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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 

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Für die Freunde und die Familie in Bielefeld, Hamburg, Berlin

Life is so very fragile. We are all vulnerable. And we will all at some point in our lives fall. We will all fall. We must carry this in our hearts. That what we have is special.
 
Das Leben ist zerbrechlich. Wir sind alle verwundbar. Und wir werden alle an einem bestimmten Punkt in unserem Leben fallen. Wir werden alle fallen. Wir sollten das in unseren Herzen tragen. Dass das, was wir haben, etwas ganz Besonderes ist.
 
»Coach« Eric Taylor in Friday Night Lights

LOVE, SEX UND MAMA BIELEFELD:
Das Beziehungsleben des Sinnlos-Yuppies

Solo mio: Als Single auf Hochzeiten
Wenn die Seele ein Organ wäre, wie würde sich ihre Oberfläche anfühlen? Glatt? Schrumpelig? Mit Borsten? In jedem Fall brauch ich in Zukunft eine Seele aus Leder. Eine Lederseele. Wäre doch toll, wenn man die in einem Geschäft einfach so kaufen könnte: »Guten Tag, eine Lederseele, bitte.« – »Eine was?« – »Eine Lederseele!« – »Wozu brauchen Sie die denn?« – »Ich bin in diesem Winter als Single auf drei Hochzeiten eingeladen.« – »Oh, verstehe, dann nehmen Sie doch die hier, die ist aus dreifach verstärktem Ochsenleder. Die hält was aus. Einpacken?« – »Nein, ich ziehe sie gleich an.«
Als Single und allein auf Hochzeiten gehen, das verlangt Ich-Stärke, egal ob man eine Frau oder ein Mann ist. Wird nicht schon genug von einem verlangt, wenn man einmal in der Woche in einer Bäckerei sagen muss: »Ein Junggesellenbrot, bitte.« Auf der letzten Hochzeit, zu der ich vor drei Wochen als Single eingeladen war, gab es einen Single-Tisch. Vier Frauen, vier Männer – und uns beschlich gemeinsam das Gefühl, nicht nur Aliens in der Pärchenwelt zu sein, irgendwie schien es auch, als hätten sich die Gastgeber voller Übermut gedacht: »Vier Frauen, vier Kerle, das sind in der Mathematik der Liebe vier Paare.«
So muss man sich fühlen, wenn man einem Bergstamm im Himalaya angehört, in dem die arrangierte Hochzeit zum guten Ton zählt. So muss es sein, wenn man nach dem Austausch von Ziegen und einem Eimer Gulasch in eine Jurte geführt wird und einem jemand zuraunt: »Das ist deine neue Frau.« Da macht sich Schwermut breit.
Hinzu kam, dass die Hochzeit meines Freundes Lorenz und seiner Freundin Anke die Sorte Feier war, bei der das Paar richtig bluten muss, bevor es in die Ehe entlassen wird. Es gab Spiele, eine Hochzeitszeitung mit Bildern voller finsterer Frisuren und sehr, sehr lange Gedichte, in denen verbal auf dem Bauchansatz des Bräutigams herumgetrampelt wurde. Single zu sein fühlte sich zwar immer noch nicht an wie die Garantie für endloses Glück. Dafür bekam man keine Gedichtzeilen an den Kopf gehauen und musste nicht zu »We Are Family« mit den rotgesichtigen Verwandten aus Klein Tornow Polonaise tanzen.
Am Single-Tisch hatte zu diesem Zeitpunkt eine Art spontane Zuordnung stattgefunden. Der Bräutigam hatte mir vorher gesagt, dass Kerstin, 35, Grafikdesignerin, einen »total kranken Humor« habe. In meiner Fantasie hatten Bräutigam und Braut um unsere Namen einen Kringel und dahinter ein Herz gemalt. Es war ein bisschen erniedrigend. Aber ich muss zugeben, wir verstanden uns sofort. Ich hatte ein Auslandsjahr in Italien gemacht, sie auch. Sie hielt Roger Moore für den tuntigsten Bond aller Zeiten – ich auch. Und Daniel Craig für den coolsten Hund des Universums. Das letzte Coldplay-Album? Großer Mist! »Leute wie uns nennt man übrigens in Japan kokotta kurisumas keki«, sagte sie über den Rand ihres Glases hinweg. »Das bedeutet ›übrig gebliebener Weihnachtskuchen‹. Ist jeder, der mit 24 nicht verheiratet ist.« Etwas unentschlossen, ob man darüber nun lachen oder weinen sollte, wünschte sich Kerstin beim DJ »Big in Japan«. Wir vom Single-Tisch rempelten uns durch die Polonaise hindurch auf die Tanzfläche, wir fühlten uns wie die Leute, die früher auf Klassenfahrten in der letzten Reihe des Reisebusses heimlich Dosenbier getrunken hatten. Wir waren die Störenfriede, aber man konnte uns schlecht rausschmeißen. Meine Lederseele wurde langsam geschmeidig.
