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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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1. Auflage 2017

© 2017 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

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Dieses Buch ist eine völlig überarbeitete Neuauflage des Titels Like mich am Arsch – Wie unsere Gesellschaft durch Smartphones, Computerspiele und soziale Netzwerke vereinsamt und verblödet.

Redaktion: Antje Steinhäuser

Umschlaggestaltung: Melanie Melzer

Umschlagabbildung: Illustration: © Melanie Melzer, Hintergrundbild: © sl_photo/Shutter­stock

E-Book-Konvertierung: Carsten Klein, München

ISBN Print: 978-3-7423-0048-5

ISBN E-Book (PDF): 978-3-95971-432-7

ISBN E-Book (EPUB, Mobi): 978-3-95971-433-4

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Inhalt

Impressum

Vorwort von Monika Gruber

Weil unser soziales Netzwerk früher draußen war

Weil das Smartphone nichts mehr mit einem Telefon zu tun hat

Weil wir uns nicht mehr auf unseren Verstand verlassen

Weil »Facebook« nichts zu verschenken hatte

Weil wir trotz 1000 Freunden womöglich allein bleiben

Weil ein Käsebrot keinen Nachrichtenwert hat

Weil sich ein blöder Spruch nicht mehr zurückholen lässt

Weil jedes Urlaubsfoto brandgefährlich werden kann

Weil wir auf »Tinder« nicht die wahre Liebe finden

Weil auf »YouTube« viel zu viele unnütze Dinge zu sehen sind

Weil uns die Technik sogar krank machen kann

Weil das digitale Erbe sogar nach dem Tod Probleme bereitet

Vorwort von Monika Gruber

Eigentlich mag ich es ja nicht, wenn Leute immer sagen: »Früher war alles besser!« Aber mal unter uns Analog-Brüdern und -Schwestern, die noch wissen, was ein Commodore 64 war: Es stimmt! Ich bin mir ziemlich sicher, seit ich vor Kurzem ein junges Mädchen auf dem Fahrrad gesehen habe, das offensichtlich eine so innige Verbindung zu seinem Smartphone hatte, dass es die Augen nicht vom Display wenden konnte – bis sich ihm ein tapferer Laternenpfahl in den Weg stellte, um zu verhindern, dass das arme Mädel kopfüber in den neben dem Radweg liegenden Fluss stürzte.

Wenn man heute in der U-Bahn oder auch in einem Restaurant sitzt und seine Mitmenschen beobachtet (ich nenne es immer »People-TV«), kann man davon ausgehen, dass man dabei der Einzige ist. Anstatt sich miteinander zu unterhalten oder zumindest das Essen zu genießen, starren vier Personen auf einer Bank oder an einem Tisch auf ihre jeweiligen Telefone oder Tablets. Ganze Konzerte von Künstlern von Weltruf (Zitat aus Helmut Dietls Monaco Franze) schauen sich die Besucher nicht mehr vor Ort an, sondern glotzen wie Autisten auf das Display. Auf der heimischen Couch lässt sich das Konzerterlebnis schließlich am nächsten Tag viel intensiver empfinden, als wenn oben genannter Künstler leibhaftig und in Lebensgröße vor einem steht.

Ja, manche stürzen sogar über Klippen zu Tode bei dem Versuch, das perfekte Selfie für die Daheimgebliebenen zu schießen. Und nichts bringt diese Süchtigen wieder ins analoge Leben zurück, weil man halt dummerweise nicht davon ausgehen kann, dass der Mensch wie eine Katze mehrere Leben hat: weder gutes Zureden noch Geschichten von früher, als Geschichten noch gelesen wurden und nicht auf »YouTube« anzuschauen waren, noch starkes Schütteln oder Abwatschen. Ich habe alles ausprobiert!

Dass »Facebook« und E-Mails blöd, blind und einsam machen, vermute ich schon lange, und bei der Lektüre von Andreas Hocks Buch fiel mir wieder eine Studie ein, die ich vor Kurzem gelesen habe: Der Jetztzeit-Homo-sapiens wird durch das ständige, ja krankhafte Checken seiner Mails stärker abgelenkt als durch Kiffen – und entwickelt sich dadurch quasi zum »Homo demens«. (Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass diese Studie weder frei erfunden noch von mir ist!).

