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SAM OSMANAGICH

Die Pyramiden
von Bosnien

& AUF DER GANZEN WELT

WARUM WIR UNSERE
GESCHICHTSSCHREIBUNG
ÄNDERN MÜSSEN

Aus dem Amerikanischen von
Nila Roshan-Ra und Maren Marzilger

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Titel der amerikanischen Originalausgabe:
PYRAMIDS AROUND THE WORLD & LOST PYRAMIDS OF BOSNIA

Copyright © 2012 by Dr. Sam Osmanagich

Brandheiße Infos finden Sie regelmäßig auf:
www.facebook.com/AMRAVerlag

Die Webseite des Archäologischen Parks:
www.PiramidaSunca.ba/de

Mehr über den Autor und Entdecker:
www.SamOsmanagich.com

Besuchen Sie uns im Internet:
www.AmraVerlag.de

1. Auflage 2014

Eine deutsche Erstausgabe im AMRA Verlag
Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau
Telefon: + 49 (0) 61 81 – 18 93 92
Kontakt: Info@AmraVerlag.de

Herausgeber & Lektor

Michael Nagula

Fachliche Recherche

Maren Marzilger

Einbandgestaltung

Torge Niemann

Layout & Satz

Birgit Letsch

Druck

FINIDR s.r.o.

ISBN Printausgabe 978-3-95447-160-7
ISBN eBook 978-3-95447-161-4

Alle Rechte der Verbreitung vorbehalten, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks.

INHALT

Vorwort

Einführung

TEIL I

Pyramiden überall auf der Welt

1   Sieben Pyramiden auf Mauritius verlangen nach Antworten

2   Die Pyramiden auf den Kanarischen Inseln: Zurückhaltung bei den spanischen Wissenschaftlern

3   Pyramiden auf Sizilien: lokale oder pan-afrikanische Erbauer?

4   Ägyptische Pyramiden: Wo ist der Beweis für die Architekten des Pharao?

5   Nubische Pyramiden

6   Die größten chinesischen Pyramiden hüllen sich in Geheimnisse

7   Dreihundert peruanische Pyramiden und Hunderte Millionen Backsteine

8   Akapana-Pyramide: maschinell erstellte Steinblöcke in Bolivien

9   Teotihuacán: eine Stadt mit sechshundert Pyramiden

10   Cuicuilco: kreisförmige Pyramide

11   Der Zauber des Monte Albán

12   Tula – Zuflucht der Tolteken

13   Die rätselhaften Pyramiden der Maya

14   Pyramiden in El Salvador, Guatemala und Belize

15   Pyramiden in Griechenland

16   Pyramiden im antiken Rom

17   Stufenpyramiden auf Sardinien

18   Zikkurate in Mesopotamien

19   Zweihundert amerikanische Stufenpyramiden in Cahokia

20   Pyramidenförmige Tempel in Indien

21   Steinpyramiden in Indonesien

22   Die Koh-Ker-Pyramide in Kambodscha

23   Pyramiden im Pazifik

24   Koreanische Pyramiden

TEIL II

Das Geheimnis des Bosnischen Tals der Pyramiden

1   Acht Elemente, welche die Geschichtsschreibung verändern werden

2   Sechs Radiokarbonanalysen bestimmen das Alter des unterirdischen Labyrinths »Ravne«

3   Der unumstrittene Beweis: Beton im Bosnischen Tal der Pyramiden

4   Erkenntnisse der 1. Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz über das Bosnische Tal der Pyramiden (ICBP-Konferenz)

5   Das italienische Institut bestätigt die Existenz von künstlichem Beton

6   Energiestrahlung aus den Bosnischen Pyramiden

7   Die Runenschrift

8   Bodenradar

9   Entdeckung unterirdischer Räume und des Blauen Sees

10   Freie, unverschlossene Tunnel: der langersehnte Durchbruch

11   Messungen der Energiestrahlung

12   Die ICP-Konferenz 2011

13   Der Fall des ägyptischen Diktators

14   Wie oft hat sich Dr. Robert Schoch schon geirrt?

15   Weltgeschichte und die Bosnischen Pyramiden

16   Das unterirdische Labyrinth »Ravne«: eine Expedition ins Unbekannte

17   Die »Hidden History«-Konferenz 2012

18   Der wissenschaftliche Beweis für eine potenzielle alternative Energiequelle, die 25.000 Jahre alt ist

Abschließende Überlegungen

Der Entdecker und Autor

VORWORT

Fast alles, was man uns über die Geschichte des Altertums lehrt, ist falsch: der Ursprung des Menschen, der Zivilisation, der Pyramiden. Die Geschichtsbücher müssen neu geschrieben werden.

Am Wendepunkt des letzten Jahrtausends dachten wir noch voller Stolz, dass wir unsere eigene Geschichte kennen. Neue Forschungsergebnisse, sowohl auf der Erdoberfläche als auch in den Tiefen der Meere, zeigen uns jedoch, wie klein unser Wissen und wie unendlich groß unsere Ignoranz ist. Durch die systematische Arbeit an archäologischen Stätten in China, Japan, Kambodscha, Ägypten, dem Sudan, auf Mauritius und den Kanarischen Inseln, in den südeuropäischen Ländern sowie in Mittel- und Südamerika haben wir jetzt die Chance, mehr über unsere hoch entwickelten Vorfahren zu lernen, die in Harmonie mit der Natur lebten.

In all diesen Kulturen wurden Pyramiden gebaut. Das ist kein Zufall. Um diese großartigen Bauten wirklich zu verstehen, dürfen wir sie nicht nur aus physikalischer Sicht untersuchen, wir müssen das auch aus energetischer und spiritueller Sicht machen. Erst dann wird uns die Magie der Archäologie offenbaren, wie sehr es uns bei der Bewältigung der sich anhäufenden Probleme unserer modernen Zivilisation hilft, wenn wir aus der Vergangenheit lernen.

