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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 

Für Sandra. Und für Rem, unsere große Freude nach großer Aufregung

Danksagung
Außerordentlich dankbar bin ich meinem Agenten David Kuhn, dessen Hartnäckigkeit für die Verwirklichung dieses Buchprojekts ganz entscheidend war, und auch meiner Lektorin Luba Ostashevsky, die mir mit Sachverstand und Enthusiasmus geholfen hat, mein Manuskript noch entscheidend zu verbessern.
Daneben möchte ich den Zeitschriftenredakteuren danken, die mit mir an Artikeln zum Thema Angst gearbeitet haben, während ich mein Verständnis von diesem Thema vertiefte: Kent Black von Outside’s GO, Chris Raymond vom Männer-Lifestyle-Magazin Details und David Dunbar von Popular Mechanics.
Und natürlich hätte ich ohne meine Frau Sandra Garcia kein einziges Wort dieses Buches zu Papier gebracht. Sie hat mich nicht nur emotional und intellektuell unterstützt, sondern auch unseren neugeborenen Sohn ruhiggehalten, als ich unter Hochdruck arbeiten musste, damit das Buch rechtzeitig fertig wurde.

Das Geheimnis der Angst
Am 3. Juni 1970, kurz vor zwölf Uhr mittags, legte ein englischer Pilot namens Neil Williams die Gurte in seiner blau-weißen Zlin Akrobat an, einer robusten, aber doch wendigen einmotorigen Kunstflugmaschine, die aus tschechoslowakischer Produktion stammte. Die Weltmeisterschaften im Kunstflug standen bevor und Williams wollte noch einmal die Manöverabfolge üben, die er vorführen wollte.
Mit seinen hohlen Wangen, den tief liegenden Augen und den dunklen, aus der hohen Stirn gekämmten Haaren sah Williams genauso aus, wie ein Filmregisseur einen waghalsigen Piloten besetzen würde. Und in seinem Fall stimmte das Aussehen auch mit dem Wesen überein: Williams war ein altgedienter Flieger, mit großer und vielseitiger Erfahrung auf dem Buckel. Im Laufe seiner Fliegerkarriere hatte er über hundertfünfzig verschiedene Flugzeugtypen geflogen und mehr als sechstausend Flugstunden gesammelt. Als ehemaliger Testpilot der Royal Air Force und viermaliger Gewinner der britischen Kunstflugmeisterschaften galt er bereits im Alter von 36 Jahren als einer der größten Allroundpiloten, die Großbritannien jemals hervorgebracht hatte. Aber noch nie waren seine Fähigkeiten so auf die Probe gestellt worden, wie es jetzt gleich der Fall sein sollte. Über den Luftstützpunkt der Royal Air Force in Hullavington in England drifteten Schönwetterwolken hinweg, als Williams sein Flugzeug auf der Startbahn ausrichtete, beschleunigte und röhrend abhob. Ein sanfter Wind wehte, und als Williams höher stieg, registrierte er zufrieden, dass keine Turbulenzen auszumachen waren. Das bedeutete, dass er seine Manöver umso präziser ausführen konnte.
Er flog seine komplette Sequenz zweimal ohne jeden Zwischenfall, brachte die Zlin wieder in die Horizontale und begann mit dem dritten und letzten Durchgang. Nach ein paar Minuten in der Luft war er bereits der Erschöpfung nahe. Wettkampfkunstflug ist außerordentlich anstrengend und erfordert in mentaler Hinsicht höchste Aufmerksamkeit für jedes Detail, die Fähigkeit, schnell und dreidimensional zu denken, und das Vermögen, auch dann die Fassung zu behalten, wenn das Flugzeug während schneller Manöverabfolgen auf dem Kopf steht, nach hinten fällt oder sich wie ein Kreisel dreht. Physisch erfordert diese Sportart optimale körperliche Kondition und Fitness, weil die abrupten Richtungswechsel des Flugzeugs den Piloten mal auf die eine, mal auf die andere Seite des Cockpits pressen, mit Zentrifugalkräften, die teilweise mit dem Neunfachen seines Eigengewichts auf den Körper einwirken und ihn im nächsten Moment dann wieder kopfüber in seinen Fluggurten hängen lassen. Schon nach einer vierminütigen Kunstflugübung sind die Piloten meist völlig erschöpft und schweißgebadet.
Mitten im dritten Durchlauf flog Williams gerade einen Looping, bei dem sein Flugzeug einen großen vertikalen Kreis in die Luft zeichnete. Als es den obersten Punkt erreichte, saß Williams kopfüber in seinem Sitz, das gewürfelte Farmland von Südwestengland über seinem Kopf, der wolkengesprenkelte Himmel unter seinem Sitz. Die Maschine schwenkte vom höchsten Punkt in den Abwärtsbogen und der Horizont versank unter seiner Windschutzscheibe, bis Williams nur noch den Boden vor sich sah. Er flog immer steiler abwärts, bis er schließlich senkrecht nach unten blickte.
Als er gerade in 1500 Fuß Höhe auf die Erde zuschoss, zog Williams den Steuerknüppel nach oben, um die Zlin wieder in den Horizontalflug zu bringen. Er spannte die Bauchmuskeln an, um sich auf die g-Kraft (die Belastung eines Körpers durch Beschleunigung) vorzubereiten, die gleich auf ihn wirken würde, wenn die Schwerkraft zusammen mit der Zentrifugalkraft des Bogens, den das Flugzeug flog, ihn mit dem Fünffachen seines Normalgewichts in den Sitz pressen würden. Nur durch kräftiges Anspannen seiner Bein- und Bauchmuskeln konnte er verhindern, dass das Blut völlig aus seinem Kopf wich und er ohnmächtig wurde.
Das Flugzeug schwenkte in 1000 Fuß Höhe gerade wieder in die Horizontallage, da geschah es...
PENG!
Ein Ruck ging durch die Zlin. Sie rollte sich auf die linke Seite – bis auf den linken Flügel, der eigenartig in Horizontallage blieb. William erfasste sofort intuitiv, was passiert war. Durch die einwirkende Kraft beim Hochziehen musste der tragende Holm im Innern des Flügels gebrochen sein, der diesem seine Stabilität gab. Wenn das der Fall war, würde der gesamte Flügel demnächst abfallen. Williams drückte den Steuerknüppel ganz nach rechts, aber das Flugzeug kippte weiter nach links. Die Erde war jetzt nur noch knapp 300 Fuß unter ihm und kam rasend schnell näher.
Für die meisten Piloten hätte dies das sichere Ende bedeutet. Doch Williams hatte in den wenigen Sekunden, die ihm noch blieben, bevor das Flugzeug sich in die Erde bohren würde, die rettende Idee. Er erinnerte sich an die Geschichte von einem bulgarischen Piloten, dem vor Jahren in einem ähnlichen Zlin-Modell ebenfalls ein Unglück passiert war. Die Umstände in diesem Fall waren zwar anders gewesen – der Bulgare war gerade auf dem Kopf geflogen, als ein Bolzen in einem der Flügel brach und das Flugzeug sich daraufhin unerwartet auf die linke Seite legte. Aber ein Detail an dieser Geschichte schien Williams auffällig. Sobald das Flugzeug des Bulgaren wieder richtig herum flog, klappte der Flügel wieder in die Ausgangsposition zurück. Vielleicht war seine Situation ja vergleichbar, wenn auch umgekehrt. Wenn er das Flugzeug vom Normalflug wieder in Rückenlage brachte, würde der Flügel vielleicht auch wieder in die richtige Lage zurückklappen.
