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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

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HABLUND
Hablund war so was von begeistert. Diese weitläufigen, unendlich sich weitenden Wälder. Sein Herz hämmerte im Takt der Eisenbahnschwellen. Schade nur, dass das kleine Fenster so verdreckt war. Es half kein bisschen, es – von innen aus – mit dem Ärmel abzuwischen.
Er hatte für diese Reise so manches Opfer gebracht. Seine kleine Fabrik für Verbandsstoffe, vom Vater geerbt, hatte ihm im Krieg einiges an Profit eingetragen. Einen Teil des Geldes überließ er seiner Frau und mit dem Rest kaufte er sich in Kopenhagen eine Fahrkarte erster Klasse, und erst in Moskau eine Fotografen-Ausrüstung, damit sie ihm nicht schon an der russischen Grenze abgeknöpft wird. Empfehlungsschreiben, welche die russischen Behörden gnädig stimmen und die misstrauische Geheimpolizei beruhigen sollten, hatte er gleich mehrere. Eines von den dänischen Kommunisten, denen er für ein paar Monate beigetreten war, eines vom »Verband der Freunde der Sowjetunion«, wo er zwei wahnwitzige Enthusiasten kannte, sogar eines von der Botanikervereinigung, wo Hablunds Großonkel Mitglied war. Die Zustände in der Sowjetunion, so kurz nach dem Krieg, durften nicht unterschätzt werden. Die Reise war auch so schon eine ausgesprochene Torheit.
Seine Frau hatte ihm an verschiedenen Stellen im Unterfutter seiner Kleidung das Geld eingenäht, etwas davon trug er auch im doppelten Boden seiner Schuhabsätze. Wofür genau er es eintauschen sollte, wusste er nicht. Er hatte auch Batterien, Äxte, einen Sack dänischer Süßigkeiten und Bonbons (süß und salzig) bei sich, sogar eine große Packung erstklassigen Tabaks. Von seinem Rücken baumelte ein riesiger Rucksack, im Vorraum vor dem Spiegel der Kopenhagener Wohnung wurde mit ihm der Platz eng. Dabei hätte er sich gerne im Spiegel bewundert. Der Herr Forschungsreisende.
Marianne hatte ihm einiges vorgebacken und -gekocht, sie ließ sich nicht davon abbringen, obwohl sie seine Vorbereitungen die ganze Zeit über mit Gejammer kommentierte. Hablund aber war fest entschlossen. Er musste endlich aus tiefstem Herzen Frischluft schnappen. Auch wenn es um Kopenhagen gar nicht so schlecht stand, Dänemark war im Krieg weitgehend verschont geblieben, allerdings, das restliche Nachkriegseuropa war eine »Brennhalde toter Seelen«, wie er zu sagen pflegte. Ihre komfortabel ausgestattete Wohnung mit Toilette, Warmwasser, Zentralheizung und Bad, jenen Errungenschaften, die lediglich einem Viertel der dänischen Haushalte zuteil wurden, erschien ihm so klein, dass er darin zu ersticken drohte.
Die »Enge« vor dem Krieg musste einiges zu dieser »lieblichen Torheit« beigetragen haben, die sie ein paar Monate lang tatsächlich gemeinsam lebten. Um Marianne einen Gefallen zu tun, blieb er vorerst noch. Kurz vor der Abfahrt legte er dann den Ehering ab, er streifte ihn von seinem Finger, bevor er zum Bahnhof fuhr, und legte ihn in eine kleine Schachtel, die er in seine »Rechnungslade« warf, doch natürlich blieb er Marianne nach wie vor zugetan und dies würde auch weiterhin so bleiben.
 
Auch wenn er kein Medikamentenkästchen oder eine Bibel mitschleppte, fühlte er sich doch berufen. Er wollte nicht bis an sein Lebensende jeden Morgen im selben Pyjama erwachen, mit Blick auf denselben lieblichen Lüster, irgendeine Arbeit vor Augen, die ihm weder lästig noch interessant schien, die er schlicht und einfach langweilig fand. Er würde aus der Ferne etwas mitbringen. Wie lange es dauern würde, das wusste er nicht genau. Er schätzte, drei Monate, aber nur, weil seine Frau jedwede andere Überlegung nicht ertragen hätte und die Freunde ihn für einen noch größeren Irren gehalten hätten, als dies bislang der Fall war. Das Visum war ihm für zweiundvierzig Tage ausgestellt worden, mit dem Hinweis, dass, sobald er sich in Russland registrieren ließe, er die Möglichkeit hätte, es direkt vor Ort zu verlängern. Ein längeres Visum vorab zu beantragen, das war über »Inturist« nicht möglich. Die Russen hatten ihn auch so schon verhört. Er musste offenlegen, wohin er fuhr und warum. Schließlich wurde aber alles bewilligt. Diese Ausreden und Hirngespinste, die er ihnen vorsetzte. Er befürchtete nur, dass sie ihn beschatten würden. Irgendwelche Typen in Schwarz, die ihm im Zug gegenübersitzen, die ihre Gesichter hinter Zeitungen verbergen. Doch entweder gab es solche Spitzel nicht, oder Hablund waren sie nicht aufgefallen.
 
Buro, den Vater von Keke Kavaryč, lernte Hablund gleich am ersten Tag kennen, als er im Sommer des Jahres 46 in Charyň ankam. In seinem Luxuscoupé mit Waschmuschel und Spiegel, hinter dem sich ein Schränkchen mit Kamm und Warmwasserbecherchen verbarg, fühlte er sich wie ein König. Selbst dann noch, als er den Zug verließ und das Treppchen nach unten kletterte. Er wollte gerade mit all seiner Habe den Bahnsteig betreten, als ihn – völlig unverhofft – der schneidige Wind des sibirischen Sommers traf. Eine heftige Böe, wie er sie später noch oft erleben sollte. Diese hier roch irgendwie nach Pferd, dachte er sich. Ein Pferd, das ist in Sibirien viel wert.