Neue archäologische Entdeckungen verändern unser Verständnis über den Ursprung der menschlichen Kultur vollkommen. Und wenn sich die Entstehungsgeschichte der Zivilisation ändert, so muss sich auch alles Folgende ändern.

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EINFÜHRUNG

Mehr als 100 Jahre lang lehrten Geschichtsprofessoren ihre Studenten, dass »die Pyramiden in Ägypten als Grabstätten der Pharaonen errichtet wurden. Es gibt auch welche in Mexiko, aber nur als Zeremonien- oder Opferstätten«.

Sie haben uns falsch unterrichtet.

Es gibt keinen Beweis dafür, dass die größten und ältesten ägyptischen Pyramiden jemals als Grabstätten dienten. Obwohl drei berühmte Pyramiden in Gizeh stehen, existieren weitere 130 Pyramiden entlang des Nils.

Ebensowenig gibt es einen Beweis dafür, dass die ältesten und größten Pyramiden in Mexiko zur Darbringung von Opfern genutzt wurden. Von den Tausenden in Mexiko gebauten Pyramiden dienten nur die jüngsten – die der Azteken – mit Sicherheit als Opferstätten für Gefangene. Alle anderen Pyramiden, und ganz besonders die Maya-Pyramiden, geben ihre Bestimmung nicht preis.

Pyramiden wurden nicht nur in Ägypten und Mexiko errichtet. Beeindruckend ist die Tatsache, dass Pyramiden auch in Guatemala, Honduras, El Salvador und Belize in Mittelamerika sowie Hunderte Pyramiden desweiteren im südamerikanischen Peru und Bolivien und Dutzende Pyramiden auf den Kanarischen Inseln und Mauritius gebaut worden sind. In Nubien (heutiger Nordsudan) gibt es 204 Pyramiden, und selbst in China und Kambodscha sind sie zu Hunderten verbreitet.

Das Konzept der Pyramide besteht weltweit und seit Jahrtausenden. Uns wurde beigebracht, dass bis zur Ankunft des hoch entwickelten weißen, europäischen Mannes keine Nachrichtenverbindung zwischen den Kontinenten existierte. Falsch! Archäologen und Historiker bemühten sich, die Pyramiden in ein für sie passendes Zeitfenster einzuordnen. Es zeigt sich jedoch ganz eindeutig, dass die existierenden Pyramiden in Peru, Mexiko, Bolivien, Bosnien-Herzegowina, Ägypten, China und auf Mauritius viel älter sind, als die meisten gerne zugeben möchten.

Das selektive Aussortieren der archäologischen Informationen durch elitäre Gruppen hat nun ein Ende. Es gibt zu viele unabhängige, frei denkende Forscher, die bereit sind, moderne Satelliten, Wärmemessungen, Georadar, Geophysik und neue Technologien bei der Datierung einzusetzen, als dass die Täuschung noch lange Bestand haben könnte.

Die Tür zur Neuen Welt steht offen.

TEIL I

Pyramiden überall auf der Welt

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1

SIEBEN PYRAMIDEN AUF MAURITIUS VERLANGEN NACH ANTWORTEN

Im Indischen Ozean, 2.000 Kilometer vom afrikanischen Kontinent und fast 1.000 Kilometer von Madagaskar entfernt, liegt die afrikanische Insel Mauritius. Diese Insel erstreckt sich über 70 Kilometer Länge und knapp 50 Kilometer Breite. Heute zählt die Bevölkerung auf Mauritius 1,2 Millionen Menschen.

Die ersten europäischen Dokumente erwähnen Mauritius zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Seeleute aus Portugal, Italien und Spanien sowie später auch aus Holland, Frankreich und England dort eintrafen. Die offizielle Wissenschaft behauptet, dass es auf dieser Insel vor den Europäern keine Einwohner gab und sich erst danach Menschen aus Indien und Afrika ansiedelten. Einige ziehen allerdings die Möglichkeit in Betracht, dass arabische Seeleute die Insel bereits während des 10. und 11. Jahrhunderts besuchten.

Diese vulkanische Insel lag stets weit entfernt von anderen Kontinenten und fortschrittlichen Kulturen. Mitten im Ozean und ohne Hinweis auf eine lokale Bevölkerung, die in der Vergangenheit hier gelebt haben könnte, erschien Mauritius nicht gerade als geeigneter Kandidat für die Entdeckung einer Pyramide. Im südlichen Teil der Insel, nahe dem heutigen internationalen Flughafen und mitten im Zuckerrohrgebiet der Plaine Magnien, befinden sich jedoch sieben Pyramiden.

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Pyramide Nr. 1 auf Mauritius zeigt die gleichen Charakteristika wie die Pyramiden in Güímar auf Teneriffa. Geformtes Vulkangestein wurde als Baumaterial eingesetzt, die Ecksteine wurden auf beiden Seiten bearbeitet; die dreieckige Seitenfläche der Pyramide ist nach Osten gerichtet.

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Pyramide Nr. 1 hat als höchste Pyramide 13 Stufen. Sie ist 15 Meter hoch, und ihre rechteckige Basis misst 21 × 28 Meter.

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Die nach Osten zeigende Seitenfläche der Pyramide Nr. 1 ist während der Sommersonnenwende am 21. Dezember auf den Sonnenaufgang ausgerichtet. (Mauritius liegt auf der Südhalbkugel, weshalb die Sommersonnenwende im Dezember stattfindet.)

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Pyramide Nr. 2 hat 11 Stufen, und ihre quadratische Basis misst 25 × 25 Meter. Sie ist umgeben von Zuckerrohrplantagen.

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Die Seitenausrichtung der Pyramide Nr. 2 ist identisch mit der von Pyramide Nr. 1, die ebenso von Zuckerrohrplantagen umgeben ist.

