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Titel

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010

Alle Rechte vorbehalten

 

 

 

 

Umschlaggestaltung und -konzeption:

Agentur R M E Roland Eschlbeck und Rosemarie Kreuzer

Umschlagfoto: © Betram Walter

Autorenfoto: © privat

 

 

 

 

Innengestaltung:

Weiß-Freiburg GmbH – Graphik & Buchgestaltung

 

Datenkonvertierung eBook: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

 

ISBN (E-Book) 978-3-451-33647-8

ISBN (Buch) 978-3-451-30202-2

Abbildung

WIE ICH
ZU DIESEM
THEMA
KAM

Kennen Sie das? Sie gehen relativ (un)zufrieden durchs Leben, und dann passiert etwas, mag es auch noch so unbedeutend sein, und plötzlich trifft es Sie wie ein Schlag: Sie sind ein Liebling der Götter. Ein solches Gefühl durchströmte mich des Öfteren beim Schreiben des vorliegenden Buches. Warum habe ich jemals gejammert oder geklagt, mich beschwert über die Widrigkeiten des Alltags? Ich bin ein auf der Sonnenseite des Lebens wandelndes Sonntagskind.

Mein Leben lang hatte ich ein zumeist funktionierendes Telefon, und als es das dann gab, einen normalerweise gut laufenden Internetanschluss. Und das, obwohl ich (bzw. anfangs meine Eltern) die ersten drei Dekaden meines Lebens Kundin der Deutschen TELEKOM AG war – so wie wir alle in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts.

Eigentlich ist es ein Wunder. Beschäftigt man sich nämlich ein wenig näher mit unserem ehemaligen Ex-Monopolisten und Staatsbetrieb, wird schnell klar, dass es wimpernschlag-schnell zu Pannen, Missgeschicken oder auch – freundlich formuliert – Missverständnissen kommen kann, wenn ein entweder nur durch die Anmeldung oder durch technisches Versagen bedingter Kontakt mit dem Betreiber entsteht. So unendlich viel kann schiefgehen! In diesem Zusammenhang freue ich mich beispielsweise sehr, keinen türkischen Nachnamen zu führen. Angeblich war es nämlich lange Zeit üblich, türkischen Neukunden für die Freischaltung eines normalen Festnetzanschlusses 1.000 Mark Kaution aufzubrummen. Durch die Gnade der späten Geburt habe ich keine Volksaktien gezeichnet, und es ist mir erspart geblieben, wegen unlösbarer Technikprobleme regelmäßigen Kontakt mit dem Service-Personal der Deutschen TELEKOM AG zu pflegen.

Nein, das Schicksal hat es wirklich gut mit mir gemeint. Sollten Sie bedauerlicherweise traumatische TELEKOM-Erfahrungen gemacht haben, dann sagen Sie sich: Sie sind nicht allein! Vielleicht finden Sie sich in einem der von gepeinigten Kunden tatsächlich selbst erlebten und hier aufgezeichneten Alptraumerlebnissen wieder. Und finden ein wenig Trost in der Tatsache, dass es vielen Menschen in unserer Republik genauso oder ähnlich übel ergangen ist wie Ihnen. Wenn Sie jedoch nach jedem Kapitel den Kopf schütteln und in sich hineinmurmeln: „Das gibt’s doch nicht. Alles erstunken und erlogen!“, kann ich nur konstatieren: Sie sind ebenso ein Glückskind wie ich (oder im mittleren bis oberen Management der TELEKOM beschäftigt! Aber nein, das ist unmöglich, denn dann würden Sie dieses Buch ja gar nicht lesen). Also Glückskind, freuen Sie sich, jubeln Sie. Danken Sie Ihrem Schicksal. Und denken Sie eventuell über einen Wechsel Ihres Telefonanbieters nach. Lange kann das ja nicht mehr gutgehen, irgendwann fällt bei jedem die Klappe. Ganz bestimmt!

