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Inhaltsverzeichnis









Dank

ICH DANKE Paola Gallo, die so sehr überzeugt war, dass sie schließlich auch mich überzeugen konnte. Evelina Santangelo, die mein Buch besser verstanden hat als ich selbst. Salvatore Niffoi, der immer die richtigen Worte fand, um mich anzuspornen und zu unterstützen. ’Upapadía für die spröden und schönen Worte aus dem Salento. Und Elisabetta Di Marino für ihre Ratschläge, für ihre Recherche und für ihre Freundschaft.

Epilog

Der Wolf und die Sphinx – eines Aprilmorgens in Rom

IN DEM ALLGEMEINEN Tumult, der auf die ersten Schüsse folgte, wurden einige Tische und Stühle umgeworfen. Das Mädchen mit den Zöpfen und der Gitarre, das neben der Säulenreihe stand, schaffte es nicht einmal mehr, mit dem Singen seines amerikanisches Liedes aufzuhören, als einer der Bereitschaftspolizisten ihr einen Stoß versetzte und sie zu Fall brachte. Noch im Fallen löste sich der Gurt, mit dem die junge Hippiefrau ihre Gitarre am Hals befestigt hatte, und das Instrument landete mit einem lauten Krachen auf dem Kopfsteinpflaster. Das Geräusch, das beim Aufprall entstand, setzte sich aus folgenden Einzelgeräuschen zusammen: dem kurzen Knacken von zerspringendem Holz, einem hohlen, etwas lang gezogenen Ton aus dem Klangkörper der Gitarre und einem metallischen, silbrigen Surren, wie von schnalzenden Saiten.

 

Es war einer dieser herrlichen römischen Morgen Ende April, an denen ein azurblauer und wolkenloser Himmel mit seiner ganzen Schönheit das Ende des Winters verkündet und am Horizont eine neue, spürbare Hoffnung steht. Die Leute sitzen an den Tischen der beiden Bars am Pantheon, auf den Gesichtern einen Ausdruck seliger Benommenheit und Dankbarkeit, als hätten sie gerade einen Flugzeugabsturz, ein Schiffsunglück oder wenigstens ein Erdbeben überlebt. Jeder trinkt seinen Cappuccino, liest Zeitung, andere strecken ab und zu Arme und Beine aus, um die müden Muskeln zu dehnen und den Körper der Sonne entgegenzustrecken. Es herrscht die luftige Stille des Frühlingsanfangs, man lässt die Arbeit ruhiger angehen, der Wind, der sanft weht, sagt mit größerer Behutsamkeit, aus welch fernem Land er gerade kommt, und der Himmel scheint reglos, unbewohnt und macht weniger Angst. Ab und zu hört man die Seiten des Messaggero und der Unità rascheln, die der Wind jedes Mal zum Flattern bringt, wenn ein Leser zu lange auf einer Seite verweilt, und das leise Klappern und Klirren der Löffel in den Tassen. Zwei alte Engländer trinken Tee. Auf dem Platz halten sich in diesem Moment auch drei oder vier junge Männer mit schulterlanger Mähne, Künstler oder Rocker, auf, außerdem ein intellektuelles Paar mit Pfeife und Stapeln von Zeitungen, zwei japanische Touristenpaare, eine Gruppe junger Amerikaner mit komplett rasierten Köpfen, die aussehen wie Soldaten, die gerade aus dem Vietnamkrieg heimgekehrt sind, ein Mädchen mit einem Hund und ein junges Liebespaar.

