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Inhaltsverzeichnis




































Danksagung

Danke möchte ich mit diesem Buch sagen, danke für das Glück, das mir mit den Tieren zuteil wird, danke für all meine tierischen Wegbegleiter, die wunderbaren gefiederten Freunde und die großartigen pelzigen Familienmitglieder. Nichts wünsche ich mir mehr, als dass all die herrlichen Geschöpfe, die uns Menschen begleiten oder begegnen, von uns auch im wahrsten Sinn des Tieres verstanden werden. Ich wünsche mir, dass ich Ihnen mit meinen Erfahrungen dazu verhelfen kann, dieses Verständnis für die von uns meist abhängigen Kreaturen zu entwickeln. Dass es weniger Missverständnisse gibt und die Bereitschaft wächst, auf die Individualität der so unterschiedlichen Tiere einzugehen. Das wünsche ich mir genauso wie die Erfüllung der Hoffnung, letzten Endes den Tieren zu helfen. Vielleicht kann ich ein ganz kleines Stück dazu beitragen, dass es für uns Menschen und die zukünftigen Generationen erstrebenswert ist, ein instinktives Vertrauen zu Tieren zu empfinden.

Mein Dank gilt auch vielen Menschen, denen ich auf meinem Weg des Lernens begegnet bin, die mich inspiriert, herausgefordert und mir Vertrauen geschenkt haben, darunter insbesondere Mitarbeitern und Teams der Filmbranche, Regisseuren und Schauspielern, die sich auf mich und die Filmtiere einlassen. Vor allem möchte ich einer Frau danken, die mir so unermüdlich und tatkräftig zur Seite stand, als es darum ging, dieses Buch zu realisieren. In meinem aufregenden Leben hat sie Raum geschafft, mein Gedächtnis aktiviert und mich motiviert, all die Erlebnisse vom Set niederzuschreiben: Gisi Lindeman.

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Corinna Harfouch als Hexe Rabia in »Bibi Blocksberg«.

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Amigo, Bettina Zimmermann und Chris’ Kollegin Christine.

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Fredy im Film »Hundeleben«.

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Rentier Freya aus »Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel«.

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Früh übt sich – Huhn Helene und ihr Nachwuchs.

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Charmins Wurf – zum Fressen süß!

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Ensemble des Kinofilms »Hexe Lilli«.

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Fredy und Chris – ein Herz und eine Seele.

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Wer ist der Größte, Stärkste und Grimmigste?

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Fredy in der Maske.

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Fredy auf dem Untersuchungstisch. Um ihn herum: Dominique Müller, Pascal Ulli und Mona Perti (v.l.) in »Hundeleben«.

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Emus für den Kinofilm »Verschwende deine Jugend«.

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Mops Lea vor Drache Hektors Wohnwagen in »Hexe Lilli«.

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Fredy mit Pink beim Diebstahl.

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»Die Landärztin« – Hündin Pink vom Pegnitztal mit Christine Neubauer.

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Ibiza: Welpe Fredy in den Armen von Tina Ruland.

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Auf der Wiese mit Welpe Lola – Christian Berkel und Friedrich von Thun.

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Das junge Pelzchen im Tierheim.

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Frischling Luise – kleines Schwein ganz groß.

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Alphawölfin Lupa mit Chris.

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Hinterwälder Reitkuh Fanta.

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Küken zu Besuch in der Küche.

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Huhn Gerda steigt zu Kopf – für einen Werbetrailer.

