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Dominikanische
Republik

von
Elmar Mai

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Vorwort

Einleitung

Allgemeines

Lage, Landverteilung und Landnutzung der Dominikanischen Republik

Lebensräume der Dominikanischen Republik

Nationalparks und Naturschutzgebiete

Das Klima von Hispaniola

Probleme und Konsequenzen des tropischen Klimas für Fauna, Flora und Ökologie

Stürmische Zeiten

Vom Treiben der Kontinente

Der geologische Aufbau der Insel

Das grüne Kleid der Insel: die Vegetation der Dominikanischen Republik

Etwas Phytogeographie – oder: wie die Pflanzen zu Insulanern wurden

Subalpine und alpine Wälder der tropischen Gebirgszone

Immergrüner montaner Nebelwald

Immergrüne Regenwälder

Verschiedene Regenwaldtypen der höheren, mittleren und niederen Lagen

Halbimmergrüne und regengrüne Laubwälder

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Hartlaub-Trockenwälder, Trockenbusch und Halbwüsten (Xerophyten)

Savanne und Steppe

Wüsten (Hyperxerophyten)

Mangroven und Küstenvegetation (Halophyten)

Hoch hinaus: Kletterpflanzen

Grenzgänger zwischen Himmel und Erde: Epiphyten

Kost und Logis frei: von Schmarotzern und Würgern

Palmen in der Dominikanischen Republik

Sticht heraus: die Kakteengattung Neoabbottia

Weitere Kakteen

Weder Land noch Meer: die Welt der Mangroven

Mein Freund der Baum

Kosmopoliten – oder: Neophyten beherrschen das Bild

Wovon die Menschen vor Kolumbus lebten

Wovon die Menschen heute leben

Die Tierwelt der Dominikanischen Republik

Mangelware: Säugetiere

Herausragend: die Vogelwelt

Was da kreucht und fleucht: Amphibien und Reptilien

Fragile Wanderer zwischen Raum und Zeit: Schmetterlinge

Klein aber fein: Süßwasserfische in Flüssen und Seen

Gelegenheit zum Untertauchen: die Korallenriffe

Einige Verhaltensregeln für Standwanderer, Schnorchler und Taucher

Der nördliche Inselteil

Landwirtschaft pur: das Cibao-Tal

Karte des nördlichen Inselteils

Parque Nacional Histórico La Vega Vieja (Das Alte La Vega)

Parque Nacional El Morro de Montecristi

Die Atlantikküste

Parque Caños de Estero Hondo

Reserva Científíca Dr. Orlando Cruz Franco (Villa Elisa)

Parque Nacional Histórico La Isabela

Monumento Natural Loma Isabel de Torres

Parque Nacional Litoral Norte de Puerto Plata

Monumento Natural Lagunas Cabarete y Goleta (El Choco)

Vía Panorámica Mirador del Átlantico

Laguna Gri Gri

Parque Nacional Cabo Francés Viejo

Refugio de Fauna Silvestre La Gran Laguna

Cordillera Septentrional

Beispielhaft: der Diego de Ocampo oder die „Reserva Biológica Dr. Jose De Js. Jimenez Almonte“

Corredor Ecológico Carretera Turística La Cumbre – Puerto Plata

Urzeitliche Insektensammlung: Bernstein und seine Einschlüsse

Reserva Científica Loma Quita Espuela, „der Weg zu den Wolken“

Reserva Científica Miguel Canela Lázaro (= Loma Guaconejo)

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Veränderte Topographie: die Halbinsel Samaná

Reserva Biológica Dra. Idelisa Bonnelly de Calventi (Humedales de Bajo Yuna)

Parque Nacional Alan H. Liogier (Parque Nacional Cabo Cabrón)

Monumento Natural Cascade del Limón (Monumento Natural Salto El Limón)

Flora und Vegetation des Gebirges

Die Fauna von Samaná

Nationales Erholungsgebiet: Cayo Levantado

Weltenbummler: die Wale von Samaná

Die Fahrt zum Schutzgebiet „Santuario Mamíferos Marinos Bancos de la Plata y de la Navidad“

Die Mitte

Die Westliche Cordillera Central

Hoch hinaus: die Nationalparks Armando Bermúdez und José del Carmen Ramírez

Karte der Mitte

Die Besteigung des Pico Duarte

Parque Nacional Loma Nalga de Maco

Die östliche Cordillera Central

Jarabacoa und Umgebung

Corredor Ecológico Carretera de Albaníco – Constanza

Von Mauerblümchen und Mauerbienen

Reserva Científica Ébano Verde

Reserva Biológica Las Neblinas

Constanza

Parque Nacional Juan Bautista Pérez Rancier (Reserva Científica Valle Nuevo)

Eine Pyramide am Mittelpunkt der Insel?

Parque Nacional Eugenio de Jesus Marcano (Loma La Humeadora)

Reserva Científica Erik Leonard Ekman (Loma de la Barbacoa)

Von San José de Ocoa in die Tiefebene von Azua

Sierra de Yamasá

Corredor Ecológico Autopista Duarte

Cordillera Oriental, Sierra del Seibo und Corredor Ecológico La Via El Seibo – Miches

Parque Nacional Los Haitises

Die Umgebung von Miches und das Refugio de Fauna Silvestre Bahia de la Jina

Das Naturwissenschaftliche Reservat der Lagunen Redonda und Limón

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Der Südwesten

Sierra de Bahoruco und ihre vielfältigen Faltungen

Karte des Südwestens

Gier, Krater und Bauxit: die Vía Panorámica Aceitillar (Cabo Rojo)

Hoyo de Pelempito – das Ende der Welt

Parque Nacional Jaragua

Zu flach für einen Kopfsprung: die Lagune von Oviedo

Der dominikanische Türkis oder der Nationalstein Larimar

Reserva Biológica Padre Miguel Domingo Fuertes (Bahoruco Oriental)

Vía Panorámica Mirador de Paraíso

Der ökologische Korridor von Polo

Refugio de Fauna Silvestre Annabelle Stockton de Dod (Reserva Científica Laguna Cabral ó Rincón)

Die Salz- und Gipsminen von Barahona

Leguan-Aufzuchtsstation

Nördlicher Teil der Sierra de Bahoruco: Parque Nacional Bahoruco Oriental

Tiefe Depressionen: die Senke des Lago Enriquillo

Parque Nacional Isla Carbitos und Parque Nacional Lago Enriquillo

Monumento Natural Las Caobas

Schroff und unzugänglich: der unberührte Nebelwald im Parque Nacional Sierra de Neiba

