Nicola Kaulich-Stollfuß

Ein Jahr in Singapur

Reise in den Alltag

Impressum

Dieses Werk wurde vermittelt durch

Aenne Glienke | Agentur für Autoren und Verlage

www.AenneGlienkeAgentur.de

Titel der Originalausgabe: Ein Jahr in Singapur

Auswandern auf Zeit

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal

Umschlagmotiv: © kanuman – iStock

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (E-Book) 978-3-451-81153-1

ISBN (Buch) 978-3-451-06934-5

Für Burkhard, der den Mut besaß,
den Stein ins Rollen zu bringen

Inhalt

Vorwort

Prolog

Februar

Asia light

März

Ein Maulwurf lernt Singlish

April

Mit Vogelgesang zur Armenspeisung

Mai

Radio Multikulti

Juni

Stinkfrucht, Englein und Promille

Juli

Am Nabel der Welt

August

Selamat Datang – Grüezi mitenand

September

Edelweiß und heiße Reifen

Oktober

Hoch, höher, am höchsten

November

Werden und vergehen

Dezember

Santa Claus is coming to town

Januar

Drachen, Dollar und Dämonen

Epilog

Vorwort

„Auswandern“ ist ein kraftvolles Wort, das für die Verwirklichung eines umfangreichen Projekts steht, für die damit verbundenen Ängste und Unsicherheiten, die besonderen Herausforderungen, neuen Chancen und persönlichen Veränderungen.

„Auswandern auf Zeit“ nimmt dem Ganzen ein wenig die Intensität, vermindert das Risiko und versieht das Auswandern sozusagen mit Netz und doppeltem Boden. Gleichzeitig birgt es für mich aber auch eine deutliche Mahnung: Nutze deine Zeit – sie ist begrenzt!

Diese Aufforderung habe ich ernstgenommen, meinen Aufenthalt in Singapur voll ausgekostet, die großen und kleinen Momente gelebt und alles ausprobiert und mitgenommen, was sich mir anbot. Nach einem Jahr Aufenthalt in Singapur war ich bereits so voll mit Geschichten, dass ich das Gefühl hatte, sie aufschreiben und teilen zu wollen.

Dieses Buch ist daher kein Reiseführer. Es geht weniger um Daten, Geschichts- und Einwohnerzahlen als vielmehr darum, das Lebensgefühl als Expat in dieser Stadt zu vermitteln. Anhand persönlicher Erlebnisse ist ein Alltagsführer entstanden, der dem Leser das Leben in diesem faszinierenden Mix aus fernöstlicher Tradition und westlicher Kultur näher bringen möchte.

Erst 2015, zwei Jahre nach meiner Rückkehr nach Europa und dem ursprünglichen Erscheinen dieses Buches, soll sich für mich die Gelegenheit ergeben, erstmalig wieder nach Singapur zu reisen.

Es ist nicht leicht, sich in diese neue Rolle einzufügen: Ich komme als Touristin, fühle mich aber wie zu Hause. Da ich keine feste Bleibe mehr habe, wohne ich in einem Hotel, bewege mich aber wie ein Einwohner durch die Stadt. Jede Straßenecke ist mir vertraut und weckt Erinnerungen. Altbekannte Düfte und Geräusche stürzen auf mich ein, ganz bewusst laufe und fahre ich die herkömmlichen Alltagswege von damals ab. Die Orientierung in der Stadt gelingt mühelos – die Zeit scheint stillgestanden zu sein, als hätte ich Singapur gerade erst gestern verlassen.

Und doch ist gerade hier die Veränderung allgegenwärtig: Der Bauboom ist unübersehbar, die neue U-Bahnlinie von der Marina Bay ist fertiggestellt und verbindet diesen äußersten Zipfel der Stadt nun mit dem City-Distrikt. Die „Gardens by the Bay“, deren Eröffnung ich damals gerade noch miterlebte, haben erheblich an Grün zugelegt und sind inzwischen mit Licht- und Musikshow zur neuen Touristenattraktion volviert. Am Stadtrand wurde der Zoo mit der sogenannten River-Safari um ein weiteres Areal erweitert. Die Keppel-Bay glänzt mit dem fertiggestellten Bau des Stararchitekten Libeskind, die Marina wurde für den Autoverkehr untertunnelt. Und weitere Projekte sind in Planung: Der Container-Hafen soll umgelegt, die Stadt von weiteren U-Bahnlinien durchkreuzt werden.