Schneller als andere Leute überhaupt einen Gedanken zu Ende denken können, drückte Williams den Steuerknüppel hart nach links, bis die Zlin auf dem Rücken flog. Dann drückte er den Knüppel nach vorn. Sein Gesicht schwoll an und wurde rot, während Schwer- und Zentrifugalkraft das Blut von seinem Körper in den Kopf schießen ließen.
WOMM!
Mit einem willkommenen dumpfen Schlag klappte der Flügel wieder an seinen Platz. Doch jetzt befand sich die Maschine schon beinahe in den Baumwipfeln und für einen Moment dachte Williams, dass er abstürzen würde. Doch da fing das Flugzeug wieder an zu steigen.
In den Gurten hängend trieb er die angeschlagene Maschine einen kostbaren Höhenmeter nach dem anderen gen Himmel. Er hatte nicht viel Zeit: Er wusste, dass der Motor der Maschine nicht länger als acht Minuten im Rückenflug laufen würde. Schnell wägte er seine Chancen ab: So ohne Fallschirm sah die Lage schlecht aus. Sollte er versuchen, kopfüber in den Bäumen zu landen? Einen See suchen, in dem er notwassern konnte? Genau in diesem Moment fing der Motor an zu stottern und starb ab – ein weiteres potenziell tödliches Desaster. Blitzschnell ließ Williams seinen Blick durch das Cockpit schweifen und entdeckte das Problem sofort.
Bei der heftigen Erschütterung am Anfang war er versehentlich an den Benzinhahn gekommen und hatte damit die Benzinversorgung des Motors unterbrochen. Er drehte ihn zurück auf die »On«-Position. Der Motor hustete ein paarmal und erwachte wieder zum Leben.
Williams ging die Zeit aus. Er kam zu dem Schluss, dass seine größte Chance zu überleben eine Bruchlandung auf dem Flugplatz wäre. Also steuerte er die Zlin heimwärts und leitete kopfüber den Landeanflug ein. Als das Ende der Landebahn über seinem Kopf erschien, drückte er den Steuerknüppel hart nach rechts und rollte das Flugzeug in Normallage. Wieder klappte der linke Flügel nach oben und das Flugzeug schlingerte zur Seite, prallte auf die Landebahn und schlitterte weiter. Williams kauerte sich zusammen, bis es zum Stillstand kam. Dann durchstieß er das kaputte Kabinendach und kletterte hinaus. Das Flugzeug war ein Wrack, aber er hatte ohne den geringsten Kratzer überlebt.
 
Dass Williams es schaffte, den katastrophalen Bruch des Flugzeugflügels in so geringer Höhe zu überleben, grenzt an ein Wunder. Flugtechnisch gesehen war die Frage, wie er in der Luft bleiben konnte, ganz einfach eine Sache der Physik. Aber die psychologische Seite dessen, was da passiert war, steht auf einem ganz anderen Blatt. Nach normalem Ermessen hätte Williams an diesem Tag sterben müssen. Unter solch extremem Druck, den tödlichen Absturz quasi vor Augen, hätte der Ansturm der Hormone so intensiv sein müssen, sein neuronaler Schaltkreis der Angst so überaktiviert, dass er eigentlich kaum fähig gewesen sein dürfte zu reagieren, geschweige denn, im Bruchteil einer Sekunde eine kreative Lösung zu entwickeln. Etwas Außergewöhnliches musste also in seinem Gehirn vorgegangen sein. Irgendein Mechanismus in seiner psychologischen Ausstattung musste ihn irgendwie vor der Panik bewahrt und ihm sogar eine Extradosis an Geistesgegenwart verliehen haben, mit deren Hilfe er die Krise überstand. Was immer es war, es ist auf jeden Fall ein seltenes Talent. Selten, aber nicht einzigartig. Die Geschichte menschlicher Errungenschaften ist durchsetzt mit den Geschichten von Menschen, die tödliche Gefahren überlebten, weil sie geistesgegenwärtig reagierten. Aber wie schaffen diese Leute das? Was macht sie anders? Und, was am wichtigsten ist: Was können wir anderen von ihnen lernen? Ich fing an, mich für das Thema extremer Angst zu interessieren, als meine Karriere als Zeitschriftenjournalist immer mehr in Richtung Abenteuerreisen steuerte. Ein adrenalintreibender Auftrag führte zu dem nächsten, und die Unternehmungen wurden immer gefährlicher und extremer. Ein Artikel über Helikopter-Fischen in British Columbia führte mich in ein Heli-Angelcamp in Alaska, was mich wiederum zu einer Story über Buschpiloten in Alaska brachte, die dafür verantwortlich war, dass ich meinen Flugschein machte. Dann machte ich auch noch den Segelflugschein und schrieb eine Story über das Motordrachenfliegen über der Wüste von New Mexico, die wiederum zu einer anderen über Kunstfliegen in einem Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg führte. Dazwischen schwamm ich Wildwasserflüsse hinab, schlief in Schneehöhlen, fuhr in selbst gefertigten U-Booten und seilte mich von Klippen ab. Je mehr ich meine Bereitschaft kundtat, mich extremen Abenteuern zu stellen, desto mehr Redakteure wollten mich für solche Stories gewinnen.
Als mein Beruf mich zunehmend häufiger in haarsträubende Situationen führte, stieß ich immer öfter an meine Grenzen. Bis mich eines Tages ein Auftrag zu einem Bungeejumping-Unternehmen in der Nähe von Nanaimo in British Columbia führte, das sich The Bungy Zone nennt. Die Absprungstelle lag auf einer Brücke in 45 Meter Höhe über einer schattigen Felsenschlucht. Ich sah zu, wie ein begeisterter Draufgänger mit ausgebreiteten Armen in den Abgrund sprang. Dann war ich an der Reihe. Und obwohl ich genau wusste, dass mir körperlich nichts geschehen würde, hatte ich das sichere Gefühl, nicht in diese Leere springen zu können, ohne dass in meinem Kopf irgendetwas ausrasten würde. Aber da ich schließlich einen Job zu erledigen hatte, ging ich auf die Brücke. Das Gefühl von Angst nahm zu, als ich zur Sprungplattform vorging, und verstärkte sich noch weiter, als ich dort saß und mir ein Helfer das Bungee-Seil an den Knöcheln befestigte. Der drohende Kontrollverlust kam mir so real und so erschreckend vor, dass er in diesem Moment sogar erschreckender war als der physische Akt des Springens. Mir wurde klar, dass ich mich mehr davor fürchtete, was in meinem Kopf passieren würde, als davor, was mit meinem Körper geschehen würde. Ich hatte das erdrückende Gefühl, dass eine sonderbare und extreme Form des Wahnsinns sich meines Verstands bemächtigen wollte, und fragte mich, was in meinem Gehirn dieses Gefühl hervorrief.