»Lorenz und Anke sind ja jetzt im Hafen der Ehe angekommen – und was ist mit euch?«, fragte ihr Vater. – »Wir? Wir stechen gerade erst in See!«
Als der Song zu Ende war, stand der Schwiegervater meines Freundes Lorenz an unserem Tisch: »Lorenz und Anke sind ja jetzt im Hafen der Ehe angekommen«, sagte er in die Runde – und nach einer Kunstpause: »Und was ist mit euch?« Kerstins Antwort wird mich sicher durch die kommenden drei Hochzeiten führen: »Wir? Wir stechen gerade erst in See.«
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Voll auf Dioptrin: Frauen mit Brille
Als ich ein Teenager in Bielefeld war, war das Leben voller mieser Nachrichten. Ganz oben auf der Shit-List der schlechten Neuigkeiten stand der Satz: »Du bekommst eine feste Zahnklammer. Aus Metall. Und musst sie drei Jahre lang tragen. Mit Drähten, die außen am Kopf langlaufen und von einem bunten Gummiband im Nacken gehalten werden.« Man sah mit so einer Zahnspange aus, als habe man einen Football-Helm vom Schrottplatz auf. Um geküsst zu werden, brauchte das Gegenüber eine Kneifzange. Oder sehr viel Liebe. Oder Freude am Geschmack von besabbertem Stahl. Sie ahnen es, man wurde mit so einem Gerüst am Kopf sehr wenig geküsst. Heißt: Man wurde nie geküsst.
Aber bevor ich jetzt im Pool des Selbstmitleids meine Bahnen ziehe, sage ich es lieber gleich – es gab natürlich eine Gruppe, die von sich behauptete, noch viel mieser dran zu sein als Zahnspangen-Teenager: Mädchen mit Brillen. Die, denen man erst im Kindergarten ein Auge mit einem hautfarbenen Pflaster abklebte, um ihnen dann später eine Brille Modell »Robert Lembke« aufzusetzen. Ein Monster mit Bügeln. Wo eben noch ein Kindergesicht war, wuchs plötzlich ein verlassenes Gebäude mit Glasfassade aus dem Kragen, eine Lupen-Visage. Im Nachhinein würde ich gern allen ehemaligen Brillenmädchen ein zerknautschtes »Tut mir echt leid« rüberreichen. Denn heute bin ich ein Fan. Von den Mädchen, die jetzt Frauen sind – mit Brillen.
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Warum? Weil Frauen mit Brillen an Männer ein eindeutiges Signal senden. Einen kurzen Impuls, der von der Brille aus durch den Raum jagt und im Männerkopf ankommt. Und der Impuls klingt ungefähr so: »Ich führe ein Doppelleben, du weißt das, ich weiß das. Wenn ich diese Brille aufhabe, werde ich in der nächsten Konferenz klügere Dinge sagen als du, werde ich schneller denken, rechnen, sprechen, schreiben als du. Weil ich im Arbeitsmodus einfach unschlagbar bin und meine Hausaufgaben gemacht habe. Und wenn ich diese Brille auf die Nasenspitze rutschen lasse, dann kann ich dir direkt in die Seele gucken, du kleiner Scheißer.« Angst, Gefahr, Dominanz, das geheimnisvolle Wissen des Physik-Leistungskurses, Verletzlichkeit. Ich glaube, an dieser Stelle sollte das erste Mal das Wort »sexy« fallen, können wir uns darauf einigen?
Doch das ist nur die eine Seite des Doppellebens: Denn Männer neigen dazu, in jeder Brillenträgerin eine Frau zu sehen, die irgendwann ihre Brille auch mal abnimmt. Wird sie das für mich tun? Diese Frage querschlägert durch den Männerkopf wie eine Flipperkugel, sobald eine schöne Frau mit Brille den Raum betritt. Wird sie die Bügel zusammenfalten? Wird sie dann so einen unfassbaren Satz sagen wie: »Ein Kuss wäre jetzt gut, oder?«
Büromodus also einerseits und sexy Brille-Abnehmen andererseits. Genau auf der Grenze zwischen beiden ließ sich der Designer Yves Saint Laurent einmal fotografieren (ein Mann, zugegeben, wenn auch ein sehr androgyner). Um der Welt zu zeigen, wie von-den-Füßen-kloppend sexy eine Brille aussehen kann. Für die Kampagne seines Parfums »Pour Homme« legte er alle Kleider ab. Nur seine Brille ließ er auf. Er sah nicht einfach nackt aus, sondern – wegen der Brille – wie jemand, der sich gerade erst ausgezogen hat. »Brillen können sehr geheimnisvoll sein, wenn man sie korrekt trägt«, hat Sängerin Anastacia einmal gesagt, die Frau, die immerhin 30 Brillen im Schrank liegen hat – die zu ihrem Markenzeichen gehören wie ihre Soulstimme. Und wie trägt man eine Brille korrekt, wollte der Journalist, der sie interviewte, dann von Anastacia wissen. Antwort: »Selbstbewusst. Das ist immer korrekt.«
Männer sehen in jeder Brillenträgerin eine Frau, die ihre Brille irgendwann mal abnimmt: »Wird sie das für mich tun?«

