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LARS A. FISCHINGER

REBELLION der
ASTRONAUTEN-
WÄCHTER

GEFALLENE GÖTTERSÖHNE,
DIE SINTFLUT UND
VERSUNKENE UR-KULTUREN

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Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau
Telefon: + 49 (0) 61 81 – 18 93 92
Kontakt: Info@AmraVerlag.de

Herausgeber

Michael Nagula

Lektorat

Ulrich Magin

Layout & Satz

Birgit Letsch

Einbandgestaltung

Murat Karaçay

Druck

Finidr, s.r.o.

ISBN Printausgabe 978-3-939373-46-9
ISBN eBook 978-3-95447-049-5

Alle Rechte der Verbreitung vorbehalten, auch durch Funk,
Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische
oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks.

Inhalt

Einleitung des Autors

Teil I – Ungöttliche Zeiten

1Sündenpfuhl Erde – Noah betritt die Bühne

2Himmel, hilf!

3Die Arche Noah

4Sintflut-Mythen – Urquellen und Fragen

5Die neue Weltordnung

6Neuer Ärger: Das »Gottestor« KÄ.DINGIRKI

7Der Satan ist an allem schuld!

Teil II – Kronzeuge Henoch

1Henoch, »Schreiber der Gerechtigkeit«

2Rebellion der Astronautengötter

3Die Missionen des Henoch

4Besuch beim höchsten Astronautengott

5Das »Ende« des Parlamentärs Henoch

Teil III – Archäologische Beweise?

1Denkfehler? Beweise?

2Die Sintflut(en) fand(en) wirklich statt

3Fluten, Überlebende und die Arche Noah

4Eine versunkene, erste Zivilisation?

5Spurensuche in Ägypten

6Riesen – zwischen Mythen und Fakten

Teil IV – Anhang

»Glanz und Elend der Astronautengötter«

Biografie: Täglich erfahren wir mehr …

Stammbaum von Adam & Eva bis Lot

Anmerkungen & Quellen

Danksagung

In memoriam Siegfried Boer

(6. Januar 1941 – 29. Juli 2010)

Zum Gedenken an meinen guten Freund Michael Kran

(10. November 1958 – 13. März 2012)

in der Hoffung, dass er nun den »Ziegensauger« und all das

Wissen, das wir viele Jahre gemeinsam suchten, gefunden hat

Und für Marie-Luise »Mimi« Sievers,

die sich die »Phantastischen Phänomene« 2011 nicht

entgehen ließ.

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Für die ewige Suche meiner Kollegen nach der Wahrheit,

für meine Tiere und für MANOWAR, Sodom und Rammstein /

Petra Frey, Jürgen Drews und Helene Fischer & Co.,

die mich bei der Arbeit begleiten und inspirieren.

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»Legenden sind der symbolische Ausdruck

gewisser Urerlebnisse.«

Prof. John Jakob Bachofen – Ethnologe, Richter, Archäologe

(22. Dezember 1815 – 25. November 1887)

Einleitung

image Kommen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser!

Mythen sind cool – Henoch ist cool.

Ich meine Henoch, den Sohn des Jered, Vater des legendären Metuschelach, der mit Gott wandelte und einst in den Himmel aufstieg – »und er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte«. So die Bibel …

Das sind so ziemlich die einzigen Informationen, die das Alte und Neue Testament über den vorsintflutlichen Propheten und Patriarchen Henoch (= Enoch) bereithalten. Eine mythische Gestalt aus dem dunklen Nebel der sagenhaften Vergangenheit der Menschheit, die in der Bibel zur Ahnenreihe der Stammväter vor der großen Flut gezählt wird. Ein scheinbar belangloser Name in einer ganzen Liste von Patriarchen, der sich aber bei genauem Hinsehen erheblich von allen anderen genannten unterscheidet.

Henoch, so sagt die Bibel, »wandelte mit Gott« und starb nicht hochbetagt wie all die anderen Patriarchen vor der Flut. Während etwa Henochs Vater, der Erzvater Jered (Jared), nach der Bibel im greisen und sicher auch weisen Alter von 962 Jahren verschied, wird Henochs Alter mit »nur« 365 Jahren angegeben. Und er stieg auf in den Himmel Gottes und war von der Erde verschwunden »und wurde nicht mehr gefunden«. Von einem »normalen Tode« des Mannes keine Spur. Seltsam.

Durch seinen innigen Glauben habe es Henoch erreicht, vom Herrn in den Himmel aufgenommen zu werden. Das will uns die Bibel erzählen. Mehr indes nicht. Wie sollen wir das nun verstehen, deuten, interpretieren? Dringen wir tiefer in die Materie rund um Henoch & Co. ein, dann berichten unsere Ahnen über den Patriarchen und seine rätselhafte Epoche vor Jahrtausenden wahrhaft Sensationelles.

Wie das möglich ist? Weil neben dem Alten Testament noch zahlreiche andere uralte Schriften und Mythen existieren. Es sind die »verborgenen Bücher der Bibel« – Ergänzungen und weitere Ausführungen nicht nur alttestamentarischer Ereignisse, sondern auch solcher des Neuen Testaments. Unter diesen als Apokryphen bezeichneten Werken, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, finden sich auch Bücher, die Henoch als Autoren ausweisen. Und sie sind eine eingehende Lektüre wert. Sie schildern Ereignisse, die sich vor, während und nach der legendären Sintflut zugetragen haben sollen.

In den gängigen Ausgaben der Bibel finden sich die Schriften des Propheten bis heute eher »versteckt«: Im 1. Buch Moses schildert das sechste Kapitel sehr merkwürdige Dinge. Dort findet sich nicht nur die Sintflut-Geschichte, das Alte Testament nennt in wenigen Worten auch den wahren Grund für den göttlichen Zorn, der sie ausgelöst haben soll. Die Menschen seien boshaft, sündig, verderbt und das »Gedankengebilde ihres Herzens allzeit nur auf das Böse gerichtet« gewesen, heißt es darin. Im Himmel entschloss sich Gott deshalb, seine Schöpfung durch eine große Flut zu vernichten.

Doch wie kam es zu dieser Verderbtheit der von Gott nach »seinem Ebenbilde« geschaffenen Menschheit? Was war geschehen, dass scheinbar nur der Ausweg der völligen Vernichtung blieb? Auch hierüber berichtet die Genesis: Wesen des Himmels – die Söhne der Götter, die in der Mythologie auch »Wächter« heißen – seien auf die Erde gekommen, hätten sich Menschenfrauen nach Belieben gewählt und mit diesen Riesen-Kinder gezeugt. Die Menschheit sei durch diese Vermischung mit Wesen aus dem Himmel ihrem unausweichlichen Verderben entgegengerutscht. So sagt es die Bibel.