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Pyramide Nr. 3 hat 11 Stufen sowie ein flaches Plateau an ihrer Spitze.

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Pyramide Nr. 4 hat 7 Stufen und ebenfalls ein viereckiges Plateau. Die Ausrichtung entspricht den anderen Pyramiden.

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Pyramide Nr. 5 wird auch die »Weiße Pyramide« genannt, da sie aus helleren Vulkansteinen geformt wurde. Sie hat 11 Stufen, und ihre Basis misst 24,95 × 24,95 Meter.

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Pyramide Nr. 6 hat 6 Stufen und eine rechteckige Basis von 24 × 28 Meter …

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… sowie einen beschädigten Mittelteil.

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Pyramide Nr. 7 hat 7 Stufen und eine rechteckige Basis, die 17 × 10 Meter misst …

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… und ist zu einem hinduistischen Tempel umfunktioniert worden.

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Alle wurden aus vulkanischem Gestein gebaut.

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Die Kanten bestehen aus geformten Ecksteinen.

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Pyramide Nr. 1 in Güímar auf Teneriffa zeigt die gleichen Eigenschaften wie die Pyramiden auf Mauritius – auch hier wurde vulkanisches Gestein als Baumaterial benutzt. Die Ecksteine wurden in einem 90-Grad-Winkel geformt und nach Osten ausgerichtet.

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Auf Mauritius wurde bei allen Stufen die gleiche systematische Bauweise benutzt: Größere Vulkansteine bilden die Kanten, und die kleineren Steine füllen den Innenraum der Stufen aus.

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Die innere Neigung trägt zur Stabilität der Pyramide bei. Die Ostseite jeder Pyramide zeigt in Richtung Indischer Ozean.

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Der Ablenkwinkel jeder Pyramide von etwa 20 Grad ist auf den Sonnenuntergang am 21. Dezember, die Sommersonnenwende, ausgerichtet. (Mauritius befindet sich auf der Südhalbkugel.)

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Die einheitliche Bauausführung ist ein Hinweis darauf, dass diese Objekte geplant konstruiert wurden.

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Deutlich erkennbar ist die kompakte Bauausführung aller sieben Pyramiden. Obwohl kein Bindematerial benutzt wurde, haben sich die Pyramiden über eine sehr lange Zeit erhalten. Ich glaube, dass dies auf ein meisterliches Können der antiken Erbauer zurückzuführen ist.

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Die ersten drei Pyramiden liegen auf einer Linie. Ich schätze, dass für den Bau dieser Pyramiden mehr als 30.000 Tonnen Material erforderlich waren, die bis an diesen Ort gebracht und in den Strukturen verarbeitet wurden. Hundert Menschen und fünf Jahre kontinuierliche Arbeit wären notwenig, um diesen Komplex zu errichten.

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An der Basis aller Pyramiden sind Beschädigungen sichtbar. (Das Foto zeigt Pyramide Nr. 2.)

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Der größte Schaden ist an Pyramide Nr. 6 zu finden. Hier fehlen mehr als zwei Tonnen Bausubstanz. Die Behörden auf Mauritius betrachten diese Bauten als bloße »Steinhaufen«, die angeblich während der 1940er Jahre durch Arbeiter der Zuckerrohrplantagen errichtet wurden, als sie den Boden für die Saat bestellten. Von offizieller Seite wird weder die wissenschaftliche noch die historische Bedeutung dieser Pyramiden anerkannt.

Dabei hat die Entdeckung von Pyramiden auf Mauritius aus wissenschaftlicher Sicht weltweite Bedeutung.

Zum einen erweitert sich durch diesen Fund die Liste der Länder mit Pyramiden, die in der antiken Vergangenheit errichtet wurden. Auf dieser Liste stehen Mexiko, Ägypten, China, El Salvador, Peru, Honduras, die Kanarischen Inseln (Spanien), Griechenland, Italien, Bosnien-Herzegowina, Belize, Kambodscha, Thailand, Bolivien, Guatemala, Tahiti und nun auch Mauritius.

Zum anderen haben wir es hier mit einer Insel zu tun, die vor Beginn des 16. Jahrhunderts und vor der Ankunft der Europäer nicht bevölkert war. Es gibt hier keinerlei Hinweise auf antike Zivilisationen. Eines ist sicher: Weder Europäer des 16. bis 20. Jahrhunderts noch Araber aus der Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts waren die Erbauer dieser Pyramiden. Daraus ergeben sich logischerweise einige spannende Fragen – nämlich wer, wann und warum.

Die Pyramiden auf Mauritius scheinen uns den ersten sicheren Beweis dafür zu liefern, dass im Altertum hochstehende Kulturen auf ihren Seefahrten zumindest vorübergehend auf den Inseln im Pazifischen Ozean (Tahiti), im Indischen Ozean (Mauritius), im Atlantischen Ozean (Kanarische Inseln) und im Mittelmeer (Sizilien) haltmachten und dort aus dem jeweils vorgefundenen Material fein säuberlich kleine kompakte Pyramiden errichteten.

Somit stehen wir jetzt vor der Aufgabe, diese neu aufgeworfenen Fragen zu beantworten.

2

DIE PYRAMIDEN AUF DEN KANARISCHEN INSELN: ZURÜCKHALTUNG BEI DEN SPANISCHEN WISSENSCHAFTLERN

Bei den Kanaren handelt es sich um eine Inselgruppe im Atlantik, die zum Hoheitsgebiet von Spanien gehört. Die sieben größten Inseln – Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, La Palma und El Hierro – werden verwaltungstechnisch als zwei Einheiten betrachtet. Las Palmas de Gran Canaria ist die Hauptstadt der ersten drei Inseln und die Heimat von 380.000 Menschen, während Santa Cruz de Teneriffa 220.000 Menschen zählt und für die restlichen vier Inseln zuständig ist.

