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Karin Tillisch

 

Selbstbewusst mit Pferden

 

Vertrauensvoller Umgang ohne Angst und Stress

Impressum

Haftungsausschluss:

Die Autorin, der Verlag und andere an diesem Buch beteiligte Personen lehnen für Unfälle oder Schäden jeder Art, die aus den in diesem Buch dargestellten Übungen, Ratschlägen und Ansichten entstehen können, jegliche Haftung ab.

 

Sicherheitstipps:

In diesem Buch sind Reiter abgebildet, die ohne splittersicheren Kopfschutz reiten. Dies ist nicht zur Nachahmung empfohlen und birgt ein hohes Verletzungsrisiko!

Achten Sie im Umgang mit Pferden und beim Reiten immer auf entsprechende Sicherheitsausrüstung:

Feste Schuhe und Handschuhe bei der Bodenarbeit sowie Reithelm, Reitschuhe, Reithandschuhe und Sicherheitsweste beim Reiten.

Zu Ihrer Sicherheit und auch der Sicherheit Ihres Pferdes sollte natürlich auch die Ausrüstung des Pferdes stets in tadellosem Zustand sein und den gängigen Sicherheitsstandards entsprechen. Überprüfen Sie vor jedem Einsatz die Ausrüstung und tauschen Sie beschädigte Sachen umgehend aus!

Führen Sie die im Buch vorgestellten Übungen nur unter fachkundiger Anleitung in einem sicher umzäunten Areal aus. Auch für Probleme im Gelände gilt: Die Übungen nur unter Anleitung durchführen und niemals alleine ins Gelände reiten!

 

Impressum:

Copyright © 2011 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Gestaltung und Satz der Originalausgabe: Ravenstein + Partner, Verden

Lektorat: Almut Schmidt

E-Book:

 

Coverfoto: Svetlana Petrova

Fotos im Innenteil: Christiane Slawik

 

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

 

Printed in Germany

 

ISBN: 978-3-8404-1502-9

 

eISBN: 978-3-84046-031-9

 

Für Shadow – meinen Lehrmeister

 

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Mit Shadow erlebte ich viele Augenblicke der Angst.
Doch durch ihn lernte ich auch diese Ängste zu besiegen!

Tabuthema Angst

Tabuthema Angst

„Du hast doch nicht etwa Angst, oder?“ Wie oft haben Sie diese Frage schon gehört? Und wie oft schwang darin ein lauernder Unterton mit?

Ist Angst etwas Schlechtes? Macht sie uns zu einem schlechten Menschen?

Angst scheint immer noch zu den größten Tabuthemen unserer modernen Gesellschaft zu gehören. Wer seine Angst zugibt, der gibt seine Schwäche zu – so erscheint es heutzutage zumindest. Dabei zeugt es eher von Größe, offen die eigene Angst zuzugeben und diese nicht zu verbergen.

Wer zu seiner Angst steht, fürchtet sich nämlich nicht davor, sein Gesicht zu verlieren.

Vor Ihrem Pferd können Sie Ihr Gesicht nicht verlieren, denn es hat vom ersten Augenblick an hinter Ihre Fassade geblickt, die Sie so sorgsam für Ihre Mitmenschen aufgebaut haben!

Wenn Sie Angst haben, wird Ihr Pferd das merken. Und je mehr Sie nun versuchen, Ihre Furcht zu verbergen, desto deutlicher wird Ihr Pferd spüren, dass etwas nicht stimmt. Die Kluft zwischen Ihnen und Ihrem Pferd wird immer größer werden.

Wer meint, die Angst totschweigen, ignorieren oder wegreden zu können, belügt sich selbst – und andere! Auch den Partner Pferd belastet es, wenn „sein“ Mensch Angst hat.

Dieses Buch soll dazu beitragen, dass Angst kein Tabuthema mehr ist. Sie ist ein Gefühl, das zu unserem Leben genauso dazugehört wie Freude, Hass, Liebe, Neid … und Mut. Nur wer Angst kennt, kann auch mutig sein!

 

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Angst sollte man nie herunterspielen oder verschweigen – denn dadurch kann es meistens nur noch schlimmer werden!

Mein persönlicher Weg aus der Angst

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Durch Zirkuslektionen fanden Shadow und ich den Weg zu einer vertrauensvollen Partnerschaft.

 

Mein persönlicher Weg aus der Angst

Als mein Opa Josef Tillisch noch lebte, erzählte er mir manchmal von seiner Kindheit mit Pferden.

Als Kind war es seine Aufgabe gewesen, am Abend die Pferde zum Fluss zu bringen, damit sie dort baden und trinken konnten.

