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FRANK THÖMMES

Fußball-Coaching

DIE 100 PRINZIPIEN

Handbuch für Trainer
und Übungsleiter

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Frank Thömmes, Jahrgang 1968, ist Diplomsportlehrer und DFB Fußballlehrer. Schon während seiner 15-jährigen aktiven Spielerkarriere, in der er bis auf die beiden Profiligen in annähernd jeder Amateurspielklasse zum Einsatz kam, schlug er die Trainerlaufbahn ein. Diese führte ihn vom Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Nürnberg und Trainer der U19Junioren-Bundesligamannschaft über den Trainerposten beim Fußball-Drittligisten Wacker Burghausen zur U-15 des TSV 1860 München. Etliche Bundesligaspieler wie Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Philipp Tschauner (1860 München), Dominik Reinhardt (FC Augsburg) und Chhunly Pagenburg (Rot-Weiß Erfurt) wurden von ihm ausgebildet. Als Trainer und Lehrer in Leistungssportsportschulen mit Schwerpunkt Fußball war er an der Entwicklung einer Vielzahl weiterer Bundesligaspieler beteiligt.

Impressum

Vollständige eBook-Ausgabe der im Copress-Verlag erschienenen Printausgabe.

Umschlaggestaltung: Stiebner Verlag

Lektorat: Karl-Heinz Smuda

Abbildung Umschlag: Juba/Fotolia.com

Abbildungen Innenteil:

SVEN SIMON, Archiv des Autors

Die Ratschläge in diesem Werk sind von den Autoren sorgfältig erwogen und geprüft worden. Für die Richtigkeit der Angaben kann jedoch keine Haftung vom Autor bzw. Verlag und deren Beauftragten übernommen werden.

1. Auflage 2011

© 2011 Copress Verlag

in der Stiebner Verlag GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten.

Wiedergabe, auch auszugsweise,

nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.

Gesamtherstellung: Stiebner, München


ISBN 978-3-7679-1128-4

Inhalt

Zu diesem Buch

Den Job eines Trainers kann man bekommen, auch wenn man dafür gar nicht ausgebildet wurde. Ein guter Trainer ist auch nicht unbedingt der, der die beste Ausbildung hat. Erfahrung, Persönlichkeit und das richtige Abwägen von Informationen und den richtigen Schlüssen daraus, sind neben einer Ausbildung elementare Qualitäten eines Trainers. Ob im Kinder- und Jugend-, Amateur- oder Profi-Fußball: Wer ein erfolgreicher Coach sein will, benötigt ein breites Knowhow, dass von trainingswissenschaftlichen Kenntnissen über Fußballfachwissen und psychologischen Kompetenzen bis hin zu organisatorischen Fähigkeiten reicht.

Ausgestattet mit informativen Abbildungen und einem nützlichen Verweissystem erläutert dieser Band die wichtigsten Prinzipien, entlarvt manchen Mythos und geht einigen Fußballweisheiten auf den Grund. »Fußball-Coaching – Die 100 Prinzipien« ist ein praxisnaher Ratgeber, der Expertenwissen auf nutzbringende und unterhaltsame Weise präsentiert: Eine Pflichtlektüre für Fußballtrainer und -übungsleiter, die jedem Coach helfen kann, sein Training und seine Arbeit im Fußball zu verbessern.

Viel Spaß beim Training

Frank Thömmes,
im Herbst 2011

1 Vorbild
Fußball bietet viele Möglichkeiten, um Vorbilder zu finden.

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Ein Traum wird wahr: Ein Jugendspieler darf mit seinem Vorbild zusammen einlaufen.

Als »Vorbild« wird eine Person bezeichnet, mit der sich meist junge Menschen gern identifizieren und häufig versuchen, das Verhalten von Vorbildern nachzuahmen. Umgangssprachlich sind diese Vorbilder meist keine Personen, die dem Bewunderer persönlich nahestehen, sondern eher symbolhafte Personen mit hohem Ansehen beziehungsweise hoher Popularität. Zu ihnen gehören prominente Fußballer, Schauspieler oder Musiker. Soziologisch und psychologisch interessieren eher die Vorbilder innerhalb einer sozialen Gruppe, die dem Bewunderer nahe stehen oder persönlich bekannt sind und deren Verhalten bewusst oder unbewusst imitiert wird.