Das Liebespaar ist zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahre alt und sitzt an einem der Tische weiter draußen, in Richtung Platzmitte. Die beiden wirken wie auf der Durchreise von einem Flughafen der Erde zum nächsten, als vertrieben sie sich nur die Zeit zwischen einer Landung und dem nächsten Abflug. Aus ihren Blicken errät man, dass sie einander sehr zugetan sind. An ihr ist fast nichts mehr von dem ausgezehrten Mädchen zu erkennen, das sie all die Jahre ihrer Kindheit war. Jetzt ist aus ihr eine junge Frau mit wunderschönen langen, glatten, kastanienbraunen Haaren geworden, doch ihr Gesicht ist undurchdringlich wie das Gesicht einer Sphinx. Nur manchmal, wenn sie den Kopf schief legt oder wie besessen an ihren Haaren zwirbelt, sieht man noch, dass ihre Seele einmal wie ein geplündertes Schlachtfeld gewesen sein muss. Sie trägt eine weite Tunika mit einem wilden Rosenmuster in psychedelischen Farben, darunter schauen enge Jeansbeine hervor. Als sie in der Bar ankamen, hat sie die große Ledertasche mit Fransen, die sie sich umgehängt hatte, und dann auch, mit großer Behutsamkeit, einen kleinen vergilbten Stoffbeutel abgenommen, den sie sich mit einer Schnur um die Taille gebunden hatte. Die Tasche hat sie auf den Boden neben den Stuhl gestellt, den Beutel jedoch auf den Knien liegen lassen. Der Mann scheint etwas jünger zu sein als sie. Er ist mager, muskulös und hat ein spitzes Gesicht. Die Physiognomie eines Wolfes. Die rabenschwarzen Haare trägt er lang und zu einem dicken Zopf geflochten, der ihm zwischen den Schulterblättern baumelt. In einem Ohr trägt er drei verschiedene Ohrringe. Weil wir uns im Jahr 1973 befinden, halten ihn die meisten gewiss für einen dieser drogenabhängigen Jugendlichen, die überall zwischen London und Amsterdam zu Hause sind. Die junge Sphinx und der junge Wolf scheinen von weit her zu kommen. Viel weiter weg als die Vietnamsoldaten, weiter weg auch als das japanische Touristenpaar. Noch viel mehr als diesen anderen Menschen scheint ihnen das glasige Licht der Piazza, diese reglose Frühlingsluft und all das Leichte um sie herum fremd zu sein. Seit sie angekommen sind, hält der junge Mann die Hand seiner Begleiterin, stützt dabei jedoch die Ellbogen auf den Knien ab und schaut aus dieser etwas gekrümmten Haltung zu ihr hoch, im Gesicht eine Mischung aus Zuneigung und leichter Besorgnis. Als hätte er ihr gerade eine Frage gestellt und warte noch auf die Antwort. Würde er das, was in seinen Augen steht, laut sagen, dann könnte man diese Worte hören: »Was du getan hast, war richtig. Und wie er das verdient hat, einer wie dein Vater! Und jetzt ist es genug. Du wirst sehen, dass der Albtraum mit der Zeit zu einem ganz normalen Traum verblasst, und dann wird auch der Traum nur noch eine Erinnerung sein, die irgendwann nichts anderes mehr ist als ein kleines Schiffchen, das davonschwimmt, bis die Gesichter derjenigen, die an Bord sitzen, immer kleiner und verschwommener werden und du ihre Namen, die Jahre und die Umstände nicht mehr recht auseinanderhalten kannst. Jedenfalls kann dir jetzt keiner mehr wehtun, weil du wie eine Festung sein wirst, deren Mauern dich schützen. Ich weiß, dir fehlt das Meer von Procida und mir das von Salento, aber jetzt müssen wir eben in diesem Wasser hier schwimmen.«

Die junge Frau mit dem Sphinxgesicht hat klobige Hände und Fingernägel, die so tief bis an die Wurzel abgekaut sind, dass die Nagelhaut entzündet und dick geschwollen ist. Auch jetzt, während sie mit der Linken unablässig mit ihren Haaren spielt, knabbert sie am Daumen der rechten Hand, die sie dem sanften Griff des Wolfsjungen entzogen hat. Hin und wieder berührt sie den vergilbten Beutel auf ihren Knien. Immer wieder überprüft sie die Säume, das Schnürband, den Verschluss. Jetzt gebietet ihr der junge Mann mit einer ebenso zärtlichen wie entschlossenen Geste Einhalt und ergreift ihre beiden Hände. Sie hebt den Blick über der mappatèlla, und ihre Augen versenken sich in denen des jungen Wolfes. Sie scheint die Risiken und Chancen abzuwägen, so wie jemand, der beim Ertrinken zu schätzen versucht, wie weit das rettende Ufer noch entfernt ist, oder wie ein Klippenspringer in Acapulco, der in der Ferne nach der höchsten und damit der richtigen Welle sucht.

