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Barbara P. Meister

Kränze und Girlanden

gebunden – gesteckt – geklebt – gewunden

Impressum

Copyright © 2012 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Gestaltung und Satz der Printausgabe: Ravenstein und Partner, Verden

Lektorat: Barbara P. Meister MA, fachlektor.at

 

Coverfoto: Ing. Barbara P. Meister MA

Fotos im Innenteil: Ing. Barbara P. Meister MA, sofern nicht anders angegeben

 

E-Book-Konvertierung: Satzweiss.com Print Web Software GmbH

 

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

 

ISBN 978-3-8404-3011-4

eISBN 978-3-8404-6070-8 (EPUB)

eISBN 978-3-8404-6071-5 (Kindle)

 

www.cadmos.de

Vorwort

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Vorwort

Entfaltet lacht die Blüth’ im milden Glanze,

Die Knospe strebt, zum Licht emporzusehn,

Ein duft’ger Geist umsäuselt zart das Ganze;

Doch jeder Kelch bewahrt das eigne Wehn,

Und zierlich ruht der Kranz in heller Schale

Und lächelt, daß er lächelnd wiederstrahle.

 

Ernst Schulze, 1789–1817

 

Schon in den antiken Hochkulturen waren Kränze Symbole der Anerkennung und Ehre. Wer kennt nicht den Lorbeerkranz, der stets als besondere Auszeichnung oder nach einem bedeutenden Sieg überreicht wurde? Blütenkränze hingegen zierten das Heim oder wurden – vor allem von Frauen – als Schmuck am Körper getragen. Heute fertigen wir Kränze als Tisch- und Raumschmuck für feierliche Anlässe, als saisonale Begrüßung an der Haustür, als traditionelles Arrangement zu den Festen im Jahreslauf, als stilvolles Geschenk oder einfach nur als individuelles Schmuck- und Dekorationselement.

 

Dieses Buch bietet Ihnen bebilderte Schritt-für-Schritt-Einführungen für die unterschiedlichen Fertigungstechniken. Beherrschen Sie erst einmal das Binden, Stecken, Winden und Haften, so sind Ihrer Kreativität und Ihrem Ideenreichtum kaum noch Grenzen gesetzt. Fast alles, was Sie an Blumen- und Naturmaterialien benötigen, halten Natur und Garten für Sie bereit. Bei Spaziergängen entdecken Sie zu jeder Jahreszeit Blüten und Pflanzenteile, die Sie zu Kränzen oder Girlanden arrangieren können – lassen Sie sich einfach von Ihrer Umgebung inspirieren.

 

Viel Freude beim Entdecken und Verarbeiten kleiner und größerer Schätze der Natur wünscht Ihnen

 

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Wien, im März 2012

Mit Blumen und Gehölzen arbeiten

Mit Blumen und Gehölzen arbeiten

Blumen ernten, vorbereiten und pflegen

Blumen ernten, vorbereiten und pflegen

Schnittzeitpunkt

Blumen, die morgens geschnitten werden, sind von den kühleren Nachttemperaturen noch frisch und haben ­­ausreichend Wasser ­­gespeichert.

Während der Mittagsstunden, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist, verdunsten die Pflanzen sehr viel Wasser. Ernten Sie nicht zu diesem Zeitpunkt.

Bis zum Abend haben die Blumen viele Assimilate gespeichert, daher ist auch diese Tageszeit für den Schnitt geeignet.

Wässern Sie die geschnittenen Frischblumen so schnell wie möglich ein.

Schnittreife

Von der Wahl der richtigen Schnittreife hängt die Haltbarkeit der Blüten ab. Die Schnittreife ist bei den einzelnen Pflanzenarten recht unterschiedlich. Das Wachstum sollte vor dem Schneiden so weit fortgeschritten sein, dass die Blumen sich noch entwickeln können, wenn sie abgeschnittenen sind. Zu früh geschnittene Blüten bleiben im Wachstum stecken und erblühen nicht.

