Nina W. Brown
Kinder egozentrischer Eltern

 

 

„All denen unter uns, die bei Familienfeiern schon oft den unausweichlichen, erniedrigenden Rückschritt in die Kindheit erlebt haben ... bietet dieses Buch reelle Hilfe, um die selbstschützende Kunst der Gleichgültigkeit zu entwickeln, ein Mantel, der bei so einigen Familienzusammenkünften seinen Dienst erweisen wird[,] ... und um die feinen, aber bedeutenden Unterschiede zwischen ineffektiver und effektiver Konfrontation, Mitgefühl und Sympathie sowie Anschlussreaktionen und Auflösungsstrategien zu verstehen ... ein komplett neuer Satz Techniken.“ – Joe C. Frost, Ed. D., Dozent der Psychologie, Department of Psychology der Harvard Medical School

„Kinder egozentrischer Eltern bietet praktische Ratschläge und Richtlinien. Die kreativen Techniken und Übungen sind sowohl für den Leser unbezahlbar, der lernt, destruktive narzisstische Verhaltensweisen zu erkennen und mit ihnen umzugehen, als auch für denjenigen, der lernt, sein eigenes, sich entwickelndes Selbst zu fördern und zu beschützen.“ – Saul Hopper, Ph. D., privat praktizierender Psychologe aus St. Louis, Missouri

„Kinder werden mit Techniken ausgestattet, um sich aus den unmöglichen Beziehungen zu ihren narzisstischen Eltern zu befreien ... ein gründlich recherchiertes, nützliches Handbuch, um erwachsenen Kindern zu helfen, produktivere Bindungen zu ihren narzisstischen Eltern, sich selbst und anderen einzugehen.“ – Joan Medway, Ph. D., staatlich anerkannte Sozialarbeiterin, Privatpraxis in Potomac, Maryland

7. Stärken Sie Ihr Selbst

(zurück zu: Kapitel 9, Abschnitt „Zu Ihrem idealen Selbst werden“)

Ihr Bewusstsein Ihrer egozentrischen Verhaltensweisen und Einstellungen ist höchstwahrscheinlich dürftig oder nicht existent. Sie bemerken dabei nicht, dass das, was Sie sagen, tun, glauben oder denken, Egozentrik ausdrückt. Sie verstehen jedoch die negativen Auswirkungen, da Sie viele Situationen mit Ihrem egozentrischen Elternteil erlebten. Sie haben bestimmt versucht, ihn auf sein Handeln und Denken aufmerksam zu machen, worauf er die Tatsache aber leugnete, da er sich ihr nicht bewusst ist. Dieser Mangel an Wahrnehmung mag schwer nachzuvollziehen sein, ist aber real. Er kann einfach nicht sehen, was für Sie und andere so glasklar ist. Die gleiche Blindheit, mit der Ihr Elternteil in Hinsicht auf seine Egozentrik geschlagen ist, kann auch jeden anderen treffen – Sie eingeschlossen. Wir sehen manche Dinge an uns selbst nicht, die für andere klar erkennbar sind.


Anmerkung des Verlages: Diese Publikation wurde verfasst, um exakte und zuverlässige Informationen in Bezug auf das behandelte Thema zu liefern. Der Verlag bietet keinerlei psychologische, finanzielle, rechtliche oder andere professionelle Dienste an. Sollte Hilfe oder Beratung durch einen Experten nötig sein, wenden Sie sich bitte an einen kompetenten Fachmann.

Copyright © der deutschen Ausgabe: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn 2010
Copyright © 2008 by Nina W. Brown
Titel der amerikanischen Originalausgabe:
 Children of the Self-Absorbed
Erschienen bei New Harbinger Publications, Inc.

Übersetzung: Julia Welling
Coverfoto: © creative studio – Fotolia.com
Covergestaltung/Reihenentwurf: Christian Tschepp

Erscheinungsdatum dieser eBook-Ausgabe: 2011

Alle Rechte vorbehalten.

Satz und Digitalisierung: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn

ISBN der Printausgabe: 978-3-87387-715-3
ISBN dieses eBooks: 978-3-87387-812-9

Ich widme dieses Buch meinen Kindern Toni, Mike und Linda sowie meinen Enkeln Billy, Joey, Samantha, Chris, Nick und Emma.

Danksagung

Ein großer Dank geht an die Leser der ersten englischsprachigen Auflage von Kinder egozentrischer Eltern, die sich die Zeit nahmen und Mühe machten, mir von ihren Reaktionen und ihrer Anerkennung dafür zu berichten, komplexe Konzepte und Gefühle in Worte zu fassen. Ihre Rückmeldungen waren sehr ermutigend und herzlich. Diese zweite Auflage wäre ohne ihr Zutun nicht entstanden.

Dank auch an Catharine Sutker, die als akquirierende Lektorin mit mir an diesem Buch arbeitete. Aufgrund ihrer Bemühungen wurde das Manuskript angenommen, was ich sehr zu schätzen weiß. Carole Honeychurch, Lektorin, sowie Heather Mitchener, Lektoratsleiterin, waren im Vorfeld der Publikation maßgeblich verantwortlich, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Anerkennung für ihre Unterstützung gebührt auch meiner Familie und meinen Freunden, die nicht vom Fach sind, mich aber dennoch ermutigt haben. Zuletzt danke ich noch all denen, die mich mit Material für dieses Buch versorgt haben.

Viel Freude und Glück!
Nina W. Brown, Juni 2007

Vorwort

Die erste englischsprachige Auflage dieses Buches (2001) entstand aufgrund des Vorschlags eines Lektors beim Verlag New Harbinger. Ich schätze die Leser und Therapeuten sehr, die freundlich und liebenswürdig genug waren, um mir von ihren Reaktionen und Erfahrungen mit diesem Buch zu berichten. Sie teilten mir mit, dass das Material ihnen sehr dabei geholfen hatte, einige langwierige Probleme zu verstehen, die ihre Selbstwahrnehmung, ihr Leben und ihre Beziehungen negativ beeinflussten.