Könnten wir nun in die Gedanken des Sphinxmädchens eindringen und ihre Gestalt annehmen, dann würden wir uns in einen Falken verwandeln. Der Falke fliegt über sumpfiges Marschland, über Wälder, Morast, über Häuser. Sein Flug dauert Millionen von Jahren, immer weiter reicht er zurück. Er streift Länder, die kein Menschenauge je gesehen hat, fliegt über Orte, die längst vergessen sind. Schließlich setzt er zum Sturzflug an und hätte fast die Gesichter berührt, die von oben wie Felsspalten aussahen, abgeblätterte Fresken in der Erinnerung, ausgetrocknete Wunden. Er schwebt über Häuser hinweg, die längst unbewohnt sind, und über Felsen, auf denen für immer und ungestört das Teufelskraut wachsen wird.

Ohne ihm irgendwelchen Widerstand entgegenzusetzen, lässt es Archina zu, dass Severino ihr den Beutel von den Knien nimmt und ein paar Meter von ihr wegschleudert. Dann schüttelt sie sich, versucht, seinen Arm festzuhalten, aber zu spät!

 

Plötzlich ändert sich zwischen den kleinen Tischen am Pantheon alles. Auf dem Platz bricht sich eine gewaltige, körperlose Welle. Es ist wie ein Erdrutsch aus Energie, ein Windstoß, was da von der Piazza Argentina quer durch die Via di Torre Argentina herüberkommt und sich schließlich über die Bars am Pantheon ergießt. Eine gigantische Masse aus Geräuschen, krächzenden Stimmen aus dem Megafon, Schreie, Gesänge, Parolen. Der jungen Frau mit dem Sphinxgesicht kommt wieder der Traum vom Seebeben in den Sinn, der sie seit Jahren nicht mehr loslässt, und all die Schreie und Stimmen und die Musik erscheinen ihr wie Fische, Algen und schimmernde Meeresschnecken, die der Sog dieses Seebebens mitten auf dem Platz zurücklässt, direkt vor ihren Füßen. Dann, so wie die gewaltige Welle in dem Albtraum tote Fische ausspuckt, speit der noch unsichtbare Protestzug eine kleine Gruppe von Menschen aus, die sich in Richtung Platzmitte gegenseitig verfolgen. Zwei von ihnen laufen vorneweg, sie sehen aus wie Studenten, ihnen folgen in kurzem Abstand drei Bereitschaftspolizisten mit Helmen und Knüppeln, in voller Montur. Man hört Schüsse, begreift aber nicht, wer da auf wen schießt. Alles geschieht so schnell, dass nicht einmal Zeit zum Schreien ist. Die Gäste an den Tischen beschließen nach kurzer Abwägung ihrer eigenen Kraft und der Fluchtmöglichkeiten, das Weite zu suchen, wobei der eine noch schnell das zusammenrafft, was sich von den Tischen zusammenraffen lässt, der andere jedoch Taschen oder Köfferchen auf dem Boden zurücklässt. Die beiden Verliebten sind die Letzten, die ihren Tisch verlassen. Severino steht als Erster auf, er versucht Archina wegzuziehen, indem er sie am Arm packt, aber sie scheint nicht besonders verängstigt zu sein. Ja, einen Moment lang sieht sie eher wie ein Mensch aus, der hinschauen und begreifen will, was da geschieht.

Die junge Frau schafft es gerade noch, sich zu bücken und die Umhängetasche mit den Fransen aufzuheben, dann hat Severino gewonnen. Ohne sonst noch etwas aufzuklauben, flüchten sie zusammen mit den anderen Touristen.

Kurz sieht man noch die Tunika mit dem psychedelischen Rosenmuster von Archina. Kaum mehr als ein roter Fleck, ein Aufblinken von leuchtenden Farben zwischen den Tischen und den fliehenden Touristen, wie ein entwurzelter Rosenbusch, den der Wind zwischen den Bäumen eines Waldes hindurchweht.