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Geografisch befinden sich diese Inseln in der Nähe der Nordwestküste Afrikas. In einem Radius von 210 Kilometern umfassen sie eine Gesamtfläche von 7.200 Quadratkilometern. Lanzarote ist mit nur etwa 95 Kilometern Entfernung Marokko am nächsten, während El Hierro am weitesten entfernt liegt. Spanien ist sogar mehr als 1.100 Kilometer weit entfernt.

Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs, und man geht davon aus, dass sie Millionen von Jahren alt sind. Auf jeder Insel gibt es größere Gebiete mit Gebirgskämmen, Tälern, Wüsten, Kliffküsten, Kratern und Waldbereichen. Das Klima ist subtropisch, und die Temperaturen schwanken während des Jahres zwischen 18 °C und 25 °C. Mit elf Millionen Besuchern im Jahr 2008 ist Tourismus auf diesen Inseln der führende Wirtschaftszweig. Es werden auch verschiedene Agrarprodukte kultiviert.

Teneriffa

In früheren Jahrtausenden bot Teneriffa ganz außerordentliche Lebensbedingungen. Zwischen den Küsten, die vom Atlantik berührt werden, bis zum Vulkangipfel des El Teide, der 3.700 Meter hoch aufragt und als höchster Berg Spaniens gilt, gibt es fruchtbare Täler, Gebirge voller Höhlen, dichte Wälder, jede Menge Wasser und genug vulkanisches Gestein, um als Baumaterial verarbeitet zu werden.

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Der Vulkangipfel El Teide.

Im Osten der Insel, in einem fruchtbaren Tal, liegt die Stadt Güímar. Schon von der Straße aus kann man die innerhalb der geschlossenen Anlage gelegenen Terrassen einer pyramidalen Struktur sehen.

Die Pyramiden sind zwar leicht zugänglich, die Straße scheint jedoch zu nah an den Objekten vorbeizuführen. Es wurde bereits bewiesen, dass Teile der Anlage durch den Neubau von Straßen und Gebäuden zerstört wurden. Außerdem belegen mehrere Quellen, dass ursprünglich neun Pyramiden in Güímar existiert haben müssen.

Drei von ihnen wurden während eines unkontrollierten Neubaus zerstört, bei dem das vulkanische Gestein als Baumaterial benutzt wurde. Hinzu kommt, dass überall auf der Insel Stützmauern existieren, die von der Bevölkerung errichtet wurden, als sie den Boden für die landwirtschaftliche Produktion vorbereiteten. Vielen dienen diese Stützwände zur Sicherung des Grundmauerwerks ihrer Häuser oder Zäune (Paredones oder Morras).

Dennoch kann man die bewusst geplanten Bauwerke, die Stufenpyramiden, leicht von Landsäuberungen, Steinhaufen oder Stützwänden für landwirtschaftliche Terrassen unterschieden.

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Blick auf die Pyramide von der Straße vor dem Museum von Güímar aus.

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Eine der wieder aufgebauten Pyramiden in Güímar, Teneriffa.

Eine geschützte Anlage, die die sechs Stufenpyramiden von Güímar sowie ein Museumsgebäude, ein modernes Auditorium und ein Besucherzentrum umfasst, dehnt sich auf mehreren Hektar Land aus. Ungefähr 100.000 Touristen besuchen diesen Komplex jedes Jahr.

Das Museum beeindruckt durch seine Pyramidenmodelle und Plakate, die Pyramiden auf der ganzen Welt zeigen. Hier verfolgt man das Konzept, die Pyramiden auf den verschiedenen Kontinenten mit der Kommunikation unter den Menschen im Altertum abzugleichen. Modelle von Artefakten aus Mittel- und Südamerika sind identisch mit Objekten aus Babylon, Ägypten und China.

Eines der interessantesten Artefakte ist ein Textauszug aus dem Tagebuch des Mönchs Juan de Abreu Galindo von 1632. Er beschreibt darin die Gebäude und ursprünglichen Bewohner, die Guanchen: »Sie platzierten viele Steine in Form einer Pyramide und bauten so hoch sie konnten …«

Jede der sechs noch erhaltenen Pyramiden auf Teneriffa zeigt die gleiche geplante Vorgehensweise: sorgfältig geformte Ecksteine, eine rechteckige Basis, Seiten, die zwischen 15 und 80 Metern messen. Jede Pyramide erreicht eine Bauhöhe von etwa 12 Metern.

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Übersetzung eines Auszugs aus dem Tagebuch des spanischen Mönchs Galindo, in dem er beschreibt, wie die Guanchen die Pyramiden errichteten: »Sie platzierten viele Steine in Form einer Pyramide und bauten so hoch sie konnten und die losen Steine es erlaubten; und an den Tagen, die sie der Andacht gewidmet hatten, versammelten sie sich alle um diesen Steinhaufen, und dann tanzten sie, sangen Klagelieder, rangen und stellten sich anderen Herausforderungen, die der Erbauung dienten; so sahen ihre festlichen Andachten aus.« – Bruder Juan de Abreu Galindo (1632)

Gegen Ende der 1990er Jahre bis zum Jahr 2000 wurden die Pyramide Nr. 5 und Nr. 6 restauriert. An den anderen vier Pyramiden waren nur wenige Wiederaufbaumaßnahmen notwendig. Pyramide Nr. 5 besteht über die gesamte Länge der Stufenränder aus vulkanischem Gestein, Schotter als Füllung für die Stufen sowie – an den Ecken – aus Vulkangestein, das von beiden Seiten bearbeitet wurde. Die Treppe der Pyramide Nr. 6 wurde auf der Westseite gebaut. Die Ausrichtung der Zugangstreppe entspricht den anderen Pyramiden des Komplexes.

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Pyramide Nr. 5 zeigt eine Kombination aus vulkanischem Gestein an den Rändern der Pyramide, vulkanischem Schotter auf den Stufen und geformten vulkanischen Ecksteinen. Es ist offensichtlich, dass hier geplant vorgegangen wurde.