Die vorangegangene Ausgabe fasste in Worte, was einige Menschen mit ihrem Elternteil erlebten, und erklärte viele ihrer Reaktionen auf die Verhaltensweisen und Einstellungen eben dieses Elternteils. Ich bot ihnen eine Bezeichnung (das „Destruktive Narzisstische Muster“) für eine Sammlung an schwer zu erklärenden Verhaltensweisen und Einstellungen sowie deren Auswirkungen. Darüber hinaus beinhaltete dieses Buch Informationen und Strategien, um über das Gefühl hinwegzukommen, allein mit diesem Erlebnis dazustehen, und diesen Menschen klarzumachen, dass sie von jemandem verstanden werden. Das Buch ersetzte nicht die Arbeit mit einem Therapeuten, was die beste Vorgehensweise sein kann, um tief sitzende langwierige Probleme und Sorgen aufzulösen und ein neues stärkeres Selbst aufzubauen.

Die Briefe, Anrufe und E-Mails, die ich erhielt, waren der Anstoß zu dieser neuen Auflage. Leserfragen machten mich auf Bereiche aufmerksam, die erweitert werden konnten, um noch hilfreicher zu sein, und in denen mehr Informationen und Erklärungen gefragt waren. Außerdem baten mich viele Leser um spezifische Ratschläge für bestimmte Situationen, wie z. B. den Umgang mit dem alternden egozentrischen Elternteil. Diese Anfragen und Ratschläge bildeten die Grundlage für das Material zu dieser zweiten Ausgabe.

Etwa 95 Prozent des Materials zu dieser Auflage sind neu. Dieses Buch konzentriert sich auf gewöhnliche Situationen wie z. B. Feiern, Zusammentreffen mit den Großeltern und den alternden Elternteil. Ich biete Ihnen spezifische Vorschläge, wie Sie die anhaltenden, versteckten und gefährlichen Auswirkungen elterlicher Egozentrik auf Sie selbst erkennen können. Der Großteil dieses Buches befasst sich mit spezifischen Strategien, um negative elterliche Auswirkungen zu verringern, Ihr Selbst zu stärken und ein neues, besseres aufzubauen.

Wie Sie dieses Buch verwenden sollten

Sie sollten so vorgehen, dass Sie die Kapitel nacheinander in ihrer Reihenfolge lesen und die jeweiligen Übungen dazu machen, bevor Sie zum nächsten Kapitel übergehen. Jedes Kapitel baut auf dem Material und dem persönlich Gelernten des vorangegangenen auf, um progressives Verstehen zu ermöglichen. Zudem sollten Sie die folgenden Materialien schon einmal zusammentragen, bevor Sie mit dem Lesen beginnen, damit eine reibungslose Durchführung der Übungen gewährleistet ist. Gewöhnlich werden Sie Blankopapier, Karteikarten, Stifte zum Schreiben und farbige Stifte zum Zeichnen verwenden.

Es gibt Hoffnung

Obwohl die mit Ihrem egozentrischen Elternteil verbundenen Probleme und Emotionen zeitweise unlösbar scheinen, verlieren Sie bitte nicht den Mut: Sie müssen nicht in Ihrem Elend versinken. Sie können Schritte unternehmen, die Sie dazu befähigen, besser mit den schmerzlichen Verhaltensweisen und Einstellungen Ihres egozentrischen Elternteils umzugehen und den verspäteten Wachstums- und Entwicklungsprozess zu beginnen, der aufgrund Ihres Elternteils noch nicht stattgefunden hat.

1. Wütend werdende, kritisierende, fordernde und unvernünftige Eltern

(zurück zu: Kapitel 4, Abschnitt „Schwierige Situationen“)

Im Folgenden finden Sie eine zusammengefasste Reaktion aus all denen, die von Lesern der ersten Ausgabe dieses Buches eingingen. Diese Aussagen, adressiert an den egozentrischen Elternteil, verdeutlichen viele der Gefühle, die erwachsene Kinder dieser Eltern empfinden. Die einen richten sich an ihre Mütter, die anderen an ihre Väter. Stellen Sie fest, ob einige dieser Anmerkungen Ihren Erfahrungen oder Gefühlen entsprechen.

Es geht immer nur um dich, und dafür sorgst du. Deine Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche stehen immer im Mittelpunkt. Geht etwas nicht nach dir, ist es inakzeptabel. Du hältst nie inne, um in Betracht zu ziehen, dass andere Menschen auch Rechte haben. In deinen Augen weißt nur du, was das Beste ist, und hast immer recht, wohingegen ich mich unterordnen muss oder mir deinen Zorn, dein Missfallen und deine Enttäuschung auflade.

Du dienst ausschließlich dir selbst. Du nutzt jede Situation, um deine Bedürfnisse zu befriedigen. Du bist blind für die Bedürfnisse anderer, taub für ihre Gefühle und ein Meister der Manipulation. Du arbeitest hart daran, Schuldgefühle, Traurigkeit, Wut und Scham in mir auszulösen und sicherzugehen, dass ich genau das bin, was ich in deinen Augen sein soll. Du beschimpfst, beschuldigst und kritisierst mich ständig, sodass ich mich in deiner Gegenwart immer schlecht fühle.