Der moderne, durch die Medien allgegenwärtig dargestellte Fußballkult schafft Helden und Vorbilder. Ob und wie die dargestellten Spieler dazu geeignet und willens sind, als Vorbilder zu agieren, bleibt fraglich. Im Fußball hat das Vorbild mehrfach Bedeutung. Für viele jugendliche Nachwuchsspielerinnen und -spieler haben die nationalen und internationalen Fußballstars eine hohe Relevanz, und deren Trikots werden mit Begeisterung getragen. Hier konkurrieren vor allem die großen Sportartikelhersteller um die Gunst der Käufer.

Neben diesen »Stars« sind Juniorentrainer für Kinder von zentraler Bedeutung. Untersuchungen belegen, dass der Jugendtrainer eine wichtige Bezugsperson für den jugendlichen Kicker ist, die bei Problemen außerhalb des Fußballs zurate gezogen wird und dessen Meinung wichtig ist. Ein vorbildlicher Spielführer hat abstrahlende Wirkungen auf seine Mitspieler: Für den Teamsport ist das eine nicht zu vernachlässigende Leistungskomponente.

Viele Trainer und Spieler sind sich dieser Wirkung nicht bewusst und sollten ihr Auftreten hinterfragen, da ihr Verhalten vom Jugendlichen unreflektiert als gut imitiert wird. Der Deutsche Fußball-Bund und seine Landesverbände unterstützen die positive Wirkung von fußballerischen Vorbildern mit vielen Aktionen im und um den Fußballsport. So können Vorbilder außerhalb des Fußballplatzes Nachahmenswertes unternehmen.

VERWEISE:

image Medien ()

image Merchandising ()

image Fair Play ()

image Integration ()

2 Medien
Die Entwicklung der Medien beeinflusst den professionellen Fußball maßgeblich.

Der Begriff der »Medien« ist ein Sammelbegriff für Kommunikationsmittel und -formen, die über Schrift, Bild und Ton Informationen vermitteln, vervielfältigen und an unterschiedlich viele Empfänger verbreiten. Klassische Medien sind alle Druckerzeugnisse, Radio und TV. Seit einigen Jahren nimmt das Internet hier eine neue Medienform ein, die Netzwerke aufbaut. Die Medien nehmen die Schnittstelle zwischen dem Fußball, der Wirtschaft und dem Publikum ein.

Erst durch den verstärkten Einsatz der Medien ist Fußball zu einem großen Wirtschaftsfaktor und für die Werbeindustrie interessant geworden. Dadurch ist der wirtschaftliche Aufschwung einiger Vereine und Verbände zu erklären. Die medienwirksame Vermarktung der Weltmeisterschaften im Fußball hat die FIFA zu einem der reichsten Sportverbände der Welt gemacht. Vor allem durch die weltweite Medienvermarktung der Fußballweltmeisterschaften hat die FIFA international tätige Konzerne als Sponsoren angelockt.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in jedem Land, in dem Fußball professionell gespielt wird, ist der Erlös durch Fernsehgelder, die der jeweilige Ligaverband größtenteils an die Vereine ausschüttet. Bei vielen wirtschaftlich nicht erfolgreichen Vereinen wird mit diesem Geld ein Großteil des Jahresetats gedeckt. Der sportliche Abstieg bedeutet immer große wirtschaftliche Einbußen, weil die Einnahmen aus Fernsehgeldern stark sinken.

In einigen europäischen Ländern wie England und Spanien werden höhere Summen an Fernsehgeldern ausgeschüttet als in Deutschland. Indirekt haben die Medien großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit von Teams innerhalb der Ligen oder im europäischen Vergleich. Damit können durch die Medien internationale Märkte für europäische Vereine vor allem im Merchandising erschlossen werden.

Ebenso ist das Wetten auf Spielergebnisse und Ereignisse erst durch die Medien in diesem großen Umfang möglich geworden. Eine weitere Manipulationsquelle ist erschlossen worden. Mehrere Wettskandale mit der Beeinflussung von Spielern und Schiedsrichtern sind bekannt geworden. Der Einsatz der Medien hat also negative Folgen für den Fußball.

