in Lübeck verhaftet.

Den Weg zum Ostseehandel bahnt sich der Zar militärisch. 1558 stürmen russische Truppen die Hafenstadt Narwa, bisher beherrscht vom Livländischen Orden. Der kriselnde Ordensstaat kann den Angreifern nur wenig Widerstand entgegensetzen. Zeitweilig beherrschen die Russen das heutige Estland und den Norden des heutigen Lettlands. Doch es gelingt Iwan nicht, das lettische Riga und das estnische Reval (heute: Tallinn) einzunehmen. Während jahrelanger Kämpfe zeigt sich, warum der Oberbefehlshaber in den eigenen Reihen kaum weniger gefürchtet wird als vom Feind. 1563, bei einem Heerzug durch Weißrussland, erschlägt der jähzornige Herrscher den Fürsten Iwan Schachowskoi im Streit mit einer Keule.

Der Krieg an der Ostsee bringt dem Zaren keinen dauerhaften Sieg. Der Ordensstaat löst sich 1561 auf und unterstellt sein Gebiet dem Schutz von Schweden, Litauen und Polen. Gegen das 1569 mit Polen vereinte Litauen und dessen schwedische Verbündete zieht sich der Livländische Krieg in die Länge. Ausländische Chronisten vermerken erstmals, wie zäh und tapfer russische Soldaten kämpfen. In einem Friedensschluss 1582 muss Iwan auf Livland einschließlich Narwa verzichten, Russland verliert seinen einzigen Ostseehafen. Während dieses Krieges, der die Kräfte Russlands ebenso auszehrt wie die seines Zaren, erlebt Iwan seine bitterste Enttäuschung. Fürst Andrej Kurbski, der mit ihm Kasan erobert hatte, sein enger Vertrauter und Statthalter in Livland, wechselt Ende April 1564 bei Dorpat die Fronten. Mit ihm ziehen Anhänger und Untergebene. Polens König Sigismund II. August beschenkt den Überläufer mit großen Ländereien. Schließlich führt Kurbski polnische Truppen gegen die Russen in den Kampf.

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Iwan IV., »der Schreckliche«, im Zaren-Ornat

(Gemälde von 1897)

A. KOCH/INTERFOTO

In Briefen an den Zaren beklagt der Abtrünnige dessen gewalttätiges Regiment. Iwan wiederum wirft Kurbski vor, er habe ihn wegen materieller Vorteile verraten und »des Leibes wegen die Seele vernichtet«. Die »Selbstherrschaft« des Zaren, so Iwan, sei nun einmal »nach Gottes Ratschluss« gegründet. Eindringlich beschreibt der Monarch, wie er seine Aufgabe versteht: »Und immerdar geziemt es den Herrschern, umsichtig zu sein: hier sehr milde, dort grimmig; für die Guten Gnade und Milde, für die Bösen Grimm und Pein. Wenn er aber das nicht hat, so ist er gar kein Zar; denn der Zar ist nicht in den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten.« Die Affäre Kurbski macht aus Iwan IV. endgültig Iwan Grosny, den »Gestrengen«, den man im Westen bald »den Schrecklichen« nennen wird. Dass er sich die Bojaren zu Feinden auf Lebenszeit gemacht hat, weiß der Potentat schon lange, spätestens seit einer schweren Erkrankung im Jahre 1553. Da zögern angeblich viele Fürsten, die Bitte des Zaren zu erfüllen, seinem kleinen Sohn Dmitrij die Treue zu schwören – um dem Zaren die Erbfolge zu sichern, falls er stirbt. Der Fall Kurbski zeigt aus Sicht des Selbstherrschers, dass die Bojaren sogar potentielle Landesverräter sind, bereit, sich an ausländische Feinde Russlands zu verkaufen.

Ein halbes Jahr danach, im November 1564, entschließt sich der Zar zu einem dramatischen Schritt. Er ruft Bojaren und Geistliche im Moskauer Kreml zusammen. In einer Rede klagt er über Untreue und Verrat. Überraschend verkündet er, er lege seine Herrschaft nieder. Vor den verblüfften Zuhörern zieht er sein Ornat aus, setzt die Krone ab und verlässt bald darauf den Kreml. Am 3. Dezember lässt er mehr als hundert Schlitten beladen und fährt mit Familienangehörigen und Gefährten auf verschneiten Wegen aus der Hauptstadt. Die Reise endet in Alexandrowa Sloboda, einem Landsitz 100 Kilometer nordöstlich von Moskau.