So großartig und beeindruckend diese dynamische, technische, gläserne Hochhauswelt auch ist, so bedauerlich finde ich es gleichzeitig, wie viel Altes dem Neuen weichen muss. Dies scheint der Grundtenor der singapurischen Städteplaner zu sein. Alles, was nicht innovativ, glänzend und makellos ist, wird abgerissen, zwangsmodernisiert. Ich kenne kaum eine Stadt, deren Gesicht sich in so kurzer Zeit so rasant verändert wie das von Singapur. Zum Glück machen die Planer wenigstens vor den ethnischen Vierteln halt, und so scheint Little India noch beinahe unberührt von jeglichen Neubau- und Design-Attacken. China Town besteht weiterhin – mit viel Respekt vor dem Alten liebevoll und aufwändig restauriert. Auch die berühmten Schwarz-Weiß-Häuser aus der Kolonialzeit sind denkmalgeschützt und bieten der Moderne mit erhabener Tradition die Stirn.

Ich streife durch unser ehemaliges Wohnviertel. Angesichts der Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit in dieser Stadt erfreut und berührt mich umso mehr die kleine Chinesin im Stoffladen an der Ecke, bei der ich damals hin und wieder etwas einkaufte und kurz Small Talk hielt. „I haven’t seen you for ages“, sagt sie beinahe vorwurfsvoll, als wäre sie meine beste Bekannte. „Where have you been so long?“

In diesem Moment wird mir bewusst: Auch wenn meine Spuren in dieser Stadt inzwischen verwischt sind, so habe ich hier doch mein Gesicht hinterlassen. Singapur wird mich immer wieder von neuem mitten ins Herz treffen.

Prolog

Mein Mann Burkhard behauptet immer, ich hätte ein „schlesisches Gemüt“. In der Tat stammen meine Vorfahren mütterlicher- wie väterlicherseits aus dem oberschlesischen Neustadt, das heute in Polen liegt. Burkhards Theorie lautet nun, dass meine Ahnen, während des Zweiten Weltkrieges aus ihrem angestammten Revier vertrieben, sicherlich viele Entbehrungen und Ängste durchleiden mussten. Deswegen sei das schlesische Gemüt eher grüblerisch, pessimistisch und wenig risikofreudig veranlagt. Es sei bescheiden und habe vor allem aber einen beachtlichen Hang zum Sparen!

Was mich und meine engsten Verwandten angeht, mag dies im Großen und Ganzen zutreffen. Nur eine lässt sich schwer in dieses Schema eingliedern: meine sechsundachtzigjährige Großtante Johanna! Zwar besitzt auch sie einen ausgeprägten Sparfimmel; ansonsten bemüht sie sich aber trotz ihres fortgeschrittenen Alters erfolgreich um eine positive Denkweise und ist erstaunlich energiegeladen. Dynamisch bekocht sie eben mal achtzehn Gäste mit Eisbein und Erbsenpüree. Locker harkt sie im Herbst pro Tag, ohne zu verzweifeln, zwei volle Säcke Laub in ihrem Garten zusammen. Großtante Johanna wohnt in Linz am Rhein, und genau zu ihr sind wir in diesem Moment an einem schönen Frühlingstag mit dem Auto unterwegs.

Wir befinden uns irgendwo auf der Autobahn zwischen Berlin und Köln, als Burkhard neben mir unruhig auf dem Beifahrersitz herumzurutschen beginnt und dann plötzlich die Bombe platzen lässt: ob ich mir eventuell vorstellen könne, mal für zwei oder drei Jahre mit ihm im Ausland zu leben? Er habe vielleicht ein Jobangebot für Singapur in Aussicht.

Singapur??? Wo um Himmels willen liegt denn das?

Burkhard ist Diplomingenieur und auf Hochsicherheitslabore spezialisiert. Für den asiatischen Raum würden da immer mal wieder Fachkräfte gesucht, erklärt er mir. Aha, Asien also! Vorerst wisse er aber nichts Genaues, es könne sein, dass das Projekt niemals spruchreif werde. Ich solle mir daher weiter keine Gedanken machen! Somit legen wir das Thema vorerst ad acta. Bei Gelegenheit schaue ich aber dennoch heimlich auf der Weltkarte nach, wo Singapur sich denn nun eigentlich genau befindet. In Südostasien, am untersten Zipfel Malaysias, vom Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer umgeben, entdecke ich schließlich die kleine unscheinbare Tropeninsel.

Einen Monat später wird Burkhard tatsächlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Nun beginnt sich mein schlesisches Gemüt sorgenvoll zu regen. Ich fange an, mir ernsthafte Gedanken zu machen. Was, wenn Singapur tatsächlich Realität wird? Was, wenn uns wirklich bald ein Umzug in tropische Gefilde ins Haus steht? Um die Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, beschaffe ich mir weitere Informationen. Ich erfahre, dass es sich um eine ehemalige englische Kolonie handelt, die sich heute als moderner Stadtstaat präsentiert, in dem ein buntes Völkergemisch friedlich zusammenlebt. Ich lese von riesigen, luxuriösen Shoppingmalls in einem großen, nicht korrupten Finanz- und Wirtschaftszentrum mit der höchsten Millionärsdichte der Welt. Die Währung ist der Singdollar, und man kann das Leitungswasser aus dem Hahn trinken. Ich erfahre ferner von viel tropischem Grün inmitten einer Hochhausmetropole und vom legendären Cocktail Singapore Sling. Insgesamt, so heißt es immer wieder, sei Singapur eher „Asia light“, da sehr westlich orientiert, sowie äußerst sauber und fortschrittlich. Der Europäer habe meist keine Schwierigkeiten, sich dort einzugewöhnen.

