Alexander Bode | Martin Pätzold (Hg.)

Wirtschaftswunder 4.0

Wie Politik und Unternehmen den Weg ins digitale Zeitalter meistern

 

Die Herausgeber danken der Compugroup Media SE, der IFOK GmbH, der German Startups Group Berlin GmbH & Co. KGaA und der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für ihre freundliche Unterstützung bei der Entstehung dieses Buches.

 

 

 

 

 

 

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016

Alle Rechte vorbehalten

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Umschlaggestaltung: Christian Langohr, Freiburg

Bilder alle © privat 

außer 1 und 2: © Tobias Koch, 3: © Steven Vangermain

E-Book-Konvertierung: Daniel Förster, Belgern

 

ISBN (E-Book) 978-3-451-80866-1

ISBN (Buch) 978-3-451-37687-0

Inhalt

Vorwort
Industrie 4.0 – von der Technologisierung zum kulturellen Wandel
»Kultur und Technik: Im Zentrum des digitalen Wirtschaftswunders steht der Mensch«
Von Hans-Peter Meister und Julia Straub
Die Digitalisierung bedeutet für Unternehmen eine Reise in andauernde Unsicherheit
Für Unternehmen geht es darum, den Blick zu öffnen
Mit Industrie 4.0 verbindet sich die Hoffnung auf mehr Effizienz
Neue digitale Wettbewerber setzen die etablierte Industrie unter Zugzwang
Netzwerke sind die Wachstumschance für deutsche Unternehmen
Eine offene Kollaborationskultur setzt Potenziale frei und passt in unsere Zeit
In einer Kollaborationskultur wird Vertrauen zur Schlüssel-Ressource
Digitalisierung ist organisationale Herausforderung und Chance zugleich
Das digitale Wirtschaftswunder setzt auf den Menschen und seine Potenziale
»Die digitale Revolution ist im vollen Gange«
Von Christina Schwarzer
Digitalisierung hier und jetzt akzeptieren, damit Wohlstand erhalten bleibt
Digitales Lernen gehört schnellstens in die Lehrpläne
Die digitale Revolution ist in vollem Gange – wir müssen jetzt mitgestalten, statt nur über Risiken zu philosophieren
Politische Rahmenbedingungen führen langfristig zur gesellschaftlichen Akzeptanz
Digitalisierung anpacken und vom Fortschritt profitieren
Arbeitswelt von morgen – digitale Kompetenz für alle Fachkräfte sichern
»Die neue Attraktivität Berlins für Fachkräfte in Start-up-Unternehmen«
Von Christoph Gerlinger, unter Mitwirkung von Marcel Doeppes und Theo Bonick
»Chancen nutzen und Zukunft gestalten in der Arbeitswelt von morgen«
Von Kai Whittaker
Arbeitswelt von morgen gestalten
Lebenslanges Lernen als Leitmotiv
Soziale Sicherung im Zeitalter der Digitalisierung
Die Zukunft hat in der Praxis begonnen – Ausblick
Digitaler Staat – Vision einer effizienten und bürokratiearmen Verwaltung
»Innovation oder Optimierung: Ansätze für eine erfolgreiche Digitalisierung des Staats«
Von Wolfgang Zink und Malte Armbruster
Der Optimierungsansatz – Effizienz als Voraussetzung der Innovation
Zwischenbilanz – die Optimierung der deutschen Verwaltung
Der Innovationsansatz – Visionen eines digitalen Staats
»Politische Handlungsoptionen für die Zukunft des E-Governments in Deutschland«
Von Horst Westerfeld
Entwicklung des E-Governments in Deutschland
Organisation und Governance des E-Governments in Deutschland
Handlungsoptionen für den digitalen Staat und die Zukunft des E-Governments in Deutschland
Start-ups und Gründungen – Treiber für disruptive Innovation
»Open Innovation – Zusammenarbeit als Chance für erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle«
Von Sebastian von Johnston
Lineare Geschäftsmodelle werden immer stärker durch disruptive Innovationen erschüttert
»Die Gründerformel« vs. »der Mitarbeiter im Mittelstand« – Incentivierungssituationen sind für unternehmensinterne Innovation anzupassen
Wie lässt sich nun aber der Spagat machen zwischen Tradition und neuem Denken?
»Open Innovation« als Ansatz und Chance für Unternehmen, disruptive Trends zu adressieren
Der Ansatz für ein digitales Innovationsmanagement muss der Blick auf Wachstum außerhalb des stabilen oder bedrohten Kerngeschäfts von Unternehmen sein.
»Kultureller Wandel notwendig – was etablierte Unternehmen und Politik von innovativen Start-ups lernen können«
Von Thomas Jarzombek
eHealth – wie Digitalisierung unser Gesundheitssystem zukunftssicher macht
»Digitalisierung schafft Zukunftssicherheit«
Von Frank Gotthardt
Gute Information führt zu guter Behandlung
Der selbstbestimmte Patient
Datenschutz und Datennutzung schließen sich nicht aus
Digitalisierung schafft keine Zukunftssicherheit, sondern ist deren integraler Bestandteil
»Die Zukunft des Gesundheitswesens«
Von Katja Leikert
Ein konkreter Fahrplan – das eHealth-Gesetz
Zentrale Herausforderungen und politischer Handlungsbedarf
Fazit und Ausblick – mit einer nationalen eHealth-Strategie in die Zukunft
Wandel gestalten – Chancen und Herausforderungen durch digitale Geschäftsmodelle
»New Reality – Die Zeit drängt«
Von Jan Brorhilker
»Old Reality« – die Unternehmenswelt vor zehn Jahren
Der Status quo
»New Reality« – die Unternehmenswelt im Jahr 2026
Die Zeit drängt – Chancen und Herausforderungen rechtzeitig erkennen
»Digitale Geschäftsmodelle verändern den Wettbewerb«
Von Tankred Schipanski
Wettbewerb sicherstellen
Daten als Innovationsquelle begreifen
Innovationsfähigkeit stärken
Digitale Kompetenz fördern
Fazit
Nachhaltigkeit als oberstes Gebot – Digitalisierung im familiengeführten deutschen Mittelstand
»Revolution im Online-Handel als Chance für deutsche Produzenten«
Von Wolfgang Grupp
Digitalisierung im Hause Trigema – Online-Handel als ergänzender Vertriebskanal
Produktion automatisieren und Mitarbeiter qualifizieren – das schafft Wettbewerbsfähigkeit
Geschäftsmodelle entwickeln, Nischen identifizieren und nicht die Fehler der Großen machen
Fazit – im digitalen Wandel kommt die richtige Strategie nicht immer von den Konzernen
»Digitaler Aufbruch des deutschen Mittelstandes«
Von Carsten Linnemann
Was der Mittelstand vom Silicon Valley lernen kann
Welche Rahmenbedingungen die Politik setzen muss
Herausgeber- und Autorenverzeichnis
Über die Herausgeber