Parque Nacional Juan Ulises García Bonnelly

Voller Überraschungen: der Parque Nacional Padre Julio Cicero (früher Sierra Martín García)

Die südliche Mitte

Karte der südlichen Mitte und des Südostens

Monumento Natural Bahia Puerto Viejo

Vom Winde verweht: die Dünen von Bani im Monumento Natural Félix Servio Doucudray (Monumento Natural Bahía de las Calderas)

Reserva Antropológica Cuevas de Borbón o del Pomier

Natur in der Großstadt: Santo Domingo

Der Botanische Garten

Der Zoologische Garten

Weitere interessante Orte in Santo Domingo

Parque Nacional Litoral Sur de Santo Domingo

Parque Nacional Submarino La Caleta

Weitere naturkundlich interessante Orte nahe der Hauptstadt

Der Südosten

Zwischen Santo Domingo und Punta Cana

Parque Nacional del Este

Die Gegend um Punta Cana

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Kleines Reise-ABC

Schlusswort

Danksagung

Literatur

Register

Neue Schutzgebiete

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Am Lago Enriquillo lebt vermutlich die größte Rosaflamingokolonie des Landes

Vorwort

„Die Dosis macht das Gift“, hat Paracelsus einst gesagt. Gemessen daran, ist die Dominikanische Republik hoch suchterregend. Denn die Dosis an Eindrücken, die Vielfalt an Biotopen, Pflanzen und Tieren auf so engem Raum ist überwältigend. Sicherlich gibt es artenreichere Lebensräume, man denke nur an den südamerikanischen Regenwald, oder überwältigendere Landschaften, wie die Nationalparks im Südwesten der USA oder in Australien. Sicherlich bietet die Atacama-Wüste in Chile extremere Biotope und Bootsfahrten in den Everglades imposantere Begegnungen mit urzeitlichen Reptilien. Aber all diese Ziele nehmen sehr großen Raum ein, während man in der Dominikanischen Republik in nur 2–3 Stunden Autofahrt alle Extreme erleben kann, denn sie bietet auf engstem Raum von allem etwas. Man gelangt schnell von der trockensten Wüste in triefende Nebelwälder, von bizarren Felsküsten mit Palmen in einzigartige Berglandschaften mit bunt bewachsenen Kiefern oder vom geheimnisvollen Dickicht der Mangroven zu Aussichtspunkten mit einer Fernsicht bis zum Horizont. Die Dominikanische Republik ist ein einziges Freilandlabor mit unzähligen Lebensräumen, in denen die Evolution pulst, wo sich Artentstehungsprozesse in vollem Gang befinden. Sie ist noch ein Land für unternehmungslustige Forscher und Entdecker. Für jeden ist etwas dabei: einzigartige Strände und Buchten mit tollen Unterwasserwelten, reißende Flüsse in den Bergen mit tosenden Wasserfällen, außergewöhnliche Bergtouren auf die höchsten Gipfel, Bootstouren zu geheimnisumwitterten Höhlen mit Fledermäusen, Besichtigungen von Kultstätten der Ureinwohner oder Begegnungen mit Krokodilen sowie Flamingoschwärmen im Salzsee inmitten einer Kakteenwüste – alles bestens behütet in einem der unzähligen Nationalparks des Landes. Die Zeit vergeht wie im Flug. Und sei der Urlaub auch noch so lang, bei der Abreise bleiben dennoch viele Ecken unentdeckt und nähren den Wunsch nach einer neuen Dosis wildromantischer Naturerlebnisse in der Dominikanischen Republik.

Elmar Mai

Rösrath, im Frühjahr 2011

Widmung

Dieses Buch widme ich den Kindern der Dominikanischen Republik. Dieser jungen Generation wird es vorbehalten bleiben, das Erbe ihrer Vorgänger anzutreten und die in den letzten Jahren begonnenen, ernsthaften Bemühungen zum Erhalt der Naturschönheiten fortzuführen. Der Anfang mit einer breiten Palette von Schutzgebieten ist gemacht. Es bedarf eines kompletten Menschenlebens, um den Schatz, den diese Insel bietet, annähernd zu begreifen. Daher ist es eine vordringliche Aufgabe, die Jugend frühzeitig und behutsam an ihre Umwelt heranzuführen und sie für deren Schönheit und Schutz zu begeistern. Nur was man wirklich kennt und liebt, kann man auf Dauer auch beschützen und bewahren.

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Einleitung

Als Christoph Kolumbus bei dem Versuch, Indien über die westliche Route zu erreichen, 1492 nach langer Fahrt durch angeblich unbekannte Gewässer (es gibt Hinweise darauf, dass Kolumbus die Route und die Existenz eines unbekannten Landes von Seefahrern der Azoren erfahren hat) endlich seinen Fuß auf festen Boden setzte, soll er in seinem Logbuch eingetragen haben, er habe das Paradies betreten. Kolumbus war der festen Überzeugung, die „Rückseite“ Indiens auf der Westroute entdeckt zu haben und nannte die vorgelagerte Inselgruppe folgerichtig westindische Inseln, und so heißen sie auch heute noch. Trotz dieses Irrtums (von Amerika wusste damals noch keiner, von den Wikingern mal abgesehen, die schon um das Jahr 1000 in Neufundland siedelten, aber keinerlei Informationen darüber hinterließen) gehört die „Paradiesinsel“, von Kolumbus „Hispañola“ getauft, zu einer der interessantesten Inseln der Welt. Sie trennt zwei Meere voneinander: den Atlantik im Nordosten vom Karibischen Meer im Südwesten. Auch beherbergt sie zwei Staaten, im Westen Haiti, einst französische Kolonie, während den größeren, östlichen Teil die lange von den Spaniern beherrschte Dominikanische Republik einnimmt. Die Insel hat seitdem viele Tiefen durchlebt, nicht nur politische mit dem Völkermord an der Urbevölkerung durch die Spanier, Sklavenhandel oder korrupten Diktaturen, sondern auch ökologische mit gravierenden Abholzungen durch Spanier und Amerikaner gleichermaßen.