Ein mythischer, sehr kurzer biblischer Text, der sicher meist einfach überlesen wird und für sich genommen unverständlich bleibt. Bibeln mit unterschiedlichen Kommentaren und Anmerkungen moderner Theologen heben den Schleier leider auch nicht. Es klafft eine Lücke zwischen der erstaunlichen Feststellung über die vom Himmel gekommenen Gottessöhne oder Engel und dem Ausbruch der Sintflut.

Eben diese Lücke schließen die Schriften des Henoch und einige Überlieferungen des Nahen Ostens. Sie schildern umfassend, was vor der Sintflut auf der Erde geschehen war, wie die »Wächter« vom Himmelsgewölbe herniederstiegen, welche Namen sie trugen, was sie hier taten, was Gott darüber dachte und viele andere spannende Dinge mehr. Dabei berichten die Bücher Henoch nicht etwa aus Sicht einer dritten, unbeteiligten Person, sondern Henoch selbst soll aktiv an den Geschehnissen dieser Urzeit teilgehabt haben. Sie schildern sogar, wie der Patriarch als Vermittler der »gefallenen Engel« auf der Erde und im Himmelreich Gottes eingesetzt wurde. Henoch diente dem Herrn sprichwörtlich als Zwischenhändler zwischen ihm und seinem Hofstaat sowie den rebellierenden Wächtern auf der Erde.

Das Fazit: In den Zeiten vor der großen Flut brach eine Rebellion der Wächter oder Engel im Reich des Himmels, in den Gefilden der Glückseligkeit, aus. Einige Engel lehnten sich gegen Gott und seine Autorität auf, kamen auf die Erde und versündigten sich mit den Menschenfrauen. Im Himmelreich konnten Gott und seine treu gebliebenen Engelwesen dies nicht verhindern. Aus der Verbindung von Menschenfrauen und Engeln des Himmels entwickelte sich eine Art »Mischrasse«. Das sollen Riesen gewesen sein, so steht es zum Teil noch heute in einigen Bibel-Ausgaben. Und diese Riesen oder Giganten kamen (fast!) alle in den Wogen der gewaltigen Flut um …

Schon seit Jahrhunderten suchen Menschen nach greifbaren, archäologischen Beweisen für eine solche Flutkatastrophe. Ob es diese gibt, soll hier ebenso diskutiert werden wie der überlieferte Hintergrund für die eigentliche Flut – nämlich der Fall einiger Wächter des Himmels und ihre Vermischung mit den Weibern der Menschenkinder.

Weibliche Engel gibt es nicht! Auch wenn das moderne Bild eines Engels gern mit einer Frau assoziiert wird, tragen doch alle Engelwesen in der Bibel und den außerbiblischen Apokryphen ausnahmslos männliche Namen. Engel sind auch nicht, wie es ungezählte Abbildungen und Figuren glauben machen wollen, asexuelle oder androgyne Wesen. Das beweisen ihre angeblichen Taten auf der Erde, wie wir sie in den heiligen Texten finden und in diesem Buch noch detailliert kennenlernen werden.

Die Rebellion der Astronautengötter ist zeitlich vor, während und nach der Sintflut anzusiedeln, und hier – im fast gleichnamigen Buch – wird die Geschichte hinter der Geschichte analysiert. Kamen Wesen aus dem Himmel auf die Erde, wie es nicht nur Henoch und die Genesis sagen, sondern verschmolzen sie weltweit mit Völkern aller Religionen? Wer waren sie? Ging tatsächlich eine Kultur vor den uns bekannten Zivilisationen unter, etwa durch eine Flut? Wo sind gegebenenfalls deren Spuren zu finden? Gab es die legendären Riesen wirklich, von denen die Überlieferungen weltweit erzählen?

Zahlreiche Fragen leiten sich aus wenigen Versen im Buch Genesis ab – und ergeben ebenso zahlreiche erstaunliche Antworten und eine Flut an neuen Fragen.

Kommen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser, und begleiten Sie mich auf eine unglaubliche Reise …

Lars A. Fischinger
Nordenham und Lette

TEIL I

Ungöttliche Zeiten

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TEIL I

1

Sündenpfuhl Erde – Noah betritt die Bühne

Das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel, beginnt mit dem Anfang allen Seins der Welt. In der Genesis steht an erster Stelle die Erschaffung der Welt und der Erde, gefolgt von der »Krone der Schöpfung« – dem Menschen als Mann und Frau. Nach der Geschichte über Adam, Eva, dem Garten Eden und dem vermeintlichen »Sündenfall« mit anschließender Vertreibung listet die Bibel zehn vorsintflutliche Patriarchen auf, an deren letzter Stelle der berühmte Held Noah (= Noe) zu finden ist.1

Diesen Patriarchen ist allesamt zueigen, dass sie wahrhaft göttlich-gewaltige Lebensalter erreichten. Der älteste von Adams Nachkommen war dabei Methusalem mit angeblichen 969 Jahren. Das ist eine deutliche Parallele zu den babylonischsumerischen Königslisten, die ebenfalls zehn Herrscher mit »biblischen Altern« vor der Sintflut anführen. Und in dieser Königsliste hieß der letzte Herrscher dieser Art Ziusudra (= Utanapisti/Utnapischtim) – er war der Held der Sintflut-Erzählung des sumerischen Volkes.2 Wie im Alten Testament sanken die stattlichen Lebens- oder Regierungsjahre auch in den Königslisten der Sumerer nach der Sintflut.3

Hier liegt klar eine Parallele zum biblischen Geschehen des Buches Genesis vor. Die Theologen streiten schon lange nicht mehr ab, dass die zehn alttestamentarischen Patriarchen starke Ähnlichkeit mit den Königen Mesopotamiens vor der Flut aufweisen. Dasselbe gilt für die Sintflut-Überlieferung selbst.4

Am Ende des fünften Kapitels der Genesis5 wird es spannend, denn dort treten der »gottgefällige« Noah und seine Familie in Erscheinung. Schon Noah selbst war ein ganz außergewöhnlicher Mensch, sagen alte Legenden. In der Genesis heißt es, dass Noah von den »Wächtern des Himmels« (= Engeln) abstammte. Lamech, der biblische Vater Noahs, hegte einst Zweifel, ob er wirklich der Erzeuger seines sonderbaren Sohnes Noah war. Die Bibel lässt indes keinen Zweifel, wer der Vater Noahs war:

»Lamech war hunderzweiundachzig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn. Er gab ihm den Namen Noach; denn, sagte er, dieser wird uns Trost verschaffen in unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände aus dem Ackerboden, den Gott verflucht hat.«6

Das äthiopische Buch Henoch weiß zu Noahs Herkunft wesendlich mehr. Dort steht eine seltsame Geschichte niedergeschrieben:

»Nach einigen Tagen nahm mein (Henochs, L.A.F.) Sohn Metusala ein Weib für seinen Sohn Lamech; sie ward von ihm guter Hoffnung und gebar einen Sohn. Sein Leib war weiß wie Schnee und rot wie eine Rose, sein Haupthaar weiß wie Wolle und seine Augen wie Sonnenstrahlen. Wenn er seine Augen öffnet, dann erleuchtet er gleich der Sonne das ganze Haus, und das ganze Haus ward sehr hell.«7

