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Helmut Heier

Sind unsere Werte noch was wert

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© 2017 tao.de in J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld

Autor: Helmut Heier

Verlag: J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld · www.tao.de

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

ISBN

Paperback: 978-3-96051-385-8
Hardcover: 978-3-96051-386-5
e-Book: 978-3-96051-387-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Sind unsere Werte noch was wert?

Der Begriff Werte hat nichts mit materiellen Werten zutun, es sind Eigenschaften einzelner Personen, Gesellschaften oder Regierungen einzelner Staaten, von denen sie ausgehen. Sie sind somit wichtig für eine funktionierende Gesellschaft, in der die Menschen ihren Wünschen und gesteckten Zielen nachgehen und verwirklichen können. Dieses ist leichter umzusetzen in einem demokratisch geführtem Land, als in einer Diktatur, wo der Staat Werte wie Freiheit, freie Meinungsäußerung, um mal zwei wichtige zu nennen, drastisch einzuschränken versucht und es oftmals auch mit harten Maßnahmen durchführt. Er diktiert wie der einzelne Bürger sich zu verhalten hat und verteufelt Werte von freien und ohne Zwang lebenden Menschen in aller Welt. Wir in Deutschland haben dieses zu Genüge in und um die Zeiten des ersten und zweiten Weltkrieges erlebt, wo man zum Beispiel Tapferkeit dem Feinde gegenüber den Menschen als Wert verkaufte und Menschenrechte auf grauenvolle Art mit Füßen trat. Das Recht auf Leben war für viele Menschen eine Farce und man kann nur von Glück sprechen, dass wir Deutschen aus dem letzten Krieg nicht als Sieger hervorgegangen sind, ich möchte nicht wissen, was im anderen Falle noch alles geschehen wäre. Wir haben so schon oft genug Schuld auf uns geladen.

Am 23. Mail 1949 durch die Verkündung des Grundgesetzes und am 07. September des gleichen Jahres durch die Gründung der Bundesrepublik Deutschlands sind wichtige Werte wie das Recht auf Freiheit, Meinungsäußerung und Wahrung der Menschenrechte fest in der Verfassung verankert worden. Sie sind einige der Grundsteine für eine Demokratie.

Der Begriff oder Ausdruck Werte gehört erst so recht in den letzten Jahren zum Sprachgebrauch der Bürger und Bürgerinnen unseres Landes, da man sieht und befürchtet, dass vieles bei uns im Staate aus dem Ruder läuft. Ich werde sicherlich noch auf das Ein oder Andere dieser Dinge in meinen Ausführungen zurückkommen. Ich versuche das Ganze mit einfachen und verständlichen Worten des kleinen Mannes von der Straße zu kommentieren.

Durch die Aufhebung des Viermächtestatus und die dadurch entstandene Selbstbestimmung der deutschen Regierung in wichtigen Sachen der In- und Außenpolitik, ist es uns gelungen wieder ein vertrauensvoller Partner in der Welt zu werden. Durch Unterstützung einiger Staaten der westlichen Welt und hier sind besonders die Amerikaner zu erwähnen, haben wir, durch Aufopferung und Fleiß eines jeden Bürgers, den Aufbau im materiellen wie auch im wirtschaftlichen Bereich vorangetrieben. In dieser Zeit sind Werte entstanden, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gesellschaft gestärkt haben. Als die Städte zerbombt und alles am Boden lag, Trauer und Verbitterung durch die Reihen der Menschen schlich, da fast jede Familie einen der Ihren in diesem verehrenden Krieg verloren oder vermisst hatte, da haben die Herzen zueinander gefunden. Man griff sich hilfsbereit unter die Arme. Das, was der Krieg übrig gelassen hatte, wurde zusammen getragen und zum Neuaufbau verwertet. Werte der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, gegenseitigem Respekt, nicht nur dem menschlichen Leben gegenüber, nein auch dem der Tiere. Alles Dinge die heute nicht mehr so selbstverständlich sind. Was hat der Krieg für Narben hinterlassen bei Müttern, die ihre Söhne verloren haben, bei Frauen deren Mann, bei Kindern deren Vater und diejenigen, die durch Flucht dem Gräuel entkommen oder aus der Gefangenschaft kamen, sie alle sind für ihr Leben gezeichnet. Ich habe vieles von dem als Kind mitbekommen und später erlebt, dass Personen keinen Zugriff zum normalen Leben bekamen und im Alkohol ihre Zuflucht suchten. Sie waren als 17/18 jährige eingezogen worden, gesund und stark, voller Tatendrang. Geimpft von einer Ideologie, dem sogenannten Endsieg der deutschen Wehrmacht. Als psychisch gebrochene Menschen kamen sie zurück und sie waren nicht mehr in der Lage ihre Familie und anderen Personen gewisse Werte zu vermitteln. Sie kannten nur Gehorsam und Drill, der ihnen auferlegt wurde und glaubten dieses auch im normal späteren Leben praktizieren zu müssen.

