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Barbara Rittmann Wolfgang Rickert-Bolg (Hrsg.)

Autismus-Therapie in der Praxis

Methoden, Vorgehensweisen, Falldarstellungen

Verlag W. Kohlhammer

 

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1. Auflage 2017

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-033048-1

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-033049-8

epub:    ISBN 978-3-17-033050-4

mobi:    ISBN 978-3-17-033051-1

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Inhalt

 

 

  1. Geleitwort von autismus Deutschland
  2. Vorwort der Herausgeber
  3. Teil I Grundlagen
  4. Autismus verstehen – Autistische Symptome als Bewältigungsstrategie für eine abweichende kognitive Informationsverarbeitung
  5. Wolfgang Rickert-Bolg
  6. Ethische Grundlagen der Autismus-Therapie
  7. Wolfgang Rickert-Bolg
  8. »Der rote Faden«: Begleitung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung in Autismus-Therapiezentren
  9. Christiane Arens-Wiebel
  10. Teil II Methodenvielfalt in der Autismus-Therapie
  11. Multimodale Autismus- Therapie in verschiedenen Lebensphasen – ein Fallbeispiel
  12. Christina Müller
  13. Die Bedeutung verhaltenstherapeutischer Förderung in Autismus-Therapiezentren
  14. Barbara Rittmann
  15. Die Differenzielle Beziehungstherapie in der Autismus- Therapie
  16. Barbara Rittmann
  17. Lernen am Erleben – Erlebnispädagogische Methoden in der Autismus-Therapie
  18. Leila Reineke
  19. Bewegung und Ausdruck in der Autismus-Therapie
  20. Brit Wilczek
  21. Musiktherapie zur Unterstützung der »Schlüsselfähigkeiten« bei autistischen Kindern und Jugendlichen – ein Bericht aus der Praxis
  22. Renate Wahrmund
  23. Teil III Autismus und frühe Interventionen
  24. Vom Methodenstreit zum Passungsgedanken: Zur Notwendigkeit von Methodenkombinationen in der Frühtherapie von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung
  25. Christina Müller
  26. Familienorientierte Frühtherapie – Ein Praxisbericht
  27. Susanne Lamaye
  28. Das Early Start Denver Model (ESDM) – eine neue Methode bereichert die Frühinterventionskonzepte unserer Autismus-Therapiezentren
  29. Barbara Rittmann unter Mitwirkung von Irmgard Döringer und Wolfgang Rickert-Bolg
  30. Teil IV Autismus und Familie
  31. Elternschaft von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung Innere Hürden, Herausforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten
  32. Oliver Eberhardt
  33. Multifamilientherapie für Asperger-Betroffene und deren Familien
  34. Anas Nashef
  35. Systemisches Elterncoaching und Gewaltfreier Widerstand – angewandte Praxis in einem Autismus-Therapiezentrum
  36. Kathrin Mack
  37. Teil V Autismus und Schule
  38. Hand in Hand für eine gute Beschulung – die einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit in Zeiten der Inklusion
  39. Irmgard Herold
  40. Kooperation von Autismus-Therapiezentren mit Beratungsstellen der Schulen
  41. Maike Lohmann
  42. Schule als »reizvolles« Lernfeld bei Autismus
  43. Cordula Thiemann
  44. Teil VI Autismus und Arbeit
  45. Erster Arbeitsmarkt – Chancen und Hürden für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung
  46. Kristina Beese
  47. Beratung und Begleitung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung in Ausbildung und Arbeit
  48. Heinz Heit
  49. Fähigkeiten und Potenziale auf dem Weg ins Berufsleben
  50. Hajo Seng
  51. Teil VII Besondere Themen
  52. Dreifach besonders: Asperger-Syndrom, ADHS, Hochbegabung – Eine Falldarstellung
  53. Barbara Rittmann
  54. Therapie für Mädchen und Frauen mit Asperger-Syndrom
  55. Martina Steinhaus
  56. Ganz normal und doch anders. Liebe, Partnerschaft und Sexualität bei erwachsenen Menschen mit Asperger-Syndrom – Ein kurzer Einblick in eine besondere Welt
  57. Martina Steinhaus
  58. Teil VIII Qualitätssicherung der Arbeit der Autismus-Therapiezentren
  59. Zur Diskussion der Wirksamkeit von Autismus-Therapien
  60. Irmgard Döringer unter Mitwirkung von Christina Müller
  61. Evaluation der Arbeit von Autismus-Zentren
  62. Wolfgang Rickert-Bolg
  63. Teil IX Rechtliche Grundlagen
  64. Rechte von Menschen mit Autismus unter Berücksichtigung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG)
  65. Christian Frese
  66. Teil X Autismus-Therapie aus Betroffenenperspektive
  67. Asperger-Diagnose. Und nun? Lerne oder leide!
  68. Heide Cohrssen
  69. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
  70. Stichwortverzeichnis

 

Geleitwort von autismus Deutschland

 

 

 

Im Jahr 1970 gründeten Eltern von Kindern mit Autismus den Bundesverband Autismus-Deutschland e. V.

Ziel war es, eine flächendeckende Versorgung von Diagnose- und Therapiezentren zu erreichen. Einmalig ist es, dass Eltern neben ihren familiären Aufgaben und dem Beruf auch noch Geschäftsführer von therapeutischen Einrichtungen und Wohnstätten wurden.

Im Mittelpunkt stand das Streben nach bestmöglicher Beschulung und Ausbildung bis hin zu einem adäquaten Arbeitsplatz.

Dabei waren und sind die Autismus-Therapiezentren der Dreh- und Angelpunkt.

Die Aufklärung der Eltern über Autismus und die therapeutische Förderung sowie die Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist ihre zentrale Aufgabe.

Nur durch gezielte auf die jeweilige Person individuell zugeschnittene Therapie und Sozialtraining kann Teilhabe an der Gesellschaft in vielen Bereichen gelingen.

Nachdem zunächst von Integration die Rede war, ist heute selbstbestimmtes Leben und Wohnen im Sinne von Inklusion politscher Wille.

Von Beginn an legten Eltern Wert auf Stärkung der Fähigkeiten, um dann die Defizite ausgleichen zu können. Dankbar blicken Betroffene und Angehörige auf den Paradigmenwechsel – weg von der Fürsorge hin zur Selbstbestimmung – zurück, sehen aber gleichzeitig noch weiteren Bedarf.

Die Autismus-Therapiezentren sind unersetzlich, um Menschen mit Autismus auf ein Leben in Würde und mit Qualität vorzubereiten.

Maria Kaminski

Vorsitzende von autismus Deutschland e. V.

 

Vorwort der Herausgeber

 

 

 

Das Buch gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Autismus-Therapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Facettenreich und anhand zahlreicher Falldarstellungen werden sowohl therapeutische als auch auf das Umfeld gerichtete Methoden geschildert, wie sie in den Autismus-Therapiezentren in Deutschland zur Anwendung kommen.

