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Über das Buch

Breifrei!
goes Veggie

Babys etwa ab dem 7. Monat können wunderbar als kleine Selbstesser am Familienessen teilnehmen. Eltern, die gerne auf tierische Produkte verzichten, stellt sich dabei die Frage, ob auch eine pflanzenbasierte Nahrungseinführung möglich ist. Alle notwendigen Informationen dazu stellt das Erfolgsduo Loretta Stern und Anja C. Gaca in diesem Buch bereit, zusammen mit 80 rein pflanzlichen Rezepten des veganen Szenekochs Björn Moschinski – für leckere und gesunde Mahlzeiten, die der ganzen Familie Spaß machen.

Frühstücksideen Snacks Hauptgerichte Smoothies Dips und vieles mehr

Loretta Stern Anja Constance Gaca Björn Moschinski

Breifrei!
Das Veggie-Kochbuch

80 einfache Rezepte für Babys
und die ganze Familie

Fotos von Maike Jessen
und Susanne Krauss

Kösel

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Hinweis:

Der Inhalt dieses Buches basiert neben wissenschaftlichen Empfehlungen auf der Erfahrung der Autoren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies gilt auch für etwaige Produktnennungen. Die Lektüre dieses Buches ersetzt nicht die ärztliche oder diätologische Beratung. Sollten Sie unsicher sein, ob Ihr Kind ausreichend gut gedeiht und versorgt ist, begeben Sie sich bitte in kinderärztliche Behandlung. Eine Haftung vonseiten der Autoren oder des Verlags ist ausgeschlossen.

Copyright © 2017 Kösel-Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlag: Weiss Werkstatt, München

Umschlagmotiv: Evgeny Atamanenko, AS Food studio, HARNZING, Tanapat Phuengpak, sss615, Yossi James, Mikhail Martynov, oxyzay/Shutterstock

Food Fotografie und Styling: Maike Jessen | www.maikejessen.de

Foodstyling: Pia Westermann

mit Ausnahme von Susanne Krauss (Einleitungsteil)

Wir danken für die freundliche Unterstützung der Fotoproduktion:

Bridget Bell | bridgetbell-countrystyle.de

Autorenfoto Loretta Stern & Anja Constance Gaca: © Markus Nass

Autorenfoto Björn Moschinski: © Stefano Vicinoadio Photographie

Layout, Illustration und Satz: Nadine Clemens, München

ISBN 978-3-641-21825-6
V001

www.koesel.de

Inhalt

Vorwort der Autorinnen

Veggie für Babys? Na klar!

Breifrei – ein Wort vorweg

Muttermilch oder Formulanahrung?

Vorteile breifreier Beikost

Volle Pflanzenkraft voraus!

Björn – warum ich mich vegan ernähre

Pflanzlich basierte Kost – was man wissen muss

Babys vegan ernähren – darf man das? Wir haben den Experten gefragt!

Breifrei-Fakten, praktisch gebündelt

Bitte unbedingt beachten!

Wann ist Ihr Kind bereit für Beikost?

Wichtig: eine baby- und elternfreundliche Essumgebung

Die Angst vor dem Verschlucken

Wohlfühltipps für alle Beteiligten

Was kommt auf den Teller?

Gemüse

Obst

Fette, Öle und Streichfette

Muttermilch, Säuglingsmilch und pflanzliche Milchalternativen

Getreide

Salz, Gewürze und Kräuter

Zucker und Süßigkeiten

Lieber nicht!

Nährstoffe

Wählerische Esser

Warenkunde: Einkauf und Vorratshaltung

Biologisch, regional und saisonal

Saisonkalender

Vorräte

Gewusst, wie – der Kochalltag mit Baby

Darf mein Kind das jetzt wirklich alles essen?

Ran an die Töpfe: Die Rezepte

Frühstücksideen & Smoothies

Aufstriche, Dips & Co

Snacks & Fingerfood

Suppen

Hauptgerichte

Saucen & Pesto

Sweets

Anhang

Die Autorinnen und der Koch

Dank

Anmerkungen

Rezeptregister

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie bei eigentlich allen Babythemen gibt es auch bei der Beikost nicht nur einen einzigen gangbaren Weg, so viel ist heutzutage klar. Der Einheitsbrei für alle Kinder kann und muss es wirklich nicht sein, jede(r) sollte in seinem eigenen Tempo und in einer für sie oder ihn passenden Weise von der Milch zur festen Nahrung übergehen. Jedoch muss dieses Konzept auch für den Rest der Familie Sinn ergeben; nirgendwo steht geschrieben, dass man seinem Kind alles anbieten muss, was in jedem entfernten Winkel dieser Welt so alles an seltsamen Dingen verspeist wird.

