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Anne Heintze

EROTISCHE

INTELLIGENZ

Hochsensibel lieben

und sinnlich leben

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Erste Auflage 2017

Copyright © 2017 by Integral Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte sind vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

unter Verwendung eines Motivs von © Nature Art / shutterstock

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-21038-0
V001

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Der Liebe

Die Liebe.

Sie ist.

Einfach nur so.

Überall.

In dir.

In mir.

Drumrum.

Nicht getrennt von irgendwas.

Nicht Mann. Nicht Frau.

Sie ist kein Gefühl. Sie ist kein Gedanke.

Sie ist ein Atmen. Sie ist ein Fließen.

Sie ist Eros. Sie ist Lust.

Sie ist Agape.

Sie ist Hingabe

Sie ist Expansion.

Sie ist Wehen.

Sie ist Sehnen.

Sie ist Hafen.

Sie ist Nest.

Sie ist Vertrauen.

Ins Leben.

In mich.

In dich.

In es.

Die Liebe.

Sie ist.

Hier.

Danke für all die Liebe,

die ich erfahren habe.

Empfangend.

Schenkend.

Erlebend.

Leibend.

Inhaltsverzeichnis

Dumm oder intelligent? Sensibel oder hammerhart?

Unsere »Intelligenzmuskeln«

Gibt es auch in der Liebe Genies?

Teste deine erotische Intelligenz

Was genau ist erotische Intelligenz?

Was heißt überhaupt Intelligenz?

Intelligent fühlen?

Hochsensibilität als eine Form von Intelligenz

Die erotische Intelligenz kultivieren

Klug und sexy?

Das Los der intelligenten Frauen

Kluge Männer schätzen kluge Frauen

Sapiosexuell zu sein ist wunderschön!

Ohne Selbstliebe keine erotische Intelligenz

Liebst du dich? So richtig? Wirklich und spürbar?

Nur ein starkes Ich findet ein starkes Du

Sinnlichkeit ist mehr als Sex

Sinnlichkeit als Lebenserfahrung

Lerne, deine Sinne zu schätzen

Die Erlaubnis für ein genüssliches Leben

Genuss und Sinnlichkeit lernen

Mehr Genuss in der Sexualität

Die Irritation der Geschlechter

Frauen haben es nicht leicht!

Männer auch nicht!

Weibliche Sexualität

Erotische Intelligenz für Singles und Mingles

Alleinsein und Einsamkeit

Mingles – Die Unverbindlichen

Kann ein virtueller Flirt erotisch intelligent sein?

Angst vor der Liebe?

Das Bauchgefühl bei der Partnerwahl

Die sensible Liebe in der Partnerschaft

Liebe ist Arbeit

Wie du dir selbst treu bleibst

Gib der Liebe viel Spielraum

Die Vision für deine Partnerschaft

Entdecke deine Leidenschaft

Knisternde Erotik braucht nicht viel

In Beziehung frei sein

Was ist wahre Intimität?

Sinnliche Sexualität statt langweiligem Sexen

Was ist »gesunder« Sex?

Angst vor Intimität

Scham und Leidenschaft

Wie du deinen Körper lieben lernst

Slow Sex für dein erfüllteres Liebesleben

Wie du Erotik und Liebe vereinst

Die Schwestern Sexualität und Spiritualität

Die Wege des Tantra

Das altindische Liebesfest

Die hohe Kunst der erotischen Liebe

Die Solo-Übungen

1. Sensibilisierung

2. Intensivierung

3. Limitierung

4. Kanalisierung

Die Symphonie der sieben sinnlichen Nächte

Die erste Nacht: Ouvertüre

Die zweite Nacht: Largo

Die dritte Nacht: Adagio

Die vierte Nacht: Andante

Die fünfte Nacht: Moderato

Die sechste Nacht: Allegro

Die siebte Nacht: Vivace

Du kannst!!

