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Pari Laskaridis

Mantras

Worte aus der Quelle der Kraft und Heilung

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Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau
Telefon: + 49 (o) 61 81 – 18 93 92
Kontakt: Info@AmraVerlag.de

Herausgeber & Lektor | Michael Nagula
Redaktionelle Bearbeitung | Dirk Grosser
Covermotiv Shiva | Vimal Gabrielsen
Covergestaltung | FranklDesign
Typografie & Satz | Iga Bielejec

ISBN eBook 978-3-95447-084-6
ISBN PDF-eBook 978-3-95447-137-9
ISBN Printausgabe 978-3-95447-042-6 (mit CD)

Alle Rechte der Verbreitung vorbehalten, auch durch Funk,
Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische
oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks.

Einleitung

Ursprung und Formen

Klang als Ursache und Wirkung

Wirkung und Praxis der Mantras

Intention, Bewusstsein und Wort

Praxis der Mantras

Heilen mit Mantras

Die Mantras

Wie finde ich mein Mantra?

Christliche Mantras

Mantras und Gebete im Judentum und Islam

Mantras im Kundalini Yoga und Sikhismus

Buddhistische Mantras

Hinduistische Mantras

Schlusswort

Danksagung

Über den Autor

Diskografie

Bildrechte

Einleitung

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Das Singen von Mantras ist ein Jahrtausende alter Weg der Selbstfindung durch die Kraft des Wortes und des Klangs, der in unserer Zeit immer bekannter und populärer wird. Vielerorts sind Mantra-Konzerte keine Seltenheit mehr, und in fast jeder größeren Stadt gibt es bereits mindestens einen Mantra-Sing-Kreis.

Vor nur wenigen Jahren war dies noch ganz anders. Das Singen von Mantras wurde vom gesellschaftlichen Mainstream lange Zeit eher als seltsame esoterische Praxis beäugt oder mit vermeintlichen Sektenstrukturen in Verbindung gebracht.

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Im Grunde genommen kann man Mantras als einen speziellen Aspekt des indischen Yogas ansehen, bei dem es sich um eine umfangreiche Technik mit dem Ziel der Rückverbindung handelt – Rückverbindung mit unserer wahren Natur, mit uns selbst und dadurch auch mit der uns innewohnenden göttlichen Realität.

Periodisch wiederkehrend gab es für uns Menschen im Laufe unserer Geschichte immer wieder solche Phasen, in denen wir mal mehr, mal weniger dringlich der Frage nach unserer wahren Identität nachgingen. Es lässt sich leicht zurückverfolgen, wie zu bestimmten Zeiten plötzlich ein größeres Interesse an spirituellen, religiösen, philosophischen oder auch wissenschaftlichen Inhalten auftauchte.

Latent war und ist dieses Interesse immer vorhanden, aber es bedarf einer bestimmten Zutat, etwas, was »in der Luft liegt«, damit es immer mehr Menschen erreicht. Nun scheint wieder etwas »in der Luft zu liegen«, und meine eigene Beobachtung und Erfahrung mit den oben genannten Inhalten zeigt mir, dass wir uns am Anfang eines immer intensiver werdenden neuen Interesses befinden – eines Interesses für eine neue, ganzheitliche Sichtweise unserer wahren Herkunft und Identität, authentisch erfahr- und lebbar und in Harmonie mit dem Leben, innen wie außen.

Auch sind Information und Wissen im neuen globalen digitalen Dorf, in dem wir leben, kein schwer erreichbarer Luxus mehr. Die Suchmaschinen des Internets spucken zu jedem Thema »alles« aus, selbst zu Mantras. Die Quantität des zur Verfügung stehenden Wissens nimmt täglich zu und steht genau im gegenteiligen Verhältnis zur benötigten Zeit, um all diese Aussagen überhaupt lesen oder gar begreifen zu können.

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Im vorliegenden Buch habe ich mich einerseits darum bemüht, wichtige Informationen über das Wesen der Mantras, über deren Herkunft und Wirkungsweise zusammenzustellen, andererseits aber auch zum Ausprobieren und Praktizieren zu ermutigen, um eigene Erfahrungen zu machen und somit das Thema wirklich zu verstehen.

