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Wer nicht sucht, der findet


Wer nicht sucht, der findet

Zufallsentdeckungen in der Wissenschaft erzählt von Gudrun Schury
1. Aufl.

von: Gudrun Schury, Christian Barthold

16,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 18.09.2006
ISBN/EAN: 9783593401713
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 200

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Zweifellos verdanken wir unser Wissen von der Welt großen Forschungsleistungen. Doch ebenso großen Anteil an wegweisenden Entdeckungen und Erfindungen hat »Professor Zufall«. Gudrun Schury erzählt von großen Entdeckungen, mit denen niemand gerechnet hatte.
Goethe "stolpert" auf dem jüdischen Friedhof in Venedig über einen Hammelschädel und entdeckt den Zwischenkieferknochen: ein bedeutsamer Zufall für die Anatomie. Ein Zimmermann findet im 19. Jahrhundert bei Dacharbeiten in Darmstadt den verschollenen Bauplan für den Kölner Dom und sorgt so dafür, dass das Bauwerk nach mehr als 300 Jahren endlich vollendet werden kann. Ob Physik, Medizin, Archäologie oder Kunst: Die Geschichte der Wissenschaft ist voll solcher Überraschungen.
INHALT




Zufall und Klugheit 7
Die Reise der Prinzen von Serendip

Warum schreit er nicht? 22
Die Laokoon-Gruppe

Fallobst 32
Newton und die Schwerkraft

Hammelkopf 38
Eine Knochenerkenntnis auf dem Judenfriedhof

Der Soldat, der Stein und die Schrift 43
Die Entzifferung der Hieroglyphen

Wir haben Plan F! Doch wo ist die andere Hälfte? 56
Die Vollendung des Kšlner Doms

Der Himmel über Paris 66
Daguerre erfindet die Fotografie zum zweiten Mal

"Wen suchet ihr?" 77
Das Osterspiel im Buchdeckel

Durchschaut 89
Die Strahlen des Herrn Ršntgen

Die Giraffe mit den Ringelstrümpfen 101
Das letzte unbekannte SŠugetier

Die wertvollsten Pilze der Welt 108
Die Entdeckung des Penicillins

Lebendes Fossil im Netz 115
Der Quastenflosser war gar nicht ausgestorben

Jungs und Höhlen 125
Die Tierbilder von Lascaux und die Lederrollen von Qumran

Rauschen gesucht, Big Bang gefunden 139
Arno Penzias und Robert Wilson weisen den Urknall nach

Ein Weltwunder 146
Die Tonarmee des Qin Shi Huang Di

Ötzi on ice 153
Ein jungsteinzeitlicher Mann

Die doppelte Lolita 167
Auch Dichter erfinden nicht alles


ANHANG

Glossar (Ilka Sokolowski und Claudia Toll) 181
Zitatnachweise 190
Bildnachweise 196
Literatur zum Weiterlesen 197
Dank 200
Den Kapriolen des Zufalls auf der Spur
Gudrun Schury studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte und arbeitete mehrere Jahre für die Bayerische Akademie der Wissenschaften. Heute arbeitet sie als freie Autorin, Lektorin und Lehrbeauftragte der Universität Bamberg. Sie ist Autorin der Bücher Lebensflut. Eine Kulturgeschichte des Blutes, Bilderbriefe. Illustrierte Grüße aus drei Jahrhunderten (zusammen mit Rolf-Bernhard Essig) sowie Alles über Goethe.
Zufall und Klugheit
Die Reise der Prinzen von Serendip



Eines Tages zogen die drei Söhne des Herrschers von Serendip hinaus in die Welt, um sich zu vervollkommnen. Sie suchten nichts Besonderes, doch sie fanden einiges; sie lösten verzwickte Rätsel, erklärten schwierige Zusammenhänge, bewahrten Menschen vor dem Tod und führten Liebende zusammen. Durch Zufall und Klugheit kamen sie so weit.
Diese Geschichte erzählt der italienische Dichter Christoforo Armeno im Jahr 1557 unter dem Titel Die Reise der drei jungen Söhne des Königs von Serendip.
Die alte Geschichte wäre fast vergessen worden, wenn sie nicht nach zwei Jahrhunderten in England wieder aufgetaucht wäre und in der Folge dem englischen Wörterbuch ein ganz neues Wort geschenkt hätte: serendipity.
Wie all dies zusammenhängt - Serendip und serendipity, Zufall und Klugheit, Dichtung und Wahrheit -, soll nun erzählt werden.