Apropos Gehorsam, es war damals eine andere Erziehung als die, der heutigen. Ich denke da nicht nur an die Familie, nein auch die Schule und die Kirche beteiligten sich an der Erziehung und dieses manchmal in einer sehr autoritären Art und Weise. Respekt und Gehorsam gewissen Personen gegenüber sind sicher Werte, die zu einer Gemeinschaft gehören, aber zu jener Zeit auch oft in Missbrauch endeten. Ich kann mich da noch recht gut an meine Kindheit erinnern. Ich hatte damals einen gesetzlichen Vormund, den Bruder meiner Mutter, die leider sehr früh verstarb und mein leiblicher Vater im Krieg verschollen war, der glaubte mit übertriebender Strenge mich erziehen zu müssen. Ohrfeigen oder den Arsch versohlen, wenn ich es so mal ausdrücken darf, waren nach einer ungehorsamen Tat an der Tagesordnung. Wurde man nach einem, für heutige Verhältnisse, harmlosen Streich vom Nachbarn erwischt, gab es ebenfalls was hinter die Löffel und man brauchte erst gar nicht sich Zuhause darüber beschweren, denn dann drohte einem das Gleiche. In der Schule gab es Lehrpersonen, Pädagoge ist wohl nicht die zutreffende Bezeichnung, die hier und da mal einem Störenfried ein Stück Kreide oder gar einen Schlüsselbund an den Kopf warfen.

Da ich ein unwahrscheinlich lebhaftes Kind, ein sogenannter „Hansdampf in allen Gassen“ war, wie man so im Volksmund sagt, mussten meine Hände oftmals dem Schmerz durch Stockhiebe widerstehen. Bedingungsloser von Respekt und Gehorsam gegenüber den von mir erwähnten Personen war schon übertrieben und es ist schon richtig, dass es sowas heute nicht mehr gibt. In der Familie waren die Hierarchien klar und deutlich verteilt, der Vater brachte das Geld für den Lebensunterhalt nach Hause und die Mutter war mit dem Haushalt und der Erziehung der Kinder beschäftigt. Ab einem gewissen Alter wurden auch die Kinder mit häuslichen Aufgaben betraut, um der Mutter einiges an Arbeit abzunehmen. Diese Hilfe bezog sich, wie ich es in einer Großfamilie erlebt habe, auf die Gartenarbeit und das Versorgen von Haustieren. Es waren wichtige Eigenschaften, die mir und sicher auch vielen anderen Personen im fortgeschrittenen Alter zugutekamen. Es war eine gesellschaftliche Grundordnung vorhanden, die es heute so in diesem Sinne fast nicht mehr vorhanden. Es gibt kaum noch Großfamilien und die Erziehung, ich habe es ja schon mal erwähnt, ist auch eine ganz Andere geworden. Zur damaligen von mir beschriebenen Grundordnung trug neben Familie und Schule auch die Kirche ihren Beitrag, sie war präsent in allen Lebensabschnitten der Menschen. Ich bin im katholischen Glauben erzogen worden und ich kann mich noch gut daran erinnern welche Aufgaben die Kirche uns Kindern damals aufbürdete. Neben der wöchentlichen Schulmesse und Abnahme der Beichte, war der sonntägliche Kirchgang eine absolute Pflicht. Entgegen in den Städten, so wurde in ländlichen Gebieten in deren Gemeinden schon darauf geachtet, wer den Anordnungen und Anforderungen der Kirche nachkam und wer nicht. Wir Kinder hatten zum Beispiel einen höllischen Respekt vor der katholischen Beichte, auf die wir im schulischen Religionsunterricht akribisch vorbereitet wurden. Dort erklärte man uns die lässlichen und die etwas schwereren Sünden. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, was für ein Schmarrn. Was haben sich die Kirchenfürsten nur damals dabei gedacht, Kindern mit dermaßen Druck, ja fast einem Angstgefühl in den Beichtstuhl zu schicken? Der Beichtstuhl war ein Ort, wo man ob Erwachsen oder Kind, einen Teil seiner Identität hinterließ und in so manchen Fällen von den Geistlichen als Druckmittel in irgendeiner Sache verwendet wurde. Nach Verlassen des Beichtstuhles und des aufgetragenen Bußgebetes ging man gelöst in den normalen Alltag über und die Sünden häuften sich bis zur nächsten Beichte wieder an. In dieser Sache war die protestantische Kirche schon weltoffener, wie in so vielen anderen Dingen auch. Man gängelte den einzelnen Menschen nicht so, sondern überließ vieles ihm selbst, wie er sich zum Glauben und zu seiner Kirche verhielt. Beide Konfessionen, dieses musste ich als Kind in den Nachkriegsjahren erleben, waren sich in keinster Weise freundlich gesinnt, sondern machten sich das Leben schwer. Die Minderheit der Menschen in jeweiligen Orten wurde in Situationen des täglichen Lebens unterdrückt und diskriminiert. Aber und dieses möchte ich nun auch mal herausstellen, es war nicht alles schlecht, was die Kirche durch ihre Vertreter tätigten. In all ihrer Dominanz, die sie versuchten auszuüben, war auch immer etwas Positives zu erkennen. Werte wie Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Respekt und Anteilnahme, um nur einige zu nennen, brachten sie in die Gesellschaft ein. Es waren klare Lebensmerkmale, die den Menschen von gewissen Sachen abhielt., die ihn positiv prägten und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitrugen. Maßgebend für die kirchliche Dominanz war sicherlich auch die Armut der Menschen zur damaligen Zeit, da viele ihr Heil oder ein Teil dessen im Glauben suchte. Vieles von dem haben die Kirchen in den darauffolgenden Jahren verloren und stehen in der heutigen Zeit quasi am Scheideweg ihren Einfluss auf die Menschen ganz zu verlieren. Man betrachte nur mal die jährlichen Kirchenaustritte, dieses sucht nach Gründen. Hier ist vor allem die katholische Kirche gut beraten ihr bisherige Haltung zu verändern und ein anderes Auftreten der Menschen der ganzen Welt zu praktizieren, damit Werte, die für unsere Gesellschaft wichtig sind, nicht auch noch verloren gehen.