 

Warum, fragen Sie sich vielleicht, warum bloß investiert eine junge Frau Monate ihres Lebens in ein Buch über die Deutsche TELEKOM AG? Eine berechtigte Frage. Denn ich bin, wie bereits erwähnt, nicht TELEKOM-traumatisiert – im Gegensatz zu Hunderten, was rede ich, Tausenden, Zehntausenden Mitbürgern und treuen Kunden des Ex-Monopolisten, denen teilweise wirklich übel mitgespielt wurde. Auch bin ich nicht Klein-Aktionärin oder Mitbegründerin einer konkurrierenden TELEKOMmunikations-Gesellschaft. All das trifft auf mich nicht zu. Und trotzdem übte das Projekt von Anfang an einen geradezu übermächtigen Reiz auf mich aus. Denn, so fühlte es sich zumindest für mich an: Die gute, alte TELEKOM gehört ja fast zur Familie. Wir alle waren die längste Zeit unseres bisherigen Lebens auf sie angewiesen, ob man wollte oder nicht. Und wäre der Rosa Riese ein Mensch, könnte man ihn durchaus mit dem ungeliebten, aber doch zu jedem Familienfest eingeladenen Großonkel vergleichen, der den Löwenanteil des großväterlichen Betriebs geerbt hat, in dem der Rest der Familie nun seinen Lebensunterhalt bestreitet. Er, also das Onkelchen, gehört dazu, und er hat die Macht. Wir müssen nett zu ihm sein und seine Launen erdulden, ob wir nun wollen oder nicht. Denn: Ohne ihn geht gar nichts. So ähnlich fühlte es sich an, Kundin der Deutschen TELEKOM AG zu sein.

Und als ich bei der Recherche immer tiefer in die alltäglichen Abgründe blickte, bemerkte ich, dass ich fast etwas Wichtiges vergessen hatte. Plötzlich wurde mir klar, warum ich von Anfang an geradezu versessen auf die Aufarbeitung unseres kollektiven TELEKOM-Traumas war: Ich selbst bin eine Betroffene! Offensichtlich hatte ich dieses unerquickliche Kapitel in meinem sonst so beschaulichen Leben ausgesprochen erfolgreich verdrängt. Als ich darüber nachdachte, erkannte ich auch, warum: Ich habe mich geschämt. Und Scham gehört nun einmal nicht zu einer der Emotionen im Gefühlsspektrum, mit der man sich gerne ausführlich beschäftigt. Vor allem, wenn man nicht muss. In diesem Falle jedoch musste ich. Und stellte zum wiederholten Male fest, dass wir Menschen manchmal ganz schön doof sind. Warum lernen wir nicht aus Erfahrungen?

Konkret: Nach jahrelanger unterhaltsamer Lauscherei völlig absurder TELEKOM-Geschichten von Freunden und Bekannten fiel mir – da ich bis dato eben nicht Betroffene war – nichts Besseres ein, als nach einem Umzug erneut einen Vertrag mit dem Ex-Monopolisten einzugehen. Obwohl Alternativen da waren. Aber gut, das Altbewährte taugt wohl auch weiterhin, dieser oder ein ähnlicher Gedanke muss mir durch den Kopf gegangen sein. Die traurige Konsequenz war dann, dass ich in der neuen Wohnung eine gar himmlische Ruhe genießen konnte – denn das Telefon klingelte nicht. Konnte es auch gar nicht, denn irgendwo in meiner Leitung war ein Problem aufgetaucht, das über Wochen nicht gelöst werden konnte, zumindest nicht von versierten TELEKOM-Technikern.

Vielleicht wäre das auch bei der bösen Konkurrenz passiert, das weiß ich natürlich nicht. Ich habe die Hoffnung, sie hätte sich womöglich wenigstens für den Schlamassel entschuldigt und mich in irgendeiner Form entschädigt. Wie auch immer: Nach knapp zwei Monaten konnte ich wieder telefonieren und mich in die endlose Reihe der „TELEKOM-Opfer“ einreihen. Und dann habe ich penibel darauf geachtet, bloß nicht den erstbesten Kündigungstermin für meinen Telefonanschluss zu verpassen. Was mir glücklicherweise auch problemlos gelang.

Noch eines vorneweg: Weit, weit bin ich davon entfernt, in Selbstmitleid zu versinken. Im Vergleich bin ich noch prima weggekommen. Aber lesen Sie selbst!