In wenig geöffnetem Zustand schneiden Sie Rosen, Pfingstrosen und die meisten Zwiebelblumen, wie Narzissen, Tulpen, Gladiolen, Schwertlilien. Beinahe voll erblüht sollten Nelken und Korbblütler wie Margeriten, Chrysanthemen, Astern, Ringelblumen, Sonnenblumen, Rudbeckien und Zinnien sein. Rispenförmig und traubigen Blütenstände sollten zu einem Drittel voll erblüht und die oberen Blüten noch knospig sein, aber zum größten Teil schon Farbe zeigen. Zu diesen Arten zählen Lobelien, Löwenmaul, Salbei, Rittersporn, Eisenhut.

Gehölze

Gehölze

Die Zweige von Laubgehölzen sind unentbehrliche Materialien für gewundene Kränze und selbst gefertigte Unterlagen. Ausgereifte Blätter von sommer- und immergrünen Gehölzen werden zum Haften von Laubkränzen oder als Beiwerk verwendet. Immergrüne Nadelgehölze, sogenannte Koniferen, haben in den Wintermonaten Hauptsaison. Aus ihren Zweigen entstehen Adventskränze und Weihnachtsgirlanden. Auf den nächsten Seiten finden Sie einige wichtige Vertreter beider Gehölzgruppen, die einen eigenen Schnittgarten bereichern würden.

Laubgehölze 

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Hängebirke, Betula pendula (Foto: MarcusObal, Wikimedia Commons)

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Buchs, Buxus sempervirens (Foto: MPF, Wikimedia Commons) 

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Waldrebe, Clematis sp. (Foto: Roland zh, Wikimedia Commons)

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Immergrüner Spindelstrauch, Euonymus fortunei ‘EmeraldGaiety’ (Foto: A. Barra, Wikimedia Commons) 

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Efeu Jugendform, Hedera helix (Foto: Vulkan, Wikimedia Commons) 

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Efeu Altersform, Hedera helix (Foto: H.Zell, Wikimedia Commons)

 

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Gartenhortensie, Hydrangea macrophylla 

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Stechpalme, Ilex aquifolium (Foto: Jebulon, Wikimedia Commons) 

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Mahonie, Mahonia aquifolium (Foto: SYP, Wikimedia Commons) 

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Feuerdorn, Pyracantha coccinea (Foto: Laitr Keiows, Wikimedia Commons) 

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Salweide, Salix caprea (Foto: Didier Descouens, Wikimedia Commons) 

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Korbweide, Salix viminalis (Foto: Rude, Wikimedia Commons)

Nadelgehölze 

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Nordmanntanne, Abies nordmanniana (Foto: Sabine Geißler,pixelio.de) 

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Edeltanne, Abies procera ‘Glauca’ (Foto: Norbert Nagel, Wikimedia Commons) 

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Scheinzypresse, Chamaecyparis lawsoniana (Foto: H. Zell, Wikimedia Commons) 

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Japanische Sicheltanne, Cryptomeria japonica (Foto: B. Navez, Wikimedia Commons) 

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Europäische Lärche, Larix decidua (Foto: H. Zell, Wikimedia Commons) 

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Serbische Fichte, Picea omorika (Foto: MPF, Wikimedia Commons) 

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Morgenländischer Lebensbaum, Platycladus orientalis (Foto: Soham Banerjee, Wikimedia Commons) 

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Douglasie, Pseudotsuga menziesii (Foto: Walter Siegmund, Wikimedia Commons) 

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Eibe, Taxus baccata (Foto: H. Zell, Wikimedia Commons) 

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Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis, (Foto: H. Zell, Wikimedia Commons)

Hilfswerkstoffe und technische Hilfsmittel

Hilfswerkstoffe und technische Hilfsmittel

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Kranzunterlagen aus Blumensteckmasse 

Es werden Kränze aus Frisch- und Trockenblumensteckschaum angeboten. Diese sind in verschiedenen Ausführungen und Größen im Blumenfachhandel oder in gut sortierten Gartencentern erhältlich. Blumensteckmasse besteht aus Harzen und Materialien auf Rohölbasis.

