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MARTHA GRIMES

 

DIE NACHT
DES VERFOLGERS

 

Roman

 

 

Ins Deutsche übertragen
von Cornelia C. Walter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DANKSAGUNGEN

Mein Dank geht an den Animal Legal Defense Fund und an Sue Ann Chambers für ihre Hilfe bei Rechtsfragen; an die Humane Farming Association und Gail Eisnitz für ihre unermüdlichen Nachforschungen zum Thema Schweinemastanstalten und Schlachtfabriken; und an John Walker, der imstande ist, aus unvorstellbarer Entfernung einen Zweig vom Baum zu schießen.

EPILOG

Das weiße Pferd war entweder gestrauchelt und in die Grube gefallen oder vielleicht sogar hineingestoßen worden. Ein verletztes Wildpferd war es bestimmt nicht. Mit seinen hervorstehenden Rippen sah es irgendwie krank aus. War vermutlich gestrauchelt, obwohl sich auf diesen weiten Feldern kaum Hindernisse fanden. Vielleicht war es einfach vor Erschöpfung niedergesunken. Es lag offensichtlich im Sterben.

 

 

Nach vier Tagen Fußmarsch und einer langen Busfahrt war Andi inzwischen bis an die nördliche Grenze von North Dakota gelangt. Dahinter lag Kanada.

Von der Stelle aus konnte sie in der Ferne etwas sehen, was wie eine Pferdefarm aussah. Es waren bestimmt ein Dutzend Ställe, ziemlich große sogar, und auf der dahinterliegenden Koppel erkannte sie einige Pferde. Da keine anderen Tiere zu sehen waren, waren die Ställe wohl für die Pferde gedacht.

Sie sah sich nach etwas um, womit sie das Pferd herausziehen konnte, irgendetwas, mit dem sie eine Art Hebelwirkung erzielen könnte, ein um einen Baum gebundener Strick, irgendetwas. Doch sie wusste, da war nichts, kein Strick und kein Baum. Und wenn, hätte es dem Pferd auch nichts geholfen.

In ihrem Rucksack war ebenfalls nichts Brauchbares. Das Schmerzmittel und die Arnikasalbe … sie hatte keine Ahnung, ob die etwas nützen würden. Das Pferd lag auf der Seite, blickte aus einem großen Auge zu ihr hoch.

Jetzt um Himmels willen bloß etwas Wasser!

Obwohl kaum Platz war, weil die sterbende Stute die Grube fast vollständig ausfüllte, ließ Andi sich in das Loch hinunter. Das Tier wirkte verängstigt  – kein Wunder: Was kam denn jetzt noch und brachte Unheil mit sich?

»… den weißen Falter hinweg in die Nacht …«

Sie überlegte, ob sie vielleicht zu der Farm laufen sollte, um Hilfe zu holen, hatte dann aber das Gefühl, dass von dort keine Hilfe käme, jedenfalls ganz bestimmt keiner, der eine Art Gerät herbeischaffte, mit dem sich das Pferd hochheben ließe.

Sie zog ihre Steppweste aus und schob sie der Stute unter den Kopf. Dann rieb sie ihr die schweißnasse Flanke. Das Loch, hatte sie festgestellt, war fast anderthalb Meter tief.

Wasser! Sie griff nach oben in ihren Rucksack und zog die Literflasche Wasser hervor. Die war zwar nur halb voll, würde aber Linderung bringen, obwohl sie nicht wusste, wie das Pferd daraus trinken sollte, wenn es den Kopf nicht heben konnte. Bilder von Dakota und Sam, von Odds On und Odds Against kamen ihr in den Sinn, alle ihr Wasser aus Eimern saufend. Sie konnte der Stute bloß den Kopf etwas anheben und versuchen, ihr das Wasser einzuflößen. Das gelang ihr mehr schlecht als recht, und ein Teil des Wassers tröpfelte dem Tier aus dem Maul und am Hals herunter. Aber immerhin besser als nichts. Wenigstens entspannte sich das Pferd so weit, dass es die Augen zumachte.

Etwas unbequem saß Andi mit bis ans Kinn angewinkelten Beinen da, den Arm verkrampft unter dem Hals der Stute. Sie machte sich los und faltete die Weste zu einem besseren Kissen zurecht. Sie wusste nicht, wie lange sie so dagesessen hatte, während ihr im Kopf lauter Bilder von Grainger, Jim, Tom und Bobby Del Ray herumgingen.

Immer wieder strich sie der Stute mit der Hand über die Seite und fühlte ihren flachen Atem. Das Tier lag im Sterben, und sie wollte es nicht allein lassen. Sie wollte nicht, dass es einsam starb. Wie lange sie dort blieb, wusste sie nicht, als ihre Hand plötzlich spürte, wie der Atem nachließ, immer schwächer wurde, bis das Pferd sich kurz streckte und dann ganz aufhörte zu atmen. Andi fing an zu weinen, hörte dann aber abrupt auf und wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht.

