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Pierre Stutz

Sei gut mit deiner Seele

Für Alexander, Bernhard, Katja und Maria

vom Ensemble Entzücklika, in Dankbarkeit

für ihre Musik,

die Fenster zur Seele öffnet –

und für Andreas, Christiane und Martin.

Impressum

Titel der Originalausgabe: Sei gut mit deiner Seele

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2006, 2013

 

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2015

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

 

Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal

Umschlagmotiv und Vignetten im Innenteil: © Designbüro Gestaltungssaal

E-Book-Konvertierung: epublius GmbH, Berlin

 

ISBN (E-Book): 978-3-451-80447-2

ISBN (Buch): 978-3-451-07165-2

Inhalt

Sei gut mit deiner Seele − Zur Einstimmung

1 Sei gut zu dir

Ich begegne mir mit Wohlwollen

Ich bewerte und beurteile mich nicht

Altes trägt nicht mehr, Neues ist noch nicht da

Ich gestehe mir Grenzen ein

Ich erlaube mir Brüche und Scheitern

Ich lasse Idealbilder von mir los

Ich betrete den heiligen Ort in mir

2 Krise als Chance der Verwandlung

Verwandlung durch Leidensdruck

Liebe als Kraft der Verwandlung

Mein Geburtsprozess

Selbstmitleid

Entwurzelt

Vom Dunkel zum Licht

3 Zwischen Auflehnung und Annahme

Empörung und Annahme

Ich lasse mir Zeit

Wiederkehrende Fragen aushalten

Ich lasse mich nicht unter Druck setzen

Unterscheiden können

Ich lasse meine Angst verwandeln

4 Es wird gut werden

Zeit zum Feiern

Segenswünsche

Informationen zum Autor

Sei gut mit deiner Seele

Zur Einstimmung

 

In meinen Seminaren und Kursen begegne ich vielen Menschen, die sich in einer Umbruchsituation befinden und die auf einer spirituellen Suche sind. Ich höre ihnen zu. Ganz unterschiedliche Menschen sind es, junge und alte, Frauen und Männer, die nach Sinn tasten.

In diesen Gesprächen fällt mir auf, wie hart und abwertend viele mit sich selbst umgehen. Das ist eine Grundhaltung, die ich selbst auch gut kenne. In meinen Büchern entfalte ich darum seit vielen Jahren den Grundwert der Selbstliebe und Selbstachtung. Ihn umzusetzen im eigenen Leben ist kein  Sonntagsspaziergang, sondern eine lebenslange Aufgabe. Sich selbst annehmen können in der eigenen Verunsicherung und Verletzlichkeit hat nichts mit Egoismus zu tun. Ein anspruchsvoller Weg der Achtsamkeit ist es, der die Spur aufzeigt zu mehr Respekt, Toleranz und Solidarität mit anderen Menschen und mit aller Kreatur. Dieser Weg wirft uns auf uns selbst zurück und auf die existenzielle Frage des Leidens und der Krise. Es ist ein Weg, den ich selbst in seiner tiefen, manchmal lebensbedrohenden Dimension erlebt habe und der für mich zugleich ein Weg der Selbstwerdung geworden ist, an dem ich wachsen und reifen durfte. In dieser Spannung von krisenhaften Erfahrungen und Wachstum bewegen sich die folgenden Meditationstexte mit ihren anschließenden Vertiefungen.

Ich hoffe für jeden Menschen, dass er seine Krise als Chance der Verwandlung erfahren kann. Zugleich kenne ich viele Menschen, die am Leiden zerbrochen sind. Es hat sie hart und bitter gemacht, in Sucht und Gewalt verirrt und im schlimmsten Fall zum Suizid geführt. Meine Spurensuche bewegt sich auf dieser Gratwanderung. Die Einmaligkeit eines jeden Menschen verbietet es, bevormundende Ratschläge und Patentrezepte mit vernichtenden Schuldzuweisungen auszusprechen. Trotzdem können wir einander in schweren Zeiten begleiten, unterstützen und herausfordern, wir können einander helfen im gemeinsamen Aushalten von Verunsicherung und im behutsamen Ringen um Worte.

In diesem Wegbuch nehme ich in meine Meditationstexte all die Menschen mit, denen ich in meiner spirituellen Begleitung begegne. Ihre Worte, ihr Leiden, ihre Auflehnung und Hoffnung schwingen in den Gedichten mit, in der leisen Hoffnung, dass andere sich darin angesprochen und berührt fühlen. Ich will mich selbst und andere bestärken, gut mit der eigenen Seele zu sein, auf sie zu hören und ihr  Entfaltungsräume zu schenken. Dies kommt zum Ausdruck in meinen Meditationstexten, in denen sich intensive Lebensprozesse in Kurzform verdichten; ich erläutere diese Texte, damit sichtbar wird, wie schwer es sein kann, diesen heiligen Ort in sich zu betreten. Ich zeige konkret auf, wie viel Geduld es braucht, um sich selbst gut gesinnt zu sein, und wie es gelingen könnte, Tag für Tag einen anderen Umgang mit sich selbst einzuüben. Mögen die folgenden Gedanken uns im Vertrauen bestärken, dass mitten im Dunkel Hoffnungsfunken aufscheinen, die zu einem Verwandlungsweg ermutigen, der unsere Welt menschlicher werden lässt.

Ich bedanke mich bei meiner Lektorin Gabriele Hartlieb für die beharrliche Geduld und die wohlwollende Unterstützung beim Schreiben. Dieses Buch ist auch dem Ensemble Entzücklika gewidmet (www.entzuecklika.de), in Dankbarkeit für die gemeinsamen Konzertlesungen auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin, dem Katholikentag in Ulm und an vielen anderen Orten. Da erfahre ich, welche Hoffnung spürbar wird, wenn Menschen aus Verantwortung für eine bessere Welt gut mit ihrer Seele sind.

 

Pierre Stutz


Sei gut zu dir

 

 

Sei gut zu dir

in Zeiten der Krise

dank der wohltuenden Erinnerung

an deine unverwechselbare Einmaligkeit 

 

Sei dir gut gesinnt

in Zeiten der Verunsicherung

dank der bestärkenden Grundhaltung

viel mehr zu sein als deine Leistung 

 

Sei gut zu dir

in Zeiten des Umbruchs

dank der aufrichtenden Hoffnung

aufgehoben zu sein in einem größeren Ganzen 

 

Sei dir gut gesinnt

in Zeiten der Entscheidung

dank dem leisen Vertrauen

auch am Schweren wachsen und reifen zu können