Die zweitgrößte Insel der Antillen kann mit einigen Superlativen aufwarten, etwa dem höchsten Berg der Karibik. Mit 3.098 m ist der Pico Duarte immerhin höher als der höchste deutsche Berg. Die tiefste Senke in ganz Südamerika – diesen Titel teilt sie sich mit einer gleich tief liegenden Senke in Argentinien – beherbergt mit mehr als 40 m unter dem Meeresspiegel den Lago Enriquillo, den größten Binnensee der Karibik. Weitere Höhepunkte sind die unendlichen, unberührten Strände und nicht zuletzt die kilometerlangen, reich belebten Riffe – also auch für Taucher ein Paradies.

Nachdem sich die politische und wirtschaftliche Lage zumindest in der Dominikanischen Republik in den letzten Jahrzehnten zunehmend stabilisiert hat, wurde sie mehr und mehr für den Tourismus interessant und gehört heute zu einem der internationalen Hauptreiseziele. Leider verbringen die meisten Erholungsuchenden ihre gesamte Urlaubszeit in den preiswert angebotenen „All-inclusive“-Hotelanlagen und an deren Stränden, nicht ahnend, dass ihnen eine bezaubernde, tropische Welt mit einer ebenso bezaubernden Bevölkerung verborgen bleibt. Denn obwohl die Dominikanische Republik de Facto immer noch als Entwicklungsland bezeichnet werden kann, hat es die Regierung geschafft, etwa ein Sechstel der Fläche als Nationalpark auszuweisen, mit elf großen und unzähligen kleineren Flächen über die gesamte Insel verteilt. Und man hat es im Laufe der Zeit geschafft, mit einem guten Management vorzeigbare Naturschutzarbeit zu leisten.

Die katastrophale Infrastruktur, die noch Anfang der 1990er-Jahre herrschte, hat sich entschieden verbessert, sodass heute gute Straßen selbst in abgelegene Regionen führen, nicht ohne Gefahren für die Natur. Aber naturbegeisterte Reisende können heute bequem in Gegenden vorstoßen, die noch vor kurzem mit dem Risiko eines Achsbruches oder einer geborstenen Ölwanne behaftet waren.

Die Dominikanische Republik ist in weiten Teilen sehr fruchtbar, und Landnahme ist überall zu spüren. Wer weiß schon, dass Zigarren der Spitzenklasse, den berühmten kubanischen vergleichbar oder gar überlegen, von hier kommen, dass riesige Mengen Zuckerrohr angebaut und zu Zucker oder erstklassigem Rum verarbeitet werden, dass sich in den Höhenlagen eines der qualitativ besten Kaffeeanbaugebiete der Welt befindet und dort auch modernster Gemüsebau nach Bio-Richtlinien betrieben wird und dass riesige Reisfelder weite Tiefebenen beherrschen? Trotzdem ist noch genug Platz für eine üppige, tropische Fauna und Flora sowie für unternehmungslustige Naturfreunde, die das wahre Paradies entdecken wollen, so wie es Kolumbus schon vor über 500 Jahren in seinem Logbuch vermerkt hatte.

Allgemeines

Lage, Landverteilung und Landnutzung der Dominikanischen Republik

Die Dominikanische Republik liegt zwischen dem 18. und 20. Grad nördlicher Breite und dem 68. und 72. westlichen Längengrad im Westatlantik. Sie gehört zum Inselbogen der Großen Antillen, die den Golf von Mexiko und das karibische Meer vom Atlantik trennen. Hispaniola ist mit 77.914 km2 die siebtgrößte Insel der Welt und die zweitgrößte Insel der Karibik. Sie liegt zwischen Kuba (114.524 km2) im Westen und Jamaika (10.961 km2) im Südosten und beherbergt als einzige der Großen Antillen zwei Staaten: im Westen Haiti und im Osten die Dominikanische Republik. Beide Staaten sind durch eine 315 km lange Grenze in Nord-Süd-Ausrichtung getrennt.

Für spätere Betrachtungen der einzelnen Naturschutzgebiete ist es wichtig zu wissen, wie die insgesamt etwa 48.734 km2 Landesfläche der Dominikanischen Republik strukturiert sind. Folgende Maßzahlen in Metern unter oder über dem Meeresspiegel geben eine grobe Vorstellung vom Relief des Landes (Flächen mit gewissen Messfehlern und Prozente gerundet).

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Die Dominikanische Flagge begrüßt die Fluggäste in Puerto Plata

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–40 bis 0 m:

Senke von Enriquillo. 537 km2 = 1,1 % der Fläche

0–250 m:

Ebenen der Llano Costero Sur Oriental, Atlantik-Ebenen, Ebenen von Miches und Sabana de la Mar, Cibao-Tal, Teile der Senke von Azua und Enriquillo: 26.896 km2 = 55,5 % der Fläche

250–500 m:

Viele Fußlagen der Berge und höhere Teile von Ebenen auf der gesamten Insel: 7.798 km2 = 16,9 % des Landes. Damit liegen also in etwa 75 % des Landes unter 500 m!

Mittel- und Hochgebirge:

500–750 m:

4.478 km2 = 9,2 % der Landesfläche

750–1.000 m:

2.736 km2 = 5,6 % der Landesfläche

1.000–1.500 m:

3.823 km2 = 7,9 % der Landesfläche

1.500–2.000 m:

1.640 km2 = 3,4 % der Landesfläche

2.000–2.500 m:

521 km2 = 1,1 % der Landesfläche

2.500–3.175 m:

10 km2 = 0,02 % der Landesfläche

Die Bevölkerung der Dominikanischen Republik lag 1930 noch knapp unter einer Million Einwohner. Bereits 50 Jahre später war sie auf 6 Millionen angestiegen und liegt derzeit knapp unter 10 Millionen. Um 1980 hatte der Abholzungsgrad mit etwa 60 % der gesamten Waldfläche sein trauriges Maximum erreicht. Höchste Zeit für die Regierung, etwas zu unternehmen. Eine akute Maßnahme war die Subventionierung von Gas zum Kochen, was die Brennholz- und Holzkohlegewinnung drastisch zurückgedrängt hat. Begleitet wurden die Subventionsmaßnahmen von ausgedehnten Wiederaufforstungen.

Seitdem hat sich der Waldbestand in vielen Gegenden spürbar erholt und steigt allmählich wieder an. Die Landnutzung gliedert sich derzeit etwa wie in der untenstehenden Übersicht.

Zur Landfläche gehören zudem noch 238.250 km2 Meeresgebiet mit staatlichen Hoheitsrechten.