In der Folge fing ich an, mich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Angstreaktion zu beschäftigen, und fand heraus, dass dieses Forschungsgebiet gerade ein goldenes Zeitalter betreten hatte. Neue Technologien waren auf den Plan getreten, welche die Funktionsweise des Gehirns in nie gesehenem Detail enthüllten. Eine der wichtigsten ist die funktionale Magnetresonanz-Tomographie oder fMRT, die es den Forschern erlaubt, mentale Aktivität direkt sichtbar zu machen, während sie tief im Gehirn stattfindet.
Wie sich herausstellte, ist die Angst die menschliche Emotion, zu der am meisten geforscht wurde. Auch weil sie im Vergleich zu anderen Gefühlen am besten für die Untersuchung geeignet ist. Vom Konzept her ist sie leicht zu fassen: ein System, das Gefahr entdeckt und so darauf reagiert, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Organismus maximiert wird. So alt, wie die Angst ihrem Ursprung nach ist, ist sie in unserem täglichen Leben noch allgegenwärtig und kann außerdem bei Versuchspersonen wie -tieren im Labor leicht erzeugt werden.
Angst kann sich auf viele Arten manifestieren, aber alle beruhen auf demselben neurologischen System, einer Reihe von Verarbeitungszentren, die von ganz einfachen Strukturen, die schon vor Hunderten von Millionen Jahren entstanden, bis hin zu hoch entwickelten Gehirnregionen reichen, die sich erst in jüngster Zeit bildeten. Alle diese Zentren arbeiten zusammen und koordinieren unsere Angstreaktion.
Weil viele der Gehirnregionen tief unter der Oberfläche des Bewusstseins arbeiten, bleiben die Vorgänge darin verborgen, geheimnisvoll und sind häufig überraschend. Angst kann ohne Vorwarnung auftreten, springt uns gleichsam aus dem Nichts an und raubt uns den Verstand. Der Versuch, sie zu kontrollieren, bringt oft das Gegenteil: Je mehr wir versuchen, die Angst zu unterdrücken, desto schlimmer wird sie.
Das Verständnis davon, wie Angst im Gehirn erzeugt wird, ist nicht nur für Menschen wichtig, die regelmäßig ihr Leben riskieren, sondern für uns alle. Wir müssen im Laufe unseres Lebens mit unterschiedlichen, Angst machenden Situationen fertig werden, ob uns nun ein Meeting mit einem erbosten Kunden bevorsteht, wir uns auf Skiern vor einer steilen Abfahrt wiederfinden oder unsere Freundin fragen wollen, ob sie uns heiratet. Egal, wie Sie Ihr Leben leben, es wird immer Zeiten geben, in denen Ihnen das Herz bis zum Hals klopft, Ihr Mund trocken ist und Ihre Hände zittern.
In einer idealen Welt würde unser Nervensystem immer dann, wenn wir unter Druck stehen, mit perfekter Effizienz reagieren, es würde sofort in den höchsten Gang schalten, wenn Gefahr im Anzug ist, und dafür den Rest der Zeit im Ruhezustand verbringen. Aber so funktioniert es leider nicht. Oft ist die Reaktion, die von unseren Angstzentren ausgelöst wird, genauso gefährlich wie die Bedrohung, die sie ursprünglich ausgelöst hat, wenn nicht sogar noch gefährlicher.
Wenn uns die Angst im Griff hat, können wir uns völlig ausgeliefert fühlen. Soldaten werfen ganz buchstäblich die Flinte ins Korn und rennen weg. Piloten verlieren die Kontrolle und lassen ihre Flugzeuge abstürzen. In solchen Fällen fühlt es sich an, als wären wir von irgendeiner unerbittlichen fremden Macht besessen. Und tatsächlich ist das Wort »Panik« von dem griechischen Gott Pan abgeleitet, von dem die alten Griechen glaubten, er würde Reisende an einsamen Orten überraschen, so dass sie in blindem Schrecken davonlaufen. Den Menschen der Antike schien die Besessenheit durch eine böswillige Gottheit die einzig plausible Erklärung für ein solches Verhalten. Hoffentlich müssen nur wenige von uns solch extreme Angst aushalten. Aber auch leichter Stress kann unsere Leistung bereits negativ beeinflussen, wie jeder sofort bezeugen kann, der einmal schwitzend und stotternd in einem Bewerbungsgespräch saß. Wenn wir von Angst besessen sind, müssen wir im Allgemeinen gleich mit zwei Problemen fertig werden: mit der Sache, wegen der wir uns fürchten, und mit der Angst, die damit einhergeht.
Anders betrachtet: Wenn wir lernen könnten, mit unserer Angst umzugehen, gäbe es sofort nur noch halb so viele Dinge, deretwegen wir uns Sorgen machen müssen.
Und jetzt die gute Nachricht: Genau das können wir tun. Wenn wir erst verstehen, wie unsere Angstreaktion funktioniert, können wir effektiver damit umgehen. Und genau das will ich mit diesem Buch: Ihnen helfen, Ihre Reaktion auf Druck besser zu steuern, indem Sie das zugrundeliegende Wie und Warum besser verstehen.
Zuerst beschäftigen wir uns also damit, wie Verstand und Körper auf Angst machende Situationen reagieren, und was davon hilfreich und was weniger hilfreich ist. Danach werden wir uns drei Hauptkategorien von Situationen mit hohem Stressfaktor genauer ansehen. Dann untersuchen wir die wichtigsten uns zugänglichen Strategien zur Bewältigung solcher Situationen. Zum Schluss wird das Ganze durch ein tieferes Verständnis von der Rolle, die Angst in unserem Leben spielt, abgerundet.
Angst ist nicht nur schlecht. Genauso wie sie die schrecklichste Erfahrung überhaupt sein kann, kann sie auch bewirken, dass wir uns so beglückend lebendig fühlen wie niemals zuvor. Gezielte Vorbereitung bringt wesentlich mehr als nur auf das Beste zu hoffen. Wenn wir die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse mit altbewährten Techniken kombinieren, können wir trainieren, unter Druck nicht nur zu bestehen, sondern über uns hinauszuwachsen.

Erster Teil:
Parallelverstand Angst
002
Dies sind die wichtigsten Gehirnregionen, die an der Angstreaktion beteiligt sind. Der Kampf um Selbstkontrolle wird zwischen dem präfrontalen Cortex und der Amygdala ausgefochten.
Zeichnung von Sandra Garcia

Was die Angst aus uns macht
Das Flugzeug befindet sich in 3700 Meter Höhe, als die Tür aufgeschoben wird. Sofort ist die Kabine erfüllt von eisiger Luft und dem Geräusch des tosenden Winds. Draußen kann man den nördlichen und den südlichen Ausläufer von Long Island sehen, gebadet in das klare blaue Licht eines Herbstnachmittags. Zuerst kriecht ein Mann in einer roten Sprungkombi bis zur Türschwelle und stürzt sich hinunter, dicht gefolgt von einer Frau in Gelb und einem weiteren Mann in Blau. Jedes Mal, wenn sich eine Person von der Schwelle fallen lässt, macht das Flugzeugheck einen Satz nach oben.
