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Ungleichheit als System?


Ungleichheit als System?

Der Schulerfolg von Migranten im internationalen Vergleich
Staatlichkeit im Wandel, Band 26

von: Janna Teltemann

44,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: PDF
Veröffentl.: 08.10.2015
ISBN/EAN: 9783593432670
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 418

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Die Frage nach den Voraussetzungen für die erfolgreiche Integration von Zuwanderern steht in vielen Industriestaaten im Mittelpunkt politischer und sozialwissenschaftlicher Debatten. Janna Teltemann zeigt am Beispiel der Schulleistungen junger Zuwanderer, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen der Aufnahmegesellschaften mit den individuellen Voraussetzungen zur Eingliederung zusammenwirken. Der Vergleich der PISA-Studienergebnisse zeigt, dass Bildungssysteme, Sozialpolitik und Integrationsmaßnahmen den Bildungserfolg, insbesondere von Migranten der ersten und zweiten Generation, sehr unterschiedlich beeinflussen
Inhalt

Dank9

1 Einleitung 11

2 Der Bildungserfolg von Migranten - Empirische Befunde21
2.1 Einfache Ländervergleiche23
2.2 Ländergruppenvergleiche30
2.3 Institutionenanalysen36
2.4 Zusammenfassung44

3 Theoretische Grundlagen47
3.1 Das Modell der soziologischen Erklärung48
3.1.1 Die Logik der Situation48
3.1.2 Die objektive Definition der Situation: Soziale Produktionsfunktionen50
3.1.3 Die subjektive Definition der Situation: Frame - Selektion52
3.1.4 Die Logik der Selektion54
3.1.5 Die Logik der Aggregation56
3.2 Theorien zur Erklärung des Integrationsprozesses von Zuwanderern57
3.2.1 Die klassische Assimilationstheorie: Robert E. Park und die Chicago School59
3.2.2 Ronald Taft - Assimilation als "attitude change"64
3.2.3 Die "zweite Generation" der Eingliederungstheorien67
3.2.4 Neuere Ansätze73
3.2.5 Das Modell der intergenerationalen Integration79
3.2.6 Zusammenfassung82
3.3 Theorien zur Erklärung von Bildungserwerb und Bildungsentscheidungen84
3.3.1 Handlungstheoretische Erklärungen von Bildungsungleichheit86
3.3.2 Der Einfluss des Kontextes auf Bildungsungleichheit106
3.3.3 Ethnische Bildungsungleichheit: Erklärungsansätze110
3.4 Zusammenfassung: Die Erklärung ethnischer Bildungsungleichheit115

4 Der Einfluss von Bildungssystem, Wohlfahrtsstaat und Einwanderungsregime auf ethnische Bildungsungleichheit125
4.1 Bildungssysteme125
4.1.1 Stratifizierung132
4.1.2 Standardisierung134
4.1.3 Ressourcen139
4.1.4 Empirische Befunde und Hypothesen141
4.2 Wohlfahrtsstaat149
4.2.1 Sozialpolitik und wohlfahrtsstaatliche Arrangements im internationalen Vergleich150
4.2.2 Wohlfahrtsstaaten und Zuwanderung156
4.2.3 Wohlfahrtsstaaten und Integration von Zuwanderern159
4.2.4 Empirische Befunde und Hypothesen167
4.3 Integrationsregime174
4.3.1 Zum Zusammenhang von politischen Regulationen und Integrationsverläufen181
4.3.2 Empirische Befunde und Hypothesen186
4.4 Zusammenfassung195

5 Daten und Methode197
5.1 Operationalisierung197
5.1.1 Abhängige Variablen197
5.1.2 Kontrollvariablen201
5.1.3 Unabhängige Variablen202
5.2 Datenstruktur und Analyseverfahren231
5.2.1 Das lineare hierarchische Mehrebenenmodell für kontinuierliche abhängige Variablen232
5.2.2 Die Modellschätzung236
5.2.3 Analysen mit PISA-Kompetenzmaßen237
5.2.4 Aussagekraft der Daten und Methode241

6 Empirische Analysen245
6.1 Bildungssystem252
6.1.1 Multivariate Analysen253
6.1.2 Exkurs: Effekte institutioneller Veränderungen285
6.1.3 Zusammenfassung und Diskussion288
6.2 Wohlfahrtsstaat292
6.2.1 Multivariate Analysen293
6.2.2 Zusammenfassung306
6.3 Integrationsregime308
6.3.1 Multivariate Analysen309
6.3.2 Zusammenfassung324