Lamech war entsetzt über das Aussehen seines angeblich eigenen Sohnes. Auf der Suche nach einem Rat wandte er sich an Metusala/Metuschalech und berichtete über seinen sonderbaren Sohn Folgendes:

»Ich habe einen merkwürdigen Sohn; er gleicht nicht einem Menschen, sondern den Gottessöhnen des Himmels und seine Natur ist verschieden; er ist nicht wie wir; seine Augen gleichen Sonnenstrahlen und sein Antlitz ist majestätisch.«8

Lamech bat Metuschalech, seinen Vater, er möge zu Henoch gehen, »er wohnt ja bei den Engeln«. Dieser wüsste sicher eine Erklärung für die Geburt des Noah. Und tatsächlich: Als Henoch über die »beängstigende Sache« unterrichtet wurde, dass Noahs »Gestalt und Natur nicht der eines Menschen gleicht«9, sondern »ein Abbild der Engel des Himmels sei«10, wusste er mehr: Er prophezeite seinem Sohn Metuschalech die kommenden Sintflut und dass Gottessöhne des Himmels Kinder mit Menschenfrauen zeugten.11 Erstaunlich.

Ein Frevel in Gottes Augen, keine Frage! Aber der junge Noah sei dennoch der Auserwählte, der die kommende Flut überlebten werde. Auch im Islam wird Noah (dort Nûh) als ein »Gesandter« (rasûl), ein Auserwählter und sogar als »zweiter Adam« angesehen, der von Gott mit besonderen Aufgaben betreut wurde.12

Henoch, und das ist nebenher sicher interessant, erzählte auch, dass die Sünde durch die Flut vertilgt werden solle. Aber »danach wird die Gottlosigkeit noch weit größer werden als die, die zuerst auf Erden begonnen ward«. Folgerichtig war die Flut völlig überflüssig, denn sie bewirkte schlichtweg nichts …

Noah – das lässt sich zweifelsfrei aus diesen Versen entnehmen – war ein Mensch mit ganz außergewöhnlichen Eigenschaften, die ihn nicht als richtigen Menschen erscheinen ließen. Er soll den himmlischen Engeln (Söhnen Gottes) geglichen haben. Dennoch wies Henoch seinen Sohn an, Lamech auszurichten, Noah sei »wirklich sein Sohn«. Wie konnten aber Lamech und seine Frau ein derart sonderbares Kind bekommen? Eine Erklärung ist ähnlich gelagert wie bei der Zeugung von Adams und Evas Sohn Seth (= der »Eingesetzte«), bei der Eva fremder Samen eingesetzt wurde, was als künstliche Befruchtung interpretiert werden könnte.13

Wie im Schulunterricht den staunenden Kindern gern erzählt wird und wie es bibelkonforme Bücher herrlich-naiv illustrieren, war Noah einst ein friedliebender und gerechter Mann. In den unterschiedlichen Bibel-Übersetzungen wird er als »gerechter und ordentlicher Mann«, als »untadelig« oder Mann mit »ordentlicher Lebensweise« beschrieben und gelobt. Noah allein sollte mit seiner Verwandtschaft die angeblich von Gott zur Bestrafung aller Menschen und der rebellierenden Wächter herbeigeführte katastrophale Flut überleben. Aber es ist schon seltsam, dass der »gütige Herr« seine Geschöpfe allesamt vernichtet haben wollte. Die Sünde, die Bosheit der Menschen, sah »Gott« als Anlass, einen jeden zu töten, außer Noah natürlich, da er mit ihm Kontakt pflegte.14 Schon hier scheinen die Überlieferung der Bibel und ihre Deutung als »Strafgericht« äußerst fraglich zu sein.

Die Genesis beschreibt den Verfall der Menschheit auf Erden kurz und knapp. Abkömmlinge aus Gottes eigenem Reich, die »Göttersöhne«, machten sich über die irdischen Frauen her, zeugten Kinder und gingen Mischehen mit ihnen ein. Die Erde wurde zum Sündenpfuhl.

Der kurze Text des Buches Genesis15, der diese Geschehnisse sehr komprimiert und meiner Meinung nach ganz und gar unverständlich überliefert, ist den Theologen schon lange ein »Dorn im Auge«. Warum? Weil das Alte Testament behauptet, »Söhne Gottes« – »benej ha’elohim«, »Söhne der Götter« im Hebräischen – seien einst vom Himmel herabgestiegen, um Sex mit Menschenfrauen zu haben und sie zu schwängern. Oder, wie der Kritiker Prof. Ken Feder in der Sendung Astronauten aus dem All, eine Spurensuche (in Deutschland mehrfach auf N24 gesendet und auch im Internet zu sehen), spöttisch sagte: »Ich nenne das die Hypothese der geilen Raumfahrer. (…) Die Erde wird zum Party-Planeten …«

In Kapitel sechs der Genesis ist diese berühmte Überlieferung der Sintflut zu finden. Generationen von Theologen, gläubigen Bibel-Lesern, Abenteurern und Archäologen ließen sich von dieser biblischen Darstellung faszinieren. Besonders bemerkenswert an dieser »göttlichen« Todesstrafe für den Menschen ist die Tatsache, dass in der Mythologie zahlreicher Völker und Kulturen von einer Flut berichtet wird – weltweit, überall. Nur die Japaner, Ägypter und einige Völker aus Afrika kennen in ihren Mythen scheinbar keine solche Sintflut.16 Und die Vermutung, dass der Herr die Mischwesen aus Menschen und Himmelssöhnen, die als »unreine«, abnorme Wesen betrachtet wurden, von der Erde vertilgen wollte, findet sich sogar in einem Mythos der Wyot-Indianer aus Kalifornien, weit entfernt vom Nahen Osten. In deren Überlieferung heißt es:

»Als die ersten Menschen geboren waren, konnten sie nicht richtig sprechen. Es war gar nicht richtig, was sie sprechen. Auch waren sie behaart. Da hörte er sie, der Alte-Mann-Droben. Er dachte: Wie kann ich sie wieder loswerden? Schließlich wusste er es. (…) Wasser würde kommen.«17

Auch bei den Wyot überlebte natürlich jemand die Katastrophe. Zwar wird gefolgert, dass Missionare hier christliches Glaubensgut eingebracht hätten, doch ist das reine Vermutung. Später werden wir diese weltweite Flut-Spurensuche detailliert aufnehmen.