Ich will dir alles recht machen, scheine aber nie Erfolg damit zu haben. Du bist wie ein Wirbelsturm: Ich weiß, du bist im Anflug, also bereite ich mich auf den Schaden vor, den du verursachen könntest. Doch meine Vorbereitungen sind vergebens. Nachdem du gegangen bist, stehe ich mit den zurückbleibenden Emotionen da und muss mein Gefühlsleben aufräumen, während du weiterziehst, ohne zu wissen oder dich darum zu kümmern, welche Zerstörung du bei mir und anderen verursachst.

Wie sehr ich mich nach einem Zeichen sehne, dass du mich magst und liebst. Doch in all den Jahren mit dir habe ich dies niemals verspürt – ein Mangel, der mich tief berührt. Während ich aufwuchs, zeigtest du niemals auch nur das geringste Verständnis für das, was ich fühlte. Wenn ich einmal versuchte, dir dies zu verstehen zu geben, ignoriertest du mich, spieltest meine Gefühle herunter oder wurdest wütend und sagtest, ich sei undankbar oder würde dich nicht respektieren, weil ich dich kritisierte.

Jetzt, da ich erwachsen bin, sehne ich mich immer noch nach deiner Liebe. Ich weiß, dass du nicht anders kannst, doch vertreibt dies nicht das Verlangen nach einer zufriedenstellenderen und liebevolleren Beziehung.

Was die meisten Leser gemeinsam haben, ist ein Bewusstsein, dass ihre Kindheitserfahrungen immer noch einen anhaltenden, ungewollten und negativen Einfluss auf sie als Erwachsene haben und dass sie etwas tun wollen, um diesen zu mäßigen oder zu beseitigen. Die erste Auflage von Kinder egozentrischer Eltern beschreibt die Handlungen und Einstellungen von zerstörerischen, narzisstischen Eltern, die bleibende und zutiefst negative Auswirkungen auf ihre Kinder hatten. Diese Gruppe von Handlungen und Einstellungen wurde als Destruktives Narzisstisches Muster (DNM) bezeichnet. Einige Auswirkungen waren den Kindern bewusst, als sie älter wurden, übten jedoch noch immer ihren zerstörerischen Einfluss auf Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit aus. Neben der Erläuterung des Problems bot ich in meinem Buch Richtlinien und Empfehlungen, um den erwachsenen Kindern zu helfen, mit diesen negativen Auswirkungen fertig zu werden und ihr erwachsenes Selbst gegen weitere Verletzung und Zerstörung zu stärken. In dieser zweiten Auflage erweitere ich dieses Material und biete Strategien, die Ihnen helfen:

Während Sie die in diesem Buch enthaltenen Aufgaben lesen und durcharbeiten, können Sie davon ausgehen, dass einige schwierige Erinnerungen – verdrängte und unterdrückte – hervorgerufen, seit langer Zeit bestehende Probleme und Sorgen bewusst gemacht und unerledigte Angelegenheiten erkannt werden. Obwohl Sie wahrscheinlich nicht davon begeistert sind, erneut mit diesen Gedanken und Emotionen konfrontiert zu werden, stellt dies den notwendigen ersten Schritt dar, Ihre Erfahrungen zu verstehen und den Prozess der Veränderung zu beginnen. Da Letzteres schwierig sein kann, liefert dieses Buch spezifische Handlungen und Richtlinien zur Mäßigung und Beseitigung der negativen Folgen des destruktiven Narzissmus Ihrer Eltern. Sie müssen nicht weiterhin leiden und frustriert sein. Es gibt Möglichkeiten, sich selbst zu helfen. Während Sie lesen, werden Sie sich ein grundlegendes Verständnis und Strategien aneignen, die zur Verbesserung folgender Punkte beitragen: 

Ich möchte Sie dazu ermutigen, die Bewertungsbögen und Übungen in diesem Buch zu verwenden, um ein größeres Bewusstsein und Verständnis zu erlangen, und jene empfohlenen Strategien anzunehmen, die Ihrer Persönlichkeit am besten entsprechen.

Definition Narzissmus

Der Begriff „Narzissmus“ wurde hier bereits mehrfach verwendet. Narzissmus kann als die Selbstliebe, Selbstachtung und das Gefühl über das essenzielle Selbst eines Erwachsenen definiert werden. Auf der einen Seite gibt es gesunden, Erwachsenen-Narzissmus, der reif und realistisch ist (Kohut 1977). Auf der anderen Seite existiert (auch) der krankhafte Narzissmus, der sich als sehr unreif, unrealistisch und vollkommen egoistisch/selbstsüchtig darstellt. Zwischen diesen beiden Extremen befindet sich der unentwickelte Narzissmus, bei dem einige Seiten der Person zum gesunden Bereich fortgeschritten sind, andere noch im Unreifen liegen und wieder andere den Prozess der Entwicklung durchlaufen. Der unreife Bereich schließt Verhaltensweisen und Einstellungen ein, die man von Säuglingen und Kindern erwarten würde, bei Erwachsenen jedoch Unreife und unentwickelten Narzissmus signalisieren: ständiges Angeben und Prahlen, die Erwartung an andere, Bedürfnisse der eigenen Person sofort und ohne Protest zu befriedigen, oder das Eingehen unnötiger Risiken, die sehr selbstzerstörerisch sein können.

