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Thomas Holtbernd

Humorzitien®

Die etwas anderen Exerzitien

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Aschendorffs

EPUB-Edition

Vollständige E-Book-Ausgabe des im Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG erschienenen Werkes

Originalausgabe

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Copyright © 2004/2012 Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG, Münster

ISBN der EPUB-Ausgabe: 978-3-402-19674-8

ISBN der Druckaugabe: 978-3-402-03436-1

Sie finden uns im Internet unter

www.aschendorff-buchverlag.de

Vorwort

Vorwort

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.

(Thomas Morus)

Einem Christen müsste man sein Erlöstsein eigentlich ansehen, so räsonierte Friedrich Nietzsche. Die Geschichte der christlichen Humorgeschichte sieht anders aus. Das Lachen und der Humor fristeten ein Schattendasein. Ja, man sah das Lachen tatsächlich als Produkt aus dem Reich des Schattens an. Umberto Eco hat dies in „Der Name der Rose“ sehr eindrücklich in Romanform verpackt. Doch bei allem Negativen, was man aus dieser Geschichte herauslesen kann, kann man auch immer dorthin gucken, wo es etwas anderes gab und gibt. Und nach dem Buch von Umberto Eco haben sich sogar Theologen positiv mit dem Humor und der Heiterkeit auseinander gesetzt. Seit etwa vierzig Jahren erforschen die Gelotologen, die Wissenschaftler vom Lachen, wie das Lachen wirkt und ob es gut für die Gesundheit ist. Regelmäßig finden Humorkongresse statt. Klinikclowns beleben mit Humor die Krankenhäuser und Altenheime. Fragt man jedoch, was den Humor ausmache und welche Wirkungen konkret zu beobachten wären, so erhält man in der Regel zur Antwort: Also, wir können annehmen, dass es ungefähr so ist, aber Genaues können wir nicht sagen. Und will man grundsätzlicher wissen, wie denn der Humor definiert werden könnte, bekommt man Antworten, nach denen man weniger schlau ist als vor der Frage. Aber auch die Praktiker helfen nicht weiter. Ihnen merkt man an, dass sie da zwar etwas machen, was mit Humor zu tun haben soll, doch wieso eigentlich? Lachclubs beschäftigen sich mit dem Lachen, doch ist das schon Humor? Alles ist sehr anarchisch und hat oft den Anschein von Willkür und Beliebigkeit. Der Humor ist sehr sperrig und lässt sich nicht in Schubladen packen.

Ich behaupte nun nicht, eine endgültige Definition gefunden zu haben, noch den einzigen und wahren Weg zum Humor aufzeigen zu können. Mein Anliegen ist es, Hilfestellungen für einen humorvollen Alltag zu geben. Gemeint ist hierbei für mich eine optimistische und freudige Lebenseinstellung im Sinne der Lebenskunst. Als Theologe denke ich, die Christen müssten lächelnde und lachende Jünger der Frohbotschaft und keine Sklaven einer Drohbotschaft sein. Als Psychologe denke ich, die Menschen haben die Fähigkeiten zum Lächeln, Lachen und Humor in ihren Genen, gehen jedoch oft ernst und jammernd durch die Straßen ihres Lebens. Dass muss doch nicht sein! Nichts ist unmöglich ...!

Die Humorzitien sind ein Übungsweg für Menschen, die ihren Optimismus, ihre Freude, ihren Humor und ihre heitere Spiritualität weiter entwickeln wollen. Die Grundthese dieser heiteren Exerzitien ist, dass wir uns entscheiden und daran arbeiten können, ein heiteres und damit gottwohlgefälliges Leben zu führen.

Wenn Sie dann am Ende Ihrer Tage oben am Himmelstor ankommen und Petrus vor Ihnen steht und meint: Also Du! Du musst in die Hölle! Dann werden Sie laut und fröhlich lachen. Petrus wird mitlachen, und dann wissen Sie gar nicht mehr, wo oben und unten, Himmel und Hölle ist. Sie haben gewonnen und es wird ein Lachen geben und Gott wird mit einstimmen, weil er endlich nicht mehr der alte, ernste Mann sein muss. Es gibt zwar die Hölle, doch niemand hält sich dort auf, das hat zumindest Karl Rahner behauptet. Alle sind fröhlich und es ist völlig egal, ob Karl Rahner Recht hatte. Und so auch auf Erden! Mit einer heiteren Lebenseinstellung können Sie in jeder Situation zur Fröhlichkeit zurückfinden und in Balance kommen.

Ich wünsche Ihnen die Freude, aus der Tiefe Ihrer Heiterkeit zu schöpfen.