Epilog: Fredy im Ziel

Der schnelle Fredy hatte auf seine acht Wiederholungen vom Anfang dieses Buches die neunte folgen lassen – diesmal klappte alles und die Szene war perfekt. So hatten wir Zeit, unser eingespieltes Regenerationsprogramm abzuspulen: Lob, Futter und Schlaf standen für Fredy auf dem Programm, bevor er wieder vor die Kamera trat und durch seine letzte Szene im Abschlussbild das Ziel erreichte. Letzte Klappe, fertig, Fredy! Im Kinofilm »Hundeleben« spielte Fredy seine erste Hauptrolle. Als Tierheimhund saß er da mit großen Augen und noch größeren Erwartungen in seinem Zwinger und ließ sich von einem jungen Ehepaar »adoptieren«. Fredy rettete nicht nur deren Ehe, sondern auch einen Waisenjungen, der später Teil der kleinen Familie wurde. Auch entführen lassen musste er sich noch. Er meisterte diese große Rolle, in der er in fast jeder Szene mit von der Partie ist, bravourös, spielte sich in alle Herzen und war der begehrte Mittelpunkt der Filmpremiere in Zürich. Danke, Fredy!

Drei Katzen auf dem Glatteis

Es war einer der ersten schönen Frühlingstage, als ich einen Anruf des Produktionsleiters für den Kinofilm »Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen« erhielt. Er fragte mich, ob ich eine Katze trainieren könnte, die für diesen Kinderfilm die tierische Hauptrolle des Katers Maribor übernimmt.

Mit einem braun-grau getigerten Maine-Coon-Kater namens Ohio unter dem Arm betrat ich eine Woche später das Büro des Produktionsleiters. Ich setzte ihm Ohio auf den Schreibtisch, gleich neben den PC. Nach einer kurzen Begrüßungstour bei allen Besprechungsteilnehmern machte Ohio es sich in der riesigen Obstschale, direkt auf dem Besprechungstisch, zwischen den Kaffeetassen, bequem. Die Platzwahl des wunderschönen Katers rief ausgedehnte »Aaahs« und »Ooohs« bei allen hervor.

Es ist immer das gleiche Spiel: Entweder die Regie liebt das Tier auf Anhieb, oder der Funke springt nicht über. Ist Letzteres der Fall, wird mein Vorschlag sofort zunichte gemacht und in einem zweiten Casting eine Alternative begutachtet. Aber der riesige, zottelige Ohio war alles andere als ein Abschusskandidat. Produzentin, Regisseurin und Produktionsleiter waren beeindruckt vom selbstverständlichen Verhalten des Katers, er hat alle zu hundert Prozent davon überzeugt, dass er genau der Richtige für diese Rolle ist. Und so wurde aus Ohio Maribor.

Zu dieser Figur gibt es eine Menge zu erzählen, denn sie war höchst anspruchsvoll. Genau aus diesem Grund besetzte ich Maribor gleich mit mehreren Katern, ich trat mit drei Tieren an, die ähnlich aussehen. So konnte ich die Aufgaben dem jeweiligen Talent entsprechend zuteilen. Alex zum Beispiel mag es gern wild und ist extrem menschenbezogen, er wurde zum auserkorenen Liebling des Teams. Ihn setzte ich, seinem Kuscheltalent entsprechend, für die passenden Szenen ein. Doch sein Beitrag zum Film ging noch weit darüber hinaus. Die Regisseurin Franziska Buch ist sehr temperamentvoll. In der Pferdesprache würde sie unter »vollblütig« katalogisiert werden. Während der Dreharbeiten kommt es natürlich immer wieder zu Konfliktsituationen, und daraus resultierend entsteht Stress. Kater Alex half der Regisseurin dabei, wieder ruhig und relaxt zu werden. Sie ging in kritischen Momenten, kurz vor einer drohenden oder auch nach einer erfolgten Explosion, zu ihm und beschnupperte seinen wuscheligen Bauch, was er sich gern gefallen ließ. Sie haben richtig gelesen, sie streichelte ihm nicht den Bauch, sondern sie schnupperte daran. Danach war sie wieder ruhig und gelassen, und für das gesamte Team lief die Arbeit besser weiter. Solch einen Alex sollte man an so manchen hektischen Schauplätzen zur Verfügung haben.