Diese Definition von Narzissmus ist nicht wertend oder urteilend. Sie beschreibt lediglich eine Sammlung von Verhaltensweisen und Einstellungen, die Aufschluss darüber geben, wie eine Person sich wahrnimmt und sich ihrem eigenen Selbst gegenüber fühlt, der Grad, in dem sich jemand als entwickelte Persönlichkeit, getrennt von anderen, wahrnimmt – sowie ihre Gedanken und Gefühle in Bezug auf andere. Wir werden unser Hauptaugenmerk auf diese aufschlussreichen Verhaltensweisen und Einstellungen richten und beginnen, ihren Einfluss auf Beziehungen zu verstehen. Des Weiteren werden wir sehen, wie Sie Wachstum herbeiführen können und dass Ihr derzeitiges Wachstum und Ihre Entwicklung Mängel aufweisen, was unbewusst geschieht und Ihnen unbekannt ist. Besonders dieser letzte Punkt kann für andere Beteiligte Schwierigkeiten in einer Beziehung bedeuten, da die Person mit unreifem und unentwickeltem Narzissmus sich nicht bewusst ist, dass ihre Verhaltensweisen und Einstellungen denen einer früheren Entwicklungsstufe entsprechen. Sie neigt dazu, deren Auswirkungen auf andere nicht wahrzunehmen.

Die Informationen und Strategien in diesem Buch können Ihnen im Umgang mit dem entsprechenden Elternteil sowie im Alltag von enormer Hilfe sein. Doch ersetzt kein Buch die Arbeit mit einem kompetenten Therapeuten, der Ihre persönliche Entwicklung lenken kann. Diese Arbeit kann zu dem tiefem Verständnis und der persönlichen Veränderung führen, die Sie sich wünschen, sodass ich Sie dazu ermutigen möchte, diese Fachkenntnis und Anleitung in Anspruch zu nehmen. Obwohl dieses Buch einen exzellenten Ausgangspunkt und Verbündeten auf Ihrer Reise darstellt, kann professionelle Hilfe durch nichts ersetzt werden.

Der egozentrische Elternteil

Egozentrisch ist, wer den Fokus ständig in hohem Maße und in fast allen Situationen und Gegebenheiten auf sich selbst richtet. Das Verhalten egozentrischer Personen basiert (fast) ununterbrochen auf deren Bedürfnissen, auch dann, wenn einige Handlungen scheinbar anderen zugute kommen. Dieses Buch stellt diese ständige und extreme Selbstfokussierung als Destruktives Narzisstisches Muster (Brown 1998, 2001, 2006) dar.

Im Folgenden werden die für ein DNM charakteristischen Verhaltensweisen und Einstellungen dargestellt. Lesen Sie zuerst die Beschreibungen, bevor Sie anschließend den Bewertungsbogen ausfüllen.

Größenwahn: Die Person neigt dazu, sich selbst als eine Art Supermensch zu sehen, was mit unrealistischen Erwartungen in Bezug auf Erfolg, Leistung, Reichtum und dergleichen einhergeht. Sie glaubt, immer gewinnen zu müssen und als Einzige zu wissen, was für andere das Beste ist.

Anspruchshaltung: Eine Person mit dieser Einstellung geht davon aus, dass andere lediglich eine Erweiterung ihrer selbst sind, sodass sie somit ihrer Kontrolle unterliegen und nur dazu da sind, ihre Bedürfnisse zu erfüllen – die unausgesprochenen inbegriffen. Mitmenschen werden nicht als eigenständige und besondere Individuen anerkannt. Die Person erwartet und besteht auf bevorzugter Behandlung und ist der Auffassung, dass ihre Bedürfnisse Vorrang vor denen der anderen haben sollten.

Mangel an Einfühlungsvermögen: Die Person ist gleichgültig gegenüber den Auswirkungen, die ihre kritischen, erniedrigenden und abwertenden Kommentare und Bemerkungen haben, erwartet aber gleichzeitig Einfühlungsvermögen von anderen. Sie gibt anderen ständig die Schuld für ihre Fehler und unveränderliche Tatsachen.

Erweiterungen des Selbst: Da die Person andere nicht als getrennt von sich selbst versteht, erwartet sie Gefallen, ohne diese zu erwidern. Sie gibt Befehle und geht von deren prompter Durchführung aus. Des Weiteren erwartet sie, dass andere ihre Gedanken lesen und wissen, was sie will, ohne es aussprechen zu müssen. Sie stellt aufdringliche persönliche Fragen und sagt anderen, was sie tun soll(t)en, wobei sie deren Existenz und Grenzen nicht respektiert.

Verarmtes Selbst: Das für das verarmte Selbst typische Verhalten beinhaltet ständiges Jammern darüber, wie benachteiligt, außen vorgelassen und herabgesetzt die Person ist, auch wenn keinerlei Beweise für diese Sichtweise existieren. Sie neigt dazu, sich selbst gering zu schätzen, reagiert aber wütend oder verletzt, wenn andere zustimmen. Sie benutzt Selbstherabwürdigung, um andere dazu zu bringen, ihr zu widersprechen.

Aufmerksamkeit suchend: Die meisten hierfür typischen Verhaltensweisen sind leicht zu erkennen, da die Person sie gewöhnlich fast alle und fast immer an den Tag legt. Sie spricht nicht nur laut, sondern auch viel. Sie betritt und verlässt Räume geräuschvoll, kleidet sich entsprechend, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und gestikuliert wild.

Bewunderung suchend: Hiermit verbundene Verhaltensweisen werden ständig ausgeführt, um öffentliche Zustimmung und Billigung zu erhalten, nach denen sich der Elternteil als externe Zeichen von Wert, Überlegenheit und dergleichen sehnt. Die Person prahlt, gibt mit ihren Fähigkeiten an und empfiehlt sich selbst für Auszeichnungen und andere Anerkennungen. Sie reagiert auf Schmeicheleien, erkennt aber unaufrichtige Komplimente nicht.

Oberflächliche Emotionen: Diese Person zeigt und fühlt wenige Emotionen, gewöhnlich nur Wut und Angst. Sie besitzt einen Wortschatz für Gefühle, der jedoch nur aus leeren Phrasen besteht.