Vorwort

»Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen!«, so lautet die provokante These von Christoph Keese, der als Autor ein Jahr lang im Silicon Valley gelebt und seine Eindrücke in einem Bestseller verarbeitet hat. Dabei steht diese Aussage in einem vermeintlichen Widerspruch zu den Erfolgsmeldungen aus Wirtschaft und Politik. Seit Jahren geht es scheinbar aufwärts: Neue Umsatz- und Erlösrekorde der großen Konzerne, sinkende Arbeitslosenzahlen, ausgeglichene Haushalte, Berlin etabliert als Start-up-Metropole, hohe Nachfrage weltweit nach deutscher Technologie – die Erfolgsmeldungen erscheinen fast schon wie ein Märchen. Deutschland im Jahr 2016 mitten in einem neuen Wirtschaftswunder?

Auf der anderen Seite gibt es aber alarmierende Frühindikatoren, der Börsenwert der DAX-30-Unternehmen ist nicht mal so hoch wie der von Google, Apple und Microsoft zusammen. Das jüngste DAX-Unternehmen SAP ist älter als 40 Jahre, die Zahl der Vollerwerbsgründungen in Deutschland ist seit Jahren stark rückläufig – und das branchenübergreifend. Unser erfolgreicher Mittelstand setzt weiterhin eher auf kontinuierliche Verbesserung der Produktion und Produkte als auf disruptive Innovation der Geschäftsmodelle, die Verwertbarkeit von Daten ist immer noch zu strikt reguliert, die Finanzierung innovativer Start-ups mit Wagniskapital liegt weit hinter den notwendigen Forderungen, und schließlich ist der Staat selbst noch viel mehr analog als digital unterwegs – Deutschland also auf dem Weg in die nächste Wirtschaftskrise?