Anhang

Dumm oder intelligent? Sensibel oder hammerhart?

»Dumm fickt gut.« Dass diese Behauptung von wenig kultivierten und nur mangelhaft erotisch begabten Menschen in die Welt gesetzt wurde, ist längst klar. Wir alle kennen den Unterschied zwischen einer leidlich angenehmen erotischen Begegnung und einem sinnlichen Feuerwerk, an das man noch lange gern zurückdenkt. Das eine ist so … na ja … und vom anderen will man mehr haben. In diesem Buch beschreibe ich einige Wege, die ein lust- und genussvolles erotisches Leben möglich machen. Es geht auch um eine gesellschaftliche Entwicklung, in der die Polaritäten Männlichkeit und Weiblichkeit keine klaren Inhalte mehr haben. Es geht um die große Angst vor dem Weiblichen, weil das uncool ist, sowohl für Frauen, die immer mehr »ihren Mann stehen müssen«, als auch für Männer, die zunehmend verunsichert sind und für deren Anima wenig Platz bleibt.

Die »erotische Intelligenz« ist der Schlüssel zu tiefer Intimität, spiritueller Partnerschaft und erfüllender Sexualität. Doch sie kommt für die meisten Paare in einer von Hektik und Stress dominierten Zeit häufig zu kurz oder verkümmert mehr und mehr. Dabei ist das Praktizieren der Liebeskunst in einer Partnerschaft wie Balsam für Körper, Geist und Seele.

Für alle Paare, die bereit sind, in diesem Bereich etwas Neues zu wagen, bietet dieses Buch eine wundervolle Möglichkeit, ihre Beziehung mit Energie und Lust aufzuladen. Aber auch Singles werden von ihm profitieren, denn einen weiteren Fokus habe ich darauf gelegt, Liebesfähigkeit und Selbstakzeptanz zu leben und den gewünschten Partner ins eigene Leben einzuladen. Dieses Buch ist daher für alle Suchenden. Es ist für Menschen, die ihre erotische Intelligenz fördern wollen und bereit sind, ihren Intelligenzquotienten in Sachen Liebe und Erotik zu erhöhen.

Aber zurück zum ersten Satz. Wer von uns kennt diese dämliche Aussage nicht? Und wer von uns würde ihr nicht vehement widersprechen? Zumindest Menschen, die dieses Buch lesen und damit beweisen, dass sie auf der Suche nach einem intelligenten und sensiblen Umgang mit Erotik und Sexualität sind, können über diese drei Worte nur den Kopf schütteln. Dennoch war ich sehr überrascht, als ich in den zahllosen Gesprächen der letzten drei Jahre, während denen ich dieses Buchprojekt im Kopf hatte, nicht einen einzigen Menschen getroffen habe, der keine Meinung zu diesem Satz hatte. Jeder, absolut jeder, kannte ihn und jeder lehnte ihn ab. Alle glaubten, dass dieser Satz nur von einem Mann stammen könnte. Doch wenn dann ein tieferes Gespräch entstand, habe ich oft ein »Allerdings …« oder »Und …« als Ergänzung gehört.

Von Frauen kamen beispielsweise solche Anmerkungen:

Auch Männer wurden recht nachdenklich und äußerten sich so:

Diese Gespräche haben mir vor Augen geführt, wie problembelastet die Themen Erotik, Sexualität, Genuss und Sinnlichkeit für viele Menschen sind. Vor allem hochsensible, hochsensitive und besonders begabte Erwachsene haben vielfach das Bedürfnis, ihr Leben in diesen Bereichen deutlich zu verbessern.