Eine andere Untersuchung besagt, dass wir alle 11 Minuten unsere Mails beziehungsweise unsere SMSen überprüfen und danach ungefähr 15 Minuten brauchen, um uns wieder auf die ursprüngliche Tätigkeit zu konzentrieren. Schade nur, dass das zeitlich nicht ganz aufgehen kann. Diese Studie hatte wohl auch der Maler beherzigt, den ich neulich dabei beobachtete, wie er eine Hauswand strich: In der einen Hand hielt er den Pinsel, mit dem er monoton die Wand auf und ab wischte, in der anderen sein Smartphone, mit dem er genauso monoton nach seinen Nachrichten wischte. Sie dürfen raten, wohin sein Blick gewandt war. Kleiner Tipp: Es war nicht die zu streichende Wand!

Und die Menschheit ist nicht nur dabei, zu verblöden und zu vereinsamen. Sie ist auch sehr gut darin, sich selber zu belügen, denn absurderweise kämpfen gerade die Deutschen immer sehr energisch und vehement gegen digitale Überwachung und Spionage, um gleichzeitig im Netz hemmungs- und bedenkenlos blankzuziehen: Jede Pore, jeder (Waden-)Krampf, jede Puls-Amplitude, jeder Anflug eines Beziehungsstatus, jeder von Cappuccino durchfeuchtete Cappuccino­tassenuntersetzer aus Papier, jeder Floh im Pelz eines Haustieres – ach, die Liste ließe sich fortführen von hier bis an den leider sehr selfie-tauglichen Hafen von Portofino – wird mittels Smartphone oder dieser gerade sehr populären Überwachungsarmbänder an Krankenkassen, Fast-Food-Ketten, Marktforscher, den eigenen Chef und andere Kasper weitergegeben. Nur damit in Silicon Valley ein paar Computer-Nerds den digitalen Beweis unserer eigentlich doch so sympathischen Unvollkommenheit haben. Eine Schwäche, die es auszumerzen gilt bei den zu entwickelnden künstlichen Wesen, die wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft unsere schöne Welt bevölkern werden. Und gerade deshalb sollten wir die Zeit, in der wir gerade leben, nicht nur als Sklaven der Technik verbringen, denn das Einzigartige daran ist laut eines US-Wissenschaftlers, dass »wir später sagen werden, dass wir noch Menschen sein durften«.

Andreas Hock ist ein genauer Beobachter, der es versteht, humorvoll und selbstironisch den digitalen Quantensprung und seine sozialen (oder vielmehr seine asozialen) Auswirkungen unterhaltsam zu beschreiben. Und zwar so, dass auch ein technisch wenig versierter Zeitgenosse (also ich) seinen Schilderungen folgen kann – auch wenn ich noch nie in meinem Leben von Spielen gehört habe, die »Pong« oder »Donkey Kong« hießen. Da er – wie ich auch – aber noch die Zeiten erlebt hat,

kommt uns sehr vieles heutzutage völlig absurd, unsinnig und irgendwie befremdlich vor.

Schon klar, kein Mensch möchte mehr nachts ohne Mobiltelefon im Auto unterwegs sein, weil: Falls etwas passiert, ist Hilfe nicht weit. Kein Mensch möchte mehr Familienangehörige längere Zeit im Ausland wissen, ohne regelmäßig mit ihnen skypen zu können. Und kein Mensch möchte plötzlich nicht mehr die Möglichkeit haben, seinen Freunden zu schreiben: »Meld dich doch mal wieder ... vermisse dich!« oder: »Sorry, verspäte mich um fünf Minuten!«

Denn es ist toll – keine Frage – zu jeder Zeit über alle Distanz mit den Menschen, die einem etwas bedeuten, Kontakt halten zu können. Darauf folgt nämlich meist das wirklich Wunderbare, und das ist dann doch wieder ziemlich Old-School: Zeit mit den Lieben zu verbringen, gemeinsam zu lachen, zu essen, zu diskutieren, sich zu streiten und sich zu umarmen, sich an den Händen zu halten, sich in die Augen zu sehen. Und dazu braucht man überhaupt kein Tablet, kein Smartphone, kein Pokémon und kein Instagram. Oder wie mein Lieblingssänger – nach Frank Sinatra – Mr. Tony Bennett es so schön formulierte: »Was gut ist, bleibt einfach gut, und man kann und muss es nicht ändern!«

Schön, dass uns Andreas Hock daran so amüsant und tiefgründig erinnert: An ihm ist wirklich ein großer Schriftsteller verloren gegangen!