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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Kapitel 1 - Kinshasa – Die Stadt der Propheten
Kapitel 2 - Kautschuk und Diamanten
Kapitel 3 - Im Land der Gräber
Kapitel 4 - Ein Katasteramt für Bukavu
Kapitel 5 - Der Himmel über Katanga
Kapitel 6 - Kinshasa – Die Parade der Löffelmenschen
Dank
Auswahlbibliographie
Zeittafel
Bildnachweis
Copyright

Dank

Kongolesen debattieren mit Leidenschaft über Gott und die Welt. Aber sie breiten ungern vor Fremden ihr eigenes Schicksal aus. Menschen, die den Tod von Familienmitgliedern, Vertreibung, Krieg und Plünderung erlebt haben, fassen ihr Leben mit einem müden Achselzucken und einem »c’était difficile« zusammen. Es war eben schwer. Und es ist immer noch schwer. Unendlich schwer.

Mein Dank gilt all denen, die mit Engelsgeduld auch meine dümmsten Fragen beantwortet und mir ihre Geschichten erzählt haben. Mit einigen bin ich in Kontakt geblieben.

Judex und Angel, der Coach und die Boxerin, leben immer noch im Stadion Tata Raphaël. Inzwischen sind sie Eltern eines Jungen, der so gesund und munter ist, wie ein Kind in den Slums von Kinshasa eben sein kann. Judex trainiert weiter seine Boxer und Boxerinnen. Und er träumt immer noch von einem Besuch Muhammad Alis.

Das Orchestre Symphonique Kimbanguiste setzt seine Konzerte in Kinshasa fort. Seine Mitglieder hoffen, irgendwann eine Musikschule eröffnen zu können, anstatt den Nachwuchs im Hinterhof von Dirigent Armand Diangienda zu unterrichten.

Willy Mubobo, der kongolesische Abgeordnete mit bayerischem Einschlag, hat Chancen, den erneuten Einzug ins kongolesische Parlament zu schaffen. Vorausgesetzt, die für November 2011 angekündigten Wahlen finden tatsächlich statt, was in diesem Land nie sicher ist. Henri Van Caenegem, der rasende Fabrikleiter aus Bandundu, fährt bis auf weiteres unfallfrei, und Félicien Mbikayi verheißt den Diamantensuchern in Mbuji-Mayi unverdrossen eine bessere Zukunft. In diesem Leben, nicht im nächsten.

Zu Kavira Santiche, der ehemaligen Mayi-Mayi-Kämpferin, und ihrem Sohn Baraka ist der Kontakt abgebrochen. Die Sicherheitslage in der Region um Beni und Butembo hatte sich einige Monate nach unserer Begegnung wieder verschlechtert.

Jean-Claude Kibala ist weiterhin Vize-Gouverneur von Süd-Kivu. Ein funktionierendes Katasteramt hat die Provinz immer noch nicht, dafür aber einige neue Schulen und neu planierte Straßen.

Patrice Lumumbas Geist ist, so behaupten manche, immer noch lebendig. Sein Fall ist jedenfalls nicht abgeschlossen. Zwei seiner Söhne haben im Herbst 2010 in Brüssel Klage gegen mehrere ehemalige belgische Polizisten und Militärangehörige eingereicht, die in den Mord an ihrem Vater verwickelt gewesen sein sollen.



Ich war auf diesen Reisen meist allein unterwegs, aber ich hatte fast überall das Glück, von der Gastfreundschaft, der Hilfe und dem Wissen anderer zu profitieren. Mein Dank gilt in Kinshasa Michel Kassa, Innocent Olenga, Jupiter Bakondji, Freddy Tsimba und ganz besonders Monsieur Vicky, ohne dessen Fahrkunst und Kenntnisse ich nicht allzu viel von dieser Stadt begriffen hätte.

Pater Longine Buhake half mir, die Route nach Mushenge zu planen.