Ihr blieb nichts mehr zu tun. Sie stand auf und stemmte sich aus dem Loch hoch, dann nahm sie ihren Rucksack und lief querfeldein. Je mehr sie sich dem Anwesen näherte, desto mehr schien es außer Sichtweite zu geraten, gerade wie ein Stern.

Schließlich gelangte sie an eine Umzäunung mit Holzpfosten, Stacheldraht und einem Schild mit der Aufschrift BETRETEN VERBOTEN. Sie musste lachen. Irgendwo hier in der Nähe würde sich bestimmt bei näherem Hinsehen herausstellen, dass der Zaun an mindestens einer Stelle beschädigt war, nämlich da, wo das Pferd durchgekommen war. Was zum Tod des Tiers geführt hatte, wusste sie allerdings nicht.

Nach weiteren zehn oder fünfzehn Minuten Fußmarsch erreichte sie das Anwesen  – lang gestreckte Stallungen, ähnlich wie bei Klavan’s, bloß nicht weiß gestrichen.

Als sie an einer offenen Stalltür vorbeikam, blieb sie stehen. Sie sah Pferde in schmalen Boxen stehen, mehrere Reihen hintereinander, und jedes Tier war offenbar an einen Schlauch mit einer Art Plastikbeutel angeschlossen. Das war es also, wovon Jim und Tom ihr erzählt hatten. Aus genau so einem Betrieb hatte Jim Dakota geholt. Er hatte von diesen Pferdefarmen gesprochen, die sich hauptsächlich an der Grenze befanden, die meisten davon in Kanada. PMU  – Pregnant mares’ urine. Harn von schwangeren Stuten. Der Harn wurde aufgefangen, was bedeutete, dass alle, die hier standen, trächtig waren. So brachten sie also ihr Leben zu.

Andi stand eine Weile da und überlegte, ob sie hineingehen und jemanden anschreien sollte, irgendeinem da drinnen von dem sterbenden Pferd berichten sollte, dem toten Pferd. Nein, auch wenn sie es immer wieder sagte, es würde doch nichts ändern.

Hinter den Ställen lag ein großes weißes Haus, wahrscheinlich wohnten dort die Besitzer. Links vom Stall befand sich ein weiß getünchter Klinkerbau.

Ein Mann mit breiten Hosenträgern und Schildmütze trat aus dem Stall, in den Händen zwei Eimer. Als er sie sah, blieb er stehen. »Kann ich was helfen?« Sein Stirnrunzeln wirkte eher neugierig als feindselig. »Brauchen Sie was?«

»Ich wollte bloß sagen, ich hab da draußen ein Pferd gefunden«  – sie deutete in die Richtung, aus der sie gekommen war  – »in einer Grube. Es ist wahrscheinlich gestolpert und da reingefallen.«

Er stellte die Eimer ab. »Oh, Scheiße. Verzeihung. Das ist wahrscheinlich über den Zaun rüber. Wo ist es denn jetzt?«

»Ich kann Ihnen zeigen, in welcher Richtung, dann ist es ganz leicht zu finden.«

Er nickte.

»Ist in dem weißen Gebäude dort das Büro?«

»Ja, da drüben.«

»Also, wenn Sie einfach so geradeaus gehen, kommen Sie direkt zu der Stute. Sie liegt in einem tiefen Loch. Ich fürchte, sie ist tot.«

Er nickte erneut, dankte ihr und ging auf den Zaun zu.

Andi warf sich den Rucksack über die Schulter und ging die drei Stufen zu dem Klinkerbau hoch.

Drinnen befand sich ein langer Tresen. Dahinter saß über eine Zeitung gebeugt ein großer, spindeldünner Mann unbestimmten Alters, am anderen Ende ein kleinerer, kräftigerer. Beide trugen Schildmützen.

Der Dünne hob überrascht den Blick und verzog das Gesicht zu einem anzüglichen Grinsen. »Ah, hallo, Hübsche.« Der lüsterne Blick sollte wohl durchtrieben und sexy wirken.

Andi stand einen Augenblick reglos da und überlegte, ob sie ihn erschießen oder einfach zurücklächeln sollte. Schließlich brachte sie ein etwas schiefes Lächeln zustande und ließ es dabei bewenden.

Ich kann Ihnen zeigen, in welcher Richtung, dann ist es ganz leicht zu finden.

Da ging ihr ein Lächeln übers ganze Gesicht. Es galt ihr ganz allein. »Sei doch nicht so gottverdammt selbstgerecht«, konnte sie Tom sagen hören.

Sie dachte an Grainger. Sie dachte an Alaska, an diesen kühlen, blauweißen, verführerischen Zauber. Wie sehr sie sich danach sehnte, dorthin zu kommen.