 

Zwei Monate nach dem erfolgreichen Casting saßen Ohio, Alex und ihr Kollege Dandy mit mir zusammen im Auto. Alle drei, ihrem jeweiligen Talent entsprechend, trainiert. Wir waren auf dem Weg nach Österreich, ins Dachsteingebirge. Dass sich die Tiere von mir für einen Dreh unter den für Katzen untypischsten Bedingungen positiv einstimmen lassen, setzt selbstverständlich ein ausgiebiges Pkw-Reisetraining voraus. Eine gut gelaunte Katze kann für das Budget der Filmemacher und die Nerven des Teams für den ganzen Drehtag von ausschlaggebender Bedeutung sein.

Einer der Schlüsseltricks ist ein kleines Katzenklo, das in diesem Fall tatsächlich die Katze froh macht, wenn es ihr im Auto zur Verfügung steht. Der auf der Reise normale Stressaufbau aktiviert nämlich den Stoffwechsel, und die Katze muss sich erleichtern. Kann sie das nicht, wird sie unruhig, fängt an zu miauen und steigert sich in eine unüberhörbare, durch Mark und Bein gehende Arie, der Wahnsinnsarie aus Donizettis »Lucia di Lammermoor« unter Umständen nicht unähnlich. Die Katze gerät in Nöte, da ihr ihre ausgeprägte Reinlichkeit im Wege steht und sie sich keinesfalls ohne Katzentoilette erleichtern will. Deshalb biete ich meinen Akteuren diesen Service selbstverständlich an, und bei dem, was uns diesmal bevorstand, mit jeder Menge Katzenstreu bestückt.

Die Macher von »Bibi Blocksberg« hatten sich so einiges einfallen lassen, was die Auswahl der Drehorte betrifft. An einem heißen Spätsommertag wurde bei Außentemperaturen von achtundzwanzig Grad in der berühmten Eishöhle am Dachstein gedreht, bei gerade mal zwei Grad. In der Talstation traf sich dazu das ganze Filmteam mit der kompletten Ausrüstung. Ab in die Gondel, hieß es für alle und alles. Ich weiß nicht mehr, wie viele Gondeln wir benötigten, um die ganze Entourage zur Mittelstation zu schaffen. Diese Aktion war an diesem Tag eine Premiere für meine Katzendarsteller, und die Tiere meisterten die Fahrt mit diesem ungewohnten Verkehrsmittel problemlos. Ganz im Gegensatz zu meiner unglaublich mutigen Mitarbeiterin, die aus Höhenangst am Boden der Gondel kauerte und sich eine Jacke über den Kopf gezogen hatte, um ja nichts von dem Schrecken um sich her mitzubekommen. Manchmal muss ich eben auch zum Menschentrainer werden: Ich beschäftigte Anna in den Drehtagen intensiv, immer wieder musste sie dabei wie zufällig die Gondel benutzen – und durch das große Verantwortungsgefühl für die Tiere, darin ist Anna nämlich super, »vergaß« sie ihre Höhenangst zeitweise völlig. Von der Station aus mussten wir bis zum Eingang der Eishöhle noch etwa dreißig Minuten steil bergauf gehen, einen sehr schmalen Saumpfad am Abgrund entlang. Der Aufstieg war extrem beschwerlich, da alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände auf den männlichen und weiblichen Rücken des Teams geschleppt werden mussten. Unser Anblick erinnerte an eine Himalaja-Expedition, allerdings ohne Packesel. Um einen normalen Drehtag dort oben zu realisieren, werden Kameras, Schienen, Licht für mehr als eintausend Quadratmeter Eishöhle, Tonausrüstung, Kostüme, all die Utensilien für die Maske, die Ausstattung, das Catering … und last but not least auch die vierbeinigen Hauptdarsteller benötigt. Meine Samtpfoten überstanden diesen Anmarsch in ihren Transportkörben bestens. Ich versuchte, wie ein Indianer auf dem Kriegspfad zu laufen, um die Körbe möglichst ruhig zu halten. Dies trieb mir schon vor Drehbeginn den Schweiß auf die Stirn.