Also fragte ich mich, ob es so etwas wie erotische Intelligenz oder auch erotische Dummheit tatsächlich gibt. An dieser Stelle sei gleich gesagt, dass ich mich mit Dummheit hier nicht beschäftige. Das Wort enthält eine Abwertung, die ich so nicht stehen lassen will. Also spreche und schreibe ich lieber von einem intelligenten Umgang mit Erotik und Sex und einem weniger intelligenten Umgang damit. Für viele Menschen ist Dummheit das Gegenteil von Intelligenz. Ich sehe das nicht so. Nicht hochsensible Menschen sind schließlich auch nicht automatisch unsensibel. Es gibt viele Nuancen der Sensibilität und es nützt niemandem, wenn wir in ein Schwarz-Weiß-Denken verfallen, das mit einem unsensiblen Abwerten verbunden ist. Das Gleiche gilt für die erotische Intelligenz. Ganz unten in den Schubladen der Abwertung steht der Satz »Dumm fickt gut.« Aber die Spanne zwischen dumpfer, animalischer Triebbefriedigung und tiefen, ekstatischen sexuellen Erfahrungen ist sehr weit.

Fast drei Jahrzehnte arbeite ich nun als Coach und Therapeutin und in dieser Zeit habe ich immer wieder Menschen mit einem gesunden und intelligenten Umgang mit der eigenen Erotik und Sexualität erlebt. Das ist für mich daran erkennbar, dass jemand locker und unverklemmt darüber sprechen kann. Es gibt ganz offensichtlich weitere Erkennungsmerkmale für eine intelligente, sehr lebendige und erfüllende Erotik. Diese Merkmale kennen wir alle und wir alle kennen Menschen, die sie besitzen. Auch du kennst bestimmt jemanden, der frei wirkt, äußerst lebendig, neugierig, sinnlich, lebenslustig und rundherum attraktiv! Diese Menschen haben eine ganz besondere Ausstrahlung.

Natürlich fragte ich mich, ob man diese Ausstrahlung auch erlernen und sich aneignen kann, so wie viele andere Softskills: Kommunikationsfähigkeiten oder Kreativitätstechniken beispielsweise oder sogar Charisma. Bei Sinnlichkeit und Erotik ist es nicht anders, aber das habe ich lange Zeit selbst nicht realisiert. Bewusst wurde es mir erst, als ich mir Gedanken über meine eigene Sexualität und Erotik gemacht habe. Und das natürlich nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich es musste. Denn ich habe in diesem Bereich viele Jahre großen Hunger gelitten.

Keines meiner bisherigen Bücher ist mir so schwergefallen wie dieses hier. Ich wollte den Spagat versuchen, etwas Tiefgründiges, Sinnliches so darzustellen, dass sensibel und intellektuell begabte moderne Menschen einen Zugang dazu bekommen können, ohne von ihrer eigenen Geschichte und Vorerfahrung eingeholt zu werden. Stattdessen wollte ich sie öffnen für neue Denk- und Fühlansätze. Dieses Buch hatte die längste Vorlaufzeit, denn seit mehr als drei Jahren ist es bereits in meinem Kopf und mit meinem Verlag abgesprochen. Immer wieder habe ich die Inhalte verändert. Immer wieder das Konzept überdacht (und auch umgeworfen). Immer wieder neu suchte ich den roten Faden und ließ am Ende die Vorstellung fallen, ein so komplexes Thema in eine allzu starre Struktur packen zu können. Immer wieder fand ich nicht den für mich richtigen Weg, all das zu beschreiben, was für mich erotische Intelligenz ausmacht. Ich hatte große Sorgen, dass allein dieser Begriff bei vielen Menschen Vorurteile auslösen könnte. Es ist mir auch völlig bewusst, dass es in diesem Bereich sehr viele Möglichkeiten für Missverständnisse gibt. Diese entstehen natürlich durch die eigenen, oft negativen Erfahrungen mit Erotik und Sexualität. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, für die ihr erotisches, sinnliches und sexuelles Erleben belastet ist, und ich weiß in meinem tiefsten Herzen und in meinen Synapsen, dass es so nicht sein und bleiben muss.