Das Band der Liebe: Wenn Jungs Kassetten aufnehmen
Auf meiner inneren Liste von Dingen, die mich bis zum Nasenbluten nerven, stehen Mitte-30-Jährige gerade ganz oben. Und zwar diejenigen, die sich vor Rührung blinzelnd nach den 80er-Jahren zurücksehnen. Ja, da gab es noch »Brauner Bär« und die Musik von »Ein Colt für alle Fälle«. Ja, auch ich fand den Kalten Krieg übersichtlicher als den Gedanken, irgendwo in meiner Straße eröffne gerade der Al-Qaida-Ortsverein eine neue Filiale.
Das Problem an meiner Retro-Schelte ist bloß: Ich heule selbst den 80ern hinterher. Wegen eines Stücks Kunststoff mit Sichtfenster, diesem flachen Plastik-Rechteck, das leise klackert, wenn man es schüttelt. Wegen dir, Mixtape. Mischkassette, Superstar, zwei Seiten, 90 Minuten, knapp 30 Lieder passen drauf, ja Lieder, Songs sagte damals nämlich noch keiner, es gab ja auch noch keine Dates, sondern Verabredungen, keine Handys, sondern nur bananengelbe Telefonzellen. Retro? Meinetwegen. Aber wie kalt und ausgebufft wirkt eine gebrannte CD gegen ein Mixtape! Das Unikat hier, die tausendfach Reproduzierbare da. Auf die Gefahr hin, jetzt zu klingen wie der »Werthers Echte«-Opa: Das Mixtape war einzigartig, denn es war das Ergebnis harter Arbeit, die strengen Regeln folgte. Niemals die gleiche Gruppe zweimal auf der gleichen Seite aufnehmen, das erste Lied muss ein Knaller sein, aber nicht schon das beste der Kassette. Die Hülle muss selbst gebastelt sein. Eine ganze Generation beherrschte es, die Liedtitel in ameisengroßen Buchstaben auf die Rückseite zu schreiben. Kann man Duran Duran auf einen Quadratzentimeter quetschen? Man kann.
Und innen drin? ABC, Pet Shop Boys, Housemartins, jede Kassette ein musikalisches Bekenntnis. Wer nicht für uns ist, ist dagegen. Madonna ja, Cyndi Lauper nein, Prince ja, Michael Jackson nein, Rolling Stones ja, Beatles nein. Nach dreimaligem Hören wusste man: Nach »Don’t You« kommt »Shout«, es konnte nicht anders sein. Da Spulen mühsam war, kam immer gleich die ganze Seite aus den Boxen, ein D-Zug aus Musik. Ganz oder gar nicht. Gesamtkunstwerk statt Wunschkonzert.
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Und erinnern Sie sich an die Geräusche? An das »Tschröpp!«, wenn sich der Deckel des Kassettenrecorders schmatzend schließt. »liiiah-lllh!«, wenn der Recorder das Band vorspult. »Frab-Pup!«, wenn der Zeigefinger die Pausentaste loslässt. »Record« und »Play« sind gedrückt: ein Rauschen aus den Boxen. Band läuft. Mixtapes waren und sind mehr als Tonträger, vor allem für die meisten Jungs, die jetzt Männer sind. Denn Kassetten waren Liebesbriefe aus Klang. 30 Lieder, die nur einen Zweck hatten. Um Mädchen, die jetzt Frauen sind, zu sagen: »Ich finde dich toll.« Warum stammeln, wenn andere gut singen.
Und noch eine Botschaft steckte in den Tapes: »Wenn du mit mir zusammen bist, bekommst du den Typen mit der geilsten Plattensammlung ab.« Dann die Katastrophe: Wenn man schließlich merkte, dass man an die »Mono-Taste« gekommen war oder dass der Recorder das Band mit einem schrillen Schredder-Geräusch auffraß. Mangia cassette, Kassettenfresser – so heißen Recorder noch immer in Italien.
Kassetten waren Liebesbriefe aus Klang. Dafür kniete man drei Stunden in Büßerstellung vor der Stereoanlage.
Mixtape, Antidepressivum aus Plastik. Was gibt es Besseres, als sich selbst, frisch verlassen oder einfach nur niedergeschlagen, eine Kassette aufzunehmen. Einen Soundtrack fürs eigene Leben. Don’t you? Shout! Brauner Bär, dein Karamellkern wird überschätzt, bleib in deiner Kühltruhe. Mixtape, bleib bei mir, ich nehm dich auf. Record.