Die alttestamentarische Sintflut-Überlieferung hat augenscheinlich zwei »Einleitungen« zur eigentlichen Fluterzählung. Hierbei ist die erste ganz besonders interessant für uns:

»Als die Menschen anfingen, sich auf der Erde zu vermehren, und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Göttersöhne (»bənê ha’älohîm«, L.A.F.), dass die Menschentöchter zu ihnen passten, und sie nahmen sich Frauen aus allen, die ihnen gefielen.«18

Wenn das nicht erstaunlich ist! Diese zwei (sicher unliebsamen) Verse gehören zu den umstrittensten des Alten Testaments. Wer waren diese »Göttersöhne«, »Söhne der Götter«, »Kinder der Götter« oder, wie sie im apokryphen Buch der Jubiläen19 genannt werden, »Gottes Engel«? Konnten wirklich zu »Gottes Zeiten« auf der Erde Wesen aus dem Himmel Kinder mit Menschen zeugen? Glauben wir der biblischen Überlieferung, dann war es so. »Tatsächlich wird benej ha’elohim«, schreiben etwa die Bibelforscher John F. Walvoord und Roy B. Zuck, »im Ugaritischen für die Mitglieder des Pantheons ebenso wie für die großen Könige der Erde gebraucht.«20 Professor Zuck und Professor Walvood wagen sogar die Vermutung, dass in dieser Vielweiberei der Himmlischen auf der Erde vielleicht der »Ursprung des Harems« liegen könnte.

Der Höchste jedenfalls sah diese Entwicklung mit äußersten Missfallen, so dass er eine harte Strafe aussprach. Aber zuerst war nicht eine Sintflut, sondern etwas anderes geplant:

»Da sprach der Herr: Ich lasse meinen Lebensgeist nur eine Zeitlang im Menschen wohnen, denn der Mensch ist schwach und anfällig für das Böse. Ich begrenze seine Lebenszeit auf 120 Jahre.«21

Der biblische »Herr« verkürzte die Lebensspanne des Menschen auf 120 Jahre, da seine Geschöpfe sündig geworden waren. Konnte »Gott« diese unliebsame Entwicklung nicht früher erkennen und entsprechend handeln? War er nicht allwissend und zeitlos, so dass er eigentlich schon bei der Erschaffung Adams diese Möglichkeit vorhergesehen haben sollte?

Die Patriarchen vor der Flut erreichten, jeder kann es nachlesen, ein Alter von fast 1.000 Jahren (Adam zum Beispiel wurde 930), aber selbst noch nach dem Urteil des »Herrn« lebten einige Menschen beachtlich lange. Noah, der vor der Flut geboren wurde, brachte es auf 950 Jahre, und die Auflistung der »Patriarchen nach der Sintflut«22 erwähnt noch immer biblische Alter. Der Vater Abrams (Abrahams), Terach, der letzte der nachsintflutlichen Patriarchenfolge, wurde zum Beispiel 205 Jahre alt – älter als laut Bibel die Menschen nach der Flut überhaupt werden sollten.23 Das Alter Noahs wird im Koran allerdings anders angegeben, denn dort wird überliefert, er sei 950 Jahre alt gewesen, als die Flut hereinbrach.24

Dennoch: Gott wollte die Menschen für ihre verderbliche Lebensweise bestrafen. Er setzte die maximale Lebensdauer auf 120 Jahre an, und auch wenn nachfolgende Patriarchen sein Wort missachteten und um einiges länger lebten, sind die hohen Alter der vorsintflutlichen Stammväter nie wieder erreicht worden. Selbst die mythischen Herrscher der Sumerer aus Mesopotamien lebten kürzer nach der Flut, »als das Königtum vom Himmel herabgekommen« war, wie es überliefert ist.25

Interessanterweise fährt der Bericht der Bibel damit fort, dass die Kinder der »Göttersöhne«, die von irdischen Weibern geboren wurden, ganz »besondere« Kreaturen waren:

»Die Nephilim lebten damals auf Erden und auch später noch, als die Göttersöhne mit den Menschentöchtern verkehrten und diese ihnen Kinder gebaren. Jene Helden der Vorzeit, die berühmten.«26

Wieder wird klar benannt, dass himmlische Wesen auf der Erde weilten und Sex mit Menschen hatten. Die Kinder waren die »Helden«, »Tyrannen« (bei Martin Luther) oder »Riesen« der Vorzeit, wie es in den unterschiedlichen Bibel-Übersetzungen heißt. In der Luther-Übersetzung von 1521 bis 1534 steht deutlich: »… wurden daraus Gewaltige in der Welt und berühmte Leute«. Die Luther-Revision von 1984 schreibt hier indes ebenfalls von Riesen, die die »Helden der Vorzeit« wurden.

Diese Stelle in der Bibel ist sehr geheimnisvoll. Und doch ist sie der wichtigste biblische Hinweis auf die Rebellion der Astronautengötter im Reich Gottes. Das sonderbare Wort Nephilim (oder auch Nefilim) ist kaum oder nur sehr schwer zu deuten. In einer mir vorliegenden Bibel27 waren es die Übersetzer oder Herausgeber sogar leid, sich damit auseinanderzusetzen. Sie ließen das hebräische Wort Nephilim einfach stehen und den aufmerksamen Bibel-Leser damit völlig im Unklaren.

Überlieferungen über himmlische und körperliche »Liebe« werden in der modernen Theologie gern übergangen – dies zeigt auch das umfangreiche Standardwerk Handbuch der Bibelkunde.28 Darin ist nichts von solchen vorsintflutlichen Geschehnissen zu erfahren, und die entsprechenden Abschnitte der Genesis werden gar nicht erwähnt. Und die über 80 Jahre alte Herder-Laien-Bibel29 als letztes Beispiel lässt diese Verse einfach komplett aus und beginnt erst mit Vers fünf.

Lediglich in der Bibelwissenschaft findet sich eine Vielzahl von Arbeiten, Interpretationen und Analysen zu diesen Versen und ähnlichen Überlieferungen. Aber sie dürften dem frommen Bibel-Leser von nebenan wohl kaum bekannt sein.30

Im 4. Buch Moses kommen die Nephilim ein zweites Mal vor. Dort wird berichtet, dass Moses’ Kundschafter im Lande Kanaan solche Riesen sahen.31 Ansonsten spielen sie nur noch in den Texten Henochs und dem Buch der Jubiläen (ab ca. 135 vor Christus) eine Rolle. In ihnen taucht auch die Bezeichnung der Himmelswesen als »Wächter« (»Egregoroi«) auf. Dabei ist es interessant, dass die Schriften von Qumran am Toten Meer beweisen, dass das Buch der Jubiläen den Schreibern dieser Texte vor rund 2.000 Jahren von großer Bedeutung war. Wir kommen auf diese erstaunliche Schriftquelle noch zurück.

Der Begriff Nephilim leitet sich etymologisch angeblich aus dem Semitischen »NFL« ab und kann als »Hinabgeworfene« übersetzt werden. Auch eine Ableitung von dem hebräischen Wort »Nephal« (»fallen«) wird immer wieder angeführt, wobei Nephilim demzufolge auch als »die Gefallenen« übersetzt werden kann. Diese fraglos reizvoll erscheinende Herleitung von Nephal in der Bibel-Forschung gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich. In seiner jeweiligen Aussage ist dies praktisch identisch, und natürlich wird Nephilim bis heute auch einfach als »Riese« übersetzt.32 Selbst in der Septuaginta, der ältesten vollständigen Übersetzung der jüdischen Heiligen Schriften ins Griechische (ab etwa 250 vor bis 100 nach Christus) heißt es an dieser Stelle schlicht »Riesen«.