Jetzt bin ich mit Duncan, meinem Tandemmaster, allein hier in der leeren Flugzeugkabine, in der es nicht einmal Sitze gibt. »Okay«, sagt er. »Auf geht’s zur Tür!«
Mir schnürt sich die Kehle zu.
Er rutscht nach vorn und ich muss mit, da wir fest aneinandergebunden sind, seine Brust an meinem Rücken, seine Hüften an meinem Hintern. Ich bin wie betäubt, spüre ein beklemmendes Gefühl in der Brust, mein Mund ist trocken. Ich wünschte, ich wäre weiß Gott wo, nur nicht hier. Mein Verstand arbeitet fieberhaft, während ich um Selbstkontrolle ringe. Ich muss an dieses alte Klischee vom Fallschirmspringen denken, an den vor Angst versteinerten Neuling, der sich mit weiß hervortretenden Fingerknöcheln an die Türschwelle klammert. Wird es mir genauso ergehen? Wird mich die Angst besiegen? Oder schaffe ich es, die Nerven zu behalten?
Ich fühle mich schwach, kaum fähig, mein eigenes Gewicht zu bewegen. Als wir die Tür erreichen, liegt ganz Long Island vor meinen Augen, die Wälder gesprenkelt mit dem Orange und Rot des Frühherbsts. Im Süden verschwimmt der Atlantik mit dem blasseren Blau des Himmels am Horizont. Alles sieht so frisch, so kristallklar aus, und die Schönheit dieses Anblicks würde mir sicher den Atem rauben, wenn ich nicht mit etwas anderem beschäftigt wäre. Der Wind heult, als wir unsere Füße über den Rand schieben. Unter uns ist jetzt nichts mehr außer Luft, Tausende von Metern leerer Luft.
Ich denke: Was zum Teufel tue ich hier?
Die Antwort ist einfach. Ich habe mich freiwillig gemeldet, an einem Experiment über das Wesen der Angst teilzunehmen. Eine Entscheidung, die ich in diesem Moment zutiefst bereue. Duncan checkt ein letztes Mal die Ausrüstung. Das an meiner Taille befestigte elektronische Aufzeichnungsgerät ist angeschaltet, um die Daten von der Sensorweste um meinen Oberkörper zu speichern. Hinter mir ertönt Duncans Stimme und ich höre die Wörter, die das endgültige Signal zum Abstoßen vom Flugzeug bedeuten, wie er mir am Boden erklärt hat: »Ready – set – go!«
Oh mein Gott.
 
Im Flugzeug, auf dem Weg zu meinem ersten Fallschirmsprung, habe ich es wieder einmal gründlich begriffen: Wenn die Angst uns im Griff hat, arbeitet unser Verstand anders. Körper und Gehirn reagieren einfach nicht so, wie wir es erwarten. Aufgaben, die in einem Zustand der Ruhe ganz einfach durchgeführt werden können, werden zu extremen Herausforderungen oder sogar unmöglich, wenn das Adrenalin durch unseren Körper strömt. Umgekehrt kann es auch sein, dass wir an der Herausforderung wachsen und eine viel bessere Leistung erbringen, als wir jemals zu hoffen gewagt haben. Und es ist vollkommen unmöglich, vorher zu wissen, welchen Weg wir einschlagen werden.
Die Frage, wer angesichts der Angst besteht und wer nicht, ist eine Unwägbarkeit, mit der sich die Menschen seit Urzeiten beschäftigten. Manche, die im Alltag den starken Mann mimen, werden im Kampf zu Feiglingen, andere, die sanftmütig erscheinen, erweisen sich gerade dann als furchtlos. Der französische Aristokrat Francois de La Rochefoucauld hat es im 18. Jahrhundert folgendermaßen formuliert: »Man kann nicht für seinen Mut einstehen, wenn man nie in Gefahr gewesen ist.« Die Psychologen des 20. Jahrhunderts, die nur zu gern herausfinden wollten, wie man den größtmöglichen Nutzen aus Staatsdienern wie Soldaten und Feuerwehrmännern ziehen kann, sind das Problem mit frischem Elan angegangen. Während des Zweiten Weltkriegs wollte die US Air Force die neue Wissenschaft der Psychometrie nutzen um festzustellen, wer fähig ist, »den Stress von Fliegen und Gefecht auszuhalten«, hatte aber kein Glück damit und kam letztendlich zu dem Schluss, dass »der einzig gültige Test für das Durchhaltevermögen im Kampf der Kampf selbst ist«. In den 1980er-Jahren versuchte es der kanadische Psychologe Stanley Rachman noch einmal und führte eine Studie mit Bombenentschärfungsexperten der britischen Armee durch. Doch obwohl er die Männer unzähligen Tests unterzog, war es ihm unmöglich, einen Zusammenhang zwischen ihrem psychologischen Profil und ihrer Leistung unter Druck herzustellen. Es sah also so aus, als sollte dieses Geheimnis ungelüftet bleiben.
Doch in den letzten zehn Jahren hat die moderne Technologie das Gleichgewicht zugunsten der Wissenschaftler verschoben. Geräte zur Anfertigung sogenannter funktioneller Magnetresonanz-Tomographien (fMRT) vom Gehirn erlauben den Neurowissenschaftlern, direkten Einblick in die Aktivität der Gehirne lebender Menschen zu nehmen. Diese Maschinen verwenden starke Magnetfelder, um Veränderungen in der Ausrichtung von Wasserstoffatomen herbeizuführen, die dann je nach ihrem chemischen Umfeld unterschiedlich auf Impulse elektromagnetischer Strahlung reagieren. Weil die Bereiche des Gehirns bei Aktivität mehr Sauerstoff verbrauchen, kann ein fMRT-Scanner genau darstellen, welche Bereiche zu einem bestimmten Zeitpunkt am aktivsten sind. Die Zeitverzögerung beträgt dabei nur ein paar Sekunden. Diese Aktivitätsbereiche werden mit anatomischen Erkenntnissen aus Untersuchungen in der Vergangenheit in Zusammenhang gebracht, wie zum Beispiel sogenannten Läsionsstudien am Gehirn, die bereits einen groben Atlas davon ergeben haben, welche Funktionen wo ausgeführt werden. Mit fMRT können die Forscher dann sehen, wie die unterschiedlichen funktionellen Bereiche des Gehirns zusammenarbeiten, ohne dass die Versuchspersonen dabei gefährdet oder in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden. Dr. Lilliane R. Mujica-Parodi glaubt fest daran, dass sie mit Hilfe der fMRT-Technologie das Geheimnis der Angst lüften kann. Als Direktorin des Laboratory for the Study of Emotion and Cognition (Labor für die Erforschung von Emotion und Kognition) an der State University of New York in Stony Brook auf Long Island will sie herausfinden, ob es eine Methode gibt, Personen in Normalsituationen zu testen, die vorhersagen kann, wie sie in Gefahrensituationen reagieren werden. Mit anderen Worten: Sie will Rochefoucaulds Diktum umwerfen.