Seit 1972 in Hamburg das erste deutsche Autismus-Therapiezentrum eröffnet wurde, ist viel geschehen. Inzwischen sind dem Bundesverband Autismus-Deutschland fast 60 Therapiezentren und deren Außenstellen angegliedert, die zusammen etwa 12 000 Betroffene versorgen. Das bedeutet: Autismus-Therapie in der Praxis findet vor allem in diesen spezialisierten Zentren statt.

Durch die Bemühungen der Betroffenenverbände und der Therapiezentren ist die Problematik in der allgemeinen und der Fachöffentlichkeit immer bekannter geworden. Es gibt weit mehr Wissen über die Störung und den Umgang mit den Betroffenen, auch wenn noch vielfach Vorurteile das Bild prägen. Die Komplexität der autistischen Problematik erfordert in der Regel umfassende Interventionen, die alle Aspekte der betroffenen Person und deren Umfeld einbeziehen. Die Ausprägung der Autismus-Spektrum-Störungen zeigt sich bei jedem Betroffenen in unterschiedlicher Weise. Die in den Artikeln geschilderten Vorgehensweisen verdeutlichen, dass es einer Vielzahl von unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen bedarf, um den individuellen Anforderungen der Betroffenen und Familien gerecht zu werden.

Die hohe Spezialisierung der Autismus-Therapiezentren gewährleistet, dass die hier tätigen Fachkräfte sich das notwendige komplexe Wissen angeeignet haben, um sich für die passende Vorgehensweise und Methode im Rahmen eines multimodalen Therapiemodells zu entscheiden. Dabei werden sie das Alter des Klienten, den Ausprägungsgrad der Störung und den Zeitpunkt der Intervention berücksichtigen. Die Therapeuten verfügen über ein umfangreiches Handwerkszeug, zu dem auch die Vielzahl spezialisierter und selbsthergestellter Therapiematerialien der Einrichtungen gehört. Sie kommen aus verschiedenen Professionen, wie zum Beispiel Psychologie, Heil- und Sozialpädagogik, und haben sich für den Autismusbereich spezialisiert. Durch die Multiprofessionalität entsteht in den Zentren eine Arbeitsatmosphäre, in der die Klienten und die betroffenen Familien von den unterschiedlichen Blickwinkeln der Fachkräfte profitieren. Die Arbeit im Teamverbund mit kontinuierlichen Supervisions- und Fortbildungsmöglichkeiten führt zu einer nachhaltigen Durchdringung mit Spezialwissen.

Auch räumlich bieten die Autismus-Therapiezentren eine besonders »autismusfreundliche« Atmosphäre. Sie gewähren Schutz vor Reizüberflutung, vor allem im Bereich der visuellen und akustischen Wahrnehmung. Eine eindeutige Beschilderung der Räume, Schränke und Materialien mit Hilfe von Piktogrammen trägt dem Bedürfnis der Betroffenen nach Strukturierung und Visualisierung Rechnung.

Die Kenntnis der Rahmenbedingungen für die Arbeit der Autismus-Therapiezentren erleichtert die Einordnung der in den verschiedenen Kapiteln des Buches beschriebenen Thematiken. Das weite Spektrum der Beiträge spiegelt die Vielseitigkeit und Methodenvielfalt der Autoren wider. Allen gemeinsam ist die annehmende und respektvolle Haltung gegenüber dem »Anderssein« von Menschen mit Autismus vor dem Hintergrund, dass uns alle mehr miteinander verbindet als uns voneinander trennt.

Im ersten Abschnitt des Buches werden grundlegende Aspekte der in den Therapiezentren angebotenen Interventionen dargestellt. Dazu gehören zunächst das Bemühen um ein umfassendes Verständnis der autistischen Problematik sowie die konzeptuelle Verbindung der verschiedenen therapeutischen Herangehensweisen auf der Grundlage eines klar definierten humanistischen Menschenbildes. Im Weiteren werden praxisbezogen typische Verläufe und Aspekte von Interventionsprozessen beschrieben.

Im zweiten Abschnitt steht die Methodenvielfalt in der Autismus-Therapie im Fokus: Nach einer Darstellung des grundlegenden multimodalen Ansatzes werden verschiedene in den Therapiezentren zur Anwendung kommende Methoden theoretisch skizziert und anhand von Praxisbeispielen beschrieben.

Der dritte Abschnitt ist den einzelnen Bereichen autismusspezifischer Interventionen gewidmet. Hier finden sich Beiträge zur Bereich der Frühtherapie, zur Familienorientierten Arbeit sowie der Umfeld- und Vernetzungsarbeit in Schule und Arbeitswelt. Die Darstellung dieser Unterstützungsbereiche, die eine notwendige Voraussetzung für die Inklusion der Betroffenen darstellen, wird ergänzt durch die in vielerlei Hinsicht exemplarische Fallbeschreibung eines Jungen mit dreifacher Besonderheit: Asperger-Syndrom, ADHS und eine extreme Hochbegabung, durch die Skizzierung des Konzepts eines frauenspezifischen gruppentherapeutischen Angebots sowie die Einführung in das Thema Partnerschaft und Sexualität vor dem Hintergrund der autistischen Besonderheit.

Der vierte Abschnitt stellt Aspekte der Qualitätssicherung der Arbeit der Therapiezentren vor. Nach der Diskussion der Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit verschiedener therapeutischer Ansätze werden die Ergebnisse einer unlängst in mehreren Therapiezentren durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchung vorgestellt.

Der fünfte Abschnitt bietet eine rechtliche Einordnung der Autismus-Therapie, die Fachkräften und Eltern aufzeigt, auf welche Grundlagen sie sich bei der Beantragung der Therapie beziehen können.

Die sehr persönliche Beschreibung der eigenen Lern- und Leidensgeschichte einer erwachsenen Betroffenen, ihre Erfahrungen und ihre Erwartungen an eine hilfreiche Intervention rundet die Artikelsammlung ab.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit verzichten wir auf die Verwendung des Binnen-I oder von Schrägstrichen und benutzen im Text, soweit geschlechtsneutrale Formulierungen nicht praktikabel erscheinen, im Wechsel die männliche oder die weibliche Form. Wir bitten alle, die sich deswegen diskriminiert fühlen, hiermit um Entschuldigung!

Das Konzept zu diesem Buch ist in der Fachgruppe Therapie bei autismus Deutschland entwickelt worden, zu der wir als Herausgeber ebenfalls gehören. Wir möchten uns an dieser Stelle für die inspirierende Zusammenarbeit bei unseren Fachkolleginnen und Fachkollegen ganz herzlich bedanken, und zwar bei Christiane Arens-Wiebel, Irmgard Döringer, Irmgard Herold, Claus Lechmann, Boris Küppers-Pucher, Harald Matoni und Martina Steinhaus.