Jean-Paul Ngongo und Venantie Bisimwa in Bukavu stopften, so gut es ging, meine Wissenslücken über Kriegsparteien und Rebellenallianzen. Ihnen und all den anderen Menschenrechtlern im Kongo gilt mein ganzer Respekt. Den Mitarbeitern von Cap Anamur und Malteser International in Süd-Kivu danke ich für Fahrten ins Hinterland, lange Gespräche und den Einblick in ihre Arbeit, die längst ein paar Orden verdient hätte.

Der Fotograf Tim Freccia bot höchst unterhaltsame Begleitung auf einer meiner Reiseetappen und schuf Bilder jenseits des Klischees vom »Herz der Finsternis«. Gleiches gilt für Kiripi Katembo, von dem das Titelbild zu diesem Buch stammt.

Martin Baer, Claus Wischmann und Pascal Capitolin danke ich für atemlose und faszinierende Wochen in Kinshasa, bei denen meine Reportage und ihr Dokumentarfilm »Kinshasa Symphony« über das Orchestre Symphonique Kimbanguiste entstanden sind.



Einige der in diesem Buch beschriebenen Personen habe ich zum ersten Mal bei Recherchen für deutsche Zeitungen und Zeitschriften getroffen und nun wieder besucht. Auf die nicht ganz nahe liegende Idee, den Kongo zu erkunden, brachte mich 2002 die Redaktion von GEO, als sie mich für ein Stadtporträt nach Kinshasa schickte. Die Redaktion der ZEIT ermöglichte mir in den folgenden Jahren immer wieder Reisen in das Land und nimmt inzwischen durchaus Anteil am Werdegang eines Jean Claude Kibala oder Jean Paul Ngongo.



Christiane Kayser danke ich für anregende Diskussionen, Shungu Tundanonga für kritische Lektüre einiger Kapitel, Heike Specht für das Lektorat, Tobias Hamelmann für Dokumentationsarbeit und fact checking. Was immer an Fehlern übrig geblieben ist, geht auf meine Kappe.

Barbara Wenner hat dieses Buchprojekt von Anfang bis Ende mit Hingabe begleitet, was sich als hervorragendes Mittel gegen Schreibblockaden erwies.

Meine Mutter hat einzelne Kapitel vorab gelesen. Sie findet Kinshasa inzwischen durchaus interessant und meine Reisen nicht mehr ganz so verrückt.

Sebastian kennt inzwischen sämtliche Fassungen des Manuskripts – und die damit korrespondierenden Stimmungen der Autorin. Während meiner Reisen steckte er meist in Krisenherden am anderen Ende der Welt, aber in Gedanken war er immer dabei. Und den Kongo, den Fluss, befahren wir irgendwann gemeinsam.

Auswahlbibliographie

Braeckman, Colette, u.a.: Katanga Business, Liege 2009

Butchard, Alexander: The Anatomy of Power: European Constructions of the African Body, London 1998

Butcher, Tim: Blood River – Ins dunkle Herz des Kongo, München 2008

Clark, John: The African Stakes of the Congo War, New York, 2002

Conrad, Joseph: Herz der Finsternis, München 2009

De Boeck, Filip, und Plissart, Marie-Françoise: Kinshasa, Récits de la ville invisible, Brüssel 2005

De Witte, Ludo: L’assassinat de Lumumba, Paris 2000

Des Forges, Alison: Kein Zeuge darf überleben – der Genozid in Ruanda, Hamburg 2002

Devlin, Larry: Chief of Station, Congo – A Memoir from 1960 to 1967, New York

Dunn, Kevin: Imagining the Congo – the International Relations of Identity, New York 2003

Ehrsam, Thomas, Horlacher, Kurt, und Puhan, Margrit (Hrsg.): Der weiße Fleck – Die Entdeckung des Kongo 1875 bis 1908, München/Wien 2006

Findlay, Trevor: The Blue Helmets’ First War? Toronto, 1999

Greene, Graham: A Burnt-Out Case, London 2004

Guevara, Ernesto: The African Dream, London 2000

Joris, Lieve: Die Stunde des Rebellen, München 2008

Joris, Lieve: Der Tanz des Leoparden, München 2004

Hepburn, Katherine: African Queen – oder wie ich mit Bogart, Bacall und Houston nach Afrika fuhr und beinahe den Verstand verlor, München 1987