Egal, ob „Asia light“ oder nicht: Dies alles trägt nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei. Im Gegenteil! Wie, frage ich mich sorgenvoll, passen eine luxuriöse Glamourmetropole und ein sparsames, bescheidenes schlesisches Gemüt zusammen? Wie soll ein auf Sicherheit und Sesshaftigkeit bedachter Charakter nun auf einmal in die Tropen umsiedeln, wo ihn neben gemeinen Krankheiten wie Malaria auch noch Abenteuer und wilde Tiere erwarten? Richtig aus der Bahn wirft mich allerdings die Bemerkung eines Freundes, der zum Thema Singapur nur trocken anmerkt: „Ach, das ist doch die Stadt mit den vielen Strafen!“

Strafen? Ich erweitere meine Studien und stoße tatsächlich auf einen Artikel, der süffisant den gängigen Slogan „Singapore is a fine city“ erwähnt, wobei „fine“ doppeldeutig im Sinne von „schön“ oder auch mit „Geldstrafe“ übersetzt werden kann. In dem Absatz über Strafgebühren lese ich dann haarsträubende Dinge: Der Bußgeldkatalog fängt mit 500 Singdollar (circa 250 Euro) für Essen oder Trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln noch billig an. Er steigert sich dann auf umgerechnet 500 Euro für Vergehen wie Rauchen in verbotenen Zonen, Kaugummi-Ausspucken oder Abfallauf-die-Straße-Werfen. Wiederholungstaten kosten einen gar umgerechnet tausend Euro. Krönender Abschluss sind bis zu sechs Monate Gefängnis für das wiederholte Überqueren einer roten Fußgängerampel und letztendlich die Todesstrafe, wenn man sich gar mit Drogen erwischen lässt.

Obwohl ich mit Rauchen und Drogen nichts am Hut habe, plustert sich mein schlesisches Gemüt angesichts dieses Bußgeldkataloges zur vollen Größe auf. Lauert denn in dieser Stadt hinter jedem Tropenbusch ein Polizist mit Strafzettelblock und Peitsche? Ich versuche mich zu erinnern, wie häufig ich in meiner Heimatstadt Berlin durchschnittlich pro Woche über eine rote Ampel gehe. Dies multipliziere ich jetzt gewissenhaft mit der Zahl Sechs und erhalte ein horrendes Produkt an drohenden Gefängnismonaten. Oh, mein Gott! Und das soll „Asia light“ sein?

Die kommenden Tage machen eines deutlich: Das Leben ist nicht immer in solch ruhigen Bahnen planbar, wie ein schlesisches Gemüt es sich ausmalt. Burkhard erhält eine Zusage. Er hat den Job! Wir beschließen nun tatsächlich, gemeinsam die Kulisse zu wechseln, um für die nächsten drei Jahre das Abenteuer Singapur anzugehen.

Ich schreibe dies hier jetzt so locker hin. In Wirklichkeit ist das ein sehr kräftezehrender Prozess. Mit „Ich bin dann mal weg“ ist es hier keinesfalls getan. Alles will gut durchdacht und organisiert sein. Andernfalls läuft man Gefahr, am Zielort Sozialhilfeempfänger zu werden oder obdachlos zu sein. Auch die Situation nach der Rückkehr will gut überlegt sein, sonst wird man nämlich spätestens dann Sozialhilfeempfänger oder obdachlos. Wem danach nicht der Sinn steht, muss eines tun: PLANEN! Dieses kleine Wörtchen beinhaltet viele schlaflose Nächte, etliche auszufüllende Formulare, zermürbende Telefonate mit diversen deutschen Behörden, das Heulen von Rotz und Wasser, eine komplett undurchschaubare Steuererklärung, Erkundigungen bei verschiedenen Umzugsunternehmen und irgendwann ein Aufatmen: geschafft! Jetzt erst, und wirklich dann erst sollte man anfangen, auf Wiedersehen zu sagen und den persönlichen Koffer zu packen …

Februar

Asia light

In meinem Fall wiegt der Koffer dreißig Kilo und fügt mir beinahe einen Bandscheibenvorfall zu, während ich ihn an einem kalten Morgen im Februar die vier Treppen unseres Berliner Altbaus hinunterwuchte. Von der Wohnung hier können wir uns nicht trennen. Schließlich sind wir erst vor einem Jahr eingezogen und haben sie uns so richtig gemütlich gemacht. Trotz der frühen Morgenstunde und der fiesen winterlichen Minusgrade ist eine treue Eskorte von Freunden und Kollegen zum Flughafen gekommen, um mich zu verabschieden. Das rechne ich ihnen hoch an, und auf meinem Flug nach Frankfurt schniefe ich beim Frühstückskaffee ein wenig vor mich hin. Dort angekommen habe ich keine Zeit mehr zum Heulen, schließlich muss ich den Flieger nach Singapur kriegen …