Der Haken an der Sache war nur – mein Opa konnte nicht schwimmen.

„Hast du denn keine Angst gehabt?“, hatte ich ihn einmal gefragt.

Opa hatte nur gelacht. „Wieso? Das waren doch meine Pferde. Die haben auf mich aufgepasst!“ So hatte Opa sich als kleiner Junge einfach an der Mähne des Kaltblüters festgeklammert und sich durch den Fluss ziehen lassen.

Dieses grenzenlose Vertrauen und den natürlichen Umgang mit den Tieren hat er versucht, mir zu vermitteln. Und tatsächlich – wenn ich mich zurückerinnere, hatte ich damals keine Angst vor Pferden.

Es ist nie etwas passiert. Entweder konnte mein Schutzengel schneller fliegen als ich reiten – oder mein unbedingtes Vertrauen in die Ponys war der eigentliche Schutz.

Mein Opa starb, als ich neun Jahre alt war. Es war ein sehr schwerer Verlust für mich. Nach den vom Patenonkel spendierten Reiterferien durfte ich mit zehn Jahren in die örtliche Reitschule. Dort erwarteten mich aggressive Pferde in Boxenhaft und Unterricht im Kasernenhofton. Schon in meiner ersten Longenstunde fiel ich vom Pferd. Das gehöre zum Reiten dazu, hieß es. Ich war ein Kind, ich glaubte es. Doch langsam begann die Angst in mir zu wachsen. Etwa ein halbes Jahr verbrachte ich in der Reitschule – in der Hoffnung, dass ich nur „richtig“ reiten lernen musste, damit es wieder so schön wurde wie früher.

Das wurde es natürlich nicht, im Gegenteil! In einer Stunde war der Reitlehrer nicht da, seine Vertretung übernahm eine Reitschülerin. Ich sollte auf dem Zirkel galoppieren.

Tja, es hat nicht geklappt. Stattdessen stürzte ich und brach mir dabei den Oberarm.

Es dauerte fast acht Monate, ehe ich meinen Arm wieder halbwegs bewegen konnte. Eine Entschädigung oder zumindest Entschuldigung vom Reitstall oder dem Reitlehrer habe ich nie bekommen.

Ich ging nicht mehr zum Reitunterricht, und aus dem beklemmenden Gefühl entwickelte sich Angst. Aus schien es mit dem Traum vom Partner Pferd, mit dem man Spaß haben konnte. Angst und Misstrauen – das hatte ich in diesem konventionellen Reitstall gelernt.

Den Stall gibt es übrigens immer noch. Immer noch unter demselben Vorstand, nur die Reitlehrer wechseln fast jährlich. Meist dann, wenn wieder etwas passiert ist. Denn am Unterrichtsstil hat sich nicht viel geändert ...

Erst mit 15 bekam ich über den Fahrsport wieder Kontakt zu Pferden. Reiten ohne Angst erlebte ich später durch einen alten Springveteranen namens Marfy und seinen Stallkollegen, einen Hengst namens Pretty. 1996 hatte ich meine erste Westernreitstunde und entdeckte langsam wieder den Spaß am Reiten.

Bald darauf machte ich mich auf die Suche nach einem Pflegepferd und fand „Kiera“, eine Warmblutstute. Ihre Besitzerin ließ mir sehr viel Freiraum, und so konnte ich hier wieder jene Partnerschaft erleben, die ich mir eigentlich mit Pferden vorstellte.

Im Jahr 2000 trat Shadow in mein Leben. Er hatte schon viele schlechte Erfahrungen gemacht und wechselte in Sekunden zwischen Angst und Aggressivität. Ich weiß bis heute nicht, warum ich ihn an jenem verregneten Januarmorgen sofort ins Herz geschlossen habe. Wir waren uns wohl sehr ähnlich. Ich liebte Pferde, aber sie machten mir immer noch Angst. Shadow spürte, dass Menschen auch gut sein konnten, hatte aber schon zu viel Schlechtes erlebt.

Der eine hatte also Angst vor dem anderen – eine tolle Ausgangsposition! Da ich Shadow trotz seiner gefährlichen Eskapaden vom ersten Tag an mochte und ihm helfen wollte, stellte ich mich meinen Ängsten. Wir haben uns gegenseitig aus dem Sumpf gezogen, der eine war die Kur für den anderen. Natürlich hatten Shadow und ich dabei auch Glück – das Ganze hätte auch gehörig schiefgehen können! Die Angst ist nie ganz verschwunden, aber ich habe gelernt, meinen Pferden zu vertrauen.

Schließlich sind das deine Pferde, würde mein Opa sagen. Und die passen auf dich auf!