Die Medien im Fußball selbst sind weit verbreitet. Vom Printklassiker »kicker sportmagazin« bis hin zu iPhone-Apps für Trainerwissen findet sich alles, und die Entwicklung vor allem der Neuen Medien schreitet zügig voran. Schlussendlich werden durch den Einsatz der Medien ausgewählte Topspieler für die Werbeindustrie zu omnipräsenten Idolen erhoben. Positiv ist anzumerken, dass soziale Aspekte wie die Vorbildfunktion oder das Fair Play durch die Medien bekannt gemacht werden. Der heutige kommerzialisierte Fußball wäre ohne die Akzeptanz der Medien nicht möglich, und die Verbindung zwischen Fußball und Medien wird den Fußball zukünftig maßgeblich prägen.

VERWEISE:

image Merchandising ()

image Vorbild ()

3 Merchandising
Der Verkauf und die Vermarktung von Lizenzprodukten sind wichtige Einnahmequellen für Fußballvereine.

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Trikots mit Namen und Nummern sind die beliebtesten Einkäufe der Fans.

Mit dem englischen Begriff »Merchandising« werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die der Absatz- und Verkaufsförderung dienen. Vor allem Traditionsvereine mit einer großen Fangemeinde erzielen hohe Umsätze und weisen im Jahresvergleich häufig zweistellige prozentuale Zuwachsraten auf. Durch diese Einnahmen werden bis zu 15 Prozent der Gesamteinnahmen eines Klubs generiert. Hauptartikel ist das aktuelle Trikot, von dem es in jeder Saison neue Versionen für Heim- und Auswärtsspiele und manchmal eine dritte für die europäischen Wettbewerbe gibt. Die Trikotumsätze sind meist für die Hälfte der Merchandising-Umsätze verantwortlich. Die Umsätze steigen in einer Saison mit dem sportlichen Erfolg.

Selbst im fernen Asien trifft man nicht selten auf jugendliche Spieler mit häufig gefälschten Trikots, beispielsweise des FC Bayern. Noch beliebter sind Trikots englischer Teams wie Manchester United aus Liverpool oder von Arsenal London. Die englischen Vereine bei der weltweiten Vermarktung führend. Nicht ohne Grund unternimmt der FC Bayern München fast jährlich Reisen nach Asien oder in die Vereinigten Arabischen Emirate, um die eigene Marke international zu platzieren und um durch Merchandising höhere Erlöse zu erzielen. Deutschland befindet sich nach England und Spanien an der dritten Stelle der europäischen Rangliste – gemessen am Merchandising-Umsatz.

Ein nicht unerheblicher Anteil der Transfersumme, die Real Madrid an Manchester United in der Saison 2009/10 für Cristiano Ronaldo überweisen musste, konnte über den Verkauf von Real-Trikots mit seinem Namen refinanziert werden. Die Trikots werden individueller im Design und erhalten einen hohen Status als Sammelobjekte. Für seltene Trikots werden von einigen Sammlern hohe Summen gezahlt.

Jeder professionell geführte Verein hat Merchandising-Artikel und vertreibt diese gewöhnlich vor Ort über einen Fanshop beziehungsweise online über die Vereinswebsite.

VERWEISE:

image Medien ()

image Fans ()

image Kommunikation ()

4 Integration
Fußball besitzt eine herausragende Bedeutung für die Integration in Deutschland.

Mit »Integration« wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem es um die Herstellung oder Wiederherstellung des Ganzen geht, das vorher aus mehreren Teilen bestand. Dieses Ganze kann ein Land, ein Verband, ein Verein, ein Kader, ein Team oder ein Mannschaftsteil sein.

Für den Fußball in Deutschland ist die Integration wichtiger Bestandteil und Inhalt vieler Initiativen von Verbänden, da Deutschland de facto seit Langem ein Einwanderungsland ist. In den letzten zehn Jahren haben in Deutschland rund 2,5 Millionen Spätaussiedler eine neue Heimat gefunden. Zum jetzigen Zeitpunkt leben 7,5 Millionen Ausländer in Deutschland. In den nächsten 20 Jahren werden Prognosen zufolge weitere acht Millionen Ausländer hinzukommen. Es gilt, sich dieser großen Herausforderung als Gesellschaft mit vielfältigen Integrationskonzepten auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu stellen. In Deutschland ist im Bereich des Sports vor allem der Fußball wegen seiner weiten Verbreitung und seiner Mitgliederstärke als Integrationsmedium gefragt.