Laubwald aller Kategorien:

ca. 10.000 km2

Nadelwald:

ca. 3.000 km2

Zuckerrohranbau:

ca. 3.700 km2

Kaffee-, Kakao- und Zitrusplantagen:

ca. 3.400 km2

Weidewirtschaft:

ca. 2.600 km2

Mischgebiete mit Ackerbau:

ca. 17.600 km2

Siedlungsgebiete:

ca. 400 km2

Erosionsflächen:

ca. 1.300 km2

Sonstige (Dünen, Strände, Mangroven, Seen):

ca. 6.500 km2

Hispaniola bedeckt zwar nur etwa 0,1% der Erdoberfläche, aber fünf der insgesamt 200 (2,5 %) weltweit als schützenswert angesehenen Ökosysteme liegen hier, und darin leben wiederum etwa 3 % aller auf der Welt bekannten Wirbeltier- und Pflanzenarten. Wirbellose sind noch nicht genügend erforscht. Wer gelernt hat, Statistiken zu lesen, erkennt schnell die enorme biologische Bedeutung dieser Insel. Gesteigert wird der besondere ökologische Wert noch durch den extrem hohen Grad an endemischen Arten, also Pflanzen und Tiere, die ausschließlich auf Hispaniola vorkommen. Bei Amphibien und Reptilien liegt die Rate z. B. bei deutlich über 90 %, bei den Pflanzen regional bei nahezu 40 %.

Bedroht werden solche Systeme nicht nur durch Zerstörung, etwa durch Urbarmachung oder Übernutzung, sondern auch durch die Verfälschung mit eingeschleppten Arten, die auswildern und die heimische Fauna und Flora massiv bedrängen. Diese „Neuankömmlinge“ werden Invasoren genannt. Als solche bedrohlichen Arten werden derzeit angesehen: 59 Pflanzen-, 4 Pilz-, 38 Insekten-, 15 Fisch-, 2 Amphibien-, 3 Reptilien-, 6 Vogel- und 11 Säugetierarten.

Ein Blick auf die Verteilung der Vegetationszonen (s. Kasten) zeigt deutlich, dass es eine ganze Reihe von Ökosystemen mit ganz kleiner räumlicher Ausdehnung gibt, die aber ökologisch besonders interessant sind und die Grundlage für die große Artenvielfalt bilden.

Prozentuale Verteilung der Waldflächen nach Vegetationszonen

Klassifizierung modifiziert nach HOLDRIDGE (1964) mit 7 Haupt- und 8 Übergangszonen

 

a) Subtropische Dornstrauchsteppe, Savanne und Wüste:

2,07 %

b) Subtropischer Hartlaubwald:

0,25 %

c) Übergang vom subtropischen Hartlaub- zum regengrünen Trockenwald:

0,31 %

d) Subtropischer regengrüner Trockenwald:

1,03 %

e) Subtropischer halbimmergrüner Feuchtwald:

5,70%

f) Übergang vom halbimmergrünen zum immergrünen Feuchtwald:

0,32 %

g) Tropischer immergrüner Feuchtwald (tropischer Laubwald):

4,5 %

h) Übergang zum immergrünen Regenwald der submontanen Stufe:

0,05 %

i) Immergrüner Regenwald der submontanen Stufe:

0,50 %

j) Bergregenwald teils als Laubwald, teils als Mischwald:

7,34 %

k) Übergang vom Bergregenwald zum Nebelwald:

0,17 %

l) Nebelwald:

6,63 %

m) Übergang zum temperierten Regenwald mit Baumfarnen:

0,04 %

n) Übergang zum subalpinen Hochgebirgsnadelwald:

0,07 %

o) Subalpiner Hochgebirgsnadelwald:

0,63 %

Lebensräume der Dominikanischen Republik

Die Besiedelung mit Pflanzen und Tieren ist ein kontinuierlicher Prozess, sie war und ist manchmal überraschend schnellen Veränderungen unterzogen. Das heutige Vegetationsbild ist nach neuesten Schätzungen nicht älter als 7.000 Jahre und hat sich aus kleinräumigen Reliktparzellen nach der Eiszeit entwickelt. Zwar war die große Artenvielfalt schon vorher vorhanden, aber sie wurde während der Eiszeiten auf kleine Wärmeinseln zurückgedrängt. Um die aktuelle Fauna und Flora zu verstehen, muss man auch die geologische Entstehungsgeschichte mit einbeziehen. Klimaveränderungen und, im Falle der karibischen Inseln, mögliche Bindungen zum Festland sowie ständige Verlagerungen durch die Plattentektonik hatten auf den heutigen Zustand entscheidenden Einfluss. Hispaniola ist mit Sicherheit aus mehreren Bausteinen, also ehemals separaten Inseln (Paläoinseln genannt), zusammengesetzt. Jede von ihnen hatte sich biologisch mit einem eigenen Arteninventar gesondert entwickelt, und sie sind zu unterschiedlichen geologischen Zeiten aufeinander zugedriftet. Bei der Vereinigung entstanden lang gezogene Faltengebirge oder Bruchfaltengebirge, die Teilregionen bis heute voneinander abgrenzen und die für viele Organismen unüberwindliche Barrieren darstellen. Es gibt Gebiete, die quasi bis heute Inseln auf einer Insel geblieben sind. Auch dadurch sind die regional gravierenden Unterschiede von Fauna und Flora und der damit verbundene enorme Artenreichtum zu erklären. Die gesamte geologische und ökologische Entwicklung der karibischen Inseln zeigt deutlich größere Zusammenhänge mit Süd- und Mittelamerika als mit Nordamerika, was sich im botanischen und zoologischen Erscheinungsbild auch klar widerspiegelt. Die endgültigen Weichen für den aktuellen Zustand wurden während des Pleistozäns (Quartär) gestellt. Während der Eiszeiten gab es, bedingt durch die riesigen Eismassen an Land, deutlich niedrigere Meeresspiegel (man schätzt 200 m!) und durch die freigelegten Schelfbereiche mit großer Wahrscheinlichkeit eine größere Landnähe zu Mittelamerika. Die Einflüsse von Nordamerika sind vergleichsweise gering und betreffen vor allem aktiv fliegende Organismen wie Fledermäuse, Vögel und Insekten. Demzufolge haben wir ein überwiegend neotropisches Ökosystem zu erwarten.