Die Reise der Prinzen von Serendip: ein Märchen

Zufall wollte es, dass dem großen und mächtigen König Giaffer aus dem Reiche Serendip keine einzige Tochter, wohl aber drei Söhne geboren wurden. In jenen alten Zeiten war es freilich ein Glück, gleich drei wohlgestalte und talentvolle Söhne zu haben, die einmal die Herrschaft in Serendip übernehmen könnten, welches eine fruchtbare Insel ist und später den Namen Ceylon und abermals später den Namen Sri Lanka tragen sollte.
Um die drei Prinzen recht tüchtig werden zu lassen, bestellte König Giaffer die weisesten Lehrer des Landes. Und schon bald waren die Jünglinge gelehrter als alle anderen Söhne im Reich. Um ihre Ausbildung zu vervollkommnen, beschloss der König, sie auf Reisen zu schicken, damit sie die Welt und deren Wunder sähen. Sie sollten selbst erleben, was die Bücher sie nur durch Worte gelehrt hatten. Binnen acht Tagen verließen die Prinzen ihre Heimat und gingen in die Welt hinaus.



Kaiser Behram und das Kamel

Als Erstes kamen sie in das Reich des großen und mächtigen Kaisers Behram. Nicht weit von der kaiserlichen Hauptstadt trafen sie einen Kameltreiber, dem eins seiner Tiere entlaufen war. "Habt ihr nicht", so fragte dieser, "mein Kamel gesehen?" Augenblicklich bekam er die Antwort, dass die drei Brüder sein Lasttier genau auf der Straße bemerkt hätten, die sie gerade entlanggezogen seien. Und damit der Kameltreiber ihnen glaubte, gaben sie dessen Kennzeichen an: "Das Kamel war auf einem Auge blind", sagte der Älteste, der Zweite fügte hinzu: "es fehlte ihm ein Zahn", der Dritte ergänzte: "und es war lahm. Ganz sicher muss das Kamel auf dem Weg hinter uns sein." Da wurde der Kameltreiber ganz vergnügt und machte sich auf die Suche. Nachdem er wohl zwanzig Meilen umsonst gelaufen war, kehrte er um und fand am folgenden Tag die drei Jünglinge wieder, die gerade an einer Quelle saßen und ihr Mittagessen verzehrten. "Ihr habt mich zum Besten gehalten, denn ich habe kein einziges Haar von meinem Kamel zu Gesicht bekommen", jammerte er. Darauf antwortete der älteste Bruder: "Wir sprechen die Wahrheit, und damit du uns glaubst, will ich dir noch ein Kennzeichen geben: Dein Kamel war beladen, auf der einen Seite trug es Butter, auf der anderen Honig." "Und ich", fügte der zweite Bruder hinzu, "sage dir, dass eine Frau auf deinem Kamel saß." "Und ich", sagte der dritte Bruder, "versichere dir, dass diese Frau schwanger ist."
Als der Kameltreiber das hörte, dachte er bei sich: Wer so viele wahre Zeichen angeben kann, der muss mein Kamel gestohlen haben! Und er ließ die drei Prinzen verhaften und als Straßenräuber anklagen.
Als Kaiser Behram das hörte, wurde er zornig. Denn er war stolz darauf, dass man in seinem ganzen Reich sicher und ohne Furcht vor Straßenräubern reisen konnte. Also sagte er zu den drei gefangenen Söhnen Giaffers: "Ich bin fest überzeugt, dass ihr das Kamel gestohlen habt, schon wegen der von euch angegebenen Zeichen, wie mir dieser Kameltreiber hier versichert. Eigentlich müsstet ihr augenblicklich als Kameldiebe erst gespießt und dann gehangen werden. Da ich aber ein milder Herrscher bin, gebe ich euch einen Tag Aufschub: Wenn ihr nicht bis morgen früh das Tier wieder beschafft, so sollt ihr den schimpflichen Tod von Straßenräubern sterben!" Traurig antworteten die Jünglinge: "Majestät! Wir sind drei Wanderer, die auf Wanderschaft gehen, und diese haben wir nur unternommen, um fremde Länder, Sitten und Gebräuche zu studieren und die Wunder, die sich in der Welt zeigen. Diesem Kameltreiber hier sagten wir zum Scherz, wir hätten sein Kamel gesehen, obwohl wir weiter nichts gesehen hatten als viele Zeichen des verlorenen Kamels. Dass sich diese Zeichen als richtig erweisen, zerrt uns nun vor den Richterstuhl, so unschuldig wir auch sind. Dieses ist die Wahrheit, sollte es sich anders verhalten, so sind wir bereit, den härtesten und grausamsten Tod zu sterben!" Doch Behram glaubte ihnen nicht. Er konnte sich nicht vorstellen, dass jemand sechs Kennzeichen eines vermissten Kamels richtig benennen würde, es sei denn, er hatte es gestohlen. Und er ließ die Prinzen wieder in den Kerker werfen.

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