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Über das Buch

Kinder stellen die besten Fragen!

Hat Gott die Bibel geschrieben?

Die Welt ist doch gar nicht in sieben Tagen entstanden – wieso erzählt die Bibel das so?

Warum durften Adam und Eva im Paradies keine Äpfel essen?

Wie konnte Jona drei Tage im Wal überleben?

Musste Jesus auch in die Schule gehen?

Und wie ist er in den Himmel hinaufgefahren?

Hier antworten siebzehn bekannte Forscherinnen und Forscher auf verzwickte Fragen rund um die Bibel: pfiffig illustriert, lebendig geschrieben, mit vielen guten Anregungen zum Weiterdenken. Eine spannende Entdeckungsreise durch die Welt der Bibel – nicht nur für neugierige Kinder.

Warum dürfen Adam und Eva keine Äpfel essen?

Kinderfragen zur Bibel 
Forscherinnen und Forscher antworten

Herausgegeben von
Albert Biesinger, Helga Kohler-Spiegel und Simone Hiller

Mit Illustrationen von Mascha Greune

KÖSEL

Quellennachweis

Die Abbildung von Michelangelos Gemälde stammt von Wikimedia Commons.

Die von Rainer Oberthür übersetzten Bibeltexte aus Psalm 22 sind entnommen aus: Die Bibel für Kinder und alle im Haus . Erzählt und erschlossen von Rainer Oberthür, München: Kösel-Verlag 92013.

Copyright © 2014 Kösel-Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlag: fuchs_design, München, unter Verwendung einer Illustration von Mascha Greune

ISBN 978-3-641-14358-9

Weitere Informationen zu diesem Buch und unserem gesamten lieferbaren Programm finden Sie unter

www.koesel.de

Inhalt

Vorwort

Petra Freudenberger-Lötz

Warum gibt es die Bibel heute noch?

Wilfried Eisele

Stimmt denn, was in der Bibel steht?

Markus Schiefer Ferrari

Können Zahlen heilig sein?

Martin Jäggle

Die Welt ist doch gar nicht in sieben Tagen entstanden!

Oliver Dyma

Warum dürfen Adam und Eva keine Äpfel essen?

Helga Kohler-Spiegel

Kann ein Mörder zum Helden werden?

Ottmar Fuchs

Klagen über Gott  darf das in der Bibel stehen?

Rainer Oberthür

Wie kann Jona drei Tage in einem Wal überleben?

Reinhold Boschki

Warum lässt Gott Hiob leiden? Er hat doch nichts Böses getan!

Adam, Rosa und Christian Cebulj

Hat es an Weihnachten in Betlehem geschneit?

Joshua und Albert Biesinger

Musste Jesus auch in die Schule gehen?

Regina Radlbeck-Ossmann

Wie konnte Jesus Dämonen austreiben?

Friedrich Schweitzer

Warum musste Jesus am Kreuz sterben?

Sabine Pemsel-Maier

Ist Jesus in eine Rakete gestiegen, um in den Himmel hinaufzufahren?

Dominik Blum

Spricht Gott mit uns, wenn wir die Bibel lesen?

Mehmetcan Akpınar und Simone Hiller

Ist der Koran die Bibel für Muslime?

Die Autorinnen und Autoren

Vorwort

Warum durften Adam und Eva im Paradies keine Äpfel essen? Oder geht es am Anfang der Bibel gar nicht um Äpfel? Hat Gott tatsächlich genau sieben Tage gebraucht, um die Welt zu erschaffen? Und wie soll denn die Himmelfahrt von Jesus ausgesehen haben? Konnte Jesus wirklich heilen? Wie konnte Jona im Walbauch überleben? Und natürlich fragen wir uns, ob das, was in der Bibel steht, eigentlich stimmt und ob es tatsächlich Gott ist, der durch die Bibel zu uns spricht.

In der Bibel erscheint vieles ungewöhnlich und so manches kommt uns rätselhaft oder unglaubwürdig vor. Die Texte können Kinder und Erwachsene tief beeindrucken, aber sie werfen auch Fragen auf. Es ist wichtig, dass Kinder diese Fragen stellen dürfen, wenn sie biblische Geschichten kennenlernen. Denn die Bibel soll für sie kein Märchenbuch werden, in dem Fantasiegeschichten stehen, die schön oder gruselig zu lesen sind, aber keine Bedeutung für uns haben.