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Die Playa Diamante ist Karibik pur

Hispaniola ist die gebirgigste aller Antilleninseln mit mächtigen Bruchfaltenstrukturen. Die daraus resultierenden, außergewöhnlich vielgestaltigen Landschaftsformen mit erheblichen Höhenunterschieden auf engstem Raum ermöglichten viele kleinräumige und vielseitige ökologische Nischen. Es gibt mehr Lebensräume, als es das Klima infolge der geographischen Lage und der Nähe zum Meer oder die Feuchtigkeit durch die Passatwinde vermuten lassen. Das alles spiegelt sich in der überraschend großen Artenvielfalt pro Fläche wider. Wegen der komplizierten Faltung der Gebirge sind nirgends größere zusammenhängende Ökosysteme, vergleichbar den gigantischen Regenwaldbecken Amazoniens oder den Grassteppen Argentiniens, möglich, aber genau das macht den Reiz aus. Die Dominikanischen Republik bietet von allem etwas, verzahnt, verschachtelt und überall verstreut: ein Land der Kontraste. Man kann mindestens 14 deutlich verschiedene Ökosysteme unterscheiden. Das macht es dem Anfänger schwer, sich zurechtzufinden, stellt aber gleichzeitig eine spannende Herausforderung dar, es wenigstens in Angriff zu nehmen. Klar ist jedenfalls, dass ein einmaliger Besuch bei weitem nicht ausreicht, diese Insel kennen und verstehen zu lernen. Lieben lernen dagegen wird man sie auf den ersten Blick!

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Im Hintergrund von Jarabacoa erhebt sich der Pico Duarte

Entsprechend der Erkenntnis, dass eine Karibikinsel umso feuchter wird, je vielgestaltiger und höher ihr Relief ist, gibt es auf Hispaniola die meisten Ökosysteme der Karibik. Von borealen Hochgebirgslandschaften über subtropische Nadel-, Nebel-, Regen-, regengrüne, Trocken- und Küstenwälder bis hin zu wüstenhaften Dornbuschgesellschaften ist alles vorhanden. Dazu gesellen sich Flusslandschaften mit ausgedehnten Ästuaren und Mündungsdeltas, Lagunen, Salzseen und Marschen, Mangrovendickichte, Kakteenwälder, Savannen, Felsfluren, Dünen, Buchten, Küsten mit blitzweißen Sandstränden und Korallenriffe.

Die Dominikanische Republik inklusive aller kleinen Inseln nimmt mit 48.734 km2 knapp zwei Drittel der Insel Hispaniola ein und ist damit etwas größer als Niedersachsen (47.618 km2). Die restlichen 29.243 km2 werden vom Staatsgebiet Haitis eingenommen. Die maximale Länge in Ost-West-Richtung beträgt 390 km, die maximale Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung 285 km. Die Dominikanische Republik allein verfügt über 1.570 km Küste, (824 km am Atlantik und 752 km am karibischen Meer), darunter viele bizarre Felsküsten und Buchten, aber immerhin auch 980 km flache Strände, die häufig mit Kies, größere Abschnitte aber auch mit Sand bedeckt sind. Entlang dieser Küste erstrecken sich außerdem die unterschiedlichsten Feuchtgebiete wie Mangroven oder mehr als 100 Flussmündungen sowie andere Ökosysteme, abhängig von Substrat und Niederschlag. Alleine die fünf größten Flüsse des Landes transportieren jährlich 15 Milliarden Kubikmeter Wasser ins Meer. In Sabana de la Mar im Norden, eingangs der Bucht von Samaná, regnet es im Jahresmittel 2.260 mm, in Las Salinas im Süden gerade mal 600 mm, das ist deutlich weniger als ein Drittel. Selbstverständlich spiegelt sich dieser Unterschied auch in der Küstenvegetation wider. Selbst wer den Strand nicht verlassen möchte, kann also eine Vielzahl von verschiedensten Pflanzengesellschaften mitsamt ihrem „tierischen Inventar“ kennen lernen. Und Wasserratten kommen dank der großen Anzahl von Riffgebieten mit interessanten Tauchrevieren rund um die Insel ebenfalls auf ihre Kosten.

Doch auch die inneren Landesteile haben viel zu bieten. Insgesamt fünf große Gebirgsketten durchziehen das Land. Das Zentralmassiv, Cordillera Central genannt, bildet mit 200 km Länge quasi das Rückgrat der Insel und beherbergt die höchsten Erhebungen der Karibik sowie einige der beeindruckendsten Naturlandschaften weit und breit. Fruchtbare Täler wechseln mit schroffen Gebirgen ab und lassen zu keiner Zeit auch nur den Hauch von Langeweile aufkommen. Und wer das Meer am liebsten von weitem sehen möchte, der kann die höchste Erhebung der Karibik, den Pico Duarte, besteigen, um von dort einen grandiosen Ausblick bei klarer Sicht bis zum Meer zu genießen. Die weiteren großen Gebirgszüge sind die Nordkordillere (Cordillera Septentrional) und die Ostkordillere (Cordillera Oriental) im Norden der Insel, im Südwesten die beiden Bergketten Sierra de Neiba und Sierra de Bahoruco (auch „Baoruco“ geschrieben). Dazwischen breiten sich fruchtbare Senken oder Tieflandplateaus aus, im Norden etwa die Kornkammer des Landes, das Cibaotal und die Tiefebene des Río Yuna.

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Die Enriquillo-Senke liegt am tiefsten Punkt Lateinamerikas

Im Südosten breiten sich ausgedehnte Zuckerrohrfelder auf der Tiefebene Llano del Este aus, und im Südwesten liegen die trockenen Senken von San Juan und Enriquillo sowie die Karstgebiete der Ebene des Parque Nacional Jaragua. Die größten Flüsse des Landes entspringen alle in der Cordillera Central und fließen von dort in verschiedene Richtungen. Die wichtigsten sind Río Yaque del Norte und Río Yaque del Sur, Río Ozama, Río Yuna und der Río Artibonito. Die Flüsse sind alle nicht schiffbar, bis auf den Unterlauf des Río Ozama bei Santo Domingo.

Insgesamt 22 Nationalparks, 10 Naturreservate und viele kleine Naturdenkmäler wie Flussmündungen, Dünen, Buchten, Senken oder kleine Erhebungen, Vernetzungskorridore und viele weitere Gebiete mit derzeit noch relativ niedrigem Schutzstatus decken die Aufrechterhaltung der Vielfalt von Fauna und Flora recht gut ab.