Der Drehort Höhle, eine bizarre Winterlandschaft im ewigen Eis, ließ uns den Sommer draußen vergessen. Die Scheinwerfer verwandelten die schummrige Eishöhle in eine funkelnde Glitzerwelt, eine Illusion, wie sie nur der Film erschaffen kann. Die Tropfsteine wurden zu Kronleuchtern und der eisige Boden zum mit Diamanten überzogenen Parkett. Fantasy satt! Für die Katzen war das natürlich eine höchst ungewohnte Atmosphäre. Ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad waren die Höhenmeter. Welch fremdes, eigenartiges Gefühl muss es sein, den Ohrdruck zu spüren und über lange Zeit nicht mehr loszuwerden. Wir kennen das alle aus dem Flugzeug, aber wir können Kaugummi kauen. Ich habe noch keine Katze gesehen, geschweige denn trainiert, die sich lässig einen Spearmint gönnt, wenn ihr die Ohren wehtun. Zu all diesen Hürden kam in der Höhle noch die Kälte hinzu. Auch wenn der tierische Darsteller mit seinem dicken, zotteligen Fell vor den sibirischen Temperaturen geschützt ist, spürt er den »Klimawandel« von draußen nach drinnen an Ohren, Kopf und Beinen sehr wohl. Für mein Gefühl war der Eintritt in die Eishöhle wie das Eintauchen aus einem heißen Sommertag in eine Kühltruhe. Die Königsdisziplin des Filmtiertrainings kam unaufhaltsam auf mich zu: das trainierte Pensum bei den Katzen perfekt abzurufen. Im Gegensatz zu Hunden entscheiden Katzen ohne uns zu fragen, ganz allein, ob ihnen die Situation angemessen erscheint, ordentlich arbeiten zu wollen oder nicht. In solch schwierigen Momenten mache ich meine Katzen zu Diven, Prinzen und Prinzessinnen, ich hofiere sie und vermittle ihnen den Eindruck, dass hier und heute ihre Wünsche meine Befehle sind. So tue ich alles, um sie gnädig zu stimmen, ihre Rolle bestmöglich zu spielen. Dass ich den Knopf für ihr Such- und Spielverhalten damit einschalte und den für Angst, Panik oder Ausflippen ausschalte, müssen sie ja nicht erfahren.

Das wilde Treiben des Teams in der Höhle kündigte den ersten Auftritt von Maribor, laut Drehbuch Hexe Rabias sprechender Kater, an. Meine Aufgabe war es nun, die Tiere in eine gute, uns geneigte Stimmung zu versetzen. Ich trug das jeweilige Tier, das kurz vor seinem Auftritt stand, auf meinen Armen umher. In der eiskalten Höhle verpackte ich den Kater in meinem Anorak, sodass nur der Kopf herausschaute, der dann gern mal ein Stück frisch gebratene Hühnchenbrust in Empfang nahm.

Die Aufgabe, die Dandy, das Lauftalent, erwartete, hatte es in sich, aber wir waren bestens vorbereitet. In der Höhle sollte der Kater nämlich bestimmte Wege über das Eis laufen und bei einer Verfolgungsjagd in letzter Sekunde durch eine Höhlenöffnung verschwinden. Gerade noch rechtzeitig, bevor diese sich schließt und »nur« der Schwanz eingeklemmt wird.

Meine Konzentration war bei einhundert Prozent, der Aufnahmeleiter fing an, rückwärts zu zählen, und brüllte bei »eins« angekommen ein unmissverständliches »Ruhe bitte!« in die Runde. Todesstille am Set, da kam es, das Signal für den Meister der Töne, das »Ton ab« des Aufnahmeleiters, »Ton läuft«, schrie es aus dem Hintergrund zurück. Es knisterte förmlich in der Höhle, alle standen in den Startblöcken.