 

Frischblumensteckschwamm kann über ­95 % seines Volumens an Wasser aufnehmen. Grundlagen aus Kunststoff oder kompostierbaren Materialien dienen als Wasserreservoir. Am häufigsten wird grüner Steckschaum angeboten. Wie andere technische Hilfsmittel sollte er mit floralen Materialien abgedeckt werden und im fertigen Werkstück nicht sichtbar sein. Bunte Steckmasse in blau, gelb, rosa wird als gestalterisches Hilfsmittel verwendet – diese können Teil der Gesamtkomposition sein und müssen nicht kaschiert werden. Manche Hersteller bieten bereits biologisch abbaubare Produkte an, die über den Kompost entsorgt werden können. 

 

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Diese Kranzunterlagen sind ideal für Tischkränze – die Kunststoffschale dient als Wasserreservoir.

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Diese Kranzunterlagen sind mit einer wasserabweisenden Schale aus Papier kombiniert – sie werden gemeinsam mit dem Gefäß kompostiert.

 

Trockenblumensteckschaum kann kein Wasser aufnehmen. Er ist grobporiger, fester, meist grau gefärbt und ­für Gestecke mit Trocken- oder Kunstblumen geeignet.

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Kranzunterlagen aus Stroh und Heu

Strohreifen gehören zu den gängigsten Unterlagen für gebundene oder ­gehaftete Kränze. Sie sind in den verschiedensten Durchmessern und Dicken erhältlich. Achten Sie beim Einkauf darauf, dass vor allem Reifen für gebundene Werkstücke nicht zu dick sein dürfen, um beim fertigen Werkstück die Proportion nicht zu stören. 

 

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Strohreifen mit 25 cm Durchmesser für Tisch- und Türkränze

Draht

Wer Floristen bei der Arbeit beobachtet, könnte fast den Eindruck gewinnen, der Berufszweig wäre Teil der „metallverarbeitenden Industrie“, denn vor allem bei der ältesten floristischen Kunst – dem Kranzbinden – kann auf Draht kaum verzichtet werden. Drähte werden für die verschiedensten Aufgaben eingesetzt. Sie dienen als Stütze für schwere Blüten, ersetzen Stiele, z. B. bei Zapfen und ­halten florale Werkstoffe auf Unterlagen, … 

In der Regel bestehen Drähte aus Eisen, sie sollen daher trocken gelagert werden. Eisendrähte werden blaugeglüht, das verbessert ihre Biegsamkeit.

 

Wickeldraht: Diese Drahtspulen gibt es blaugeglüht, grün oder braun lackiert, in Stärken von 0,5–0,9 mm, meist 0,65 mm. Für „grobe“ Kranzbindearbeiten wie Koniferen-Adventskränze auf Stroh-, Draht- und Weidenunterlage. 

 

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Wickeldraht

 

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Myrtendraht: Dieser feine Draht wird blaugeglüht, grün- oder braunlackiert in einer Stärkt von 0,35 mm angeboten. Die Spulen haben standardmäßig 100 g. Die lackierten Varianten werden bevorzugt für feine Formarbeiten, wie zarte Kränze mit Frischblumen, verwendet.

 

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Myrtendraht

Silber- und Messingglanzdraht: Die Standardvariante hat eine Stärke von 0,37 mm, auf einer Rolle sind 17 m. Silber- und Messingdrähte können bewusst als sichtbares Stilelement verarbeitet werden, z. B. bei zartem Körperschmuck, Kopfkränzen, …

 

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Silber- und Messingglanzdraht

Aluminiumdraht ist sehr biegsam und rostet nicht. Er wird gerne verwendet, um Steckhilfen damit zu formen. Wie ­Silber-, Messing- und bunte ­Dekordrähte ist ­Aluminiumdraht ein gestalterisches ­Hilfsmittel, das nicht kaschiert werden muss.