Neid: Diese Person drückt Neid aus, wenn sie Dinge sagt und tut, die ihren Ärger über den Erfolg, die Fähigkeiten, den Besitz oder die Möglichkeiten anderer widerspiegeln. Denn aus ihrer Sicht verdient sie dies mehr als andere. Gefühle des Neides können das verarmte Selbst hervorrufen.

Geringschätzung: Geringschätzung ist Teil des Überlegenheitsgefühls, bei dem die Person denkt, andere seien weniger verdienstvoll, wertvoll oder geschätzt. Sie äußert gewöhnlich negative und geringschätzige Kommentare über den Wert anderer, wie z. B. dass arme Menschen keine Hilfe verdienen.

Arroganz: Diese Einstellung, sich anderen hochgradig überlegen zu fühlen, zeigt sich in entsprechenden Verhaltensweisen, wie herablassend mit diesen Menschen zu sprechen. Die Person scheut nicht davor zurück, andere wissen zu lassen, dass sie sie als unterlegen ansieht, und weist oft auf ihre eigene Überlegenheit hin.

Leere im Kern des Selbst: Die „leere“ Person empfindet Beziehungen als für ihre eigene Bequemlichkeit existierend und springt von einer zur nächsten, ohne dabei jemals in der Lage zu sein, echte Verbindungen zu knüpfen. Es ist ihr nicht möglich, bedeutende, zufriedenstellende und anhaltende Beziehungen zu formen und aufrechtzuerhalten. Sie wird sehr ängstlich, wenn sie alleine ist, und scheint sich nach Aktivität zu sehnen oder sie regelrecht zu benötigen.

Großziehen und Fürsorge – vertauschte Rollen: Im Gegensatz zu der üblichen Erwartung wird in diesem Fall das Kind für das Wohlergehen der Eltern verantwortlich gemacht. Verhaltensweisen, die diese Einstellung signalisieren, können wie folgt lauten: „Wenn du mich liebst, würdest du ...“; „Ich liebe dich, wenn du ...“; „Willst du nicht, dass ich dich liebe?“; „Du gibst mir ein gutes Gefühl, wenn du ...“; „Ich mag es nicht, wenn du mich enttäuschst.“; „Kannst du nie das tun, was ich von dir möchte oder brauche?“

Sonnt sich im Glanze des Kindes: Dieser Elternteil erwartet, dass das Kind wird, wie er es sich wünscht, und dass es tut, was er verlangt, wie z. B. im Sport oder bei Schulaktivitäten hervorzustechen oder andere Talente zu zeigen. Das Kind muss sehr erfolgreich sein, damit der Elternteil nicht unzufrieden ist. Er nimmt die Wünsche des Kindes nicht wahr oder ignoriert sie sogar.

Intolerant gegenüber den Werten und Bedürfnissen des Kindes: Die Person kann das Kind nicht als eigenständiges und von anderen abgrenzbares Individuum wahrnehmen, sondern nur als eine Erweiterung ihrer selbst. Eine abweichende Meinung oder gar Kritik kann sie nicht tolerieren, da sie meint, immer als perfekt gesehen werden zu müssen. Sie beschuldigt das Kind für eigene scheinbare Unzulänglichkeiten und Fehler.

Nutzt andere aus: Dieses Verhalten und diese Einstellungen sind ebenfalls Ausdruck der Unfähigkeit, andere als eigenständige, andersartige und wertvolle Individuen wahrzunehmen und auf diese Weise mit ihnen in Verbindung zu treten. Mitmenschen scheinen nur zu ihrem Vorteil zu existieren und Opfer ausnutzender Verhaltensweisen zu sein. Dazu gehören: unfairen Vorteil aus anderen zu ziehen, sie zu manipulieren, um den eigenen Willen durchzusetzen, und unverdientes Lob zu ernten.

Bewerten Sie nun Ihre Eltern auf der Grundlage der unten stehenden Aussagen, wobei Sie die folgende Wertskala und die vorausgegangenen Definitionen benutzen sollten.

Die DNM-Skala angewandt auf Ihre Eltern

5 – ähnelt Ihrem Elternteil sehr; immer oder fast immer

4 – entspricht oft Ihrem Elternteil; sehr häufig

3 – manchmal wie Ihr Elternteil; in vielen Fällen

2 – ab und an wie Ihr Elternteil; unregelmäßig

1 – überhaupt nicht wie Ihr Elternteil; nie oder fast nie

1.

Größenwahn

5

4

3

2

1

2.

Anspruchshaltung

5

4

3

2

1

3.

Mangel an Einfühlungsvermögen

5

4

3

2

1

4.

Erweiterungen des Selbst

5

4

3

2

1

5.

Verarmtes Selbst

5

4

3

2

1

6.

Aufmerksamkeit suchend

5

4

3

2

1

7.

Bewunderung suchend

5

4

3

2

1

8.

Oberflächliche Emotionen

5

4

3

2

1

9.

Neid

5

4

3

2

1

10.

Geringschätzung

5

4

3

2

1

11.

Arroganz

5

4

3

2

1

12.

Leere im Kern des Selbst

5

4

3

2

1

13.

Großziehen und Fürsorge – vertauschte Rollen

5

4

3

2

1

14.

Sonnt sich im Glanze des Kindes

5

4

3

2

1

15.

Intolerant gegenüber den Werten und Bedürfnissen des Kindes

5

4

3

2

1

16.

Nutzt andere aus

5

4

3

2

1

Bewertung: Addieren Sie Ihre Einschätzungen, um die Endsumme zu erhalten. Benutzen Sie die folgenden Erklärungen als Leitschnur zum besseren Verständnis der Bewertung.

65–80:
Der Elternteil zeigt sehr viele für das DNM typische Verhaltensweisen und Einstellungen.

49–64:
Der Elternteil zeigt viele für das DNM typische Verhaltensweisen und Einstellungen.