Es schließen sich zwölf Stunden in atmosphärischen Höhen über verschiedenen Kontinenten an. Dann landet mein Flugzeug im Morgengrauen endlich auf dem Changi Airport im Osten Singapurs. Ich entfalte nach dem langen Flug selig meine Beine und setze den ersten Fuß auf asiatische Erde. Von nun an gelte ich in Singapur als „Expat“ (Expatriate = Auswanderer) und bei den Asiaten als „Langnase“.

Genau genommen ist dies bereits mein zweiter Besuch auf dem Changi Airport. Vier Monate vorher bin ich zusammen mit Burkhard das erste Mal für zwei Wochen in unser zukünftiges Gastland gereist. Wir wollten testen, wie sich Singapur „anfühlt“, und vor allem hatten wir die Aufgabe, uns dort eine Wohnung zu suchen.

Was die Wohnungssuche anging, griff Burkhards neue Schweizer Firma diesbezüglich hilfreich ein und stellte uns eine Wohnungsmaklerin zur Verfügung. Unsere soll eine Chinesin namens Patricia sein. So klingelt, kaum, dass wir damals in Singapur im Hotel angekommen waren, gleich das Telefon. „This is Patricia, darling!“, meldet sich unsere Maklerin mit einer sehr eigenen, langgezogenen Intonation. Dabei zieht sie das Wort „darling“ so gekonnt mit ihrem eigenen Namen zusammen, dass es sich eher anhört wie „Patriciadarläääng“. Burkhard verkneift sich ein Lachen und verabredet sich mit Patriciadarläääng für 10.00 Uhr in der Hotellobby.

Sechzig Minuten später begrüßt uns eine kleine, schmale Chinesin, die gern und viel mit weit aufgerissenem Mund lacht und immer unter Zeitdruck zu stehen scheint. Auch jetzt fackelt sie nicht lange und verfrachtet uns kurzerhand in ein gemietetes Taxi. Dort bekommen wir von ihr einen Stapel Karteikarten mit diversen Adressen und Quadratmeterzahlen in die Hand gedrückt. Gleichzeitig unterweist uns Patriciadarläääng, dass wir am Zielort auf einen Gegenagenten stoßen werden, der uns die Wohnung selbstverständlich schönreden wird, egal, wie sie aussieht. Auch wenn wir noch so sehr Gefallen an dem Apartment finden sollten, rät sie uns dringend, ein Pokerface aufzusetzen, um den Preis nicht in gigantische Höhen zu treiben. Das Verhandeln sollen wir ihr überlassen. Wir versprechen, unser Bestes zu geben, und los geht’s.

Die erste Wohnung liegt im 19. Stock eines modernen Hochhauses. Patriciadarläääng scheint nicht gewusst zu haben, dass dieses direkt an einem Verkehrsknotenpunkt liegt, registriere ich verwundert. So erhebt sich der Wohnblock inmitten tosenden Verkehrs. Es handelt sich bei diesem Hochhaus um eine typische Wohnanlage, die Condominium, kurz Condo, genannt wird (von lateinisch „con-dominium“ = „gemeinsames Eigentum“). Dies ist eine der Hauptwohnarten für Expats in Singapur. Zuerst passieren wir, vom Verkehrslärm begleitet, einen Swimmingpool, der allen Hausbewohnern zur Verfügung steht, wie wir von unserer Maklerin erfahren. Dann fahren wir mit dem Fahrstuhl in den 19. Stock, wo wir nun vom chinesischen Gegenagenten begrüßt werden. Vor der Wohnung ziehen wir uns nach asiatischer Sitte die Schuhe aus und betreten nun zum ersten Mal singapurische Wohnlandschaft. Das Apartment ist noch an eine chinesische Familie vermietet, die sich eigens für die Besichtigung um den Wohnzimmertisch versammelt hat. Wir grüßen freundlich zurück und durchschreiten nun ihre hundertzwanzig Quadratmeter. Während uns der Gegenagent in gebrochenem Englisch die angeblichen Vorteile des Apartments anpreist, registriere ich belustigt die Zeichen und Gesten, die mir die chinesische Oma hinter seinem Rücken macht. Sie versucht uns unmissverständlich klarzumachen, dass wir in dieser Wohnung aufgrund des tosenden Verkehrslärms nie und nimmer des Nachts ein Auge zumachen werden. So viel ist klar! Ich halte ihr hinter dem Rücken des Agenten verschwörerisch den Daumen hoch, als Zeichen, dass ich verstanden habe. Diese Wohnung ist ganz sicher nicht das Ziel unserer Träume. Es wäre ja auch zu großes Glück gewesen, gleich bei der ersten Besichtigung einen Treffer zu landen. So verabschieden wir uns höflich, und weiter geht’s zum nächsten Condo.