»Kamera ab«, kam von der Regie, »Kamera läuft«, erwiderte der Kameramann. In diesem Augenblick war der Klappen-Assistent die gefragteste Person: »Klappe, die erste«, das Signal für die Regie, das Zauberwort auszusprechen: »Bitte!« Meinen Adrenalinspiegel wage ich für diesen Moment nicht zu schätzen. Jetzt galt es: Dandy musste es richtig machen. Auf diesen Moment hin hatte sich unser monatelanges, intensives Vorbereitungstraining konzentriert. Auf mein Kommando musste der Kater über das spiegelglatte Eis durch die Höhlenöffnung flitzen, obwohl er wusste, dass sich diese fast im selben Moment, in dem er hindurchspurtete, schließen würde. Die Schiebetür des Esszimmers bei mir zu Hause war die perfekte Simulation der Höhlentür gewesen.

Die Hauptdarstellerin Corinna Harfouch, die während dieser Dreharbeiten an den verschiedenen, abenteuerlichen Drehorten Kummer gewohnt war, spielte in Bibi Blocksberg die Hexe Rabia. Der arme Maribor wurde in dieser Szene von Rabia mit einem beherzten Ruck aus seiner misslichen Lage befreit, obwohl die Hände der Schauspielerin fast erfroren waren. Und wir wären nicht beim Film, wenn der eingeklemmte Schwanz nicht ein nachgebautes Fellbüschel gewesen wäre.

Da ein »One Take Wonder«, also ein beim ersten Versuch geglückter Dreh, zu den Raritäten bei Dreharbeiten zählt, musste der Kater mehrfach seinen Weg über das kalte Element wiederholen. In der Eishöhle bewältigte er sieben Mal die Strecke durch die sich schließende Öffnung. Dandy lief seinen Parcours vorbildlich, die Spannung fiel schließlich von mir ab und ich war stolz auf meinen Kater. Jedes Mal, wenn er am Ziel angekommen war, belohnte ich ihn mit einem kleinen Stück Hühnchenbrust, das liebevoll in Olivenöl angebraten war. Ich habe mir und meinen Nerven erlaubt, auch ab und an eine Kleinigkeit davon zu beanspruchen. An dieser Stelle muss ich unbedingt das Cateringteam erwähnen, das Tag und Nacht für die Crew da ist und sich auch nicht ziert, wenn es in der größten Hektik zwischendrin heißt: »Bitte einmal medium anbraten für Kater Maribor.«

 

Katzen verbringen ihr Leben gewöhnlich nicht auf dem Eis, und sollten sie je in die unangenehme Situation kommen, diesen viel zu kalten und viel zu glatten Untergrund betreten zu müssen, würden sie es angewidert und mit äußerster Vorsicht und Zurückhaltung tun. Aber nur, wenn es wirklich unbedingt sein müsste. Es ist und bleibt ungewöhnlich für ein Samtpfötchen, eine solch »eiskalte« Szene – und das mehrmals – zu absolvieren. Im Training musste es deshalb darum gehen, das Ganze zu einem Spiel werden zu lassen, das niemals mit einem Schreck, Stress oder irgendeiner negativen Stimmung verbunden wird. Während der gesamten Vorbereitungen musste ich strengstens darauf achten, dass das Tier in bester Stimmung blieb. Sobald sich der Kater am Set an das positiv besetzte Spiel dieses Vorbereitungstrainings und an die damit verbundene Aufgabe erinnert, ist es eine Leichtigkeit, das Trainierte auch in der fremdartigen Umgebung abzurufen. Gewisse Elemente muss er natürlich wiedererkennen: Ich bin da, meine Zeichen und die »vereinbarten« Hinweise sind da, und natürlich der bestens bekannte, mit Heizkissen präparierte Transportkorb, in den er einsteigen kann, sobald der Parcours geschafft ist. Diesen Korb hatte ich beim Üben schon dabei. Da die Eishöhle nicht zur Verfügung stand, habe ich das Eislauftraining in eine Eislaufhalle verlegt, die ich ganz allein für die Samtpfoten und mich gemietet hatte. Wochen vor dem Dreh haben wir uns immer wieder zum Training auf das Eis begeben. Wird es dem Esel zu wohl, geht er aufs Eis – an dieses Sprichwort dachten sicher die Betreiber der Eislaufbahn, als ich mit meinen Katzen auf dem Eis herumrutschte, um den Tieren Vertrauen für dieses neue Gefühl der Fortbewegung zu vermitteln. Die Komfortzone ist für Katzen enorm wichtig. Bevor eine der Katzen also die Kälte des Eises an ihren Ballen negativ verspüren konnte, motivierte ich sie, schnell in den präparierten, kuschelig warmen Transportkorb zu steigen. In der Eishöhle erinnerten sich die Tiere sofort an dieses positiv besetzte Ende der Rutschpartie. Unbegrenztes Wohlfühlen auch in einem ungewohnten, neuen Element.