Doch auch Erwachsenen fällt es meist schwer, Antworten auf so grundlegende Fragen zu finden. Denn die Bibel ist kein leichtes Buch. Gute Kinder- und Familienbibeln erzählen die Geschichten in verständlicher Sprache und machen es dadurch etwas einfacher. Trotzdem kommen Fragen auf, erst recht, wenn wir die Texte dann direkt in der Bibel anschauen. Überhaupt ist die Bibel nicht für alle Menschen das entscheidende religiöse Buch und nicht nur Kinder fragen sich, ob für Muslimas und Muslime der Koran so etwas wie die Bibel ist.

Deshalb haben wir auch in diesem Band wieder Expertinnen und Experten gebeten, mit ihrem Spezialwissen auf Kinderfragen zu antworten. Gerade Kinder trauen sich, grundlegende Fragen zu formulieren und so für Erwachsene Selbstverständliches infrage zu stellen. Und Kinder geben sich mit einer schnellen Antwort nicht zufrieden: Sie fragen weiter und fragen noch einmal … und sie haben ein Recht auf eine gute Begleitung und eine kompetente Antwort! Deshalb möchten wir uns in diesem Buch auch um heikle Fragen nicht herumdrücken.

Die schwierigen Fragen anzugehen ist eine besonders wichtige Aufgabe. Denn die biblischen Geschichten kann man auch so richtig falsch verstehen. Dann kommt man gar nicht an die großen Botschaften heran, die sie uns mitgeben wollen. Umso wichtiger ist es, sich auf das Spiel mit diesen Geschichten einzulassen und in ihnen die verschiedenen Bedeutungen zu entdecken.

Manchmal ist es einfach falsch, wenn man die biblischen Geschichten wortwörtlich nimmt. Oft haben sie einen viel hintergründigeren Sinn. Dann bedeuten die Zahlen in der Bibel nicht einfach nur »drei« oder «sieben«, wie man eben sonst mit ihnen rechnet. Die Zahlen weisen darauf hin, wie sich die Menschen Gott vorstellen und welche Erfahrungen sie mit Gott machen. Die sieben Tage bei der Entstehung der Welt drücken aus, dass Gott die Welt erschaffen und ihr eine Ordnung gegeben hat, in der der Mensch gut leben kann. Es geht nicht um ganz konkrete sieben Tage zu je 24 Stunden mit je 60 Minuten zu je 60 Sekunden. Die Zahl Sieben ist vielmehr die Zahl der Fülle, des Gelingens und der Freude.

Und jetzt wünschen wir dir, dass dir das Schmökern und Lesen in dem Buch Spaß macht und du selbst Lust zum Nachdenken und Weiterfragen bekommst!

Albert Biesinger

Helga Kohler-Spiegel

Simone Hiller

PS: Wenn dir beim Nach- und Weiterdenken eine Frage zur Bibel, zu Gott oder zum Glauben in den Sinn kommt, auf die du keine Antwort findest, dann kannst du uns gern schreiben! Vielleicht können wir ja gemeinsam weiter darüber nachdenken und uns fällt ein, wie man das erklären könnte. Du erreichst uns unter:

albert.biesinger@uni-tuebingen.de

helga.kohler-spiegel@ph-vorarlberg.ac.at

post@simonehiller.de

Petra Freudenberger-Lötz

Warum gibt es die Bibel heute noch?

»Warum gibt es die Bibel heute noch?« Diese Frage stellt mir der zehnjährige Paul. Und er meint dazu: »Die Bibel muss sehr sorgfältig überliefert worden sein, denn sie ist ja so alt. Aber was bedeutet sie den Menschen, die in ihr lesen? Manche Menschen lachen doch auch über die Bibel, weil sie viel zu altmodisch ist.«

Da es so verschiedene Ansichten über die Bibel gibt und ich wissen möchte, was Kinder in Pauls Alter darüber denken, kommt mir die Idee, mit einigen Kindern über Pauls Frage zu diskutieren. Denn ich erinnere mich: Als ich ein Kind war, habe ich oft mit Freunden über meine Fragen gesprochen; das hat mir immer sehr geholfen.