Besuch vom anderen Stern: 48 Stunden mit meiner Mama
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WA-BUMPA! WA-BUMPA! Können Sie das hören? Das ist mein Herz. Ich stehe auf dem Bahnsteig im Hamburger Dammtor-Bahnhof, und es fühlt sich an, als sei ich zwölf, nicht 35. Ich warte. Auf Mama. Die einmal im Jahr vorbeikommt, um … Ja, wozu eigentlich? »Um zu sehen, wie es dir geht, Mäuselein!«, sagt die knapp 70-Jährige. Und zwar so laut, dass es alle hören, die es wollen. Und alle anderen auch. Weißes Haar, blaue Augen, Gepäck, um neun Wochen in der Tundra zu biwakieren. Meine Mutter. Helga aus Bielefeld.
Mit den Fingerspitzen harkt sie meine Gelfrisur in eine Art Burschenschaftler-Matte um. Oder, nennen wir das Kind doch beim Namen: zu einem Nazischeitel. Sie ist erst vier Sekunden in Hamburg und hat bereits das Kommando übernommen. Über mich, ein 35-jähriges Mäuselein mit Nazischeitel.
Großstädter glauben ja immer, von allem als Erster erfahren zu haben und damit angeben zu müssen. Ich gehöre ehrlich gesagt zur allerschlimmsten Sorte. »Guck mal, Mama, da hinten, das ist ein Coffee-to-go-Laden, da gibt’s Kaffee in Pappbechern, falls man es eilig hat«, sage ich. »Ich als Rentnerin habe es ja nie eilig«, sagt sie. »Es sei denn, ich muss am Montag zum Chor, aber da würde ich keinen Kaffee trinken, Mäuselein, bei meinem Blutdruck.« Warum trinke ich eigentlich immer hier Kaffee? Und warum aus Pappbechern? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.
Meine Mutter ist keine weltfremde Frau. Sie lebt in derselben Welt wie ich, auch wenn sie andere Schlüsse aus ihr zieht. Wenn ich ihr erzähle, einer meiner Freunde sei schwul, sagt meine Mutter »Wie schade«, und man bekommt nicht so ganz heraus, ob für ihn oder für alle Frauen, denen er einen Korb geben muss. Mama hat auch einen Computerkurs gemacht. Und behauptet, es gäbe oben links eine Taste, mit der man das Programm beendet, und diese Taste würde »Esprit« heißen. Sie hört im Auto Abba und singt dazu ein schwungvolles Fantasie-Englisch. Die Liste des Absurden ist lang, und trotzdem steht am Ende ein Satz in Beton gemeißelt: Die Mama ist immer noch die Mama, und einen Witz über sie zu machen fühlt sich an wie Rülpsen in der Kirche. Wenn sie sagt, dass man zu blass, zu mager oder mit einer doofen Freundin zusammen sei, schlägt das ein wie eine Atomrakete in einen Bunker, den man lange für uneinnehmbar hielt. In meiner Wohnung bekommt sie das Bett und ich das Sofa, und für den Satz »Alles so geschmackvoll hier« würde ich am liebsten vor Dankbarkeit bellen. Nein, der Toilettensitz braucht keinen Schonbezug aus Frottee, nein, ich finde nicht, dass meine Freundin auf dem Foto wie Tante Irmchen in Jung aussieht, und nein, Graupensuppe mache ich mir selten, und ja, lass uns was essen gehen.
»Nein, Mama, die Klobrille braucht keinen Bezug aus Frottee. Und meine Freundin sieht auch nicht aus wie Tante Irmchen.«
Eine Stunde später sitzen wir in einem angesagten Restaurant, ich mache auf dicke Hose, tue, als wäre Weinkartenstudieren mein zweites Standbein, und versuche zu ignorieren, dass der Kellner Mama nicht mag. Richtig: Er mag Mama nicht. Sie ist ihm nicht funky genug für seinen futuristischen, weißmöblierten Raumschiffhangar, den er Restaurant nennt. Auf seine Frage, ob es als Dessert noch etwas apple crumble sein dürfe, fragt Mama: »Was ist denn das?« Ich: »So was mit Apfel und Streuseln.« Sie: »Apfelkuchen?« Ich: »Glaub schon.« Als der Kellner die Augen verdreht, fasst sie ihm an seinen Schlips und zieht ihn zu sich herunter: »Ober, ich war 35 Jahre Hausfrau und habe allein drei Jungens großgezogen, ich werde schon wissen, was ich bestelle.« Wenn er jetzt was sagt, arrangiert sie ihm eine neue Frisur, geht es mir durch den Kopf. Oder macht ihm mit einem spuckefeuchten Taschentuch die Mundwinkel sauber. Zahlen, Taxi, Wohnung, Bett.
Am nächsten Morgen stehen wir wieder am Gleis, es schneit, und ich bin so erledigt wie ein Lehrer, der von einer Klassenfahrt zurückkommt. 24 Stunden Mama sind immer gefühlte 48. Man ist heilfroh, dass sie wieder fährt, und möchte sich für das Gefühl gleich in die Visage hauen. Man liebt eine alte Frau, die nach »Tosca« riecht und die einem schon wieder an den Haaren rummacht.
Man wird das nie verstehen, es ist stärker als man selbst. Der ICE ruckt los. Man will mit, und es ist besser, dass man hier ist. Ich drehe den iPod auf. Zurückbleiben. Bitte.