Die Moskauer sind bestürzt und hilflos. Da bringen Reiter Anfang Januar 1565 eine Zaren-Botschaft, die vor dem Volk verlesen wird. Iwan klagt erneut die verräterischen Bojaren an und verkündet sogleich, gegen das Volk von Moskau hege er keinen Groll. Nun geschieht, worauf der Zar gesetzt hat: Eine große Delegation der Moskauer zieht nach Alexandrowa Sloboda, mit Kirchenfahnen und Ikonen, singend und betend. Das Volk will seinen Zaren zurück. Der stellt Bedingungen: Mit »Verrätern« werde er verfahren, wie er es für richtig halte. Und der Staat werde radikal umgebaut.

Opritschnina heißt das Zauberwort der erneuerten Zarenherrschaft. Der Begriff bedeutete ursprünglich den abgesonderten Teil eines Erbes. Praktisch geht es um einen Staat im Staate. Die Opritschniki, eine dem Zaren ergebene Garde, bilden die neue Stütze der Herrschermacht. Die Männer gehören überwiegend zum Dienstadel, einer Schicht, die gut 18000 Mann zählt. Iwan Grosny unterstellt der Opritschnina große Teile des russischen Territoriums, den Südwesten Moskaus inklusive. Die restlichen Gebiete verbleiben als »Semschtschina« unter der Bojaren-Duma.

Die Opritschniki, zunächst 1000 Mann, bald darauf 6000 Kämpfer, leisten dem Zaren einen besonderen Treueeid. Sie tragen schwarze Kittel und führen an ihren Pferden einen Hundekopf und Besen als Abzeichen. Als Sicherheitsdienst sollen sie Feinde des Herrschers wie Hunde aus der Heimat jagen. Erstmals zeigt sich, so der Moskauer Historiker Andrej Firsow, »dass Russland Krisen mit außerordentlichen Kommissionen bewältigt« – eine Anspielung auf die spätere bolschewistische Geheimpolizei. Mit den Opritschniki, meist jungen Aufsteigern aus dem Dienstadel, kommt ein Terrorregime auf Touren. Der Orden unter dem Hundekopf verschafft seinen Mitgliedern Landgüter der Bojaren, die gewaltsam umgesiedelt werden. In Alexandrowa Sloboda errichtet der Zar mit der Opritschnina eine zweite Hauptstadt. Diese Festung hinter Wall und Graben verlässt der Herrscher nur unter dem Schutz einer Sicherheitstruppe. Entspannung findet Iwan bei den Klängen seines 27-köpfigen Chores. Dessen Sänger stimmen Loblieder an auf Gott, den Zaren und die Heimat.

AUTOKRATIE

Macht ohne Rechenschaft

Als Autokratie bezeichnet man die Regierung eines Alleinherrschers, dessen Machtfülle nicht durch Kontrollinstanzen eingeschränkt ist. In diesem Sinne waren die russischen Zaren stets Autokraten. Ihr zentralistisches System der »Selbstherrschaft« sah eine Teilhabe des Volkes an der Staatsgewalt nicht vor. Ein Autokrat ist niemandem Rechenschaft schuldig. Er allein verkörpert den souveränen Staat. Im Zarentum findet die Macht des Herrschers ihre Beschränkung nur im göttlichen Recht und in der Verpflichtung des Monarchen auf die Idee des Reiches.

In der Opritschnina dienen gläubige Gefolgsleute des Monarchen, aber auch zynische Abenteurer wie der Deutsche Heinrich von Staden aus dem Münsterland. Der prahlt damit, dass Strafexpeditionen gegen Bojaren in Raubzüge ausarten, bei denen sich Opritschniki schamlos bereichern. Weil sie sicher sind, straffrei auszugehen, lassen die Gardisten immer öfter alle Hemmungen fallen. Besonders arg treiben es die Opritschniki bei einem Überfall auf die Handelsstadt Nowgorod 1570.

Sie rauben Kirchenschätze, plündern den Hof des Erzbischofs und die Häuser von Handwerkern und Kaufleuten. Sie foltern vermeintliche Verräter am offenen Feuer. Die Gequälten liefern alle gewünschten Geständnisse. In Nowgorod sperrt ein Opritschnik einen Amtmann mit einem Bären in ein Zimmer. Das Tier zerfetzt dem zu Tode Erschrockenen die Kleidung. Als auch die orthodoxe Kirche sich gegen die Opritschnina wendet, lässt der Zar den Metropoliten Filipp II., der dem Zaren den Segen verweigert, in ein Kloster verbannen. Später erwürgt ihn dort ein führender Opritschnik.