33–48:
Der Elternteil zeigt einige für das DNM typische Verhaltensweisen und Einstellungen.

17–32:
Der Elternteil zeigt ein paar für das DNM typische Verhaltensweisen und Einstellungen.

0–16:
Der Elternteil zeigt (fast) keine für das DNM typische Verhaltensweisen und Einstellungen.

Was Sie beim Durcharbeiten dieses Bewertungsbogens sicher festgestellt haben, ist, dass Ihr Elternteil einige der Eigenschaften besitzt, andere jedoch nicht, oder dass er zumindest bei einigen Punkten eine niedrigere Bewertung erzielt. Wenn Ihre Einschätzung Ihres Elternteils einen Wert von 49 oder höher erreichte, besitzt er Ihrem Empfinden nach viele Charakteristika der Egozentrik. Später in diesem Kapitel finden Sie Beschreibungen verschiedener Typen egozentrischer Eltern. Das Verhalten und die Einstellungen Ihres Elternteils können sich somit in einem bestimmten Typ widerspiegeln. Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese Beschreibungen und Kategorien nicht endgültig sind. Sie dienen lediglich zur Vereinfachung der Diskussion.

Das Kind, das elterliche Verantwortung übernahm

Die hier beschriebenen egozentrischen Eltern zeigen viele der Eigenschaften wie in dem Bewertungsbogen aufgeführt und teilen zudem die (un)bewusste Erwartung, ihre Kinder wären für ihr Wohlergehen verantwortlich anstatt sie selbst. Unter diesen Bedingungen aufwachsende Kinder durchleben alle oder die meisten der folgenden Situationen. Diese Kinder: 

Kindern egozentrischer Eltern, die diese Verhaltensweisen und Einstellungen von Geburt an erfahren, wird es nicht gestattet, eigenständige und von anderen klar abgegrenzte Individuen zu werden, was oft negative Auswirkungen auf ihr Leben als Erwachsene hat.

Um herauszufinden, ob diese Beschreibung auf Sie zutrifft, lesen Sie bitte die folgende Liste mit Gedanken, Gefühlen und Einstellungen und bewerten Sie sich anhand dieser Kriterien:

Anhaltende Auswirkungen nach der auf Ihre Eltern angewandten DNM-Skala

5 – immer oder fast immer

4 – sehr oft

3 – oft

2 – selten

1 – nie oder fast nie

1.

Sie haben Schwierigkeiten, zufriedenstellende und bedeutende Beziehungen aufzubauen, die von Dauer sind.

5

4

3

2

1

2.

Sie sind unfähig zu bemerken, wenn andere versuchen, Sie dahingehend zu manipulieren, Dinge zu tun, die nicht zu Ihrem Besten sind.

5

4

3

2

1

3.

Sie finden es schwierig, eine große Bandbreite an Gefühlen auszudrücken.

5

4

3

2

1

4.

Sie werden überwältigt von den Gefühlen anderer und es fällt Ihnen schwer, diese loszulassen.

5

4

3

2

1

5.

Sie verstricken sich in die Gefühle anderer.

5

4

3

2

1

6.

Sie neigen dazu, Kommentare und Handlungen persönlich zu nehmen.

5

4

3

2

1

7.

Sie haben Schwierigkeiten, negative Gefühle wie Wut und Ärger zu kontrollieren, was Ihnen zu schaffen macht.

5

4

3

2

1

8.

Der Versuch, anderen alles recht zu machen, lässt Sie nervös und ängstlich werden.

5

4

3

2

1

9.

Sie haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

5

4

3

2

1

10.

Sie wundern sich darüber, dass andere glücklicher und zufriedener sind als Sie.

5

4

3

2

1

Bewertung: Addieren Sie alle Bewertungen zu einer Gesamtsumme. Je höher das Ergebnis, desto größer der anhaltende negative Effekt, der seinen Ursprung im Aufwachsen mit einem destruktiven narzisstischen Elternteil haben kann. Benutzen Sie die folgenden Erklärungen als eine Leitschnur, um Ihr Ergebnis besser zu verstehen.

41–50:
Ihre Verhaltensweisen und Einstellungen deuten auf schwere und anhaltende negative Auswirkungen hin.

31–40:
Ihre Verhaltensweisen und Einstellungen deuten auf bedeutende, anhaltende negative Auswirkungen hin.

21–30:
Ihre Verhaltensweisen und Einstellungen deuten auf mäßig negative Auswirkungen hin.

11–20:
Ihre Verhaltensweisen und Einstellungen deuten auf einige negative Auswirkungen hin.

0–10:
Ihre Verhaltensweisen und Einstellungen deuten aufwenige oder keine negativen Auswirkungen hin.

Höhere Punktzahlen (35 und darüber) können darauf hindeuten, dass Sie immer noch von alten elterlichen Aussagen beeinflusst werden, die Ihr Denken und Handeln auf eine Weise steuern, die nicht immer zu Ihrem Besten ist. Wenn Sie z. B. Aussage 2 mit 4 oder 5 bewertet haben, lassen Sie sich zu oft zu Dingen überreden, die Sie nicht tun wollen. Es gibt sicher Situationen, in denen Ihr Elternteil noch immer dahingehend auf Sie einwirkt, obwohl Sie erwachsen sind. Sehen Sie sich jede Aussage genau an und entscheiden Sie, ob Ihre Gedanken und Handlungen die meiste Zeit in Ihrem eigenen Interesse sind. Reagieren Sie in Ihren derzeitigen Beziehungen in der gleichen Weise auf andere, wie früher erwartet wurde, dass Sie auf Ihre Eltern eingehen?