Integration muss sich in erster Linie in den Bereichen des Wohnens und des Arbeitens vollziehen. Parallel dazu muss die Integration auch in den Bereichen Freizeit und Familie stattfinden. Gerade hier kann der Bereich des Sports, also der Bewegung mit Spiel, Spaß und Freude, einen ungemein hohen Beitrag leisten. Der Sport bietet vor allem für ausländische Kinder und Jugendliche weitreichende individuelle Chancen und soziale Möglichkeiten. Dieser im Kleinen häufig als negativ angesehener Aspekt spielt für die Integration in unsere Gesellschaft eine herausragende Rolle und sollte von jedem Trainer und Übungsleiter unterstützt werden.

Die integrative Leistung, die gemeinsames Sporttreiben und gemeinsames Fußballspielen mit sich bringt, bezieht sich vor allem auf das gemeinsame Erleben, Erfahren und Verstehen von sich selbst und des anderen.

Durch die Arbeit in den Vereinen wird ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag zur Reduktion von Sprachproblemen, kultureller Vorbehalte und zur Prävention von Gewalt und Aggression geleistet. Gemeinsame persönliche Erlebnisse und Erfolge prägen Jugendliche entscheidend.

Ein aktuelles Beispiel für die gelungene Integration im Sport ist aus der deutschen Sicht die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. In der deutschen Fußballnationalmannschaft standen im Juni und Juli 2010 mehrere Spieler, deren Eltern über einen Migrationshintergrund verfügen. Die mittlerweile in Deutschland geborene »Zweite Generation« besitzt den deutschen Pass und personifiziert die gelungene Integration durch den Sport. Sie trägt überdies dazu bei, Deutschland sportlich wettbewerbsfähiger zu machen. Einige der Spieler sind im Bereich der Werbung präsent, was ihre Vorbildfunktion und Integrationskraft weiter stärken kann.

Integration wird im Sport vor allem dort schwierig, wo Gruppen andere Werthaltungen vertreten oder als Sondergruppen ausgeschlossen sind. Im Fußball wäre der Iran ein Beispiel dafür, dass dessen Integration in die internationale Fußballgemeinschaft noch nicht gelungen ist.

VERWEISE:

image Vorbild ()

image Aggression ()

image Respekt ()

image Talent ()

5 Fair Play
Ohne Fair Play verliert der Fußball seinen erzieherischen Wert.

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Faires Verhalten im Fußball zeugt von Respekt der Spieler untereinander.

»Fair Play«, auch Fairness genannt, kennzeichnet das sportliche Verhalten im sozialen Miteinander. Es geht nicht nur um die Beachtung der Regeln, für die der Schiedsrichter sorgt, sondern um den Respekt vor der Leistung und das Verhalten des Gegners, welche sich in der Wahrung der Gesundheit äußert. Das ist eine Haltung, die im Wettkampfsport wie dem Fußball, der durch Zweikämpfe, Fouls und Verletzungen gekennzeichnet ist, elementare Bedeutung für das Spiel hat. Fair Play schließt Kampf und Aggression nicht aus, achtet aber den Gegner. Fair Play ist das Verhalten eines Akteurs und eine individuelle Eigenschaft, die es zu fördern und zu entwickeln gilt. Vorbilder mit unfairem Verhalten erteilen ihrer Sportart einen Bärendienst.

Die Einnahme von Dopingmitteln ist beispielsweise ein elementarer Verstoß gegen die Idee des Fair Plays. An der Grenze des Fair Plays bewegt sich ein Fußballer hingegen bei einem taktischen Foul. Er überschreitet die Grenze, wenn er die gesundheitliche Schädigung des Gegenspielers bei einem Foul billigend in Kauf nimmt, um seinen eigenen Vorteil zu erlangen. Der Schiedsrichter unterliegt nicht dem Druck der Spieler, die sich häufig für den Erfolg im Spiel an der Grenze des Erlaubten bewegen. Extrem fatal für die Idee des Fair Plays sind Trainer oder Reporter, die unfaires Verhalten, durch das eventuell ein Tor verhindert werden kann, als clever bezeichnen oder Spieler, die die Fairness über den Erfolg stellen, als unprofessionell titulieren.

Vor allem im Jugendfußball und in den Medien sollte mit diesem Thema wesentlich seriöser umgegangen werden. Um dem entgegenzuwirken, gibt es mittlerweile Fair Play-Tabellen, und der FSV Mainz 05 ist im Jahr 2005 durch faires Verhalten in der Fußballbundesliga über die Fair Play-Wertung der UEFA zu einem Startplatz in einem europäischen Wettbewerb gekommen.