Und genau das sollte das Trainieren von Filmtieren auch für mich werden. Wenn ich heute zurückdenke, weiß ich, dass nie etwas anderes in Frage kam.

Früh übt sich

Während zu Beginn meiner »Karriere« im zarten Alter von fünf Jahren Schildkröten, Meerschweinchen und Mäuse ihre Aufgaben gegen Belohnungen wie Tomaten, Petersilie und Käse erfüllen sollten, entwickelte ich bald schon umfangreiche Trainingspläne für Hase, Huhn und Generationen von Wellensittichen, Kanarienvögeln und Zebrafinken in meinem kleinen Köpfchen und setzte diese zielstrebig in die Tat um.

Von Kindesbeinen an habe ich das Verhalten der Tiere studiert. Schon im Kinderwagen lag ich nicht einfach nur auf der Windel, sondern ausgiebig auf der Lauer, um genau zu sehen, was die Marienkäfer auf meiner Hand trieben. Zu jeder Zeit waren Tiere in meinem Fokus: Auf Mamas Schoß, im Kindergarten, in der Schule, draußen im Ort und in der Natur – ständig habe ich sie beobachtet und mich gefragt: Warum tun sie dies, weshalb tun sie das? Schon immer war es mir wichtiger, die Tiere und ihr Verhalten mit ihresgleichen zu beobachten, als sie zu streicheln und mich in ihre Beziehungen untereinander einzumischen. Ich habe damals schon versucht, das Leben aus der Sicht der Tiere zu verstehen, was bestimmt dazu beigetragen hat, meine Eltern zumindest in der Hinsicht zu entlasten, dass ich sie nicht mit Fragen über den sonstigen Ablauf der Welt gelöchert habe.

Nein, mich hat interessiert, wieso die Wachhunde vom Schrottplatz gleich neben dem Tennisplatz so böse waren, oder weshalb Tante Dranacher ihren Zwergdackel Elfi immer und überall herumgetragen hat, obwohl er doch selbst laufen konnte. Warum war der allseits gefürchtete Schäferhund von Frau Sackmann überhaupt nicht mehr furchterregend, wenn er ohne Leine unterwegs war? Wieso kamen die frei lebenden Enten von Herrn Reinl jeden Abend freiwillig in ihren Stall zurück, aus welchem Grund nutzten meine Hamster Nummer eins, zwei und drei tatsächlich unermüdlich das Laufrad im Käfig, und weshalb erlaubt ein Pferd, das über große Kräfte verfügt, uns »kleinen Menschen«, ihm ein Metallteil, das die Reiter Gebiss nennen, zwischen seine Zähne zu schieben? Warum nur haben die Nymphensittiche bei Lächners gebrütet, aber nicht bei meiner Cousine, die es doch so lange versucht hat? Wie kam es, dass mein weißes Kaninchen Schnuffi sechs braune und ein schwarzes Kaninchenbaby geboren hat? … Sie sehen, ich war bereits in der Kindheit vollkommen damit ausgelastet, mich auf meinen beruflichen Weg vorzubereiten.