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Sorgfältig dreieckig geformte Steine bilden die Ecken.

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Die Treppe der Pyramide Nr. 6 befindet sich auf der Westseite.

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Pyramide Nr. 1 (rechts auf dem Foto) und Pyramide Nr. 2 (in der Mitte des Fotos).

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Die Südseite der Pyramide Nr. 2 wurde verlängert, damit sie der Ost-West-Ausrichtung folgt.

Den ersten Hinweis erhielt ich während meines Besuchs im Ethnografischen Park der Pyramiden von Güímar. Ist es nicht merkwürdig, dass die Pyramiden sich in einer Anlage befinden, die als »ethnografischer Park« und nicht als »archäologischer Park« bezeichnet wird? Bei Gesprächen mit Mitarbeitern und dem wissenschaftlichen Direktor des Museums, David Ortiz, bemerkte ich eine nicht unerhebliche Zurückhaltung, wenn es um die Beschreibung des Pyramidenkomplexes ging, vor allem seitens der Wissenschaftsgemeinde in Spanien. Weder die Universität der Stadt, die Universität La Laguna in Teneriffa, noch institutionelle Einrichtungen wie Museen oder die Regierung erkennen die Existenz dieser einmaligen pyramidalen Strukturen auf Teneriffa offiziell an.

Die These, dass diese »Haufen vulkanischen Gesteins« nur Anhäufungen der Bauern zur Vorbereitung des Bodens für die Landrodung seien, wurde in der akademischen Welt verbreitet, bei wissenschaftlichen Treffen verteidigt, in Lexika und im Internet veröffentlicht. Ein »freies Lexikon« wie Wikipedia, das durch unabhängige Leser und anonyme Autoren ohne jede Kontrolle geschrieben wird, bestätigt die gängige Meinung. Vielleicht verweisen sie auf einige »Kontroversen« in Bezug auf diese »zufälligen Steinhaufen«, wiederholen jedoch oft nur die Meinung der Wissenschaft, die die These von »geplanten Strukturen« bereits verworfen hat.

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Die mündliche Überlieferung der Guanchen besagt, dass innerhalb der Terrassen um die Pyramiden herum für spätere zeremonielle Riten Ziegen gehalten wurden. Es erscheint wahrscheinlich, dass dies eine ihrer Funktionen war, bevor die Spanier im 15. Jahrhundert landeten. Der wirkliche Zweck ist bisher allerdings unbekannt.

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Umschlossene Terrassen auf der Südseite der Pyramide Nr. 2.

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Die regelmäßige dreieckige Form der Pyramide Nr. 2 auf der Westseite.

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Pyramide Nr. 2 ist vollständig erhalten und bedurfte keines Wiederaufbaus. Ihre Südseite ist einem Rhombus ähnlich verlängert, um sich der Ost-West-Ausrichtung anzupassen. Der offiziellen wissenschaftlichen Meinung hier und in Spanien folgend, handelt es sich bei dieser Struktur um »Steinhaufen«, die Bauern im 19. Jahrhundert als Nebenprodukt ihrer Vorbereitungen auf die Landrodung erschaffen haben. Eine solch empörende und unwissenschaftliche Haltung wird von den führenden spanischen akademischen Institutionen und vielen Webseiten wie Wikipedia unterstützt.

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Blick auf die zueinander linear ausgerichteten Pyramiden Nr. 2, Nr. 3 und Nr. 4.

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Diese Schrifttafel erklärt die astronomische Ausrichtung der Pyramiden.

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Blick auf die Terrasse, die den Zugang zum Plateau von Pyramide Nr. 2 freigibt.

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Blick auf Pyramide Nr. 2 und Nr. 4 und die Terrasse für Zeremonien.

Zweifelsohne sind Pyramiden besondere Gebäude. Die Bauweise sowie die archäologisch-astronomischen Elemente sind Beweis genug, um die sorgfältige Planung und architektonische Denkweise der Erbauer von Güímar zu bestätigen. Die Inschrift erklärt, dass die Nordwände der Pyramiden Nr. 2 und Nr. 4 in Richtung des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende ausgerichtet sind – ein außergewöhnlich wichtiges Datum für die Menschen des Altertums. Auch der spanische Mönch Galindo schrieb zu Beginn des 17. Jahrhunderts, dass die Guanchen ihre Steinpyramiden an heiligen Stätten bauten.

Geht man davon aus, dass die Pyramiden auf einem Bodengefälle errichtet wurden, so mussten die Wände der Pyramide Nr. 2 höher gezogen werden, um eine Horizontale zu bilden, während die Wände von Pyramide Nr. 4 aus dem gleichen Grund abgesenkt werden mussten. Im Museum von Güímar zeigt eine Zeichnung die Ausrichtung der Pyramiden Nr. 2 und Nr. 4 während der Sommersonnenwende beim Sonnenaufgang und beim Sonnenuntergang. Ihr lässt sich auch entnehmen, dass die Zeremonienterrasse der Pyramide Nr. 2 eine reguläre Ost-West-Ausrichtung aufweist.

Bevor ich mir an der einzigen Universität der Insel, der Universität La Laguna, einen Vortrag anhörte, sprach ich mit einigen Professoren der Fakultät für Technische Architektur.

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Diese Zeichnung wurde im Museum gefunden und erklärt die astronomische Ausrichtung.

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Blick von der Pyramide Nr. 2, oben auf dem Berg, von wo aus ein doppelter Sonnenuntergang während der Sommersonnenwende beobachtet werden kann. Wenn man sich jedoch ein paar Meter von der Pyramide entfernt, egal auf welcher Seite, verschwindet dieses Phänomen.

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Blick auf die Westseite der Pyramide Nr. 2, das Plateau und die Treppe für Zeremonien. Von der Mitte der Pyramide aus kann man während der Sommersonnenwende den Sonnenaufgang sehen.

