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Inhaltsverzeichnis
 
Inschrift
Übersicht der Zeichnungen
 
Vorwort
PROLOG DES AUTORS
 
TEIL I – ARCHÄOLOGISCHE MYSTERIEN
Kapitel 1 – EINE 65 MILLIONEN JAHRE ALTE KULTUR IN RUMÄNIEN?
Kapitel 2 – DER KOHLESCHÄDEL VON FREIBERG
Kapitel 3 – JAMES CAMERONS FALSCHE SENSATIONEN
Kapitel 4 – EIN TÄFELCHEN AUS NUSSBAUMHOLZ
Kapitel 5 – DIE RÄTSELHAFTEN RIESENMURMELN
Kapitel 6 – DIE STEINE VON ICA
Kapitel 7 – WAR DIE GRABKAMMER IN DER CHEOPS-PYRAMIDE WIRKLICH LEER?
Kapitel 8 – DAS RÄTSEL DER PYRAMIDEN VOM DONGTING-SEE
Kapitel 9 – DIE »WEISSE PYRAMIDE« – DAS ENDE EINER SUCHE?
Kapitel 10 – EISZEIT-PYRAMIDEN IM ROCK LAKE?
Kapitel 11 – DER FUND VON AIUD – DES RÄTSELS NÄCHSTER TEIL
 
TEIL II – ÜBERLIEFERUNGEN GEBEN RÄTSEL AUF
Kapitel 12 – WER WAREN DIE ANUNNAKI?
Kapitel 13 – MOSES – VON AUSSERIRDISCHEN ENTFÜHRT?
Kapitel 14 – GAB ES RIESEN IN DER WELT?
Kapitel 15 – GÖTTER, KRIEGE UND ATOMWAFFEN
Kapitel 16 – VATER ABRAHAMS HIMMELFAHRT
Kapitel 17 – WENN DER HERR DIE ZEIT DEHNT
Kapitel 18 – ALTINDISCHE FLUGWAGEN
Kapitel 19 – »DER HAUCH SEINES MUNDES WAR ÜBLER GERUCH...«
 
TEIL III – DIE VERBORGENE SEITE DES LEBENS
Kapitel 20 – SPUREN IM STEIN
Kapitel 21 – DINOSAURIER IN AFRIKA – NOCH HEUTE?
Kapitel 22 – DER MYTHOS VOM »ZIEGENSAUGER«
Kapitel 23 – SELTSAME »ALIENLEICHEN« UND EIN BISSCHEN »AKTE X«
Kapitel 24 – LIEBLING DER MEDIEN: DER ALIEN VON METEPEC
Kapitel 24 – DER BUNDESTAG UND DIE AUSSERIRDISCHEN
Kapitel 26 – »EIN ZERSTÖRTES AUSSERIRDISCHES RAUMSCHIFF« UND SELTSAME SIGNALE ...
Kapitel 27 – UFO-CRASH VOR 12 000 JAHREN: VOM TOD EINER LEGENDE
Kapitel 28 – CORAL CASTLE UND DIE ANTIGRAVITATION
 
TEIL IV – GEHEIMNISSE DER GESCHICHTE
Kapitel 29 – DIE KOLUMBUS-LÜGE
Kapitel 30 – VOLTO SANTO, DER SCHLEIER VON MANOPPELLO
Kapitel 31 – DIE NACHT, IN DER DER TEUFEL KAM
Kapitel 32 – DIE GRÜNEN KINDER VON WOOLPIT
Kapitel 33 – VERSCHWÖRUNG UM »DIE MAUER VON GIZEH«
Kapitel 34 – WAR JURI GAGARIN WIRKLICH DER ERSTE MENSCH IM ALL?
 
TEIL V – ANHANG
QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR
TEIL I – ARCHÄOLOGISCHE MYSTERIEN
TEIL II – ÜBERLIEFERUNGEN GEBEN RÄTSEL AUF
TEIL III – DIE VERBORGENE SEITE DES LEBENS
TEIL IV – GEHEIMNISSE DER GESCHICHTE
 
Danksagung
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Copyright

Übersicht der Zeichnungen
 
Abb 1
Abb 2
Abb 5
Abb 6
Abb 7
Abb 24
Abb 25
Abb 26
Abb 8
Abb 9
Abb 28
Abb 10
Abb 11
Abb 29
Abb 30
Abb 12
Abb 13
Abb 31
Abb 14
Abb 32
Abb 15
Abb 16
Abb 27
Abb 17
Abb 34
Abb 35
Abb 3
Abb 4
Abb 36
Abb 18
Abb 37
Abb 19
Abb 20
Abb 38
Abb 21
Abb 22
Abb 23
Abb 33
Abb 39

In Erinnerung an die Vordenker der Prä-Astronautik und des Phantastischen in der ehemaligen Sowjetunion:
 
 
DR. DR. MATEST M. AGREST
(20. Juli 1915 bis 20. September 2005)
 
 
DR. WJATSCHESLAW SAIZEW
(leider unbekannt)
 