Doch hierzu sollten wir uns zunächst eines fragen: Was macht eigentlich ein gewöhnliches Wort zu einem Mantra?

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Kürzlich war in einer Talkshow im Fernsehen vom »politischen Mantra« bestimmter Gruppierungen die Rede. In vielen »ganz normalen« – also nicht spirituellen oder esoterischen – Zeitschriften scheint es auch schon zum allgemeinen Sprachgebrauch zu gehören. Der Begriff »Mantra« ist offenbar kein Fremdwort mehr. Das Mantra ist in unserer westlichen Gesellschaft angekommen, wenn hier auch meist – besonders beim »politischen Mantra« – die bloße Wiederholung einer bestimmten Phrase gemeint ist, was dem Geist des eigentlichen Mantras natürlich in keiner Weise entspricht.

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Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Wissenschaft der Mantras – denn darum handelt es sich hierbei – in den Strom der neuen Zeit hineinzupassen scheint. Es gibt die »Neue Medizin«, und Yoga, Ayurveda und Meditation boomen in West und – ja, auch Ost! Und fast jeder hat zumindest schon davon gehört, dass er selbst etwas zu seiner Gesundung und Gesundheit beitragen kann und dass dies nicht nur die Aufgabe einer professionellen Medizinerkaste ist.

Der Strom der neuen Zeit betont unsere Eigenverantwortung, wenn es um Krankheit und Gesundheit oder Freude und Leid geht. Zu lange haben wir damit verbracht, anderen Menschen die Verantwortung dafür zu überlassen. Und Mantras können ebenfalls ein eigener Beitrag zur Gesundheit sein – Gesundheit auf allen Ebenen: körperlich, emotional, geistig und auch spirituell.

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Selbst wenn die meisten Menschen unter Mantras das ständige Wiederholen bestimmter Wörter oder eines Credos verstehen. Nach dem Motto: »Wiederhole es so oft, bis du es eines Tages selbst glaubst!« Darin erschöpft sich die Bedeutung von Mantras nicht. Wiederholung ist sicherlich ein Teil davon, doch beschreibt das nicht annähernd die wahren Zusammenhänge.

Bei Mantras handelt es sich um ganz spezielle Wörter und Silben, die körperliche, emotionale und seelische Reaktionen auslösen können.

Und das ist der Grund, weshalb Mantras seit Jahrtausenden eingesetzt werden: Sie entfalten eine Wirkung! Es ist weder Magie noch Scharlatanerie am Werk, sondern effiziente angewandte Mystik, deren Wirkungsweise jeder an sich selbst erfahren kann. Wir werden noch sehen, dass jede mantrische Silbe sogar eine energetisch unterschiedliche Wirkungsweise besitzt.

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Die Mantra-Rezitation ist eine uralte Praxis, eingebettet im Zusammenhang zwischen den großen und ewigen Fragen der Menschheit nach unserer wahren Herkunft, nach dem Sinn unserer Existenz und der Sehnsucht nach Seelenfrieden und wahrem Glück.

Mantras tragen eine energetische Urkraft zur Transformation und Erweiterung unseres Bewusstseins in sich. Sie sind Meisterschlüssel des Herzens und wirken in Bereichen unseres Bewusstseins und unserer inneren Erfahrungen, in denen verbale Beschreibungen und Vorstellungen versagen.

Mantras benutzen zwar Worte und zielen vordergründig auf den Verstand, aber sie sind vor allem Zugänge zur Weisheit, die tief in unseren Herzen existiert. Um sie zu erschließen, bedarf es lediglich der Offenheit und Zuwendung oder zumindest des Interesses für sich selbst. Unsere Aufmerksamkeit ist jedoch ein von der Unterhaltungsindustrie hart umkämpftes Terrain. Es herrscht ein lückenloses und flächendeckendes Bombardement, das uns Interessen und Bedürfnisse vorgaukelt, von deren Existenz wir vorher niemals etwas geahnt hätten. Es grenzt bei diesen Verhältnissen fast an ein Wunder, dass sich jemand noch für sich selbst interessiert statt für die überall angepriesenen Produkte!

Dieses Interesse ist nichts anderes als Liebe zu uns selbst: Wer bin ich, wie kann ich erfüllt und glücklich leben, was mache ich hier eigentlich?