Und ich habe Glück: Alicia, Linnea, Hanna, Marcus, Lukas, Jannik und Kurt haben großes Interesse an einem Gespräch. Also starten wir.

Geschichten von gestern?

»Manche Menschen lachen doch auch über die Bibel, weil sie viel zu altmodisch ist.« Mit dieser Aussage beschäftigen sich die Kinder zuerst. Dass Menschen über die Bibel lachen, das haben alle von ihnen bereits mitbekommen. Manche geben auch zu, dass sie selbst schon gelacht und die Bibel abgelehnt haben.

»Vieles ist so unlogisch, da kann man schon mal lachen. Dann möchte man oft nicht weiterlesen«, sagt Marcus. »Viele Kinder beschäftigen sich heute auch lieber mit der neusten Technik, zum Beispiel mit neuen Computerspielen oder mit den Handys«, erklärt Lukas.

»Man kann viel von Gott und Jesus lernen, aber viele interessieren sich nicht dafür«, meint Jannik.

»Allerdings«, gibt Linnea zu bedenken, »glaube ich, dass diejenigen, die die Bibel mit solchen Argumenten ablehnen, sie gar nicht wirklich kennen.«

Kurt ergänzt: »Das sind oft Vorurteile. Oder vielleicht wollen sie auch einfach nur cool sein …«

Ich bin beeindruckt von diesen Aussagen. Die Kinder können mir sehr gut erklären, warum manche Menschen die Bibel als altmodisch bezeichnen und warum sie teilweise selbst schon so gedacht haben: Denn die Bibel handelt auf den ersten Blick nicht vom heutigen Leben und sie kennt unsere Technik nicht. Sie erzählt unrealistische Geschichten und es fällt Menschen von heute schwer, daran zu glauben. Gott und Jesus sind heute oft keine Themen, die Interesse wecken.

Geschichten für heute?

Aber warum gibt es die Bibel dann noch? Warum bedeutet sie manchen Menschen so viel? Warum wurde sie so sorgfältig überliefert? Zu diesen Fragen haben die Kinder ebenfalls eine Reihe von Vorschlägen:

»Man kann in der Bibel viel über das Leben in früherer Zeit erfahren. Und die Geschichten von Menschen, die an Gott glauben, sind sehr spannend.« Das ist der Eindruck von Alicia.

»Vieles kann auf das eigene Leben übertragen werden, du bekommst Mut und Hoffnung«, kommentiert Hanna.

Linnea ergänzt: »Wenn ich die Geschichten lese, kann ich besser Entscheidungen treffen, ich kann manches besser sehen und einschätzen.«

»Manche Menschen finden durch die Bibel sogar zu Gott«, weiß Lukas.

Das sind sehr starke und ermutigende Gedanken. Doch es gibt immer noch Zweifel:

»Sehr oft bin ich hin- und hergerissen«, sagt Marcus. »Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Mal denke ich so, mal so.«

Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Menschen so geht wie Marcus. Auf den ersten Blick wirkt die Bibel in der Tat aus heutiger Sicht betrachtet unrealistisch, alt und fremd, auf den zweiten Blick jedoch kann sie als lebensnah, ermutigend und hilfreich erfahren werden. Doch wie lerne ich diesen »zweiten Blick«? Wie lerne ich, die Bibel als Hilfe für mein Leben zu sehen?

Diese vielen Fragen stellen wir jetzt erst einmal zurück. Denn ich bitte die Kinder nun, mit mir in einen anderen Raum zu kommen. Dort habe ich einiges vorbereitet: ein Sitzkissen für jedes Kind und für mich, ein großes Tuch mit Sand, einige Figuren und weitere Materialien.

Eine Geschichte hautnah erleben

Ich sage den Kindern, dass ich ihnen eine Geschichte aus der Bibel erzählen möchte und uns diese Geschichte helfen kann, bei der Beantwortung unserer Fragen weiterzukommen. Mir scheint: Pauls Frage ist längst schon zu unserer eigenen Frage geworden.