»Ich heiße Andi. Ich suche einen Job.«

1. KAPITEL

Jeder Schritt fiel dem Mädchen schwer, als es in der brütenden Hitze eines späten Augustnachmittages die rote Schotterstraße entlangging. Nur ab und zu blieb es stehen, um das Gewicht des schwer beladenen Rucksacks zu verlagern.

Die Badlands von South Dakota lagen bereits hinter ihr. Leider, wie sie fand. Sie hatte sie tröstlich gefunden, diese Landschaft, die schon so lange, seit Hunderten von Millionen Jahren, gleich war: riesige, zerklüftete Felsformationen, einige flach wie Tafelberge, andere spitz aufragend und mit einer roten Schicht gekrönt, wie festgebackene Ziegelerde.

Sie wünschte, die Badlands blieben für alle Zeiten so, doch selbst Felsgestein veränderte sich irgendwann. Starker Wind und heftiger Regen hatten die einzelnen Schichten erodiert, der Little Missouri River sie zu spitzen Skulpturen geformt. Die ausgetrockneten Läufe älterer Flüsse hatten Narben hinterlassen. Nicht einmal die Badlands waren den Elementen gewachsen, wo schwere Regenfälle tiefe Rinnen in die Felsen gegraben hatten, so dass sie wie plissiert aussahen. Lehmschichten färbten die Oberfläche blau. Auch gab es schwarze Kohleadern, die bisweilen unter dem Erdboden brannten und ihn ziegelrot werden ließen. So wie diese rote Schotterstraße unter ihren Füßen.

Und dann diese Stille. Noch nie hatte sie eine derart umfassende Stille erlebt.

In einem Café in Medora, wo sie vor über einer Woche gefrühstückt hatte, meinte die Bedienung beim Kaffeeeinschenken: »Den Namen haben die Badlands von den Indianern, ›land bad‹, sagten sie dazu, schlechtes Land. Wahrscheinlich weil man nichts damit anfangen konnte, es nicht bestellen oder drauf jagen oder Fallen stellen konnte.«

»Oder vielleicht«, sagte das Mädchen, »war das Land schlecht, weil es ihnen unheimlich vorkam.«

»Kommt es dir denn unheimlich vor? Mir nicht.« Die Bedienung hielt die Kaffeekanne mit nur einem Finger hoch, als wollte sie es darauf anlegen, dass sie Kaffee verschüttete.

»Nein«, erwiderte das Mädchen, »aber wir sind ja auch keine Lakota.«

 

 

Die Kraft und Ausdauer der Natur. Sie veränderte sich, ständig veränderte sie sich, aber nicht in der Zeit, die man je messen könnte, was ihr den Anschein von Beständigkeit verlieh. Wie anders war es doch bei Menschen, die so leicht davonhuschen, bereits in jenem kurzen Augenblick zwischen Hinschauen und Wegschauen verschwunden sein konnten, unsichtbar wie ein Atemhauch im Nebel.

Sie sah aus wie achtzehn oder zwanzig oder noch älter, schwer zu sagen. Sie trug ausgebleichte Jeans und ein verwaschenes blaues Hemd unter der Steppweste. Der khakibraune Rucksack, das blasse Blau der Kleidung und ihr helles Haar, heller als der Bart eines Maiskolbens, fast so bleich wie der Mond  – es passte alles zu der staubigen Landschaft, die sie durchwanderte, als hätte das Land sie aufgesogen.

Es war eine alte, nicht mehr sehr befahrene Landstraße. Autos und Lastwagen wichen inzwischen auf die Interstate 94 oder eine der Bundesstraßen aus. Diese hier diente eher dem örtlichen Verkehr, und außer dem Mädchen war meilenweit kein Lebewesen zu sehen. Nur kahle Felder, die vielleicht einmal zu Farmen gehört hatten oder die zu gar nichts gehörten.

Tiere hatte sie bisher noch keine gesehen. Bis auf den Esel dort vorn auf dem eingezäunten Feld, wo eine noch schmalere Straße, die vielleicht dem Besitzer des Esels gehörte, auf die Schotterstraße traf. Der Esel war immer noch vor einen Karren mit Holz und Düngemitteln gespannt, was irgendeinem Zweck zu dienen schien, doch welchem, war ihr nicht klar.

Das Mädchen verlangsamte den Schritt und blieb stehen. Dann kletterte sie die Böschung hoch und stellte sich neben den Zaun. Aus der Nähe konnte sie sehen, dass der Esel übel zugerichtet war. Seine Haut war vom Halfter ganz wundgescheuert. Kriebelmücken umschwirrten ihn, das Tier war allerdings zu müde, sie mit dem Schwanz zu vertreiben. Am Gatterzaun hielt sie Ausschau nach einem Tor oder sonst einer Öffnung, sah aber nichts und warf ihren Rucksack kurzentschlossen darüber. Oben auf dem Zaun verlief Stacheldraht. Wieder so etwas, was nur bedrohlich wirkte, sonst aber keinen Zweck erfüllte, dachte sie. Ein Pferd, das über den Zaun springen konnte, schaffte bestimmt auch noch die paar Zentimeter über den Draht.