Das ist diesmal nicht an einem Hauptverkehrsknotenpunkt gelegen, und ich schöpfe Hoffnung. Auch hier passieren wir zunächst den Swimmingpool und gelangen zusammen mit Patriciadarläääng und dem Gegenagenten mit dem Fahrstuhl in den 24. Stock des modernen Komplexes. Das Apartment ist unbewohnt und begrüßt uns mit angenehmer, dämmriger Kühle. Voller Freude registrieren wir eine saubere, helle Küche, den großen Wohn- und Essbereich, ein Arbeitszimmer und zwei geschmackvolle Bäder. Dann betreten wir das geräumige Schlafzimmer. Während Burkhard und ich uns noch fragen, woher auf einmal der unbeschreibliche Lärm kommt, hat Patriciadarläääng schon die schweren dunklen Vorhänge vor den Fenstern aufgezogen: Entgeistert starren wir auf das höhlenartige Gerippe einer zwanzigstöckigen Großbaustelle, auf der gerade Hochbetrieb herrscht! Um diese bräuchten wir uns nicht weiter zu kümmern, erklärt uns der Gegenagent freudestrahlend. Schließlich würde in Singapur Tag und Nacht auf den Baustellen gearbeitet, und somit dürfte sich auch unsere hier in spätestens vier Monaten erledigt haben und wieder Ruhe einkehren! Vier Monate lang schlaflose Nächte? Burkhard und ich wechseln einen entsetzten Blick. Wir sind uns einig: auf keinen Fall! Also wieder rein ins Taxi und auf zum nächsten Condo.

Der Gegenagent ist jetzt eine Frau, die aussieht wie eine chinesische Barbiepuppe. An ihr scheint alles künstlich zu sein: ihre aufgehellte gelockte Haarmähne, die langen Plastikwimpern und der für eine Asiatin gigantisch große Busen. In der Tat berichtet sie uns ungefragt, dass sie sich heute noch ein wenig unpässlich fühle. Schließlich hätte sie sich gerade erst vor wenigen Tagen die obere Lidfalte umoperieren lassen. Während sie uns nun auf beachtenswert hohen Absätzen vorausstöckelt, werden wir von Patriciadarläääng schnell aufgeklärt, dass das chinesische Schönheitsideal anstelle von schmalen, mandelförmigen nun mal eher große, runde Augen vorsehe, wie wir Europäer sie im Allgemeinen zu besitzen pflegen. Aha! Das denken wir auch, als wir das Apartment besichtigen. Auch hier zeigt sich wieder das für singapurische Wohnungen gängige Prinzip: Betritt man die Wohnfläche, fällt man zunächst (ähnlich wie in Amerika) in einen großen Wohn- und Essbereich. Hier schließt sich direkt die Küche an, häufig offen konzipiert und nur durch einen Tresen vom Wohnraum getrennt. Sie umfasst am Ende stets einen kleinen Waschküchenbereich, manchmal noch eine Toilette, aber immer einen „Bomb Shelter“. Zunächst halten wir den für eine gemauerte Vorratskammer, da fensterlos und den Maßen nach so beschaffen, dass man mühelos vier schmale Regale in ihr unterbringen könnte. Stattdessen werden wir von der Barbiepuppe aufgeklärt, dass er stahlträgerdurchzogen und erdbebensicher konzipiert sei. Somit könnten wir in ihm auch eventuelle Angriffe aus Malaysia unbeschadet überstehen. Ich staune sehr: Zwar wusste ich, dass Singapur und sein malaiischer Nachbar sich nicht wirklich grün sind und hin und wieder Streitigkeiten aufkommen; nach Aussage der Maklerin scheinen wir uns aber sogar im Kriegsgebiet zu befinden. Burkhard erklärt mir diesbezüglich, das sei völliger Quatsch. Ansonsten hat auch dieses Apartment einen kleinen Flur mit diversen Zimmern sowie zwei weitere Bäder zu bieten. Ein Balkon ist leider nicht vorhanden, aber auch nicht weiter nötig. Schließlich führt direkt an den Fenstern unten wieder eine Hauptstraße vorbei. Vier Spuren in jede Richtung zählen wir. Das macht zusammen achtmal lauten, stinkenden, singapurischen Straßenverkehr. Seufz! Irgendwie hatten wir uns das mit der Wohnungssuche einfacher und beschaulicher vorgestellt.