Es gibt viele spannende Geschichten in der Bibel. Ich erzähle nun eine Geschichte aus dem Alten Testament und spiele sie dabei mit den Figuren nach: Wie das Volk Gottes eines Tages aus Jerusalem vertrieben wird, wie die Stadtmauern und der Tempel zerstört werden und wie die Menschen weit durch die Wüste wandern müssen, bis sie in der Gefangenschaft in Babylon ankommen. Wie sie Sehnsucht nach der Heimat und nach dem Tempel haben, wie sie sich immer und immer wieder die alten Geschichten erzählen und gemeinsam beten – und wie dann plötzlich in ihnen die Erkenntnis wächst, dass Gott auch hier, in der Fremde, bei ihnen ist. Sie spüren Gottes Gegenwart, wenn sie zusammen beten, wenn sie sich die alten Geschichten erzählen, wenn sie an Gott denken. Während ich von dieser Erfahrung der Geborgenheit und Nähe Gottes erzähle, umfasse ich die Figuren behutsam mit meinen Händen – dies soll ein Zeichen der Geborgenheit sein. Ich erzähle weiter, dass das Volk später in die Freiheit entlassen wird und dass einige nach Jerusalem zurückkehren, andere jedoch in der Fremde bleiben. Sie haben sich eingelebt und die Erfahrung gesammelt, dass Gott auch hier bei ihnen ist, hier in der Fremde und überall, wo sie sind.

Die Kinder hören sehr aufmerksam zu. »Ich war mittendrin«, sagt Alicia anschließend, »nie wäre ich auf die Idee gekommen, an irgendetwas anderes zu denken.«

»Man konnte alles miterleben«, findet Jannik. Und auf die Frage, was ihnen an der Geschichte gut gefallen hat, sagt Marcus sofort: »Mir hat gefallen, dass die Menschen gemerkt haben, dass Gott bei ihnen ist.« Marcus schaut dabei auf die Figuren und ich habe das Gefühl, dass er mit seinen Gedanken noch ganz in der Geschichte ist – so sehr hat sie ihn angesprochen. Alle Kinder machen nun meine beschützende Handbewegung nach. Zu spüren, dass Gott bei mir ist, egal wo ich bin und was ich tue, das ist eine eindrückliche Erfahrung. Das betonen alle Kinder. Und auf die Frage, ob die Geschichte auch etwas von ihrem Leben erzählt, wissen die Kinder von vielen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, an die sie sich jetzt erinnern.

Geschichten für mich

Wir gehen zurück in unseren ersten Raum und setzen uns wieder auf die Stühle. Die Geschichte beschäftigt die Kinder noch immer. Was sie eben erlebt haben, lässt sie nicht los. Interessant ist, dass sie nun betonen: »Ob eine Geschichte realistisch ist oder nicht, spielt keine Rolle. Ich muss dahinter schauen, was die Geschichte für mich bedeutet.« Und sie schlagen auf einmal vor, selbst biblische Geschichten zu erzählen, um anderen Menschen ebenfalls diese Erfahrung zu ermöglichen. Geschichten sollen es sein, die von alter Zeit erzählen und gleichzeitig von heute, von unserem Leben. Wir erkennen: Wir können alle noch viel von der Bibel lernen.

Als die Kinder gegangen sind, spüre ich, wie mich dieses Gespräch fröhlich stimmt. Den restlichen Tag denke ich immer wieder daran. Mir wird mehr und mehr klar, dass wir heute gemeinsam viel von dem erlebt haben, was Menschen zu allen Zeiten bewegt hat und heute noch bewegt, die Bibel zu überliefern. Dieses Erlebnis ist also meine Antwort an Paul. Die Erfahrung zu sammeln, dass Gott bei mir ist, egal wo ich bin und was ich tue, dass Gott mir Geborgenheit schenkt, dass ich nie alleine bin, dass ich verstanden und geliebt bin, diese Erfahrung ist so tief und eindrücklich, dass Menschen das Erlebte weitertragen und weitererzählen wollen.

ZUM WEITERDENKEN
UND WEITERFRAGEN: