FRANK DIGGLER – SURF NAZIS

 

Zwischen 2000 und 2004 erschienen im österreichischen Sex-Blättchen „BKM“ insgesamt 41 nicht ganz jugendfreie Geschichten rund um den trinkfesten und notorisch politisch unkorrekten Privatdetektiv Frank Diggler. Laut Autor Tony Wood waren die obligatorischen Erotiksettings (verlangt wurde zumindest eine Hardcore-Szene pro Story) eher lästige Routine, der Spaß beim Schreiben stellte sich für Wood bei der Rahmenhandlung ein, in der er seinen umtriebigen hard-boiled detective immer wahnwitzigere Fälle lösen ließ. Strengstes Jugendverbot!

 

Mein aktueller Fall führte mich direkt ans Meer. Ein Industrieller hatte mich beauftragt, seinen Sohn Henry zu suchen. Der leidenschaftliche Wellenreiter war vor etwa einem Monat spurlos verschwunden. Daddy vermutete, dass sich der Spross einer Gruppe von Surfern angeschlossen hatte.

Mir klangen die Worte meines Auftraggebers noch im Ohr: „Ich bin sicher, dass er sich bei diesen Hasch rauchenden Hippies aufhält. Finden Sie ihn und bringen Sie ihn zurück!“

Die Aussicht auf Strandfeeling und der großzügige Scheck reichten mir schon, um mich unter die Surfer zu mischen und nach dem verlorenen Sohn zu suchen.

Zunächst war aber Recherche angesagt, denn schließlich musste ich mir einen Einblick in die Szene verschaffen. Zum Glück kannte ich einen dieser „Hasch rauchenden Hippies“.

Surferboy Richie arbeitete in meiner Stammvideothek und roch immer bemerkenswert nach Gras. Er war anfangs etwas wortkarg. Erst ein 100-Dollar-Schein regte sein Mitteilungsbedürfnis an. Er erzählte mir von einem geheimen Szene-Treffpunkt in der Nähe von Montauk auf Long Island. Kurze Zeit später saß ich schon in meinem Dodge und fuhr in Richtung Meer. Aus den Lautsprecherboxen drang stilecht Surfin’ USA und ich war guter Dinge. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, was mich erwartete …

 

*

 

Ich parkte meinen Wagen in der Nähe des Strandes. Im Rückspiegel kontrollierte ich meinen neu gewonnenen Teint. Um unter den Surferboys nicht aufzufallen, hatte ich meine noble Blässe mit ein paar Tuben Bräunungscreme kaschiert. Ich zog mich gleich im Wagen um … oder besser gesagt aus, denn mit meinem üblichen Aufzug – zerknitterter Leinenanzug, Trenchcoat und Hut – würde ich wohl nicht als leidenschaftlicher Wassersportler durchgehen.

Nur mit einer Badehose bekleidet, kletterte ich aus dem Wagen und ging einen langen Zaun entlang. Dieser Teil des Strandes war in Privatbesitz und eigentlich abgesperrt, aber so ein bisschen Maschendraht war kein Hindernis für die Surfer. Bald fand ich auch die manipulierte Stelle im Gitter, die mir Richie beschrieben hatte, und ich mogelte mich durch die Öffnung. Die 100 Dollar hatte ich also gut investiert.

Nach ein paar Minuten traf ich auf ein paar Halbstarke, die sich mit ihren Surfbrettern beim Meer niedergelassen hatten. Ich mischte mich unters Strandvolk, wobei ich ein leichtes Hinken vortäuschte. Mein rechtes Knie hatte ich vorsorglich bandagiert. Nicht nur, um die Täuschung perfekt zu machen. Unter dem Verband befand sich auch eine kleine Lebensversicherung für den Notfall.

So mimte ich den Verletzten. Und mit Talent, wie ich meine. Ich stellte mich als Lance vor, der normalerweise an der Westküste surfte und sich im Moment aufs Zusehen beschränken musste, womit wieder das bandagierte Knie ins Spiel kam. Vielleicht sollte ich es doch einmal in Hollywood versuchen?

Ich wurde schnell von der Gruppe akzeptiert und fiel bald nicht mehr auf. Das Szenario hatte etwas von einer Jan & Dean-Nummer: Sonne, Strand, Meer, Surfer und natürlich two girls for every boy … in knappen Bikinis. Während fast die ganze Gruppe auf den Weißwasserwellen Kunststückchen vorführte, blieb ich als „Verletzter“ bei ein paar Girls zurück.

Ich nutzte die Gelegenheit und fragte nach Henry. Eine der Bikini-Miezen, eine große Brünette mit bemerkenswerten Kurven, schien zu wissen, wo er steckte. „Klar kenn ich den, eigentlich ein sympathischer Typ. Aber jetzt ist er mit den falschen Leuten zusammen.“ Die Puppe bat mich, ihr den Rücken einzucremen. Während ich, zuvorkommend wie ich nun mal war, das Sonnenöl auf ihrer gebräunten Haut verteilte, hakte ich nach. „Falsche Leute? Inwiefern?“

Meine kleine Rückenmassage schien zu gefallen; beiläufig antwortete die Puppe: „Da gibt es eine Surfer-Gang, die nur Ärger macht. So eine Neonazi-Bande, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Wir nennen sie nur die Surf-Nazis und machen einen großen Bogen um sie. In letzter Zeit tauchen sie immer öfter hier auf, meistens nach Sonnenuntergang. Sie haben schon ein paar von uns schlimm zugerichtet.“

Nazis?! Hier am Strand?! Starben diese Irren denn nie aus? Ich beschloss, noch bis zum Sonnenuntergang hier zu bleiben Vielleicht begegnete ich dann ja diesen wellenreitenden Herrenmenschen …

Die Zeit verging. Es wurde gesurft, am Lagerfeuer gegrillt und Gras geraucht. Auch Bier gab es reichlich. Ich schnappte mir ein Bud und prostete in die Runde. Fast wie damals im Ferienlager. Langsam fühlte ich mich hier richtig wohl.

„Hi, Lance!“, raunte mir eine Puppe zu. Ihr Anblick ließ es in meiner Badehose ziemlich eng werden. „Ich heiße Virginia“, hauchte sie mir sogleich ins Ohr.

Welch ein unpassender Name. Die Unschuld vom Lande reichte mir einen Joint. Ich hockte mich zu Virginia in den Sand und nahm einen kräftigen Zug vom angebotenen Gras. Normalerweise bevorzugte ich Vodka, aber wer hier einen Joint ablehnte, machte sich verdächtig. „Hallo … äh … Virginia!“, erwiderte ich den Gruß viel zu spät und grinste wie ein Honigkuchenpferd.

Und wen wundert es? Die Puppe sah aus, als käme sie direkt vom Baywatch-Set: Monumentale Silikontüten, sportliche Figur, Schmollmund, blonde Mähne. Grund genug, um in ihrer Nähe zu bleiben.

Die Zeit verging wie im Flug. Virgina und ich kamen  einander im satten Licht des späten Nachmittags näher. Nachdem ein weiterer Joint die Runde gemacht hatte, berührten sich wie selbstverständlich unsere Lippen. Ich spürte ihre Zunge in meinem Mund und ihre Hand an meinem Schritt …

 

*

 

Während die Surferboys die Shorebreak-Wellen für gewagte Kunststücke nutzten, hatten Virginia und ich uns zu einem lauschigen Plätzchen hinter ein paar Felsen verzogen. Dort kamen wir schnell zur Sache: Meine süße „Jungfräuliche“ zog mir die Badehose herunter und nahm meinen Schwengel in den Mund.

Sofort wurde mein kleiner Freund bretterhart, was kein Wunder war, denn die Kleine saugte konsequent wie ein Industriestaubsauger. Auf Stufe Sex. Ihre vollen samtigen Lippen umschlossen meine Eichel und verursachten ein wohliges Kribbeln, das sich von meinem Ständer bis zur Wirbelsäule fortsetzte.

Wie eine Schwertschluckerin ließ sie meinen Schwengel bis in ihre heiße Kehle wandern. Wieder und wieder verschwand mein Gerät ganz in ihrem Mund oder besser gesagt in ihrem Rachen.