Das Gespräch verlief wie folgt:

»Haben Sie die Pyramiden in Güímar besucht?«, fragte ich.

»Ja.«

»Und was halten Sie von ihnen?«

»Nun, wir sind keine Archäologen. Wir wissen nicht, ob es Steinhaufen sind oder Bauwerke. Dieses Thema wird ziemlich kontrovers behandelt.«

»Aber offensichtlich handelt es sich um eine geplante Bauweise und Ausrichtung mit Terrassen gleicher Größe, geformten Ecksteinen an den Rändern, die wiederum die gleichen Dimensionen wie das Vulkangestein auf den Terrassen haben und durch Schotter verbunden sind«, behauptete ich.

»Wir sind keine Doktoren der Archäologie!«

Damit war das Gespräch mit meinen Gastgebern beendet.

Es ist wirklich traurig. Die Angst, zufällig etwas Falsches zu sagen und dadurch die Projekte um die Pyramiden zu unterstützen, ist also kein rein bosnisches Phänomen, wie später gezeigt werden soll. Diese Intellektuellen mit ihrer akademischen Ausbildung versuchen verzweifelt, die Entwicklung der Wissenschaft aufzuhalten, anstatt den Weg für neue Entdeckungen zu bahnen.

Seit Jahrhunderten präsentieren sich die Stufenpyramiden von Teneriffa unübersehbar den Nachkommen der spanischen Einwanderer, aber es scheint sie nicht zu interessieren. Eines Tages besuchte dann der bekannte norwegische Autor und Forscher Thor Heyerdahl, nachdem er einen Zeitungsartikel über diese Anlage gelesen hatte, die Kanarischen Inseln und eröffnete der Welt: Es gibt in Güímar Stufenpyramiden, deren Alter und Erbauer unbekannt sind.

Heyerdahls Lebensweg ist interessant: Als junger Forscher behauptete er, dass es zwischen den Kontinenten antike Kommunikation gegeben habe und Menschen schon damals Tausende von Kilometern in Holzschiffen gereist seien. Wie gewöhnlich positionierte sich die wissenschaftliche Gemeinschaft dagegen und nannte diese Behauptungen »bedeutungslos«. Heyerdahl war hartnäckig und baute wiederholt Schiffe nach, deren Material und Ausmaße den Schiffen entsprachen, die man auf den antiken Zeichnungen sehen konnte. Mit ihnen segelte er erfolgreich von Afrika nach Südamerika, von Südamerika zu den Pazifischen Inseln, anschließend in den Iran (Persien) und zurück zum afrikanischen Kontinent. Dies erweckte die Aufmerksamkeit der Welt. Sein Buch Kon-Tiki wurde zum Welt-Bestseller und nach der Bibel zum meistgelesenen Buch. Nach der anfänglichen Kritik an Heyerdahl erhielt er auf seinem Lebensweg Dutzende ehrenamtliche Doktorwürden.

Das Interessanteste ist jedoch, dass Heyerdahl die letzten zehn Jahre seines Lebens auf Teneriffa verbrachte. Mit Hilfe eines Freundes, des Industriellen Charles Olsen, kaufte er das Land, auf dem die Pyramiden stehen, eröffnete dort ein Museum und etablierte einen Forschungsbereich. In diesem Museum gibt es unzählige Kopien von Statuen und Objekten aus der ganzen Welt zu sehen, die den gegenseitigen Austausch der antiken Kulturen bezeugen. Bedeutsam ist die Lage Teneriffas im Golfstrom, da die Insel den antiken Seefahrern als Navigationshilfe diente.

Heyerdahls Ruf und seine Bemühungen, den ethnografischen Park der Piràmides de Güímar in Teneriffa zu etablieren, wurden von der anerkannten Wissenschaftsgemeinde der Insel und ganz Spaniens versucht zu untergraben. Deshalb organisierten die Archäologen der Universität La Laguna 1992 Ausgrabungen an drei Standorten: zwischen Pyramide Nr. 3 und Nr. 4 (eine Probe), in einer Höhle unterhalb der Pyramide Nr. 1 und auf dem Plateau zwischen Pyramide Nr. 2 und Nr. 3 (acht Proben).

Folgende Resultate konnten erzielt werden:

Auf der Terrasse zwischen Pyramide Nr. 3 und Nr. 4 wurde ein bescheidener Aushub mit mäßigen Ergebnissen durchgeführt.

In der Höhle unterhalb von Pyramide Nr. 1 befindet sich ein Tunnel im vulkanischen Gestein. Hier wurden Knochen, Keramik und weitere Objekte gefunden, die den Guanchen gehörten. Laut Radiokarbonanalyse sind diese Artefakte zwischen 680 und 1020 n. Chr. zu datieren. Überrascht von dieser Entdeckung, behaupteten die Archäologen und Anthropologen der Universität La Laguna, dass es keine Verbindung zwischen der Höhle und Pyramide Nr. 1 gebe. Untersucht man jedoch die Höhle, insbesondere die Gänge, kommt man zu einem völlig anderen Schluss, denn die Existenz von Tunneln unter- und innerhalb der Pyramiden ist ein weltweites Phänomen, und so gibt es keinen Grund, warum gerade Teneriffa eine Ausnahme bilden sollte.

Die Untersuchung der Höhle ergab, dass sie 5 Meter lang ist. Bodendurchdringende Radarmessungen zeigten jedoch, dass hinter der Wand ein mindestens 3 Meter langer Gang existiert. Die untersuchenden Archäologen stellten an diesem Punkt ihre Forschungsarbeiten ein, und so ist die Frage bisher ungeklärt, ob dieser unterirdische Gang vielleicht noch länger ist.