 

Der Kellner der Bar, der wie erstarrt auf dem Bürgersteig zurückgeblieben ist, balanciert auf einer Hand ein Tablett, das so groß ist, dass es droht, in Schieflage zu geraten. Auf dem Tablett stehen zwei Coca-Cola mit buntem Strohhalm, ein Cappuccino, ein Teller mit einem Hörnchen und ein Bitter San Pellegrino. Der erste von den vermeintlichen Studenten läuft vorbei, leicht vornübergebeugt, die Hände auf den Ohren, als wollte er sich gegen die Schüsse wappnen. Beim Vorbeilaufen kommt er so nahe an dem Kellner vorbei, dass dieser, um nicht mitsamt dem ganzen Tablett zu stürzen, einen kleinen Satz rückwärts macht, wobei er nur den unteren Teil seines Körpers, vom Gesäß abwärts, nach hinten abwinkelt, während er oben die Flaschen und Gläser auf dem Tablett im Gleichgewicht halten kann. Es ist eine der Bewegungen, wie man sie manchmal bei Stierkämpfen beobachten kann, wenn der Stier den Torero von unten angreift und dieser sich auf die Zehenspitzen erhebt, das Gesäß nach hinten ausstreckt und die mit bunten Bändern versehenen Spieße anhebt, um sie dem Tier in den Rücken zu rammen. Der Stier-Student streift nur kurz die Schürze des Kellner-Toreros und verschwindet in Richtung Piazzetta della Maddalena. Auch der zweite Student taucht nach einem kurzen Slalom zwischen den Tischen in einer der kleinen Seitenstraßen unter und verschwindet. Die drei Bereitschaftspolizisten bleiben ihm auf den Fersen. Auf ihrer Verfolgungsjagd treten sie auch die Tische um, die noch stehen geblieben sind, und zerschlagen mit den Knüppeln ein paar Flaschen und Gläser, einfach so, nur zur Einschüchterung. Dann biegen auch sie in die kleine Straße ein, die zur Kirche Santa Maria Maddalena führt, während die Amerikaner ihnen zurufen: »Hey, men! What’s going on? What the motherfucking hell’s happening here?« Doch die Polizisten geben keine Antwort, sondern verschwinden hinter der Ecke.

 

In dem allgemeinen Durcheinander sind auch einige Stühle umgestürzt, der eine oder andere Cappuccino ist durch die Luft geflogen, und die Tassen liegen in Scherben auf dem Kopfsteinpflaster. Von der gegenüberliegenden Seite des Pantheons wird jetzt das Lärmen des Protestzugs immer lauter, der sich von der Piazza Argentina her nähert. Die beiden Studenten und die drei Bereitschaftspolizisten sind offenbar Teil eines jener gewalttätigen und im Grunde unverständlichen Scharmützel, wie sie sich des Öfteren am Rand von Demonstrationen ergeben. Mittlerweile ist vor der Bar keine Menschenseele mehr zu sehen. Die Kellner haben die Rollläden heruntergelassen und sich drinnen eingeschlossen, um abzuwarten, bis alles vorbei ist. Die amerikanischen Soldaten, die auf schnelles Reagieren trainiert sind und zunächst in einer angrenzenden Gasse in Deckung gegangen waren, kommen mit vorsichtigen Schritten wieder hinter der Ecke hervor, um nachzusehen, was um alles in der Welt auf dem kleinen Platz vorgeht. Menschen wie diesen Soldaten, die gerade einen richtigen Krieg erlebt haben, muss das Geschehen bestenfalls wie ein harmloses Jahrmarktstreiben vorkommen. Jetzt herrscht Ruhe.

Unter den Tischen ist alles Mögliche liegen geblieben. Der Schuh von einem der Japaner, drei oder vier Zeitungsseiten, ein Tausendlireschein.