Hablund fühlte, wie sein Herz sperrangelweit offenstand, dass er nun bereit war, verständnisvoller und großmütiger zu agieren als je zuvor in Kopenhagen. In ihrer dortigen Wohnung, die ihn eingeengt hatte, obwohl ihnen genügend Quadratmeter zur Verfügung standen. Marianne hatte es nicht lassen können, zu all dem vererbten Krimskrams immerzu mehr Zeug anzuhäufen – und obenauf lag ihre eigene Dummheit. Dass er in Dänemark etwas besaß, eine Firma und Marianne, Hablund vergaß es schon im Zug, gleich nach Moskau. Kurz vor Charyň fiel ihm Marianne dann doch wieder ein. Jemand war zurückgeblieben und wartete. Dieses Gefühl, dass jemand die Tage bis zu seiner Heimkehr zählte, kaum dass er weg war, es widerte Hablund an. Dass ihn irgendetwas nach Hause zurückzog, noch bevor seine Expedition so richtig begonnen hatte, nach all den aufwändigen Vorbereitungen, das fehlte ihm gerade noch. Und anstatt weiter an Marianne zu denken, nutzte er die letzten paar Stunden vor Charyň dazu, sich unablässig aufzusagen, was er eingepackt und ob er auch nichts vergessen hatte. Die Kamera hatte er, das war das Wichtigste. Dazu allerlei nützliche Dinge, er öffnete gleich mal lieber die schwere Tasche und tastete sie ab, zur Kontrolle. Er hatte sich nie für Technisches interessiert, zuvor hatte er nur einen kleinen Fotoapparat besessen, um mit Marianne schnell ein paar Bilder zu schießen. Lachend neben sich oder mit Freunden, wenn irgendwer Geburtstag oder etwas in der Art feierte. Die Kamera, die Hablund nun mit sich führte, die war, verglichen mit seinem alten Fotoapparat, etwas völlig anderes. Erstklassige Profiqualität aus zweiter Hand, von einem Moskauer Händler, als er in der Metropole umsteigen musste. Zum Teufel auch, es war klar, dass ihn der Händler über den Tisch ziehen würde, schließlich war er ein Ausländer. Er begleitete Hablund später allerdings bis zum Bahnhof. Vielleicht war er ja von der Geheimpolizei, wer weiß, in Moskau war er sich bei gar nichts mehr sicher. Vielleicht hätte er Marianne sogar davon überzeugen können, dass es sinnvoll war, zu verreisen, wäre es nicht gerade Charyň gewesen, sondern London, Rom oder wenigstens Peking. Das hätte sie begriffen, aber nach Charyň und zum Kavaš-Ritus? Vielleicht hätte ihr Hablund ja etwas anderes erzählen sollen, damit sie sich keine unnötigen Sorgen mache. Damit sie ihm alles Gute für die Reise wünsche und nicht bis zum letzten Augenblick um jeden Preis versuche, ihm alles auszureden. Selbst am Bahnhof, als er das Gepäck längst im Abteil verstaut hatte und noch einmal ausstieg, um ihr einen Kuss zu geben, selbst dann ließ sie nicht locker.
 
Sie gingen im Streit auseinander. Zwar winkte sie ihm verhalten nach, aber dann drehte sie sich um, er sah sie weggehen. Für gewöhnlich, wenn sie sich verabschiedeten, winkten sie sich so lange zu wie nur möglich. Er ärgerte sich über sich. Fast hätte er sogar die Station verpasst. Zum Glück zupfte ihn jener Schaffner kurz am Ärmel, mit dem er seit Moskau sein Russisch trainiert hatte. Es war gar nicht schlecht und der Schaffner versicherte ihm, dass er ausgezeichnet spreche … der Russischkurs in Kopenhagen und das Lesen russischer Klassiker schienen gefruchtet zu haben.
Der Bahnhof war eine Baustelle. Überall lagen Zementsäcke und ein paar Leute, die nicht von der Arbeit aufsahen, waren still am Werken. Niemand erwartete ihn, das war klar, auch wenn er sich im Zug solchen Fantasien hingegeben hatte. Wie ihn eine hiesige Parteidelegation begrüßt, oder wenigstens ein Großmütterchen, mit Dillkartoffeln. Er stieg behäbig die Stufen hinunter, weil ihm danach war, und setzte sich schließlich auf den Berg all seiner Taschen, weil er fürchtete, etwas davon könnte gestohlen werden.
 
Buro Kavaryč hatte noch nie jemanden wie Hablund gesehen. Er war der beste Taiga-Kenner im Dorf und seine Sachen hatte er stets ruckzuck gepackt. Wenn ein paar Männer zur Jagd gingen oder in der Taiga irgendeine Mission zu erfüllen hatten, versorgte er sie mit Nachrichten und Essen, was eben so notwendig war. Mit Gepäckstücken, die man nicht am Rücken transportieren oder mit den Armen fassen konnte, damit waren doch nur Kleinkinder unterwegs. Und genau solche Gepäckstücke hatte Hablund zuhauf. Er saß auf seinen Reisesäcken und wartete wohl auf den großen Taiga-Geist, dass dieser losbläst und ihn bei der nächstbesten Herberge absetzt. Er lachte kurz auf, was Hablund auffiel. Ein Mann, der ihm zulächelte und ihm auch noch freundlich zuwinkte. Schließlich konnte er Russisch und ein Fremder, der die Sprache der Einheimischen beherrscht, der würde gewiss mit offenen Armen empfangen werden.
Wie es geht, fragte Hablund Buro, nachdem der Mann zu ihm geschlendert kam und etwas sprachlos wirkte. Er erinnerte sich gut an einen Beitrag im Erdkundemagazin »Unsere Welt«, der davon handelte, wie man mit Menschen in fernen Ländern ins Gespräch kommt, denen man zum ersten Mal begegnet. Er überlegte, was er an diesem Mann hätte loben können, aber der trug lediglich ein paar alte Fetzen und eine speckige Mütze, die längst ihre Form verloren hatte.
Ein schöner Bahnhof ist das. Man baut euch hier einen neuen, oder?
Und danach stellte er sich vor und reichte Buro die rechte Hand und Buro war klar, dass der Genosse wirklich von ganz weit herkam. Ein solches Russisch hatte er noch nie gehört. Der kam weder aus Moskau, Irkutsk oder dem Baltikum. Vielleicht irgendetwas am Schwarzen Meer? Das war der entfernteste Ort, den sich Buro vorstellen konnte.
Hablund bemühte sich darum, das Gespräch am Laufen zu halten. Zunächst ging es ums Wetter, danach darum, wie viele Geschwister Buro habe. Diese Anstrengung trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, keinerlei Wirkung. Das Gras rundherum war im Sommer trocken wie Zunder, der nächstbeste Baum war grad mal an der Spitze mattgrün, es herrschte große Hitze.
Falls Buro im Dorf verlautbaren würde, dass irgendein Irrer vom Himmel gefallen war, konnte er sich gleich wieder auf den Weg nach Kopenhagen machen. Hablund bot Buro eine Zigarette an, aber Buro kaute weiter an seinem Strohhalm und zeigte kein Interesse. Daraufhin begann Hablund sein Gepäck zu durchwühlen und stapelte am Bahnsteig einige Sachen auf, die Buro noch niemals zuvor gesehen hatte. Bunte Kerzen im Zehnerpack, gemusterte Geschirrtücher, ein Foto von Marianne im Holzrahmen, das Hablund eigentlich am Nachttisch aufstellen wollte, ein Rasiermesser, das Tagebuch von Dagens Nyheder und einen durchsichtigen Radiergummi, der Hablund aus einer der kleineren Taschen voller Schreibutensilien gefallen war.
Hablund suchte eigentlich nach einem der guten Messer, aber Buros Hand schoss pfeilschnell auf den Radiergummi zu, als wäre es genau das, worauf er gewartet hatte, er steckte ihn in die Hosentasche. Als ihm diesen Hablund wieder entreißen wollte, versetzte er ihm unabsichtlich einen Hieb in den Bauch und Buro trat ihm daraufhin entschlossen zwischen die Beine. Hablund stöhnte auf, ging zu Boden und hinter seinen Lidern schwärmten schwarzorange Schmetterlinge aus, wie damals, als er in der Kopenhagener Wohnung von der Malerleiter gefallen war. Er konnte gerade noch sehen, wie Buro hinter eine der Ecken des Bahnhofes huschte, dann war er verschwunden.