Sie stellte den Fuß auf die zweite Zaunsprosse und ließ sich auf der anderen Seite herunterfallen. Aus dem Rucksack holte sie eine kleine Flasche und einen Lappen. Sie fuhr dem Esel mit der Hand am Hals entlang und begutachtete die wunden Stellen. Es war ein hübsches Tier, wunderschön silberblau mit weißer Blesse und tief liegenden Augen. Doch es wirkte abgezehrt und geschwächt. Was sollte es hier auch zu fressen finden? Hier gab es nur verdörrtes Gras, braun und hart.

In ihrem Rucksack hatte sie immer etwas zu essen dabei  – Äpfel, Orangen, Zucker, auch abgepackte Sachen, Katzenfutter etwa. Selbst Käse war da und ein paar süße Brötchen. Zum Schneiden hatte sie ein scharfes Messer bei sich. Sie förderte einen Apfel und eine Orange zutage und schnitt beide in der Mitte durch. Die Orange schälte sie, weil sie nicht wusste, ob Tiere die Schale mochten. Der Esel hätte vermutlich alles gefressen, aber das war kein Grund, sich nicht ein bisschen Mühe zu geben. Im Nu hatte er den Apfel verputzt, und sie hielt ihm die Orange hin. Die saftige Frucht konnte zur Not als Wasserersatz dienen. Wasser gab es keins, jedenfalls nicht auf diesem Feld. An so etwas dachten die Leute einfach nicht!

Während der Esel die Orange aß, machte sie sich an den wunden Stellen zu schaffen, an die sie leicht herankam. Um das Geschirr würde sie sich später kümmern. Die Tinktur zum Einreiben hatte sie selbst hergestellt. Sie enthielt ein Betäubungsmittel, damit der Alkohol nicht allzu sehr brannte. Dann hatte sie noch eine Salbe, die sich bei ihr auf der Haut kühl anfühlte, und so dachte sie, dass sie der Eselshaut ebenfalls guttun würde. Für ganz schlimme Schmerzen hatte sie noch ein paar Ampullen von dem Schmerzmittel übrig, das sie vor über einem Jahr in der Apotheke in Santa Fe gestohlen hatte. Anderthalb Jahre waren seit Santa Fe vergangen. Sie fragte sich, wie lange dieses Medikament wohl haltbar war. Buprenex war eine Art Morphium, und obwohl sie inzwischen herausbekommen hatte, wie viel man einem Kojoten oder Wolf gefahrlos verabreichen konnte, war sie bei größeren Tieren unsicher. Vielleicht sollte sie nur ihre homöopathischen Arzneien anwenden, Ledum oder Arnika.

Als sie die Salbe auf eine der wunden Stellen auftrug, zuckte der Esel ein wenig zusammen. Er wich aber nicht zurück, zerrte auch nicht am Halfter und ließ sich widerstandslos von ihr behandeln.

Unterdessen schweifte ihr Blick über die Felder, sie hielt Ausschau nach Menschen. Das Farmhaus, die Stallgebäude und die anderen Hoftiere waren nicht zu sehen, versteckt hinter der Anhöhe. Sie überlegte, ob sie die Farm auskundschaften sollte, entschied sich dann aber dagegen. Was käme dabei schon heraus?

Nachdem sie mit dem Antiseptikum fertig war, begutachtete sie das Geschirr. Sie machte den Karren los, und es war, als hätte sie den Esel seines alten Lebens entledigt. Nun lag es wohl an ihr, ihm ein neues zu bieten.

Sie ging den Zaun ab, suchte nach einer Öffnung und fand eine Stelle, an der ein Stück Draht sich gelockert hatte, weil die Holzsprosse verrottet war. Sie hatte eine Drahtschere dabei und versetzte der verrotteten Sprosse kurzerhand einen Tritt, so dass diese nach unten fiel wie ein Holzscheit im Kaminfeuer. Dabei hielt sie den Blick immer auf das entlegene Feld gerichtet. Jetzt war die Öffnung groß genug zum Durchschlüpfen. Sie ging zurück, packte den Rucksack zusammen, griff nach dem Strick und brauchte gar nicht erst heftig zu ziehen, denn der Esel trottete bereitwillig hinter ihr her. Von Karren und schwerem Halfter befreit konnte er sich nun leicht bewegen.

Der Sonnenuntergang war prächtig: ein schmelzendes Farbgemisch in Rot und Orangegelb. Hatten die Besitzer den Esel etwa die ganze Nacht hier draußen stehen lassen wollen, am Karren angeschirrt, ohne Futter und Wasser? Blind starrend auf das, was ihm dort draußen auf der Landstraße zu Hilfe kommen mochte? An diese Ecke hatte sich der Esel wohl geschleppt, um die Straße im Blick zu haben, in der Hoffnung, jemand würde anhalten. Und jemand hatte angehalten.