Während der gekonnten Bläserei massierte sie sanft meine hart gewordenen Bälle. Dann betteten wir uns beide auf dem sandigen Strandboden. Virginia hatte sich inzwischen ebenfalls ausgezogen und spreizte die endlos langen Beine, damit ich bequem in sie eindringen konnte. Mein Ständer grub sich in ihre enge, feuchte Möse.

Mit heftigen Stößen brachte ich die Puppe zum Stöhnen. Im Gegenzug spürte ich ihren Mittelfinger plötzlich in meinem Anus, was mir einen überraschten kurzen Aufschrei entlockte.

„Ja, mach’s mir richtig! Komm, härter!“, feuerte mich Virginia an.

Meine Stöße wurden noch heftiger. Ein wenig später lag ich auf dem Rücken und Virginia ritt auf mir. Gekonnt ließ sie ihr Becken kreisen und saugte meinen Schwanz regelrecht in ihre feuchte Möse ein. Während des heißen Ritts spielte ich mit ihren gewaltigen Brüsten. Virginia lehnte sich zurück und machte einen knappen wie konstruktiven Vorschlag zum Übungsverlauf: „Tittenfick?“

Aber ja! Ich zog meinen pulsierenden Schwengel aus ihrer feuchten Grotte und platzierte ihn direkt zwischen ihren voluminösen Melonen. Virginia presste die Brüste mit ihren Händen zusammen, sodass die hübschen Wonneglocken mein Gerät fest umschlossen. Ich bewegte mein Becken rhythmisch hin und her, wobei meine Eichel bei jedem Stoß keck zwischen ihren Titten hervorlugte.

Virginia hob ihren Kopf so weit, dass sie mit ihrer Zunge meine Eichel lecken konnte, während ich meinen Schwengel weiter zwischen ihren Brüsten bewegte. Nach ein paar Minuten konnte ich mich nicht mehr zurückhalten: Mein Rohr explodierte und die weiße Ladung klatschte direkt in ihr Gesicht. Bukkake für Fortgeschrittene, sozusagen. Virginia ließ es sich nicht nehmen, meinen Schwengel noch einmal in den Mund zu nehmen und sauber zu lecken. Good Girl!

Nach zärtlicher Entspannungsphase gingen wir Hand in Hand wieder zurück zu den anderen. Auf halbem Weg musste ich dringend Wasser lassen und verschwand diskret hinter einem Felsen. „Geh’ nur voraus, Virginia, ich komme gleich nach!“

 

*

 

Beim Pinkeln machten sich die Joints, die ich wohl besser nicht geraucht hätte, deutlich bemerkbar. Mein Kopf schien in Watte gepackt zu sein. Ich verharrte eine gefühlte Ewigkeit auf der Stelle, bevor der warme Strahl endlich auf den Felsen niederregnete. Wie das so ist, landete die Pisse nicht nur auf dem Gestein, sondern in kleinen Tropfen auch auf meinen Füßen. Das war gar nicht unangenehm, sondern löste ein lustiges Kribbeln auf den Zehen aus.

Ich kicherte unvermittelt. Nach verrichtetem Geschäft begab ich mich wieder zum Strand und machte mich auf den Weg zum Lagerfeuer, das aber plötzlich viel weiter weg zu sein schien.

Wie in Zeitlupe bewegte ich mich vorwärts.

Plötzlich musste ich furzen. Meine Flatulenz bewegte sich ebenfalls in Zeitlupe durch den Darm, passierte den Anus und entfleuchte mit einem lauten unanständigen Geräusch ins Freie. Langsam drehte ich mich um. In einiger Entfernung nahm ich sonderbarerweise meinen Furz als braune Wolke wahr, die nach ein paar Metern in der Luft stehen blieb und die Form veränderte. Der braune Dunst vollzog eine merkwürdige Metamorphose, wurde zu einem Gesicht, das ich zunächst Charlie Chaplin zuschrieb. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich aber die Gesichtszüge Adolf Hitlers. Das braune „Hologramm“ – offenbar die Ausgeburt meines Darms – starrte böse in meine Richtung. Die schmalen Lippen, über denen ich das berühmt-berüchtigte Bärtchen ausmachen konnte, waren fest geschlossen.