Barbara Rittmann

Wolfgang Rickert-Bolg

 

 

 

 

Teil I
Grundlagen

 

Autismus verstehen1 Autistische Symptome als Bewältigungsstrategie für eine abweichende kognitive Informationsverarbeitung

Wolfgang Rickert-Bolg

Als ich gegen Ende der 1980er Jahre die Leitung des Autismus-Therapiezentrums in Osnabrück, damals noch Therapiezentrum für autistische Kinder, übernahm, wurde dort wie in anderen Einrichtungen dieser Art ausschließlich symptomorientiert gearbeitet. Ausgehend von der jeweiligen konkreten Symptomatik wurde, meist mit verhaltenstherapeutischen Methoden, versucht, Stereotypien und problematische Verhaltensweisen abzubauen und produktivere Verhaltensweisen zu verstärken. Der zentrale Blickwinkel war darauf gerichtet, die Kinder zum Lernen in Form der abrufbaren Erfassung vor allem kognitiver Inhalte zu bewegen.

Vor dem Hintergrund meiner Ausbildung in der integrativen Therapie nach Petzold (2003) war mir dieser Ansatz zu einseitig, zumal wir immer wieder erleben konnten, dass die Kinder die zu lernenden Inhalte wie beispielsweise die Unterscheidung von Farben und Formen längst beherrschten, aber nicht bereit waren, dieses Wissen auf Anforderung auch zu zeigen.

Wir begannen, uns Gedanken um die Hintergründe und Handlungsmotive zu machen: Warum verhielt sich ein Kind so merkwürdig? Gab es eine Verbindung zwischen all den seltsamen und höchst unterschiedlichen Symptomen, welche die Kinder produzierten? Diese Fragestellung wurde von den Anhängern einer ausschließlich verhaltenstherapeutisch orientierten Autismus-Therapie als unsinnig betrachtet, sie wird heute noch von ABA-Therapeuten als Fehler bezeichnet, nur das beobachtbare Verhalten sollte Relevanz für die Interventionsplanung haben.

Wie viele Eltern im Alltag machten aber auch wir immer wieder die Erfahrung, dass das Sich-Sträuben eines Kindes gegenüber der gestellten Anforderung oder seine Reaktion auf eine Veränderung der Regeln oder Gewohnheiten oft wie Panik aussah und in solchen Situationen die allseits gepriesene Konsequenz nur noch mehr in den Konflikt führte.

Was fehlte und bis heute fehlt war ein umfassendes Verständnismodell für die autistische Problematik. Die Frage nach den Ursachen brachte hier nicht weiter, ihre Beantwortung konnte und kann wenig Konkretes zur Frage nach dem Warum einzelner Symptome anbieten. Zwar gab es immer wieder Theorien zur Wahrnehmungsverarbeitungsstörung und später zu einzelnen Bereichen wie der Theory of Mind, der zentralen Kohärenz oder den exekutiven Funktionen, sie stehen aber immer noch weitgehend unverbunden nebeneinander und helfen uns nur begrenzt weiter.

Wir brauchten für unsere Arbeit unser eigenes, umfassenderes Erklärungsmodell und entwickelten dies ausgehend von den Phänomenen im Bereich der Wahrnehmung auf der Basis gestalttheoretischer Begriffe. Der Rückgriff auf die Modelle der Gestalttheorie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts u. a. von Wertheimer (1925) entwickelt worden war und aktuell aus der Mode gekommen ist, erklärt sich aus unserem persönlichen theoretischen Hintergrund – die wesentlichen Grundaussagen unserer Theorie ließen sich auch in handlungstheoretische oder kybernetische Denkmodelle übersetzen.

 

Osnabrücker Erklärungsmodell der Autistischen Störung

 

Das Osnabrücker Modell zum Verständnis der autistischen Symptomatik wurde Ende der 1980er Jahre im Autismus-Therapiezentrum Osnabrück erarbeitet und seither über 25 Jahre lang weiterentwickelt und auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft.

Das Modell verbindet die Theorien zur Beeinträchtigung der Theory of Mind, der zentralen Kohärenz und der exekutiven Funktionen miteinander und basiert auf der Annahme einer grundlegenden Störung der Vordergrund-Hintergrund-Differenzierung, deren unmittelbare und mittelbare Auswirkungen in den Bereichen der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens, des Handelns, der Kommunikation und der sozialen Beziehungen die verschiedenen Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störung begründen.

Die autistische Symptomatik bzw. das konkrete autistische Verhalten verstehen wir als Bewältigungsstrategie, die es den Betroffenen ermöglicht, den Anforderungen des Alltags zu begegnen, in ihrer Dysfunktionalität aber permanent zu sekundären Problemen und vielfältigen Frustrationen führt. Als Bewältigungsstrategie, die im konkreten Einzelfall sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Die autistische Grundproblematik: Störung der Gestaltbildung

Eine grundlegende Funktion unseres Gehirns ist die Fähigkeit, aus der Vielzahl von Wahrnehmungsreizen, von eigenen Gedanken, von den Informationen, die uns andere mitteilen, und von den Möglichkeiten zu handeln eine Auswahl zu treffen. Wir können nicht alles gleichzeitig aufnehmen, alles gleichzeitig (be)denken, alles gleichzeitig tun – immer wieder müssen wir uns entscheiden, was gerade wichtig oder richtig ist. Wir treffen diese Auswahl auch nicht immer bewusst – vieles regelt unser Gehirn, ohne dass es in unser Bewusstsein dringt, und schützt uns damit vor Überforderung.

Es gibt zahlreiche Beispiele, die belegen, dass es dieser Mechanismus ist, der bei Autismus anders bzw. zumindest für die Umwelt, wie wir sie uns eingerichtet haben, schlechter funktioniert. Bezogen auf die Wahrnehmung ist dies seit langem belegt – schon Anfang der 1980er Jahre wurde von einem mangelnden Filter bei der Wahrnehmungsverarbeitung gesprochen (Kehrer 1989, S. 70).

Wir bedienen uns bei der Erklärung der Frage, wie dieser Mechanismus genauer aussieht, der Begrifflichkeiten der Gestalttheorie (Walter 1994). Die Funktion der Gestaltbildung lässt sich am Beispiel der optischen Wahrnehmung folgendermaßen veranschaulichen:

Zu jeder Zeit befindet sich eine Vielzahl von Objekten in meinem Gesichtsfeld. Alle diese Objekte werden auf der Netzhaut abgebildet, in allen ihren Einzelheiten. Aber ich selbst treffe aus dieser Vielzahl von Eindrücken eine Auswahl. Es könnte beispielsweise sein, dass ich, wenn ich ein Klavierkonzert besuche, vor allen Dingen den Pianisten wahrnehme und der Rest des Raumes gleichsam als Hintergrund verschwimmt. Ich kann aber auch eine ganz andere Auswahl treffen und etwa die verwelkenden Blumen neben dem Flügel betrachten. Meist wird sich meine Wahrnehmung auf ein bestimmtes Element im Gesichtsfeld zentrieren. Dieses Element bildet dann eine Gestalt vor dem Hintergrund der anderen Sinneseindrücke. Das Beschriebene gilt für alle anderen Sinne in ähnlicher Weise, zudem treffen stets Reize auf mehreren Sinneskanälen im Gehirn ein. Auch hier findet Selektion durch Gestalt-Hintergrund-Differenzierung und damit gleichzeitig Integration der zusammengehörenden Reize verschiedener Sinneskanäle statt: z. B. der Flügel (optisch) und die davon ausgehenden Klänge (akustisch).