1. WENN DER TECHNIKER ZUM FÜNFTEN MAL KLINGELT
WAS ES HEISST, KUNDE DER TELEKOM ZU SEIN

BEI ANRUF VERTRAG

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen lieben Anruf von einem der kompetenten Callcenter-Mitarbeiter der Deutschen TELEKOM AG. Dieser stellt Ihnen in möglichst komplizierten Schachtelsätzen einen neuen Tarif vor, den Sie überhaupt nicht gebrauchen können, weil er in keiner Weise mit Ihrem fernmündlichen Kommunikationsverhalten harmoniert. Also hören Sie sich das Gerede an (man will ja freundlich sein!) und teilen Ihrem Gesprächspartner dann mit, dass der Kram Sie überhaupt nicht interessiert. Und – schwupps – zwei Tage später liegt die schriftliche Vertragsbestätigung in Ihrem Briefkasten.

Yippie, endlich hört man mal von den Herrschaften, oder nicht? In diesem Zusammenhang drängt sich nämlich die Frage auf: Warum funktionieren solche Dinge gerade, wenn man sie nicht will, immer ratzfatz, alles andere aber dauert mindestens drei Wochen oder passiert gar nicht? Zum Beispiel hört man nie wieder von den Jungs und Mädels von der rosa-roten Truppe, wenn man seinen Anschluss abmeldet und um eine schriftliche Bestätigung bittet. Und wenn etwas kaputt ist, scheint ein Termin mit einem Techniker etwa so leicht auszumachen zu sein wie eine Audienz beim Papst.

Wie auch immer: Als Frank Sch. das liebe TELEKOM-Schreiben vorfand, das ihm zum Abschluss des neuen XL-Super-Tarifs gratulierte, dem Tarif, den er partout nicht brauchen konnte, war er, wollen wir es einmal freundlich formulieren, ein wenig verstört, nun gut, auch ein bisschen konsterniert. Stinksauer machte er unseren verehrten Ex-Monopolisten darauf aufmerksam, dass er während des Telefongeplänkels, bei dem man ihm das Top-Angebot des Monats angepriesen hatte, keinesfalls zugegriffen, sondern im Gegenteil unmissverständlich klar gemacht habe, dass das mit ihm nicht zu machen sei. Darauf forderte die TELEKOM unseren armen Frank freundlich auf, den von ihm gar nicht erteilten Auftrag zurückzunehmen, was folgendes juristisches Problem aufwirft. Man kann einen Vertrag, den man nicht abgeschlossen hat, gar nicht kündigen bzw. widerrufen, so steckte mir ein angeblich top-seriöser Jurist. Was der guten, alten Deutschen TELEKOM AG natürlich völlig egal ist. Trotzdem gab der Spitzen-Anwalt, der wohl schon öfter mit unserem hochgeschätzten Ex-Monopolisten zu tun hatte, folgenden Ratschlag: Auch wenn es eigentlich gar nicht möglich ist, aber da drücken wir jetzt beide Experten-Augen ganz fest zu: Kündige, lieber Frank Sch., aber sofort! Und zahle, wenn möglich, immer zwei Tage, bevor du die Rechnung bekommst! (Und lauf um dein Leben! Sonst kommst du in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr aus der Sache raus! – Sie wissen sicherlich, worauf ich hinauswill.)

Und wissen Sie was? Frank Sch. hatte unglaubliches Glück. Nach seiner umgehend eingereichten Kündigung musste er den niemals bestellten Super-Tarif nur drei poplige Monate lang bezahlen. Danach war die Sache für ihn erledigt. Und sein normaler Vertrag lief weiter, als sei gar nichts geschehen. Was sagt man dazu? Die Deutsche TELEKOM AG ist einfach ein toller Laden. Da kann man nicht meckern. Kundenfreundlichkeit und Kulanz, dein Name ist TELEKOM!

WENN DER TELEKOM-TECHNIKER KLINGELT

Angeblich beginnen die meisten Beziehungen ja am Arbeitsplatz. Glaubt man zumindest den sehr regelmäßig publizierten Statistiken zu diesem Thema. Winston Churchill sagte zwar: Statistiken solle man nicht trauen, wenn man sie nicht selber gefälscht hat, aber der hatte auch nie Besuch von der TELEKOM. Gnade der frühen Geburt, so könnte man das wohl nennen.