Was er als Nächstes wahrnahm, war der Lärm eines Motors, er roch den Benzingestank. Inzwischen hatte es zu dämmern begonnen. Er lag bäuchlings über seinen Taschen und Rucksäcken, mit dem Gesicht nach unten, er wollte sich gar nicht umschauen. Der Wagen ratterte, er stand gleich irgendwo in seiner Nähe. Er wandte diesem sein von Tränen und Staub verdrecktes Gesicht zu und erkannte Buro im Dämmerlicht, der wieder sein freundliches Lächeln aufgesetzt hatte, deshalb hatte er ihm zuvor schließlich zugewinkt. Er saß hinter dem Steuer der Schrottkarre. Er hupte und deutete ihm mit der Hand, dass er einsteigen sollte, aber mit dem Gepäck half er ihm nicht. Aus einer seiner Taschen kullerten anschließend die ganze Fahrt über erstklassige, glänzende dänische Äpfel, die sich am Boden des Wagens verteilten.
Hablund schätzte, dass Buro wohl an die dreißig Jahre alt war. Er erfuhr bald, dass er erst zweiundzwanzig war, allein lebte und mit seinen Beinen Geld verdiente. In der Taiga blieb alles stecken, sobald eines der dichten Waldstücke auftauchte, und so ein Waldstück fand sich in manchen Landstrichen alle paar hundert Meter. Ein Pferd war in diesen Fällen zu gar nichts nütze. Es lag nicht nur daran, dass so ein Tier manchmal viel zu groß war, um irgendwo durchzukommen, oft genug verhielt es sich störrisch, setzte sich in den Kopf, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren.
Es gibt Plätze, wohin manche Tiere auf keinen Fall einen Fuß setzen, da kann man so ein Pferd auspeitschen, sosehr man will, oder es auch sanft am Kopf fassen und ihm gut zureden, es wird zu gar nichts führen, da es sich nicht um Widerspenstigkeit handelt, sondern um Instinkt, und in solchen Fällen war in Charyň eben Buro zuständig. Buro, der den Waldfeen unter den Schenkeln und den Gespenstern hinter den Waden durchschlüpfte, die nächtlichen Schatten wiesen ihm seinen Weg.
 
Hablund fiel an jenem ersten Abend wie ein Toter um und schlief. Sie luden alle Gepäckstücke aus dem Wagen und legten sie im Flur ab, danach wusch sich Hablund noch unter der blechernen Zisterne, aus der ein Wasserstrahl in ein kleines Becken rieselte, schnell seine Hände und das Gesicht, dann fiel er im einzigen Raum der Holzhütte auf irgendetwas, was am Boden lag, gleich neben Buros Bett. Was weiter geschah, davon erfuhr Hablund nie. Nach und nach kam ganz Charyň angelaufen, um ihn zu bestaunen. Manch einer berührte ihn leicht oder flüsterte verhalten irgendetwas, die Großmütter befühlten seine Stirn und die Männer seine Arme und dann verließ einer nach dem anderen Buros Hütte, um sich wieder seinen eigenen Geschäften zuzuwenden.
Hablund schlief acht Stunden und erwachte am frühen Morgen, weil er heftige Kopfschmerzen hatte. Als steckten Scherben im Kopf. Als hätte er die ganze Nacht lang durchgesoffen oder irgendwo auf Steinen geschlafen. Er wankte in den Flur und überprüfte, ob eines seiner Gepäckstücke fehlte, alles war noch da.
Später bedankte er sich immer wieder aufs Neue bei Buro für jenen Vormittag, als er sich seiner angenommen hatte, den Tritt hatte er inzwischen völlig vergessen, es handelte sich dabei schließlich um ein reines Missverständnis. Er schenkte Buro ein Messer, das er gestern in der Eile nicht finden konnte, damit sich ihre Freundschaftsbande festigten, als Draufgabe gab es noch eine batteriebetriebene Taschenlampe und einige gepolsterte Wundpflaster. Er versuchte ihm zu erklären, dass man diese gut nach langen Fußmärschen anwenden konnte, wenn man Blasen bekam, aber es schien so, als würde Buro nicht begreifen. Er brachte Hablund ein Glas saurer Milch und danach noch eines. Hablund trank beide sogleich aus, etwas anderes hätte man ihm wohl als Unhöflichkeit ausgelegt. Danach saß er eine ganze Stunde lang auf Buros stillem Örtchen (ein Verschlag vor dessen Hütte), um nicht ständig hin- und herzulaufen, um nicht immer wieder aufs Neue die Hosen abstreifen zu müssen.
Abgesehen vom Toilettenhäuschen besaß Buro (alles im kleinen Hof vor der Hütte) noch einen Haufen Brennholz, einen Haufen modriger Rüben- und Kartoffelschalen, einen Haufen Knochen und einen Haufen Asche. Der Flur in der Hütte war winzig und man konnte sich dort – wegen Hablunds Sachen – kaum noch rühren und der Raum, in dem sich ein Bett, Kamin, Tisch, ein paar Sessel und Wandregale befanden (die fast alle leer waren), war gerade mal vier Schritte lang. Es war gleich klar, dass Buro keine Frau hatte, wenigstens nicht hier. Im Raum herrschte dennoch eine peinlich genaue Ordnung. Hablund ließ seine Sachen lieber eingepackt und den ganzen Vormittag über musste er ständig in den Flur, wühlte dort in seinen Taschen und fluchte leise. Er wartete darauf, dass Buro irgendwo hinmüsse, um sich ihm anzuschließen. Er war fest entschlossen, ihm in diesen ersten Tagen überallhin zu folgen, bevor er sich von allein orientieren konnte. Diese sorglose Behäbigkeit, mit der er am Tag zuvor hier ausgestiegen war, war verflogen. Buro ging am ersten Tag ein paar Mal weg und kehrte bald wieder zurück, Hablund hatte er allerdings nicht mitgenommen. Dieser lag förmlich auf der Lauer, aber Buro erhob sich stets völlig unerwartet, war im Nu draußen und schloss die Tür hinter sich, Hablund hörte gerade noch, wie er von draußen absperrte. Er saß dann alleine in der Hütte herum, auf Buros Bett, und lauschte dem sich entfernenden Bellen des Hundes, den Buro mitnahm, irgendwo hinter dem Dorf muhten wohl auch Kühe. Alles verlor sich im Heulen des Windes, der von einem hohlen Dröhnen in ein leichtes Pfeifen überging, nur um bald darauf wieder stärker zu werden, als würde er durch einen Kamin jagen. Dass er hier als kleiner Junge galt, den man zu Hause einsperren musste, gefiel Hablund ganz und gar nicht.
Nachmittags kam eine junge Frau mit einem Jungen daher, Hablund sah sie durchs Fenster, nach außen konnte er nicht, es war ja abgeschlossen. Ihm fiel auf, dass der Junge unter der Grasnarbe in der Nähe der Toilette eine Schachtel verbarg, daraus zog er nun ein hölzernes Pferdchen hervor. Kaum dass sie ankamen, riss er sich von der Frau los und holte es heraus. Offenbar waren sie nicht zum ersten Mal hier.