Damit zusammenhängend haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass die menschliche Wahrnehmung so strukturiert ist, dass unvollständige Informationen ohne bewusstes Nachdenken um die fehlenden Teile ergänzt werden. Man nennt dies die »Tendenz zur guten Gestalt«. Dadurch sind wir in der Lage, auch unter schwierigen Bedingungen sinnvolle Informationen aufzunehmen und entsprechend zu reagieren (a. a. O.).

Die beschriebenen Strukturierungsfunktionen der Wahrnehmung lassen sich auf die Bereiche des Denkens, des Fühlens, des Handelns, der Kommunikation und der Interaktion mit anderen Menschen übertragen: Auch hier ist es wichtig, das Wesentliche in einem Gedanken, einer sozialen Situation oder die zentralen Elemente einer Handlungsfolge zu erkennen und zu isolieren.

Eine Störung der Auswahl- und Integrationsfunktion, der Unterscheidung von Gestalt und Hintergrund, hat weitreichende Folgen: Im Extremfall sind die Betroffenen ständig einem Übermaß an Information ausgesetzt, die sie nicht einordnen und zu ihren früheren Erfahrungen in Beziehung setzen können. Das führt dann dazu, dass sie sich zu ihrem eigenen Schutz von diesen Reizen abwenden müssen, dass sie sich auf sich selbst zurückziehen müssen – »autistisch« werden.

Wahrnehmen

Bei der Wahrnehmung handelt es sich ja nicht allein um einen Prozess der passiven Reizaufnahme, sondern um ein aktives Einordnen neuer Informationen in die gespeicherten Erfahrungen. Bei den Sinnestäuschungen wird dies offensichtlich: Unsere Erwartung lässt uns etwa auch in der Innenseite einer Maske ein Gesicht sehen.

Aber dieser Abgleich mit den Erfahrungen führt nicht nur zu Täuschungen, sondern spart vor allen Dingen Zeit und Energie: Beim Buchstabensalat können wir den Text fast mühelos erkennen, obwohl er vor Fehlern strotzt.

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Abb. 1: Buchstabensalat

Die Mechanismen unseres Gehirns stellen sicher, dass wir die für uns wichtigen Informationen zeitnah zur Verfügung haben. Ablenkende Kleinigkeiten werden uns erst gar nicht bewusst, wir blenden die laute Straße aus und können trotzdem arbeiten, wir können die Informationen auf verschiedenen Sinneskanälen mühelos miteinander verbinden.

Was jeweils in unser Bewusstsein gelangt, ist von unserer Motivation und dem jeweiligen Kontext abhängig: Im Dschungel achten wir ganz anders auf ein Rascheln im Gebüsch als im Stadtwald – vielleicht aber nur, bis wir im Radio hören, dass aus dem Zoo der Tiger ausgebrochen ist.

Mit der Zuordnung der Reize zu unserer Erfahrung entsteht zudem ein konsistentes Bild von der Welt und ihren Regeln, das nicht durch jede kleine Veränderung ins Wanken gerät: Ein Baum ist für uns ein Baum, ob mit Blättern oder ohne.

Bei Menschen mit Autismus ist das ganz offensichtlich anders. Das belegen eine Vielzahl von Berichten, die inzwischen von Betroffenen vorliegen. So berichtete mir eine erwachsene Klientin mit Asperger-Autismus, dass sie den Stuhl, auf dem sie sitze, permanent spüre, dass es für sie unvorstellbar sei, diese Wahrnehmung auszublenden. Eine andere Betroffene berichtet: »Mein Bett war ganz und gar von winzigen Pünktchen umgeben und eingeschlossen. Sie waren eine Art mystischer Glassarg. Inzwischen habe ich erfahren, dass das eigentlich Luftteilchen sind. Aber mein Gesichtssinn war so überempfindlich, dass sie oft zu einem hypnotisierenden Vordergrund wurden, hinter dem der Rest der Welt verblasste« (Williams 1992, S. 27). Und Temple Grandin, eine andere Betroffene, sagt: »Ich kann auf einem geräuschvollen Flugplatz kein Telefon benutzen. Obwohl meine Hörschärfe normal ist, kann ich am Telefon nichts verstehen, wozu fast alle anderen Leute in der Lage sind. Wenn ich versuche, das Hintergrundgeräusch auszublenden, blende ich auch die Stimme am Telefon aus« (Grandin 1992/2008). Dietmar Zöller schreibt: »Mir ist eingefallen, dass ich früher oft ein Sausen und Brausen im Ohr wahrgenommen habe. Das war ziemlich schlimm, und ich konnte mir nur Erleichterung verschaffen, indem ich mit dem Kopf auf einen Sessel aufschlug« (Zöller 1992, S. 13). Offenbar ist seine Hörwahrnehmung derart geschärft, dass er das Blut in seinen Adern fließen hört. Und dieses Dauergeräusch ist so schlimm für ihn, dass er einen intensiven Reiz dagegensetzen muss. Das gleiche Phänomen sehen wir, wenn er schreibt: »Scharfe Gewürze liebte ich sehr, nicht weil es gut schmeckt, sondern weil ich dann meinen Mund gut spüren kann« (a. a. O., S. 14). Eine Möglichkeit, mit dem Chaos von unklaren, nicht einzuordnenden Wahrnehmungsreizen umzugehen, ist es also, sich intensive oder auch gleichförmige Reize zu verschaffen, sich etwa selbst zu stimulieren.

Darüber hinaus müssen die Informationen aus den einzelnen Sinneskanälen zu einem konsistenten Bild zusammengefügt werden, ebenfalls eine Leistung unseres Gehirns, die in der Regel unbewusst abläuft. Aus mehreren Informationen wird so eine sinnvolle Gestalt. Schwierig nur, wenn das nicht richtig klappt, wie zwei Betroffene berichten: »Hören und Sehen stehen nicht im Einklang miteinander. Dass bedeutet, dass ich z. B. von einem Auto das Geräusch so verstärkt wahrnehme, als käme es geradewegs auf mich zu, während mir meine Augen das Auto weit entfernt zeigen« (Zöller 1992/2008, S. 14). »Mir fällt immer wieder auf, dass ich dabei Probleme habe, mich gleichzeitig auf Ton und Bilder zu konzentrieren. Entweder verfolge ich die Stimme des Sprechers, oder ich lasse die Bilder auf mich wirken. Beides gleichzeitig geht nicht« (Schuster 2007, S. 27).