Ich selbst habe erlebt, wie sich mein sexuelles und erotisches Empfinden im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Nicht, dass es mir leichtgefallen wäre. Gar nicht! Ich kannte mich als Frau nicht, ich habe gelitten, ich habe mich infrage gestellt, ich habe mich falsch gefühlt. Aber ich hatte das Glück, dass mir in meinem Leben wundervolle Erfahrungen zuteilwurden, die es mir ermöglicht haben, über meine negativen Erlebnisse und Vorurteile hinauszugehen. Das Leben hat es immer wieder gut mit mir gemeint.

Aber es hat lange gedauert, bis ich mich als sinnliche, weibliche und wirklich erotische Frau kennengelernt habe. Ich war da bereits in meinen Vierzigern. Meine ersten sexuellen Erfahrungen hatte ich mit vierzehn, als ich von meinem Reitlehrer missbraucht wurde. Aber wie das damals so war: Das Geschehen wurde von allen Beteiligten totgeschwiegen und ganz besonders von mir selbst. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich mich dieser Erfahrung gestellt habe. Dieser Missbrauch hatte bereits in meiner Pubertät zu Depressionen geführt, denn ich konnte es nicht ertragen, dass ein mehr als doppelt so alter Mann sexuelle Gefälligkeiten von mir erpresst hatte. Es hat sehr lange gedauert, bis ich Sexualität mit einem Partner erleben und dabei eine Art von Orgasmus haben konnte. Das, was ich dann als meinen ersten Orgasmus erfahren habe, erhielt ich lange Zeit für das Nonplusultra. Es war jedoch nur so, als hätte ich in einer mir bis dahin unbekannten Fremdsprache das erste Mal eine Antwort auf eine von mir gestammelte Frage bekommen. Von den Möglichkeiten, diese Sprache virtuos zu beherrschen, war das noch weit entfernt. Aber ich habe gelernt. Je mehr ich mich meiner eigenen Weiblichkeit gewidmet habe – zunächst indem ich mich einfach gefragt habe, was ich denn darunter verstehe und wie ich mich als Frau fühle –, umso mehr konnte ich auch Menschen in meinem Umfeld erleben, die diese Aspekte meiner Weiblichkeit schätzen konnten.

Ich habe bereits früh damit begonnen, mich selbst zu befriedigen und fand das toll. Dann kam der Missbrauch. In meinen Zwanzigern habe ich mich ausprobiert und vor allem festgestellt, was nicht meinem erotischen und sinnlichen Empfinden entspricht. Meinen Körper hatte ich bis dahin als notwendiges Vehikel empfunden. In dieser Zeit, in der ich auch als Fotomodel arbeitete, erlebte ich, dass sich die meisten Aufträge auf mein Gesicht, mein Makeup oder mein Hairstyling bezogen. Also dachte ich, dass mit meinem Körper wohl etwas nicht in Ordnung sei.

Aber ich lernte dann auch zu unterscheiden. Mit mehr als dreißig Jahren hatte ich den ersten wirklichen Orgasmus mit einem Partner. Aber ich habe auch danach noch oft einen Orgasmus vorgespielt, wenn ich keinen hatte. Das hat sich für mich allerdings armselig angefüllt und ich wollte es irgendwann nicht mehr. Ich begann, mich als Frau auszuprobieren – und habe noch mehr von dem erlebt, was mich nicht erfüllt. Ich wollte auch keine Bruder-Schwester-Beziehungen mehr (»Du bist doch mein bester Freund und Kumpel«), die frei von erotischer Spannung sind. Mit mehr als vierzig Jahren habe ich dann endlich erlebt, dass das, was ich lange Zeit geahnt hatte, eine reale Möglichkeit ist: Ich habe meine Weiblichkeit und meine weibliche Stimme entdeckt. Ich fand meine Selbstliebe. Ich lernte, meinen Körper zu lieben und zu achten. Ich erlebte erotische und sexuelle Begegnungen, die mein Leben verändert haben, denn ich erlebte darin eine Form von Lebendigkeit, die ich mit meinem wachen Verstand eigentlich nicht nachvollziehen konnte. Diese Erfahrungen wurden erst möglich, als ich mich einer ganzheitlichen Sichtweise der Sexualität gegenüber geöffnet hatte. Lebendigkeit, Genuss, sinnliches Erleben, pralle Weiblichkeit, eine wirklich innennackte Kommunikation – all das habe ich erst dann erlebt, und zwar mit Partnern, für die Selbstreflexion, Potenzialentfaltung und eine ganzheitliche Sichtweise des Lebens das Selbstverständlichste überhaupt sind. Was sie dahin geführt hat und mich dann auch dahin führte, dass ich mich selbst als sinnliches und erotisches Wesen erlebe, das beschreibe ich in diesem Buch. Ich danke meinen Lehrern: meinen Seelenverwandten, meinen Ehemännern und meinen Liebespartnern.