Was mich an Frau Mujica-Parodis Arbeit von Anfang an faszinierte, war der ungewöhnliche Aufwand, den sie betreibt, um heftige Angstreaktionen auszulösen. In den letzten paar Jahren haben Mujica-Parodi und ihr Team nicht nur im Labor Versuchspersonen getestet, sondern auch in Feldversuchen. Zuerst werden ihre Versuchspersonen einige Tage lang stationär aufgenommen und müssen in dieser Zeit auf einem Laufband laufen und Blut-, Speichel- und Urinproben abliefern. Dann werden sie milden Stressoren ausgesetzt – dazu zeigt man ihnen zum Beispiel Fotos von emotional belastenden Verbrechensszenen. Danach werden ihre Gehirne mit einem fMRT-Scanner abgebildet.
Bis zu diesem Punkt ist daran eigentlich nichts Außergewöhnliches. Experimente dieser Art werden seit Jahren von Neurowissenschaftlern durchgeführt. »Die Wissenschaftler haben bereits gezeigt, dass es möglich ist, auf der Grundlage von fMRT-Experimenten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wie Menschen auf leichte Stressoren im Labor reagieren«, sagte mir Mujica-Parodi, als ich sie anrief, um sie über ihre Arbeit zu befragen. »Wir aber wollen einen Schritt weiter gehen und untersuchen, ob die Messergebnisse, die wir aus der fMRT erhalten, das Verhalten gegenüber Stressoren der realen Welt voraussagen können.«
Mit »Stressoren der realen Welt« meinte sie jede Erfahrung, die intensive Angst hervorruft. Für Wissenschaftler ist es eine große Herausforderung herauszufinden, welche Auswirkungen eine solche Erfahrung auf einen Menschen hat, da man es normalerweise für ethisch nicht vertretbar hält, Menschen um der psychologischen Forschung willen in tatsächliche Todesgefahr zu versetzen. Deswegen hat Mujica-Parodi nach der zweitbesten Lösung gegriffen. Sie rekrutiert Leute, die von sich aus den ersten Fallschirmsprung ihres Lebens bei Skydive Long Island durchführen, einem kleinen Unternehmen ca. 30 Kilometer östlich der Universität. Dazu hat sie eine Hinweistafel im Büro des Sprungzentrums angebracht, auf der sie ihre Arbeit schildert und ein kleines Honorar für Freiwillige anbietet. Jeder, der ihr Angebot angenommen hat, ist nach den Standards der Ethikkommission sozusagen Freiwild für ihre Untersuchungen über extreme Angst. Damit kann Mujica-Parodi diese Personen ihren Tests unterziehen und ihre Reaktion auf milde Stressoren im Labor mit ihrer physiologischen Reaktion auf den blanken Horror eines freien Falls aus 3700 Meter Höhe vergleichen. Als sie am Telefon davon erzählte, wurde mir klar, dass sich hier eine einzigartige Chance für mich auftat: Denn natürlich gibt es keinen besseren Weg zum Verständnis der modernen Angstforschung, als selbst daran teilzunehmen.
Ein paar Wochen später checke ich im Forschungszentrum des Stony Brook Hospital ein, um am ersten Teil des zweiteiligen Experiments teilzunehmen, der unter milden Stressbedingungen stattfinden soll. Ich muss zwei Tage hierbleiben, Krankenhauskost essen und in einem verstellbaren Patientenbett schlafen, mit einer Luftkammermatratze, wie sie gegen Wundliegen eingesetzt wird. Es ist wichtig, dass ich mich in dieser kontrollierten Umgebung aufhalte, erklärt mir Frau Mujica-Parodi, damit ihr Team genaue Messdaten meiner körperlichen Grundkonstitution erhalten kann – also einen Eindruck davon, welche Werte meine Hormone, meine Herzschlagrate und andere Stressindikatoren haben, wenn ich entspannt bin. Ich trage Elektroden am Körper, die meine Herzfrequenz aufzeichnen, und in regelmäßigen Abständen nimmt mir das Personal Blut-und Speichelproben ab.
Am letzten Morgen lege ich mich auf einen Rolltisch und werde in einen fMRT-Scanner gefahren, ein kreisförmiges Gerät, das pocht und summt, während seine unsichtbaren Magnetfelder mein Gehirn durchdringen. 45 Minuten lang liege ich ganz still da und starre auf einen Bildschirm, der Fotos von unterschiedlichen Gesichtern zeigt. Manche von ihnen drücken Wut aus, andere lachen, wieder andere blicken verdutzt oder völlig ausdruckslos drein. Meine Reaktion auf letztere interessiert Mujica-Parodi am meisten.
Während ich so daliege und mir diese Gesichter ansehe, ist mir nicht bewusst, dass ich wie auch immer geartete Gefühle spüre. Es sind einfach Fotos von Gesichtern. Aber tief in der rund 1375 Gramm schweren grauen Masse in meinem Kopf tun meine Angstzentren ihre Arbeit. Während ich hier im Scanner liege, sitzt Frau Mujica-Parodi mit einem Techniker in einer Kontrollkabine nebenan und sieht sich die Schnittaufnahmen von meinem Gehirn auf einem Computerbildschirm an.
Später zeigt sie mir einige der Aufnahmen. Die Bereiche mit der größten Aktivität sind rot, orange und gelb gefärbt. Die erste Region, auf die sie mich aufmerksam macht, ist der Thalamus in der Mitte meines Kopfs, direkt über dem Hirnstamm. Bestehend aus einem Paar birnenförmiger Lappen, dient der Thalamus als eine Art Steuerzentrale für den Informations-Highway im Gehirn. Er empfängt sensorische Daten von den Augen, den Ohren und dem restlichen Körper und dirigiert sie weiter zu den verschiedenen Teilen des Gehirns. Als ich mir die Fotos der Gesichter ansah, fiel Licht in mein Auge und stimulierte Neuronen (Nervenzellen) in meiner Netzhaut, die einen Strom von Informationen durch den Sehnerv an den Thalamus schickten. Dort spaltete sich der Datenstrom in zwei Ströme auf. Was in ihrem Verlauf passiert, stellt das eigentliche Geheimnis der Angst dar.
Der erste Pfad führt zur Amygdala, einem Paar mandelförmiger Nervenzentren, die zu beiden Seiten direkt vor dem Thalamus liegen. Der zweite Pfad führt zum Neocortex (dem stammesgeschichtlich jüngeren Teil der Großhirnrinde), dem tief gerillten und gefalteten Gewebe, das die Oberfläche des Gehirns bildet. Um genau zu sein, endet er in einem Bereich, der direkt unter der Stirn liegt, dem frontalen Cortex (auch Frontal- oder Stirnlappen genannt).
Ich sage Frau Mujica-Parodi, dass ich damit bereits vertraut bin. Der frontale Cortex ist der Bereich, der mit den höheren geistigen Funktionen in Zusammenhang gebracht wird. Ein Newcomer, wenn man in Evolutionskategorien denkt. Der Hauptunterschied zwischen Menschen und nahe verwandten Primaten wie Schimpansen und Gorillas ist, dass sich unser frontaler Cortex in den letzten paar Millionen Jahren beträchtlich vergrößert hat. Ich glaube, dass es nicht zu stark vereinfacht ist, wenn man sagt, dass viele der höheren, ausschließlich dem Menschen zugeschriebenen Fähigkeiten – zum Beispiel unsere Fähigkeit zu logischem Denken und Vorausplanen – ihren Sitz im frontalen Cortex haben.