Denken

Was wir für die Wahrnehmung gezeigt haben, lässt sich auch auf den Bereich des Denkens übertragen. Wir müssen aus den vielen Gedanken, die uns durch den Kopf schwirren, das auswählen, mit dem wir uns aktuell beschäftigen wollen. Wenn wir jeden Aspekt gleichzeitig erfassen und berücksichtigen wollen, verzetteln wir uns, »kommen zu keinen klaren Gedanken«. Wir müssen zudem flexibel Prioritäten setzen und Unwichtiges aus unserem Bewusstsein verbannen bzw. in den Hintergrund schieben. Mal ist der Kontext, in dem etwas steht, von Bedeutung, mal ist er es nicht. Die Regel, dass man bei einer roten Ampel stehen bleibt, gilt nicht, wenn wir uns bereits auf der Straße befinden2. In einem Text müssen wir herausfinden, was für die Erfassung des Inhalts wesentlich ist. Schulkindern mit Asperger-Autismus fällt es zum Beispiel schwer, sich bei einer Sachbeschreibung zu entscheiden, welche Details sie wiedergeben und welche sie weglassen können. Da sie sich nicht entscheiden können, schreiben sie entweder alles oder vielleicht auch gar nichts, wenn sie meinen, das gar nicht schaffen zu können. Die Extreme sind immer einfacher – so kommt es zu einem ausgeprägten Schwarz-Weiß-Denken. Häufig finden wir das Problem, dass insbesondere Ambivalenzen – etwas ist sowohl gut als auch in einer anderen Beziehung schlecht – nicht gut ausgehalten werden können.

Oft gerät ein Gedanke extrem in den Vordergrund – kaum spricht jemand vom Zugfahren, muss der Betroffene sich über Eisenbahnen oder Fahrpläne usw. auslassen und kommt von dem Thema nicht mehr los, obwohl alle anderen längst genervt sind. Oder der Gedanke an den Chef, der ihn einmal vor drei Wochen kritisiert hat, beschäftigt ihn so sehr, dass er ihm noch nach Wochen den Schlaf raubt. Wenn wir uns zwischen verschiedenen Alternativen entscheiden müssen, ist ebenfalls die Bildung von Vordergrund und Hintergrund gefordert. Einem jugendlichen Klienten mit Asperger-Autismus fiel es so schwer, sich in der Therapiestunde für ein bestimmtes gemeinsames Spiel zu entscheiden, dass wir die Lösung entwickelten, alle Möglichkeiten mit Zahlen zu versehen und dann zu würfeln.

Manchmal scheint das Hirn der Betroffenen geradezu auf Hochtouren zu laufen – sie »zerbrechen sich den Kopf«.

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Abb. 2: Kopfzerbrechen (mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pfeifle, www.grafik-etc.de)

Auch hier geht es wie bei der Wahrnehmung um die Bildung von Gestalten, um die flexible Differenzierung von Vordergrund und Hintergrund.

Fühlen

Unser Fühlen ist der Bereich, der am meisten von Ambivalenzen geprägt ist: Selten ist ein Gefühl wirklich eindeutig und einseitig – wir sind nur wütend oder nur traurig. Meist gibt es zum Beispiel hinter der Trauer, dass wir etwas nicht bekommen, noch einen Teil Ärger, dass uns unser Gegenüber unser Bedürfnis nicht erfüllt. Beschäftigt man sich mit dem in der Autismus-Therapie verbreiteten Bildmaterial, auf dem man Gefühle in Gesichtern erkennen soll, so stoßen auch wir immer wieder an Grenzen. Vieles ist nicht eindeutig – und wenn ich als Therapeut meiner Klientin beschreiben soll, was genau den Unterschied zwischen einem traurigen und einem ärgerlichen Gesichtsausdruck ausmacht, komme ich schnell auf Merkmale, die wie etwa die gekräuselte Stirn zu beiden Gefühlen passen. Wir verlassen uns auf unsere Intuition. Dieses Gemenge aus mehr oder weniger bewussten Wahrnehmungen, aus Mitschwingen (vgl. Bauer 2005) und aus Erfahrungswerten ist nur sehr schwer in Worte, in digitale Information zu übersetzen. Es verwundert also nicht, dass Menschen mit Autismus mit der Wahrnehmung und Beurteilung von Gefühlen anderer oft überfordert sind. Es gibt das weit verbreitete Vorurteil, Autisten würden Gefühle nicht wahrnehmen, auch selbst gefühllos sein. Unsere Erfahrungen widersprechen dem: Mehrere Klienten mit hochfunktionalem Autismus berichteten in unserer Praxis, dass sie sehr wohl die Gefühle anderer wahrnehmen, aber oft nicht richtig einordnen können und besonders oft nicht einschätzen könnten, inwieweit sie selbst betroffen sind. In einem Therapieprozess, in dem ich eine Mutter mit ihrem jugendlichen Sohn mit frühkindlichem Autismus regelmäßig auf Gängen durch die Stadt begleitete, wurde dieser jedes Mal sehr unruhig, wenn wir nebenher kontroverse Themen besprachen.

Mit dem Problem, das Relevante nicht vom Unwichtigen unterscheiden zu können, bleibt einem Betroffenen nur die Alternative, zum Spielball der Emotionen anderer zu werden oder sich ganz rigide abzugrenzen – fatal, wenn ihm das dann als Desinteresse oder Gefühllosigkeit ausgelegt wird. Über diese Problematik hinaus, die ja schon in den Bereich des sozialen Miteinanders gehört, wirkt sich die Grundstörung aber auch auf die eigenen Gefühle aus: Wenn Gefühle nicht situationsadäquat bewertet und austariert werden können, bleiben nur die Extreme, häufig im abrupten Wechsel – die Kontrolle der Impulse wird erschwert.

Handeln

Auch beim Handeln ist diese Differenzierung von großer Bedeutung. Denn erst durch die Unterscheidung, was an einer Handlung wesentlich und was beliebig bzw. variabel ist, wird es möglich, sich flexibel an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen und automatische Abläufe zu entwickeln, die eine schnelle und ressourcensparende Aktion auch in verschiedenartigen Konstellationen erlauben.