»Du warst also schlau«, sagte sie und rieb ihm den Rücken. »Und du hattest Glück.« … und lenkte den weißen Falter hinweg in die Nacht?

Die Gedichtzeile kam ihr überraschend, unaufgefordert in den Sinn. Sie stammte aus einem Gedicht von Robert Frost, irgendetwas über eine weiße Spinne. In ihrem Rucksack hatte sie einen kleinen Gedichtband bei sich. »Lenkte den weißen Falter hinweg in die Nacht?« Wie war sie darauf gekommen? Es würde ihr schon noch einfallen. An die nächste Zeile konnte sie sich nicht erinnern, aber die würde ihr auch noch einfallen.

Sie führte den Esel am Zaun entlang zu der Öffnung. Als er stehen blieb, stieg sie als Erste durch und bedeutete ihm nachzukommen. Sie zog nicht am Strick, sondern wartete. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis er es sich überlegt hatte und ihr folgte.

Geduldig stand er dann da, während sie die Hufe nacheinander hochhob und begutachtete. Beim Gehen schien er keine Schmerzen zu haben, oder doch? Hier konnten sie nicht bleiben, denn es könnte ja jemand von der Farm kommen und das Tier holen wollen. Bis zum nächsten Morgen würde sich aber bestimmt keiner hier blicken lassen, wenn überhaupt, und auch keiner nach ihm suchen.

Jetzt, wo seine schorfigen Wunden versorgt waren, schien es dem Esel besser zu gehen. Sie fand ihn auch friedlicher, nachdem er den Karren los war, obwohl sie das natürlich nicht genau zu sagen wusste. Als Erstes brauchten sie jetzt Wasser. Sie holte ihre Wasserflasche hervor, in der nicht mehr viel drin war, bloß ein winziger Rest. Aber besser als gar nichts. Sie griff in den Rucksack nach einer kleinen Plastikschüssel, die sie manchmal für ihre Frühstücksflocken benutzte, und goss den Rest Wasser hinein. Der Esel trank alles auf und drückte dann seine Nase gegen die Schale, erst hierhin, dann dorthin, und wollte mehr.

Unterwegs war ihr Blick immer wieder auf einen Wasserlauf gefallen, vielleicht einen Nebenarm des Little Missouri. Das Licht, das sich im Wasser spiegelte, faszinierte sie. Immer wieder blitzte dieses dunkelgrüne Leuchten jenseits eines verbrannten, ausgedörrten Feldes auf. Dort drüben, dichter am Strom, wäre ein passendes Plätzchen. Dort wären sie, geschützt durch eine Baumgruppe, auch nicht so leicht auszumachen.

Nachdem sie den Rucksack in die bequemste Position zurechtgerückt hatte, zupfte sie leicht an dem Strick, der um den Hals des Esels gebunden war. Der Esel trottete brav neben ihr her. Sie ging die Schotterstraße ein Stück zurück bis zu einer breiteren Asphaltstraße.

Beim Überqueren überlegte sie, ob das hier früher wohl die Hauptverkehrsstraße gewesen war. Seit dem Bau einer parallel führenden Schnellstraße war sie nur noch wenig befahren und diente hauptsächlich als Zubringer in den nächsten Ort. Aber Häuser waren weit und breit keine zu sehen!

Sie gingen auf die Bäume und den Wasserlauf zu. Was für eine andere Welt! Sie führte den Esel zum Fluss, der gemächlich zwischen den braunen Ufern dahinfloss, und das Tier senkte den Kopf und begann gleich zu trinken. Sie füllte ihre Plastikflasche auf. Der Esel hatte einen Fuß ins Wasser gestellt und trat nun mit allen vieren hinein. Ganz ruhig blieb er stehen. Es war bestimmt eine Wohltat, dachte sie sich. Nachdem sie Schuhe und Socken ausgezogen hatte, stellte sie sich neben ihn ins Wasser. Es war wunderbar kalt. Das fand der Esel vermutlich auch. So blieben sie ein paar Minuten stehen, dann trat sie wieder aus dem Wasser und setzte sich in den Schatten unter einen Baum. Ihr war klar, dass sie eigentlich einen Plan haben sollte, aber wie konnte man vorausplanen, wenn man plötzlich einen Esel bei sich hatte? Es war auch schwer zu planen, wenn man kein bestimmtes Ziel vor sich hatte. Sie gähnte. Dabei musterte sie den Esel, der immer noch im Fluss stand. Bestimmt war er ganz außer sich vor Freude, nachdem er wer weiß wie lange in der prallen Sonne gestanden hatte.

