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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kleine Anleitung: Wie Sie rasch älter und garantiert krank werden
1. Meiden Sie möglichst körperliche Anstrengung und jede Art der Bewegung.
2. Bleiben Sie immer schön zu Hause. Meiden Sie frische Luft.
3. Knabbern Sie beim Fernsehschauen möglichst viele Kekse, Chips, gesalzene Erdnüsse. Essen Sie ganz viel Kuchen.
4. Trinken Sie bloß kein Wasser, sondern lieber Cola, Bier, Fruchtsäfte aus der Flasche und viel starken Kaffee.
5. Vertrauen Sie in der Küche auf die Mikrowelle und tischen Sie vor allem praktische Tiefkühl- und Fertigkost auf.
6. Essen Sie bei jeder Mahlzeit ordentliche Portionen, bevorzugen Sie in Fett Gebackenes und möglichst täglich Fleisch mit viel Sahnesauce.
7. Bei jedem kleinen Zipperlein sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen und alles, was er verschreibt (Antibiotika, Beruhigungsmittel, Schlafmittel), auch einnehmen.
8. Ärgern Sie sich am besten über jede Kleinigkeit. Kritisieren Sie alles und jeden, das tut richtig gut.
9. Seien Sie ruhig nachtragend, kauen Sie immer wieder durch, was Sie nicht ändern können. Schmieden Sie Rachepläne, um wieder Ordnung in diese verdorbene Gesellschaft zu bringen.
10. Meiden Sie den Umgang mit Menschen, die optimistisch und begeisterungsfähig sind.

Aktiv gegen das Altern angehen
Obwohl wir es nicht spüren, ob wir es wollen oder nicht, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Vom ersten Tag an, Tag für Tag, nagt der Zahn der Zeit an uns, genauer gesagt – an unseren Körperzellen. Den Muskeln, den Augen, dem Herz und den Nieren, dem Gehirn. Das ist nun mal so. Das Alter ist zwar das Einzige, was uns mühelos in den Schoß fällt. Aber es ist leider auch eine Krankheit mit tödlichem Ausgang, wie ein schwedisches (zynisches) Sprichwort besagt.
Und jetzt die gute Nachricht: Genau in diesem Moment, eigentlich immer spielen sich in Ihrem Körper geheimnisvolle Vorgänge (biochemische Verbindungen, Selbstheilungs- und Erneuerungskräfte) ab, die Zellen reparieren und reproduzieren. Sie verfolgen nur ein Ziel: Sie wollen das Altern Ihres Organismus bremsen, verlangsamen, hinauszögern. Großartig. Deshalb sollten Sie diese Kräfte keinesfalls behindern, sondern sie besser unterstützen. Aktiv unterstützen.
Der erste Schritt ist schon getan: Sie lesen dieses Buch. Sie haben es selbst in der Hand, den Prozess des Älterwerdens aktiv zu steuern. Der Universalschlüssel dafür heißt: Bewegung. Bringen Sie einfach mehr Bewegung in Ihr Leben. Der zweite Schritt: Beginnen Sie mit Nordic Walking. Dafür ist es nie zu spät. Als die »beliebteste Wellnesssportart« (Focus), mehr noch, als »Fitnessrevolution«, als Bewegungsform, von der Körper und Seele profitieren – so wird Nordic Walking bejubelt. Zu Recht. Denn es ist keine große Überwindung nötig, es droht keine Überforderung. Besonders für Späteinsteiger ist Nordic Walking ideal. Die Technik kann jeder lernen. Nordic Walking ist jederzeit und überall möglich. Und zu jeder Jahreszeit.
»Jeder möchte lange leben, aber niemand will alt werden.«
Jonathan Swift
Ich war 53, als ich Nordic Walking für mich entdeckte. Zuvor war ich über 20 Jahre lang begeisterter Jogger und Hobby-Marathonläufer. Doch irgendwann kam mir irgendwie ein bisschen die Lust aufs Laufen abhanden. Ich wurde träge und nahm zu. Dann hatte ich das Glück, Mastertrainer Bernd Schäufle zu treffen. Er weckte in mir die Begeisterung für Nordic Walking. Wir schrieben die Bücher Schlank und fit mit Nordic Walking und Nordic Walking für Einsteiger. Mehr noch: Weil ich total überzeugt bin, dass Nordic Walking eine Antwort auf viele Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaft (Bewegungsarmut, Übergewicht, Arthrose, Osteoporose, Diabetes, Depression) sein kann, konzipierte und gründete ich das Nordic Fitness Magazin (»Aktiv, gesund & besser leben«), das im März 2005 erfolgreich gestartet ist und jetzt alle zwei Monate erscheint.
 