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen329

Abbildungen und Tabellen343
Literatur349
Anhang381
Staatlichkeit im Wandel " Sonderforschungsbereich der Universität Bremen
Janna Teltemann, Dr. rer. pol., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum für soziale Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) an der Universität Bremen.
1 Einleitung

Migration, die räumliche Wanderung von Personen, kann als konstituie-render Bestandteil der Menschheitsgeschichte betrachtet werden. Die resi-dentiellen Bewegungen von Menschen sind zudem ein entscheidender Faktor für sozialen Wandel. Migration ermöglicht im erfolgreichen Fall die Verbreitung vor allem solcher gesellschaftlicher Institutionen, die ökonomische Produktivität, soziale Ordnung und Gleichheit fördern. Aus soziologischer Sicht ist zunächst festzustellen, dass Menschen wandern, um ihre Lebenschancen zu verbessern. Wenngleich Ziele und Motivationen variieren, kann angenommen werden, dass Menschen Reichtum Armut vorziehen, lieber in Sicherheit als in Angst und Gefahr leben, Gesundheit und Gleichheit anstreben und Krankheit, Elend und Ungleichheit vermeiden möchten. In dem Maße, wie Migranten die Institutionen und Werte ihrer reicheren, sichereren und egalitäreren Aufnahmeländern adaptieren; an ihre Nachkommen weitergeben und durch transnationale Migration in ihre Herkunftsländer einbringen, kann sich tatsächlich ein sozialer Wandel im oben dargestellten Sinne vollziehen.
Mit der sich intensivierenden Internationalisierung im 20. Jahrhundert, bis dahin ungeahnten Entwicklungen in den Bereichen der Mobilität und Telekommunikation und einer neuen politischen Weltordnung seit den 1990er Jahren haben internationale Wanderungsbewegungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl quantitativ als auch qualitativ eine neue Dimension erreicht. Zwischen 1990 und 2010 ist die weltweite Zahl an Migranten Schätzungen zufolge um mehr als 40 Prozent gestiegen. In diesem Zuge hat sich die politische, wirtschaftliche, soziale - und damit auch sozialwissenschaftliche - Bedeutung von Migration verändert. Ein großer Teil der Migranten wandert in die wirtschaftlich starken Staaten der OECD. Diese Länder stehen durch die neue oder anhaltende Zuwanderung vor teils beträchtlichen demographischen und sozialen Herausforderungen, da die Systemintegration (Lockwood 1964) durch Zuwanderung aus dem Gleichgewicht zu geraten droht.
Der Kern der Systemintegration ist die individuelle Sozialintegration aller Gesellschaftsmitglieder, dabei kann zwischen der kulturellen, der sozialen, der emotionalen und der strukturellen Dimension unterschieden werden (Esser 2006: 27). Für Zuwanderer umfasst die individuelle Sozialintegration idealtypischerweise den Erwerb kultureller Fertigkeiten des Aufnahmelandes (z.B. der Sprache), die Übernahme sozialer Beziehungen zu Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft, die Inklusion in die funktionalen Teilsysteme und schließlich die Übernahme einer neuen kulturellen Identifikation.
Viele nicht-einwanderungserfahrene europäische Länder stehen gegen-wärtig in Hinblick auf die Integration von Zuwanderern vor zunehmenden sozialen Problemen, da sie sich als traditionell homogene Gesellschaften häufig durch ein ethnisch-kulturell geprägtes Verständnis von Nationalität und Volkstum auszeichnen. Ihre Bildungs- und Sozialsysteme sind nur begrenzt auf die Inklusion von "Outsidern" eingerichtet. In der Folge kann die strukturelle Sozialintegration der Zuwanderer misslingen, womit auch die Integration in den anderen Dimensionen eingeschränkt ist und schließlich die Gefahr von Unterschichtung und ethnischen Konflikten droht. Die Frage nach den Bedingungen der erfolgreichen Sozialintegration von Zuwanderern steht entsprechend in vielen Aufnahmeländern nicht nur weit oben auf der politischen Agenda, sondern ist auch Gegenstand einer wachsenden Fülle sozialwissenschaftlicher Forschungsarbeiten. Die Notwendigkeit der strukturellen Integration von Zuwanderern wird noch deutlicher, wenn neben den individuellen und sozialen Folgen auch ökonomische Auswirkungen mangelnder Integration betrachtet werden. Viele klassische ökonomische Positionen nehmen an, dass zwischen dem Bildungsniveau der Bevölkerung und langfristigem wirtschaftlichem Wachstum ein kausaler Zusammenhang besteht (Barro 1991; Barro 2001; Hanushek/

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