Sie fragte sich, unentwegt fragte sie sich, wie wohl ihr Zuhause ausgesehen hatte, als sie noch eines gehabt hatte. In Erinnerung behalten hatte sie gar nichts, kein einziges Bild vor dem Tag, an dem sie vor anderthalb Jahren in der Bed&Breakfast-Pension in Santa Fe aufgewacht war. Wie waren ihre Eltern? Hatte sie Geschwister? Was gab ihr Stütze und Halt?

Wieder gähnte sie, lehnte sich zurück, schloss die Augen und versuchte, sich einen Plan zurechtzulegen.

Als sie aufwachte, tauchte die Sonne die Äste der Bäume in schwaches Licht. Mit einem Ruck fuhr sie hoch. Es war nicht die Abenddämmerung, sondern früher Morgen. Sie musste zehn Stunden geschlafen haben. Der Esel war ganz in ihrer Nähe. Sie ging zum Bach, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und fühlte sich gleich wacher. Dann nahm sie ihre Wasserflasche und füllte sie auf.

In der Bed&Breakfast-Pension in Santa Fe waren im ganzen Zimmer Männersachen verstreut gewesen: Kleidung, eine Armbanduhr, Geld. Das Geld hatte sie recht gut brauchen können. Doch sie dachte nur mit Grauen an jenen Morgen. Was ihr dort passiert war, könnte der Grund sein, weshalb sie ihr Gedächtnis verloren hatte. Obwohl er es dem Feuer zugeschrieben hatte. »Daddy.« So nannte sie den Mann ironisch. »Daddy, wir sind fertig miteinander.« Das war von Sylvia Plath, glaubte sie.

Nachdem sie die Wasserflasche im Rucksack verstaut hatte, schulterte sie ihn und ging zu dem Esel hinüber, der sich inzwischen aufgerappelt hatte und jetzt Gras knabberte.

Sie hatte ihre Karte herausgenommen und aufgefaltet, um sich zu orientieren. Das ging gut, denn es war eine sehr präzise Landkarte. Sämtliche Landstraßen waren eingezeichnet. »Nicht weit von hier ist eine Ortschaft. Wenn wir erst mal dort sind, können wir ja überlegen, was wir weitermachen.«

Das war ihre Art, so mit Tieren zu reden. Als könnten sie ihr helfen oder wären zumindest gewillt, dahin zu gehen, wohin sie ging.

2. KAPITEL

Sie wusste, dass die Stille nicht rätselhaft war, dass es einfach die frühmorgendliche Ruhe war. Trotzdem glaubte sie unwillkürlich, es sei verlorene Zeit. Ihr war, als sei das Pendel der Zeit angehalten worden.

Sie führte den Esel die zweispurige Asphaltstraße entlang. Bis in die nächste Stadt war es nicht weit, bloß etwa anderthalb Meilen, und vielleicht fand sie dort jemanden  – einen Farmer vielleicht  –, der den Esel bei sich unterstellen konnte.

Obwohl die Farm bereits eine Meile hinter ihnen lag, bestand immer noch die Gefahr, entdeckt zu werden. Als sie in der Ferne ein Auto hörte, warf sie einen Blick über die Schulter und sah einen Pick-up näher kommen. Als der Wagen sich näherte, fuhr er langsamer, und sobald er sie eingeholt hatte, kroch er nur noch im Schneckentempo voran. Erst dachte sie, vielleicht wollte jemand sie mitfahren lassen. Den Esel könnte man ja auf die Ladepritsche stellen.

Der Fahrer, mit unförmigem Teiggesicht, den tätowierten Arm aus dem Fenster hängend, rief ihr zu: »Geilen Arsch hast du, Kleine!«

Der auf dem Beifahrersitz beugte sich herüber und rief: »Jaah, und ich erst! Willst ihn sehen?« Sehr witzig, alle beide. Der Beifahrer hatte ein Pickelgesicht, obwohl er dafür eigentlich zu alt aussah. Der Fahrer war ein stämmiger Kerl mit dunklem Bürstenschnitt.

Ach, fahrt weiter, betete sie.

Das taten sie aber natürlich nicht. Sie hielten am Straßenrand an. Beide stiegen aus und kamen lachend auf sie zu, ganz gemächlich und mit der Lässigkeit derer, die wissen, dass sie den Ton angeben können. Denn was konnte sie schon machen (dachten die wohl)? Sie war nicht nur ein wehrloses Mädchen, sondern hatte auch noch einen Esel dabei. Wie sollte sie weglaufen?

Sie hatte genug von diesen Begegnungen mit Dummköpfen. Wieder so eine unnötige Konfrontation mit der Feigheit von Männern, die sich etwas beweisen mussten, indem sie die Schwäche anderer ausnutzten  – oder das, was sie für Schwäche hielten. Was, fragte sie sich, war daran eigentlich so toll? Die Käfigjagd fiel ihr wieder ein, die sie in Idaho gesehen hatte  – das erbarmungslose Losballern auf einen eingesperrten Tiger. Und der Schütze  – so selbstzufrieden.