Im theologischen Standardwerk Jerusalemer Bibellexikon findet sich eine weitere interessante Erläuterung des Wortstammes. Demnach könnte sich das Wort von »nephel« herleiten, was »Missgeburt« oder »Fehlgeburt« bedeutet.33 Mit Blick auf die Tatsache, dass die Bibel die Nephilim als Abkömmlinge von Menschenfrauen und himmlischen, außerirdischen und fremden Wächtern oder Engeln bezeichnet, ist diese Interpretation äußerst interessant.

Allerdings schreibt die Theologin Dr. Claudia Losekam von der Ruhr-Universität in Bochum dazu 2010 in ihrer umfangreichen Analyse Die Sünde der Engel, die Engelfalltradition in frühjüdischen und gnostischen Texten:

»Die Nephilim sind nach dem Midrasch nicht identisch mit den Fehlgeburten, sondern die Verursacher derselben.«34

Das »Nephilim-Problem« behandelte schon 1857 Professor Dr. Johann Heinrich Kurtz in seiner Untersuchung Die Ehen der Söhne Gottes mit den Töchtern der Menschen. Bereits damals wurde über diese Zusammenhänge hitzig und leidenschaftlich gefochten. So rätselte Kurtz – um nur ein Beispiel zu nenenn – auch darüber, ob es sich bei den Nefilim um »Söhne Gottes« oder »Satans Engel« handelte.35

Es wird aber noch interessanter: Der sehr umstrittene Autor Zecharia Sitchin (USA) setzte die Nephilim mit den Anunnaki-Göttern des babylonisch-assyrischen Kulturraums gleich. Anunnaki heißt (nach Sitchin) »Die vom Himmel auf die Erde kamen«. Es handelt sich um eine Art Götterrat im Himmel, dem der oberste (sumerische) Gott An in seiner Funktion als Gott des Himmels vorsteht. Seine Gemahlin war ursprünglich die sumerische Erdgöttin Urasch (= »Erde«), die in altbabylonischer Zeit in der Göttin Ki aufging. An ist auch das sumerische Wort für »Himmel«; er war der Gott der legendären Stadt Uruk (Erech in der Bibel) im Süden des heutigen Irak, eines sehr bedeutenden Zentrums der Sumerer, das bereits im vierten Jahrtausend vor Christus existierte. Legendär ist der mythische König Gilgamesch von Uruk, ein berühmter Herrscher, der eine Mischung aus Gott und Mensch gewesen sein soll und nach der Königsliste der Sumerer von 2652 bis 2602 vor Christus herrschte.36 In der Keilschrift dieses Kulturraumes war sein Symbol ein Stern mit acht Zacken, und ein Teil des Himmelsäquators wird als sein Weg durchs All bezeichnet. Er war also ein Gott in den Sternen – so nachzulesen in der babylonischen astronomischen Sammlung Enuma Anu Enlil (ab etwa 1670 vor Christus), die in Babylon ausgegraben wurde. Diese Sammlung umfasst 7.000 Texte und fand sogar bis nach Indien Verbreitung.37

Die Göttersammlung der Anunnaki ist inzwischen aus den Grenzwissenschaften nicht mehr wegzudenken.38 Und diese Götterwesen werden auch im vielzitierten und ebenso oft interpretierten Gilgamesch-Epos39 genannt, einem Epos, das zu den ältesten Mythen der Menschheit zählt und aus dem babylonischen Raum stammt (bis ins 24. Jahrhundert vor Christus). Die Sintflut der Bibel ist diesem Text entnommen, weshalb er später für uns noch von Interesse sein wird.

Der Autor Werner Papke, der das Epos astronomisch deutet, hält fest:

»Die Anunnaki-Götter, deren Zahl öfter mit 600 angegeben wird, sind Geistwesen, die zwischen Himmel und Erde (und Unterwelt) pendeln, im Unterschied zu den 300 Igigi-Göttern, den höheren Geistwesen, die sich ständig im Himmel aufhalten.«40

Interessant ist hierbei, dass im Epos des Gilgamesch die sumerisch-akkadischen Igigi-Götter und die Anunnaki in Streit geraten. Die Igigi bleiben im Himmel, die Anunnaki kommen auf die Erde. Das erinnert stark an die spätere Mythologie des Nahen Ostens über die »gefallenen Engel«, von denen ebenfalls welche im Himmel blieben und andere auf die Erde kamen – und Henoch wurde, wie wir noch sehen werden, zum Vermittler …

Auch im weltberühmten Schöpfungsepos Enûma elîsch41 (ca. 8. Jahrhundert vor Christus) der Babylonier aus Mesopotamien lesen wir auf der VI. Tafel:

»Marduk, der König der Götter, teilte darauf die Götter: Eine Schar oben, die andere unten. 300 oben als Wächter des Himmels, Hüter von Anus Befehl, fünf mal sechzig unten als Wächter der Erde: 600 Götter zwischen Himmel und Erde.«42

Im Enûma elîsch liegt noch eine weitere Parallele zu den vom Himmel gekommenen »Göttersöhnen« und den Anunnaki verborgen. Die VI. Tafel bemerkt nach den oben wiedergegebenen Aussagen unmissverständlich, dass die Anunnaki die »einst Gefallenen« sind. Ein Vergleich der Anunnaki mit den biblischen Söhnen der Götter oder Gottessöhnen oder gar ihre Gleichsetzung liegt demnach durchaus nahe.

Allerdings ist der in der Grenzwissenschaft so beliebte Begriff »Anunnaki« nicht sumerisch, wie es seit Zecharia Sitchin immer heißt. Damit bezeichneten die späteren Völker des Zweistromlandes eine Schar fremder, namenloser Götter auf der Erde. Die Sumerer kannten den Begriff »Anunna«, der fraglos sehr stark an »Anunna-ki« anklingt, und er bezeichnete Götter im Himmel, die eine Art Beraterstab der obersten Götter bildeten. Sie waren Richter, bei himmlischen Versammlungen zur Entscheidungsfindung anwesend und somit auch bei der Erschaffung des Menschen durch die Götter beteiligt. Rangmäßig unter den »Anunna« standen in der Hierarchie die Igigu-Götter. Sie leisteten für sie Frondienste und zettelten deshalb nach einiger Zeit eine Rebellion an, an dessen Ende die Erschaffung der Menschheit beschlossen wurde. Bei den Überlieferungen der Anunnaki als Götter der Unterwelt wird Ähnliches berichtet, auch hier müssen die Igigu arbeiten, nur eben für die Anunnaki.

