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ULLRICH PÜHN

Dein GRUND

TON

Innerer Frieden
durch die Kraft
der persönlichen
Schwingung

Mit einem Vorwort
von Alexander Lauterwasser

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Copyright © 2014 by Ullrich Pühn

Eine Originalausgabe im AMRA Verlag
Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau
Telefon: + 49 (0) 61 81 – 18 93 92
Kontakt: Info@AmraVerlag.de

Herausgeber & Lektor

Michael Nagula

Einbandgestaltung

FranklDesign

Illustrationen

Antonia Baginski

Layout & Satz

Birgit Letsch

Druck

Clausen & Bosse

ISBN Printausgabe 978-3-95447-148-5
ISBN eBook 978-3-95447-149-2

Alle Rechte der Verbreitung vorbehalten, auch durch Funk,
Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische
oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks.

Inhalt

Vorwort

Einführung

Prolog: Gesundheit

Physische Gesundheit Energetische Gesundheit Emotionale Gesundheit Mentale Gesundheit Spirituelle Gesundheit Soziale Gesundheit Umfassende Gesundheit Der Ton als Heilmittel

I Der Ton

Schwingung Ton Frequenz Schall Oktave Resonanz Die gestaltbildende Kraft des Tons Die physikalische Wirkung gesungener Töne

II Wie ist der Mensch gestimmt?

Was unser Gehör hann und was nicht Die Gestimmtheit des Menschen Der persönliche Grundton Grundtonbestimmung Tonale Definition konkret Unscharfe

III Die Stimme

Den Stimmen lauschen Emotionen und ihre Tonhöhe Was ist der Grundton? Zentrierung Stimmstörungen Unsere Stimme – ein Gesundheitsmechanismus Stimmmessungen

IV Dein Grundton

Tonale Identitätsfindung Die zweite Chance Gleiche Grundtöne Tonale Persönlichkeitsberatung Tonale Partnerschaftsberatung Tonales Familienstellen Coaching und Supervision Tonale Identitätsbildung Emotionen Die Sieben Todsünden Sechs innere Feinde Die Quinte Verstimmte Quinten Singübungen

Epilog: Vemu Mukunda

Lebensweg eines Tonforschers Der Lehrer Das Nada-Brahma-System

Der Autor

Vorwort

von Alexander Lauterwasser

In Sagen und Märchen verschiedenster Kulturen taucht immer wieder das Motiv auf, dass ein Mensch auf die Suche nach seinem eigenen inneren Namen geschickt wird. Daraus spricht das tiefe Wissen, dass wir zwar einerseits von der Außenwelt einen Namen erhalten, mit dem wir angesprochen und gerufen werden, dass es aber neben dieser von Außen uns zugesprochenen und oftmals aufgeprägten Identität noch eine ganz andere, uns selbst zumeist erst noch verborgene Identität gibt, die nur jeder in sich selbst zu entdecken und zu verlebendigen vermag.

In jenem zu findenden Namen klingt dann immer schon bedeutungsvoll mit an – nomen est omen –, worum es im Leben dieses Menschen geht, zu was er aus seinem eigenen Inneren heraus aufgerufen ist: Es geht um das ganz eigene, individuelle Lebensmotiv.

Namen stellen aber nicht nur gedanklich gefasste und sprachlich geformte Sinnbezüge her, sondern als ausgesprochene Worte sind sie ebenso Träger von lebendigen Schwingungen. Seinen eigenen inneren Namen finden heißt also auch und vor allem, seine eigene Grundschwingung entdecken, ein Gespür für die eigene Gestimmtheit entwickeln. Wann stimmen die verschiedensten Aspekte und Tätigkeitsbereiche meiner Persönlichkeit innerlich so zusammen, dass ich mit mir selbst und der Welt übereinstimme, der Vollzug meines Lebens nach Außen und nach Innen also stimmig wird.

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Alexander Lauterwasser, geboren 1951 in Überlingen am Bodensee, ist ein deutscher Autor, Wasserforscher und Medienkünstler. Er ist besonders durch seine Arbeiten und Vorführungen zur Kymatik bekannt geworden, die er durch eigene spektakuläre Experimente und Forschungen zu den Gestaltungsprozessen von Schwingungen, Klängen und Musik erweiterte. (www.wasserklangbilder.de)

