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Inhaltsverzeichnis
 
 
 

Dieses Buch gehört
 
Ein Geschenk von

Hallo, liebes Mädchen! Hallo, lieber Junge!
In diesem Buch findest du interessante Geschichten, die von Jesus erzählen. Vielleicht hast du im Religionsunterricht oder im Gottesdienst, wenn von Jesus die Rede war, gedacht: Das ist alles so lange her. Das kann ich mir gar nicht richtig vorstellen. Oder: Haben Kinder der damaligen Zeit den Jesus auch wirklich hautnah erlebt? Und wie war er zu ihnen? Hat er sie überhaupt bemerkt, oder waren nur die Erwachsenen für ihn wichtig?
Ganz sicher haben ihn damals jüdische Kinder erlebt. Wie aber können wir uns das heute, nach fast 2000 Jahren, vorstellen? Drei von diesen Kindern aus dem Lande Jesu lernst du hier in diesem Buch kennen. Wir nennen sie Sara, Simeon und Debora. Sie sind Kinder etwa in deinem Alter. Ihre Eltern nennen wir Vater Jonatan und Mutter Hanna. Die Kinder und ihre Eltern erzählen dir davon, wie es damals gewesen sein könnte, als Jesus unter ihnen lebte. Sie spüren ihn selbst auf oder verfolgen interessante Spuren in dem, was andere über ihn erzählen.
Aber sie nennen ihn nicht Jesus, sondern Jeschua. Warum denn Jeschua?, wirst du jetzt fragen. In der alten Sprache seiner Heimat, in Hebräisch, wurde Jesus nämlich Jeschua gerufen, und Jeschua heißt so viel wie: „Gott hilft“. Ist das nicht ein schöner Name?
Übrigens: Die Fragen, die diese Kinder in den Geschichten den Erwachsenen oft stellen, könnten das nicht auch deine Fragen sein, wenn du biblische Erzählungen hörst oder liest? Sie möchten dich jedenfalls ermutigen, ebenfalls immer nachzufragen, wenn du in biblischen Geschichten etwas nicht verstehst. Die Antworten können mitunter unterschiedlich sein, doch helfen sie dir, dir deine eigene Meinung zu bilden.
 
Nun wünschen wir dir spannende Lesestunden mit diesem Buch.
 
 
 
Hermine und Karl Heinz König

Kinder aus dem Lande Jeschuas
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Hallo, ich heiße Simeon und bin zehn Jahre alt. Ich bin in der kleinen Stadt Kafarnaum in Palästina geboren.
Ich besuche mit den anderen Jungen die Schule in unserer Synagoge. So heißt unser Gotteshaus. Da sitzen wir im Kreis um unseren Lehrer. Das ist der Rabbi, unser Meister. In einer Schriftrolle sind die alten Gottesgeschichten und Gebote aufgeschrieben. Daraus liest unser Rabbi immer ein Stück vor, das wir dann auswendig nachsprechen. Wer will, kann auch lesen lernen. Das können die wenigsten in unserer Stadt.
 
Hallo, ich heiße Debora und bin neun Jahre alt. Ich bin auch in Kafarnaum geboren. Ich darf die Synagogenschule nicht besuchen, weil ich ein Mädchen bin. Ich lerne alles von meiner Mutter, was die Frauen im Haushalt so können müssen: kochen, backen, sauber machen, waschen, weben, sticken und vieles mehr. Aber ich lerne von unserer Mutter auch die Gottesgeschichten kennen. Simeon staunt oft, was ich alles weiß.
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Wir beide sind Geschwister. Wir haben noch eine große Schwester. Die heißt Sara und ist schon elf Jahre alt. Dann ist da noch unser jüngerer Bruder Jakob. Er ist noch ganz klein. Wir Kinder müssen unseren Eltern tüchtig bei der Arbeit helfen. Nach der Arbeit spielen wir mit den anderen Kindern auf dem Hof oder auf der Straße.
 