Wir denken nicht, aber der Wirtschaftsstandort Deutschland kann sich weitere Lethargie in Zeiten des digitalen Wandels nicht leisten, will er mit der Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Dynamik weltweit Schritt halten. Eine blühende Start-up-Szene ist für die Innovationsfähigkeit, die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, die Generierung von Steuereinnahmen, die Bildung unternehmerischer Vermögen und somit für den langfristigen Wohlstand maßgeblich. Die Zutaten dafür sind innovative Unternehmensgründungen, die Förderung von Eigenverantwortung und Unternehmertum sowie politische Rahmenbedingungen, die der Wirtschaft Freiraum lassen, auch mal etwas Neues auszuprobieren, selbst wenn es noch nicht perfekt ist. Es sind gerade die innovativen Gründer und Unternehmer, die mit ihren neuen Ideen und ihrer unternehmerischen Risikobereitschaft langfristig den Wohlstand unserer Gesellschaft sichern. Die großen Unternehmen von heute haben vor vielen Jahren als Start-up begonnen und waren in der Regel geprägt durch mutige Unternehmerpersönlichkeiten.

Wie groß die Bedeutung von innovativen Start-ups für bestehende Unternehmen ist, zeigt der Aufbau von Inkubatoren, also Gründungszentren, die Unternehmen bewusst außerhalb ihrer eigentlichen Unternehmensorganisation ansiedeln. Etablierte Unternehmen profitieren dabei vor allem von der Geschwindigkeit, die Start-ups aufweisen, von einer Kultur, in der Neues entstehen kann, und nicht selten lässt sich das schrumpfende traditionelle Unternehmensgeschäft auf diese Weise auffangen. Die jungen Internetunternehmen von heute werden aller Voraussicht nach die etablierten Konzerne von morgen sein. Dabei ist die deutsche Ausbildung, Kreativität und Innovationskraft prädestiniert für das Hervorbringen von Big Playern in der Internet- und Technologiebranche.

Deutschland hat Talente, aber im weltweiten Wettbewerb sind wir nicht in allen Bereichen führend. Deutschland verfügt auch über einen exzellenten Lebensstandard und gute infrastrukturelle Voraussetzungen. Dies macht den Standort für kreative Köpfe attraktiv, sofern sie hier auch gute Entwicklungsmöglichkeiten geboten bekommen. Zum einen schlummert in der Seele ein auf Nachhaltigkeit zielender Unternehmergeist, der nicht zuletzt durch die weltweite Bekanntheit des »German Mittelstands« belegt wird. Zum anderen ist der Begriff »German Engineering« ein Prädikat, das seit mehr als einhundert Jahren für technische Exper­tise und Fortschritt steht.

Darüber hinaus müssen auch die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen. Ein wettbewerbsfähiger Staat versteht die Menschen als seine Kunden, er denkt in Prozessen und Ergebnissen – nicht in Aufgaben und Zuständigkeiten. Dabei müssen wir vermeintliche Hürden, wie beispielsweise unsere hohen Ansprüche an Datensicherheit und -schutz, als Chance nutzen und zum Exportschlager machen. Für den Erfolg aller E-Government-Aktivitäten braucht es den unbedingten politischen Willen auf allen staatlichen ­Ebenen.

Wir sollten jetzt die Gelegenheit der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland nutzen, Deutschland langfristig zu stärken. Dies geht nur mithilfe zukunftsweisender Investitionen in Bildung und Infrastruktur und einer umsichtigen Wirtschaftspolitik, die als sinnvoller Förderer der Wirtschaft für die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze sorgt, anstatt über immer neue Restriktionen sowie Berichts- und Meldepflichten weitere Verwaltungskosten zu verursachen.

Damit kann Deutschlands Aufstieg zum Wirtschaftswunder 4.0 beginnen. Für dieses Wirtschaftswunder müssen Politik und Unternehmen gemeinsam daran arbeiten, die digitale Transformation erfolgreich zu bestreiten.

In sieben Kapiteln werden in diesem Buch die unterschiedlichen Sichtweisen von Politikern und Unternehmern dargestellt. Es werden viele Gemeinsamkeiten sichtbar, jedoch ist hin und wieder das Verständnis für Entscheidungsprozesse auf beiden Seiten nicht gleich. Der gemeinsame Nenner lautet: Für ein wettbewerbsfähiges Deutschland in einer digitalen Welt mit erfolgreicher Wirtschaft und effi­zienter Verwaltung muss sich einiges ändern – und zwar jetzt! Das Buch soll einen Denkanstoß bieten, schließlich geht es besonders für die junge Generation um die ­existenzielle ­Frage: »Wie können wir auch in 50 Jahren noch unseren Wohlstand sichern?«


Alexander Bode, Martin Pätzold

Berlin, im September 2016