Im westfälischen Bottrop

Thomas Holtbernd

Zum Gebrauch des Buches

Zum Gebrauch des Buches

Lieber Leser, liebe Leserin, dieses Buch ist am besten auf Ihrem Nachttisch verortet. Beginnen Sie den Tag humorvoll. Und Sie werden erleben, wie sich Ihre Einstellung zum Heiteren hin verändert. Wenn Sie morgens aufwachen, den Schlaf noch in den Augen haben, die Träume noch nicht ver(f)logen sind, dann ergreifen Sie das Buch und schlagen es auf. Sie lesen, wer von den Humoristen, Kabarettisten, Comedians usw. Geburtstag hat. Möglicherweise haben Sie genau an dem Tag selbst Geburtstag, an dem auch ein mehr oder weniger berühmter Heiterkeitsmensch seinen Geburtstag feierte oder feiert. Sie können überlegen, was Sie mit diesen Menschen verbindet, ob ein solcher Mensch Ihnen als Vorbild dienen könnte. Sie finden für jeden Tag einen Spruch, der als Tagesmotto dienen kann. Kurze Texte, Anekdoten oder Witze geben Ihnen Denkanstöße. Jeweils drei Fragen sollen Ihnen anschließend eine Hilfestellung beim Verarbeiten und Reflektieren der Denkanstöße geben. So ist es gedacht und so wird es auch gemacht! Oder eben auch nicht. Die Übungen, Vorschläge und Gedanken sind entstanden aus dem Bedürfnis, Möglichkeiten für einen inneren Weg zum Humor zu finden. Der Weg zur inneren Heiterkeit ist eigentlich ganz einfach, darin liegt das Schwierige. Manches gefällt, manches liegt Ihnen und anderes eben nicht. Humor ist individuell. Auch das Lernen ist individuell. Es wird Leser geben, die jeden Tag einen Abschnitt lesen, andere lesen 20 Tage hintereinander einen Abschnitt und machen dann eine Pause, wieder andere greifen vielleicht jeden vierten Tag zum Buch und wieder

andere lesen alles auf einmal und suchen das für sie Richtige heraus, mit dem sie dann üben können. Nutzen Sie die Humorzitien, wie es für Sie passend ist, und Ihre Heiterkeit wird extraterrestrische Dimensionen annehmen. Vielleicht schimmern Sie dann als funkelnder Stern am Himmel und ich kann Ihnen zuwinken: Das Leben kann doch so heiter sein ...!

1. Januar

Geburt: Ulrich Zwingli (1484–1531), schweiz. Reformator

Neujahr

Wahre Heiterkeit ist eine ernste Sache.

(Seneca)

Wissenschaftler, die seriös Lach- und Humorforschung betreiben, sind in ihren Aussagen über die Wirkungen des Lachens und des Humors sehr vorsichtig bis sparsam oder geizig. „Eigentlich wissen wir nichts“ könnte eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Suche lauten. Würde man Ignatius von Loyola fragen, wie man dem Ernst der Sache Heiterkeit näher kommen kann, dann hätte er wahrscheinlich mit einem Satz aus seinen Exerzitien geantwortet: „Das Fühlen und Kosten der Dinge von innen, das ist es, was die heitere Seele sättigt.“ Wer sich den Humor erschließen will, der muss ihn riechen, schmecken, fühlen, tasten, mit allen Sinnen erfahren. Eine naturwissenschaftlich geprägte Wissenschaft gerät da an ihre Grenzen. Den Humor muss man sich von innen erarbeiten. Dabei begegnet man der ernsten Seite des Humors. Um jedoch an die Erfahrung des inneren Humors zu gelangen, bedarf es eines Reinigungsbades der Sinne. Augen, Ohren, Nase und Hände können vom Schmutz der Oberflächlichkeit gereinigt aufnehmen, was mit dem inneren Ernst und der Gelassenheit verbunden Heiterkeit erzeugt. Das Herz wird frei und öffnet sich für alles Allzumenschliche.

– Was empfinde ich, wenn ich etwas rieche, schmecke, höre, taste?

– Regen mich meine Sinnesempfindungen zur Heiterkeit an?

– Kann ich Heiterkeit empfinden, wenn ich Musik höre, Blumen sehe, mich bewege, ein himmlisches Aroma rieche ...?

2. Januar

Geburt: Ernst Barlach (1870–1938), dt. Bildhauer, Grafiker und Dichter, einer der wenigen Künstler, die ein Kunstwerk zum Thema Lachen schufen.

Wer so recht aus voller Seele lacht, der kann kein schlechtes Gewissen haben.

(Christian Oeser)

Lachen hat etwas von Unschuldigsein. Wer laut lacht, der kann nicht lügen. Ein herzhaftes Lachen erlöst aus den augenblicklichen Verstrickungen. Und Menschen, die herzerfrischend lachen, sind zumindest in den Augenblicken, wo sie lachen, keine Bösewichter oder haben kein schlechtes Gewissen. Je mehr ein Mensch lacht, desto seltener bekommt er eine Gelegenheit, böse zu sein. Nach einer Weile wird er sich wundern, wie gut er geworden ist, das hat ihm niemand und er sich selbst gar nicht zugetraut.