Hoare, Mike: Congo Mercenary, London 1967

Hochschild, Adam: Schatten über dem Kongo, Reinbek 2002

Johnson, Dominic: Kongo – Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens, Frankfurt a. M. 2008

Kennedy, Pagan: Black Livingstone, New York 2002

Kingsolver, Barbara: The Poisonwood Bible, New York 1999

Lindquist, Sven: Durch das Herz der Finsternis – ein Afrika-Reisender auf den Spuren des europäischen Völkermords, Frankfurt 1999

Louis, Roger, und Stengers, Jean: E.D. Morel’s History of the Congo Reform Movement, Oxford 1968

Mailer, Norman: The Fight, London 2000

Mamdani, Mahmoud: Citizen and Subject. Contemporary Africa and the Legacy of Late Colonialism, Princeton 1996

Mbembe, Achille: On the Postcolony, Berkeley 2001

McLynn, Frank: Hearts of Darkness – The European Exploration of Africa, London 1992

McLynn, Frank: Stanley – The Making of an African Explorer, London 1989

Naipaul, V.S.: A Bend in the River, London 1980

Nlandu, Thierry Mayamba: Kinshasa. Beyond Chaos. In: Okwui Enwezor et al. Under Siege: Four African Cities, Freetown, Lagos, Johannesburg and Kinshasa. Kassel 2002 N

zongola-Ntajala, Georges: The Congo from Leopold to Kabila. A People’s History, London/New York 2002

Petit Futé: Congo RDC, Paris 2006

Phipps, William: William Sheppard – Congo’s African-American Livingstone, Louisville 2002

Prunier, Gérard: Africa’s First World War

Stanley, Henry Morton: The Exploration Diaries, London 1961

Stewart, Gary: Rumba on the River. A History of the Popular Music of the Two Congos. London 2000

Südwind (Hrsg.): Kongo: Handys, Gold und Diamanten. Kriegsfinanzierung im Zeitalter der Globalisierung, Band 2, Siegburg 2003

Tayler, Jeffrey: Facing the Congo, New York 2000

Twain, Mark: King Leopold’s Soliloquy, New York 2006

Vansina, Jan: Being Colonized – The Kuba Experience in Rural Congo, 1880-1960, Madison 2010

Vansina, Jan: The Children of Woot, Madison 1978

Wrong, Michela: In the Footsteps of Mister Kurtz, London 2001

Zeittafel

1200 – Aufstieg des Königreichs Kongo in den nördlichen und westlichen Territorien der heutigen Staaten Angola und Kongo.

1482 – Der portugiesische Seefahrer Diogo Cao betritt als erster Europäer kongolesischen Boden. Portugal nimmt Beziehungen mit dem Königreich Kongo auf.

16. und 17. Jahrhundert – Briten, Niederländer, Portugiesen und Franzosen beteiligen sich im großen Stil am Sklavenhandel und benutzen dabei einheimische Zwischenhändler.

1874 – 1877 – Der britische Journalist und Abenteurer Henry Morton Stanley folgt dem Kongo-Fluss bis zum Atlantischen Ozean.

1879 – 1887 – Der belgische König Leopold II. beauftragt Stanley, das Gebiet des Kongo-Beckens für den Monarchen zu reklamieren. 1

884 – 1885 – Auf der Berliner Konferenz erkennen die europäischen Mächte Leopolds Anspruch auf das Kongo-Becken an.

1885 – Leopold verkündet die Gründung des »Freistaats Kongo«, sein privater Besitz, dem er als alleiniger Souverän vorsteht. Bis zur Unabhängigkeit des Kongo 75 Jahre später wird es immer wieder zu Aufständen kommen.

1891 – Edouard Michelin meldet das Patent für den aufblasbaren Gummireifen an. Im Zuge der Industrialisierung steigt der globale Bedarf nach Gummi massiv. Kautschuk wird zum begehrten Rohstoff.

1891 – Im April gründet der erste schwarze Missionar, der Amerikaner William Sheppard, zusammen mit einem weißen Kollegen eine Missionsstation in Luebo im Kasai.