 

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Aluminiumdraht

Stützdraht: Diese ­Drähte sind grün lackiert und werden zum Stützen von ­Frischblumen wie Gerbera oder Rosen ­verwendet. Gehandelt werden sie in Stärken ­von 0,5–­­1,2 ­mm und Längen ­von ­30–­50 cm.

 

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Stützdraht

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Steckdraht: Blaugeglühte Eisendrähte mit Stärken von 0,5–1,8 mm und Längen von 18–50 cm. Sie werden zum Andrahten von Koniferenbüscheln oder trockenen Werkstoffen wie Zapfen, Kerzen, … verwendet. 

 

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Steckdraht

Strohblumen- und Efeunadeln: Diese Drahtklammern sind 6–12 mm breit und werden in verschiedenen Längen, meist von 25 mm und 60–100 mm, angeboten.

 

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Strohblumennadeln sind 6 mm breit und 25 mm lang

Patenthaften: Diese Haften haben für besseren Halt im Bügelbereich eine „Doppelwelle“. Sie werden in Breiten von 17 mm und Längen von 30–40 mm angeboten.

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Patenthaften

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Sonstige Hilfsmittel

Flora Tape: Gewachstes, kreppähnliches Band zum Umwickeln von Drahtartikeln und zum Binden filigraner Kränze mit zarten Frischblumen (Kopfkränze, …) wird in grün, braun und weiß angeboten. 13 oder 26 mm breit, ca. 28 m pro Rolle.  

 

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Flora Tape

Kranzwickelband wird aus grünem Krepppapier oder Vlies hergestellt. Strohreifen werden vor dem weiteren Verarbeiten damit abgewickelt. So verhindert man, dass helle Teile unter dem grünen Kranzmaterial hervorschimmern oder kleine Strohteile herausfallen. Das Arbeiten auf einem abgewickelten Reifen wird meist angenehmer empfunden. Wenn Sie z. B. einen Hagebuttenkranz binden oder haften, können Sie den Strohreifen auch mit farbigem Schmuckband oder Krepppapier abwickeln. 

 

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Kranzwickelband

Werkzeuge

Werkzeuge

Wer mit Blumen und Gehölzen arbeitet, braucht eine kleine Werkzeug-Grundausstattung. Dazu gehören Messer, Schere, Drahtschere, Seitenschneider oder Kombi­zange und Heißklebepistole. 

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Messer

 

Kopulier- und Okuliermesser

Baumscheren ermöglichen den Schnitt von verholzten Materialien bis zu einem Durchmesser von 25 mm. Es werden Bypass- und Ambossscheren angeboten. Bei Bypassscheren wird der Schnitt gezogen und schonend ausgeführt. Ihre geschliffene Klinge ist abgerundet. Sie verhindert, dass die Leitungsbahnen der Zweige gequetscht werden.

 

Bypassschere

Vermeiden Sie, mit der Baumschere Drähte zu schneiden – auch wenn sie noch so dünn sind. Sie würden jede Klinge damit beschädigen. Manche Baumscheren haben zum Drahtschneiden extra eine Nut im hinteren Bereich der Klinge. Verwenden Sie zum Durchtrennen von Metall geeignete Werkzeuge wie Drahtschere, Seitenschneider oder Kombizange.

Kombizangen eignen sich auch dazu, stärkeren Draht beim Andrahten von Zapfen fest zu ziehen.

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www.felco.eu

Seitenschneider

Kombizange

Heißkleber stellt rasch eine feste Verbindung zwischen trockenen Werkstoffen her. Transparenter oder farbiger Schmelzkleber wird in der Heißklebepistole auf bis zu 200° C erhitzt. Die Klebestellen ­müssen trocken und staubfrei sein.  

 

Bunte Heißklebesticks