Auswirkungen des Rollentauschs bei der Erziehung

Eine der (meist) beunruhigendsten und lang anhaltendsten Auswirkungen vertauschter Rollen kann eine gesteigerte emotionale Anfälligkeit sein. Emotionale Anfälligkeit beschreibt die Tendenz, sich die (meist negativen) Gefühle anderer „einzufangen“, diese zu verinnerlichen und dann festzustellen, dass Sie nicht in der Lage sind, sie einfach loszulassen. Ihre psychologische Fähigkeit zur Abgrenzung war noch nicht genügend ausgebildet, als Sie aufwuchsen, sodass Sie nun weniger gut in der Lage sind zu entscheiden, welche Gefühle der anderen Person Sie akzeptieren können und welche diese für sich behalten sollte. Sind Sie der Meinung, dass einige oder alle der folgenden Verhaltensweisen auf Sie zutreffen?

Sollten Sie sich mit diesen Zuständen, Überzeugungen und/oder Gefühlen identifizieren können, verfügen Sie höchstwahrscheinlich über ausreichend emotionale Anfälligkeit, um oft das Phänomen der projizierenden Identifikation zu empfinden – d. h. Sie „fangen“ sich entweder die von anderen projizierten Gefühle „ein“, nehmen sie in sich auf und handeln danach und/oder Sie verstricken sich in deren Gefühlen oder lassen sich von ihnen überwältigen. Sie haben Schwierigkeiten, starke und widerstandsfähige Grenzen aufrechtzuerhalten, die es Ihnen ermöglichen, Mitgefühl für andere zu empfinden, ohne dabei Ihre eigene Identität oder die Fähigkeit zu verlieren, diese Gefühle loszulassen, damit sie nicht anhalten.

Um ein Gefühl für das Ausmaß zu bekommen, in dem Sie emotionale Anfälligkeit empfinden, vervollständigen Sie bitte folgenden Bewertungsbogen.

Anhaltende Auswirkungen eines Rollentauschs mit Ihren Eltern

Schätzen Sie mithilfe dieses Bewertungsschemas ein, in welchem Ausmaß die folgenden Gefühle auf Sie zutreffen:

5 – immer oder fast immer; extrem 

4 – oft; sehr 

3 – gelegentlich

2 – selten 

1 – nie oder fast nie

1.

Sie fühlen, dass Sie etwas in Ihren Augen Unkluges oder Falsches tun, zu dem Sie jemand überredet hat.

5

4

3

2

1

2.

Sie sind sich nicht klar darüber, wie Sie in eine Ihnen unangenehm erscheinende Situation geraten sind.

5

4

3

2

1

3.

Sie versuchen, jemanden zufriedenzustellen, indem Sie etwas tun, das Sie nicht wollen.

5

4

3

2

1

4.

Sie schämen sich, jemandem vertraut zu haben, der Sie betrog

5

4

3

2

1

5.

Sie finden heraus, dass jemand, den Sie wertschätzen und respektieren, nicht das Gleiche für Sie empfindet.

5

4

3

2

1

6.

Sie nehmen eine plötzliche Intensivierung Ihrer Gefühle bei Kontakt mit jemandem wahr.

5

4

3

2

1

7.

Sie fühlen sich schuldig und beschämt, wenn Sie als egoistisch und selbstbezogen bezeichnet werden, besonders von Ihren Eltern.

5

4

3

2

1

8.

Sie lassen sich schikanieren oder zu etwas drängen, um zu beweisen, dass Sie jemanden mögen.

5

4

3

2

1

9.

Sie werden trübsinnig, wenn Sie Mitgefühl für jemanden empfinden, und werden diese Traurigkeit nicht wieder los.

5

4

3

2

1

10.

Sie arbeiten hart an Harmonie und daran, jegliche Konflikte zu schlichten.

5

4

3

2

1

Bewertung: Addieren Sie alle Bewertungen zu einer Gesamtsumme.

41–50:
Sie zeigen in bedeutendem Maße emotionale Anfälligkeit, die auf den erfolglosen Versuch zurückgeführt werden kann, Ihren egozentrischen Elternteil zufriedenzustellen.

31–40:
Sie zeigen hohe emotionale Anfälligkeit.

21–30:
Sie zeigen emotionale Anfälligkeit in vielen Situationen.

11–20:
Sie zeigen ein wenig emotionale Anfälligkeit.

0–10:
Sie zeigen geringe oder keine emotionale Anfälligkeit.

Lassen Sie uns nun die Bedeutungen und Auswirkungen für jede Aussage untersuchen.

Unklug und falsch

Manche Menschen verfügen über sehr gute Überredungskünste und sind in der Lage, andere zu Handlungen zu bewegen, die diese später bereuen. Solche Menschen sind gewöhnlich starke emotionale Sender, sodass Sie sich selbst in dem verstricken, was diese kommunizieren, sollten Ihre Abgrenzungen nicht fest genug sein und/oder Sie ein großes Bedürfnis danach haben, andere zufriedenzustellen. In diesem Falle könnten Sie sich dabei ertappen, wie Sie aufgrund der sich „eingefangenen“ Gefühle handeln, obwohl ein Teil von Ihnen extrem widerwillig reagiert. Sollten Sie den Tausch der Eltern-Kind-Rollen erlebt haben, befanden Sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit in vielen Situationen, in denen es Ihrem Elternteil möglich war, Sie zu Dingen zu überreden, die Sie nicht tun wollten. Das soll nicht heißen, dass diese notwendigerweise falsch oder unklug waren, doch wurde zu der Zeit das Muster geprägt, nach dem Sie auch heute noch handeln.

