Katarina Schickling

Aber bitte mit Butter

Warum Brot nicht dumm und Fett nicht krank macht



© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016

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E-Book-Konvertierung: Carsten Klein, München

ISBN (E-Book) 978-3-451-80846-3

ISBN (Buch) 978-3-451-60017-3

Inhalt

Impressum

Einleitung

Teil 1: Die Sehnsucht nach ewigem Leben

1. Abschied von vertrauten Regeln

Was wir glauben zu wissen

Was uns wirklich krank macht

Küche statt Kirche: Gesunde Ernährung als Ersatzreligion

2. Der Mythos von der gesunden Ernährung

Der Mensch: ein Überlebenskünstler!

Ein Ausflug in unsere Ernährungsgeschichte

Der Beginn der Vollwertdiskussion

Vollkorn für den Endsieg

Der Kult ums gesunde Essen

3. Der Schwindel mit den Studien

Wie Forschungsergebnisse zustande kommen

Das böse Cholesterin

Die Sache mit den Eskimos

Fastfood am Pranger

Korrelation oder Kausalität?

Auf der Suche nach harten Fakten

4. Das Geschäft mit der Angst: warum viele Ernährungskonzepte nichts bringen

Der Praxistest

Erstaunliche Ergebnisse

Ist Vorbeugen sinnvoll?

Wem nutzt Ernährungsberatung wirklich?

Was wirkt hier eigentlich?

Was sagen die Anbieter?

Teil 2: Ernährungsregeln – und was sie wirklich wert sind

5. Fett, Cholesterin und der Schwindel mit Lightprodukten

Fett durch die Fünfziger

Warum wir auf Fett nicht verzichten können

Der Feldzug gegen das Fett

Die Margarine-Saga

Die Finnen und der Fettverzicht

Was unser Körper schafft

Die leichte Falle

6. Die Legende von den bösen Kohlenhydraten

Wozu Kohlenhydrate?

Weizenwampenwahn

Dumm wie Brotfeinde?

Zurück in die Steinzeit

Risiko Weizen?

Warum Low Carb nicht schlanker macht

7. Voll daneben – warum Vollkorn gar nicht so vollwertig ist

Voll gesund?

Evidenz statt Mythos

Zwei Fronten eines Glaubenskrieges

Im Dickicht der Studien

8. »Fünf am Tag« und andere Märchen – wie die Pharmaindustrie den Vitaminmangel erfunden hat

Eine rätselhafte Krankheit

Die Entdeckung der Vitamine

Eine unglaubliche Werbegeschichte

Der Millionenmarkt

Was wir wirklich brauchen

Teil 3: Das Millionengeschäft – wer von unserer Angst vor dem Essen profitiert

9. Gluten, Laktose, Fruktose – die Wahrheit über Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ein Volk von Patienten

Glutenfieber

Warum Vorbeugen nicht immer gut ist

Die Milch macht’s doch!

Das Geschäft mit der Ersatzmilch

Vom Abfallprodukt zur Cash Cow

Krank statt gesund

Der Wahn geht weiter

Das richtige Produkt zur richtigen Zeit

10. Analogkäse und Geschmacksverstärkerwurst – der Hype um vegane Produkte

Ist Fleischverzicht gesünder?

Auf der Suche nach Alternativen

Die chemische Trickkiste

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Glutamatbrei?

11. Warum Superfood gar nicht so super ist

Der Angriff auf unseren Geldbeutel

Was steckt in den Wundersamen?

Die Schattenseiten von Superfood

Markterfolg als Bumerang

Die Süße der Agave

Wissenschaftliche Scheinbelege

12. Ballaststoffe, Antioxidantien und andere Helfer – was wirklich dahintersteckt

Nützlicher Ballast?

Das dicke Ende

Auf Radikalenjagd

Diagnose: krebserregend!

ORAC for fun

13. Der Detox-Boom – und warum es keine Entgiftung braucht

Wie wir wirklich entgiften

Signale – falsch interpretiert

Detox im Praxistest

Der Unfug mit den Basen

Was nun? Plädoyer für einen vernünftigen Umgang mit dem Thema Ernährung

Essen statt Ernähren!