Da dies rein logisch so sein sollte, erwähnte ich meine Vermutung gegenüber David Ortiz, dem Direktor der wissenschaftlichen Anlage, während einer Führung durch die Pyramiden. Seine Antwort überraschte mich. Er stimmte mit mir überein, erklärte aber auch, dass sie keine Erlaubnis für neue Forschungen hätten, obwohl sich die Pyramiden auf einem Privatgrundstück befinden.

Zum Schluss wurde der dritte Fundort untersucht: das große Plateau zwischen Pyramide Nr. 2 und Nr. 3. Hier wurden weitreichende Ausgrabungen durchgeführt, die eine Vielfalt an Materialien hervorbrachten. In der ersten Schicht von 20 Zentimetern wurden Reste von Bäumen, Reben und Zapfen gefunden sowie Glas, Metalle und Plastik. Allesamt sind dies Stoffe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die nächste Schicht, in 25 Zentimeter Tiefe, enthielt Reste von Weinreben, importierter Tonware und heimischer Tonware, allesamt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die dritte Schicht stammte aus einer Tiefe von 50 bis 150 Zentimetern. Hier finden wir Nachweise für vulkanisches Gestein und Schotter, welches benutzt wurde, um das Terrain zu begradigen. Die oberste Schicht dieser Sedimentationseinheit enthält sehr seltene Reste traditioneller kanarischer Tonware und noch ältere importierte Tonware. Die Pyramiden wurden auf diesen von Menschen begradigten Terrassen errichtet.

Das Alter der Bauarbeiten selbst konnte nicht festgestellt werden. Dafür ist die Antwort auf die Frage, inwiefern es sich hier um gebaute Strukturen (wie Heyerdahl behauptete) oder um Anhäufungen vulkanischen Gesteins handelt, die durch Anwohner als Nebenprodukt dort entstanden sind, wo sie den Boden für die Bepflanzung vorbereitet haben (wie die Spezialisten der Universität La Laguna behaupten), eindeutig. Was wir hier finden, entspricht einer geplanten Konstruktion von Pyramiden.

Heyerdahls Bemühungen, mit seinen Untersuchungen an den Pyramiden fortzufahren, blieben erfolglos. Die Universität zog sich zurück und die Regierung erteilte dem Museum keine weitere Erlaubnis zur Erforschung des Pyramidenkomplexes. Später, nach Heyerdahls Tod, bekundete der neue Besitzer des Museums (Stiftung Fern) keinerlei Absicht, weitere archäologische Arbeiten durchzuführen. Eineinhalb Jahrzehnte danach hat die Universität ihre Niederlage noch immer nicht zugegeben. Die These, dass es sich hier nur um »Steinhaufen« oder bestenfalls um »kontroverse« Gebilde handele, wird aufrechterhalten.

Unabhängig davon, wie ungenügend die archäologische Forschungsarbeit war, erbrachte sie – ganz offensichtlich – den Nachweis, dass diese Pyramiden systematisch von jemandem erbaut wurden. Im nächsten Schritt müssten die Erbauer dieser Objekte »ausfindig« gemacht werden. Waren es die Spanier aus dem 18., 19. oder 20. Jahrhundert? Waren es überhaupt Spanier, vielleicht aus einem anderen Jahrhundert? Hier nun die Fakten, die heute bereits jeder Grundschüler kennt: Die Spanier haben nie Pyramiden gebaut – nirgendwo. Sie haben sogar ganz im Gegenteil Pyramiden grundsätzlich zerstört, egal wo sie ihnen begegneten. Fast zerstörten sie so in Peru die größte Anlage Südamerikas – die Sonnenpyramide (Huaca del Sol) in Trujillo. Ähnlich war es in Tenochtitlán, der Hauptstadt der Azteken, wo sie die Pyramiden zerstörten, um das Baumaterial für den Aufbau ihrer spanischen Paläste und Kathedralen zu nutzen. In Guatemala, Honduras, El Salvador, Belize und Mexiko war es das Gleiche, als die Spanier unnachgiebig die Maya-Pyramiden zerstörten, um ihre Kirchen, Paläste und Tempel zu errichten, oder auf den Kanarischen Inseln, als sie die Steindörfer, Tempel und Pyramiden des Guanchen-Volks zertrümmerten. Zur Rechtfertigung in der Geschichte behaupten sie heute, dass es sich bei ihnen um primitive Eingeborene und nicht um schöpferisch tätige Erbauer gehandelt habe.

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Thor Heyerdahl war während der Ausgrabungen anwesend.

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Der Ausgrabungsbericht belegt die Existenz der Guanchen, der Ureinwohner der Kanarischen Inseln, in der Höhle unterhalb von Pyramide Nr. 1.

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Steinball, gefunden im Pyramidenkomplex.

Interessanterweise sind die Pyramiden im Westen von Teneriffa unbekannt, und weder im Internet noch über andere Quellen können Information erschlossen werden. Dabei gibt es in der Stadt Icod, an der Küste von Santa Barbara, einige Pyramiden, die vor neugierigen Blicken versteckt liegen. Die Grundstücksbesitzer schwören jedoch weiterhin, dass diese Objekte keine Pyramiden, sondern Steinhaufen sind, die entstanden, als das umliegende Land gerodet wurde.

Dennoch zeigen diese abgelegenen Strukturen in Icod eine exakte Geometrie der vier dreieckigen Seiten – beziehungsweise drei Seiten mit westlichem Zugang zum Plateau – und sind dem Westen zugewandt, dem Sonnenuntergang in der Bucht. Sie haben anders als die Pyramiden in Güímar keine breiten Stufen mit vulkanischem Schotter auf den Terrassen. Sie weisen schmale Treppen auf, gebaut aus sorgfältig selektierten Steinen gleicher Länge. Um die Kanten der Pyramide zu formen, verwendeten die Erbauer vulkanisches Gestein, das beidseitig bearbeitet wurde, während sie veredeltes Vulkangestein am Rand der Pyramidenwand benutzten. An der Basis der Südseite einer der Pyramiden befindet sich ein Vulkanit, der als Fundament für einen möglichen Eingang diente. Ein viertes pyramidenförmiges Objekt ist verwahrlost, beschädigt und ungeschützt.