Als Buro zurückkehrte, waren die Frau und der Junge längst verschwunden. Buro schien keineswegs überrascht, als ihm Hablund von ihnen erzählte, und er fügte auch hinzu, dass er gerne draußen sein wolle und nicht verstehe, warum er ihn jedes Mal einschließe. Buro allerdings schwieg beharrlich, er spielte mit dem neuen Messer herum und ging bald wieder weg, natürlich schloss er ab.
Hablund trieb Buros »unverhältnismäßige« Gastfreundschaft auf die Palme. Auch davon hatte er in »Unsere Welt« gelesen. Von der östlichen Gastfreundschaft, die dem Uneingeweihten wie ein Gefängnis vorkam. Der Gastgeber übernimmt die volle Verantwortung für den Fremden und fürchtet, ihm könnte in seiner Abwesenheit etwas zustoßen.
Den nächsten Abend verbrachten sie mehr oder minder im Stillen. Es gab ein paar Fragen von Hablund und Buros vage Antworten. Hablund hätte gerne zumindest das Innenleben der Hütte gefilmt, aber der Raum war einfach zu eng und die Kamera lag im untersten Rucksack, er wollte keine Unordnung schaffen. Hauptsache, sie kam unter den ganzen Dingen nicht zu Schaden. Nachts, als Buro eingeschlafen war, entschloss er sich, seine Sachen umzuschichten. Er breitete sie im Raum aus und räumte sie wieder in die Taschen. Die Kamera lag nun obenauf. Es freute ihn, dass sie noch funktionierte, und am nächsten Morgen erwachte er frisch und fröhlich. Buro war bereits fort, aber das störte Hablund nicht mehr. Durch das gesprungene Fensterglas, das schon mehrmals geklebt worden war, strömte fröhliche Vormittagssonne herein. Es war nicht heiß und der Staub in der Hütte glitzerte silbrig und glänzte in den Sonnenstrahlen, alles Holz schien wie vergoldet. Hablund war zufrieden, er fühlte sich wie in einem kanadischen Blockhaus, das er mit eigenen Händen erbaut hatte. Das Ticken der Wanduhr in der Kopenhagener Küche vermisste er längst nicht mehr, und als Buro zurückkam und einen noch warmen, dunklen Brotlaib auf den Tisch legte, war es nahezu himmlisch.
Der Junge, den Hablund am Vortag bei der Frau gesehen hatte, war Keke Kavaryč, Buros Sohn. Mit Larissa, seiner Mutter, hatte Buro nie unter einem Dach gelebt, aber der Junge besuchte Buro gern, wann immer er mit der Mutter am Haus vorbeikam, zog er diese gleich zum Vater. Neben der Toilette (bei Buros Hütte) verbarg er unter der Grasnarbe eine Schachtel, die einst Schrauben und Muttern enthalten hatte, nunmehr befanden sich ein kleines Heft, ein Stück von einem Bleistift, ein in einer Zigarettenschachtel hausendes Pferdchen, ein Paar alter Patronen, einige Steinchen und ein Stück von einem Keramiktransformator darin. Den hatte ihm Buro mitgebracht, als er in der Taiga einigen Männern Post zustellte, die dort Leitungen reparierten.
Keke breitete seine Schätze gerne aus, ein jedes Mal zeigte er sie dem Vater und freute sich, wenn ihm dieser etwas Weiteres schenkte. Er kletterte gern auf seinen Schoß, wenn Buro etwa vor der Hütte saß und im Auge behielt, was sich alles im Dorf tat. Ins Hütteninnere kamen er und die Mutter allerdings nur, wenn es wie aus dem Nichts zu regnen begann. Es war schließlich nicht ihr Haus, und die Tatsache, dass Buro Kekes Vater war, änderte daran gar nichts.
Hablund kam da nach und nach dahinter. Weder am dritten, fünften oder zehnten Tag nahm ihn Buro irgendwohin mit, und so wurde es zu einer seiner kleinen Vergnügungen, zu beobachten, was draußen passierte. Er schaute nicht nur Keke und Larissa zu, er beobachtete alle, die vorbeigingen. Nach ein paar Tagen schon kannte er die Gestalten. Herumtollende Kinder und schleichende Gespenster in schlottrigen Fetzen. Einige von ihnen hatten lange Haare und tätowierte Wangen. Männer in Röcken, die ihre weichen Stiefel bis zu den Knien hochzogen, doch Hablund sah sie nur im Profil, weil sie niemals in seine Richtung blickten. Einer schien sich ihm besonders ins Gedächtnis einzuprägen, ein Großer, der für gewöhnlich mit dem Pferd vorbeiritt, doch ein paar Tage später war er sich nicht mehr so sicher, ob es dieser oder jener gewesen war. Einige sah er pünktlich zur selben Zeit, morgens und abends. Das waren vor allem jene in der »Sowjetrobe«, mit ihren Gürteljacken und schmierigen Leninmützen, in der er auch Buro zum ersten Mal am Bahnhof angetroffen hatte. Sie waren hager, aber mit rundlich-teigigen Gesichtern, wenn sich zwei trafen, reichten sie einander die Hand oder sie klopften sich auf den Rücken und gingen danach wieder ihres Weges. Alles in allem herrschte allerdings kein großer Verkehr. Oft genug hielt Hablund über eine Stunde oder zwei nach jemandem Ausschau, vor allem in den Mittagsstunden, wo so gar nichts los war, auch dann, als es mit den Hitzewellen vorbei war.
Hablund wollte ursprünglich früher kommen, schon vor dem Sommer, um sich einzugewöhnen, bevor der Winter in der Taiga einkehrte, aber die Vorbereitungen hatten sich in die Länge gezogen, und bevor er alles in der Firma regeln konnte, war schon fast Mitte August und der Sommer beinahe vorüber. Nach der zweiten Woche streifte sich Hablund in der Nacht zum ersten Mal warme Socken über und freute sich darauf, dass Buro morgens im Kamin Feuer machte (für den Tee), auch wenn man sich bis zur Mittagshitze wieder bis aufs Hemd werde ausziehen müssen. Wäre er zu Hause in Kopenhagen gewesen, er hätte sich bis aufs Unterhemd entkleidet, aber hier traute er sich das nicht. Was, wenn Larissa und Keke kämen und ihn halbnackt am Fenster sehen würden? Manchmal nahm er sich vor, gegen das Fenster zu klopfen und ihnen zuzuwinken, er hatte keine Ahnung, ob sie etwas von ihm wussten. Er ist der Freund ihres Mannes, sie könnten sich doch wenigstens zulächeln oder er könnte auch ein wenig mit dem Jungen scherzen. Er gefiel ihm. Würde er in Dänemark leben, er hätte eine ganz andere Ausstattung als sein schmutziges Köfferchen. Es tat Hablund leid, dass er statt Spielzeug nur fünf Paar Damenwinterschuhe aus Kopenhagen mitgebracht hatte. Wer weiß, wann und ob er überhaupt Gelegenheit haben würde, sie an irgendeine Frau zu verschenken.