Dass den himmlischen »Anunna« der Sumerer später die Silbe »KI« für »Erde« oder »Unterwelt« angehängt wurde, beweist zweifelsfrei, dass sie nicht direkt mit den Anunnaki identisch sind. Die »Anunna« trugen bei den Sumerern den Zusatz »Große der großen Götter«, während die Anunnaki der Akkader »Götter der Erde« oder »Götter der Unterwelt« waren und demnach eindeutig einen niederen Rang im Pantheon einnahmen. Aber es steht außer Frage, dass die sumerischen »Anunna«-Gottheiten für die Anunnaki Pate standen. Der Begriff ist an sie angelehnt, aber eben nicht gleichzusetzen. Verschmelzungen, Veränderungen und auch Übernahmen von Göttern mit ihren Funktionen waren bei den Zivilisationen im Nahen Osten üblich. Am Bekanntesten dürfte sicher die Geschichte von der großen Flut aus dem Alten Testament sein, von denen wir einige frühere und auch abweichende Versionen anderer Völker des Zweistromlandes kennen.

Datieren lässt sich die Herkunft solcher Mythologien und Zusammenhänge natürlich nicht. Die ursprüngliche Quelle ist unbekannt, ebenso unbekannt wie der Grad der Wahrheit des Kerns solcher Mythen. Interessant ist allerdings eine neue These des Archäologen Klaus Schmidt vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, Orient-Abteilung. Schmidt erlangte Weltruhm durch seine seit 1995 stattfindenden Ausgrabungen am Göbekli Tepe (»Hügel mit Nabel«) im Südosten der Türkei. In Archäologenkreisen gilt dieses Heiligtum mit einem Alter von bis zu 12.000 Jahren als ältester Tempel der Menschheit. In seinem Buch Sie bauten die ersten Tempel43 spekuliert der geachtete Archäologe, dass die Anunnaki eine Art Zusammenfassung jener unbekannten Götter sind, die vor 12.000 Jahre am Göbekli Tepe von den ersten sesshaften Menschen verehrt wurden. Beweisen lässt sich so eine Spekulation aber wohl nicht, und sei sie auch noch so schlüssig.

Es bleibt sonderbar: Wer stieg vom Himmel hernieder und nahm sich Menschentöchter nach Belieben? Waren es wirklich die leibhaftigen »Söhne Gottes« oder nur vergeistigte Engel aus seinem himmlischen Reich, wie es die Bibel behauptet? Sind es rein metaphorische Gestalten? Oder echte »Wächter«, wie sie in Mesopotamien, den Qumran-Texten und bei Henoch genannt werden?

Band 9 des katholischen Lexikon für Theologie und Kirche von Michael Buchberger erklärt den Begriff »Söhne Gottes« damit, dass »Sohn auch lediglich das einzelne Individuum einer Gattung meinen« könne, was laut Buchberger »ursprünglich einfach ›Götter‹ bedeuten« würde. Tatsächlich: Eine sehr interessante Bestätigung für diese Interpretation liegt in den biblischen Psalmen verborgen. Wir lesen:

»Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, / ihr alle seid Söhne des Höchsten.«44

Deutlich liegt hier ein Textbeweis verborgen, dass die »Söhne Gottes« auch als »Götter« angesehen wurden. Nach dem entsprechenden Verskommentar zu diesem Psalm handelt es sich bei diesen Söhnen eindeutig um die Mitglieder des himmlischen Hofstaates Gottes, also um Engel im modernen Sinne.

Erstaunlich klingt ein Kommentar der »Deutschen Bischofskonferenz« zum Buch Genesis und seinen herabgekommenen Engel. Nachdem 1996 von der NASA die mutmaßliche Entdeckung einstigen Lebens auf dem Planeten Mars anhand des Meteoriten ALH 84001 bekannt gegeben wurde, schlug diese Meldung weltweit sintflutartige Wogen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel45 veröffentlichte daraufhin den Artikel »Auch Mars-Bakterien sind Gottes Werk / Apfel vom Mars«, in dem Rudolf Hammerschmidt, der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, mitteilte, dass »die Erde (…) nicht der Mittelpunkt des Weltalls« sei. Der Autor des Beitrags im Spiegel fasste folgerichtig zusammen:

»Im 6. Kapitel des Buches Genesis, der Schöpfungsgeschichte, ist von ›Gottessöhnen‹ die Rede, ›die mit den Menschentöchtern verkehrten‹ – nach Ansicht der Bibeldeuter sind mit den Gottessöhnen Abgesandte aus einer anderen Welt gemeint.«46

Außerirdische in der Bibel? Hierzu ist kein Kommentar nötig. Auch Professor Herbert Haag, der Herausgeber eines umfangreichen Bibellexikons, stellt eindeutig fest:

»Im Alten Testament bedeutet Söhne Gottes immer die Wesen, die zum Hof oder Heer Jahwes gehören, ihm dienen und seine Boten sind.«47

Dass die katholische Kirche der Existenz von intelligenten Außerirdischen in den Tiefen des Alls nicht ablehnend gegenübersteht, wurde 2008 erneut deutlich. Vom Chefastronomen des Vatikans hieß es da in den Medien:

»Der Glaube an Gott schließt nach Einschätzung des vatikanischen Chefastronomen Pater José Gabriel Funes nicht aus, auch an die Existenz außerirdischer Wesen zu glauben. Auch wer davon ausgehe, dass es andere Welten und Lebewesen, auch höher entwickelte als den Menschen gebe, könne dies tun, ohne damit den Glauben an die Schöpfung und die Erlösung infrage zu stellen.«48

Im Hebräischen heißt der Schlüsselbegriff »b’nei da elohim«, schlicht übersetzt: »Göttersöhne«. Elohim ist eine Pluralform von El, »Gott«. Es sind eindeutig nicht Söhne oder Kinder von Menschen gemeint. Auf Hebräisch bezeichnet man diese als »b’nei adam« (»Söhne Adams«) und »b’enoth adam« (»Töchter Adams«), wie man etwa beim Stammbaum Jesu im Lukas-Evangelium lesen kann. Adam ist in biblischen Schriften außerdem eine einfache Bezeichnung für den Mensch an sich.

Das bedeutet, dass die himmlischen Wesen aus dem Buch Genesis die »Engel« Gottes waren, die bei oder nach einer Rebellion im Himmelreich auf die Erde kamen. In der Tat lehrt die christliche Theologie eine Art »Revolte« – eine Rebellion der Engel – im Reich Gottes. Diverse Engel sollen einst durch den Herrn von dort verbannt worden sein. Der Anführer der »gefallenen Engel«, der es wagte, sich im glückseligen Reich gegen seinen Meister aufzulehnen, war (nach christlicher Tradition!) der Engel Luzifer. Er wird heute von der Kirche als Teufel, Satan oder gern auch als Beelzebub bezeichnet – nach üblicher Vorstellung ein rotes Wesen mit Hörnern, einem Schwanz und Tierbeinen das Symbol für das Böse schlechthin … Das ist ein verfälschtes Bild, aber bei all den Geschehnissen, die hier analysiert werden, derart wichtig, dass in Kapitel I.7 noch genauer auf den Satan eingegangen werden wird.