Eine Betroffene schildert dies sehr eindrücklich und beschreibt auch die Folgen: »Einmal war ich zu Besuch in einer Fördereinrichtung für behinderte Erwachsene. Sie galten alle als autistisch. Ein junger Mann wurde in der Küche angewiesen, den Zucker vom Tisch in den Schrank zu stellen. Er nahm auch die Dose und ging auf den Schrank zu. Der Zucker gehörte in einen Hängeschrank, unter dem eine Spüle stand. Der junge Mann trug die Dose mit beiden Händen dem Schrank zu und – erstarrte dann. Er bewegte sich nicht mehr von der Stelle. Sein Verhalten war für die anderen an dem Punkt kein lesbares Programm. Für mich schon. Ich kannte diese Erstarrung genau. An diesem Punkt hätte er eine zerlegte Anweisung gebraucht, um ihn aus seiner Erstarrung zu wecken. Trag den Zucker mit beiden Händen weiter zur Spüle! Stell die Dose auf der Spüle ab! Lass die Dose mit beiden Händen los, wenn sie die Spüle berührt! Leg danach eine Hand auf den Türgriff! Zieh jetzt dran! Lass die Tür los! Heb mit beiden Händen die Dose wieder an! Heb sie so hoch bis an das Brett mit den Tassen! Tu sie dorthin, wo das freie Loch zwischen den Tassen ist! Lass los, wenn die Dose fest auf dem Brett steht! Fass den Schrankgriff wieder an! Mach die Tür zu! Nimm die Arme wieder runter! Dreh dich um und komm dann her!

Keinem »normalen« Menschen ist bei einer so einfachen Alltagshandlung noch bewusst, aus wie vielen Einzelteilen sie zusammengesetzt ist. Er stellt die Dose einfach dahin, wohin sie gehört, in einem einzigen, unaufwendigen Bewegungsfluss. Bei mir tritt das Problem mit der Erstarrung immer dann auf, wenn ich den Absprung von einer Teilbewegung in die nächste Bewegungsphase nicht finde. Dann ist die Verbindung abgerissen, der Zug verpasst. Um die Hilflosigkeit nicht zu spüren und die Verwirrung, die dann auftritt, mache ich manchmal dann eine Ersatzbewegung, die überhaupt nichts mit der Bewegung zu tun hat, die ich ausführen will. Dann will ich nur das Loch nicht im Bewegungsmuster spüren. Die Ersatzbewegung ist ein Lückenfüller« (Empt 1995/2008, S. 21).

Zudem wird es schwierig, etwas zu tun, ohne bewusst darüber nachzudenken. Man braucht nicht autistisch zu sein, um das zu kennen: Wenn wir beim Tanzen an die Schritte denken müssen, klappt es nicht oder nur sehr unbeholfen. Das Schalten im Auto geht erst reibungslos, wenn wir über das Wie nicht mehr nachdenken müssen. Menschen mit Autismus haben große Schwierigkeiten mit dieser Automatisierung. Eine Betroffene berichtet: »Ich muss jede Bewegung oder Handlung vorher denken, auch bei den Routinen. Ich kann Bewegungen und Handlungen nicht automatisch ausführen, wie die meisten Menschen das können« (Zöller 2001, S. 41).3 Und Gunilla Gerland schreibt: »Aber komplizierte Dinge zu tun und dabei reden zu müssen, das wurde entschieden zu viel. Ich konnte nicht spazieren gehen und mich gleichzeitig dabei unterhalten. Ich konnte nämlich nicht automatisch gehen, sondern musste unablässig an das Gehen denken, um überhaupt gehen zu können« (Gerland 1998, S. 235).

Der unbeholfene Gang von Menschen mit Asperger ist bekanntlich ein markantes Erkennungsmerkmal.

Kommunizieren

Was wir beim Denken gezeigt haben, gilt natürlich ebenso im Bereich der Kommunikation. Was ist von einem Satz, den ein anderer zu mir sagt, wesentlich? Zur weiteren Erschwernis kommen hier noch vielfältige Variationen dazu, die sich durch die Ausdrucksweise und die Betonung der Wörter, die Satzmelodie und die Satzstellung ergeben. An der Kombination all dieser Merkmale lesen wir ab, ob das Gesagte vielleicht ironisch oder metaphorisch gemeint ist, welche Botschaft der Sender übermitteln will.

Wir selbst sind gewohnt, dass die anderen ebenfalls in Bildern sprechen und in der Regel mit dem Inhalt einer Aussage immer noch eine Intention verbunden ist. Ein Mensch, der sich ausschließlich auf den Sachinhalt konzentriert, wird erleben, dass er immer wieder missverstanden wird.

Die nonverbalen Signale, welche die verbale Kommunikation begleiten, können zudem auch für sich stehen und sind in der Regel noch schwieriger zu interpretieren, da die wesentliche Information hier nicht digital, sondern analog übermittelt wird. Ein Gefühl zu einer Thematik wird auf diese Weise nicht in wenigen eindeutigen Einzelkategorien, sondern in unendlichen Abstufungen und Kombinationen mit anderen Aspekten kommuniziert. Besonders der Blickkontakt ist eine hochkomplexe Form der Kommunikation – es ist nicht verwunderlich, dass jemand Blickkontakt vermeidet, wenn er diese Komplexität nicht verarbeiten kann. Und es passt ebenfalls in diesen Erklärungsansatz, wenn Menschen mit Autismus besser mit der schriftlichen Kommunikation klarkommen, wenn viele gern das Internet nutzen und chatten, da hier ein guter Teil der verwirrenden Zusatzinformation wegfällt.

Als wäre es der Schwierigkeiten nicht genug, kommt noch eine weitere Ebene dazu: Die der sozialen Regeln der Kommunikation. In welcher Situation darf oder sollte etwas

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Abb. 3: Die Fallen unpräziser Sprache

gesagt oder nicht gesagt werden? Im Allgemeinen müssen schon Kinder lernen, dass man nicht öffentlich über den dicken Mann im Bus redet. Menschen mit Autismus haben hier wieder einmal die Schwierigkeit mit der Komplexität solcher Gepflogenheiten, die ja auch noch mit der sozialen Subgruppe variieren: Was in der einen sozialen Gruppe üblich ist, kann woanders als Affront gelten.

Bei sehr starker Ausprägung der autistischen Störung wird der Sinn von Kommunikation gar nicht verstanden, die Möglichkeiten zur Befriedigung von Bedürfnissen, für die andere Personen notwendig sind, reduziert sich dann auf den »Werkzeuggebrauch«, also das Führen der Hand des Gegenübers zu dem gewünschten Gegenstand. Das echolalisch antwortende Kind hat verstanden, dass ich von ihm will, dass es etwas sagt, es hat aber keine Idee davon, dass Sprache mehr als eine Abfolge von Lauten ist und es damit auch seine Bedürfnisse ausdrücken könnte. Um diesen Sinn zu erfassen, muss schon das Baby einen Zusammenhang zwischen der eigenen Aktion und der Reaktion des Gegenübers erkennen, muss etwa merken, dass auf sein Schreien die Mutter kommt und sich ihm zuwendet. Auch hier wirkt sich also aus, wenn Reize nicht flexibel selektiert und zusammengefügt werden können.