Ach, es ist manchmal ganz schön anstrengend, ein Kind zu sein! Unsere Eltern waren bisher sehr streng mit uns. Wir mussten immer gehorchen ohne irgendein Widerwort. Seitdem unsere Eltern Jeschua kennen, wird das allerdings immer besser. Wir dürfen jetzt sogar mit ihnen diskutieren, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Aber die meisten anderen Leute unserer Stadt halten uns Kinder immer noch für dumm und unverständig. In ihren Augen sind wir noch nicht viel wert. Aber mit zwölf oder dreizehn Jahren sind wir endlich erwachsen. Dann freuen sich Eltern, Großeltern und Kinder, und wir feiern ein großes Fest.
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Die Kinder erzählen von ihrer Familie
Unsere Eltern heißen Jonatan und Hanna, unser Großvater Matthäus und unsere Großmutter Lea. Sie wohnen nicht weit von uns in der Familie von Onkel Johannes, dem älteren Bruder unseres Vaters. Wir leben in einem kleinen, gemütlichen Haus in Kafarnaum. Es ist aus getrockneten Lehmziegeln auf einem Fundament aus Gebirgssteinen gebaut. Unser Haus ist unterteilt in einen etwas größeren Wohnraum, in dem wir wohnen, kochen und essen, in zwei Schlafkammern und eine Vorratskammer. Wir schlafen auf einer Strohmatte am Boden. Wenn der Hahn morgens kräht, dann rollen wir unsere Matten zusammen und beten unser Morgengebet. Neben dem Haus sind ein kleiner Hof mit einem Stall für die Haustiere und ein Backofen. Über eine schmale Außentreppe geht es auf das flache Dach. Das ist aus Balken, geflochtenen Zweigen, Strohmatten und festgestampftem Lehm gebaut.
Wenn es im Sommer sehr heiß ist, schlafen wir hier, weil oben ein kühler Wind weht. Am Abend beten wir gerne auf diesem Dach und strecken dabei unsere Arme nach oben zum Himmel.
Unser Vater ist Fischer; denn wir wohnen an dem schönen See Gennesaret. Der ist so weit und groß, dass wir ihn auch unser Meer nennen. Viele Fischer wohnen hier. Sie fahren mit ihren Booten auf den See hinaus, um Fische zu fangen. Wir essen gerne Fisch.
Unser Backofen im Hof ist rund und aus Lehm. Hier backen wir täglich unser Brot. Die Mutter mahlt in einer Handmühle aus zwei Steinen Gersten- oder Weizenkörner zu Mehl und rührt dann den Teig an. Daraus formt sie Fladen, so groß wie ein Teller. Die legt sie dann zum Backen auf die heißen Steine im Ofen oder klebt sie außen an die Ofenwand. Hm, wir freuen uns immer auf unser leckeres Brot.
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Am Abend ist es besonders schön bei uns. Dann sitzen wir zum Essen zusammen. Alle freuen sich, dass die Arbeit getan ist. Die Eltern und manchmal auch die Großeltern erzählen uns Geschichten, von unseren Vorfahren und auch von Gott.

Rund um unsere Stadt Kafarnaum
Draußen vor unserer Stadt wachsen Obstbäume mit süßen Früchten, zum Beispiel mit Granatäpfeln und Feigen. Tja, und die Weintrauben an unseren Weinstöcken sind fast so groß wie Taubeneier. Und viele Olivenbäume wachsen hier. Aus ihren Früchten pressen wir unser Öl für das Essen und für die Öllampen. Auf den Feldern wachsen Gemüse und Getreide: Gerste und Weizen. Aus den Körnern mahlen wir das Mehl für unser Brot. Die Arbeit auf den Feldern ist anstrengend, weil der Boden trocken und steinig ist. Da helfen wir Kinder gerne Onkel Johannes in seiner kleinen Landwirtschaft Steine aufzulesen, Unkraut zu jäten und auch zu ernten. Dafür bekommen wir Gemüse und Obst für unsere Familien. Und wir tauschen unsere Fische und bekommen von ihm dafür Getreide zum Brotbacken.
Wichtig für uns ist auch der große Brunnen. Jeden Abend gehen Mutter Hanna und wir Mädchen dorthin. Wir tragen Wasserkrüge auf unseren Köpfen und holen darin das notwendige Wasser für die ganze Familie.
Auf den Hügeln ziehen die Hirten mit den Schafen und Ziegen der Bauern umher. Sie suchen immer wieder neue Weideplätze mit Gras und Kräutern und Wasserstellen für die Tiere. Sie müssen besonders aufpassen, dass ihnen die wilden Tiere, wie der Schakal oder der Wolf, kein Tier rauben. Sie tragen deshalb immer eine Schleuder und eine Keule bei sich. Jeden Morgen und jeden Abend zählen sie ihre Tiere. Wenn eines fehlt, suchen sie so lange, bis sie es gefunden haben. Sonst müssen sie es dem Bauern, für den sie arbeiten, bezahlen. Das ist schlimm, denn sie verdienen ganz wenig. In der Nacht schlafen sie deshalb immer bei den Tieren in einer Höhle oder hinter einem Schutz aus Steinen. Da wundert es niemanden, dass die Hirten ein bisschen wüst aussehen.
 
Fremde Soldaten haben unser Land erobert. Der römische Kaiser hat sie geschickt. Er will immer mehr Land besitzen und immer schönere Paläste bauen. Deshalb müssen unsere Eltern dem Kaiser auch immer mehr Geld als Steuern zahlen. Überall an Hauptstraßen sitzen die Steuereintreiber, die werden Zöllner genannt. Das sind Leute aus unserer Stadt. Sie sammeln das Geld ein und nehmen oft noch mehr, als sie dürfen. Darüber regen sich unsere Eltern auf, sie verachten sie. Viele von unseren Familien sind ganz arm geworden. Wenn wir beten, rufen wir nach Gott, dass er uns helfen soll. Niemand kann die Römer leiden. Wir haben Angst vor ihren Soldaten.