Marianne hatte keine Freude damit, dass er solche Sachen überhaupt mitnahm. Leckerchen, damit ihm irgendeine um den Hals fällt, behauptete sie. Sie würden ihn dann bestimmt umschleichen wie ein Rudel naschsüchtiger Katzen, sie ärgerte sich und Hablund wiederum tat so, als wäre er auch verärgert, dabei hätte er eigentlich gar nichts dagegen. Selbstverständlich kam er wegen dem Film und dem Kavaš-Ritual hierher, aber zugegeben, das Mädchen, mit der Larissa und Keke einige Male ankamen, gefiel ihm. Es hatte ein helles Gesicht, wie eine Scheibe Kopenhagener Brot, und große, weit geöffnete Augen, als würde sie die ganze Zeit staunen. Sie ging Hand in Hand mit Larissa, wie es bei den Sowjetfrauen üblich war, und Keke sprang munter um sie herum. Auch er mochte diese Schöne und Hablund malte sich aus, wie er – an seiner Stelle – an ihrem Rockzipfel hing. Er war sich ziemlich sicher, dass ihn diese Frau hinter dem Fensterglas gesehen hatte. Sie blickte ihm direkt in die Augen, als sie sich ihre Haare richtete, sie stand vor dem Fenster und nutzte es wie einen Spiegel. Danach stupste sie Larissa an und beide begannen zu lachen.
Es handelte sich um die etwas zurückgebliebene Josipovičová, sie hatte tagsüber, abgesehen von etwas Hausarbeit, nicht wirklich was zu tun, und weil sie ohnehin meistens den Eimer umwarf, anstatt die Hütte ordentlich aufzuwischen, ließ ihr Velor Josipovič alle Freiheiten.
Er selbst ging frühmorgens in die Kolchose arbeiten, an seine Waage, und die Idiotin schlenderte durchs Dorf, wohin es ihr gefiel. Schande hin, Schande her, etwas Schlimmeres, als in Charyň beim Vieh zu enden, das konnte ihm, dem Doktor, wohl kaum noch passieren, dachte er jedenfalls, als er seine täglichen zwei Kilometer zurücklegte, von der Hütte zur Arbeit, und die Frau machen ließ, was ihr beliebte. Wenigstens widersprach sie ihm nicht und das, was er abends von ihr wollte, bekam er ohne jede Quengelei. Unterhalten konnte er sich auch allein, dazu taugt eine Frau ohnehin nicht. Hätte er gesehen, wie sie sich tagtäglich vor Hablunds Fenster in Pose warf, er hätte ihr ein paar gescheuert, wie jeder andere Charyňer auch. Der halbjährigen Tamara gab sie einen Schnuller, die hielt es eine ganze Weile so aus, schlimmstenfalls beschwerten sich ein paar Nachbarn über deren Geschrei. Sie selbst sprang dann wie eine Witzfigur um Buros Hütte herum. Hablund war zu diesem Zeitpunkt schon fast einen Monat nicht mehr draußen gewesen, er fühlte sich völlig steif.
Marianne wartete bestimmt auf eine Nachricht von ihm und eine Post gab es wohl in Charyň, dachte er sich, als er Buro dabei beobachtete, wie dieser mit einem Postpäckchen verschwand. Mit hängender Zunge kritzelte er eine Adresse hin und ging dann los und ließ Hablund mal wieder allein zurück. Die Frauen waren seine einzige Ablenkung, der Anblick dieser finster dreinblickenden Lumpen, die die Hütte passierten, interessierte Hablund längst nicht mehr. Schemenhafte Wesen, gekleidet in Fetzen, Männer in sowjetischen Reiterhosen und Frauen mit Kopftüchern, das Haar verwahrlost und ebensolche Zöpfe. Hablund überlegte, wie viele von ihnen den Kavaš-Ritus überhaupt kannten, denn als er Buro danach fragte, lächelte dieser nur vage, so wie immer. Dass Hablund Russisch konnte, war ihm zu nichts nütze, Buro schwieg die meiste Zeit über. Dennoch fühlte sich Hablund bei ihm gut aufgehoben. Einmal nur hatte Buro ihn angeschnauzt, als er Kartoffelschalen ins Feuer werfen wollte, und abgesehen von jenem Tritt zwischen seine Beine, gleich am ersten Tag, hatte er nie die Hand gegen ihn erhoben. Außerdem fütterte er ihn gut und brachte ihm sogar einen Wasserbehälter, wenn Hablund etwa seine Unterhosen waschen musste. Seine Notdurft verrichtete Hablund in einen Eimer, der stand gleich in der Ecke. Buro pflegte es in der Nacht genauso zu halten. Wenn Hablund in solchen Momenten aufwachte, sagte er zu sich selbst, dass sich, mal abgesehen davon, dass er etwas mehr Zeit in der Hütte verbrachte, sein Leben kaum von Buros unterschied.
Mit Buros Erlaubnis wischte er tagsüber den Boden auf und sortierte das Mehl und den Zucker, er entfernte zwei Säckchen, die voller Würmer waren, ein paar Wochen später kochte er sogar schon. Das Feuer im Kamin anzuzünden, dauerte meist eine Weile, manchmal qualmte es stark, einmal wäre er beinahe erstickt, aber meist ging es gut und er warf dann ein paar Graupen (aus einem der Säckchen im Regal) ins siedende Wasser, das war wirklich ein Kinderspiel. Einmal baute er dabei sogar seine Kamera auf, damit er endlich mit seiner Arbeit beginnen konnte, doch es war wie verhext, gerade an jenem Morgen wollte es nicht und nicht gelingen, Feuer zu machen, er war rot vor Wut und fluchte wüst und drohte sich selbst (allein im Haus) mit geballten Fäusten. Dass alle Messer aus seinem Rucksack verschwunden waren, überraschte Hablund nach vier Wochen keineswegs, wo doch Buro eines dieser Messer offen an der Hüfte trug und es nicht einmal im Bett ablegte.
Die Idiotin Josipovičová wurde auch immer wagemutiger. Manchmal kam sie sogar allein hierher, ohne Larissa, sie lief um die Hütte herum und hob dabei ihren schmutzigen Rock, hoch bis zu den Brüsten, als würde sie durch Hochwasser waten. Sie sah Hablund durchs Fenster an, schnitt Grimassen und dann lachte sie wieder, ihr helles, sanftes Gesicht leuchtete auf wie die Sonne, wie ein glückliches, närrisches Kind. Sie wusste immer, wann Buro außer Haus war, und kaum tauchte er auf, verschwand sie, als wäre sie vom Erdboden verschluckt worden.
Wenn Buro mit Hablund im Haus war und nicht gerade aß, kochte oder schlief, stellte er irgendetwas für Keke her. Mit dem Messer, das er an der Hüfte trug, schnitzte er ihm im ersten Monat mit allergrößter Sorgfalt eine kleine Flinte, einige Männchen, ein kleines Schiff und einige weitere Sachen, die Hablund nicht so recht einordnen konnte. Wenn er mit ihnen zufrieden war, stellte er sie in Reih und Glied im Regal auf und Hablund musterte sie – sie ohne Erlaubnis in die Hand zu nehmen, getraute er sich nicht. Einmal, nach einigen Tagen, in denen sie kein einziges Wort miteinander gesprochen hatten, nahm Buro eines dieser fertigen Schnitzwerke aus dem Regal, von denen Hablund nicht genau sagen konnte, was sie darstellen sollten, und reichte es ihm. Er fragte ihn, wie es ihm gefalle und ob so etwas auch den Kindern bei ihm zu Hause gefallen würde. Er hing an Hablunds Lippen und man konnte deutlich erkennen, wie sehr es ihn freute, als dieser bejahte.