Kappel junior und die Aufklärung

Die Aufklärungsphase im Biologieunterricht machte mich zum besten Schüler der Klasse. Ich war kein Streber, habe keine »Bravo« gelesen und wurde auch nicht vorzeitig von meinen Eltern anhand der Bienenwelt über das Thema »Wo kommen die Babys her?« informiert. Ich hatte ganz einfach während meiner Studien in der Tierwelt verstanden, wie »es« geht. Ich habe den Enten, Kaninchen, Kühen, Katzen und Hunden zugeschaut, wie sie sich paaren und was die balzenden Vogelmännchen oder die werbenden Vierbeiner alles anstellen, um das Weibchen gnädig zu stimmen. Dass das alles nicht so fern von unserem menschlichen Verhalten ist, habe ich dann später erfahren, als ich alt genug war, selbst zu balzen.

Für die Tiere ist es völlig normal, sich auch unter Beobachtung zu paaren. Sie verstecken sich nicht, sie schämen sich nicht und werden auch nicht rot. Die Antriebsfeder für die Fortpflanzung ist die Erhaltung der Spezies. Und so habe ich der Biologielehrerin meine Beobachtungen und Empfindungen freudig vor der versammelten Klasse geschildert und gestaunt, dass ihre Wangen erst einen zarten Rosaton annahmen, der gegen Ende meiner Ausführungen zu einem tiefen Rot geworden war. Selbstverständlich war ich auch Beobachter im Kreißsaal der Tiere, von der Kuh bis zur Maus – immer habe ich miterlebt, wie die Tierkinder zur Welt kommen. Die ganze Klasse bestürmte mich mit Fragen. Ich konnte sie alle beantworten. Eigentlich hätte ich einen Preis bei »Jugend forscht« bekommen müssen!

Mir selbst gingen die Fragen auch nie aus: Wieso laufen die Schafe von Walter allesamt einem Schaf hinterher, und jedes Schaf weiß, wer wer ist, obwohl sie doch alle gleich aussehen? Und wieso lassen sie sich von Walters Hunden herumtreiben, vor denen sie doch offensichtlich keine Angst hatten? Weshalb haben Opas Bienen nicht gestochen, wenn er seine Pfeife geraucht hat? Warum konnten sie anhand einer Farbmarkierung in Rot, Blau, Gelb oder Weiß den Eingang ihres Bienenstocks erkennen? Waren Opas Bienen besonders schlau? Und meine Mäuse, die ich heimlich unter der Schulbank hatte, sind im Religionsunterricht bei Frau Krieg nie weggelaufen – warum nicht? Weil Frau Krieg Frau Krieg hieß und trotzdem Religionsunterricht gab?

All meine Fragen konnte ich mir durch meine ausdauernden Beobachtungen in den Jahren meiner Kindheit und Jugend beantworten. Die gute Frau Krieg war nicht schuld, und Opas Bienen waren nicht klüger als alle anderen. Natürlich hätte auch ein Lexikon viele meiner Fragen beantwortet, aber sehr viel langweiliger, das Tier als eine Sache beschreibend und für mich nicht eindringlich genug. Die wesentlichen Fragen beantworteten mir die Tiere letztlich selbst. Sie waren es, die mich interessierten – ich konnte nicht anders. Unbewusst habe ich mit meinen frühen Beobachtungen schon den Grundstein gelegt, die Bedürfnisse und das Verhalten von Tieren zu verstehen und zu nutzen.