Ernst Barlach hat eine Skulptur geschaffen, die eine lachende alte Frau zeigt. Die Körperhaltung dieser Frau ist physikalisch gesehen unmöglich. Der Künstler hat diese Figur möglicherweise deshalb so gestaltet, weil er zeigen wollte, wie sehr das Lachen Grenzen sprengt. Lachen eröffnet die wahre Seele, die über die Regeln, Gewohnheiten und Richtigkeiten hinausgeht. Wer aus vollem Herzen lacht, der ist im Moment des Lachens frei von Intentionen. Und weil er in diesem Lach-Augenblick ganz bei sich ist, plagt ihn kein schlechtes Gewissen, denn es ist zeitweise ausgeschaltet. Das macht den Menschen leicht, mal abgesehen vom Körpergewicht, und er trotzt den Naturgesetzen, die ihn auf dem Boden halten würden. Abgehoben jedoch lassen sich manche Dinge ganz neu sehen. Und man ist froh, der Moral für einen Lacher den Rücken gekehrt zu haben.

– Wann kann ich unschuldig aus voller Lust lachen?

– Wie verhindern meine Schuldgefühle meine Fähigkeit zum Lachen?

– Durch welche Regeln, Gesetze, Gewohnheiten usw. lasse ich mir das Lachen verbieten?

3. Januar

Geburt: Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.), röm. Redner

Humor muss wie ein zarter Duft über dem Ganzen schweben.

(Christian Morgenstern)

Wenn man einen Raum betritt, bemerkt man den Duft, der von den Anwesenden verströmt wird. Jetzt ist nicht die Körperausdünstung oder das Deo, Parfüm u. ä. gemeint, sondern der metaphysische Duft, die Atmosphäre, die Menschen erzeugen. Dieser Duft lädt zum Bleiben oder zum Verduften ein. Ebenso ist es, wenn ein Redner das Pult erklimmt; der erste Eindruck vermittelt sofort, ob es ernst wird oder man auch ein wenig Spaß haben darf. Cicero hat für den Rhetoriker den Humor als notwendiges Gestaltungsmittel beschrieben. Mit einem Witz beginnend, öffnet der Redner die Blume des Lächelns, die dann im weiteren Verlauf ihren Duft verströmen kann. Wie bei einer Rede ist es bei jedem Gespräch. Wer die Blume des Humors im Knopfloch trägt, öffnet die Ohren der potenziellen Zuhörer. Und dieser Duft wird dann sogar durch die Ohren eingesogen, verströmt seinen Duft in den Windungen des Geistes und gibt dem Kleinhirn die Signale, die Muskeln um den Mund und die Augen zu bewegen. Ein Lächeln entsteht, der zarte Duft des Humors schwebt nun über den Häuptern und ein Verständnis sickert in die Windungen des Gehirns zurück. Solche Zusammenhänge sind übrigens von Lernforschern mittlerweile nachgewiesen worden. Es lernt sich leichter, wenn zu Beginn die Stimmung positiv und fröhlich ist. Wer kennt das nicht aus seiner Schulzeit, die besten Lehrer waren die mit Humor. An solche Lehrer kann man sich gut erinnern und damit auch daran, was man bei ihnen gelernt hat oder hätte lernen können.

– Welchen Humorduft rieche ich, wenn ich anderen Menschen begegne?

– Hilft es mir, wenn ich den zarten Duft des Humors fahren lasse?

– Gibt es einen bestimmten Duft, den ich mit Humor verbinde, und wäre mir die Erinnerung an diesen Duft eine Hilfe in schwierigen Situationen?

4. Januar

Geburt: Jakob Ludwig Karl Grimm (1785–1863), dt. Sprachforscher

Menschen mit Humor und Fantasie langweilen sich niemals.

(Mark W. Bonner)

Langeweile ist eine Tugend, die nur wenige Menschen üben. Langeweile kann zum unstillbaren Drang führen, endlich anzufangen und die Sache in die Hand zu nehmen. Insofern ist die Langeweile gar nicht schlecht. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen den Menschen, die selbst ihre Langeweile genießen können, und denen, die ihre Langeweile vertreiben müssen. Genießer der Langeweile langweilen sich bei ihrer Langeweile daher auch gar nicht. Sie warten auf den günstigen Augenblick, wo aus der Langeweile eine Idee erwächst. In langweiligen Situationen blicken sich die Genießer der Langeweile um und verdrehen die Wirklichkeit, sie nutzen den Stillstand und machen die Stille zu einem Objekt ihres Humors. Sie lächeln vor sich hin, weil ihnen aus der veränderten Perspektive der Hauch des vollen Lebens zuströmt.

– Kann ich in langweiligen Situationen mit dem Stillstand spielen?

– Wird die Langeweile für mich zum Problem oder zu einer Aufgabe?

– Wie kann ich im Alltag meine Langeweile humorvoll fruchtbar machen?

5. Januar

Geburt: Konrad Adenauer (1876–1967), erster dt. Bundeskanzler

Geburt: Umberto Eco (1932), ital. Schriftsteller, schrieb „Der Name der Rose”, dort geht es um das Lachen

Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.