Nur im Gleichklang mit den Schwingungen meines inneren Namens werde ich in der Lage sein, meiner eigenen Bestimmung gemäß zu leben. Jede Störung oder gar der Verlust dieser Resonanz zur eigenen Grundschwingung führt unweigerlich zu Verstimmungen, zu eigenen inneren, die sich bis in körperliche Krankheiten fortsetzen können, und zu äußeren, die die Beziehungen zu unserer Umwelt beeinträchtigen und soziale Verständigung oftmals verunmöglichen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig gerade in unserer Zeit zunehmender und immer subtiler werdender Fremdbestimmung Ullrich Pühns Engagement für den »persönlichen Grundton« ist, weil dieser »die tonale Basis jeder Persönlichkeit ist und von ihm die tonale Feinabstimmung ausgeht. Er erschafft die tonale Struktur eines Menschen als klingender Mikrokosmos … Wenn man ihn singt, gerät der ganze Körper in Vibration und bringt vermehrt die Lebensenergie zum Fließen«.

Entscheidend ist dabei, dass es bei der Entdeckung dieses eigenen Grundtons nicht so sehr um ein intellektuelles Wissen geht, sondern um ein geduldiges ganzheitliches Erspüren, ein sensibles Wahrnehmen und letztlich um ein wirklich eigenes aktives »Ersingen«.

Ullrich Pühns Buch DEIN GRUNDTON vermittelt einen fundierten Einblick in die ganze Bandbreite der Thematik und weckt beim Lesen unweigerlich den Wunsch – hinhorchend – sich selbst auf die Suche nach der eigenen Grundschwingung zu begeben.

Einführung

Als im November 1981 der Musikjournalist und Redakteur Joachim Ernst Berendt seine zweiteilige Hörsoirée Nada Brahma, die Welt ist Klang in den Äther schickte, brachte er eine Thematik in den Fokus der breiteren Öffentlichkeit, die bis dahin nur Spezialisten und wenigen Fachkundigen bekannt war: die tonale Forschung. Diese hatte es schon immer gegeben, angefangen von Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.) im alten Griechenland, fortgesetzt durch die Weltharmonik des Johannes Kepler (1571–1630), in dessen Nachfolge im 20. Jahrhundert das Hans-Kayser-Institut für harmonikale Grundlagenforschung entstand. Dazu gehörten auch die Klangexperimente von Ernst F. F. Chladni (1756–1827) sowie die Kymatik des Schweizers Hans Jenny (1904–1972). Diese kurze Auflistung nennt nur die bekanntesten Schulen und Persönlichkeiten.

Die Welt und ihre vielfältigen Erscheinungen auf einen tonalen und harmonikalen Kontext hin zu untersuchen war also nicht neu, sondern nur wenig bekannt. Dabei liegt das Thema durchaus auf der Hand, denn viele Heilige Schriften und Schöpfungsmythen erklären die Entstehung der Welten als eine schwingende Sensation, sei es nun in Form von Ton, Knall, Wort oder Bewegung. Und alles was periodisch schwingt ist gleichsam ein Ton, entweder im hörbaren oder im unhörbaren Bereich. Wenn aber ein Ton das Urphänomen Schöpfung ausgelöst hat, so kann diese Kraft nicht verloren gegangen sein, sondern muss alle Aspekte der Schöpfung durchdringen und tragen. Das ist Grund genug, sich dem Thema »Schwingungen« zuzuwenden.

Etwa zur gleichen Zeit wie Berendt – also seit Mitte der Siebzigerjahre – widmete sich der indische Musiker und Atomphysiker Vemu Mukunda einem besonderen und bis dato unbeachteten Bereich der tonalen Forschung. Ihn interessierten nicht die kosmische Harmonie, deren Zahlenverhältnisse oder die Planetentöne. Er stellte sich die einfache Frage nach der Grundschwingung des Menschen. Er dachte zunächst, dass dies nicht weiter schwierig sei, doch das stellte sich schnell als Irrtum heraus. Wer die tonale Beschaffenheit des Menschen ergründen will, muss sich zuerst der Frage widmen, was ein Mensch überhaupt ist. Er muss die grobe und die vielen feinen Körperschichten bedenken, die seelische Disposition einbeziehen, die Anatomie berücksichtigen und schließlich philosophische Aspekte über den Sinn des Lebens erwägen. Der Mensch ist in der Tat ein gewaltiger Mikrokosmos, der sich nicht einfach über eine einzige Tonhöhe definieren lässt, die womöglich auch noch für alle Menschen gleich sein soll.