Hinter der Hauptstraße in Icod, nicht weit entfernt von neueren Bauten, existieren inmitten einer Müllhalde einige Ruinen. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis auch sie durch die städtische Expansion zerstört werden. Bis jetzt wurde hier keine Forschung betrieben.

Auf der Nachbarinsel La Palma ist nur eine Stufenpyramide nachgewiesen, die aber die gleichen Eigenschaften wie die Pyramiden auf Teneriffa besitzt.

Unser Aufenthalt auf Teneriffa zeigte uns, dass es noch viele Rätsel um die Pyramiden vergangener und unserer Zeit zu lösen gilt.

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Versteckt gelegene Steinstufenpyramide in Icod, Teneriffa.

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Pyramide Nr. 2 in Icod, alle drei Seiten sind gut erhalten.

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Die Pyramiden in Icod sind nach Westen ausgerichtet, zum Sonnenuntergang in der Bucht.

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Die verwahrlosten Icod-Pyramiden zeigen nach wie vor eine regelmäßige Geometrie und die dazugehörigen vier dreieckigen Seiten.

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Anders als die Pyramiden in Güímar haben diejenigen in Icod schmalere Stufen.

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Am Fuß einer der Icod-Pyramiden befindet sich ein Stein, der als Schwelle für den möglichen Eingang diente. Hier wurden bis jetzt keine Grabungen durchgeführt.

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Ordentlich geformte Ecksteine.

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Hinter der Hauptstraße und inmitten einer Müllhalde befinden sich einige Ruinen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Pyramiden durch die städtebauliche Entwicklung zerstört werden.

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Die vierte pyramidenähnliche Struktur in Icod ist verwahrlost und ungeschützt.

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Eine Stufenpyramide auf der Insel La Palma zeigt den gleichen Baustil wie die Pyramiden auf Teneriffa.

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PYRAMIDEN AUF SIZILIEN: LOKALE ODER PAN-AFRIKANISCHE ERBAUER?

Afrika ist umgeben von drei großen Gewässern: dem Indischen Ozean, dem Atlantik und dem Mittelmeer. Pyramiden wurden auf den Inseln östlich, westlich und nördlich des Kontinents erbaut.

Weder Geschichtsbücher noch Lexika oder das Internet erwähnen ihre Existenz!

Besonders auf der italienischen Insel Sizilien zeigen sich die Ruinen von mehr als 30, möglicherweise 40 Steinpyramiden in der Landschaft. Das vulkanische Gestein wurde ähnlich geformt wie bei den Pyramiden auf Teneriffa und Mauritius. Die Ecksteine wurden auf beiden Seiten bearbeitet. Die Regelmäßigkeit der Stufenbreite und ihre Geometrie sind auffällig.

Bedauerlicherweise wurde bisher keine systematische wissenschaftliche Erforschung dieser Bauten durchgeführt. Außerdem existieren weder Aufzeichnungen zu möglichen Erbauern noch etwa über ihren Zweck.

So gibt es zum momentanen Zeitpunkt zwei Optionen: 1. Die Pyramiden wurden von Einheimischen gebaut, über die wir nichts wissen und die auch nur kurze Zeit auf der Insel lebten, oder 2. die Pyramiden sind das Resultat von Kulturen, die durch Schifffahrt auf die Insel gelangt sind und aus irgendeinem Grund pyramidenähnliche Strukturen hinterließen.

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Mehr als 30 stufenpyramidenförmige Ruinen sind auf der Insel Sizilien heute noch erhalten.

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Thor Heyerdahl entdeckte bei Pietraperzia, nahe Enna, Sizilien, die Stufenpyramide Cirumeddi. Hier ein Modell, das ihre regelmäßige Geometrie zeigt.

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Ruinen einer anderen Stufenpyramide auf der Insel Sizilien. (Foto: Giuseppe Trope)

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ÄGYPTISCHE PYRAMIDEN: WO IST DER BEWEIS FÜR DIE ARCHITEKTEN DES PHARAO?

Wann immer ich die Pyramiden in Ägypten besuche, kommen mir zwei Gedanken in den Sinn, deren Wirkung ich mich nicht entziehen kann: 1. Sie sind der Ausdruck einer genialen Architektur, aber 2. gleichzeitig fehlt für die ältesten und größten Pyramiden weitgehend der Nachweis über ihre Erbauer.

Unterschiedlichsten Schätzungen zufolge wurden entlang des Nils zwischen 118 und 138 Pyramiden gebaut, meistens auf der westlichen Seite und überwiegend am unteren Lauf des riesigen Flusses. Hier dehnt sich das Baugebiet zwischen der antiken Hauptstadt Memphis und der heutigen Hauptstadt Kairo aus. Die variierenden Zahlenangaben lassen sich dabei folgendermaßen erklären: Da manche Bauwerke stark beschädigt sind und nur noch als Ruinen existieren, ist es schwierig, mit Sicherheit festzustellen, inwieweit es sich um ehemalige Pyramiden, Mastabas (Grabbauten) oder Tempel handelt. Die zwanzig Millionen Einwohner Kairos verteilen sich auf dem Gebiet Richtung Gizeh-Plateau, und so sind die Stadt und die Pyramiden derzeit nur durch eine Betonwand getrennt. Die Pyramiden leiden unter der Umweltverschmutzung und den unzähligen Touristen.

Laut den Behauptungen der Ägyptologen wurden die Pyramiden von den Pharaonen der 3., 4., 5. und 6. Dynastie des alten Königreichs, von einem Pharao aus der 12. Dynastie des mittleren Königreichs und von einem Pharao aus der 18. Dynastie, dem neuen Königreich, erbaut.