Es würde mich interessieren, wie lange du mich noch so bei dir haben möchtest, wagte Hablund zum ersten Mal zu fragen. Und Buro überlegte und ging dann langsam zur Tür und öffnete sie. Sie war gar nicht mehr abgeschlossen.

ERSKE
Charyň ist mehr ein Kaff als ein Dorf. Aber dies vor Einheimischen laut auszusprechen, hätte nur zur Folge, dass sie wütend werden und sogleich behaupten, schaut her, dieser Fremde hier, ein Unruhestifter ist das, der hat keinerlei Achtung, all das, was er weiß Gott wo sah, hat ihm wohl den Kopf verdreht. Erske Jenkel versteht da was davon. Acht Jahre lang studierte er im dänischen Århus Anthropologie, und als er schließlich nach Charyň aufbrach, hatte er alle Theorien darüber beisammen, wie man die Einheimischen für sich gewinnen kann. Sein Wissen hatte er durchnummeriert und im Kopf geordnet, sobald eine gewisse Situation eintraf, würde es dort drin irgendwo aufblitzen.
Mit seinem dreißig Kilo schweren Rucksack trat er auf den bemoosten, aber sorgfältig gefegten Bahnsteig, die einzige Person, die er dort erblickte, war die alte Saška Pavličová. Sie saß auf ihrem fahrbaren Kühlschrank, einer Kunststoffschatulle, verkleidet mit Polyester. Saška hat die Hände eines Mannes, sie raucht die fettesten Zigaretten von ganz Charyň. Sie trägt sie in einer zerfledderten Marlboroschachtel bei sich, und wer ihr genehm scheint, dem bietet sie eine an.
Für Erske interessierte sie sich sehr wohl. Irgendwelche Schnürchen hingen aus seinem Rucksack, um seine Stirn hatte er sich ein Tuch geschlungen und dann noch diese wasserdichten Schuhe, mit denen Ausländer gerne angeben, dass ihnen nichts durchsickert, nur um später darüber zu klagen, dass da doch was damit nicht stimmt.
Hablund war auch ein solcher gewesen. Hablund, der eines Abends im Winter des Jahres siebenundvierzig nicht mehr nach Hause zurückgekehrt war. Zunächst war sie misstrauisch gewesen. Er sprach mit einem seltsamen Akzent, als hätte er ein hölzernes Maul, er lächelte ständig und nach einem einzigen Schnapsglas war er vollkommen hinüber, wie irgendein junges Mädchen. Alle lachten zunächst über ihn. Sie auch, als sie mit ihm bekannt wurde. Die Mädchen tuschelten über ihn. Sie war damals doch jung. Wenn sie früher ihre Hände auf den Schenkel abstützte, kamen keine fleckigen Adern zum Vorschein.
Hätte dieser hier nicht solche Stielaugen gehabt, Saška hätte Erske eine Marlboro angeboten. So beobachtet sie ihn lediglich, eingehüllt in ihre Decke. Rauch strömt aus ihrem Mund und ihr Hintern friert sich am Kühlschrank fest. Saška weiß, dass noch keiner so mir nichts, dir nichts nach Charyň gefahren kam. Die Äuglein dieser alten Frau sind klein, Erske erinnern sie an ein Schwein. Er weiß nur zu gut, dass die Frau jetzt kein Wort sagen wird, und wenn sie einander das nächste Mal begegnen, wird sie so tun, als wäre es gerade zum ersten Mal.
Auch die hier hat wohl in einer Kolchose gearbeitet, sie hielt ihren Mund, tanzte nicht aus der Reihe und hob auf Versammlungen eifrig die Hand. Den Kulturschock hat Erske bereits überwunden. Er ist nicht zum ersten Mal in Russland. Und dennoch. Es war ihm zuwider. Dieses Gefühl, dass hier die Leute alles für sich behalten, ihn an der Nase herumführen, um ihn heimlich auszulachen, dass er niemals begreifen würde, was hier vor sich geht. Hier wirft man einem gerne Stöcke zwischen die Beine, wenn man etwas Wahrheit ans Licht bringen will.
 
Vom Bahnhof weg führte nur ein einziger Weg. Hölzerne Häuschen und schiefe Zäunchen gab es da, kleine, vom Gras überwucherte Vorgärten mit Baumstummeln oder Bänken zum Anlehnen, von wo aus man die Welt in aller Ruhe beobachten konnte.
Es schien, als wäre in Charyň um sechs Uhr morgens alles leer und verlassen. In dichten Schlieren wälzte sich eine Nebelsuppe durch die Straßen. Diese Feuchtigkeit mit ihrem sauren Beigeschmack nach Eisenbahnschienen. Erske musste sich erst an die eingeschränkte Sicht gewöhnen. Durch den milchigen Dampf wateten schon bald Frauen in Gummistiefeln, Kühe, er sah einen Burschen mit einem Pullover, der ihm bis zu den Knien hing, ein Tor fiel hinter ihm zu und ein struppiger Köter trottete ihm auf die Straße nach. Die Menschen tauchten aus dem Nebel auf und verschwanden wieder in ihm, einen Augenblick lang öffnete sich so etwas wie ein Tunnel und man konnte die Taiga erkennen, eine ganze Weile aber war gar nichts zu sehen, manchmal vage Umrisse von ein paar Hütten, ein einziger Torso. Ein paar zusammengenagelte Bretter, unter denen man vielleicht schläft, wo die Alten am Morgen die Decke anstieren, ähnlich wie in Århus, es sind diejenigen, denen der Wodka aus allen Poren steigt, sie schnarchen und die Frauen, denen Säuglinge an den Brüsten hängen, verstecken ihre Köpfe noch ein wenig unter den Polstern, um den Sonnenstrahlen zu entgehen.
Draußen war nur ab und an jemand zu erkennen. Der Tag war noch nicht wirklich angebrochen, ein Hinweisschild mit dem Schriftzug »POST« war ein erster Beweis von Zivilisation, der ihm in diesem Dorf in die Augen fiel. Ein in sich kauerndes Häuschen mit einem Vorgarten, umgeben von einem niederen Holzzäunchen, irgendwer züchtete dort Chrysanthemen, vor der Tür gab es zwei durchgescheuerte Holzstufen, zu Erskes Erstaunen schien geöffnet zu sein.
Er drückte den Türgriff fester durch und fand sich in einem kleinen Raum mit einer Holzbank, einem Tisch und Pult wieder, allerdings war niemand zu sehen. Im Raum hing ein ordentlicher Mief und an den Wänden klebten einige sich langsam ablösende Werbeplakate, eine Preisliste (von Postdiensten), vom Pult baumelte ein an einem Schnürchen befestigter Kugelschreiber, er hing von einem Nagel.
Erst danach fielen Erske ein zerzauster Kopf und ein weiteres Zimmerchen auf. Der Raum hinter dem Pult mündete in ein türloses Kämmerchen, im Bett schlief irgendwer, die Decke hatte er sich bis über die Ohren hochgezogen.