Dass es sich um eine Landstraße handelte, auf der vielleicht Leute vorbeifuhren, schreckte die beiden Männer nicht ab. Sie hatten sich ihre Ausrede schon zurechtgelegt: Falls jemand sie sah, waren sie einfach zwei junge Burschen, die einem Mädchen und ihrem Tier Beistand leisteten.

»He! Kleine Eselei gefällig? Du und ich!« Das fanden sie äußerst amüsant, hielten sich für echte Komiker.

Scheiße, dachte sie. Als die beiden auf sie zukamen, schwang sie ihren Rucksack herum, um in die Außentasche greifen zu können. Mit einer geschmeidigen Bewegung zog sie eine 38er Smith & Wesson hervor, schob ein Magazin ein und hielt sie mit beiden Händen ganz ruhig und sicher hoch. »Los, steigen Sie wieder ein und verschwinden Sie!«

Sie blieben wie angewurzelt stehen, sahen sich erstaunt an. Der Stämmige sagte mit nervösem Lachen: »Ah, komm schon, Kleine, du wirst doch nicht schießen …«

In der Stille ringsum klang der Schuss wie das Knacken eines Astes. Eine Staubwolke wirbelte zu seinen Füßen auf, an der Stelle, auf die sie gezielt hatte. »Noch … einen … Schritt«, rief sie.

Sie waren vermutlich sauer, dass sie klein beigeben und Leine ziehen mussten. Und es wurmte sie, dass sie nicht einfach kühn auf sie zugegangen waren und sie überwältigt hatten. Die beiden dachten wohl, sie würde nicht auf sie schießen, wenn es drauf ankam …

Falsch. Sie hob die Waffe wieder etwas an.

Sich selbst gegenüber konnten die beiden Kerle das Ganze schönreden, anderen würden sie eine Lüge auftischen. Der Polizei zum Beispiel  – allerdings glaubte sie nicht, dass die beiden die Polizei verständigen würden. Es konnte nicht in deren Sinne sein, wenn die Polizei auch ihre Version der Geschichte erfuhr. Und dann der Esel … Nein, niemand würde glauben, dass sie die beiden angegriffen, dass sie die Männer bedroht hatte.

Sie hatten den Rückzug angetreten, stolperten fast übereinander in ihrer Hast, wieder in den Wagen zu kommen. Als sie schließlich in Sicherheit waren, riefen beide mehrfach etwas Vulgäres zu ihr herüber, und während die Reifen Staub aufwirbelten, machte der Fahrer eine obszöne Geste. Was Besseres fiel ihnen nicht ein.

Sie nahm das Magazin heraus und verstaute es zusammen mit der Waffe wieder im Rucksack. Sie konnte gut umgehen mit der Pistole. Während sie als Kellnerin gejobbt hatte, war sie oft beim Zielschießen gewesen. Drei- oder viermal pro Woche hatte sie auf dem Schießplatz außerhalb von Idaho Falls geübt. Durch diese Übung war sie zu einer guten Schützin geworden, einer sehr guten Schützin. Die Waffe hatte sie im Kofferraum des Camaro gefunden, den der Mann draußen vor der Bed&Breakfast-Pension geparkt hatte. Unter ein paar alten Lappen hinten drin: Pistole, Magazin, Munition.

Die beiden Typen waren natürlich Feiglinge. Wenn es hätte sein müssen, hätte sie sie umgelegt. Einen zumindest. Der andere wäre dann wie der Teufel davongerannt. Manchmal kam es ihr so vor, als würde es nie aufhören, die Gemeinheit und Grausamkeit der Menschen. Sie begegneten einem auf Schritt und Tritt. Auch wenn man gar nicht danach suchte.

Sie nahm die Strickleine wieder zur Hand, zupfte leicht daran, und sie gingen weiter. Ein paar Autos und Laster fuhren vorbei, reagierten aber nur mit Lachen und Winken.

Es war fast neun Uhr morgens, als sie schließlich die Ortschaft erreichten, die ein schwarzweißes Schild als KINGDOM ankündigte. Jemand hatte sich einen Witz erlaubt und mit weißer Farbe »Come« dazugepinselt  – KINGDOM COME, dein Reich komme, bis in alle Ewigkeit. An der Hauptstraße kamen erst eine Trailersiedlung auf der einen und ein Obst- und Gemüseladen auf der anderen Seite. Sie führte den Esel zum Laden hinüber. Neben den Auslagen saß eine Frau und las. Überrascht hob sie den Blick.

»Haben Sie eine Ahnung, was Esel so fressen?« Die Frage ließ sie erröten.