Dank

Literatur

Über die Autorin

Einleitung

Meine Beschäftigung mit dem Thema gesunde Ernährung begann mit einem Rechercheauftrag: Ich sollte für einen großen deutschen Fernsehsender einen Film über die gesündeste Ernährungsweise machen und dafür nach Lebensmitteln suchen, die etwas Besonderes können: Herzinfarkt verhindern, gegen Krebs vorbeugen, Diabetes vermeiden … Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich, im Großen und Ganzen zu wissen, was eine gesunde Ernährung ausmacht. Selbstverständlich musste mein damals neunjähriger Sohn jeden Tag fünf Portionen Obst und Gemüse verdrücken – Anlass zu ständigem Gezeter, weil er grundsätzlich schon mal nichts essen wollte, was grün ist.

Fettarm ist besser als Fett, Vollkornbrot gesünder als Baguette. Salz schmeckt gut, darf aber nur ganz sparsam ans Essen, wegen Bluthochdruckgefahr. Fastfood ist böse, das schien mir spätestens seit dem Doku-Schocker »Supersize me« klar, in dem ein Monat konsequente Burgerkost den Filmemacher mit einem Bein ins Grab gebracht hatte. Und dann, natürlich, noch viel, viel Wasser trinken. Jetzt musste ich nur noch ein paar Super-Lebensmittel finden – Himbeeren gegen Schlaganfall? Broccoli gegen Darmkrebs? –, und meine Geschichte würde stehen. Doch schon zwei, drei Telefonate später waren alle diese Gewissheiten zunichtegemacht. Statt mit einer Liste von heilbringenden Zutaten saß ich mit einer ganz neuen Frage da: Gibt es die gesunde Ernährung womöglich gar nicht?

Unser Verhältnis zum Essen treibt im 21. Jahrhundert seltsame Blüten: Das Thema Ernährung besitzt für viele fast schon den Stellenwert einer Ersatzreligion. Endlose Debatten um richtig oder falsch, Low Carb oder fettfrei, Vollkornkost, vegetarisch oder lieber gleich vegan – Ernährungssünden und -gebote prägen die Diskussion. Genuss steht dabei selten im Vordergrund.

Aber gibt es wirklich gute Gründe, gewisse Lebensmittel zu meiden? Sind unsere Nahrungsmittel heute tatsächlich schlechter als früher? Genmanipuliert? Überzüchtet? Für uns deshalb nicht mehr ohne Reue genießbar? Leben Vegetarier und Veganer womöglich doch gesünder? Ist Fast Food schuld an Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes oder Krebs? Sind die drei gängigen Dogmen gesunder Ernährung – viel Vollkornprodukte, reichlich Vitamine, wenig Fett – irgendwie wissenschaftlich untermauert?

Dieses Buch entlarvt Ernährungsmythen. Viele vermeintliche Fakten sind durch nichts nachgewiesen – und doch sorgen sich immer mehr Menschen um die gesundheitlichen Folgen ihrer Mahlzeiten und verzichten auf Dinge, die sie eigentlich gerne essen. Weil sie Angst davor haben, sich mit etwas zu schaden, was an sich die einfachste Sache der Welt sein sollte: Nahrungsaufnahme.

Essen sollte etwas mit Lust zu tun haben! Ich wünsche mir, dass die Diskussion über Ernährung weniger von Mythen oder Klischees geprägt wird und mehr von Fakten. Dabei stütze ich mich auf die vielen Gespräche mit Fachleuten, die ich in den vergangenen Jahren führen durfte, und auf belegbare wissenschaftliche Tatsachen. Gerade bei den vielen Studien, die zum Thema Ernährung durch die Medien geistern, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wer ist der Auftraggeber? Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse wirklich? Es zeigt sich oft: Wo man mit Ängsten viel Geld verdienen kann, bleibt die Wahrheit schnell auf der Strecke. Wer Bücher, Zeitschriften und Produkte verkaufen möchte, muss unsere Ängste schüren.

Höchste Zeit also für ein Plädoyer gegen die Hysterie. Für einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln, vor allem aber gegen die unsinnige, unbegründete und ganz sicher ungesunde Angst vor dem Essen.