Die Amygdala dagegen ist mir nicht so vertraut. Frau Mujica-Parodi erklärt mir, dass sie Teil eines viel älteren Bereichs des Gehirns ist, des sogenannten limbischen Systems, das tief unter dem Neocortex liegt und für viele der primitiveren Gehirnprozesse zuständig ist, einschließlich Gefühl und Gedächtnis. Im Besonderen ist die Amygdala der Hauptbereich zur Beurteilung von Bedrohungen. Sobald die visuelle Information vom Thalamus ankommt, prüft die Amygdala sie auf etwaige Anzeichen von Gefahr.
Die Amygdala ist auch verantwortlich für das Erlernen emotionaler Assoziationen. Wenn ich die Straße entlanggehe und mich ein Hund ins Bein beißt, werde ich nicht nur eine bewusste Erinnerung von diesem Ereignis bilden, sondern meine Amygdala wird auch ihre eigene, unterbewusste Erinnerung formen. Da ich nicht weiß, welche Erinnerungen von der Amygdala gespeichert werden, wenn ich keine bewusste Erinnerung an ein Ereignis habe, kann es vorkommen, dass ich emotional auf irgendetwas reagiere, ohne zu verstehen, warum. Schon als Kinder können wir zum Beispiel lange vor bewussten Erinnerungen emotionale Langzeiterinnerungen formen. Einer der führenden Angstforscher, Joseph LeDoux von der New York University, hat die These aufgestellt, dass manche Phobien entstehen, wenn jemand als kleines Kind etwas Traumatisches erlebt – den Stich einer Biene zum Beispiel -, das dann in der Amygdala weiterwirkt und so fähig ist, Angst zu wecken, auch wenn dem Betreffenden der Grund dafür nicht bewusst ist.
Wenn die Amygdala etwas in der Umgebung als potenzielle Gefahr identifiziert, löst sie eine Alarmserie aus, die sich in allen äußeren Zeichen von Furcht niederschlägt: Zittern, Schwitzen, Blasswerden usw. Außerdem aktiviert sie die Inselrinde (auch Inselcortex oder Insula genannt), eine Region in der Mitte zwischen dem limbischen System und dem Neocortex, die für die bewusste Wahrnehmung von Angst verantwortlich ist.
Die Amygdala schickt zahlreiche Projektionen zum frontalen Cortex und umgekehrt. Nach Meinung von Frau Mujica-Parodi ist die Dynamik zwischen diesen beiden Bereichen entscheidend für das Verständnis, wie eine Person auf Stress reagiert. Wenn die Amygdala eine potenzielle Bedrohung entdeckt, aber der frontale Cortex nach Analyse der Daten zu dem Schluss kommt, dass keine aktuelle Bedrohung vorliegt, wird der Cortex die Amygdala anweisen, sich wieder zu beruhigen.
Frau Mujica-Parodi wählt eine Aufnahme meines Gehirns, die gemacht wurde, als ich ein neutrales Gesicht betrachtete, und zeigt auf einen Teilbereich des frontalen Cortex, den ventromedialen präfrontalen Cortex (vmPFC). »Die Amygdala reagiert auf alles, was neu ist«, erklärt sie mir. »Wenn ich Ihnen ein ausdrucksloses Gesicht zeige, sagt die Amygdala: ›Hoppla, was ist denn das? Ist es gefährlich?‹ Und dann tritt der frontale Cortex als inhibitorische Komponente in Kraft und sagt: ›Weißt du was? Das ist es nicht. Also mal ganz ruhig.‹«
Weil die Gesichter, die ich mir ansah, nicht bedrohlich wirkten, hat mein frontaler Cortex die Reaktion der Amygdala abgeblockt, bevor sie mir bewusst werden konnte. Die gesamte Reaktion lief automatisch ab, außerhalb meines Bewusstseins. Meiner Wahrnehmung nach passierte gar nichts. Ich blieb ganz einfach ruhig. Aber Frau Mucija-Parodi zeichnete währenddessen die Interaktionen zwischen der Amygdala und dem frontalen Cortex auf und untersuchte die Dynamik zwischen den beiden. Aufgrund ihrer Analyse ist sie zu dem Schluss gekommen, dass sie vorhersagen kann, wie eine Person – in diesem Fall ich – reagieren wird, wenn sie einmal gründlichst zu Tode erschreckt wird.
Um diese Hypothese zu prüfen, müssen wir in Phase zwei eintreten. Den ganz realen Horror.
An einem klaren Morgen Anfang Oktober werde ich schon vor der Dämmerung in meinem Motelzimmer im Osten von Long Island wach. Nach dem Duschen packe ich meine Sachen und checke aus. Ich habe schlecht geschlafen, geplagt von quälenden Gedanken, die meinen Verstand an der Oberfläche des Schlafs dahinschlittern ließen. Während ich auf dem Long Island Expressway dahinfahre, fühle ich mich nicht nur hundemüde, sondern auch irgendwie krank.
Ich komme an der aufgelassenen Northorp Grumman Fabrik vorbei, in der früher die F-14-Jets gebaut wurden, die in Top Gun vorkommen. Als ich hier nach links abbiege, erreicht meine Anspannung ihren Höhepunkt und ich frage mich, wie ich den Vormittag durchstehen soll. Ein schreckliches Gefühl der Hilflosigkeit überkommt mich. Mir ist ganz schwindlig und ich bekomme kaum Luft, aber ich beschließe doch weiterzufahren. Sollte ich mich ernsthaft schlecht fühlen, würde ich anhalten. Dieser Gedanke beruhigt mich ein wenig und schon bald erreiche ich den Flugplatz, wo sich in einem kleinen weißen Gebäude die Büros von Skydive Long Island befinden.
Um ein möglichst vollständiges Bild der Reaktion einer Testperson zu bekommen, führen die Assistenten von Frau Mujica-Parodi eine ganze Reihe von Tests durch, und zwar vor, während und nach jedem Fallschirmsprung. Gleich nach meiner Ankunft führen mich zwei Doktoranden in weißen Laborkitteln in einen Wohnwagen, wo mir ein kräftiger Dritter mehrere Ampullen Blut abzapft. Zusätzlich muss ich Speichel- und Urinproben abgeben. Dann mache ich den Oberkörper frei, damit die Forschungsassistenten Elektroden auf meiner Brust befestigen können. Sie helfen mir, eine Spezialweste anzulegen, die mein Lungenvolumen messen wird. Eine Art Ranzen enthält einen Höhenmesser, der mir anzeigen wird, wann ich springen soll, und ein digitales Datenaufzeichnungsgerät. Dann ziehe ich wieder mein Shirt über, einen Fleecepullover und schließlich die Sprungkombi.