Patriciadarläääng aber kennt keine Gnade. Sie ist noch nicht fertig für heute. Es gilt, vier weitere Wohnungen zu besichtigen. Auch bei denen wird sich leider zeigen, dass sie entweder einen schmuddeligen Küchenbereich, Hochhausbaustellen vor dem Wohnzimmerfenster, verdächtige Baugruben in der Nachbarschaft oder lärmverstopfte Kreuzungen vor der Haustür aufzuweisen haben. Inzwischen fangen all diese Wohnungen an, vor unseren Augen zu einem verwirrenden Einheitsbrei zu verschwimmen. Das ist letztlich aber auch egal; denn wir sind uns einig: Wir wollen keine von ihnen. Außerdem sind wir jetzt erschöpft, müde und hungrig. Patriciadarläääng sieht ein, dass für heute Schluss sein muss, und verabredet sich mit uns für den nächsten Tag.

Auch an diesem und am übernächsten Tag wird es uns gleich ergehen. Jeweils sieben Wohnungsbesichtigungen stehen auf dem Programm. Nach unserem deutschen Empfinden sind all die gezeigten Apartments absolut indiskutabel. Ich fange an, langsam richtig frustriert zu sein, sehe ich mich doch in einem dieser elendig lauten, von Baustellen umzingelten Hochhausklötze die nächsten drei Jahre mein Leben fristen. Mein schlesisches Gemüt mault und quengelt: „Siehst du, das hast du jetzt davon!“

Nach der einundzwanzigsten Wohnung schließlich kommt die heilige Jungfrau Maria mit ins Spiel, zu der Patriciadarläääng nun beten will. Sie sei nämlich zum katholischen Glauben übergetreten, erklärt sie, nachdem ihr zweimal mitten im quirligen Business District auf einer der Hauptstraßen Singapurs am helllichten Tage die Jungfrau Maria im blauen Mantel erschienen sei. Wie bitte? Verblüfft registrieren wir, dass wir erst in diese asiatische Megametropole ans andere Ende der Welt reisen mussten, um zwischen luxuriösen Hochhausbauten von einer chinesischen Intellektuellen etwas über Marienerscheinungen im Straßenverkehr zu erfahren. Aber uns ist jedes Mittel recht. Soll sie beten!

Bis heute wissen wir nicht, ob es nun an Patriciadarlääängs intensiven Zwiegesprächen mit der Jungfrau lag oder einfach nur am Zufall: Die nächste Wohnung jedenfalls, auf die wir treffen, die ist es. Wir wissen es in dem Augenblick, in dem wir über die Schwelle treten. Obwohl es draußen regnet, ist es drinnen hell und freundlich, bedingt durch riesige Glasfronten, die bis zum Fußboden hinunterreichen. Das Apartment präsentiert sich uns mit einem großzügigen Wohnzimmer, einem topmodernen offenen Küchenkonzept, zwei Bädern und zwei weiteren Zimmern. Selbstverständlich ist auch hier der kleine „Bomb Shelter“ vorhanden. Vor allem aber hat das Apartment zwei große Balkone, von denen der eine beinahe schon die Ausmaße einer Terrasse besitzt und in der einen Ecke nach Feng Shui einen kleinen, viereckigen Teich aufweist. Das gesamte Condominium ist nur fünf Stockwerke hoch, üppig begrünt und vor allem gänzlich unbeleckt von irgendwelchen Baustellen in der Nachbarschaft. Wir atmen auf. Hier wollen wir hin! Hier werden wir uns wohlfühlen!

Ich verspreche Patriciadarläääng einen selbstgebackenen deutschen Käsekuchen, wenn sie es möglich macht, dass wir hier binnen kürzester Zeit einziehen können. Sie lacht so laut, dass wir ihr Gaumenzäpfchen sehen können, und legt sich ins Zeug. Einen Tag später unterschreiben wir den Mietvertrag.

Die zweite Woche unseres Urlaubs in Singapur verbringen wir bei IKEA. Selbst hier in Asien ist der gelb-blaue schwedische Möbelgigant also angekommen. Grundsätzlich ist das Sortiment gleich, nur die Nachschubbedingungen sind aufgrund der geografischen Lage Singapurs ein wenig erschwert. So kann es sein, dass man mehrere Monate auf das nächste Containerschiff warten muss, das endlich die ersehnten Kaffeebecher in der Farbe Grün oder das Sitzkissen „Mölmö“ mit dem fröhlichen Kringelmuster nachliefert.