Bei einer »himmlischen Ratsversammlung«, die im Buch Hiob und auch anderswo beschrieben wird, taucht Satan selbst als Mitglied des Hofstaates unter den erschienenen Gottessöhnen auf:

»Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan.«49

Die hier erwähnten »Söhne« gehörten angeblich ebenfalls zu den gefallenen Engeln, »die sich – ihre himmlische Herkunft vergessend – mit den ›Töchtern der Menschen‹ verbanden«.50

Kein Zweifel:

»Bei den ›Gottessöhnen‹ handelt es sich um Himmelswesen, die dem Menschen überlegen sind; sie bilden den Hofstaat Jahwes, seinen Kronrat. Sie werden mit den Engeln gleichgesetzt.«51

Der »Fall der Engel« ist auch und vor allem in den außerbiblischen Büchern und jüdischen Sagen überliefert worden. Der Prophet Henoch, der bekanntlich enge Beziehungen zu »Gott« und seiner Engelschar unterhielt, hat die meisten Informationen darüber aufgeschrieben – detaillierte Angaben über die Herabkunft und Absichten der außerirdischen »Himmelssöhne« und »Wächter«. Auch Bibelkommentatoren plagen sich bekanntlich mühselig ab, die entsprechenden Verse in der Genesis52 zu kommentieren. Jedoch haben die meisten Bibelexegeten und Theologen eines gemeinsam: Sie gestehen ein, dass die Überlieferung der Engelbeziehungen starke, teilweise unverständliche Kürzungen aufweisen und auf steinaltes Sagengut zurückzuführen sind. Das erklärt auch, warum diese Überlieferung scheinbar zusammenhangslos und »sinnlos« im laufenden Bibeltext steht.

Überdies soll durch die Aufnahme dieser unheiligen Berichte in das Alte Testament der Sittenverfall des Menschen verdeutlicht und unterstrichen werden, der letzten Endes angeblich Grund für die Sintflut war. Oder, »dass sich der Mensch vom göttlichen Leben mehr und mehr entfernt hat«.53 Eine symbolhafte Erzählung demnach.

Das nichtbiblische äthiopische Buch Henoch enthält sehr interessante Aussagen über den Fall der Engel oder den Abstieg der »Söhne Gottes« zwecks Vermischung mit den Menschen. Bei der ebenfalls außerbiblischen slawischen Henoch-Schrift ist es nicht anders. Und als »Wächter« werden die Engel Gottes nicht nur in den Schriften des Propheten Henochs bezeichnet, sondern auch – im Alten Testament selbst:

»Während ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah, stieg ein Wächter, ein Heiliger, vom Himmel herab.«54

Der Prophet Henoch wird später noch ausführlich zu Wort kommen, um wertvolle Ergänzungen zu liefern und den Text der Genesis erheblich aufzuhellen. Allerdings zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab, dass Anunnaki-Götter, Wächter des Himmels und »Göttersöhne« beziehungsweise »Söhne Gottes« identisch gewesen sein dürften – Wesen, die vom Himmel kamen, nachdem sie dort eine Revolte angezettelt hatten. Davon spricht auch das alte Sagengut der Menschheit. Und inzwischen gehören die Nephilim, selbst wenn sie in der Bibel nur selten vorkommen, sogar zum Repertoire der modernen Popkultur: In dem Kinofilm Gefallene Engel, der es immerhin auf zwei Fortsetzungen brachte (2006–2008), firmieren sie ausdrücklich als Mischwesen aus Mensch und Engel.

Doch folgen wir vorerst weiter den biblischen Spuren …

TEIL I

2

Himmel, hilf!

Der Sittenverfall, die Lossagung des Menschen von Gott, die Revolte und der Herabstieg der Gottessöhne konnte natürlich nicht ungesühnt bleiben. Schlechte Menschenwesen, Kinder von Menschen und Gottessöhnen lebte auf der Erde und machten den Planeten zu einem einzigen »Sündenbabel«. Hier fängt die Geschichte des Flut-Helden Noah an, des letzten der vorsintflutlichen Patriarchen und dem Mann der Tat bei der »göttlichen« Vernichtungsflut.

Die zweite Einleitung zum Sintflutbericht beginnt damit, dass Gott es bereute, dass er einst den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hatte. Seine mit »Liebe« und »Güte« geformten Geschöpfe sind schlecht und boshaft geworden:

»… da reute es den Herrn, dass er die Menschen auf Erden geschaffen hatte, und er grämte sich in seinem Herzen.«55

Schon erstaunlich, dass es dem biblischen »Gott« reute, jemals den Menschen geformt zu haben – er sah ein, dass es ein Fehler gewesen war. Niemand ist bekanntlich perfekt; auch nicht jene im vermeintlichen Himmelreich.

Doch eine Lösung war schnell gefunden: Alle Menschen mussten sterben. Gott verschonte nicht etwa die Guten, die es mit Sicherheit neben Noah auch gab. Er ist radikal: Alle sollen umkommen, ohne Ausnahme:

»Und Gott sprach: Ich will die Menschen, die ich auf Erden geschaffen habe, vom Erdboden hinweg vertilgen, die Menschen samt den Vieh, dem Gewürm und den Vögeln des Himmels. Denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.«56

Ein Massenmord kündigt sich also an. Selbst die Tiere, die für die schlechte Menschheit wohl doch sicherlich nichts konnten, wurden nicht verschont.

Wie aber kann der laut der Bibel vermeintlich »gütige Gott« eine derart barbarische Entscheidung treffen? Wieso diese Selektion, da nur Noah »in den Augen Gottes Gnade gefunden«57 hatte?

Im weiteren Verlauf dieser Erzählung wird immer wieder betont, wie schlecht und verdorben die Erde wegen der Menschen doch gewesen sei. Dann aber wendete sich Gott direkt an seinen auserwählten Schützling Noah und unterrichtete ihn über seinen Plan, die Menschheit zu vernichten:

»Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen; denn die Erde ist voller Gewalttat wegen der Menschen. So will ich sie denn von der Erde vernichten.«58

Nachdem der auserwählte Noah in die Pläne der himmlischen Wesen eingeweiht wurde, erteilte ihm der Herr den Auftrag, ein Schiff zu bauen, um Tiere und einige Menschen zu retten. Die genauen Bauanweisungen der Arche Noah finden sich in der Bibel und sollen hier nicht umfangreich zitiert werden.59 Die Maße des Riesenschiffes wurden von Gott selbst wie folgt festgelegt: 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen in der Höhe. Es ist heute äußerst schwierig, die genannten biblischen Ellenangaben in heute geläufige Meter und Zentimeter umzurechnen. Eine Elle misst die Länge zwischen der Spitze des Ellenbogens und der Mittelfingerkuppel, beträgt also etwa 45 bis 46 Zentimeter. Die sogenannte Königselle entspricht sogar 52,5 Zentimetern. Folglich könnte die Arche zwischen 137 Metern und rund 157 Metern lang gewesen sein. Ihre Breite betrug runde 25 Meter und die Höhe etwa sechs Meter. Alle genannten Angaben sind sehr zweifelhaft, aber wir können uns so eine ungefähre Vorstellung von den Proportionen der in der Bibel geschilderten Arche machen.