Es gibt für so manche sinnliche Erfahrung keine Beschreibung. Da ich aber selbst lange Zeit so extrem verstandesorientiert war, versuche ich in diesem Buch, Brücken zu bauen, die es dir ermöglichen, ähnliche Erfahrungen zu machen wie ich. Offenheit ist dafür wichtig. Auch Klarheit. Und vor allem Selbstbewusstsein. Wenn du dir deiner selbst nicht bewusst bist, wie könntest du dann dein Selbst nähren? Da ich weiß, dass viele hochsensible Menschen ebenfalls einen sehr wachen Verstand besitzen, ist mir auch klar, dass wir erst einmal viele gute Argumente brauchen, um Optionen in Betracht zu ziehen, die uns vielleicht bisher noch fern waren. Das versuche ich mit diesem Buch. Es wäre schön, wenn mir dieser Eiertanz gelingt, sicher bin ich mir nicht. Nach all den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, in denen ich mich der Entstehung dieses Buches gewidmet habe, war ich oft sehr zweifelnd, und in gewisser Weise bin ich es immer noch. Die Balance zwischen dem Füttern des Verstandes (damit er Ruhe gibt) und dem Öffnen aller emotionalen Ebenen (ohne die erotische Intelligenz nicht lebbar ist) schien mir manchmal unerreichbar. Dennoch weiß ich durch die Arbeit mit vielen hochsensiblen Menschen, wie wichtig es ist, den Verstand mit einzubeziehen und ihn zum Verbündeten der Emotionen zu machen, damit wir wirklich ganzheitlich unsere Gaben leben können.

Naturgemäß habe ich als Beraterin und Coach mehr Klienten, deren Liebesleben mit Problemen belastet ist, als solche, die happy damit sind. Es ist auch für mich nicht zu übersehen, dass gerade bei Hochsensiblen und Hochbegabten dieses Feld oft brachliegt und es für sie nicht leicht ist, es zum Blühen zu bringen. Aber es ist möglich, jede Form von Begabung, Intelligenz und besonderen Fähigkeiten zu stärken und zu veredeln! Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Intelligenz und die meisten Intelligenzformen angeboren sind. Aus der Forschung zur kognitiven Intelligenz wissen wir jedoch, dass nur die Hälfte auf genetische Prägung zurückzuführen ist, die andere Hälfte ist durch Verhalten, Vorbilder und Lernen (Wiederholung) deutlich beeinflussbar. Und warum soll das mit der erotischen Intelligenz nicht genauso sein?

Ich biete dir mit den folgenden Kapiteln ein Büffet an Möglichkeiten, um deine erotische Intelligenz zu wecken und zu entfalten. Wie bei allen Büfetts müssen wir vieles probieren, wenn wir herausfinden wollen, was uns schmeckt. Nichts ist für alle gleich lecker. Aber ich hoffe, dass ich dir ausreichend viele »Speisen« anbieten kann, damit du körperlich, geistig und seelisch wirklich satt wirst.