1898 – Die Eisenbahnlinie zwischen dem Atlantischen Ozean und Léopoldville wird eröffnet. Beim Bau sind tausende von Menschen umgekommen, darunter auch Arbeiter aus Westafrika, Barbados und China.

1908 – Nach massiven internationalen Protesten gegen Massaker und andere Gräueltaten durch Verwalter von Leopolds Freistaat übernimmt der belgische Staat die Kolonie. Unter Leopolds Herrschaft sind Millionen Kongolesen durch Gewalt und Zwangsarbeit gestorben.

1909 – William Sheppard wird von einem belgischen Gericht in Léopoldville vom Vorwurf der Verleumdung freigesprochen. Der belgische Kautschukkonzern Compagnie du Kasai hatte den Missionar wegen dessen Berichten über schwerste Menschenrechtsverletzungen bei der Kautschukproduktion verklagt.

1916 – Kongolesische Truppen der Force Publique sind im Ersten Weltkrieg am Sieg über Deutschland in Ostafrika beteiligt und besetzen die ehemals deutschen Kolonien Ruanda und Burundi.

1921 – Im April tritt der Baptist und Arbeiter Simon Kimbangu erstmals als Massenprediger auf, propagiert ein schwarzes Selbstbewusstsein und gibt sich selbst als Propheten aus. Nach wenigen Monaten wird er von der belgischen Justiz wegen »Anstiftung zum Aufruhr« zu lebenslanger Haft verurteilt.

1951 – Simon Kimbangu stirbt nach 30 Jahren politischer Haft in einem Gefängnis in Élisabethville, dem späteren Lubumbashi.

1955 – Der belgische Professor Anton van Bilsen veröffentlicht einen »30-Jahre Plan«, in dessen Rahmen dem Kongo über die nächsten drei Jahrzehnte mehr Selbstverwaltung gewährt werden soll.

1959 – Nach gewalttätigen Unruhen in Léopoldville schlägt die Stimmung in Belgien um. Nun will man den Kongo möglichst schnell in die Unabhängigkeit entlassen.

1960 – Am 30. Juni proklamiert die Republik Kongo ihre Unabhängigkeit. Aus den Wahlen kurz zuvor ist eine Regierung mit Patrice Lumumba als Premierminister und Joseph Kasavubu als Präsident hervorgegangen.

1960 Juli – Truppen der Force Publique meutern; Moise Tshombe verkündet die Sezession der Provinz Katanga; Belgien entsendet Truppen, vorgeblich um eigene Staatsbürger zu schützen – und um eigene Interessen an den Rohstoffen zu sichern. Die UNO schickt Blauhelme.

1960 September – Der interne Machtkampf eskaliert. Präsident Kasavubu entlässt Premierminister Lumumba. Der erklärt seinerseits Kasavubu für abgesetzt.

1960 Dezember – Lumumba wird festgenommen.

1961 – Am 17. Januar wird Patrice Lumumba nach wochenlanger Inhaftierung und Folter in Katanga im Beisein belgischer Sicherheitskräfte ermordet.

1961 August – Blauhelme beginnen mit der Entwaffnung katangesischer Soldaten.

1963 – Tshombe beendet die Sezession Katangas.

1964 – Präsident Kasavubu ernennt Tshombe zum Premierminister. In Bandundu und im Osten des Landes starten Lumumba-Anhänger eine Rebellion, rufen in Kisangani für kurze Zeit eine Gegenregierung aus. Die Rebellion wird im November durch amerikanische und belgische Militärs sowie Söldner aus mehreren Ländern fast völlig niedergeschlagen.

1965 – Tshombe gewinnt im Mai freie und faire Wahlen. Mobutu übernimmt sechs Monate später durch einem Putsch endgültig die Macht.

1969 – Sicherheitskräfte verüben in Kinshasa ein Massaker an Studenten, die friedlich demonstriert hatten.

1971 – Mobutu beginnt seine Kampagne der »Authentizität« und tauft das Land von Kongo in Zaire um.

1973 – 1974 – Zahlreiche Firmen in ausländischem Besitz werden verstaatlicht und europäische Investoren aus dem Land gewiesen.