Für mich heißt es nun, für die nächsten drei Monate noch einmal zurück ins kalte Deutschland fliegen, um dort als Lehrerin meinen Arbeitsvertrag vorschriftsmäßig zu erfüllen. Burkhard hingegen bleibt in Singapur und muss am kommenden Montag bereits seinen neuen Job antreten …

Drei Monate später nun steht er erwartungsfroh winkend hinter der Glasscheibe, als ich mit meinem Dreißig-Kilogramm-Rückgratbrecher durch die letzte Passkontrolle geschwankt komme. Wir fallen uns in die Arme – egal, was die Asiaten um uns herum denken mögen! Ein Flughafen ist schließlich ein Ort, der zum Küssen und Heulen da ist. Nun steuern wir geradewegs den nächsten Taxistand an und erwischen dort statt der üblichen, einfachen Karosse eine Luxuslimousine. Die kostet zwar das Doppelte, angesichts der Feier des Tages empfinden wir den Bentley aber als durchaus angemessen. Sein Besitzer wuchtet mit weißen Handschuhen mein Gepäck in den Kofferraum und deckt das schwere Ungetüm noch liebevoll mit einem schwarzen Tuch zu. Burkhard und ich nehmen auf der edel gepolsterten Lederrückbank Platz. So brause ich nun – wie eine Königin auf dem Thron sitzend – mit hundert Sachen meinem zukünftigen Zuhause entgegen.

Kaum habe ich in unserer neuen Wohnung den Koffer abgestellt und den Strauß roter Rosen bewundert, den Burkhard mir zur Begrüßung gekauft hat, klopft es an der Tür. Vor uns steht eine Asiatin, die sich mithilfe eines Ausweises als Mitglied der NEA (Nationale Umweltbehörde) vorstellt und Einlass in unsere Wohnung wünscht. Was bleibt uns Überrumpelten anderes übrig, als sie gewähren zu lassen. Als erstes nimmt sich die Dame den Balkon vor. Dort schnüffelt sie in unseren Blumentöpfen herum auf der Suche nach ungebetenen Mückenlarven. Diese unheilvolle Brut bringt unter Umständen Malaria und Denguefieber mit sich, erfahren wir. Deswegen sollen wir immer darauf achten, dass kein stehendes Wasser am Boden der Blumentöpfe zurückbleibt. Gott sei Dank haben unsere Töpfe unten alle ein Loch. Somit sind wir dieses Problem los. Auch den Teich inspiziert sie eingehend und kann nichts Kriminelles entdecken. Nun begibt sie sich nach drinnen ins Bad. Dort registriert sie erfreut, dass unsere Klodeckel wie in jedem anständigen Haushalt geschlossen sind. Sonst nämlich, erklärt sie uns, könnten Mücken in der Schüssel brüten. Angesichts des stark nach Chemie riechenden WC-Hängers, den Burkhard dort deponiert hat, regen sich bei mir leise Zweifel. Außerdem, finde ich, sollten Toilettenschüsseln nun wirklich Privatsphäre bleiben. Ich bleibe aber ruhig; schließlich bin ich erst seit zwei Stunden im Land und kann in Sachen Mücken noch nicht richtig mitreden. Außerdem habe ich noch bestens den horrenden Bußgeldkatalog im Kopf. Eingehend inspiziert die Dame vom Gesundheitsamt unsere Klobürstenhalterungen. Zum Glück hat sich auch dort kein stehendes Wasser gebildet. Sie nimmt unseren tadellos mückenfreien Zustand von Wohnung und Balkon in ihr Protokoll auf und attestiert uns vorerst Straffreiheit. Somit entgehen wir einem Bußgeld von umgerechnet hundert Euro, wie wir später erfahren sollen. Dann droht sie uns noch nett lächelnd an, bald wieder mal vorbeizuschauen, und entschwindet mit freundlichem „Bye-bye!“.

Nach dieser glimpflich abgelaufenen Blumentopfkontrolle frühstücken wir erst einmal bei blauem Himmel auf unserem Balkon, in dem beruhigenden Wissen, dabei nicht von Denguefieber bringenden Mückenlarven umgeben zu sein. Dann geht es los: Burkhard hat in den vergangenen drei einsamen Monaten etliche Ideen und Energien angestaut. Deswegen bekomme ich gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft in Singapur ein Fahrrad gekauft. Nachdem wir mit diesem die nähere Umgebung erkundet haben, schleppt mich mein Mann zum fünfstündigen Wandern in den Naturpark.

Ich lerne an diesem Tag mehrere Dinge. Erstens: In diesem Land muss man mindestens dreimal am Tag duschen. Und zweitens: Jederzeit muss hier damit gerechnet werden, dass der Himmel seine Schleusen öffnet und sich in Form eines Tropenregens über das europäische Haupt ergießt. Drittens: Obwohl ich mit dem Rad mindestens dreimal absolut verboten auf dem Bürgersteig gefahren bin und wir sogar einmal über eine rote Ampel liefen, haben wir noch keine Strafgebühr aufgebrummt bekommen und sitzen noch nicht im Gefängnis. Es scheint also nicht hinter jeder Palme ein Polizist hervorzuspringen. Trotz „Asia light“ ist mein Kopf voll mit neuen Eindrücken und Bildern.

Am Abend darf ich dann endlich meinen total übermüdeten, jetlaggeplagten Körper in das neue IKEA-Bett legen. Augenblicklich falle ich in den Tiefschlaf und schlummere nun mit wirren Träumen unserem dreijährigen Abenteuer Singapur entgegen.