Die Deutsche Olympische Gesellschaft unterstützt die »Fair PlayInitiative im deutschen Sport«, um faires Verhalten zu mehr Akzeptanz zu verhelfen. Mit dem Motto »Fair geht vor« werben Prominente und Spitzensportler und nutzen ihre Vorbildfunktion positiv aus. Der Gedanke des Fair Plays, der aus dem Sport stammt, wird mittlerweile in anderen Lebensbereichen verwendet und fordert zu fairem Miteinander und Respekt auf.

VERWEISE:

image Vorbild ()

image Aggression ()

image Prävention ()

6 Fans
Ein Fan verfolgt ausschließlich Ziele, die dem Erfolg seines Vereins dienen.

Mit dem englischen Wort »Fan« wird ein Mensch bezeichnet, der eine längerfristige, leidenschaftliche Beziehung zu einem Verein pflegt. Dafür investiert er häufig viel Geld und wendet viel Zeit auf, um die Beziehung zu erhalten und auszubauen. Er strebt danach, seinem Verein möglichst häufig so nah wie möglich zu sein. Fans sind meist in Fanklubs organisiert und können als Institution eine gewisse Macht ausüben. Im deutschen Sprachgebrauch sind die Bezeichnung Anhänger und Schlachtenbummler geläufig. Sie besuchen regelmäßig die Spiele ihres Vereins und unterstützen ihren Verein mit Anfeuerungsrufen. Häufig haben Fans dazu eigene Rituale entwickelt.

Nicht umsonst werden die Fans eines Vereins vor allem bei Heimspielen als »Zwölfter Mann« bezeichnet und tragen durch ihre Unterstützung dazu bei, das heimische Team stärker spielen zu lassen, was als Heimstärke interpretiert wird. Für diese Verehrung, die die Fans betreiben, hat sich umgangssprachlich der Begriff Fankult etabliert. Fans spielen eine wichtige Rolle im Merchandising, da sie der Hauptabnehmer der Devotionalien der Vereine sind und sich Jahreskarten für eine ganze Saison im Voraus sichern.

Ein Beispiel für eine ähnliche Fanbewegung ist die Entwicklung des Public Viewing, das sich seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland etabliert hat. Tausende oder Hunderttausende schauen sich auf öffentlichen Plätzen gemeinsam Fußballspiele an. Fans unterschiedlicher Vereine hegen manchmal Freundschaften, sind meist gegeneinander ausgerichtet, da die unterstützten Vereine auf dem Feld ihre Interessen vertreten. Fans sind durch ihre Jacken, ihre Trikots und ihre Schals gut zu erkennen. Sie sind im Fanblock untergebracht, der traditionell keine Sitze, sondern Stehränge hat.

Der Schritt vom Fan zum Fanatiker ist oftmals nicht weit und kann in spezieller Ausprägung zum Hooligan oder der Ultrabewegung führen. Hier stößt die Fanbewegung eindeutig an die Grenzen der Akzeptanz durch die Vereine und die Gesellschaft, und besonders auffällige Fans werden mit Stadionverboten belegt.

VERWEISE:

image Public Viewing ()

image Hooligans ()

image Ultrabewegung ()

7 Hooligans
Hooligans nutzen den Fußball, um gewalttätig zu sein.

»Hooligans« sind Personen, die im Rahmen von Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffallen. Oftmals sind sie fanatische Anhänger eines Vereins, zeigen dies mit ihrer Kleidung nicht wie die normalen Fans. Für Hooligans steht die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund. Das Fußballspiel bietet dazu den Anlass. Hooligans sind in größeren Gruppen ähnlich wie Fans organisiert und zeigen eine hohe Gewaltbereitschaft. Hooligans unterscheiden sich deutlich von normalen Fans und Ultras.

Das aus England stammende Phänomen beschreibt das Zelebrieren von Gewaltritualen und aggressiven Handlungen gegen verfeindete Gruppen. Hooligans sind organisiert und handeln nach eigener Aussage nach einem Ehrenkodex. In der Realität stellt sich dies mitunter anders dar. Hooligans stammen aus der Mitte der Gesellschaft. Von den Arbeitern bis zu den Akademikern ist alles vertreten. Durch die erhöhte Polizeipräsenz und das konsequente Vorgehen gegen Hooligans hat sich das Problem leicht aus den Stadien nach außen verlagert. Die Stadien werden mit Videokameras überwacht, und zivile Beamte observieren die Szene. Die große Anzahl der Stadienverbote trifft mitunter die Falschen, was in der Szene stark kritisiert wird. Trotzdem gelingt es den Hooligans immer wieder, sich vor allem anlässlich großer Turniere Massenschlägereien zu liefern, bei denen mehrere Hundertschaften Polizei in den Einsatz ziehen müssen.