Ganz gleich, wo man landet – es gibt immerhin fünf internationale Flughäfen (Puerto Plata, Santo Domingo, La Romana, Punta Cana und Barahona) – und in welche Richtung man sich bewegt, überall gibt es Interessantes und Neues zu entdecken. Wer in einem der vielen „All-inclusive“ Hotels an Langeweile erstickt, ist selber schuld.

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Vom Diego de Ocampo hat man selten einen so klaren Blick

Nationalparks und Naturschutzgebiete

Die Schutzgebiete der Dominikanischen Republik wurden so ausgewählt, dass die Vielzahl aller Ökosysteme Berücksichtigung fand. Es spiegelt sich in ihnen ein erstaunlicher Reichtum an höchst unterschiedlichen Lebensräumen wider. Der politische Status reicht dabei von Nationalparks über Naturreservate bis hin zu für wissenschaftliche Forschungszwecke sichergestellten Gebieten. Auch einige historisch bedeutsame Regionen wurden in den Schutzgebietskatalog mit aufgenommen, Naturlebensräume überwiegen aber bei weitem. Aktuell gibt es rund 70 Schutzzonen auf dem Staatsgebiet, ihre Zahl nimmt erfreulicherweise weiter zu. Derzeit rückt eine Generation von verantwortungsvollen Naturwissenschaftlern nach, die sehr engagiert und kompetent das Wissen um ihre Insel zusammenfassen und mehren. Die ersten Nationalparks und Reservate wurden 1956 gegründet, und in der Folge wurden teilweise recht große Regionen unter Schutz gestellt. Es ist verständlich, dass das nicht gegen den Willen der Bevölkerung geschehen konnte, und so gab es viele Konflikte zu lösen – und das wird auch in der Zukunft nötig sein. In einigen Gebieten mussten schmerzhafte Kompromisse in Kauf genommen werden. Speziell in den höheren Lagen befinden sich manchmal ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen inmitten der Nationalparks, die aber für den Anbau von Lebensmitteln, die nur in diesen Höhenlagen gedeihen, von großer Wichtigkeit für die Bevölkerung sind.

Die Vielfalt der geschützten Regionen beginnt weit draußen im Meer mit Flachwasserzonen von hoher ökologischer Differenzierung und mit Paarungsrevieren für Meeressäuger, erstreckt sich über Korallenriffe und Strände jedweder Ausprägung, reicht von Wüsten bis zu triefenden Regenwäldern, von den tiefsten Niederungen bis zu den höchsten Erhebungen. Die geschützte Fläche beträgt mit 9.378 km2 etwa 19,24 % des gesamten Territoriums der Dominikanischen Republik, dazu kommen noch etwa 17.500 km2 geschützte Meeresfläche, das entspricht einer Fläche von mehr als der Hälfte Haitis.

Zum Vergleich: Deutschland strebt 5 % seiner Gesamtfläche als Naturschutzgebiet an, derzeit noch ein Ziel in weiter Ferne!

Grundlage des Schutzprogramms ist das Abkommen, das während der Konferenz der Internationalen Union zum Schutze der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN – International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) 1969 in Neu Delhi, in der allgemein verbindliche Schutzziele und eine komplexe Definition von Schutzgebieten festgelegt wurden, von den Vertragsstaaten unterzeichnet wurde. Nach dieser Definition umfasst ein Nationalpark eine relativ große Fläche, die ein oder mehrere Ökosysteme von nationaler oder internationaler Bedeutung beherbergt und in der Eingriffe des Menschen zugunsten einer ungestörten Entwicklung von Fauna und Flora auf das absolut notwendige Minimum beschränkt bleiben müssen. Als Ziele stehen u. a. die Schaffung von Regenerations- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere, komplexe Arterhaltungsmaßnahmen für Fauna und Flora, Klimaschutz, Erhalt von hydrologischen Kreisläufen zur Sicherung der Gewässer und Trinkwasservorräte, Schutz der Böden, Regeneration und Dekontamination der Luft, wissenschaftliche Forschung sowie didaktische Umweltbildung im Vordergrund. Weitere Gründe zur Errichtung von Nationalparks sind u. a. geologische, historische oder anthropologische Besonderheiten oder die Einmaligkeit bzw. die Schönheit einer Landschaft. Von alledem hat die Dominikanische Republik reichlich zu bieten. Kleinere Flächen erhalten entsprechend ihrer Größe oder Ausprägung einen anderen Schutzstatus, etwa „Staatsforst“, „Wissenschaftliches Reservat“, „Naturdenkmal“ usw. Diese Aufgaben und Ziele wurden 1974 von der Nationalparkverwaltung des Umweltministeriums im Gesetz 67 festgeschrieben und seitdem sukzessive umgesetzt. Eine Novellierung der Umweltschutzgesetzgebung fand mit dem Gesetz 64-00 im August 2000 statt und ist mit kleineren Änderungen bis heute gültig.

Zur Errichtung eines Nationalparks und anderer Schutzgebiete gehören natürlich auch Managementkonzepte zur Sicherung der Nachhaltigkeit von Schutzzielen, also zum Erhalt und zur Optimierung von Ökosystemen, Lösung von Konflikten und Artenschutzprogramme für gefährdete Organismen.

Gelder, die für ein derart umfangreiches Projekt erforderlich sind, erhofft sich die Regierung in Zukunft von einem kompetent durchgeführten sanften Ökotourismus. In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten hat die Regierung viel dazugelernt, und manche wilden Auswüchse sind zum Glück bereits verschwunden, ein hemmungsloser Waltourismus etwa oder fachlich unqualifiziertes Betreten geschützter Gebiete durch selbst ernannte „Naturführer“.

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Die Königspalme ist eine Charakterpflanze der Cordillera Septentrional

Heute sind bereits acht Parks mit entsprechenden Stationen der Nationalparkverwaltung ausgestattet, und für kleines Entgelt werden kompetente Führungen durch Parkranger angeboten. Extratouren, etwa Bootsfahrten zu Inseln oder auf Lagunen, sind allerdings recht teuer, in aller Regel aber auch sehr lohnenswert. Es empfiehlt sich dringend, vom Angebot der Parkwächter Gebrauch zu machen und sich nicht auf die Versprechungen der überall herumlungernden „Fremdenführer“ zu verlassen, die einen nicht selten finanziell dreist über den Tisch ziehen, ohne dafür wirklich etwas zu leisten. Auch viele Ausflugsangebote in den Hotels sind finanziell oft stark überzogen und lassen sich in Eigenregie viel besser und preiswerter durchführen.