Im Gegenteil, um die Angelegenheit für alle Beteiligten erfreulich und in den Alltag integrierbar zu machen, sollte das Baby am besten von Anfang an direkt am Familientisch die ersten Esserfahrungen machen. Heißt: Wenn Mama sich nicht vorstellen kann, Fleisch zu essen, muss sie ihrem Kind auch mitnichten ein Schnitzel braten.

Wie kann ich jedoch sicherstellen, dass mein Nachwuchs ausgewogen und umfassend versorgt ist, wenn ich nicht möchte, dass er tierische Produkte zu sich nimmt? Worauf muss ich bei einer rein pflanzlichen Ernährung achten, was ist von besonderer Bedeutung, was ist bei Kindern vielleicht anders als bei Erwachsenen?

Mit diesem Praxisbuch wollen wir Ihnen gebündeltes Wissen und vor allem passende Rezepte an die Hand geben, mit deren Hilfe Sie die ebenso entspannte wie praktische Methode der Beikost nach Bedarf auch auf dem rein pflanzlichen Weg durchführen können.

Sollten Sie sich erst an einem Punkt befinden, an dem Sie grundsätzlich darüber nachdenken, ob diese Vorgehensweise der selbstbestimmten Nahrungseinführung in Ihr Leben und zu Ihrem Kind passt, empfehlen wir nach wie vor, sich erst einmal umfassend zu informieren, zum Beispiel im Theoriewerk Einmal breifrei, bitte!, ebenfalls in diesem Verlag erschienen.

Natürlich liefern wir Ihnen auf den folgenden Seiten in der Kurzfassung auch noch einmal die wichtigsten Fakten, jedoch ist es in dieser Angelegenheit wirklich wichtig und notwendig, sich zunächst einen gründlichen theoretischen Überblick zu verschaffen. Zum einen für Ihr Baby und dessen Sicherheit und Gesundheit, zum anderen für Sie, um sich eine innere Souveränität und Gelassenheit anzueignen, die Sie in diesem Selbstesser-Abenteuer gut gebrauchen können.

Tun Sie sich also bitte selbst den Gefallen und überspringen Sie diesen Schritt der theoretischen Vorbereitung nicht, darum möchten wir Sie hiermit in aller Deutlichkeit bitten.

Sollten Sie schon im Besitz unseres ersten Breifrei!-Kochbuches sein, werden Sie möglicherweise an der einen oder anderen Stelle des Informationsteils das Gefühl haben, dass wir uns wiederholen.

Das müssen wir! Um diejenigen Eltern ins Boot zu holen, für die omnivore Ernährung keine Option ist und die deshalb erst mit diesem Buch ins »Praxisgeschäft« einsteigen werden.

Sehen Sie uns also bitte gefühlte Wiederholungen nach. Das Thema liegt uns sehr am Herzen, und wir möchten Sie bestmöglich vorbereiten.

Sehr glücklich macht uns, dass sich diesmal Björn Moschinski, Experte für gesunde und vor allem auch nachhaltige pflanzliche Ernährung, bereit erklärte, für uns an den Töpfen zu zaubern. Der Koch, Unternehmer und Autor erfolgreicher Bücher wie Vegan kochen für alle steht für eine vegane Lebensweise ohne Verzicht und zeigt mit einfachen Mitteln, wie diese mit Hochgenuss funktionieren kann – insbesondere auch für die kleinsten Esser.

Wenn diese dann noch genau die gleiche Nahrung verspeisen dürfen wie ihre Bezugspersonen, wenn sie erleben, wie viel Freude eine gemeinsame Mahlzeit bereitet, und wenn sie sich auch noch direkt von den Großen abschauen können, wie das genau funktioniert mit der eigenständigen Nahrungsaufnahme – dann steht dem pflanzlichen Breifrei-Spaß nichts mehr im Weg.

Wir wünschen Ihnen guten Appetit!
Anja Constance Gaca und Loretta Stern

Veggie für Babys? Na klar!

Ein veganes Kochbuch für selbstständig essende Babys? Als die Anfrage von Anja und Loretta kam, war mein Interesse sofort geweckt.