Die Ursachen für Hooligans und deren Tun sind weitgehend unerforscht, und es liegen unterschiedliche Analysen vor. Vor allem in Deutschland scheint es sich um eine Gruppe gut ausgebildeter und sozial abgesicherter junger Männer zu handeln, die ihrem bürgerlichen Alltag entfliehen wollen und die Gewalt als eine Art Droge empfinden.

Die Soziologie erforscht diese Aspekte des sozialen Zusammenlebens der Menschen in Gemeinschaften und Gesellschaften. Sie fragt nach dem Sinn und den Strukturen des sozialen Handelns (Handlungstheorie) sowie nach regulierenden Werten und Normen. Ihre Untersuchungsobjekte sind die Gesellschaft als Ganzes ebenso wie ihre Teilbereiche: soziale Systeme, Institutionen, Organisationen und Gruppen. Als Teilbereich ist der der Hooligans zu verstehen, und es gibt dazu noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

VERWEISE:

image Fans ()

image Ultrabewegung ()

image Aggression ()

image Frustration ()

8 Ultrabewegung
Ultras sind organisierte Fangruppen mit großem Einfluss.

Die »Ultrabewegung« bezeichnet eine besondere Organisationsform von fanatischen Fußballanhängern. Die aus Italien stammende Bewegung von Fans, die ihre Mannschaften bestmöglich unterstützen möchte, ist in den Stadien besonders auffällig durch ihre mit Megafonen unterstützten Sprechgesänge und häufig ausgefallenen Choreografien. Sie handeln autonom und stehen der Kommerzialisierung und ihren Vereinen häufig kritisch gegenüber. Je nach Gruppengröße und Organisation üben sie Druck auf die Vereinsführung aus. So solidarisieren sich zum Beispiel alle Ultragruppen bei Fragen von Stadionverboten und anderen als Repressalien empfundenen Verboten mit den mutmaßlichen Tätern.

Die Abgrenzung zu Hooligans gelingt in der Praxis nicht eindeutig und nur auf theoretischer Ebene. Viele Ultras halten die gewalttätige Auseinandersetzung mit der Obrigkeit für legitim und sehen in der Polizei den direkten Kontrahenten. Bei den Ultras ist im Unterschied zu Hooligans eindeutig die Treue zum eigenen Verein und dem Fußballsport stärker ausgeprägt und Quelle des Handelns. Durch ihr optisch und akustisch starkes Auftreten im Stadion geraten Ultras manchmal in Konflikte mit Fangruppen des eigenen Vereins, was bei Ausschreitungen eine nachträgliche Differenzierung in Ultras, Fans oder Hooligans für die Gesetzeshüter schwer macht.

Für die Vereine sind die Ultras durch ihre Gruppengröße und ihren hohen Organisationsgrad durchaus ernst zu nehmende Partner, weil sie vor allem im Stadion für Atmosphäre sorgen, bei Versammlungen meinungsbildend sein können. In den drei deutschen Profiligen gibt es in fast jedem Verein Ultragruppen, die meist kontinuierlichen Zulauf haben. Kriterium für die Aufnahme vor allem junger Fans ist die unbedingte lokale Loyalität für den Verein.

Die Polizei differenziert die verschiedenen Fangruppen nicht nach ihrer Zugehörigkeit zu Fans, Hooligans oder Ultras, sondern nach ihrer Gewaltbereitschaft in »A-, B- oder C-Fans«, wobei »C-Fans« Hooligans sind. Die Ultrabewegung ist zwar im Fußball am stärksten vertreten und stark lokal geprägt, findet sich mittlerweile auch in anderen Sportarten.

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Ultras machen mit ihren Choreographien die Ränge zur Bühne um den Platz.

VERWEISE:

image Fans ()

image Heimvorteil ()

image Hooligans ()

9 Doping
Die Grenze zwischen der erlaubten und unerlaubten Verabreichung von Präparaten ist klein.