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Für alles gibt es einen natürlichen Zeitpunkt. Und so wächst von selbst das Bedürfnis in uns heran, diese Fragen zu klären, nachdem wir ein paar Jahre sozusagen im Supermarkt des Lebens verbracht haben.

Um bei dieser Analogie zu bleiben: Irgendwann auf unserem Weg von der Fleischabteilung zu den Spielwaren, zu den Gemüseregalen und zurück, haben wir alles schon einmal gesehen. Alles scheint sich zu wiederholen. Doch von der Beobachtung dieses Sachverhalts bis zum Gefühl der Notwendigkeit, etwas zu tun, etwas zu unternehmen, braucht es meist noch eine weitere Zutat: Zeit. Die Zeit, die auch notwendig ist, bis eine Frucht reif wird. Irgendwann reift in uns die Erkenntnis heran, dass der bisherige Zustand nicht mehr aushaltbar ist, dass wir etwas ändern müssen.

Die Details dieses Reifeprozesses sind uns oft gar nicht bewusst. Manchmal erkennen wir die einzelnen Schritte erst im Nachhinein, wenn unser eigenes Verhalten bestimmte Merkmale zeigt, von denen wir dachten, sie längst erkannt und »transformiert« zu haben.

»Jetzt war ich wieder so ungeduldig und defensiv, dabei bin ich doch eigentlich schon viel geduldiger und voller Mitgefühl!«

Solche und ähnliche Sätze schwatzt unser Verstand ständig und hält uns so in einem reflektierenden Dialog endloser Selbst-Gespräche fest, die nur noch mehr ermüden. Stille und Frieden werden sich jedoch erst einstellen, wenn wir selbst in unser geistiges Haus zurückkehren, wenn unsere Achtsamkeit in unserem eigenen Bewusstsein ruht. Einzig die Unachtsamkeit ermöglichte diesen Lärm und dieses Chaos im Haus, und einzig unsere geistige Gegenwart bringt Frieden und Stille zurück.

Mantras können dabei behilflich sein, eine längst fällige Ordnung und Stille statt kurzer Feuerpausen im festgefahrenen inneren Grabenkrieg der Gedanken herbeizuführen.

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Je nach persönlichem Verlangen und individueller Bereitschaft kann das Mantra uns noch weitere Türen öffnen. Es hat die Kraft, unseren Verstand zu beruhigen und uns mit dem Frieden und der Weisheit des Herzens zu verbinden. Die Geschichten von Menschen, die durch ein Mantra zu sich selbst gefunden und damit auch die fundamentalen existenziellen Wurzeln unseres Seins – Gottesbewusstsein und Erleuchtung – erlangt haben, zeugen von der immensen Kraft des Wortes und des göttlichen Namens.

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Gemäß der indischen Anschauung gibt es kleine, große und riesengroße immer wiederkehrende Kreisläufe im Universum.

So wird das gesamte Universum in zeitliche Kreisläufe eingeteilt, die sogenannten Yugas. Wir befinden uns gerade im Kali Yuga, einem Zeitalter, das durch eine extrem materialistische und egoistische Einstellung geprägt ist.

Viele heutige Meister und Yogis behaupten, dass die meisten Menschen wie von Sinnen auf diesem Planeten wandeln – völlig abgeschnitten, erst von sich selbst, dann in direkter Folge dessen auch voneinander und schließlich vom gesamten Leben. Als eines der besten Mittel, zu einer allumfassenden Selbst-Heilung zu gelangen, empfehlen sie die Meditation und das Rezitieren oder Singen von Mantras. Dazu zählt auch der Weg des Bhakti Yoga, des Yogas der Hingabe und Liebe. Bhakti Yoga bedeutet im Kern das Praktizieren von Japa – das Rezitieren und Singen der Namen Gottes.

Im Prinzip ist der Tanz der Sufi-Derwische vom selben Herzen der Hingabe erfüllt. Hier ist es ein Tanz, dort ein Lied – in beiden Fällen ist es jedoch das gleiche Herz, das sich hingibt. Im ekstatischen Eins-Sein mit dem Tanz oder mit dem Lied-Mantra löst sich das kleine Ich ins große göttliche Sein auf.