Da staunte die Frau noch mehr, nicht nur über das Mädchen mit einem Esel an der Leine, sondern auch darüber, dass das Mädchen keine Ahnung von Eseln hatte. »Hmm … nein, ich glaub nicht. Wo hast du ihn denn her?«

»Ich hab ihn gefunden.«

Die Überraschung der Frau wurde noch größer. »Gefunden?«

»Ja. Am Straßenrand hab ich ihn gefunden. Er war allein. Ich hab gewartet, ob ihn jemand holen kommt, aber es kam niemand.«

Inzwischen war die Frau aufgestanden und musterte den Esel eingehend. Das Mädchen hatte nichts dagegen, weil sie nicht glaubte, dass die Frau an ihren Worten zweifelte. Sie zeigte sich eben besorgt.

»Ich hab ihm einen Apfel und eine Orange gegeben, die haben ihm nicht geschadet.«

Die Frau sah zu den Kisten hinter ihnen hinüber. »Pferde mögen doch Karotten, stimmt’s?«

»Ich glaub schon.«

Die Frau überlegte kurz und sagte dann: »Ich ruf vielleicht Jared an, der wird’s wissen.« Sie verschwand hinter den Auslagen.

Wer war Jared? Ein farbenfroher Laden, fand das Mädchen. In einer Kiste waren Paprikaschoten  – rot, orangegelb, gelb und grün. Ein wahres Meer von Farben!

Die Frau kam wieder zurück. »Jared, dieser Trottel, meinte, Heu und Stroh. Seh ich denn aus, als würd ich Heu und Stroh verkaufen?« Sie breitete die Arme aus. »Manche Leute haben wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Schließlich meinte er, Äpfel und Karotten. Hab ich beides da.« Sie zog ein paar Karotten aus einer Holzkiste hinter den Auslagen. »Sind ganz frisch. Man muss sie aber schneiden, damit sie dem Esel nicht im Hals stecken bleiben. Der Länge nach, sagte er, das hat er extra betont. Ich hab ein schön scharfes Messer.«

Das Mädchen war so dankbar für diese kleine Freundlichkeit, dass sie schon fürchtete, sie würde gleich anfangen zu weinen, was ziemlich dumm gewesen wäre. Diese Frau war ein Geschenk des Himmels, nach allem, was vorher passiert war. Die beiden Männer hatten ihr ziemlich zugesetzt, obwohl sie es sich nicht anmerken lassen wollte. Diese Frau mit den Kisten voller Obst und Gemüse kam wie gerufen, um die Wogen des Lebens etwas zu glätten.

Sie sah zu, wie die Frau nacheinander ein Dutzend Karotten in der Mitte durchhackte. Das Grünzeug oben ließ sie dran. »Ich kann mir denken, dass ihm das auch schmeckt. Dabei fällt mir ein«  – bei diesen Worten unterbrach sie ihre Tätigkeit  –, »falls du vorhast, in Kingdom zu übernachten, kann ich Jared ja mal fragen, ob er den Esel bei sich unterbringt. Er hat bereits ein paar Ponys in Pension. Bestimmt könnte er den Esel aufnehmen und ihm ein bequemes Schlafplätzchen geben.« Sie ging zu dem Esel hinüber und musterte ihn eingehend. »Scheint, dass die ihn nicht besonders gut behandelt haben, die, denen er gehört hat, bevor du des Weges kamst. Ich seh, du hast ihn ein bisschen verpflastert. Das war aber lieb von dir. Die Mühe hätten sich nicht viele gemacht. Nein, nicht viele.« Sie steckte die Karotten in eine Tüte und holte eine weitere für die Äpfel. »Falls du vorhast dazubleiben, es gibt da ein richtig nettes Gästehaus gleich an der Hauptstraße. Nicht weit von da, wo Jared sein Geschäft hat.«

»Gut. Ja, irgendwie bin ich schon müde.« Obwohl sie vorige Nacht so lange geschlafen hatte, wurde ihr plötzlich bewusst, wie erschöpft sie war. Es lag bestimmt an dem Zwischenfall mit den beiden Männern. »Wo ist das?«

»Du gehst die Main Street entlang, bis du nach zwei Ampeln zur Eucalyptus Street kommst. Es ist das Haus an der Ecke, ein großes, weißes Haus. Viktorianisch nennt man so was ja wohl. Weißt du was  – ich ruf Jared jetzt kurz an wegen dem Esel! Damit er auch bestimmt da ist, wenn du kommst. Das mach ich jetzt gleich!« Sie ging wieder zum Telefon hinüber.

»Das ist wirklich sehr nett.«

Die Frau nahm den Hörer ab und wählte. »Ach so, wie heißt du denn, Liebes? Ich bin Eula Bond.«

Es schien, als wollte Eula Bond ihr nicht die ganze Last der Namensnennung alleine aufbürden.

»Ich heiße Andi. Andi Oliver.«

Es stimmte nicht, aber mit etwas Besserem konnte sie nicht aufwarten.