1974 – Mobutu interveniert auf Seiten des südafrikanischen Apartheidregimes und der USA im Bürgerkrieg in Angola. Dies und die Ausrichtung des Boxkampfes zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Kinshasa trägt ihm im Westen zunehmend gute Presse ein.

1977 – Erneute Rebellion in Katanga. Französische, belgische und marokkanische Truppen unterstützen die kongolesische Armee bei der Niederschlagung.

1989 – Nachdem Zaire bei der Zinszahlung für belgische Kredite in Verzug gerät, werden zahlreiche Entwicklungsprogramme gestrichen. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich rapide.

1990 – Mobutu lässt politische Parteien wieder zu und ernennt eine Übergangsregierung.

1991 – Nach Plünderungen durch unbezahlte Soldaten in Kinshasa stimmt Mobutu einer Koalitionsregierung mit Oppositionsparteien zu, behält aber die Kontrolle über den Sicherheitsapparat und Schlüsselministerien.

1994 – Im benachbarten Ruanda begehen Hutu-Milizen während eines Bürgerkriegs einen Völkermord an 800 000 Tutsi und moderaten Hutu. Als Tutsi-Rebellen den Genozid stoppen und die Macht im Land übernehmen, fliehen fast zwei Millionen Hutu, unter ihnen die Täter des Genozids. Die meisten landen in Flüchtlingslagern im Ostkongo.

1996 – Kongolesische Tutsi rebellieren, weil Hutu-Milizen aus den Flüchtlingslagern heraus immer wieder Angriffe gegen Tutsi auf kongolesischem wie auf ruandischem Boden starten. Es folgt die von Ruanda und Uganda durchgeführte, brutale Auflösung der Flüchtlingslager. Anti-Mobutu-Rebellen unter der Führung von Laurent Kabila und unterstützt von Uganda und Ruanda marschieren Richtung Kinshasa.

1997 – Im Mai nehmen Kabilas Truppen die Hauptstadt ein. Mobutu flieht, Kabila ernennt sich zum Präsidenten. Der erste Kongo-Krieg ist zu Ende.

1998 – Nachdem Kabila die Allianz mit Uganda und Ruanda aufkündigt, marschieren deren Armeen im August erneut in den Kongo ein. Angola, Namibia und Simbabwe entsenden Truppen zur Unterstützung Kabilas. Der zweite Kongo-Krieg, auch Afrikas Erster Weltkrieg genannt, beginnt.

1999 – Die UN beginnen ihre zweite Mission im Kongo.

2000 – Im September gründen ruandische Hutu im Exil und ruandische Hutu-Milizen im Ostkongo eine neue Organisation, die Forces Démocratiques de la Libération du Rwanda (FDLR). Die FDLR kontrolliert bis heute größere Gebiete in den Kivu-Provinzen und wird für schwerste Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

2001 – Am 16. Januar wird Präsident Laurent Kabila von einem Leibwächer erschossen. Joseph Kabila tritt die Nachfolge seines Vaters an.

2002 – Im Februar entschuldigt sich die belgische Regierung beim kongolesischen Volk für die Mitverantwortung Brüssels an der Ermordung von Patrice Lumumba.

2002 – September bis Dezember: Friedensabkommen der kongolesischen Regierung mit Ruanda und Uganda sowie den größten Rebellengruppen. Deren Führer erhalten Posten in der Übergangsregierung.

2003 – In Ituri, im Nordosten des Kongo, eskaliert ein regionaler Krieg zwischen ethnischen Milizen. Eine EU-Brigade mit mehrheitlich französischen Soldaten befriedet die größte Stadt Ituris, Bunia.

2006 – Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag erhebt seine erste Anklage gegen Thomas Lubanga, Befehlshaber einer Miliz in Ituri. Lubanga wird der Rekrutierung von Kindersoldaten beschuldigt.

2006 – Am 30. Juli finden die ersten freien und fairen Wahlen nach über vier Jahrzehnten statt. Joseph Kabila gewinnt das Rennen um die Präsidentschaft nach einer Stichwahl am 29. Oktober gegen seinen Kontrahenten Jean-Pierre Bemba.