Die Gemeinde der Kinder
Mitten in unserer Stadt steht unser Gotteshaus. Das ist die Synagoge. Sie ist sehr wichtig für uns. Sie ist vor allem unser Gebetshaus, in dem der Gottesdienst gefeiert wird. Vorn in einem langen Raum werden in einem schönen Schrein die alten Schriftrollen aufbewahrt. Davor befi ndet sich ein Lesepult mit einer kostbaren Decke. Daneben steht ein Leuchter mit sieben Armen. An den Wänden sind viele Bänke für unsere Väter und die Jungen aufgestellt und oben auf einer Empore für unsere Mütter und die Mädchen.
Der siebte Tag der Woche ist unser Ruhetag – der Sabbat. An dem Tag brauchen wir nicht zu arbeiten und auch nicht zu lernen. Wir erinnern uns dann an die alte Geschichte, dass Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen hat und sich am siebten Tag darüber gefreut und uns einen Tag der Ruhe geschenkt hat. Daran erinnern wir uns, wenn Mutter Hanna bei Sonnenuntergang den Sabbatleuchter anzündet und mit einem Gebet den Sabbat begrüßt. Nach dem kalten Abendessen – der Tisch ist festlich gedeckt, alles ist vor dem Sabbat vorbereitet worden – besuchen wir alle den Gottesdienst. Die Männer legen ein schmales Tuch über Kopf und Schultern. Das ist ihr Gebetsschal. Manche tragen dazu noch kleine Kästchen aus Leder an langen Lederriemen an ihre Stirn und um den linken Arm gebunden. Darin sind kleine Gebetszettel aufbewahrt. Die Öllampen brennen. Die Schriftrolle liegt aufgerollt auf dem Lesepult. Wir singen und beten gemeinsam und hören zu, wenn einer aus der Gemeinde zur Schriftrolle geht und daraus vorliest. Unser Rabbi sagt uns in seiner Predigt, was das alles bedeutet. Anschließend sitzen wir zu Hause noch gemütlich beieinander, erzählen, lesen oder singen.
Auch wenn kein Gottesdienst ist, treffen sich unsere Familien gerne in der Synagoge und sprechen miteinander. Wir fühlen uns hier wie zu Hause.

Wie Onkel Andreas und Onkel Simon Menschenfischer wurden
Debora und Simeon freuen sich sehr; denn am Wochenende kommt Onkel Andreas zu Besuch. Bestimmt weiß er auch diesmal viel Interessantes zu erzählen. Er und sein Bruder Simon gehören nämlich zu den Männern, die mit Rabbi Jeschua von Ort zu Ort durch das ganze Land ziehen. Debora fragt die Mutter, wie und wo Onkel Andreas eigentlich Jeschua kennengelernt habe.
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„Das ist schon eine Weile her. Damals waren Onkel Andreas und Onkel Simon am Ufer des Sees Gennesaret. Sie wollten gerade ins Boot steigen und die Netze auswerfen. Da kam ein junger Mann langsam auf sie zu und sprach sie an: Ich habe euch eine Weile zugeschaut. Ihr könntet mir gut helfen. Wollt ihr nicht mit mir gehen?
Onkel Andreas und Onkel Simon fragten erstaunt, wer er denn sei und was er vorhabe.
Ich bin Jeschua, sagte er, auch ich bin ein Fischer, aber ein Menschenfi scher. Ich will die Menschen für Gott gewinnen, damit sie seine Liebe und sein Heil erkennen und ein gutes Leben führen.
„Onkel Andreas sagte mir damals“, erzählt die Mutter weiter, „er habe zwar schon von diesem Jeschua gehört, aber nicht gedacht, dass er eine so große Anziehungskraft habe, sodass man sich wünscht, immer in seiner Nähe zu sein. Deshalb ließen die beiden kurz entschlossen Jeschua an ihrem Boot warten und liefen schnell nach Hause, um ein paar Sachen zu holen und Bescheid zu sagen, dass sie unbedingt mit Jeschua ziehen wollten.“
Mutter Hanna erinnert sich: „Ich weiß noch gut, was das in den Familien für Ärger gab: Wovon sollen wir denn leben, wenn unsere Väter nicht mehr da sind?
Die beiden Brüder versuchten ihre Familien zu trösten: Wir bleiben doch schließlich Fischer und werden hin und wieder Fische fangen und verkaufen. Wir lassen euch doch nicht im Stich! In unserem Herzen fühlen wir: Alles wird gut.
Und damit haben sie tatsächlich recht behalten“, sagt die Mutter. „Mensch“, meint Simeon mit hochrotem Kopf, „da können wir aber auf Onkel Andreas und Onkel Simon mächtig stolz sein! Nun bin ich aber umso mehr gespannt, was Onkel Andreas diesmal zu erzählen weiß!“

Ein Festessen mit Onkel Andreas
Endlich, Onkel Andreas ist da! Er hat ein paar Freunde mitgebracht. Hanna und Sara haben ihnen den Wüstenstaub von den Füßen gewaschen. Was ist das für eine freundliche Begrüßung!