Anschließend werde ich in einen anderen Raum geführt. Dort sehe ich mir pflichtgemäß einen Videofilm an, in dem die Grundlagen des Tandemspringens erklärt werden. Mehrere Male wird mit Nachdruck betont, dass meine etwaigen Erben gemäß der sich ebenfalls mehrmals wiederholenden Verzichterklärung, die ich bereits unterzeichnet habe, unter keinen Umständen berechtigt sind, Skydive Long Island in irgendeiner Weise zu belangen.
Während ich mir den Film ansehe, wird mir die Apparatur an meinem Körper deutlich bewusst. Sie soll, wie man mir gesagt hat, nicht die Aktivität meines Gehirns insgesamt beobachten, sondern die eines speziellen Untersystems, des vegetativen Nervensystems (VNS), das die Erregungssymptome im Körper produziert.
Unter evolutionären Gesichtspunkten ist das VNS eine uralte Struktur, älter noch als die Amygdala. Es reicht zurück in eine Zeit, in der unsere Vorfahren nicht mehr als primitive Fische waren, die im Ozean des Paläozäns herumschwammen. In diesen lange zurückliegenden Zeiten waren die Bedürfnisse unserer Vorfahren recht schlicht: fressen, sich fortpflanzen, nicht gefressen werden. Die Evolution hatte sie dazu mit einem entsprechend einfachen Nervensystem ausgestattet, das eigentlich nicht mehr als ein Netz von Neuronen entlang der Wirbelsäule war. Auch heute sieht unser VNS noch so ähnlich aus: eine Leiter aus knotenartigen Nervenzentren oder Ganglien, die sich entlang der Wirbelsäule erstreckt.
Dieses System besteht aus zwei einander entgegengesetzten und sich ergänzenden Teilen, dem parasympathischen und dem sympathischen Nervensystem. Wenn die Umstände günstig sind, steht der Parasympathicus im Vordergrund und sendet Impulse durch den Körper von den Ganglien zu den Organen und ermuntert diese, all die Dinge zu tun, die man tut, wenn das Leben so leicht ist wie im Song Summertime. Wir entspannen. Die Herzfrequenz verlangsamt sich. Drüsen setzen Speichel im Mund und Galle im Bauch frei, um die Verdauung zu unterstützen. Im richtigen Zusammenhang lässt der Parasympathikus auch eine Erektion entstehen.
Wenn aber Gefahr im Anzug ist, wird es Zeit für den Gegenspieler des Parasympathikus, in Aktion zu treten. Der Sympathikus ruft die berühmte Kampf-oder-Flucht-Reaktion (fight or flight response) hervor, die den Körper gegen existenzielle physische Bedrohungen wappnet. Wenn Sie von einem Raubtier angegriffen werden, mobilisiert der Sympathikus sofort alle Körperressourcen für den physischen Kampf. Das Nebennierenmark pumpt Adrenalin in den Blutkreislauf. Das Herz schlägt schneller, um die Muskeln mit dem zusätzlich benötigten Blut zu versorgen. Die Schweißdrüsen öffnen sich. Schmerzbetäubende chemische Substanzen überschwemmen das Gehirn. Da die Verdauung nicht länger oberste Priorität hat, wird der Mund trocken und die peristaltischen Bewegungen des Darms hören auf.
Während ich mir das Video ansehe, in dem Menschen über der Landschaft von Long Island aus dem Flugzeug springen, legt mein Sympathikus nochmal einen Zahn zu.
Und dann ist es Zeit. Duncan, der Sprunglehrer, gibt mir Handschuhe, eine Ledermütze und eine klare Plastikbrille. Er geht mit mir noch einmal rasch die Abfolge des Sprungs durch und dann steigen wir mit einem halben Dutzend anderer Springer hinten in eine Cessna. Als der Pilot den Motor anlässt und die Maschine zum Ende der Landebahn rollt, sage ich mir immer wieder vor, dass ich mir keine Sorgen machen muss, aber es hilft nichts. Ich leide an allen Symptomen der Sympathikusaktivierung: Mein Herz klopft wie wild, mein Mund ist trocken, mein Magen fährt Karussell. Ich fühle mich krank. Während die Cessna steil in den Himmel steigt, konzentriere ich mich auf meine Atmung. Ich schaffe das, sage ich mir. Ich werde die Kontrolle behalten.
Duncan gibt mir einen Laptop, damit ich weitere Tests durchführen kann. Auf dem Bildschirm erscheinen zwei Schachbrettmuster. Ich muss sie vergleichen und angeben, ob sie identisch oder verschieden sind. Der Test zielt darauf ab, zu beurteilen, wie effektiv ich noch überlegen kann, wenn meine Fähigkeit zu logischem Denken durch Angst beeinträchtigt ist.
Als Nächstes gibt Duncan mir ein Plastikröhrchen mit einem Klumpen Fasermaterial, das wie das Innere eines Zigarettenfilters aussieht. Ich nehme es in den Mund und kaue dreißig Sekunden lang darauf herum. Später werden die Labortechniker daraus den Cortisolwert in meinem Speichel bestimmen, der anzeigt, bis zu welchem Grad meine Amygdala ein weiteres wichtiges System in Gang gesetzt hat, das der Körper zur Reaktion auf Gefahr benutzt: die hormonelle Achse vom Hypothalamus über die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) bis zur Nebennierenrinde (= HPA, von engl. hypothalamic-pituitaryadrenal).
Während das sympathische Nervensystem für alle Arten der Erregung aktiviert wird, gute und schlechte (z. B. Angst, Wut oder sexuelle Erregung), dient die HPA-Achse speziell der Vorbereitung des Körpers auf harte Zeiten. Sie ist der Kern aller Stressreaktion. Angesichts von Gefahr sendet die Amygdala ein Signal zum Hypothalamus, dem Verbindungstor des Gehirns zum endokrinen System. Im Unterschied zum Nervensystem, das den Körper über ein Netzwerk aus Neuronen, die elektrische Impulse tragen, kontrolliert, übt das endokrine System Kontrolle aus, indem es chemische Substanzen – Hormone – in den Blutkreislauf entlässt. Wenn der Körper Stress ausgesetzt wird, schickt der Hypothalamus ein Hormonsignal an die Hypophyse, die ein weiteres Hormon an die Nebenniere schickt, die dann den Blutkreislauf mit dem Urvater aller Stresshormone überflutet, mit Cortisol.
Wie die Kernspaltung kann auch Cortisol für Gutes wie Böses verwendet werden. Wenn der Körper auf eine unmittelbare Bedrohung reagieren muss, ist Cortisol unabdingbar, damit er für den Notfall reservierte Energiequellen verstoffwechseln kann. Wenn Cortisol durch den Köper flutet, verursacht es die Freisetzung energietragender Zucker in den Blutkreislauf und erhöht den Blutdruck, damit Nährstoffe und Sauerstoff schneller dahin gelangen, wo sie gebraucht werden. Wird der Körper dagegen über längere Zeit hinweg niedrigeren Stressleveln ausgesetzt, entwickelt das Cortisol einen kumulativ toxischen Effekt und greift das Selbsterhaltungssystem des Körpers an, was zu hohem Blutdruck, einer Abnahme der kognitiven Fähigkeiten und einer Unterdrückung des Immunsystems führt.