Interagieren

Eng verknüpft mit der Kommunikation ist der Bereich der sozialen Interaktion. Über das hinaus, was Menschen uns mitteilen, machen wir uns ein Bild davon, was in ihnen vorgeht, wir denken uns in sie hinein. Diese sogenannte »Theory of Mind« erlaubt es uns, abzuschätzen, was jemand wohl tun wird, was wir von ihm erwarten können. Dafür ist es von zentraler Bedeutung zu erkennen, dass das, was wir selbst wissen, dem Gegenüber nicht unbedingt bekannt sein muss, dass es also verschiedene Perspektiven gibt, die wir berücksichtigen müssen4.

Diese Fähigkeit, sich in andere hineinzudenken, ermöglicht uns Leistungen, die bislang kein Computer erreichen kann. Bei den in immer mehr Autos eingebauten Fahrassistenzsystemen wie den Abstandstempomaten kann man unseren Vorsprung gut erkennen: Als menschlicher Fahrer kann ich aufgrund meiner Erfahrung eine Hypothese entwickeln, was der Fahrer des vor mir auf meine Fahrbahn einbiegenden Wagens wohl tun wird, und werde mich darauf einstellen können. Dabei werte ich möglicherweise eine Vielzahl von Informationen aus: Aus dem Fahrzeug und dessen Zustand und dem Aussehen und vielleicht auch dem Alter des Fahrers kann ich eine Idee entwickeln, ob das jemand ist, der noch schnell dazwischenprescht oder jemand, der zögert. Wie ist das andere Auto an die Kreuzung herangefahren? Gibt es andere Personen in der Nähe, die den Fahrer vielleicht ablenken könnten? Vielleicht suche ich auch den Blickkontakt und erkenne, ob der andere mich gesehen hat … Eine Menge Kontext, die meine Entscheidung, mich auf eine Vollbremsung einzustellen oder gelassen weiterzufahren, verbessern kann. Die Technik kann all das (noch) nicht, sie kann bislang per Radar oder Kameras nur Abstände und Geschwindigkeiten erfassen und reagiert deshalb zwar zuverlässig und präzise, aber eben nicht optimal.

Unsere Fähigkeit zur Erfassung und Einordnung hochkomplexer Situationen und insbesondere die Theory of Mind sind also äußerst hilfreich für unser alltägliches Leben.

Sich einzufühlen, zu mentalisieren, erfordert sogar noch mehr Fähigkeiten, mit Komplexität umzugehen, da man hier ausschließlich mit Logik nicht weiterkommt. Eine hochintelligente Klientin steht immer wieder fassungslos davor, wie widersprüchlich Menschen sind, wie sie a sagen und b tun oder wenn sie immer wieder die Unwahrheit sagen, sogar wenn das Motiv dafür nicht rational zu erschließen ist.

Und immer dann, wenn es um sozioemotionale Gegenseitigkeit geht, um das gemeinsame Erleben, das Teilen von Gefühlen und das damit verbundene Genießen von Gemeinsamkeit und Kontakt, wird es viel zu verwirrend und schwierig, wenn jemand keine Ordnung in derlei komplexe Sachverhalte bringen kann und seine Zuflucht in der Logik suchen muss. Schon das mit anderen spielende Kind muss Kompromisse zwischen den eigenen Interessen und denen der anderen Kinder finden: Was machen wir jetzt, was vielleicht später oder gar nicht? Kann es das nicht, ist es doch einfacher und sicherer, allein zu bleiben und sich mit sich selbst oder immer gleichen Dingen zu beschäftigen. Dort kennt es sich dann aus und kann nicht böse überrascht werden.

Und wenn ich als Mensch mit Autismus zum wiederholten Male am Verständnis sozialer Situationen verzweifelt bin und immer wieder Ärger und Ablehnung oder zumindest das Gefühl erlebe, dass mich niemand versteht und mir ständig Absichten unterstellt werden, die ich nie gehabt habe, dann werde ich kaum noch motiviert sein, mich auf Sozialkontakte einzulassen.

Zusammenfassung

Ich habe in den vorangegangenen Abschnitten dargestellt, dass die Fähigkeit der Gestaltbildung in allen Bereichen unserer kognitiven, affektiven, exekutiven und sozialen Aktivität notwendig ist und dass ihre Beeinträchtigung, wie sie dem Autismus nach unserer Auffassung zugrunde liegt, gravierende Auswirkungen hat. Ein Mensch, der nicht situationsangepasst und flexibel Vordergrund und Hintergrund zu differenzieren vermag, ist gezwungen, die Anforderungen des Alltags auf andere Weise zu bewältigen – er wird zu Verhaltensweisen greifen, die ihm helfen, möglichst gut mit den auf ihn einstürmenden Reizen und Informationen zurechtzukommen, sich also auf der Grundlage seiner Besonderheit an die Umwelt anpassen.

 

Formen der Anpassungsstrategien

 

Wir betrachten die autistischen Symptome, von denen viele beispielhaft in den Beschreibungen der Einzelbereiche genannt wurden, nicht als den eigentlichen Autismus, sondern als Anpassungsstrategien.

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Abb. 4: Anpassungsstrategien

Offensichtlich ist die Problematik bei den einzelnen Betroffenen qualitativ und quantitativ sehr verschieden ausgeprägt5, sie verfügen wie alle Menschen darüber hinaus auch über sehr unterschiedliche weitere körperliche und geistige Potenziale. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich die Anpassungsstrategien unterscheiden, im Extrem vom Kind mit frühkindlichem Autismus, welches völlig auf sich selbst bezogen ist und auf keinerlei Kontakt und Kommunikationsversuche reagiert, bis hin zum nur leicht Betroffenen, der dank weit überdurchschnittlicher Intelligenz in der Lage ist, seine Defizite effektiv auszugleichen6.

Die grundlegenden dieser Strategien bestehen in der Vermeidung von Reizen und Informationen und der Schaffung einer Ordnung, die trotz der eingeschränkten Möglichkeiten zu bewältigen ist. Dazu gehören der aktive Rückzug, die Vermeidung von Körper- und Blickkontakt, die vielfältigen Aktivitäten insbesondere junger Kinder mit frühkindlichem Autismus, sich eindeutige und rhythmisch wiederkehrende Reize zu verschaffen und die Stereotypien und Rituale jedweder Form.

Diese Grundstrategien führen bei starker Ausprägung in der Folge zu fehlendem Lernen sowohl im kognitiven als und insbesondere auch im sozialen Bereich und der Kommunikation. Durch die Einschränkung von Interaktion und Kommunikation werden die schon durch die Grundproblematik bestehenden Probleme, die Regeln der Welt zu erkennen, zu wissen und zu verstehen, was auf uns zukommt, was von uns erwartet wird, noch verstärkt. Wenn jemand eine Regel erkannt zu haben glaubt und immer wieder die Erfahrung macht, dass seine Annahmen falsch sind, dann wird er sich zunehmend hilflos und ausgeliefert fühlen. Eine Erfahrung, die im Extremfall bis hin zu Aggression und Autoaggression führen kann.

