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Frieder Kircher

[3]Grundlagen abwehrender Brandschutz

Feuerwehrwissen für Architekten, Brandschutzplaner und Ingenieure

Verlag W. Kohlhammer

[7]1    Einleitung

Führungskräfte der Feuerwehr kommunizieren mit vielen Menschen auch außerhalb des Feuerwehrwesens. Das können politisch Verantwortliche der Kommunen, des Landes oder des Bundes sein, Brandschutzbeauftragte, Polizeibeamte, Veranstalter von Großevents, aber auch Architekten und Ingenieure im Rahmen von Bau- und Beschaffungsmaßnahmen oder im Bereich des Vorbeugenden Brandschutzes.

Nicht selten kommt es dabei zu Verständigungsproblemen bis hin zu Missverständnissen hinsichtlich der Denkweise von Feuerwehrleuten und ihrer besonderen Begrifflichkeiten. Feuerwehrangehörige leben in einer eigenen Fachwelt und arbeiten in bestimmten Denkstrukturen. Durch die erforderliche schnelle Auffassungsgabe und sofortige Reaktion in Gefahrensituationen sind sie gezwungen, sich sehr stark auf das Wesentliche und den Kern der Dinge zu konzentrieren. Diese Denkstrukturen prägen Feuerwehrangehörige auch außerhalb des akuten Einsatzfalles. Die Sozialisation in der Einsatzwelt, die oftmals eine sofortige Lösungsfindung verlangt, prägt sie wie kaum eine andere Berufsgruppe. Dabei kommt es weniger auf die sorgfältige, vollständige Abwägung aller Vor- und Nachteile an, als auf die schnelle Lösung eines Problems zu Gunsten aller Beteiligten. Bei Bränden und ähnlichen Gefahrenlagen liegt oft eine exponentielle Erhöhung der Folgeschäden in Abhängigkeit von der Zeit vor. Daher müssen schnell wirksame Maßnahmen getroffen werden, um die exponentielle Entwicklung und die damit einhergehende Schadenserhöhung zu stoppen.

Ziel dieses handlichen Werkes soll es sein, für Außenstehende Hintergründe aufzuzeigen wie die Feuerwehr funktioniert und wie die Arbeit der Feuerwehr abläuft. Dies ist insbesondere an Schnittstellen zu anderen Bereichen wie z. B. der Architektur oder der Verwaltung notwendig, wo erkannt werden muss, warum die Feuerwehr bestimmte Forderungen – z. B. im Vorbeugenden Brandschutz – aufstellt. Es kann aber auch für jeden Bürger Einblicke geben, wie die Feuerwehr bei einem Ernstfall – der auch ihn selbst betreffen kann – handelt und mit welchen Problemen sie dabei zu kämpfen hat.

Das Buch soll auch einen Einblick in die Dimensionierung von Feuerwehren, ihren hierarchischen Aufbau und die Grundlagen des taktischen Vorgehens im Einsatzfall geben. Dies kann insbesondere für Architekten und Bauplaner vor der Konzeptionierung eines Bauvorhabens von Bedeutung sein, um die Planungsanforderung »Brandschutz« bereits vor der Planung besser zu verstehen und damit berücksichtigen zu können. Es kann aber nicht die detaillierte Beschäftigung mit den [8]Anforderungen der jeweiligen Landesbauordnung ersetzen, sondern gibt einen Überblick über die Faktoren, welche die Planung beeinflussen. Insbesondere sollen dabei die Schutzziele des Brandschutzes »Ermöglichung der Rettung von Menschen« und »Ermöglichung eines wirksamen Löschangriffs« Berücksichtigung finden.

Abschließend werden mit einem umfangreichen Glossar und verschiedenen Übersichten praktische Hilfen zum Verstehen der Fachsprache sowie der föderalen Unterschiede bei der Beteiligung der Feuerwehren in Baugenehmigungsverfahren in der Bundesrepublik Deutschland gegeben.