Bei einem Condominium handelt es sich – getarnt als harmlose Wohnanlage oder als modernes Hochhaus – in Wirklichkeit um ein „Luxus-Ghetto“ für Expats. Dieses hat, wenn es halbwegs etwas auf sich hält, in der Regel folgende Einrichtungen zu bieten: einen Swimmingpool, einen Fitnessraum, einen „Function Room“, ein Office fürs Management, ein Guard-Haus sowie mindestens ein sprudelndes Gewässer in Form eines Teiches oder Brunnens. Manchmal kommen noch ein Tennisplatz, ein Jacuzzi, Grillplätze und diverse Kinderspielecken hinzu. Ähnlichkeiten mit Vier-Sterne-Resorts oder modernen Hotelanlagen sind nicht ausgeschlossen. Außer den meist zur Miete wohnenden Expats leben und bewegen sich in dieser Kunstblase des Condominiums auch noch wohlhabende Singapurer, die hier häufig eine Eigentumswohnung erworben haben.

Schon nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass Burkhard und ich – zumindest, was unser Condo angeht – nicht in das typische Bild der Expat-Familie passen. Bei dieser ist die Frau nämlich vor allem erst einmal schwanger, wobei bereits unterschiedlich viele Kinder um sie herumspringen. Burkhard und ich haben weder schon Kinder, noch bin ich in anderen Umständen. Somit fallen wir eindeutig durch das Raster. Es gibt aber weitere entscheidende Kriterien, die uns zu Aussätzigen werden lassen: Wir haben keine „Maid“ und wir nutzen unseren Balkon, um möglichst oft draußen zu sitzen. Beides ist hier ganz und gar nicht selbstverständlich.

Die Maid heißt politisch korrekt eigentlich „Domestic Helper“ und ist kostengünstig Putzfrau, Kindermädchen und Köchin zugleich. In den meisten Fällen stammt sie von den Philippinen und wohnt als Angestellte für einige Jahre im Haushalt wohlhabender Singapurer oder der Expat-Familien. Zu diesen Zwecken wird ihr, wie wir zu unserem Entsetzen erfahren, in der Regel der „Bomb Shelter“ als Behausung zur Verfügung gestellt. Am Anfang halten wir dies für einen schlechten Witz, müssen aber im Laufe der Zeit feststellen, dass es leider der Realität entspricht. Über die „Domestic Helper“ höre ich immer wieder die unterschiedlichsten Geschichten im Condo. Manche schätzen die Arbeit ihrer Helfer sehr und sind äußerst zufrieden mit ihnen. Auch wird mir von den traurigen Schicksalen der Frauen berichtet, die zum Teil ihre eigenen Familien und Kinder in der Heimat zurückgelassen haben, um nun durch das Hüten fremder Kinder ihr Geld zu verdienen. Häufig stammen sie aus einfachen Verhältnissen, sind noch sehr jung und besitzen kaum Bildung. Zum anderen wird mir erzählt, wie die Mädchen sich wohl heimlich an den Kleiderschränken der Gastfamilie bedienen, Gerüchte über diese verbreiten oder Gegenstände klauen. Da der Staat sexuelle Übergriffe oder gar Prostitution fürchtet, ist es alleinstehenden Männern hier in Singapur nicht gestattet, einen weiblichen „Domestic Helper“ im Haushalt wohnen zu haben. Verhindern kann die Regierung allerdings nicht, dass hin und wieder mal ein Expat-Gatte die Maid der Familie schwängert. Diesbezüglich dringen wiederholt Geschichten an unser Ohr oder sind in der Zeitung zu lesen. In diesem Fall muss die Maid nach singapurischem Gesetz sofort ihre Sachen packen und das Land verlassen.

Burkhard und ich sind uns einig, keinen „Domestic Helper“ zu benötigen. Da mein Leben hier in dieser Kunstblase außer dem Hausfrauendasein noch keine andere Tätigkeit für mich bereithält, möchte ich mir diese nicht auch noch nehmen lassen. Außerdem wäre uns beiden ganz und gar nicht wohl dabei, einen lebendigen Menschen in unsere Vorratskammer ohne Fenster zu sperren.

Wie ich schon angedeutet habe, gibt es auch bei der Nutzung der Balkone und Terrassen große Differenzen zwischen uns und den Nachbarn, egal, ob asiatisch oder europäisch. Immer wieder stellen wir erstaunt fest, dass wir meistens die Einzigen sind, die sich dort draußen vergnügen. Auch wenn die anderen teilweise superteure Equipments an Gartenmöbeln und Sonnenschirmen aufgebaut haben, werden diese auch bei herrlichstem Wetter selten bis gar nicht genutzt. Dieses Rätsel werden wir die gesamten drei Jahre hindurch nicht lösen. Wir genießen jedenfalls die ständig lauen Sommerabende auf unserem Balkon.