Für eine Berufsgruppe jedoch gilt das mit der Liebe am Arbeitsplatz und der Statistik ganz bestimmt. Für die TELEKOM-Techniker. Und das muss man sich dann in etwa so vorstellen:

Hausbesuch Teil 1: Wohnzimmer mit beiger Sitzgarnitur vom Großhändler, auf der eine etwas angespannt wirkende Frau mit einem Hauch von Verzweiflung in den Augen sitzt, flaschengrüne Sofakissen aus Cordsamt, van Goghs Sonnenblumen zwischen den Fenstern, ein rotgesichtiger Mann mit verzweifelt-resigniertem Gesichtsausdruck, der unter dem Rokoko-Tischchen (vom selben Großhändler) hockt und seit den frühen Morgenstunden an einer Telefonbuchse herumschraubt, bis die Dämmerung schließlich einsetzt. Natürlich haben die beiden zwischendurch ein klein wenig geredet und gemeinsam einen Apfelsaft getrunken. Na ja, sich ein bisschen kennengelernt eben, in vertraut-häuslicher Atmosphäre.

So ist das nämlich mit den Jungs von der TELEKOM. Die hasten nicht von einem Termin zum nächsten und können sich schon vier Minuten nach Verlassen der Wohnung bzw. dem Klappern der Haustür nicht mehr an das Gesicht oder gar den Namen des Telefonbesitzers erinnern. Nein, Rosa-Riesen-Techniker – vorausgesetzt, sie kommen überhaupt, und dann auch noch am richtigen Tag – bringen für einen Termin alle Zeit der Welt mit. Das lehrt sie ihre Lebens- bzw. Berufserfahrung. Denn grundsätzlich kann auch ein kleines Problem (ob es sich nun um einen Erstanschluss oder eine Störung handelt, ob es das Telefon oder das Internet betrifft) beim ersten Mal auch nach etwa sechseinhalbstündiger Intensiv-Suche nicht behoben werden. Daher stellt sich der gute Mann von der TELEKOM von vornherein auf einen zweiten bzw. mehrere Termine ein. Und kommt eben noch mal. Und noch mal, und noch mal …

Kennen Sie den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“? In dieser Hollywood-Komödie durchlebt Bill Murray wieder und wieder denselben Tag. So ähnlich fühlt es sich an, wenn die ersten zarten Kontakte zum neuen technik-affinen Bekannten, dem engagierten TELEKOM-Techniker, entstehen. Nur, dass man im Gegensatz zu den Schauspielern nicht telefonieren kann. Und dass sich die Episode nicht ein paar Tage hinzieht, sondern mindestens drei endlose Wochen. Mindestens.

In dieser Zeit erschöpfen sich die sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß. Wie sollte es auch anders sein? Telefonieren kann man nicht, und das Mobiltelefon muss frei bleiben für einen eventuellen, aber doch sehr unwahrscheinlichen Rückruf eines TELEKOM-Mitarbeiters. Und wie soll man Freunde treffen, wenn man sich nicht verabreden kann und auf keinem Wege der modernen Kommunikation erreichbar ist?

Auch an einen geregelten Arbeitsalltag ist nicht mehr zu denken. Denn irgendwann zwischen 6:30 und 19:10 Uhr soll doch der Techniker kommen. Also: Jetzt ist die Zeit des Rückzugs in die eigenen vier Wände gekommen, nun beginnt eine Phase der Besinnung, ohne störende Ablenkung von außen, ohne klingelndes Telefon oder flimmernden Computerbildschirm. Endlich ist er da, der perfekte Moment für einen Spontan-Urlaub auf Balkonien. (Wie, es ist November und Ihr Telefon funktioniert nicht mehr? So ein bisschen Regen oder Schnee hat doch noch niemandem geschadet. Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an! Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.)

Genug der Abschweifungen und zurück zum Thema: Spätestens beim dritten Termin, bei ganz Hartgesottenen kann es auch erst beim vierten oder sogar fünften soweit sein, ist jeder verzweifelte Kunde weich gekocht. Ohne Telefon oder Internet bzw. Telefon und Internet fühlt man sich doch irgendwie amputiert. Und isoliert und alleingelassen … Auf jeden Fall ist dieser Zustand absolut unerträglich, unzumutbar. Man würde fast alles tun, um endlich wieder dazuzugehören. Und wartet am Tage des dritten bis fünften TELEKOM-Hausbesuchs (s.o.) schon im Morgengrauen mit Kaffee und Kuchen oder alternativ ein paar gut gekühlten Bierchen und Mettbrötchen auf den neuen Freund vom TELEKOMmunikationsriesen. Bloß nichts falsch machen, heißt die Devise – der Mann von der Telefongesellschaft ist momentan die einzige Brücke zur Außenwelt!