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Meine eigene Erfahrung mit Mantras begann in den 1970er Jahren, als ich zum ersten Mal mit Kirtan in Kontakt kam, dem freudvollen Singen zur Erweiterung des Bewusstseins, und mit Bhajans, volkstümlichen hinduistischen Liedern der Hingabe.

Ich stand damals kurz vor dem Abitur, als in unserer süddeutschen Kleinstadt ein paar ältere Bekannte und Freunde gerade aus Indien zurückkamen und in ihrem Wohnzimmer regelmäßig zum Mantra-Singen einluden. Sie waren fast zwei Jahre in Indien unterwegs gewesen und hatten auch in verschiedenen Ashrams bei verschiedenen Meistern gelebt. Einer dieser Meister hieß Sathya Sai Baba; er war auch hier im Westen lange Zeit sehr populär.

Meine eigenen musikalischen Interessen lagen eher im Bereich Rock ’n’ Roll und Blues. Ich spielte damals E-Gitarre in einer typischen Band der damaligen Zeit, und wir sorgten auf vielen Schulfesten und Partys für die richtige Stimmung. Mit indischer Musik oder Japa Yoga und Mantras hatte ich noch nicht viel zu tun, obwohl ich schon ein paar Jahre regelmäßig zu Hause Yoga praktizierte und das damals gerade erschienene Album von George Harrison mit dem berühmten »Hare Krishna«–Mantra rauf und runter hörte. Dieses Mantra hatte es sogar an die Spitze der Charts gebracht und war auch in Deutschland viele Wochen lang die Nummer Eins!

Eines Abends ging ich also mit einem Freund zum Mantra-Singen. Das Singen war schon in vollem Gange, wir setzten uns dazu und fingen einfach an, mitzusingen. Wir sangen wohl ziemlich lange dasselbe Lied, als mich plötzlich, während wir »Govinda, Govinda« sangen, förmlich der »Blitz« traf. Etwas stoppte in mir, so jedenfalls fühlte es sich an, während eine große Leichtigkeit und Freude mein Herz und meinen ganzen Körper durchströmten. Etwas Derartiges hatte ich bis dahin noch nicht erlebt, und ohne diese Freude erklären zu können (je jünger man ist, desto mehr möchte man erklären …), hatte ich ein merkwürdiges Déjà-vu-Gefühl; etwas Altbekanntes und Vertrautes ließ meine Zellen vor Glück tanzen.

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Ein paar Monate später, ich hatte gerade mein Psychologiestudium begonnen, schenkte mir jemand ein Buch über einen indischen Meister aus Indien: Babaji aus Haidakhan irgendwo im nordindischen Himalaya. Im Prinzip ging es in dem Buch um die Bedeutung und Wichtigkeit des Mantras »Om Namah Shivaya«. Ich probierte das Mantra gleich aus und nahm mir vor, wie in dem Buch vorgeschlagen wurde, darüber zu meditieren und das Mantra auch laut auszusprechen und zu singen. Schon nach wenigen Tagen stellte sich jedes Mal, wenn ich dieses Mantra praktizierte, eine geheimnisvoll freudige Energie ein, die sich vom Herzen aus über den ganzen Körper ausbreitete.

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Ich fing an, mich immer mehr mit Yoga und Meditation zu beschäftigen, bis es eine tägliche Routine wurde. Ich hatte ein Altärchen in meiner Zimmerecke, wo ich früh morgens immer meditierte und mich einfach nur »hingab«. Es existierte damals relativ wenig Literatur über Mantra, Yoga und Meditation; ich ließ mich also einfach von meiner Intuition leiten, entwickelte eine Art »Pooja« (Zeremonie) und genoss die entspannende Wirkung meiner Sitzungen.

Nach einem Jahr war klar, dass ich nach Indien reisen würde, um all diesen Dingen auf den Grund zu gehen. Vor allem wollte ich herausfinden, was es mit diesem Glücksgefühl auf sich hatte, das mir so tief entspannend vorkam und ganz natürlich und selbstverständlich erschien. Ich konnte es nicht willentlich herbeiführen, alles was ich konnte war es einzuladen, es willkommen zu heißen und mich fallen zu lassen. Aber ich dachte: Da muss es doch irgendwo eine Quelle geben, und flog nach Indien.

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