Ich fühle mich selbst ziemlich auch ziemlich sonderbar, als das Flugzeug konstant auf einer Höhe bleibt, die Tür sich öffnet und der Wind hereintost. Vom Verstand her begreife ich, dass ich nicht in Gefahr schwebe. (Das heißt, mein frontaler Cortex kann noch logische Zusammenhänge verarbeiten.) Aber es gibt keine Möglichkeit, meine Amygdala davon zu überzeugen. Diese 3700 Meter leeren Luftraums unter mir sind eine Realität, die sie perfekt versteht. Es gibt nichts, was mein frontaler Cortex dagegen tun kann. Ich werde überwältigt von dem Parallelverstand der Angst, während die Amygdala meinen Verstand mit der gänzlich logikfeindlichen Lava aus Sorge und Furcht überrollt.
Die anderen Fallschirmspringer sind draußen und wir bewegen uns zur Türschwelle hin. »Ready – set – go!«, ruft Duncan und los geht’s. Wir lehnen uns nach vorn und gleiten von der Türschwelle in plötzliche Schwerelosigkeit.
Und dann – nichts. Mein Verstand ist leer, völlig überwältigt. Dann, fünf oder zehn Sekunden später, wird mir bewusst, dass ich durch die Luft purzle, dass Himmel und Erde immer wieder ihre Position wechseln. Weit weg der Schemen des Flugzeugs. Dann wechseln wir rasch in eine stabile Position, Bauch nach unten, Rücken durchgedrückt, wie ein zweifacher menschlicher Federball. Die Angst ist weg. Obwohl mein Herz wild pocht und die Welt noch immer unrealistisch klar wirkt, spüre ich nur noch intensiven Thrill, Vergnügen pur. Während wir so mit Höchstgeschwindigkeit fallen und der Wind um uns heult, fühlt es sich nicht mehr so an, als wären wir schwerelos. Es ist, als lägen wir auf einem Kissen aus Luft. Da ist nicht das geringste Gefühl von Geschwindigkeit. Wir könnten bewegungslos schweben oder fliegen wie ein Flugzeug. Ich kann kilometerweit sehen. Es ist überwältigend schön!
Nach etwa einer Minute zieht Duncan die Reißleine und wir werden gewaltsam nach oben gerissen. Der Rest des Abstiegs ist entspannend, fast angenehm, obwohl meine Nerven noch surren wie Hochspannungsleitungen.
Fünf Minuten später berühren meine Füße wieder die Erde. Der kräftige Blutabzapfer kommt mit Nadeln zu mir: »Wir müssen jetzt gleich ein wenig Blut abnehmen.« Ich habe nichts dagegen. Nein, ich bin in Hochstimmung. Es fühlt sich großartig an, am Leben zu sein.
 
Wenn ich weg bin, werden die Forschungsassistenten mit dem Aufzeichnungsgerät, das meine Daten enthält, zurück zum Labor von Frau Mujica-Parodi an der State University of New York in Stony Brook fahren. Ich lasse ihr Zeit, die Ergebnisse zu verarbeiten, und rufe sie dann an, um zu fragen, was sie herausgefunden hat.
Frau Mujica-Parodi wiederholt zuerst noch einmal, dass das Geheimnis im Umgang mit intensiver Angst ihrer Meinung nach nicht darin liegt, wie sehr der Cortex und die Amygdala gegeneinander ankämpfen, sondern darin, wie ihre Reaktionen koordiniert sind. In einer Welt voller Gefahren ist eine heftige Amygdala-Reaktion absolut lebensnotwendig, erklärt sie mir. Laborratten meiden normalerweise jede offene Fläche. Ist ihnen aber die Amygdala entfernt worden, wandern sie ziellos ohne Deckung umher. Eine todsichere Methode, um in freier Natur einem Fressfeind zum Opfer zu fallen.
Aber genauso gefährlich ist es, wenn die Amygdala zu aktiv ist. Wird das Angstsystem zu stark angekurbelt, sinkt die Leistung dramatisch. Die Impulse der Amygdala an den frontalen Cortex verhindern jeden strukturierten Gedanken und führen zu absoluter »Gehirnstarre«. Die Kontrolle über die Feinmotorik verschwindet, die Hörfähigkeit nimmt ab und die Sicht verengt sich zum Tunnelblick. Ein Schritt weiter und die Panik hat einen fest im Griff.
Um das Gleichgewicht zwischen zu wenig und zu viel Angst zu halten, sind wir darauf angewiesen, dass die Amygdala und der präfrontale Cortex sich gegenseitig in Balance halten. »Das Gehirn arbeitet als Kontrollschaltkreis, wie ein Thermostat bei Ihnen zu Hause, mit einer negativen Rückkopplungsschleife«, erklärt mir Frau Mujica-Parodi. Die Amygdala repräsentiert die exzitatorische (erregende) Komponente, der präfrontale Cortex eine der inhibitorischen (hemmenden) Komponenten.
Das Hauptziel beim Umgang mit Angst ist, die Angst bis zu einem Punkt maximaler Effektivität zu steigern, aber nicht darüber hinaus – also Kontrolle über das Gefühl zu behalten und es nicht überhand nehmen zu lassen.
Zur Verdeutlichung mailt mir Frau Mujica-Parodi eine Reihe von Tabellen und Diagrammen und ich rufe sie dann wieder an, um mit ihr über deren Bedeutung zu sprechen. Ein Diagramm zeigt meine Herzfrequenz vor, während und nach dem Sprung und dazu eine Darstellung mit der Überschrift »Dominanz des Sympathikus«. Darin wird nicht nur meine Herzfrequenz grob abgebildet, sondern auch die Erregung meines sympathischen Nervensystems ganz genau nachgezeichnet.
In Entspannung lag der Ausgangswert bei 4,9, ungefähr genauso hoch wie bei den meisten Leuten. Im freien Fall betrug der Wert 13,37, ungefähr das Doppelte vom Durchschnittswert.
Mit anderen Worten: Mein Verstand war völlig ausgeknockt.
»Gehören Sie zu den Leuten, die sich ziemlich schnell aufregen?«, will Frau Mujica-Parodi von mir wissen.
»Manche Leute halten mich für einen ziemlichen Hitzkopf«, gebe ich zu.
»Nach dem, was ich hier sehe, würde ich das allerdings auch so beschreiben.«
Aber noch aussagekräftiger als meine Reaktion im freien Fall war meine Verfassung davor und danach. Im Flugzeug vor dem Sprung wies meine Sympathikusdominanz einen Wert von 5 auf, deutlich weniger als der durchschnittliche Wert von 6,5. Nach dem Sprung stieg mein Wert rasch wieder auf 8,4.
»Das bedeutet, dass Sie über eine gute Selektivität verfügen«, sagte Frau Mujica-Parodi. »Sie sind ein bisschen wie ein Jo-Jo, das heißt, Sie sparen sich ihre Sympathikusdominanz für Fälle auf, in denen sie wirklich gebraucht wird. Dann steigt sie schnell an und fällt anschließend sofort wieder ab.«