(G. C. Lichtenberg)

Trägt man etwas von Wichtigkeit vor, so setzt man eine seriöse Miene auf, stellt sich in Positur und spricht feierlich. Man vertreibt den Schalk im Nacken, weil es eine ernste Situation ist. Wichtigkeit wird mit Ernst gleich gesetzt und Ernst mit Feierlichkeit. Was ernst gesagt wird, gilt ungefragt als wichtig. Ein Lachen oder eine humorvolle Bemerkung würde diese Feierlichkeit stören. Wir setzen Feierlichkeit und Ernsthaftigkeit gleich. Indem etwas Ernsthaftes eine feierliche Form bekommt, wirkt es wichtiger und vernünftiger. Ein ernsthaftes Gesicht bekommt diese feierliche Patina und kommt uns allein schon deswegen vernünftig vor. Befreit man das Ernsthafte von dieser Feierlichkeit, dann darf die Vernunft nachdenklich sein, sich freuen über Erkenntnisse, lachen, weil Irrtümer aufgedeckt wurden, und lächeln, weil der Geistesblitz die Gesichtszüge elektrisiert.

– Lasse ich mich von der feierlichen Ernsthaftigkeit mancher Menschen irritieren?

– Wie ernsthaft sieht mein Gesicht aus?

– Wie heiter oder ernst empfinde ich Vernünftiges?

6. Januar

Geburt: Rowan Atkinson (1955), alias Mr. Bean, Johnny English, engl. Komiker

Geburt: Walter Nigg (1903–1988), schweiz. ev. Theologe, schrieb „Der christliche Narr”

Geburt: Emil Steinberger (1933), schweiz. Komiker

Epiphanie

Egal, was man über das Komische sagt, das Gegenteil ist genauso wahr.

(Rowan Atkinson)

Komiker, die berufsmäßig komisch sind, sind gar nicht komisch. Sie machen ernsthaft Komik und man erwartet, dass sie komisch sind. Und umgekehrt sind Komiker schon deshalb komisch, weil sie komisch sein wollen und müssen. Gäbe es ein Rezept, wie man komisch sein kann, dann bräuchten wir keine Komiker. Bei Komikern passt Komischseinwollen mit ein wenig schräg gut zusammen. Alles andere ist Fleißarbeit und Akribie. Dem normalverrückten Menschen erscheint der Komiker deshalb komisch, weil er sich darauf eingestellt hat, etwas Komisches zu sehen. Träte der Komiker in einer Tragödie auf, erschiene uns der Komiker vielleicht gar nicht komisch. Komik ist abhängig vom Umfeld und von der Absicht, etwas Komisches sehen zu wollen.

– Was erwarte ich von Komikern?

– Wie groß ist meine Bereitschaft, Komisches wahrzunehmen?

– Wie kann ich meine Fähigkeit schulen, im Alltag das Komische zu entdecken?

7. Januar

Geburt: Sigmund Graff (1898–1979), dt. Dramatiker

Geburt: Roland Topor (1938), frz. Schriftsteller

Humor ist eine selbstgekelterte seelische Widerstandskraft.

(Sigmund Graff)

Das Immunsystem unseres Körpers schützt uns vor Erkältungen und weiteren Erkrankungen. Wenig ist bisher über das seelische Immunsystem bekannt. Was macht uns immun gegen Depressionen, Neurosen, Psychosen, bipolaren Störungen, schlechter Laune und anderen Befindlichkeiten? Wie auch bei der Immunabwehr des Körpers, scheint es einen Zusammenhang zwischen den durchgemachten Erkrankungen und der Widerstandskraft zu geben. Mittlerweile warnen Mediziner vor zuviel Sauberkeit, davon werden die Kinder zu „verweichlicht“ und reagieren überempfindlich auf harmlose Krankheitserreger. Bei seelischen Erkrankungen wird es nicht anders sein. Vielleicht ist es ja so, dass, durch kleine seelische Wunden angeregt, Gelozellen (Lachzellen) gebildet werden, die die bösen Psychoviren bei Gefahr auffressen. Humorzellen im Blut sorgen für die ausreichende Stärkung des Heiterkeitssystems und das Hirn produziert Gelohormone, die uns sofort lachen lassen, wenn etwas unsere Psyche beeinträchtigen will. Die grauen Gelozellen liefern uns spontan schlagfertige Argumente gegen alles, was uns verletzen könnte. Mit einer solchen Heiterkeit ausgestattet, verliert man jeden Spaß am Kranksein.

– Fühle ich mich körperlich und seelisch gesünder, wenn ich viel lache?

– Wie nutze ich meinen Humor gegen seelische Verstimmungen?

– Welche Warnsignale sollte ich beachten, bei denen ich schnell eine Heiterkeitspille gegen Verstimmung einnehme?

8. Januar

Geburt: Willy Millowitsch, (1909–1999), Kölner Volksschauspieler u. Theaterleiter

Den Witz eines Witzigen erzählen heißt bloß: einen Pfeil aufheben. Wie er abgeschossen wurde, sagt das Zitat nicht.

(Karl Kraus)

Willy Millowitsch und andere Protagonisten des Humors sind Kauze, eigenwillige Gesellen, und das Nachahmen solcher Menschen wirkt lächerlich. Witze wie auch humorvolle Bemerkungen leben von der Person und lassen sich nicht einfach nacherzählen. Man mag manchen Mimen mögen, andere außer Acht lassen. Bewunderung beweist man besonderen Menschen, ohne sie mögen zu müssen. So ist sicherlich Willy Millowitsch nicht jedermanns Sache, doch er war ein Original und konnte Menschen begeistern. Um zum Witz des Witzes zu gelangen, muss man, wie Karl Kraus wusste, den Witz in sich finden und von dort aus das Zitat abschießen.