Eine solche Herausforderung wollte ich gerne annehmen. Da ich noch keine eigenen Kinder habe, musste ich mich erst einmal komplett in dieses für mich neue Thema einarbeiten: Was ist für diese junge Zielgruppe tabu? Welche Rohstoffe sollte ich sparsam einsetzen, auf welche gänzlich verzichten? Welches Gemüse und welche Farben kommen wohl gut an, und wie müssen Konsistenz und Schnittgrößen beschaffen sein, um das Kindeswohl nicht zu gefährden? Natürlich war mir nicht aus dem Stand bewusst, dass zum Beispiel grob gehackte Kräuter am Babygaumen festkleben und so zu Problemen führen können. Dank der tollen Beratung von Loretta und Anja habe ich diese Hürden erfolgreich genommen und präsentiere Ihnen nun mit Stolz mein erstes breifreies Veggie-Kochbuch.

Als Schirmherr über den Ernährungsfonds des Deutschen Kinderhilfswerks hatte ich bereits mehrfach das Vergnügen, mit Kindern und Jugendlichen zu kochen. Es macht immer riesigen Spaß, die Kids zu motivieren und ihnen gesundes Essen nahezubringen.

Leider fällt mir aber immer wieder auf, dass scheinbar vielen Kindern der Zugang zu frischen Rohstoffen fehlt – oft kann eine Zucchini nicht von einer Gurke unterschieden werden.

Das finde ich erschreckend, denn wie heißt es so schön? »In frühester Kindheit werden die Weichen gestellt.« Eine gesunde und frische Ernährung wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden sowie unsere Fitness, Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus. »Vorbeugen ist besser als heilen!«, fällt mir dazu auch noch ein. Mit den zahlreichen Anregungen und Informationen in diesem Buch hoffe ich also, dazu beitragen zu können, für Ihren Nachwuchs die Weichen zu stellen in Richtung einer ausgewogenen, abwechslungsreichen und rein pflanzlichen Bei- und dann später auch Komplettkost!

Herzlich
Björn Moschinski

Breifrei – ein Wort vorweg

Die Idee, dass das Kind von Anfang an allein bestimmt, was es probiert und isst, wurde praktisch schon in der Steinzeit »erfunden«: Unsere Vorfahren hatten ja gar keine andere Wahl, als ihren Kindern das zu offerieren, was gerade auf dem familiären Höhlentisch lag.

Das Konzept ist dementsprechend simpel: Der Säugling selbst entscheidet, was und wie viel er an anderer angebotener Kost außer Muttermilch zu sich nimmt, und gibt somit auch das Tempo der Entwöhnungsphase von der reinen Milchernährung vor.

Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine sechsmonatige ausschließliche Stillzeit vorsehen1, wurden 2009 mit Einführung der neuen Leitlinien zur Allergieprävention2 erneut auf den Kopf gestellt. Um bei familiär gegebenem Risiko potenzielle Allergien zu vermeiden, muss mit der Beikosteinführung – wie vorher postuliert – nicht zwingend gewartet werden, bis das Kind sechs Monate alt ist. Übersetzt bedeutet das: Es ist nicht schlimm, wenn das Kind ab Beginn des fünften Lebensmonats mal an einem Brötchen lutscht oder den Eltern bereits die Kartoffel vom Teller klaut. Keineswegs heißt es aber im Umkehrschluss, dass nun alle Kinder mit spätestens vier vollendeten Lebensmonaten beigefüttert werden müssen! Denn eines bleibt über die vielen Jahrtausende unserer Menschheitsgeschichte gleich: Der Großteil der Kinder erlangt ungefähr erst mit einem halben Jahr die Beikostreife. Das heißt, der Verdauungstrakt, notwendige motorische Fähigkeiten und bestimmte Reflexe sind erst dann so weit entwickelt bzw. verschwunden, dass Babys für das Abenteuer, das »Essen der Großen« kennenzulernen, gut gerüstet sind. Manche etwas früher, manche etwas später – aber irgendwann interessieren sich alle Kinder für mehr als Milch.

Und dann? Ein Löffelchen Brei für die Mama? Von verschiedensten Seiten werden Eltern viel zu früh mit Breiplänen konfrontiert, die suggerieren, dass das Baby ab Zeitpunkt XY brav den Mund öffnen und begeistert losessen muss. Mengenmäßig wird dies dann bitte Löffelchen für Löffelchen gesteigert, und schwupp sind 190 Gramm DIN-Norm-Brei im Kind verschwunden – ganz stressfrei und entspannt für alle Beteiligten. Gut, in ganz seltenen Fällen funktioniert das vielleicht so, aber der eindeutig größere Teil der Kinder hält sich nicht an am Reißbrett ausgeklügelte Beikoststrategien. Manche Babys lehnen pürierte Babykost sogar ganz ab. Dafür bedienen sie sich gerne am Familientisch. Statt der Belöffelung nehmen sie ihr Essen selbst in die Hand, ganz nach Bedarf.