Die meisten Naturschutzgebiete sind touristisch nicht erschlossen, was einen Besuch oft äußerst beschwerlich, manchmal sogar unmöglich macht.

Daher beziehen sich die ausführlicheren Beschreibungen der Nationalparks und anderer Schutzgebiete in diesem Buch überwiegend auf Ziele, die leicht bis einigermaßen gut erreichbar sind oder in die man zumindest marginal eindringen kann. Die anderen Gebiete werden aber ebenfalls weitgehend genannt, weil es immer wieder Reisende gibt, die auch beschwerliche Touren auf sich nehmen, um lohnenswerte Ziele zu erreichen.

Bei der Darstellung der Parks werden in aller Regel Lage, Größe, Schutzstatus, Fauna und Flora, Niederschlag, Temperatur, Klima, Geologie, Ökosysteme, Höhe, Landschaftsformen und eventuelle Besonderheiten sowie Hinweise, wie man von klassischen Touristenorten aus dorthinkommt, angegeben.

Bis 1980 gab es nur neun Schutzgebiete mit insgesamt 4 % der Fläche, heute stehen über 70 Gebiete unter Schutz, mit unterschiedlichen Zielen, die deshalb auf die fünf von der IUCN vorgeschlagenen Kategorien verteilt sind:

1. Naturreservate mit absolutem Schutzstatus und/oder Gebiete, die noch ziemlich frei von Verfälschungen und menschlichen Eingriffen sind und der Wissenschaft vorbehalten bleiben;

2. Nationalparks zum Schutz von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen, aber auch zur Erholung für Besucher;

3. Naturdenkmäler, kleinere Gebiete zum Schutz herausragender Einzelaspekte;

4. Öffentlich zugängliche Entwicklungsräume zur Regeneration von Ökosystemen mit relativ niedrigem Schutzstatus;

5. Landschaftsschutzgebiete, öffentliche oder private Flächen mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten.

Damit hat sich die geschützte Fläche mit 19 % fast verfünffacht. Für naturinteressierte Besucher sind vor allem die Nationalparks, wissenschaftlichen Reservate und Naturdenkmäler von besonderem Interesse. Mit diesen Schutzgebieten sind fast sämtliche Hauptlebensräume abgedeckt.

Derzeit bestehende Schutzgebiete

Sechs wissenschaftliche Reservate mit striktem Schutzstatus, öffentlich meist nicht oder nur mit Sondererlaubnis zugänglich, da die Ökosysteme sehr fragil sind:

• Reserva Científica Villa Elisa (= Reserva Científica Orlando Cruz Franco)

• Reserva Científica Loma Quita Espuela

• Reserva Científica Miguel Canela Lázaro (= Loma Guaconejo)

• Reserva Científica Ébano Verde

• Reserva Científica Erik Leonard Ekman (= Loma la Barbacoa)

• Reserva Natural Estricta Lagunas Redonda y Limón

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Die berühmte Panoramastraße Vía Panorámica Costa Azul in Richtung Oviedo

Vier biologische (Wildschutz-)Reservate mit höchstem Schutzstatus, nur mit Führung zugänglich:

Reserva Biológica Dr. José de Jesús Jiménez Almonte (= Diego de Ocam po)

Reserva Biológica Idelisa Bonnelly de Calventi (= Humedales de Bajo Yuna)

Reserva Biológica Las Neblinas

Reserva Biológica Padre Miguel Domingo Fuertes (= Bahoruco Oriental)

22 (33*) Nationalparks mit teilweisem Zugang für die Bevölkerung, vorwiegend aber der Natur als Regenerationsraum vorbehalten:

Parque Nacional Armando Bermudéz

Parque Nacional Cabo Cabrón (Alain H. Liogier)

Parque Nacional Cabo Fránces Viejo

Parque Nacional Del Este

Parque Nacional Isla Cabritos

Parque Nacional Jaragua

Parque Nacional José del Carmen Ramírez

Parque Nacional Juan B. Pérez Rancier (= PN Valle Nuevo)

Parque Nacional Juan Ulises García Bonnelly

Parque Nacional Lago Enriquillo

Parque Nacional Litoral Norte de Puerto Plata

Parque Nacional Litoral Sur de Santo Domingo

Parque Nacional Los Haitises

Parque Nacional Eugenio de Js. Marcano (= Loma la Humeadora)

Parque Nacional Montecristi

Parque Nacional Nalga de Maco

Parque Nacional La Vega Vieja

Parque Nacional Historico La Isabela

Parque Nacional Submarino La Ca leta

Parque Nacional Sierra de Bahoruco

Parque Nacional Sierra de Neiba

Parque Nacional Sierra Martín García

*Gelegentlich ist von 33 Nationalparks die Rede, weil z. T. mehrere Flächen separat aufgeführt werden, die eigentlich in einem übergeordneten Schutzgebiet enthalten sind. Zum Beispiel liegt Estero Hondo im Nationalparkgebiet Monte Cristi, wird aber von einigen Autoren als eigenes Schutzgebiet geführt.

Neun Naturdenkmäler, kleinere Gebiete mit speziellen Einzelaspekten, die besonders schützenswert sind:

Monumento Natural Bahía de las Calderas

Monumento Natural Bahía de Luperón

Monumento Natural Albufera de Maimón

Monumento Natural Puerto Viejo

Monumento Natural Cascade del Limón

Monumento Natural Loma Isabel de Torres

Monumento Natural Isla Catalina

Monumento Natural Lagunas Cabarete y Goleta

Monumento Natural Las Caobas

Zwei anthropologische Reservate:

Reserva Antropológia Cuevas de Bor bón o del Pomier

Reserva Antropológia La Cueva de las Maravillas

Sieben Wildtier-Reservate:

Refugio de Fauna Silvestre Bahía la Jina

Refugio de Fauna Silvestre La Gran Laguna

Refugio de Fauna Silvestre Laguna Bávaro

Refugio de Fauna Silvestre Laguna de Rincón o de Cabral

Refugio de Fauna Silvestre Laguna Mallén

Refugio de Fauna Silvestre Río Higuamo

Refugio de Fauna Silvestre Santuario de Mamíferos Marinos

Zehn (bzw. elf) Panoramastraßen:

Vía Panorámica Aceitillar – Cabo Rojo

Vía Panorámica Costa Azul

Vía Panorámica Mirador del Paraíso

Vía Panorámica Mirador del Atlántico

Vía Panorámica Mirador del Valle de la Vega Real

Vía Panorámica Río Bao

Vía Panorámica Río Chavón

Vía Panorámica Río Mao

Vía Panorámica Río Soco

Vía Panorámica Ríos Comate y Comatillo

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Das kühle Quellwasser wird oft komplett von Wasserpflanzen bedeckt

Drei nationale Erholungsgebiete:

Area Nacional de Recreo Cayo Levantado

Area Nacional de Recreo El Puerto – Guaiguí

Area Nacional de Recreo Playa de Andrés – Boca Chica

Sechs (bzw. fünf) ökologische Korridore:

Corredor Ecológico Autopista Duarte

Corredor Ecológico Carretera de Albaníco – Constanza

Corredor Ecológico Carretera El Seibo – Miches

Corredor Ecológico Carretera Tenares – Gaspar Hernández

Corredor Ecológico Via Cabral – Polo

Corredor Ecológico Via Turística La Cumbre – Puerto Plata

Ein Sondergebiet:

Reserva Ecológica Especial Cinturón Ver de de la Ciudad de Santo Do min go (ein Grüngürtel rund um Santo Domingo)

Einige Nationalparks im Südwesten und im Osten wurden in jüngster Zeit jeweils zu einem großen Biosphärenreservat zusammengefasst.

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Der reiche Niederschlag wird in den Bergen in großen Stauseen gesammelt

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Tabak stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden

Das Klima von Hispaniola

Das Klima ist für Europäer ausgesprochen angenehm und im Wesentlichen sehr ausgeglichen. Hispaniola ist, wie die gesamte Karibik, tropisch marin geprägt. Es herrscht ein ausgesprochenes Tageszeitenklima vor, das bedeutet, dass am jeweiligen Ort die Unterschiede innerhalb eines Tages zwischen Tag und Nacht größer sind, als die Schwankungen im Verlaufe des gesamten Jahres. Die Insel liegt in den Randtropen mit einem feuchtwarmen Klima. Ihre Lage deutlich südlich des Wendekreises führt zu einer für diesen Breitengrad typischen sommerlichen Regenzeit und einer Trockenperiode im Winter. Durch die Neigung der Erdachse und der damit verbundenen jahreszeitlichen Wanderung der Sonne zwischen den beiden Wendekreisen verlagert sich die Zone der maximalen Einstrahlung, und dadurch verschiebt sich jahreszeitlich der Klimagürtel. Die Tageslänge ist zwar nicht wie am Äquator mit zwölf Stunden konstant, aber die Schwankungen zwischen Sommer und Winter fallen längst nicht so deutlich aus wie in Deutschland. Sie variieren zwischen dem längsten und kürzesten Tag nur wenig.

Die Meerestemperatur beträgt im Mittel 26 °C und schwankt nur um etwa 3 Grad, sowohl zwischen den Maxima im Sommer und den Minima im Winter als auch zwischen Atlantik und Karibischem Meer. Der große Wasserkörper hat natürlich Auswirkungen auf das Klima an Land und dämpft allzu große Schwankungen. Aber Topographie, Wind und Meeresströme haben erheblichen Einfluss auf das Mikroklima. Dieses ist auf Hispaniola sehr heterogen, weil die Insel von hohen Gebirgszügen in Ost-West-Richtung durchschnitten wird und es dementsprechend Bereiche im Wind oder im Windschatten gibt. Allgemein kann man sagen, dass es im Süden wärmer ist als im Norden, im Osten tropischfeucht, im Westen dagegen wüstenartig-trocken. Das sind allerdings aufgrund des komplexen geographischen Aufbaus nur Richtwerte. In Folge der großen Reliefunterschiede kommt es auch regional zu unterschiedlichen Kleinklimazonen, die vom Gesamtbild stark abweichen können. Die Extreme schwanken von äußerst heiß und staubtrocken bis hin zu Regionen mit Nachtfrösten und sintflutartigen Regenfällen. Das karibische Meer ist insgesamt etwas wärmer und beschert dem Süden ein milderes Klima, der Atlantik im Norden ist dagegen etwas rauer und kann je nach Lage der Wetterfronten auch schon mal eine kühlere Phase mit sich bringen.

Am stärksten beeinflusst wird das Wettergeschehen von den Passatwinden. Diese tropischen Windssysteme gibt es rund um den Globus auf allen Meeren zwischen den beiden Wendekreisen. Sie entstehen durch permanente Tiefdruckgebiete im Äquatorialbereich (Kalmen genannt), weil sich die Luft dort am stärksten aufheizt, ausdehnt und aufsteigt. Der dadurch entstehende Unterdruck wird ausglichen, indem ständig bodennahe Luftmassen von den Wendekreisen her nachfließen. Passatwinde sind also stets zum Äquator gerichtet und kommen auf der nördlichen Halbkugel praktisch immer vom Nordosten, auf der südlichen Hälfte von Südosten, weil sie durch Erdrotation und Reibung abgelenkt werden. Sie waren übrigens auch die treibende Kraft für die Segelschiffe von Kolumbus auf dem Weg in Richtung Hispaniola und die Neue Welt. Diese rund 90 % des Jahres wehenden Passatwinde führen viel Luftfeuchtigkeit mit sich, da sie lange Zeit über warme Meere streichen. An den Gebirgsketten werden sie gebremst, nach oben abgelenkt, kühlen sich ab und liefern den bekannten Steigungsregen, der natürlich im Nordosten am heftigsten ausfällt.

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Palmen, Meer und Strand bei Cabarete

So gehört die Region rund um die Bucht von Samaná zu den regenreichsten Gebieten der Insel mit im Mittel 2.290 mm Jahresniederschlag. Dagegen zählt die Ebene von Pedernales mit weniger als einem Drittel dieser Niederschlagsmenge, nämlich mit nur 650 mm Regen pro Jahr, zu den trockensten Landstrichen. Wie schon dargestellt, gibt es aber regional große Unterschiede im Wettergeschehen in Abhängigkeit der Skulptur der Landschaft. Speziell in größeren Höhen können lokal ungemein heftige Regenmengen von über 3.000 mm fallen, und an Stellen dicht daneben im Windschatten übersteigen die Jahresniederschläge nur selten die 500-mm-Marke.