– Welchen Humoristen könnte ich gut nachahmen?

– Welche Seelenverwandtschaft verspüre ich mit einem Humoristen?

– Wie kann ich konkret den Witz meiner Seele nach außen kommen lassen?

9. Januar

Geburt: Kurt Tucholsky (1890–1935), dt. Schriftsteller

Humor haben heißt, durch die Dinge durchsehen, wie wenn sie aus Glas wären.

(Kurt Tucholsky)

Ein Reicher kam zu einem Weisen. Der Weise führte ihn ans Fenster: „Schau hinaus und sage mir, was du siehst.“ „Menschen!“, antwortete der Reiche. Darauf führte ihn der Weise vor einen Spiegel. „Was siehst du nun?“ „Ich sehe mich selbst!“, sagte der Reiche. Der Weise schaute den Reichen an und sprach: „Merke: Das Fenster ist wie der Spiegel aus Glas. Aber das Glas des Spiegels ist mit ein wenig Silber belegt. Kaum kommt ein wenig Silber dazu, so hörst du auf, andere Menschen zu sehen, und siehst nur noch dich selbst.“

– Was berührt mich an dieser Geschichte insbesondere?

– Was hat dieses Besondere mit meinem Leben zu tun?

– Wie kann ich meine „Erkenntnisse“ konkret in meinem Alltag umsetzen?

10. Januar

Geburt: Heinrich Zille (1858–1929), dt. Zeichner, Karikaturist

Geburt: Grock (1880–1959), eigentl. Adrian Wettach, schweiz. Musikclown

Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens.

(Ludwig Börne)

Wer dumm ist, intellektuell oder emotional, der wird keinen Humor entwickeln können. Wer ein wenig dumm ist, vielleicht nur wenige Schuljahre hinter sich gebracht hat, der kann dennoch viel Humor haben. Und wer Professor ist, der muss noch lange kein Lacher vor dem Herrn sein. Neben einer Grundausstattung an Hirn bedarf es vor allem der emotionalen Gabe. Wer lacht, muss sich von Denk- und Fühlgewohnheiten lösen können. Dafür ist manchmal ein wenig Dummheit gar nicht schlecht und manchmal braucht man sehr viel Intelligenz, um sich lösen zu können. Doch Voraussetzung ist, dass unsere Emotionen einen guten Erzieher hatten und wir gelernt haben, unsere Emotionen und Gefühle zu kontrollieren und nicht von ihnen beherrscht zu werden. Ansonsten führen wir einen ständigen Kampf mit uns selbst und können unsere Herzen nicht öffnen.

– Bin ich mit meinen Gefühlen befreundet?

– Kann ich von traurig auf fröhlich umschalten und umgekehrt?

– Wie kann ich konkret mit Heiterkeit meine Gefühle steuern?

11. Januar

Geburt: Valeska Gert (1900–1978), dt. Tänzerin, Kabarettistin u. Schauspielerin

Der Heitere ist Meister seiner Seele.

(William Shakespeare)

Die alten Griechen haben die Heiterkeit als euthymia gesehen. Sie glaubten, dass Menschen, die mit sich im Einklang sind, auch heiter sind. Vielleicht haben die Griechen vergessen, dass die Heiterkeit schon Voraussetzung für die Gelassenheit ist. William Shakespeare, der mit seinen Dramen die Ab- und Tiefgründe des Menschen beschrieben hat, definiert den Heiteren als Meister seiner Seele. Wer in seine Abgründe schaut, wird erschüttert sein über das, was in ihm steckt und wozu er fähig wäre. Diese Schreckensvisionen und Albträume sind nur angeheitert zu ertragen. Der Heitere verfällt nicht in Lethargie oder Resignation, denn er sieht bei allen Grausamkeiten gegen jede Realität das kleine Licht am Ende des Tunnels. Er hat eine Meisterschaft entwickelt, seine Seele mit heiterer Zuversicht zu versorgen.

– In welcher Stimmung schaue ich mir die Tragödien des Alltags an?

– Nutze ich die Heiterkeit als Ordnungsprinzip?

– Wie kann ich konkret mit Heiterkeit das Auf und Ab meines Seelenlebens meistern?

12. Januar

Geburt: Heinrich Pestalozzi (1746–1827), schweizer. Pädagoge u. Sozialreformer

Geburt: Jack London (1876–1916), amerik. Schriftsteller

Lachen ist gesund, Freude ist Balsam: Aber Seelenruhe ist des Lachens Quelle und der Freude Balsambüchse.

(Heinrich Pestalozzi)

Dass Lachen gesund ist, gilt schon fast als Naturgesetz. Doch vielleicht reicht das Lachen nicht. Denn die Stimmung, die Haltung dahinter macht das Lachen zu einer gesunden und runden Sache. Ich kann viel und häufig lachen und doch bin ich nicht zufrieden. Die Freude gehört zum Humor dazu. Und diese Freude ist gegründet in der Ausgeglichenheit, in der Seelenruhe. Diese Quelle speist den Fluss des Lächelns und Lachens. Und so wie das Wasser an der Quelle meist klar und noch sauber ist, so ist es wohl auch mit dem Lachen.