Demnach war das biblische Schiff fraglos gigantisch und überstieg bei weitem die im alten Mesopotamien gebräuchlichen Boote. Innen und außen, so wurde es Noah aufgetragen, solle er die Arche mit Pech bestreichen. Eine logische und heute noch alltägliche Methode, um ein Boot abzudichten. Vor allem auch in Mesopotamien (Irak), denn dort trat und tritt Rohöl in Pfützen an die Oberfläche und kann so abgeschöpft werden. Gott hatte mit dieser Arche natürlich einen besonderen Plan, denn sie sollte die Menschheit vor dem von ihn gewünschten Untergang bewahren. Und selbst die Tiere, die er ebenfalls töten wollte, sollten jetzt in der Arche Rettung finden …

Es ist verwirrend: Erst machte »Gott« seine Absichten, dass er Mensch und Tier »von der Erde vertilgen« will, überdeutlich, dann aber sollen sie in der Arche Noah doch noch überleben, um die Erde neu zu bevölkern. Quasi ein zweiter Versuch des »Projektes Mensch«. Was mag Gott dazu bewogen haben, diese Flut kommen zu lassen? Der Prä-Astronautik-Forscher und Theologe Walter-Jörg Langbein bezeichnet die Sintflut »Stufe II der Labortests« (von Außerirdischen).60 Schlechte Menschen, wenn man so will »Fehlprodukte« der Astronautengötter, wurden ausgelöscht und der Held Noah begründete eine neue (aber dennoch nicht besser) Welt 2.0.

Doch dabei weiß heute niemand, ob die oder eine Flut jemals stattgefunden hat. Trotz, wie sich noch zeigen wird, deutlicher Indizien. Aber Gott war zum Handeln gezwungen.

TEIL I

3

Die Arche Noah

Die Arche wurde zu einem ganz bestimmten Zweck konstruiert. Nämlich als Rettungsboot allen irdischen Lebens, eingeschlossen der Menschheit. Die Geschichte der »Sündenflut« ist eine der beliebtesten der Genesis oder des Alten Testamentes schlechthin. Es mutet dabei immer wieder sehr verlockend an, diese »Sintflut« als »Sünd«- oder »Sündenflut« zu interpretieren.61 Selbst manche deutschsprachigen Koran-Ausgaben übersetzen das Wort mit »Sündflut«, da Allah sie nach dem heiligen Buch des Islam aufgrund sündiger Götzenanbetung schickte. Trotzdem hat sie mit Sünde oder besser dem biblischen Namen eigentlich nur wenig zu tun. Nur in der deutschsprachigen Bibel findet sich diese Bezeichnung. Englische Übersetzungen zum Beispiel nennen sie schlicht »the flood« – »Die Flut«. Die Vorsilbe »Sint« hat nichts Sünde zu tun – sie stammt aus dem Althochdeutschen (»sinvluot«/»sintvluot«) und heißt einfach »weite« oder »große Flut«.62 Abgeleitet ist das Kernwort (image) von der hebräischen und kanaanitischen Wurzel für »fließen« oder »strömen«.

So weiß denn beispielsweise auch die »Deutsche Bibelgesellschaft« in Stuttgart:

»Herausgehört wird bisweilen das Wort Sünde: ›Sündflut‹. Diese Tendenz setzte im 15. Jh. n. Chr. ein (z.B. ›sunden vlute‹) und stellte eine sog. volksetymologische Umdeutung dar. So wurde bei der biblischen Flut zuerst an das Anschwellen der Sünde oder an eine Strafe für Sünden gedacht. Im Zuge sprachwissenschaftlicher Erkenntnisse des 19. Jh. setzte sich wieder die Form ›Sintflut‹ durch.«63

Der Name des Rettungsschiffes Arche stammt vom Lateinischen »arca« und bedeutet schlicht »Kasten« (wie die Bundeslade aus dem Buch Exodus). Ihre hebräische Bezeichnung lautet »tēbāh« (= image), was ebenfalls »Kasten« bedeutet. Das ist mit Blick auf das Gilgamesch-Epos und die dortige Arche sehr spannend. Auf der XI. Tafel, der Quelle des biblischen Arche-Berichtes, ist ab Vers 57 davon die Rede, dass die Arche die Form eines Würfels von etwa 60 x 60 x 60 Metern hatte, sieben Etagen (inklusive Deck) hoch war, und insgesamt 63 Kammern zu je 20 x 20 Quadratmetern hatte64. Das ergibt ein riesiges Volumen von 216.000 Kubikmetern und ein vollkommen anderes Bild als das, welches fromme Künstler seit Jahrhunderten von ihr zeichnen. Auch Vers 30 besagt auf Tafel XI. im Epos, »gleichgemessen seien ihm Breite und Länge«.65

Als die Sintflut über die Welt hereinbrach, hatte dieser Kasten allerlei Getier an Bord, da Gott höchstpersönlich Noah den Auftrag gegeben hatte, die Tiere in sein Schiff zu treiben:

»Von allen lebenden Wesen, von allem Fleisch, sollst du zwei von allen in die Arche aufnehmen, damit sie mit dir am Leben bleiben, ein Männchen und ein Weibchen soll es sein. Von jeder Art der Vögel, von jeder Art des Viehs und von jeder Art des Gewürms am Boden sollen je zwei von allem mit dir hineingehen, damit sie am Leben bleiben.«66

Eine sehr bemerkenswerte Leistung, die das Buch Genesis hier behauptet. Noahs Familie und alle Tiere der Welt sollten in der Arche Schutz und Rettung finden? Jeder kennt sicherlich die niedlich-kitschigen Bilder, die den Einzug der Tiere in Noahs Arche veranschaulichen sollen. Eine schier endlose Schlange von Tierpaaren steht brav am Eingang der Arche und wartet darauf, von einem langbärtigen Noah eingelassen zu werden. Dass die Beschreibung des alttestamentarischen Sintflutberichtes so nicht stimmt und nicht stimmen kann, erschließt sich sofort. Allein die bei aller Größe doch zu kleinen Maße der (Holz-)Arche Noah lassen ein derartiges Projekt wohl kaum zu. Auch wird Noah wohl kaum mit seiner Familie auf die Jagd gegangen sein, um die benötigten Tiere zu fangen und das Gewürm zu sammeln.

Später heißt es im Buch Genesis erhellend aber:

»Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben, Männchen und Weibchen, und von den unreinen Tieren zwei, Männchen und Weibchen auch von den Vögeln je sieben, Männchen und Weibchen, damit Nachwuchs auf der ganzen Erde am Leben bleibt.«67