Auch der Tisch, an dem Archina und Severino gesessen haben, ist umgestürzt. Zwei Bücher von Severino sind heruntergefallen, viele Zettel mit Notizen herausgerutscht und wenige Meter von der mappatèlla entfernt auf dem Boden verstreut. Einer der Bereitschaftspolizisten hat in seiner Zerstörungswut dem Beutel beim Vorbeilaufen einen kräftigen Tritt versetzt und ihn ein paar Meter über den Bürgersteig geschleudert. Einen Moment lang bleibt die mappatèlla über der Öffnung eines Straßenschachts hängen, bewegt sich sekundenlang hin und her.

In dieser kurzen Zeitspanne, viele Kilometer entfernt, in einem Frühling, der vorzeitig von der Sonne zum Glühen gebracht wird, hält Totò Leporàno, der schaufelweise Erde auf ein frisch ausgehobenes Grab in Mangiamuso wirft, einen Moment lang inne, drückt sein Kreuz durch, das Kreuz eines Siebzigjährigen, der sich immer noch guter Gesundheit erfreut, und wischt sich mit dem Arm den Schweiß von der Stirn. Er schaut die Frau an, die vor ihm, auf der anderen Seite des Grabes, steht. Die einzige Person, die dem Verstorbenen das letzte Geleit gibt. Da er erst vor ein paar Jahren, nach dem Tod von Angelo Santo, nach Mangiamuso zurückkehren konnte, kennt er auch folglich Donna Aurelia nicht, die nun den Sarg von Nunzio Solimene mit einer Mischung aus Müdigkeit und jener Art von Erleichterung betrachtet, die den Kinogänger erfüllt, wenn nach einem schlechten Film das Wort Ende über die Leinwand flimmert.

Totò Leporàno wirft eine letzte Schaufel Erde auf den Sarg.

Viele Kilometer weiter nördlich ergießt sich aus dem seitlichen Abflussrohr der kleinen Bar vor dem Pantheon ein Rinnsal und fließt unterhalb des Bürgersteigs direkt auf die Stelle zu, wo Archinas Beutel über der Öffnung des Straßenschachts hängt. Jetzt hat das Wasser den Beutel erreicht, ergießt sich darüber, durchnässt den Stoff. Einen Moment lang hat es den Anschein, als würde die mappatèlla schwerer und bliebe dadurch am Kopfsteinpflaster hängen. Doch dann knickt sie nach unten ab, lässt sich von dem Rinnsal mitreißen – und verschwindet für immer in dem Schacht unter dem Bürgersteig.

 

Die Menschen, die an den Tischen der Bar gesessen haben, sind längst in alle Winde verstreut und auf den kleinen, hübschen Straßen zwischen der Piazza Navona und der Piazza Capranica unterwegs. Binnen Kurzem verliert sich jede Spur von ihnen.

Nur das Hippiemädchen mit der kaputten Gitarre steht noch wie erstarrt unter der Kolonnade der Kirche. Sie blickt auf die Überreste ihres Instruments hinab und weint schluchzend, wobei nicht klar ist, ob aus Angst oder wegen der kaputten Gitarre.

Das Geräusch des Schusses, von dem niemand weiß, wer ihn abgegeben hat, ist jedoch bei den Teilnehmern des Protestzugs nicht ungehört geblieben. Jetzt werden die Schreie wütender, die Parolen zorniger. Niemand singt mehr. Langsam kommen die Stimmen aus den Megafonen näher. Schließlich ist auch der Geruch nach Tränengas da und das laute Trommeln der Knüppel auf den Schutzschilden, mit dem die Polizisten ihre Widersacher einschüchtern wollen. Die gewaltige Menschenmenge, über die bereits ein Schwall von Tränengas, von Steinen, Flaschen und Knüppelhieben niedergeht, durchbricht ihre ruhige Marschanordnung, die sie bislang noch eingehalten hatte, und zerplatzt in ein wirres Durcheinander zwischen Flucht und Angriff. In wenigen Augenblicken wird eine Herde wild gewordener Büffel über den Platz vor dem Pantheon hereinbrechen.

Einen Moment noch herrscht auf dem Platz Ruhe und Frieden. Das letzte Bild einer Welt, deren Tage gezählt sind, bevor mit Schüssen unsere Zeit anbricht.