»Nordic Walking ist ein Bewegungsgeschenk«, sagt Bernd. Er hat Recht. Nordic Walking kann ein wunderbar einfacher Weg sein, mehr Bewegung ins Leben zu bringen – weil diese Art der Bewegung ein »Einschmeichler« ist, wie es Dr. Ulrich Strunz formuliert. Weil Nordic Walking so harmlos daherkommt. Weil es für jeden machbar erscheint. Weil es nicht so furchtbar anstrengend ist. Dr. Strunz sieht Nordic Walking sogar als »Nadelöhr zum Glück«.
Eine schöne Bezeichnung. Ein großes Versprechen. Aber kein zu großes Versprechen. Schon nach drei Monaten Training mit den Stöcken fühlte ich mich wieder richtig fit. So fit, dass ich einen Selbstversuch startete: Ich testete, wie lange ich wieder laufen konnte. Es lief überraschend gut. Nach nur drei Monaten Nordic-Walking-Training war meine Form so gut, dass ich ohne Probleme auch 90 Minuten durchhielt. Laufen ist gut, Nordic Walking ist heute für mich noch besser. Und es macht wirklich Spaß. Vom ersten Schritt an. Und das Schönste: Nordic Walking bietet eine Chance, aktiv gegen das Altern anzugehen – im wahren Sinne des Wortes.
»Bringen Sie einfach mehr Bewegungin Ihr Leben. Sie gewinnen ein besseres Bild von sich. Nordic Walking gibt dem Leben mehr Jahre und den Jahren mehr Leben.«
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20 Jahre 40 bleiben – diese verheißungsvolle Formel, von ernsthaften Wissenschaftlern geprägt, ist gar nicht so schwer umzusetzen. Sie haben es selbst in der Hand, positiv zu altern. Sie können Alterserkrankungen vorbeugen und selbst viel dafür tun, dass Sie sich in der Lebensmitte und darüber hinaus wirklich wohl fühlen. Wenn Sie sich bewusst ernähren. Wenn Sie negativen Stress meiden (oder durch Nordic Walking abbauen). Wenn Sie Ihr Immun- und Herz-Kreislauf-System stärken (durch Nordic Walking). Wenn Sie sich also fit halten. Durch Nordic Walking. Bewegung hilft, den Körper wieder bewusst wahrzunehmen. Ein aktives, bewusstes, genussvolles Leben ist die beste Versicherung gegen Krankheit und vorzeitiges Altern.
Ulrich Pramann

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»Bewegung bringt so viel in Bewegung«

Der Erfolg der Turbo-Schnecken

Man ist so alt, wie man sich fühlt. Wie wahr, aber auch wie wandelbar dieser Spruch ist, kann die Lüdenscheiderin Erika Ponomarenko aus eigenem Erleben bestätigen.
Oh je, sie hat sich lange Zeit verdammt alt gefühlt, uralt. Diese ewigen Rückenschmerzen. Rückgratverkrümmung, Bandscheibenvorfall. Damals, mit gerade 39 Jahren, hatte sie fast schon resigniert: »Jetzt biste noch keine 40 und hast schon’nen Rücken wie eine 60-Jährige.« Und es wurde schlimmer. Bange fragte sie sich: »Wie isses denn erst, wenn du wirklich mal 60 bist?«
Oh ja, bald wird sie 60 sein – doch heute geht es ihr viel besser. Seit sich Erika Ponomarenko wieder regelmäßig bewegt. Früher war die Sauerländerin mit ihrem Mann immer auf der Lenne Kajak gefahren. Aber das ging irgendwann nicht mehr, wegen der schlimmen Schmerzen. Ihr Arzt empfahl ihr Schwimmen. Nicht Brustschwimmen, weil da ja keine günstige Kopfhaltung möglich ist, sondern lieber Rückenschwimmen. Doch bei den vielen Leuten im Hallenbad keine gute
»Das Alter ist für mich kein Kerker, sondern ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht.«
Marie Luise Kaschnitz
Idee. Ständig musste sie aufpassen, wegen der Rempeleien.
Was also sollte sie sportlich sonst tun? Ins Fitnessstudio gehen? »Inner Muckibude« fühlte sie sich nicht wirklich gut aufgehoben. Turnen? Dafür fühlte sie sich irgendwie zu alt. Jogging? Auch das sagte ihr nicht zu. Zufällig las sie in der Lokalzeitung über die Lüdenscheider »Turbo-Schnecken« und dass die einen Einführungsvortrag über Nordic Walking anboten. Spontan entschied Erika: »Da gehste doch mal hin, dat hörste dir doch mal an.«
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»Ich bin jetzt wieder gut drauf«, sagt Erika Ponomarenko. Die 57-Jährige bekam durch Nordic Walking ihre schlimmen Rückenschmerzenin den Griff.