Der Führer hier am Strand? Etwa ein Vorbote der Surf-Nazis? Ein Windstoß wirbelte nicht nur den Sand auf, sondern ließ auch Hitlers Konterfei in Form kleiner Wölkchen verpuffen. So long, Adolf!

 

*

 

Die untergehende Sonne veranstaltete ein prächtiges Farbenspiel auf dem wogenden Meer. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich endlich am Lagerfeuer angekommen. Vermutlich hatte mein Klogang aber noch länger gedauert, als ich es empfunden hatte, denn meine neu gewonnenen Surf-Freunde waren alle weg. Auch Virginia war nirgends zu sehen. Ein wenig orientierungslos ging ich unsicher auf die Reste des Lagerfeuers zu, die einsam vor sich hin glimmten.

Viel zu spät bemerkte ich, dass meine Surfer nicht umsonst das Weite gesucht hatten. Schlagartig wurde ich nüchtern, denn plötzlich war ich von fünf muskulösen Typen umzingelt. Fast alle so groß und blond, wie sich rechte Fanatiker wohl einen Arier vorstellten. Nur ein Goebbels war dabei – der Herrenmensch hatte zirka die Größe eines Hydranten und humpelte sichtlich.

„Was haben wir denn da für ein Stück Abschaum?“, höhnte der Zwerg in meine Richtung.

Die Witzfigur hatte den Führer höchstpersönlich auf die Brust tätowiert. Ich musste an meinen Furz denken. Indes zogen die Fascho-Typen den Kreis um mich enger. Ihre Germanen-Bodys waren durchwegs mit Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen übersät.

Noch immer ein bisschen in Mary-Jane-Laune versuchte ich die Situation aufzulockern. „Wenn ihr flirten wollt, dann müsst ihr mich schon zum Essen einladen. Ich bin kein Mann für eine Nacht!“, hörte ich mich sagen. Falsche Ansage, denn einer der Surf-Nazis rammte mir plötzlich seine Faust in den Magen.

Ich klappte zusammen wie ein Schweizer Offiziersmesser. Am Boden liegend, bekam ich von den Neonazis noch ein paar kräftige Tritte in die Flanken. Weil ihnen das offenbar zu wenig war, schrie einer meiner Peiniger wutentbrannt: „Wir machen dich kalt, du verdammter Volksschädling!“

Eine scharfe Stimme unterbrach das Treatment. „Was ist denn hier los?“ Mit diesen Worten gesellte sich ein weiteres Muskelpaket zur fröhlichen Truppe. Der Typ trug ebenfalls eine Badehose, dazu kombinierte er einen langen, schwarzen Ledermantel und Springerstiefel. Ein bizarrer Anblick.

Reflexartig ließ die Surf-SS von mir ab und riss den rechten Arm zum deutschen Gruß nach oben. Dann nahmen die Jungs Haltung an.

Der Kerl im Ledermantel schien der Anführer dieser gehirnamputierten Truppe zu sein. Erst jetzt bemerkte ich die Gestalt, die neben dem Ledertypen stand: Ein schmächtiger junger Bursche, den ich trotz meiner Intoxikation als die gesuchte Zielperson identifizierte: Henry! Der Industriellensohn hatte sich also tatsächlich dieser rechtsradikalen Surfer-Gang angeschlossen.

„Wer ist dieser Untermensch?“, erkundigte sich der Anführer bei seinen Lakaien.

„Ein Schnüffler, den wir hier gefunden haben, mein Führer“, antwortete der kleine Propagandaminister zackig.

„Bringt ihn in den Bunker!“, befahl „Adolf“.

Der „Bunker“ war eine kleine, versteckte Höhle in der Nähe des Strandes. Die Surf-Germanen hatten mich gefesselt und auf den Boden gezwungen. Stilecht richtete der Obernazi eine alte Mauserpistole auf mich.

„Verabschiede dich von der Welt, Untermensch!“, empfahl er und übergab dann unvermittelt dem Industriellen-Söhnchen die Waffe.

„Ich will, dass du das erledigst, Henry. Wir holen noch ein bisschen Panzerschokolade aus dem Depot und sind in fünf Minuten wieder da. Bis dahin möchte ich den Bastard tot sehen!“

 

*

 

Als die Bande in der Dunkelheit verschwunden war, zitterte der Junge am ganzen Leib. Offenbar war er längst nicht so abgebrüht wie sein neuer Freundeskreis. Unsicher richtete Henry die Waffe auf mich.