Wie du den Verstand für dein Liebesleben nutzt

In diesem Buch bekommst du viel Wissen über die erotische Intelligenz. Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Themen Sinnlichkeit, Genuss und Erotik. Aber auch die Rollen der Geschlechter, Veränderungen in der Gesellschaft, soziologische Erkenntnisse und Grundlagen einer glücklichen Partnerschaft beschreibe ich, bevor es am Ende einen besonders intensiven Übungsteil gibt. Warum? Da wir so einen wachen und wohltrainierten Verstand haben, ist es wirklich notwendig, dass wir ihm auch ausreichend Futter, sprich Argumente liefern, damit er bei der Entwicklung der erotischen Intelligenz, die auf der Grundlage der emotionalen Intelligenz und der Sensibilität entsteht, kein Störfaktor ist. Worte sind zunächst wirksam im Bewusstsein. Gleichzeitig wirken sie jedoch auch auf das Unterbewusstsein. Dieses müssen wir erreichen, um die erotische Intelligenz nachhaltig zu entwickeln. Wir schaffen mit dem theoretischen Background ein Feld, das es einem wachen Verstand leichter macht, sinnliche Entwicklung und Entfaltung zu akzeptieren. Die Lektüre soll am Ende ein großes Mosaik ergeben: ein sehr klares Bild von erotischer Intelligenz, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Wenn du einzelne Mosaiksteinchen überspringst, fehlt dir am Ende vielleicht ein kleines Stück für das ganze schöne schillernde Bild, das dein gesamtes Wesen erfreut. Widme dich deshalb möglichst allen Kapiteln, probiere die verschiedenen Übungen, aber spüre auch in dich hinein, ob sie für dich jetzt gerade passend sind. Ein weiteres Gegengewicht zu den praktischen Informationen bilden kurze Zitate und klassische Gedichte, die deine Sinne bewegen und dein Herz erreichen sollen.

Wenn du das Buch achtsam liest, kann es passieren, dass in dir eine gewisse Irritation und Verwirrung entsteht. Vielleicht fühlst du dich, als wenn du in den Schleudergang einer Waschmaschine geraten wärst. Mal geht es langsam, mal geht es schnell und ganz am Ende geschieht die ultimative Beschleunigung. Dies alles ist beabsichtigt, denn auf diese Art und Weise hoffe ich, sehr unterschiedliche Bereiche deiner Wahrnehmung zu erreichen. Du bekommst viele sachliche Informationen neben emotionalen Inspirationen, praktischen Übungen und einigem mehr. Je tiefer du dich darauf einlässt, umso intensiver werden die Erfahrungen sein. Wenn dich etwas nicht anspricht, beachte es nicht groß, sondern lies weiter, bis in dir wieder eine intensive Resonanz entsteht. Sei dabei aber auch achtsam, ob das Desinteresse vielleicht auch mit einer Abwehrhaltung und einem inneren Widerstand zu tun hat. Die Passage hat dann etwas mit dir zu tun. Nur wenn du einfach die Schultern zucken kannst und es dir egal ist, ist keine Resonanz entstanden.

Ich hoffe, du möchtest nicht nur lesen, sondern wirklich ganz konkrete Veränderungsschritte in deinem Leben herbeiführen. Dann lass uns gleich an dieser Stelle mit einer kurzen Bestandsaufnahme beginnen.

Reflexion: Wo stehst du und wohin zieht es dich?