– Was ist für mich die Quelle des Lachens?

– Nehme ich mir die Zeit, mich hin und wieder zur Quelle zu begeben?

– Was kann ich im Alltag tun, um immer wieder den Zugang zur Quelle zu finden?

13. Januar

Geburt: Ernst Elias Niebergall (1815–1843), dt. Mundartdichter

Das Lachen schnellt die Seele ins Gleichgewicht zurück.

(Clemens Weber)

Es gibt Tage, da ist man abgrundtief traurig, da könnte man sich gemütlich in diese traurige Decke einwickeln und für immer darin versinken. Man möchte jedem von seinem Leid erzählen, doch man weiß, niemand versteht mich, denn sooo traurig bin nur ich. Man ahnt zwar, dass diese Traurigkeit auch Antriebslosigkeit genannt werden könnte, doch das soll mir niemand sagen. Wer kann sich schon vorstellen, wie es in mir aussieht! Da soll doch niemand daher kommen und mir mein Selbstmitleid nehmen. Dann ruft jemand an oder kommt vorbei und der macht Späße, der nimmt meine Traurigkeit gar nicht ernst. Der bringt mich zum Lachen und amüsiert sich über meine angebliche Traurigkeit. Dieser Spaßvogel schafft es doch, dass ich über meinen Selbstbetrug lache. Und mit diesem Humor aufgetankt, lässt es sich nun ganz anders über meine Traurigkeit reden. Dieses Gefühl ist jetzt nicht mehr die Bremse in meinem Leben, sondern das Kühlwasser, damit ich nicht heiß laufe.

– Wozu nutze ich manchmal traurige Gedanken?

– Lasse ich mich von heiteren Menschen, lustigen Filmen, humorvollen Texten usw. aus meinem Selbstmitleid herausholen?

– Was kann ich konkret im Alltag tun, um durch Humor ins Gleichgewicht zu kommen?

14. Januar

Geburt: Caterina Valente (1931), Schlagersängerin

Ist einer heiter, so ist es einerlei, ob er jung oder alt, gerade oder bucklig, arm oder reich sei, er ist glücklich.

(Arthur Schopenhauer)

Heiterkeit kennt keine sozialen, ökonomischen oder sonstige Grenzen. Heiterkeit ist ein freiheitsliebendes Getier, das überall zuhause ist und jeden beglücken kann, wenn er es will. Allerdings haben die Benachteiligten meist die bessere Chance, ihre Heiterkeit zu entdecken, denn wer seine Defizite durch Humor kompensieren musste, der hat früh geübt und sich Routine angeeignet. Heiterkeit hat andererseits etwas mit dem Alter, dem sozialen Stand, der Körperverfassung usw. zu tun. Aber nur insofern, als dass es ums Gefühl und die Einstellung dazu geht. Wer alles hat, dem fällt es vielleicht leichter, heiter zu sein. Doch eine Garantie für das Glück ist weder Reichtum noch Gesundheit noch körperliche Schönheit. Heiterkeit dagegen ist die Risiko-Lebensversicherung. Im Laufe der Jahre erwirbt man eine Garantiesumme, die bei Schicksalsschlägen ohne jede Bürokratie überwiesen wird. Und die Zinsen werden jährlich ausgezahlt und nicht erst im Todesfall. Mit diesen Heiterkeitszinsen kann man die Löcher stopfen, die sich auftun, wenn man mal wieder nicht im Lotto gewonnen hat oder beim Schönheitswettbewerb erst gar nicht in die engere Auswahl kam oder mir das Altenheim vorsorglich schon einen Platz reserviert hat. Es ist egal, ob man jung oder alt, reich oder arm ist, denn man kann sich von den hohen Heiterkeitszinsen fast alles leisten, was man wirklich braucht.

– Wie sehr erschwere ich mir den heiteren Tag durch Gedanken an Reichtum, Schönheit, Gesundheit usw.?

– Investiere ich die gleiche Energie für meine Heiterkeit wie für Schönheitspflege, finanzielle Absicherungen etc.?

– Was konkret tue ich im Alltag für meine Heiterkeitsrisikoabsicherung?

15. Januar

Geburt: Jean Baptist Molière (1622–1673), frz. Lustspieldichter

Geburt: Nathan Söderblom (1866–1931), schwed. ev. Theologe

Der Humor ist ein Sicherheitsventil, das in einem Leben unter Hochdruck doppelt notwendig ist.

(Nathan Söderblom)

Dass Humor für den Stress bzw. gegen den Stress ein probates Mittel ist, das steht mittlerweile in fast jedem Stressselbsthilfebuch. Ein schneller Witz, und weg ist der Stress. Was aber tun, wenn diese einfachen Hausmittelchen nicht reichen? Welche Medizin gibt es für Menschen, die unter einer Grundanspannung leiden, die ständig auf die Uhr gucken, einen vollen Terminkalender haben, deren Mobiltelefon auch auf dem Klo noch klingelt und die im Urlaub an dies und das und die viele Arbeit denken? Da gibt es dann die Stressterminators, die meinen, mal ordentlich auf den Tisch gehauen, die Luft mal richtig raus gelassen, und schon geht es besser. Man oder besser Stressforscher wissen, so geht es nicht. Wutausbrüche helfen kaum, sie können die negativen Gefühle sogar noch verstärken. Wer dagegen Humor als ein Sicherheitsventil nutzt, der erkennt, wie wichtig er seinen Stress nimmt: Wer keinen Stress hat, hat wohl nichts zu tun. Mit Humor geht man die Sache entspannter an, weil man Druck ablässt und für scheinbare Notwendigkeiten die Zeit arbeiten lässt oder einfach auch mal andere machen dürfen oder man sich sagt: Ach, das lasse ich liegen!