Unangenehme Situationen

Finden Sie sich oft in unangenehmen Situationen wieder, ohne genau oder überhaupt zu wissen, wie Sie in diese hineingeraten sind? Sie könnten eventuell in so hohem Maße anfällig für die Gefühle anderer sein, dass es diesen möglich ist, Sie mitzuziehen und Ihnen ihre unangenehmen Gefühle aufzubürden, damit sie selbst sie nicht empfinden müssen. Das Erleben vertauschter Eltern-Kind-Rollen, bei dem beispielsweise der Elternteil das Kind dazu auffordert, ihn in eine bessere Stimmung zu versetzen, oder behauptet, dass die Handlungen und Aussagen des Kindes bestimmte Gefühle bei ihm auslösen, kann in dem Kind den Grundstein zu späterer Aneignung und Übernahme der Emotionen anderer Menschen legen. Als Erwachsener kann das Kind hypersensibel auf diese Gefühle reagieren, sich in sie verstricken, von ihnen überwältigt werden und Schwierigkeiten haben, sie loszulassen. Diese erwachsenen Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, andere zufrieden- und deren emotionales Wohlbefinden sicherzustellen, um sich keine unangenehmen oder besorgniserregenden Gefühle „einzufangen“. Kinder sind sehr empfänglich, wenn es darum geht, die Gefühle anderer zu akzeptieren, besonders die der Eltern.

Andere zufriedenstellen

Es gibt viele Situationen, in denen man etwas tut, das man nicht will, nur um jemanden, den man sehr mag, zufriedenzustellen, und weil die Handlung die eigenen Werte und Prinzipien sowie die Moral und Ethik nicht verletzt. Beispielsweise könnten Sie dem Wunsch eines Kindes zu spielen nachgeben, wenn Sie eigentlich einfach nur schlafen möchten, oder einem Freund helfen, wenn er um einen Gefallen bittet. Sollten Sie jedoch das tiefe und anhaltende Bedürfnis empfinden, es anderen recht machen zu müssen, was in diesem Fall bedeutet, dass Sie manipuliert und ausgenutzt werden, dann handeln Sie höchstwahrscheinlich auf Basis der Auswirkungen der vertauschten Rollen in Ihrer Kindheit, als von Ihnen erwartet wurde, den Elternteil auf Ihre eigenen Kosten zufriedenzustellen.

Betrogen und beschämt

Ein furchtbares Gefühl der Zurückweisung und des Verlassenwerdens kann entstehen, wenn Sie von jemandem betrogen werden, dem Sie vertrauen. Manche Menschen, die vertauschte Eltern-Kind-Rollen erlebt haben, glauben, selbst die Schuld zu tragen – sie waren nicht gut genug, um die Person von ihrem Handeln abzuhalten, oder unzulänglich, indem sie den Verrat nicht vorhersehen konnten. Diese Menschen greifen zu Selbstbeschuldigung, anstatt den Betrüger verantwortlich zu machen. Es ist möglich, dass dieses verminderte Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen und die verminderte Selbstwirksamkeit durch Kindheitserlebnisse entstehen können, bei denen das Kind „es nicht richtig“ machen konnte oder den Bedürfnissen des Elternteils nicht genügte.

Mangel an Wertschätzung und Respekt

Herauszufinden, dass jemand, den Sie schätzen und respektieren, dies nicht erwidert, kann die gleichen Gefühle auslösen wie betrogen zu werden. Einige typische Gefühle sind: Scham und Schuldgefühle, weil Sie sich für nicht gut genug erachten; Demütigung, da Sie nicht sofort bemerkt haben, dass die Person Sie nicht schätzte und respektierte; und Wut über die empfundene Ungerechtigkeit. Sie versuchen möglicherweise immer noch, die Bestätigung und Zuneigung Ihres egozentrischen Elternteils auf Kosten der eigenen Wertschätzung und des eigenen Respekts zu erlangen. Aufgrund dessen empfinden Sie es als schwierig oder unmöglich, sofort zu erkennen, wenn andere Sie nicht schätzen und respektieren.

Verstärkte und intensivierte Gefühle

Intensivierte Gefühle in bestimmten Interaktionen sind starke Anzeichen für das Ausmaß, in dem Sie von projizierender Identifikation beeinflusst wurden. Hierbei „fangen“ Sie sich unbewusst Emotionen ein und übernehmen sie zusätzlich zu dem, was Sie zu dem Zeitpunkt bereits empfanden. Auf diese Weise verstärken und intensivieren sich Ihre existierenden Gefühle, sodass Sie infolgedessen handeln. Darüber hinaus sind Sie gewöhnlich nicht in der Lage, die Emotionen zu mäßigen oder einfach loszulassen. Sie wundern sich vielleicht sogar, warum Sie so intensiv empfinden, wie Sie es tun. Die Stärke Ihrer psychologischen Abgrenzung ist unzureichend, um diese projizierende Identifikation zu verhindern.

Anschuldigungen, selbstbezogen und egoistisch zu sein

Anschuldigungen, selbstbezogen und egoistisch zu sein, können mehr oder weniger zutreffen, was uns hier aber nicht interessieren soll. Unser Fokus liegt auf Ihren Gefühlen bezüglich der Anschuldigungen. Sollten Sie bei der Anschuldigung, selbstbezogen und egoistisch zu sein, sofort Schuld- und Schamgefühle empfinden, können Sie nicht klar genug denken, um deren Wahrheitsgehalt angemessen zu beurteilen. Das Resultat ist, dass Sie entweder Ihre Verhaltensweise ändern, damit die Anschuldigung nicht mehr zutrifft, sie verneinen oder wütend werden und im Gegenzug den Anschuldigenden beschuldigen. Ihre Reaktionen könnten genau das sein, auf was die andere Person abzielte, um Sie weiter zu manipulieren oder als überlegen zu erscheinen. Diese Situation könnte den Erfahrungen mit vertauschten Eltern-Kind-Rollen aus Ihrer Kindheit gleichen.

Schikaniert werden