Mit Selbstreflexion fängt jede Persönlichkeitsentfaltung an. Wie könntest du etwas leben, wovon du noch nicht einmal weißt, dass es in dir ist? Wie könntest du kluge und erwachsene Entscheidungen treffen, wenn du nicht weißt, was du dir wünscht? Wie könntest du reife und erotisch intelligente Liebesbeziehungen haben, wenn du dir deiner eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte nicht bewusst bist? Stelle dir einige Fragen über dein Leben, um dich selbst tiefer kennenzulernen:

Du wunderst dich vielleicht, dass viele dieser Fragen keinen offensichtlichen erotischen oder sexuellen Kontext haben. Erotische Intelligenz geht weit über diese direkten Bezüge hinaus. Sie hat viel mehr mit Sinnlichkeit und Genuss zu tun, mit innerer Freiheit und dem prickelnden Gefühl von Lebendigkeit, das dann entsteht, wenn ein Mensch selbstbewusst sein Wesen leben kann.

Ein ganz unromantischer Tipp

Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig das Aufschreiben dafür ist, dass ein Mensch seine Ziele auch wirklich erreicht und seine Träume wahr macht. Hierbei ist es vollkommen unerheblich, in welchem Bereich die Ziele liegen. Allein die Tatsache, dass schriftlich gearbeitet wird, führt dazu, dass sich der Fokus auf die Realisierung ausrichtet. Beim Aufschreiben werden mehrere Sinne genutzt und beide Hirnhälften sind involviert. Es ist ein völlig anderer Vorgang als beim Lesen, beim Hören eines Audiobooks oder beim bloßen Durchdenken. Meine langjährige Erfahrung im Coaching und in meinen Onlinekursen hat bewiesen, dass das Aufschreiben hilfreich ist.

Es wurde auch von einer Langzeitstudie der Harvard-Universität bestätigt. Dabei wurden Studenten befragt, ob sie ihre persönlichen Ziele niedergeschrieben und eine konkrete Planung erstellt haben. Nur 5 Prozent haben dies bejaht. Nach zwanzig Jahren wurden alle Studenten wieder befragt. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen mit den schriftlich fixierten Zielen erfolgreicher waren als ihre Mitstudenten. Außerdem gaben sie an, dass sie zufriedener und glücklicher seien.

Du siehst: Das Definieren und schriftliche Festhalten von Zielen ist entscheidend. Das gilt auch für Gedanken und Gefühle bezüglich deiner Sexualität. Damit wirst du dir deiner Lebensinhalte bewusster und kannst dich fokussierter deinem Sein und Werden widmen. Es mag dir unromantisch vorkommen, wenn ich das Thema erotische Intelligenz ebenso angehe wie ein berufliches Ziel. Die erfolgreichen Wege funktionieren jedoch unabhängig von der Art des Zieles. Du wirst deswegen auch erleben, dass ich immer wieder den Verstand und die rationale Seite deines Seins anspreche und nicht nur die emotionalen Seiten. Nur im ausgewogenen Einklang aller Anteile, die Einfluss auf deine Lebensqualität haben, kann Entwicklung spielerisch und leicht geschehen.

Daher bitte ich dich: Beantworte dir die Fragen aus der ersten Reflexion und alle weiteren, die ich dir stelle, ganz ehrlich, gewissenhaft und schriftlich. Wenn dir eine Übung zunächst unverständlich erscheint, rate ich einfach zum Ausprobieren. Einige Übungen bauen aufeinander auf und führen letztlich zur Entfaltung deiner erotischen Intelligenz. Es ist also wichtig, nicht einfach nur zu lesen, sondern wirklich mitzuarbeiten.

Nun hab viel Erfolg und große Freude auf deinem Weg zum Liebesglück. Das hört sich kitschig an, aber genau das wünsche ich dir! Ich weiß genau: Es funktioniert.

Noch etwas: Wie in all meinen bisherigen Büchern auch verwende ich das vertraute Du, statt des formellen Sie. Zum einen, weil es wieder ein sehr persönliches Buch ist, zum anderen, weil du so die Themen über dein Unterbewusstsein viel besser aufnehmen und verwerten kannst. Und ich möchte dich auch deshalb gern mit Du ansprechen, weil ich das Gefühl habe, dass die Menschen, die dieses Buch lesen, in ihrem Herzen meine Seelenverwandten sind.