Nur keine Nervosität zeigen jetzt!

„Willst du wirklich zum Mörder werden?“, sprach ich ihn ruhig an.

Zuerst das Gegenüber in ein Gespräch verwickeln und einen persönlichen Draht aufbauen.

Tränen schossen in seine Augen. „Ich hab doch keine Wahl. Wenn ich Sie nicht erschieße, machen die mich fertig!“

„Man hat immer eine Wahl, Henry. Außerdem, was macht ein intelligenter Kerl wie du bei dieser durchgeknallten Meth-Truppe? Wenn du mich jetzt abknallst, haben die dich doch in der Hand.“ Während ich um mein Leben laberte, versuchte ich fieberhaft die Handfesseln an einer scharfen Felskante hinter meinem Rücken durchzuscheuern.

Indes zuckte Henry mit den Schultern. „Am Anfang fand ich es noch cool, aber die Typen sind wahnsinnig. Die lassen mich nicht mehr weg“, stammelte der Junge mit zitternder Waffenhand.

Ruhig bleiben, Frank!

„Dein Vater macht sich große Sorgen um dich, Henry.“

Langsam wurde es kritisch, denn die Möchtegern-Arier würden mit ihrer Crystal Meth-Ration sicher bald zurückkommen. Wie zur Bestätigung hörte ich ihre Stimmen am Höhleneingang. Mit schweißnasser Stirn krümmte Henry seinen Zeigefinger am Abzug.

War es das Ende? Ich schloss meine Augen, hörte den Schuss und wartete auf den berüchtigten Film, der sich wohl bald vor meinen Augen abspielen würde: Mein Leben – ein Film noir starring Frank Diggler … Als nichts dergleichen geschah, öffnete ich meine Lider und sah Henry mit gesenkter Waffe vor mir stehen. Das dazugehörige Projektil steckte keinen Fußbreit von mir entfernt im sandigen Höhlenboden.

Wütend riss der „Führer“ dem Jungen die Waffe aus der Hand. „Du verdammter Schlappschwanz, das wird Konsequenzen haben!“

Genau in diesem Moment waren meine Handfesseln durch. Während die Nazitruppe damit beschäftig war, Henry zu verprügeln und dann zu fesseln, nutzte ich ihre Unaufmerksamkeit, um meine letzte Trumpfkarte auszuspielen.

Rechtzeitig bevor der Ledermantel darangehen konnte, mich endgültig mit der Mauser zu erledigen, hatte ich meine Mini-Knarre Kaliber .22 aus dem Knieverband gezupft … und den Abzug gedrückt. Das Geschoss bohrte sich haargenau in „Adolfs“ rechtes Knie, was ihn mit einem lauten Aufschrei zu Boden streckte. Seine Kanone ließ er fallen. Wie freundlich von ihm, denn mein .22er hatte nur einen Schuss.

Schnell warf ich mich zur Mauser, schnappte sie und während ich damit die Nazi-Bande in Schach hielt, strampelte ich mich von meinen Fußfesseln los. Dann bat ich die Herren von der Surf-SS höflich, Henry zu befreien und sich gegenseitig fein säuberlich zu verschnüren. Ein richtiger Bondage-Workshop war das.

Der am Boden liegende „Führer“ keifte mich böse an: „Das wirst du bereuen, Untermensch, das vierte Reich ist nah!“

Langsam reichte es mir mit dem Typen. Mein Großvater hatte im Zweiten Weltkrieg gegen den echten Adolf und seine Landser gekämpft und war in Frankreich gefallen. Ich machte einen Satz auf ihn zu und zog ihm mit der Knarre einen neuen Scheitel. Mr. Ledermantel quittierte meine Aktion mit einem Grunzen und blieb bewusstlos auf dem Boden liegen.

In diesem Moment tönte eine unangenehme Stimme am Höhleneingang: „Pfoten hoch, Schnüffler und Waffe fallen lassen!“

 

*

 

Oh Shit, der kleine Goebbels!