2007 – Zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Anhängern Bembas kommt es im März in Kinshasa zu blutigen Auseinandersetzungen. Im April geht Bemba nach Portugal ins Exil.

2008 – Im Januar schließen Regierung und mehrere Rebellengruppen, darunter die des Tutsi-Generals Laurent Nkunda, ein Friedensabkommen in Goma. Hoffnung auf eine endgültige Befriedung des Ostkongo kommt auf.

2008 – Im August liefern sich die Armee und Nkundas Truppen erneut heftige Kämpfe. Tausende Zivilisten sind auf der Flucht, in Goma bricht angesichts des drohenden Vormarsches Nkundas Panik aus. UN-Blauhelme greifen auf Seiten der kongolesischen Armee in die Kämpfe ein.

2009 – Im Januar wird Nkunda überraschend von seinem Verbündeten, dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame, in Ruanda unter Hausarrest gestellt. Die einstigen Todfeinde Ruanda und Kongo vereinbaren eine gemeinsame Militärkampagne gegen die Hutu-Milizen der FDLR, die seit Mitte der 90er Jahre große Gebiete in den Kivu-Provinzen unter ihrer Kontrolle halten. Im Verlauf der Militäraktionen wird die FDLR geschwächt und reagiert mit gezielten Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung. Auch der kongolesischen Armee werden massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

2009 – Der Internationale Strafgerichtshof erhebt Anklage gegen den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba wegen Kriegsverbrechen, die seine Rebellengruppe zwischen 2002 and 2003 in der Zentralafrikanischen Republik verübt haben.

2009 – Der FDLR-Führer Ignace Murwanashyaka, der seit Jahren als anerkannter politischer Flüchtling in Deutschland lebt, wird in Mannheim festgenommen.

2010 – Am 2. Juni wird der prominente Menschenrechtsaktivist Floribert Chebeya in Kinshasa ermordet. Wenige Wochen später, am 30. Juni, feiert die Regierung mit einer großen Militärparade in Kinshasa den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit.

2010 – Im Juli stimmen Weltbank und Internationaler Währungsfonds zu, dem Kongo Schulden in Höhe von acht Milliarden Dollar zu erlassen. Ein Großteil der kongolesischen Auslandsschuld stammt aus der Ära Mobutu.

2010 – August: In einem UN-Bericht werden schwerste Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen aller Kampfparteien während der beiden Kongo-Kriege dokumentiert. Die systematischen Massaker ruandischer Truppen und der Rebellen ihres damaligen Verbündeten Laurent Kabila an Hutu-Flüchtlingen könnten, so die UN-Ermittler, vor einem ordentlichen Gericht den Tatbestand des Völkermords erfüllen.

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Bild 1. Musiker des Sinfonieorchesters der Kimbanguisten, Kinshasa

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Bild 2. Jugendgarde der Kimbanguisten-Kirche, Kinshasa

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Bild 3. Frauen während eines Open-Air-Gottesdienstes, Kinshasa

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Bild 4. Boxer im Stadion Tata Raphaël, Kinshasa

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Bild 5. Kinder in einem Flüchtlingslager spielen Bodybuilder

Bild 6. Kinder beim Fischfang in der Nähe von Mbuji Mayi, Provinz OstKasai

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Bild 7. Schulkinder in Ilebo, Provinz West-Kasai

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Bild 8. Junge in einem Flüchtlingslager an der Grenze zur Republik Kongo

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Bild 9. Kinder in einem Flüchtlingslager

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Bild 10. Taxi, Kinshasa

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Bild 11. Tragestuhl zum Transport von Patienten, Kamituga, Provinz Süd-Kivu

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Bild 12. Fahrende Händler, Provinz West-Kasai

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Bild 13. Seifenverkäufer an der Straße nach Mushenge, Provinz West-Kasai

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Bild 14. Blick von Bukavu auf den Kivu-See

Bildnachweis

Bild 15 Bettmann/CORBIS

Bild 16, Bild 17 STim Freccia

Alle anderen Fotos: Andrea Böhm