Eine zweite grundlegende Strategie, die wir besonders bei Menschen mit hochfunktionalen autistischen Störungen antreffen, ist die der Anpassung: Wenn ich mich bemühe, alles richtig zu machen, immer das zu machen, was von mir erwartet wird, meine eigenen Bedürfnisse ganz zurückstelle, dann kann ich vielleicht erreichen, dass meine Bezugspersonen nicht böse auch mich sind, dass sie mich mögen, dass ich endlich dazugehöre. Eine solche Strategie verfolgt beispielsweise das Kind mit Asperger-Symptomatik, das nur mit einer Eins bei der Klassenarbeit zufrieden ist und schon bei der Zwei »ausrastet«. Oder auch der 13-Jährige mit frühkindlichem Autismus, der mich in den Therapiestunden daran verzweifeln ließ, dass er sich ganz offensichtlich immer diejenige Aktivität als nächste wünschte, von der er glaubte, ich würde sie erwarten. Diese Strategie, das Streben nach Perfektion, hat die fatale Nebenwirkung, dass sie immer wieder scheitert und in die Überforderung und damit in der Folge in eine Selbstwertproblematik führt. Die häufig als Komorbidität auftretenden Depressionen sind sicherlich in diesem Zusammenhang zu verstehen.

Die dritte grundlegende Anpassungsstrategie ist die der Kontrolle: Wenn ich alles nach meinen Regeln mache, wenn ich am besten sogar meine Mitmenschen dazu bringe, meinen Regeln und Anweisungen zu folgen, dann kann mich nichts mehr überraschen, dann habe ich die Komplexität der Kompromisse ausgeschaltet. Die Beispiele für Betroffene, die diese Strategie verfolgen, sind zahlreich und vielfältig: Der Löffel, der immer rechts liegen und rot sein muss, der Wirsing zum Mittagessen, das Kind, welches mir im Rollenspiel jedes einzelne Wort für meine Rolle vorgibt … Hier leiden dann oft die Bezugspersonen, die sich auf die abstrusesten Regeln einlassen, weil sie sonst mit einer Person zu tun bekommen, die bestenfalls alles boykottiert und schlimmstenfalls aggressiv wird. In der Folge ziehen sich andere zurück, die anderen Kinder wollen nicht mehr mit dem autistischen Kind spielen, die Nachbarn machen sich rar – und die Bezugspersonen leiden mit.

 

Konsequenzen für die therapeutisch-pädagogische Arbeit

 

Wenn wir diesen Überlegungen folgen, wird offensichtlich, dass es ein zentrales Anliegen von Therapie und Pädagogik sein muss, den Betroffenen Sicherheit zu vermitteln und damit die Grundlage für die Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben, an Lernen und Entwicklung zu schaffen. Nur so wird es möglich, von der gewählten Strategie abzuweichen und sie bei entsprechendem Potenzial in allen Facetten zu reflektieren.

Wesentliche Elemente zur Vermittlung dieser Basis sind:

•  Überschaubare und zu bewältigende Strukturen und Anforderungen,

•  Klarheit von Regeln und Grenzen,

•  geeignete Strukturierung des Umfelds, visuelle Orientierungshilfen,

•  Balance zwischen Gleichförmigkeit und Veränderung,

•  Vermeidung von Über- und auch Unterforderung,

•  positive Nutzung der Tendenz zu Ritualen,

•  Klarheit und Vorhersehbarkeit des eigenen Verhaltens,

•  klare Kommunikation,

•  Zergliederung von Handlungsanweisungen,

•  Sorgfalt bei der Deutung von Verhaltensweisen.

Die bekannte Forderung nach einer möglichst frühen Diagnose und einem möglichst frühen Beginn von therapeutischen Maßnahmen erhält durch unsere Überlegungen weitere Nahrung: Es geht nicht allein darum, stereotypes Handeln möglichst frühzeitig zu stoppen und stattdessen produktives Lernen zu initiieren, was ja für sich genommen schon äußerst wichtig ist7.

Es geht auch darum, eine sekundäre Traumatisierung zu verhindern: Liebevolle Eltern werden ein schreiendes Baby, das nicht gerade Hunger oder eine volle Windel hat, in den Arm nehmen und zu trösten versuchen. Wenn das Baby nun Körperkontakt nicht ertragen kann, wird es statt Trost gerade in dieser Situation, wo es Zuwendung braucht, erleben, dass ihm seine engsten Bezugspersonen etwas äußerst Unangenehmes antun. Selbst die sensibelsten Eltern werden sich in dieser Situation hilflos erleben, werden im besten Falle irgendwann einen Weg finden, das Kind anders zu beruhigen. Sie werden aber immer wieder in Situationen kommen, in denen die bewährten pädagogischen Strategien nicht helfen, in denen dieses besondere Kind ganz andere Unterstützung braucht. Das Kind wiederum wird immer wieder erleben, dass es nicht darauf vertrauen kann, die für sich passende Hilfe auch zu bekommen – ein Teufelskreis, der psychische Spuren hinterlässt und meist erst enden kann, wenn über die Diagnose und die anlaufende Beratung Verstehen erreicht wird.

Die Schaffung eines autismusspezifisch entwicklungsförderlichen Umfelds ist die notwendige Voraussetzung, auf der die Vermittlung von Lerninhalten erst sinnvoll möglich ist. Wir sehen es deshalb als zentrale Aufgabe unserer Einrichtung an, die familiären und institutionellen Bezugspersonen eines Klienten in diese Richtung zu unterstützen.

Darüber hinaus kann die besondere Situation des therapeutischen Settings mit einer therapeutischen Beziehung, die aus den bewertenden und reglementierenden Seiten des pädagogischen Alltags herausgehoben ist, eine wichtige Chance und notwendige Strategie sein, um den autistischen Teufelskreis in Richtung auf mehr Lebensqualität für die Betroffenen aufzulösen.

 

Literatur

 

Bauer, J. (2005): Warum ich fühle, was du fühlst. Hoffmann und Campe, Hamburg

Empt, A. (2008): »Verpaßter Anschluß«. Unveröffentlichtes Manuskript; Köln 1995. In: Verein zur Förderung von autistisch Behinderten e. V., Stuttgart: Autistische Menschen verstehen lernen. Band II. Eigenverlag, Stuttgart

Frith, U. (1989): Autism: Explaining the enigma. Blackwell, Oxford (deutsch: Autismus, ein kognitionspsychologisches Puzzle. Heidelberg 1992)

Gerland, G. (1998): Ein richtiger Mensch sein. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart

Grandin, T. (2008): An autistic person explains her experiences with sensory problems, visual thinking and communication difficulties. Vortrag in Den Haag 1992, zitiert nach: Verein zur Förderung von autistisch Behinderten e. V., Stuttgart: Autistische Menschen verstehen lernen. Band II. Eigenverlag, Stuttgart

Hüther, G. (2004): Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen

Kehrer, H. E. (1989): Autismus. Asanger, Heidelberg

Petzold, H. (2003): Integrative Therapie. Band 1–3. Junfermann, Paderborn