Die zunächst einfache Frage nach der menschlichen Gestimmtheit hat in seinem Verlauf einen differenzierten und vielschichtigen Themenkomplex eröffnet, der keine leichtfertigen oder oberflächlichen Antworten erlaubt. Viele Wissensgebiete müssen ineinander fließen, um zu einer klaren tonalen Aussage zu kommen. Es geht um den Ton im physikalischen und musikalischen Sinn. Es geht um medizinisches Wissen, um Lebensenergie und Psychologie. Es geht um Menschenbild und Philosophie. Wenn ein Baustein fehlt, fängt das gesamte Gebäude an zu wanken oder bricht zusammen. Aber der Aufwand lohnt sich, denn heraus kommt ein Ergebnis, das den Menschen als ein Gebilde (besser: einen Klangraum) voller faszinierender Schönheit erblicken (besser: ertönen) lässt.

Das vorliegende Buch soll in leicht verständlicher Form die Grundlagen für ein Verständnis des klingenden Mikrokosmos »Mensch« aufzeigen. Diese bilden aber nur den Anfang auf einem Wissensgebiet, dem schon jetzt wesentlich differenziertere und genauere Informationen zur Verfügung stehen. Und das Thema ist noch lange nicht erschöpft. Es könnte zwar noch Hunderte von Jahre dauern, bis das Mysterium des klingenden Menschen bis ins letzte Detail entschlüsselt ist, aber das heutzutage Bekannte reicht bereits vollkommen aus, um die tonale Beschaffenheit eines Menschen für Heilzwecke nutzen zu können.

Die Tore sind bereits weit geöffnet für einen aufschlussreichen Weg hin zur Antwort auf die Frage: Wie ist der Mensch gestimmt?

Prolog: Gesundheit

Gesundheit ist ein Gesamtkunstwerk

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, kommt die Zeit der Wünsche und der guten Vorsätze. Da geloben viele Menschen Besserung. Sie versprechen, ihre schlechten Gewohnheiten aufzugeben und das Leben neu zu gestalten. Auf der Wunschliste rangiert die Gesundheit ganz weit oben. Man wünscht sich selbst Gesundheit, man wünscht allen anderen Gesundheit und hofft dringlich, dass diese Wünsche tatsächlich in Erfüllung gehen mögen. Dies ist verständlich, denn ohne Gesundheit ist jeder Mensch in seinen Möglichkeiten stark beeinträchtigt. Beruf und Freizeitaktivitäten werden beschwerlich oder unmöglich, und die Lebensfreude sinkt rasch auf den Nullpunkt. Gesundheit ist tatsächlich ein Grundbedürfnis, das wir unbedingt brauchen, uns aber nicht kaufen können. Wir können uns ein gutes Bett kaufen, aber keinen Schlaf. Genauso können wir zu einem hervorragenden Arzt gehen, uns aber dort keine Gesundheit kaufen.

Wenn es uns an Gesundheit mangelt, bietet unser jetziges Gesundheitssystem den Menschen die Möglichkeit, geeignete Gegenmaßnahmen in Form einer medizinischen oder therapeutischen Behandlung zu ergreifen. Aber auch dies garantiert noch lange keine Gesundheit. Das anscheinend Höchste aller Güter entpuppt sich bei genauer Betrachtung als ein vielschichtiges Kunstwerk, und ein Verständnis seiner zahlreichen Faktoren ist unerlässlich, wenn man Gesundheit in seiner Vollkommenheit begreifen möchte.

Die sicherlich bekannteste Definition von Gesundheit liefert die Weltgesundheitsorganisation WHO. In ihrer Satzung vom Juli 1946 steht gleich zu Beginn: »Gesundheit ist ein Stadium des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.«1 Damit ist die Tür für ein facettenreiches Verständnis von Gesundheit geöffnet.

Um die zahlreichen äußeren Voraussetzungen, die gegeben sein müssen damit Menschen in Gesundheit leben können, sorgen sich Politiker, Wohlfahrtsverbände, Umweltkommissionen und viele andere gesellschaftspolitische Institutionen. So legen sie auf verdienstvolle Art und Weise die äußeren Grundlagen für die Gesundheit jedes Einzelnen. Der findet in seinem persönlichen Fall Unterstützung durch Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Heilpraktiker und andere Heilkundige. Aber die WHO geht noch weiter. Im Grundsatzdokument von Alma-Ata vom 12. September 1987 steht unter Punkt IV zu lesen: »Die Menschen haben das Recht und die Verpflichtung, sich individuell und kollektiv an der Planung und Umsetzung ihrer Gesundheitsversorgung zu beteiligen.«

Nun ist nicht jedem Menschen die Kraft und die Möglichkeit gegeben, sich auf gesellschaftspolitischer Ebene für die Gesundheitsversorgung einzusetzen. Ganz anders sieht es auf der persönlichen Ebene aus. Da ist jeder Mensch bestens beraten, wenn er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst um die Erhaltung seiner Gesundheit kümmert. Neben regelmäßigen Arztgängen hilft eine innere Wachsamkeit, die die Alarmglocken der verschiedenen Frühwarnsysteme rechtzeitig läuten hört. Wer sorglos und unbedacht Raubbau an seiner Gesundheit betreibt, darf sich später nicht über geringe Heilungschancen wundern. Zu seinem eigenen Wohl ist es für jeden Einzelnen empfehlenswert, der benannten Verpflichtung zur persönlichen Gesundheitsvorsorge nachzukommen und alles in seiner Möglichkeit Stehende zu mobilisieren, um seine Gesundheit selbst aktiv zu fördern und zu wahren.