Ist der Kunde männlich, landet man bei Termin zwei bis drei beim Du und geht am folgenden Samstag zusammen zum Fußball, ist er weiblich und dazu ein einsames Herz, läuft es absolut zwingend auf eine wunderschöne Liebesgeschichte hinaus. Denn mal abgesehen von der tiefempfundenen Dankbarkeit, die TELEKOM-Kundinnen empfinden – man kann mit den Jungs manchmal auch richtig gut reden. Und genau das ist es doch, was Frauen anzieht: Der bemühte Kuschelbär, dem über einen sehr langen Zeitraum alles, aber auch wirklich alles, misslingt – auf eine ganz besonders drollige Art und Weise selbstverständlich –, der die olle Technik letztlich jedoch überlistet und das Problem (zumeist Wackelkontakt im Festnetzkabel) heldenhaft löst.

Fazit, so wird zumindest hinter fest verschlossenen Türen gemunkelt: Nicht Rot, nein, Magenta ist die Farbe der Liebe. Die TELEKOM läuft ParShip allmählich den Rang ab.

DIE TÜCKEN DER TELEKOMMUNIKATIONSTECHNIK

Michaela S. ist eine junge Frau, die hervorragend mit einer Bohrmaschine umgehen kann und auch sonst keinerlei Probleme mit Technik hat. Sie findet sie nützlich und interessant – und kann daher auch einschätzen, wozu sie in der Lage ist. Als sie sich irgendwann für ein Komplett-Paket von der TELEKOM entschied – inklusive eines DSL-Anschlusses und drei verschiedener Telefonnummern – dachte sie: „Eigentlich könnte ich das auch allein installieren“, sagte sich dann aber: „Lieber gehe ich auf Nummer sicher“ – und bestellte sich zusätzlich zum Technik-Gedöns ein Rundum-Sorglos-Paket, das die fachmännische Installation durch einen TELEKOM-Mitarbeiter beinhaltete.

Am ausgemachten Tag – Michaela S. hatte schon Kaffee und Gebäck vorbereitet – kam der Mann vom „Technischen Service“ tatsächlich. Und dann ging es los – und zwar mit den Problemen, denn es klappte rein gar nichts. Nach einer ausführlichen, recht sinnlos wirkenden Stöpsel-Aktion packte der TELEKOM-Mann mehrere Handbücher aus, die in Größe und Dicke etwa aussahen wie die Berliner Telefonbücher. In diesen wurde dann ziemlich hektisch herumgeblättert und parallel dazu die etwa 95 Kabel umgesteckt. Doch es tat sich nichts. Als Michaela S. den verzweifelten Gesichtsausdruck des jungen Mannes nicht mehr ertragen konnte, setzte sie sich neben ihn und sie versuchten gemeinsam, die unzähligen Probleme zu lösen. Doch trotz nachgewiesener Technik-Affinität konnte Frau S. rein gar nichts mit den Beschreibungen anfangen – aus gutem Grund.

Wie ihr der Techniker verriet, sind die Gebrauchsanweisungen der TELEKOM ganz bewusst so unklar und schwammig formuliert, dass auch technik-interessierte Kunden irgendwann völlig entnervt aufgeben und – für einen stolzen Preis natürlich – den Technischen Service der TELEKOM mit der Installation beauftragen. Offensichtlich waren die Handbücher seines Arbeitgebers in diesem Fall selbst für den TELEKOM-Mann eine Spur zu irritierend geschrieben. Nach mehreren Stunden des sinnlosen Probierens, zuerst allein und dann in Gemeinschaft, gab er auf. „Für das Gerät bin ich noch nicht geschult worden“, waren in etwa seine entschuldigenden Worte. Warum gerade er dann zur Installation geschickt worden war, konnte der Mitarbeiter weder sich noch seiner Kundin Michaela S. erklären, die schon jetzt sehr an ihrer Entscheidung zweifelte, noch einmal die TELEKOM beauftragt zu haben.