– Was tue ich, wenn ich kurz vorm Überkochen stehe?

– Habe ich es schon erlebt, dass Humor wie ein Sicherheitsventil wirkte?

– Wie kann ich konkret den Humor als Sicherheitsventil im Alltag nutzen?

16. Januar

Geburt: Johannes Rau (1931), dt. Bundespräsident, ist bekannt für seine Witze

Wer fröhlich ist, hat allemal Grund, es zu sein, nämlich, dass er es ist.

(Arthur Schopenhauer)

Menschen mit fröhlichem Naturell brauchen keinen Anlass, um heiter zu sein. Sie erfreuen sich an ihrer Fähigkeit, jeden Moment des Lebens zu einer heiteren Angelegenheit machen zu können. Sie leben in den Tag hinein und feiern ihre größten Erfolge als Lebenskünstler. Und auch wenn sie nur sich selbst als Publikum hätten, hörten sie die tosenden Beifallsstürme.

– Brauche ich Gründe für meine Fröhlichkeit?

– Kann ich mich meiner Fröhlichkeit hingeben?

– Nehme ich im Alltag die heiteren Zufälle wahr?

17. Januar

Festtag: Antonius der Große, Patron der Zuckerbäcker

Sinn für Humor ist die Fähigkeit, das Komische wahrzunehmen.

(Peter L. Berger)

Wer Humor hat, hat immer was zu lachen. Wer Humor hat, schaut in die Welt hinein und schon hat er etwas entdeckt, was nicht in die Regel oder die Ordnung passt. Das Komische als Abweichung von der Norm erfreut den humorvollen Menschen, denn es erlöst ihn von dem Zwang, vollkommen sein zu müssen. Welch eine Qual wäre es, wenn es tatsächlich etwas Vollkommenes gäbe? Da aber nichts vollkommen ist, gibt es immer eine kleine Abweichung. Diese komische Nuance befreit den Menschen vom Vollkommenheitswahnsinn. Menschen mit Sinn für Humor ersparen sich das Streben nach dem Überperfekten und sie können gelassen perfekt sein.

– Wie wichtig ist mir Perfektion?

– Sehe ich kleine Abweichungen als komische Nuancen oder als Bedrohung meiner Bemühungen?

– Wie kann ich im Alltag meinen Blick für das Komische schulen?

18. Januar

Geburt: Oliver Hardy (1892–1957), amerik. Filmschauspieler, Dick u. Doof

Geburt: Danny Kaye (1913–1987), amer. Komiker

Geburt: Charles de Montesquieu (1689–1775), frz. Schriftsteller u. Staatstheoretiker

Man kann über alles spötteln, weil alles eine Kehrseite hat.

(Charles des Montesquieu)

Die Wirklichkeit ist nie so einfach, wie sich das der Mann, die Frau von der Straße vorstellt. Und selbst die Frau und der Mann von der Straße wissen, dass alles ein Ende hat, nur die Wurst hat zwei. Jede Medaille hat zwei Seiten, das ist der Spruch, mit dem man solche Sachverhalte auszudrücken pflegt. Dass man nun auch noch spötteln darf, das ist eine intellektuelle Leistung. Denn wenn alles so oder auch so sein kann, dann hat jeder Recht, der durch seinen Spott auf diesen Sachverhalt hinweist. Der Spott trifft lediglich die Ideologen, die behaupten, es wäre so und nicht anders. Da tritt der Spötter dann umso lieber auf, weil er mit seinem Spott auf die zwei Seiten einer Medaille hinweisen kann. Ob Spott nun schon Humor ist oder ob Spott zum Humor dazu gehört, das ist eine andere Frage. Sicher ist, dass Spott ein Schutz vor den Alles-besser-Wissenden und den Geh-weg-da-Typen ist und durchaus humorvoll sein kann.

– Gilt für mich das Entweder-Oder oder das Sowohl-als-auch?

– Macht mir das Spötteln ein wenig Spaß?

– Wie kann ich das Spötteln oder den Spott für meine Heiterkeit nutzen?

19. Januar

Festtag: Agritius

Die Heiterkeit allein ist gleichsam die bare Münze des Glücks und nicht, wie alles andere, bloß der Bankzettel; weil nur sie unmittelbar in der Gegenwart beglückt.