Wer in diesem Sinne eigenverantwortlich handeln möchte, kommt nicht daran vorbei, sich Gedanken darüber zu machen, aus welchen Faktoren sich Gesundheit zusammensetzt. Die von der WHO genannten drei Punkte geben einen groben Umriss, denn die gewählte Formulierung soll weltweit allen kulturellen und gesellschaftlichen Vorstellungen gerecht werden. In der Tat erweist es sich als schwierig, die unterschiedlichen Menschenbilder aller Kulturen und Religionen zu synchronisieren, denn der Begriff »Geist« wird je nach bestehendem Kontext sehr unterschiedlich aufgefasst, und sogar dem Wort »Körper« liegt nicht weltweit ein einheitliches Verständnis zugrunde. Die allgemeine Definition der WHO mit dem Hinweis auf die körperliche und geistige Natur des Menschen scheint weltweit einen Konsens zu finden. Trotzdem bietet diese vergleichsweise unspezifische Aufteilung kaum Gelegenheit zu einer tiefer gehenden Betrachtung. Etwas einfacher ist es mit dem sozialen Wohlergehen, denn dieser Faktor bezieht sich nicht auf ein Menschenbild, sondern auf die Notwendigkeit eines menschlichen Miteinanders und auf geeignete äußere Rahmenbedingungen für die Gesundheit.

Im Laufe der Geschichte haben Zeiten und Kulturen ganz unterschiedliche Erklärungen, Bilder oder Mythen gebildet, um ihr Verständnis von der Natur des Menschen zu formulieren. Eine Erklärung für den Zweck des Menschseins und die Bedeutung des Lebens bildet den zentralen Teil der Kulturen fast aller Völker. Damit einher geht ein bestimmtes Menschenbild, das wiederum die Grundlage für das Verständnis von Gesundheit ist. Eines dieser kulturellen Vermächtnisse, die sich als Orientierung und Ratgeber besonders eignet, ist das in der westlichen Welt eher unbekannte Sāṁkhya. Diese altindische Philosophie beruht auf den Veden und dem Vedanta. Ihre Grundthese besteht in der Annahme, dass die gesamte Schöpfung aus den fünf Urelementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther besteht. Die Fülle der Schöpfungsphänomene resultiert aus deren mannigfaltigen Kombinationen. Die entstandenen Strukturen weisen unterschiedliche materielle Dichten auf, von denen nur ein Fünftel, nämlich die vom Element Erde getragenen Substanzen, im herkömmlichen Sinn stofflich sind. Die übrigen Bereiche sind im Sinne des Sāṁkhya ebenfalls materiell, im westlichen Verständnis müssten sie als feinstofflich bezeichnet werden.

Die gleichen Gesetze wie für den Makrokosmos gelten auch für den Mikrokosmos Mensch. Gemäß dem Menschenbild der Sāṁkhya-Philosophie besteht der Mensch aus fünf Ebenen, die jeweils von einem der fünf Elemente getragen werden. Dies sind die fünf Hüllen (kośa), die zusammen die Ganzheit der menschlichen Struktur bilden. Von ihnen ist aber nur die dichteste, vom Element Erde getragene Komponente im westlichen Sinne materiell. Alle anderen bestehen aus immer feiner werdender, nicht direkt wahrnehmbarer Substanz. Jede dieser fünf Hüllen beherbergt einen bestimmten Gesundheitsaspekt. Das Erdelement trägt und versorgt die physische Gesundheit, das Wasser übernimmt die energetische Gesundheit, Feuer und Luft sind zuständig für die emotionale und mentale Gesundheit, und der Äther schließlich trägt die spirituelle Gesundheit. Dieser fünfteilige Aufbau macht uns Menschen begreifbar, dass wir weit mehr sind als ein fleischliches Gebilde. Wer der Idee des Sāṁkhya folgt, kommt sogar zu dem Ergebnis, dass die leibliche Masse lediglich als Trägersubstanz für unsere menschliche Individualität dient. Deren wesenhafte Anteile lassen sich dort allerdings nicht ohne weiteres finden, da die viel zitierte Seele in ihrer Substanz nicht aus grobstofflicher Materie besteht, sondern ein zartes feinstoffliches Gewirk ist.