Die ganze Zugfahrt über hatte sich Erske ausgemalt, wie es sein würde, wenn er ihnen mitteilt, warum er hier ist. Er würde dies wie etwas völlig Normales verlautbaren, und basta. Wer würde es wiederum, ein paar tausend Kilometer weiter westwärts, nicht seltsam finden, dass einer um sechs Uhr morgens das Vieh auf die Weide treibt und dann bis zum Abend mit einer Rute am Anger sitzt und vorgibt, dieses Vieh zu hüten, oder mit einem Lastwagen durch die Gegend gondelt, beladen mit allerlei Kuhhäuten. Einst hatte Erske geglaubt, dass man Weisheit erlangt, wenn man den ganzen Tag über an einem Ort verweilt. Die Zeit sein zu lassen, möge sie vergehen, wie sie will, warum sich der Ewigkeit durch immerwährendes Wirken verweigern? Heute würde er behaupten, dass es sich dabei schlicht um Faulheit handelt, und genau deshalb geht Sibirien auch vor die Hunde.
Er stellte sich vor, dass unter dieser Decke eine Alte in einer abgetragenen Joppe steckt, sie hat einen Alkoholiker zum Mann und schläft wohl lieber gleich in der Arbeit. Elvira allerdings schlief nicht, sie hatte Erske genau gehört, gleich als er den Raum betrat.
Sie dachte, der Vater wäre gekommen, um sie wegen Serjoža zu rügen. Ihr Sohn hatte eine Krankheit, an der nahezu jedes Kind seines Alters in Sibirien litt. Er war fünf und sah aus wie drei, er war dünn, bleich und still. Tamara, Elviras Mutter, würde ihn am liebsten gar nicht mehr nach draußen lassen. Keke Kavaryč, sein Großväterchen, befürwortete lauthals, er möge sich die Hörner abstoßen, und er schob ihn eigenhändig durch die Tür auf die Straße. Serjoža stand dann vor dem Haus, kreidebleich und mit Schweiß auf der Stirn, er wartete, bis Kavaryč wieder verschwand und Großmütterchen Tamara, die sich die ganze Zeit über mit irgendeinem Beet befasste, ihn von hinten am Ärmel nahm und erneut in Sicherheit brachte. Er schämte sich, der Großvater bereitete ihm Angst.
 
Die Frau, die sich im Bett aufgesetzt hatte und Erske erstaunt anblickte, war noch jung. Er hatte eine Alte erwartet, die hier war etwa um die dreißig. Die Haare hatte sie sich mit einem Gummiband zusammengebunden, ihr Gesicht, das noch das Muster des Polsters aufwies, kratzte sie ganz beiläufig.
Wir öffnen erst um acht. Was wollen Sie hier?
Dann wollte sie wissen, ob er mit dem Morgenzug aus Moskau gekommen war, und Erske fielen einige ihrer zerzausten Haarbüschel auf, die ihr komisch auf einer Seite abstanden.
Sollte er es ihr sagen?
Schließlich entschloss er sich, abzuwarten.
Als Erske bekräftigte, dass er niemanden in Charyň kannte, interessierte sie sich gleich dafür, ob nicht auch irgendein Fedorek mit ihm ausgestiegen war. Braune Plüschschuhe bis zu den Waden, blaue Amtshosen und eine blaue Weste.
Für die Männer, die mit ihm ausgestiegen waren, hatte sich Erske wirklich nicht interessiert. Sie stiegen sehr schnell aus und schon eine halbe Stunde zuvor waren sie (fertig gepackt) im Gang angestanden, im Gedränge, einer hinter dem anderen, als würden sie fürchten, im Zug zurückzubleiben. Sie wirkten beklommen auf ihn, daran konnte sich Erske noch erinnern.
 
Es war zwei Minuten nach acht, als Elvira beide Schlösser verriegelte und Erske erneut seinen Dreißig-Kilo-Rucksack mit all den wippenden Schnürchen schulterte. Am Täfelchen an der grünen Posttür stand zwar geschrieben, dass jeden Tag von acht bis fünf geöffnet war, aber den Schlüssel hatte schließlich Elvira und Beschwerdeschreiben waren nicht üblich.
Saška würde jetzt aufbrechen und nach Hause gehen. Der nächste Zug aus Moskau würde Charyň erst übermorgen erreichen. Am Weg dorthin begegnet ihr schon wieder dieser unbekannte Mann, der gerade mit Elvira aus dem Postgebäude tritt und ihre Plastiktasche trägt, Saška denkt sich ihren Teil. Was das wohl wieder für ein Lump ist und wie sie ihn gleich mit nach Hause nehmen kann und dass der Ihrige auch heute nicht angekommen war.
Hablund Doran war auch nicht im Zug gewesen, sie hätte es sich gleich denken können. Sie hatten ihr schon damals gesagt, dass sie ihn nicht würde halten können, heute finden Saška alle nur noch lächerlich, weil sie immer noch wie ein Hund auf ihn wartet. Wie ihr Hund Petrus darauf wartete, bis ihr Vater wieder aus Irkutsk zurückkehrte, damals, als Saška noch ein Kind war. Er war weggefahren und Petrus wartete die ganze Zeit über am Bahnsteig, bis sich sein Herrchen wieder zeigte. Er kehrte nie wieder zurück. Die Mutter hatte dann noch mal geheiratet. Sie könnte allerdings diesen hier fragen, der heute Morgen ankam, ob er nicht in Europa zufällig einen namens Hablund kennt. Nur für alle Fälle.
Tamara Kavaryčová war gleich aufgefallen, was für löchrige Socken Erske an seinen Füßen trägt. Wer schickt ihn so hierher? Hat er eine Frau? Sie bezweifelte es. Als ihn Elvira der Familie vorstellte, dachte sie, in seinem Alter, da sollte er eigentlich schon eine haben. Dann waren ihr allerdings diese blauen Socken aufgefallen und schon war sie unsicher geworden. Ob er hierherkam, um sich eine zu suchen? Wie Hablund Doran damals. Auch der erzählte anfangs etwas anderes. Erske allerdings sagte gar nichts.
Hablund hatte damals versichert, er wäre nach Charyň gekommen, um einen Film zu drehen. Als ob sie hier irgendwelche Eskimos oder so wären. Als er aus dem Zug stieg, musste Buro all seine Sachen mit dem Wagen abholen, nicht einmal tragen konnte man das Zeug. Stangen, Haken, Hebel. Tamara war damals noch kein Jahr alt. Sie hatte es nicht selbst erlebt, aber demnach zu urteilen, wie man davon sprach, musste es viel Aufsehen gemacht haben.
Hablund versprach den Dorfbewohnern schon am zweiten Tag nach seiner Ankunft eine große Neuigkeit. Alle sollten sich vor dem Heldendenkmal versammeln, auf dem blank gestampften und mit Schotter bestreuten Plätzchen. Er hatte es irgendwem mitgeteilt und dann hatte es sich von Mund zu Mund verbreitet. Wer weiß, warum sie überhaupt auf ihn gehört hatten. Ob er über irgendwelche übermenschliche Fähigkeiten verfügte? Um zu erfahren, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende war, dazu brauchten sie ihn nun wirklich nicht. Er hatte es den Charyňern feierlich am Sockel jener Statue verkündet, als wäre er die Rote Armee, England und Amerika in einem. Die Charyňer standen anschließend noch ein Weilchen beisammen und traten von einem Fuß auf den anderen, dann zog es sie wieder zurück in ihre Hütten. Sie besaßen zwar kein Radio, aber bis Pstruh war es wirklich nicht so weit, auch wenn man dieses nur über einen schlammigen Weg erreichen konnte. Sie zuckten nur mit den Schultern.