Erika und das Ende der Leidenszeit

Was an diesem Abend Dr. med. Ernst Jakob, Chefarzt vom örtlichen Sportkrankenhaus Hellersen und Mannschaftsarzt vom Deutschen Ski-Verband, über die gesundheitlichen Vorteile von Nordic Walking, besonders für Menschen in den besten Jahren, und Bewegungsspaß erzählte, überzeugte sie schließlich. Sie meldete sich bei den Turbo-Schnecken zu einem Kurs an. Vor vier Jahren war das. Seither geht Erika Ponomarenko zwei- bis dreimal raus in die Natur, mit der Gruppe, den Turbo-Schnecken, meist mit ihrem Mann – so wie es kommt.
Ihr Mann, der Werner, ist kein Freund der langsamen Gangart. Und unter weniger als einer, eineinhalb Stunden fängt er nur ungern an. Manchmal ist Erika hinterher einigermaßen »fertig«. Aber »nicht kaputt«, fügt sie hinzu. Und vor allem: »Ich bin glücklich, ich fühle mich jetzt richtig wohl, ich bin einfach gut drauf nach jeder Runde Nordic Walking.«
Und der Rücken? »Ach, ich merke nix«, strahlt Erika Ponomarenko. »Langfristig trägt das Training zur Stabilisierung bei«, erklärt Dr. Jakob. »Ich bin felsenfest davon überzeugt: Bewegung bringt viel in Bewegung. Und von allen Sportarten möchte ich diese Bewegungsform ganz nach vorne stellen. Gerade für ältere Menschen ist Nordic Walking ideal. Die Stöcke als Sportgerät geben schließlich nicht nur Vortrieb, sondern vor allem auch Sicherheit.«

Die Geburt der Turbo-Schnecken

Für Brigitte Klein sind solche Statements Musik in den Ohren. Irgendwie ist es für sie, die sich als »Oberschnecke« fühlt und sogar so unterschreibt, eine wunderbare Bestätigung und Genugtuung, dass es der Erika jetzt so gut geht, dass der Dr. Jakob das hohe Lied auf Nordic Walking singt und dass Werner Ponomarenko und noch viele Hundert andere in Lüdenscheid zu Turbo-Schnecken geworden sind.
Bei den »Turbo-Schnecken« in Lüdenscheid sind über 1700 Mitglieder organisiert. Der Verein wurde als »zukunftsfähigster Sportverein« in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag – fast jeden Tag trifft sich eine Gruppe Turbo-Schnecken oben am Lüdenscheider Nattenberg-Stadion, zum »Gesundheits-Walken«, zum »Fitness-Walken«, zum »Power-Walken« in den Wäldern des Plettenbergs. Sogar von den Joggern, die bei den Turbo-Schnecken noch in der Überzahl sind, laufen mehr und mehr zum Nordic Walking über. Und in den speziellen »XXL-« oder »Fit-ab-50«-Gruppen finden jetzt sogar auch Leute zum Nordic Walking, die bislang in puncto regelmäßige Bewegung für immer verloren schienen.
Alles begann damit, dass die umtriebige Brigitte Klein in der Sportschule Kaiserau eine Lauftreffleiterin-Ausbildung absolvierte. Dann organisierte sie für die AOK einen Lauftreff für Anfänger. Motto: Runter vom Sofa, rein in die Laufschuhe. Die 30 Mitglieder vom Anfängerkurs blieben zusammen und hatten ihren Spaß. Weil sie nicht unter dem langweiligen Begriff Lauftreff firmieren wollten, suchten sie einen pfiffigen Namen für ihre Gruppe. Beim Brainstorming warf eine »Turbo-Schnecken« in die Runde. Alle lachten, aber seither heißt die lockere Truppe so.
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»Manchen Jüngeren laufe ich heute glatt noch weg«, sagt Werner Ponomarenko. Nach zwei Schlaganfällenwurde Nordic Walking für den 64-Jährigen die beste Therapie.
Von 2001 bis heute ist die Zahl der Mitglieder von 299 auf nunmehr 1700 angewachsen. Klar, das hat vor allem mit dem guten Turbo-Schnecken -Angebot (Radtouren, Wanderungen, Weihnachtsfeiern, organisierte Teilnahme an regionalen, nationalen und internationalen Wettkämpfen, wie dem Big-Sur-Marathon in Kalifornien) und der geselligen Turbo-Schnecken-Atmosphäre zu tun. Immer ist irgendwo was los. Die Lokalpresse witzelte schon über Lüdenscheids »Schneckenplage«. Vorletztes Jahr wurde Brigitte Kleins vorbildliches Engagement vom Landessportbund des Landes Nordrhein-Westfalen gewürdigt und ihre Turbo-Schnecken als »zukunftsfähigster Sportverein« ausgezeichnet.