Muttermilch oder Formulanahrung?

Wir werden hier nicht nur aus Gründen der Lesbarkeit immer vom Stillen sprechen. Muttermilch ist die für Menschenkinder von der Natur vorgesehene, optimale Milchnahrung, und ein Großteil der Mütter stillt ihr Kind noch, wenn die erste Beikost angeboten wird. Es hat viele Vorteile, die Beikosteinführung unter »dem Schutz des Stillens«3 anzugehen, sei es in Bezug auf die Allergieprophylaxe oder auch die Stärkung der Abwehr durch die reichlich in der Muttermilch enthaltenen Immunstoffe.

Die WHO empfiehlt nach den sechs Monaten ein Weiterstillen bis zum zweiten Geburtstag oder auch darüber hinaus, wenn Mutter und Kind das wünschen. Aber weder die WHO noch wir als Buchautorinnen können Ihre Stilldauer festlegen – allein Sie und Ihr Kind entscheiden, wie lange Sie stillen möchten. Hilfreich zu wissen: Sie haben bis zum Ende Ihrer persönlichen Stillzeit Anspruch auf Hebammenhilfe, bei Stillproblemen, Beikostfragen oder auch bei Fragen zum Abstillen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen hier die Kosten für bis zu acht Beratungen.

Was wir jedoch unterstreichen möchten: Der breifreie Beikostweg ist auch genauso gut machbar, wenn Sie Ihr Baby nicht (mehr) stillen möchten oder können. Auch hier bleibt die Säuglingsanfangsnahrung, Pre-Nahrung genannt, erst einmal Hauptnahrungsmittel und wird weiterhin nach Bedarf gegeben. Auch hier bestimmt Ihr Baby, wann es die Milchmahlzeiten zunehmend durch andere Kost ersetzt. Genau wie die Muttermilch sich in ihrer Nährstoffzusammensetzung nicht verändert – außer in den ersten Tagen nach der Geburt – oder gar verschlechtert, ist es definitiv nicht notwendig, von der sogenannten Anfangsnahrung auf Folgenahrung umzusteigen4 (siehe dazu auch »Was kommt auf den Teller?«).

Eines noch zum Stillen: Breifreie Beikost ist alles andere als eine schnelle Abstillmethode, denn Ihr Baby wird und darf das Tempo bestimmen, in dem es zunehmend mehr feste Kost anstelle von Muttermilch zu sich nimmt. Wenn es also Ihr persönlicher Wunsch ist, das Baby vor der Nahrungseinführung abzustillen, müssen sämtliche bisherigen Stillmahlzeiten durch Fläschchen mit Pre-Milch ersetzt werden. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Hebamme beraten, da gerade ein eher schnelles Abstillen eine große Umstellung bedeutet – sowohl für Ihr Baby als auch für Sie.

Keine Mutter muss sich mit der Geburt festlegen, wie lange sie stillen möchte, sondern darf das von Woche zu Woche gemeinsam mit ihrem Kind neu entscheiden. Genießen Sie die gemeinsame Stillzeit, wie lang diese auch immer sein mag.

Vorteile breifreier Beikost

bestimmt selbst, was, wie viel und wie schnell es isst,

kann Hunger und Sättigung früh begreifen, empfinden und steuern,

lernt früh, Geschmäcker zu differenzieren,

trainiert Feinmotorik, Sensorik und Mundmuskulatur,

isst gleichzeitig mit Ihnen – echte gemeinsame Mahlzeiten sind von Anfang an möglich,

kann auch unterwegs im Café, im Restaurant oder bei Freunden unkompliziert versorgt werden,

muss nicht extra bekocht und gefüttert werden,

kann eigenständig handeln, genau wie die Großen am Tisch – sein Selbstvertrauen wird gestärkt.

Sie

müssen sich nicht nach Fahrplänen richten, empfinden keinen Druck,

müssen für unterwegs keine Extra-Ausrüstung, keine Gläschen, Pulver, Löffel o. Ä. einpacken,

sparen Zeit beim Zubereiten – eine Mahlzeit für alle,

brauchen kein Geld für vergleichsweise teure Babygläschen ausgeben,

haben die Hände selbst zum Essen frei.

… Klingt gut, oder?