 
ALEXANDER PETROWITSCH KASANZEW
(2. September 1906 bis 13. September 2002)
 
 
Und in Freundschaft für
 
PETRA FREY
MARIO »OSSI« RINGMANN

»Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean.«
Sir Isaac Newton (1643 bis 1727, britischer Astronom, Physiker, Philosoph und Mathematiker)
 
 
»Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.«
Albert Einstein (1879 bis 1955, deutscher Physiker und Nobelpreisträger)
 
 
»Nichts ist schrecklicher als ein Lehrer, der nicht mehr weiß als das, was die Schüler wissen sollen.«
Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832, deutscher Dichter und Naturwissenschaftler)
 
 
»Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.«
Galileo Galilei (1564 bis 1642, italienischer Astronom, Mathematiker und Physiker)

VORWORT
VON ANDREAS WILHELM
Geschichte voller Rätsel, rätselhafte Geschichte
 
Ich bin kein Wissenschaftler. Ich bin nicht einmal Geschichtsstudent oder wenigstens Hobby-Archäologe. Und als Lars A. Fischinger mich fragte, ob ich bereit sei, ein Vorwort für sein neues Buch zu schreiben, glaubte ich daher zunächst an eine Verwechslung. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto besser verstand ich die Idee. Denn tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen uns dreien; Lars A. Fischinger, Ihnen, dem Leser oder der Leserin, und mir: Wir interessieren uns für Rätsel der Welt und der Geschichte, uns locken offene Fragen. Wir ziehen in Betracht, dass es Dinge gibt, die anders sind, als man es uns weismachen möchte. Wir sind Skeptiker.
In meinen Romanen habe ich Geheimgesellschaften, Mythologie und Rätsel vergangener Kulturen verarbeitet, von den Templern und den Rosenkreuzern über die Kabbala, das Erbe der Blutlinie Jesu, Sintflutlegenden, Aleister Crowley, die Tabula Smaragdina, das Alter der Pyramiden, den ägyptischen Ketzerpharao Echnaton bis hin zu den Prophezeiungen von Edgar Cayce und dem verlorenen Atlantis. All dies war möglich, weil ich Bücher wie dieses von Lars A. Fischinger, schon immer verschlungen habe. Von dort war es nicht weit, sich die berühmte Schriftsteller-Frage zu stellen: »Was wäre, wenn...?«
Aber Romane sind Fiktion, egal wie nah sie an der Realität sind. Und wie viel faszinierender ist es, sich zu vergegenwärtigen, dass so viele Rätsel tatsächlich noch nicht gelöst sind.
Das liefert natürlich endlosen Raum für Spekulationen, und wo eine Antwort fehlt, lassen sich mit hinreichend vielen Annahmen fast beliebig viele Theorien aufstellen. Wenn nur in Platons Bericht über Atlantis die Größenangaben nicht stimmen, oder wenn die Ortsangaben nicht stimmen, oder wenn die Zeitangaben nicht stimmen, oder wenn, wenn, wenn. Kein Wunder, dass auf diese Weise Atlantis nicht nur vor Kuba oder der Westküste Afrikas, sondern auch in Südspanien, in Südengland, auf Helgoland oder in der Antarktis vermutet werden kann.
Es ist prinzipiell nicht hoch genug anzurechnen, wenn etablierte Lehrmeinungen immer wieder hinterfragt und herausgefordert werden. Das akademische Establishment baut immanent auf Expertentum und Hoheitswissen auf, daher ist es zwangsläufig konservativ im Sinne der Machterhaltung. So erinnern einen die Geschichtswissenschaften mitunter an jene Szene aus dem Film Die Truman Show, in der Truman schon als Kind der Forscherdrang ausgeredet werden soll, indem eine Lehrerin auf seinen Berufswunsch »Forscher« hin eine Weltkarte ausrollt und lapidar verkündet: »Tja, da kommst du zu spät, es ist schon alles entdeckt worden.«
Bedauerlicherweise kommen allerdings die meisten der Skeptiker-Theorien auf atemberaubende und marktschreierische Weise daher, ganz nach dem Motto: Solange es keinen Beweis dagegen gibt, kann die Theorie nicht widerlegt werden und ist demnach so wahrscheinlich wie jede andere.
So werden die Skeptiker oft ungewollt zu ebensolchen Dogmatikern wie jene, die sie kritisieren. Denn natürlich ist die Abwesenheit von Gegenbeweisen längst kein Beweis für die Richtigkeit einer Theorie. Wer von den Lesern tiefer in diese Logik eintauchen möchte, dem sei eine Internetrecherche nach der Beweistheorie ans Herz gelegt. Und auch die Menge an nötigen Annahmen, um eine Theorie zu untermauern, wäre korrekterweise zu berücksichtigen, denn nach dem »Ockhams Rasiermesser«-Prinzip ist allgemein jene Lösung als am wahrscheinlichsten zu betrachten, die am wenigsten Annahmen benötigt.
Lars A. Fischinger hebt sich auf wohltuende Weise von der Masse ab, indem er ein Skeptiker unter den Skeptikern ist. Er behauptet nicht, er dokumentiert. Er breitet die bekannten Fakten aus, ebenso wie die dazugehörigen Theorien. So hinterfragt er nicht nur das gängige Weltbild, sondern auch die vielfältigen Ansichten und Ideen dazu und überlässt es dem Leser, sich eine abschließende Meinung darüber zu bilden.
Am Ende bleiben die meisten Rätsel ungelöst, und das ist gerade das Schöne daran. Wir sind zwar auf der Suche nach Antworten, was uns aber fasziniert, was uns antreibt, sind die offenen Fragen.
Wir kommen nicht zu spät. Es ist noch nicht alles entdeckt. Lars A. Fischinger rollt die Weltkarte aus und zeigt auf die vielen weißen Flecken. Wenn das nicht Stoff für neue Abenteuerromane ist!
Andreas Wilhelm
im Mai 2010