Werner und sein neuer Aktionsradius

Die meisten sind über 40, viele sind noch mit über 50 eingestiegen, wurden zu Joggern, Marathonläufern, Skatern, Jazz-Dancern, Walkern oder überzeugten Nordic Walkern.
Wie Werner Ponomarenko. Er ist 64. Vor acht Jahren hatte er seinen ersten Schlaganfall, später noch einen. In der Reha meinte der Arzt, dosierte Bewegung wäre jetzt gut für ihn. Aber was bloß? Jogging? »Nee, nich mehr in meinem Alter.« Radfahren? Auch nix für den Werner.
Seine Erika brachte dann Nordic Walking ins Spiel: »Kuck dir dat doch mal an.« »Nee«, antwortete er, »dat sieht doch irgendwie blöde aus.« Aber dann ging er doch mal mit. Erst ohne Stöcke. Aber das war nicht seine Gangart, Walking wirkte bei ihm roboterhaft. Also ließ er sich schließlich doch auf die Stöcke ein, testhalber. Werner war überrascht, denn mit Stöcken machte es Spaß. Vor allem das Bergaufgehen. Heute sagt er nicht ohne Stolz: »Dat kann keiner besser.« Das Sauerland hoch und runter – eineinhalb bis zweistündige Touren -, der Radius des Rentners ist immer größer geworden. Mit seiner Erika absolviert er gerne Halbmarathons. Und beim »Rotwein-Lauf« an der Ahr ging er sogar als Erster durchs Ziel.
Der Schlaganfall. Der Schock. Die Angst, dass das nie mehr was mit ihm wird – all das hat er hinter sich gelassen. Kreislaufbeschwerden? Nein. »Ich fühle mich sauwohl«, sagt Werner Ponomarenko, »und manchen Jüngeren laufe ich glatt noch weg.«

Udos Motivation zur Bewegung

Dass körperliche Aktivität, Bewegung und Sport notwendige Voraussetzungen für ein gesundes Altern sind, ist den meisten mittlerweile bekannt. Doch dieses Wissen allein nützt noch nicht viel. Auch wenn die Zahl sportlich aktiver Senioren zunimmt – die Gruppe der Abstinenten und die Barriere zu beginnen bleiben sehr groß. Die Turbo-Schnecken sind ein Musterbeispiel für Motivation. Wer Bewegungslahme als Späteinsteiger für sportliche Aktivitäten gewinnen will, sollte den Spaß an der Bewegung, das Wohlfühlen in den Vordergrund stellen. Es motiviert wenig, wenn Sport und Bewegung akademisch als eine Art »Pflicht zur Gesunderhaltung« propagiert werden. »Ich bin dann guter Stimmung, fühle mich wohler«, »weil man mit anderen zusammen ist« – solche Motive stehen obenan. Vernünftige Gründe (»Weil ich meine Gesundheit erhalten will«, »um meinen hohen Blutdruck in den Griff zu kriegen«, »um mein Übergewicht zu bekämpfen«) nennen die meisten erst an zweiter Stelle.
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»Ich bin jetzt sogar ein bissken süchtig danach«, sagt Udo Schott. Der 46-Jährige nahm durch das Nordic-Walking-Training 27 Kilogramm ab.