(Arthur Schopenhauer)

Die Menschen, die das Glück anstreben, tun dies auf Pump. Man muss sich anstrengen, man muss einen Beruf erlernen, man muss fleißig sein, sich disziplinieren. Ganz anders bei der Heiterkeit, sie gibt es umsonst und ohne Mühen. Heiterkeit geschieht im Augenblick, man muss sie nur zulassen und dann kommt sie herein. Sie pfeift ein Liedchen und wedelt mit dem Lottoschein, bei dem alle Zahlen angekreuzt sind. Der Gewinn ist sicher und hoch, ganz im Gegensatz zum gewohnten Glücksspiel, bei dem der Gewinn kleiner wird, je mehr Mitspieler die richtigen Zahlen angekreuzt haben. Der Jackpot ist so voll, da können noch viele Generationen die Höchstgewinne erhalten.

– Kann ich den Augenblick genießen?

– Warte ich auf das große Glück?

– Wie kann ich konkret im Alltag durch Heiterkeit kleine Glücksmomente gewinnen?

20. Januar

Geburt: Wigald Boning (1967), dt. Comedian, Die Doofen, RTL Samstag Nacht

Es ist unmöglich, witzig zu sein ohne ein bisschen Bosheit. Die Bosheit eines guten Witzes ist der Widerhaken, der ihn haften lässt.

(Richard Brinsley Sheridan)

Für viele Menschen gilt die eiserne Regel, Humor ist versöhnend und darf nicht böse sein. Schwarzer oder makabrer Humor werden abgelehnt, weil dieser Humor ja verletzen könnte. Viel schlimmer jedoch ist ein Humor, der nicht wehtut. Denn ein Witz, der harmlos daherkommt und kein bisschen Bosheit enthält, der nimmt den anderen nicht ernst. Mit einem Witz deutet der Erzähler auch an, dass ihm etwas wichtig ist, dass er eine Sache engagiert vertritt, dass er für etwas kämpft, oder weil er darunter leidet, seine Bitterkeit auch bitter rüberbringt. Manchmal geht ein Witz auch zu weit, weil der Erzähler zu engagiert dabei ist. Das Entscheidende ist der Widerhaken, der den Hörer ein wenig besser macht, weil er etwas zu grübeln hat oder weil er nachdenken kann. Und ein großer Fehler bei seichten Witzen ist die Vorstellung, ein Witz könne versöhnend sein, wenn vorher gar keine Auseinandersetzung stattgefunden hat. Die Auseinandersetzung ist die Voraussetzung für die Versöhnung.

– Welche Witze sind mir zu böse?

– Spüre ich den Widerhaken solcher Witze?

– Wie kann ich wirklich versöhnend Humor einsetzen?

21. Januar

Geburt: Ludwig Thoma (1867–1921), dt. Schriftsteller, Redakteur b. Simplicissimus

Geburt: Ludwig Reiners (1896–1957), dt. Schriftsteller, schrieb unterhaltsame didaktische Schriften

Während dem gewöhnlichen (humorlosen) Menschen der Alltagsärger erst nach einem Jahr belanglos erscheinen und zum heiteren Gesprächsstoff herabsinken wird, betrachtet der Humor die Widerwärtigkeiten der Welt schon heute aus jener Entfernung, in der die Dinge auf ihr wirkliches Maß zusammenschrumpfen.

(Ludwig Reiners)

Warum fährt man in den Urlaub? Es wäre zu einfach, wollte man behaupten, es ginge um Erholung. Nein, der wahre Grund ist die Hoffnung auf ein Abenteuer, auf ein Missgeschick, irgendetwas soll passieren. Z. B. steht man am Band des Flughafens und wartet auf seinen Koffer. Man wartet und wartet, die anderen Fluggäste trollen sich schon in die Sonne, doch der eigene Koffer kommt nicht. Ein einsamer Koffer fährt immer wieder herum, doch es ist nicht der eigene. Man ist fast geneigt, diesen Koffer an sich zu nehmen. Vielleicht hat manch ein Urlauber dies auch schon in seiner Verzweiflung gemacht. Die anderen Urlauber wundern sich dann über die merkwürdige Kleidung dieses Menschen, alles ein wenig zu klein. Wie man sich jetzt auch entscheidet, all dies gibt genügend Stoff, um den Dia-Abend mit solch amüsanten Geschichten aufzupeppen. Der humorvolle Urlauber nun steht am Band und lässt seinen Koffer mit Absicht eine Ehrenrunde drehen, er freut sich daran, was hätte passieren können, wenn sein Koffer tatsächlich nicht auf dem Band wäre. Er wartet mit seinen humorvollen Geschichten nicht bis zur Diashow, er macht sie im Augenblick. Und ehrlich, so eine Diashow ist einem doch lieber als tatsächlich all die Bilder anzuschauen, die so mancher Urlauber meint, anderen vorführen zu müssen.

– Wie gehe ich mit Missgeschicken um?

– Kann ich den Alltagsärger durch Humor versachlichen?

– Was kann ich konkret tun, um meine humorvolle Haltung zu den Widerwärtigkeiten der Welt weiter zu entwickeln?

22. Januar

Geburt: Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), dt. Dichter u. Kritiker

Der Komödie wahrer allgemeiner Nutzen liegt in dem Lachen selbst, in der Übung unserer Fähigkeit, das Lächerliche zu bemerken.

(Gotthold Ephraim Lessing)