Aber – und das wird den einen oder anderen Leser sicher überraschen – es gibt ein wunderschönes, herzerwärmendes Happy End! Denn der bedauerlicherweise noch nicht einmal mit rudimentären Grundkenntnissen ausgestattete Techniker hatte gottlob sein privates Mobiltelefon dabei und erreichte prompt einen Freund, der als Mitarbeiter eines der bösen TELEKOM-Konkurrenten gerade einen Kundentermin hinter sich und nun ein bisschen Zeit für eine Fachsimpelei unter Freunden hatte. Besonders über die technischen Finessen des von Frau S. ausgewählten Geräts war er vorzüglich informiert und konnte sein Fachwissen verständlich und nachvollziehbar auch fernmündlich an den Mann bzw. an die Frau bringen. Über den Lautsprecher des Handys gab er Michaela S. und dem TELEKOM-Mitarbeiter gleichermaßen Anweisungen der kleinschrittigsten Art und ließ sie das bunte Kabel-Wirrwarr einmal komplett umstecken. Und siehe da: Nach einer guten halben Stunde funktionierte alles. Dem verschlagenen Wettbewerber und seinen hochwertigen Weiterbildungsmaßnahmen sei Dank!

STATUS QUO

An dieser Stelle komme ich zu einer Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche, lang andauernde und fruchtbare TELEKOM-Kunden-Karriere: Funktioniert erst einmal alles, gilt es, den Status quo wie zu Vertragsabschluss existierend auf jeden Fall beizubehalten. Im Klartext bedeutet das: Nicht heiraten und nicht umziehen! Sollten Sie es dennoch tun, dann bedenken Sie, dass bestimmte Handlungen, wie beispielsweise eine Namensänderung, für Sie sehr unangenehme Folgen haben können.

Überlegen Sie doch einmal in Ruhe: Reicht es nicht, einfach so als glückliches, unverheiratetes Paar zusammenzuleben, dafür aber jederzeit im World Wide Web herumstöbern zu können? Damit kann es nämlich sehr schnell vorbei sein: Die Herrschaften an den TELEKOM-Schaltstellen haben nämlich so viel zu tun, dass sie sich nun wirklich nicht noch mit Namensänderungen herumschlagen können oder die Zeit haben, Rechnungen mit neuem Namen auf dem Briefumschlag zu versenden. Daher mein dringender Rat an dieser Stelle: Veränderung tut nicht not, zumindest dann nicht, wenn man es mit dem gefühlt unflexibelsten Unternehmen unserer Republik zu tun hat.

Wie ich erfahren habe, darf so mancher TELEKOM-Kunde nämlich mehrfach telefonisch, per E-Mail und auf dem guten alten Postweg seinen neuen Familiennamen an die Herrschaften von der TELEKOM durchgeben, auch Stammbuch-Auszüge werden gerne verschickt. Sogar diese Bemühungen laufen letztendlich manchmal ins Leere: Wie meine Recherchen ergaben, wollte der Telefon-Riese fünf Jahre lang nicht wahrhaben, dass eine Kundin sich erdreistet hatte, beim Standesamt ihren Mädchennamen abzugeben. Leider bemerkte die Kundin auch nicht, dass bei der Flut der alltäglichen Rechnungen die von der TELEKOM ein paar Monate nicht kam. Und dann war es plötzlich zu spät. Der Internetanschluss wurde konsequenterweise gekappt und, Strafe muss sein, auch erst zehn Wochen nach Rückzahlung wieder angeschlossen. Was soll das auch? Zuerst Daten verändern und dann nicht zahlen wollen. Solche Kaliber braucht die TELEKOM nun wirklich nicht, da macht es auch keinen Unterschied, dass Frau S., so möchte ich sie hier der Einfachheit halber einfach einmal nennen, zuvor gute 15 Lenze jeden Monat pünktlich ihre Rechnung bezahlt hatte und es nie auch nur eine klitzekleine Beschwerde über sie gab. Und komplett überzogen, ja gerade tolldreist wäre es in diesem Zusammenhang auch, der TELEKOM eine gewisse Mitschuld an der Misere geben zu wollen. Das mache ich natürlich nicht. Auf gar keinen Fall!