Nach der angespannten Situation mit Henry und wohl auch als Spätfolge meines Marihuana-Konsums war mir nicht aufgefallen, dass die Gang nicht vollzählig wieder zurückgekommen war. Ein folgenschwerer Rechenfehler.

Langsam öffnete ich die Finger und ließ die Mauser fallen. Josef Goebbels humpelte auf mich zu und schon spürte ich den kalten Lauf der Waffe unangenehm am Körper.

„Jetzt mach ich dich kalt, Schnüffler!“, schnarrte der Propagandaminister.

Das war’s dann wohl endgültig, Frank.

Ich dachte an Virginia. Wenigstens hatte ich vor meinem Abgang noch wirklich guten Sex gehabt. Meine nicht gerade jugendfreien Gedanken zum finalen Atemzug wurden durch einen dumpfen Laut gestört. Vor meinen ungläubigen Augen sank Josef Goebbels mit überraschtem Gesichtsausdruck zu Boden. Ein Blick zur Seite offenbarte den Grund: Henry hatte sich einen Stein geschnappt und auf die Rübe des kleinen Propagandaministers geschleudert – und diesmal sogar getroffen. Der kleine Arier lag regungslos am Boden wie ein toter Wurm.

Nachdem nun wirklich die gesamte Dumpfbacken-SS außer Gefecht war, verständigte ich die Bullen. Fazit: Die Surf-Nazis wanderten hinter schwedische Gardinen, der geläuterte Henry wieder zu Daddy.

Als ich wieder in meinem alten Dodge saß und den Heimweg antrat, dachte ich noch einmal an meinen Tag am Strand und vor allem an Virginia. Ob ich mich einmal als Surfer versuchen sollte? Nein, zu viel Wasser war nichts für mich, ich brauchte den Asphaltdschungel. Und ich war mir sicher: Genau dort wartete schon mein nächster Fall auf mich …

 

TONY WOODS umtriebiger Privatdetektiv ermittelt nicht nur in SUPER PULP. Die ersten zwanzig (plus zwei unveröffentlichte) Fälle sind unter dem Titel „Porno, Puppen und Pistolen“ in Buchform bei der EDITION SUPER PULP erschienen. Ein Stück österreichische Pulp-Geschichte zum Nachlesen. www.super-pulp.com

DIE HEILIGE HURE

 

Wir haben das große Vergnügen die Titelstory dieser Ausgabe zu präsentieren. Von Stefan Hensch „Heiliger Hure“ hat sich der Wiener Comic-Artist Ron Putzker zu einem wunderbaren Cover inspirieren lassen. Es zeigt eine gefährlich schöne Frau und einen Mann, der es endgültig satt hat: Spencer Drake. Der Bulle hat nicht nur genug von allem, sondern auch einen Plan. Und um den in die Tat umzusetzen, gibt es für Drake nur einen Weg: Geradeaus. Notfalls mit dem Kopf durch die Wand. 

 

„Das ist mal wieder einer dieser degenerierten kleinen Pisser, Officer!

Der Uniformierte verengte seine Augen zu Schlitzen und sah den Geschäftsführer des Supermarkts fragend an. „Er ist ein was?“

Der wieselartige Kerl in der Dienstkleidung des Supermarkts legte den Kopf schräg, und blieb vor der Tür zu seinem Büro stehen. „Kommen Sie schon, Officer. Sie wissen, was ich meine. White Trash. Bodensatz von noch tiefer als ganz unten. Die neuen Hoffnungslosen unserer Gesellschaft!“

Drake zog seine linke Augenbraue hoch und sah sich um. Wie automatisch legte sich seine Hand auf die schwere Taschenlampe im Holster an seiner linken Hüfte. Sie waren zwar im hinteren Teil des Ladens, aber leider waren hier immer noch zu viele Kunden und auch einige Mitarbeiter. Zu viele Augen, zu viele Zeugen. Deshalb konnte er nicht das tun, was er zu gerne getan hätte. Aber vielleicht bekam er ja doch noch die Gelegenheit dazu. Äußerlich blieb er vollkommen ungerührt und nickte dem Geschäftsführer knapp zu. „Ich bin nicht hier für Smalltalk.“