Allmählich aber dämmert es Iwan Grosny, dass mit rauen Gesellen allein auf Dauer kein Staat zu machen ist. So lässt der Zar zahlreiche Opritschniki umbringen. 1571/72 wehren Opritschniki und Bojarentruppen gemeinsam einen Angriff des Krim-Khanats auf Moskau ab. Es ist für Russland ein Krieg um Sein oder Nichtsein. Der Zar scheint zu begreifen, dass er sich eine Spaltung des Landes nicht länger leisten kann. Schließlich bleibt nach Säuberungen ab 1572 kaum ein Fünftel der alten Opritschniki im Hofdienst. Der Zar löst die Opritschnina im gleichen Jahr auf. Und er verbietet, sie künftig auch nur zu erwähnen. Mindestens 4000 Menschen sind unmittelbar durch die Opritschniki ums Leben gekommen. Der Schaden für das Land, das etwa acht bis zehn Millionen Einwohner zählt, geht tiefer. Angst und Misstrauen bestimmen weiterhin das öffentliche Leben. Der dunkelbärtige Herrscher, 1,78 Meter groß, verbreitet mit seinen unruhig umherschweifenden Blicken eine Atmosphäre der Furcht. Vor der brodelnden Wut des zornigen Zaren sind nicht einmal nahe Familienangehörige sicher.

Im November 1581 trifft er bei einem Streit seinen Sohn Iwan mit der eisernen Spitze eines Stabes an der Schläfe. Blutend bricht der 27 Jahre alte Zarewitsch zusammen. Wenige Tage später stirbt er. Der Totschlag im Affekt erschüttert den 51-jährigen Täter tief. Denn der zügellose Zar wollte seinen Sohn nicht umbringen. Iwan Grosny setzt die Zarenkrone nicht mehr auf. Er legt auch seinen fürstlichen Schmuck nicht mehr an. Der fanatisch religiöse Monarch, der seine innere Zerrissenheit auf das ganze Land übertragen hat, zeigt überraschend Züge von Altersmilde.

Nach Jahrzehnten, in denen er fast ununterbrochen Krieg geführt hat, schließt er 1582 Frieden mit Polen-Litauen. Er spendet große Geldsummen an Klöster und lässt für die Seelen jener vermeintlichen Feinde beten, die er hinrichten ließ. Iwan IV. versucht, »die Rolle und die Maske eines Peinigers gegen die eines Wohltäters auszutauschen«, so der russische Historiker Ruslan Skrynnikow. Dazu hat er allen Anlass. Russland ist verarmt und verödet. Es wird heimgesucht von Missernten und Pest. Am 18. März 1584 stirbt der Zar im Alter von 53 Jahren, plötzlich, während er ein letztes Mal Schachfiguren setzt. Trotz seiner düsteren Seiten hat Iwan IV. in Russland weiterhin viele Verehrer. Denn er verschafft dem entstehenden Imperium mit dem gestärkten Dienstadel eine staatstragende Schicht. Und er weist die Richtungen, wohin das Reich sich ausdehnen wird: zum Kaukasus und zum Schwarzen Meer, an die Ostsee und nach Sibirien.

Josef Stalin lässt den Regisseur Sergej Eisenstein im Zweiten Weltkrieg einen Film über Iwan Grosny drehen. Das Volk soll sich am Beispiel dieses Zaren aufrichten. Das Verdikt von Karl Marx über die »unglaublich grausamen Untaten der Opritschniki« ist für Stalin nicht bindend. Eisensteins Monumentalfilm zeigt Iwan IV. als begnadeten Volksführer. Im russischen Vorspann heißt es, das Werk handele »von einem Menschen, der als erster unser Land einte und einen mächtigen Staat schuf«. Die Zuschauer erleben einen entschlossenen Zaren, bedrängt von arglistigen Bojaren und beschützt von treuen Opritschniki. Ein zweiter Teil des Epos, in dem Eisenstein auf Stalins Schreckensherrschaft anspielt, wird zunächst verboten und erreicht die Zuschauer erst nach dem Tod des roten Zaren.

Ein gänzlich anderes Bild Iwans bietet der 2008/09 gedrehte Film »Zar« des liberalen Moskauer Regisseurs Pawel Lungin. Der zeigt ein Grosny-Land voller an Galgen baumelnder Leichen, ein Reich der Finsternis, regiert von einem psychopathischen Despoten. Ironie der Geschichte: Gefördert wurde der Film vom Bankier Andrej Borodin, während der Dreharbeiten Boss der »Bank Moskwy«, Vertrauter des damaligen Bürgermeisters Jurij Luschkow. Inzwischen ist der Bankier ebenso wie das Stadtoberhaupt in Ungnade gefallen. Luschkow und Borodin haben sich in den Westen abgesetzt, aus Angst vor den Sicherheitsmannen des Kreml. Denen sagt man in Moskau nach, sie pflegten im Kampf gegen Bojaren von heute auch die Tradition Iwan Grosnys und seiner Opritschniki.