Wird der allgemein formulierte Gesundheitsbegriff der WHO durch die Vorstellungen der Sāṁkhya-Philosophie ausdifferenziert, stellt sich die Gesundheit als ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk dar, und es lohnt sich, diese Bereiche einer gesonderten Betrachtung zu unterziehen. Jeder von ihnen bildet eine in sich geschlossene Einheit mit einer eigenen Beschaffenheit und eigenen Funktionskreisen. Da aber der Mensch ein Ganzes ist, sind die einzelnen Ebenen durch eine feine energetische Interaktion untrennbar miteinander verquickt. Ein Ungleichgewicht in einem der Bereiche zieht unweigerlich eine Störung auf den anderen Ebenen nach sich. Dabei ist es schwierig, den Primärfaktor zu entdecken, also die grundlegende Ursache für eine gesundheitliche Störung. Für eine Behandlung von Dysfunktionen gibt es immer die Möglichkeit, an den Symptomen zu arbeiten. Aber so wie die Feuerwehr bei den Löscharbeiten immer bis zum Brandherd vordringen muss, ist es sinnvoll, jede gesundheitliche Beeinträchtigung bis zu ihrem eigentlichen Ursprung zurück zu verfolgen. Je nachdem auf welcher Ebene er liegt, kann nun eine zielgerichtete Behandlung mit den geeigneten Mitteln einsetzen. Wird auf diese Weise eine gesundheitliche Störung radikal angepackt, regulieren sich auch die Auswirkungen in den anderen Bereichen und eine umfassende, alle Ebenen durchdringende Gesundheit kann entstehen.

Physische Gesundheit

Die physische Gesundheit bezieht sich auf die Anatomie eines Menschen, also auf den sogenannten grobstofflichen Körper. Im Sāṁkhya wird dieser Teil des Menschen als annamāyākośa bezeichnet. Er ist der materiell direkt wahrnehmbare Teil des Gesamtkomplexes Mensch und besteht aus Haut und Knochen, Organen und Muskeln, kurzum aus allem, was in einem Anatomie-Atlas verzeichnet ist. Nach dem Tod eines Menschen bleibt dieser Teil von ihm für kurze Zeit nahezu unverändert bestehen, zersetzt sich jedoch nach und nach, bis er schließlich ganz zerfällt. Die Knochen bleiben als materiell dichtester Anteil am längsten erhalten. Die physische Gesundheit ist der Spezialbereich der heutigen Schulmedizin. Ärzte, Mediziner und Wissenschaftler haben die anatomische Beschaffenheit des Menschen bis ins kleinste Detail erforscht und kennen die genauen Abläufe in den verschiedenen Funktionskreisen, sei es im Blutkreislauf, im endokrinen System oder bei den Stoffwechselvorgängen.

Im Gesamtsystem kommt dem physischen Körper insofern eine Sonderfunktion zu, als sich auf dieser Plattform alle anderen Aspekte der Gesundheit direkt abbilden. Wer sich in der Interaktion der menschlichen Ebenen gut auskennt, findet anhand der Physis wichtige Indizien für eine Störung, deren Ausgangspunkt auf einer der anderen Ebenen liegt. Außerdem bildet er die Grundlage, auf der sich fast alle Heilbehandlungen abspielen, auch wenn die Maßnahmen von dort aus in die feineren Schichten übergehen und dort einwirken sollen.

Der annamāyākośa wird von der Nahrung, die wir zu uns nehmen, ernährt.2 Aus diesem Grund ist ausreichende und hochwertige Nahrung ein essenzieller Gesundheitsfaktor. Mangelhafte oder falsche Ernährung schwächt den Körper und begünstigt physische Erkrankungen. Eine gute Gesundheitsversorgung fängt deshalb bei der Ernährung an.

Der physische Leib gleicht einem Gefährt, das seinen Insassen transportiert.3 Ohne Fahrzeug keine Reise, und zu diesem Zweck muss es funktional in Ordnung sein. Seine Pflege und Instandhaltung erfüllt in diesem Sinne eine wichtige Funktion. Allerdings darf sich der Fahrer nicht mit seinem Fahrzeug gleichsetzen. Es ist bloß ein Gefährt, dessen Existenz nur durch die Anwesenheit eines Insassen eine Bedeutung zukommt.

Energetische Gesundheit