IQ Sexy: Eine kluge Freundin haben
Männer sind ängstliche Wesen. Wir fürchten uns vor Haarausfall und davor, verhauen zu werden. Vor grauen Umschlägen von Ämtern, in denen steht, dass unsere Rente aus einer Dose Hundefutter und sieben Euro Taschengeld besteht. Wir fürchten alte Zahnärzte und jüngere Männer mit flacheren Bäuchen. Wir haben Bammel vor klebrigen Pärchenabenden, an denen wir plötzlich den gleichen Schmier reden wie unsere Eltern.
Irrational? Ja, auch davon haben wir einiges zu bieten: Unter Männern gilt es als ausgemacht, dass Monster die Füße abbeißen, wenn man so unvorsichtig ist, sie unter der Decke herausgucken zu lassen. Krieg, Krebs, die falschen Geräusche beim Sex und im Club schon den Refrain eines Songs brüllen, während eigentlich noch eine Strophe dran wäre. Das Männerleben ist eine Seenlandschaft aus Fettnäpfchen, die tiefer sind als der Nordatlantik. Natürlich würden wir nix davon zugeben, aber seien Sie sicher: Die Liste ist länger als diese Seite, und die richtig schlimmen Klopper habe ich aus Gründen der Restwürde ausgespart.
Wovor Männer besonders viel Angst haben, ergab jetzt eine Studie der Universität Magdeburg. Die Forscher wollten wissen, warum intelligente Frauen so oft als Single durchs Leben gehen. Lange glaubte man, dass es an endlosen Bürozeiten liege, an Nächten allein und überm Laptop, während an einem das Beziehungsleben der anderen vorbeirauscht wie ein D-Zug in der Dunkelheit. Doch nein, alles falsch, das Problem sind – Spot an! – die Männer. Denn die suchen sich gern eine Frau, die ihnen geistig unterlegen ist, so die Studie. Eine Frau hingegen mit besserem Abi oder Uni-Abschluss, die den cooleren Job hat und sogar mehr verdient, wirkt auf Männer wie die Aussicht auf eine raubeinig durchgeführte Prostata-Untersuchung in einem nordkoreanischen Feldlazarett.