So war es nur ein natürlicher nächster Schritt, die Tiere zu trainieren. Schon bald konnte ich ihnen vermitteln, was ich von ihnen wollte, und verstehen, welches Anliegen sie an mich hatten. Wir verstanden uns – und verstehen uns bis heute. Ich habe gelernt, zu begreifen, wie ein Tier die Welt sieht, die Sprache, die Körpersprache der Arten, ihre Wege, mit den Anforderungen ihres Alltags umzugehen.

Oh ja, Tiere haben auch einen Alltag, es sind die Aufgaben, die sich Tag für Tag wiederholen. Sie als Mensch lesen morgens die Zeitung und trinken einen Kaffee dazu, dann gehen Sie mit Ihrem besten Freund Gassi: Und nun ist er dran mit »Zeitunglesen«, er ermittelt mit seiner Nase überall die Neuigkeiten und pinkelt selbst News dazu. Danach freut sich Ihr Vierbeiner auf seine hoffentlich völlig überfüllte Futterschüssel. Anschließend muss er Sie unermüdlich beobachten und aufpassen, dass es Ihnen gut geht. Fühlen Sie sich ruhig observiert, denn Sie sind es.

Jedes Schicksal hat seinen Blumenstrauß

Es war ein schrecklicher Tag damals vor vielen Jahren, als mein Leben aus den Fugen geriet. Von diesem Tag an war alles anders. Meine Schwester war nach einem schweren Unfall nie mehr so wie vorher, weder ihr Körper noch ihr Geist. Nach diesem heißen Tag im August war die Unbeschwertheit der ersten siebzehn Jahre meines Lebens vorbei. Es war still geworden in unserer Familie, keine Worte, kein Lachen, kein Schimpfen mehr drang an meine Ohren, nur die schwere, traurige, stille Einsamkeit war um mich. Und da waren meine Tiere, bei ihnen fand ich Zuflucht.

Das Vertrauen, das mir die Tiere in dieser schwersten Zeit meines Lebens schenkten, hat mich geprägt und mich für immer mit ihnen zusammengeschweißt. Die Tiere wurden zu meinen engsten Vertrauten, sie wurden zu meiner Ersatzfamilie. Sie waren immer zu einem »Gespräch« aufgelegt. Es waren natürlich Monologe meinerseits, meine Zuhörer schauten mich aus treuen Tieraugen an. Sie konnten meine Schmerzen und mein Hadern nicht kommentieren, doch sie waren da, und ohne mir je eine Antwort auf meine Fragen zu geben, boten sie mir mit ihrem vertrauten Verhalten eine Konstante in dieser Zeit. Ohne dass es mir damals bewusst war, dienten mir meine Tiere als Menschenersatz.

In dieser Zeit wurde mir etwas Wesentliches klar: Wenn die Tiere mir eine Familie sein können, dann kann ich das ja genauso für sie sein. Wir Menschen können Tieren, die wir bei uns aufnehmen, die Familie ersetzen. Erziehen wir sie, sind wir die Eltern. Spielen unsere Kinder mit ihnen, sind sie deren Geschwister. Tiere sind immer in Familienverbänden organisiert, selbst die, die wir als typische Einzelgänger bezeichnen. Nun waren sie mein Familienverband und ich Teil des ihren. Mit diesem Wissen habe ich eine Methode entwickelt, die das Tier leicht in unserer Familie ankommen lässt. Der kleine oder große einsame tierische Kerl findet einen Platz in seiner neuen Menschenfamilie. Das Grundlegende eines solchen Systems ist ihm von seiner ursprünglichen Tierfamilie bekannt. Daher lebt er sich gut ein, und es ist möglich, erfolgreich mit ihm zu arbeiten.

So war aus dieser schweren Zeit zumindest etwas Gutes für mich erwachsen. Wie meine Mutter immer sagte: Jedes Schicksal hat seinen Blumenstrauß. Meine neu gewonnenen Einsichten konnte ich bald für das Training meiner Tiere und speziell für einen ganz besonderen Hund einsetzen.