Hablund stopfte sie anschließend mit Schokolade voll, die Kinder liefen mit verschmierten Gesichtern durch ganz Charyň, sofort hieß es Onkel hier und Onkel da, ein Spalier an Winzlingen zog hinter ihm her, als wäre er ein Prophet. Die Familie von Velor Josipovič hatte ihn ziemlich lange am Hals. Er wollte mit jedem gut Freund sein und wartete nur darauf, bis man seine Bögen und Pfeile hervorzog, seine Knochenmesser und Bärenfelljacken. Er wartete bis zum Wintereinbruch, weil ihm irgendwer gesagt hatte, dass man die Sachen versteckt, damit sie nicht von Würmern gefressen werden – sie herzuzeigen, das sei bis zum ersten Frost verboten. Und Hablund glaubte alles wie ein Kind und wartete und dachte sich, dass sie ihn gern zur Jagd mitnehmen würden, ihn, den Europäer, mit seinen sauberen Öhrchen.
 
Es war Erskes zweites Abendmahl bei der Familie Kavaryč, als ihm auffiel, wie penibel ihn Tamara beobachtete. Er wusste nicht genau, warum. Es schien doch alles in Ordnung zu sein. Er hätte nicht zu träumen gewagt, dass ihn jemand so schnell bei sich aufnimmt. Soll ihn die Kavaryčová doch ruhig mustern. Sie ist eine ältere Dame und als solche steht ihr alles zu. Bei den Jakten dürfen ältere Frauen sogar in ritueller Weise ihre Schwiegersöhne schlagen, wenn sie meinen, dass diese ihre Töchter schlecht behandeln. Erske wollte allerdings bestimmt nichts von Elvira. Dieses Beispiel der Jakten hatte irgendwer auf der Universität vorgebracht. Einer der wenigen Momente, wo ihm bewusst wurde, dass er in den Vorlesungen wohl doch etwas aufgeschnappt hatte. Er schaute zu Tamara und lächelte ihr zu, er musste nicht einmal lügen, als er ihren ausgezeichneten Fisch lobte.
Er würde ein paar Tage bei Familie Kavaryč bleiben und dann weitersehen. Es traf sich gut, dass er, mit Elviras Hilfe, jederzeit seine Mutter in Århus anrufen konnte. Er hatte ihr versprochen, sich – so bald es ging – zu melden, und er hielt seine Versprechen. Sie wollte wissen, wie sie ihn aufgenommen hatten. Es ist in Ordnung, entgegnete Erske und das war schließlich die Wahrheit. Er konnte sie davon abbringen zu glauben, dass die Russen auf Zeitungen tafelten und immer gleich das Weite suchten, wenn jemand zu Besuch kam. Gulags? Nein, danach hatte er noch nicht gefragt, aber er würde es tun. Es ist schon wahr, dass sie ein bisschen wie Vogelscheuchen aussehen, aber was soll’s? Er stellte sich die Mutter in jenem Moment vor, als sie gleichzeitig den Hörer auflegten. Ein tiefes Ein- und Ausatmen. Nicht einmal er wusste, was ihn hier erwarten würde. Sein großer Plan hatte in jenem Augenblick geendet, als er am Charyňer Bahnhof ausgestiegen war. Als ob er dem Geschehen freien Lauf gelassen hätte. Dass die Zeitzeugen des Dorfes in einer Schlange (wie zu Sowjetzeiten, wenn es Orangen gab) bei ihm anstehen würden und ihm sorgfältig die ganze Geschichte erzählen, dass sie nur ab und zu verstummen, wenn er seine Fragen stellt – eine solche Vorstellung war natürlich ausgemachter Schwachsinn.
Er packte zunächst gar nicht aus. Er hätte auch nicht gewusst, wohin. Er schlief im Vorraum, die ersten zwei Tage verbrachte er im Wohnzimmer, auf dem Diwan. Eine der Zimmerwände bei den Kavaryčs war mit einem großen Hochglanzplakat verkleidet, Palmen an einer azurblauen Flussbiegung, ein kleines Quadrat war für die Steckdose ausgeschnitten worden. Am Boden lag ein verblichener Teppich mit Vogelmotiven, es gab einen niederen, langen Tisch, auf dem die Kavaryčová das Essen servierte. Dieser befand sich vor dem Diwan, darauf saß nun Erske, im Sofa der Kavaryč und auf den beiden Sesseln die Kavaryčová mit Elvira. Große Hochglanzplakate mit Stränden, grasenden Pferdeherden oder Stillleben mit Bananen, Mandarinen und taufrischen Sprite-Dosen waren in Charyň beliebt. Familie Kavaryč hatte noch eines davon in der Küche. Erske kam es so vor, als könne er seine Hände bis zum Ellbogen in eines der Bilder stecken, um von dort irgendetwas ins Zimmer mitzubringen. Eine Banane oder Mandarine etwa. Ihm fiel auf, dass der kleine Serjoža ganz schwarze Zähne hatte, Früchte waren hier wohl wirklich selten.
Was sie um Gottes willen in Hablund gesehen haben mag? Denkt sich Tamara. Ein Pinkel und Tölpel war das doch gewesen, wie man so schön sagt. Und unglaublich aufgeblasen hat er sich.
Angeblich wollte er, dass ihm die Frauen irgendwelche Geschichten erzählen. Nur wussten die nicht, was sie ihm hätten berichten können. Vom lockenden Baum? Sie kicherten. Vom zweiköpfigen Wolfsjungen? Alles hatte er fotografiert und dann auch noch was mit den Frauen angefangen. Seine Ärmel waren mit orangen Streifen versehen gewesen und seine Spuren im Schnee erzählten den Einheimischen ganze Bildgeschichten, so gestochen scharf wurden also in Europa Sohlen hergestellt.
Viele der Geschichten sind selbstverständlich erlogen. Dass ihm angeblich so lange Haare gewachsen waren, dass er diese zweimal um seinen Körper herumwickeln konnte. Dass sie, wenn er sie nass machte, acht Liter Wasser in sich aufsogen. Einen Kessel voller Teewasser für eine ganze Familie, wie sie es am heißesten aller Sommertage benötigt. Er machte sich auch noch Notizen, das ärgerte sie ganz besonders, klar doch. An irgendetwas werkte er herum, ließ das Licht bis tief in die Nacht brennen, manchmal irrte er vermummt durchs Dorf und drehte mit seiner Kamera irgendwelchen Schwachsinn. Wunderte er sich wirklich, dass es die Einheimischen mit der Angst zu tun bekamen?
Sie lachten doch über ihn.
Die Kavaryčs nennen sich Zeitzeugen, aber was ist denn ein Kleinkind schon für ein Zeuge? Hablund schenkte ihnen damals »Elite-Schokolade«, wie allen anderen auch. Er verbeugte sich vor ihnen, bis zum Boden, sie waren vor Freude natürlich aus dem Häuschen.