PROLOG DES AUTORS
»Keine Angst vor kühnen Gedanken!«, sagt ein schreibender Freund von mir gern – und spricht mir damit aus der Seele. Denn »kühne Gedanken« werden auch in diesem Buch ausgesprochen, in dem es um die Geschichte jenseits der Geschichte geht, wie wir sie aus der Schule kennen – die Verbotene Geschichte...
Die Geschichte des Rätselhaften und Unfassbaren. Voller Phänomene und Begebenheiten, die von der Community der etablierten Wissenschaft ignoriert oder in Schubladen mit Etiketten wie »Skurriles« verbannt werden.
Mich faszinieren diese Schubladen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten schon nähere ich mich ihnen immer wieder, puste den Staub weg, den sie angesetzt haben, und öffne sie. Begierig. Neugierig. Denn sie enthalten den Fundus des Phantastischen, des Sonderbaren aus dieser und vielleicht auch anderen Welten und haben es verdient, unvoreingenommen studiert und diskutiert zu werden.
Dass Sie nicht alles blind glauben, was man Ihnen in der Schule beigebracht hat oder im Fernsehen vorsetzt, davon gehe ich aus – sonst hätte dieses Buch wohl kaum Ihr Interesse geweckt. Doch seien Sie bitte genauso vor-urteils-frei und wachsam, wenn Sie in die packende Welt der Grenzwissenschaften eintauchen.
Ich halte es zwar mit Hamlet: »Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Weisheit träumen lässt.« Und in diesem Sinne folgt Die Verbotene Geschichte Shakespeare. Aber ich schließe mich auch den Worten an, die mein Freund und Autorenkollege Walter-Jörg Langbein schon 1993 in seinem Beststeller Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre schrieb:
 
»Es muss nicht alles so sein, es kann auch ganz anders sein. Manche Rätsel sind Scheinrätsel, manche werden zu welchen gemacht, manche aber widerstehen ziemlich hartnäckig allzu glatten Erklärungsversuchen.«
 
Begleiten Sie mich nun bitte hinter den Vorhang des Scheins. Und haben Sie keine Angst vor kühnen Gedanken.
 
Lars A. Fischinger
Malta, September 2010

TEIL I
ARCHÄOLOGISCHE MYSTERIEN

1
EINE 65 MILLIONEN JAHRE ALTE KULTUR IN RUMÄNIEN?
Kein Dinosaurier hat sich je einem Menschen genähert.
Ganz einfach, weil Menschen noch nicht lebten, als die Erde von den Dinos bevölkert war, versichern uns Anthropologen und Evolutionsforscher.
Was aber, wenn doch...
Vielleicht im Nordosten Rumäniens?
»Es begann mit einem Anruf«, schrieb der Wiener Autor Peter Krassa 1991. Der rumänische Ingenieur Eugen Tanvuia, der damals schon seit etwa 17 Jahren in Österreich lebte, hatte ihm von einer sensationellen Entdeckung berichtet, die im Zuge von Bauarbeiten im Zentrum der rumänischen Stadt Iaşi (Jassy) im Herbst 1990 gemacht worden war: Bei Ausschachtungen für ein neues Gebäude stießen die Arbeiter unversehens auf den Zugang zu einem unterirdischen Höhlensystem. Handelte es sich dabei etwa um die Hinterlassenschaft einer fremden, urzeitlichen Zivilisation? Einiges sprach dafür.
Denn versperrt wurde der Eingang von einer etwa drei Meter großen, runden Metallplatte, die die Geologen, die angeblich hinzugezogen wurden, vor ein Rätsel stellten. Bald kam die Vermutung auf, dass die Platte »mit unserer derzeitigen Technologie nicht hätte hergestellt werden können«.
Die Platte war mit 14 ebenfalls runden Ornamenten versehen. Im Zentrum von vier dieser Schmuckwerke befand sich das Abbild eines Menschen, der einen Schwanz hatte und fremdartig anmutende Kleidung trug. Das Ganze erinnert irgendwie an mittelamerikanische Maya- oder Azteken-Kunst. Zwei Ringe sind um diese Wesen im Zentrum angebracht, von denen der innere Ring eine Schrift enthalten könnte (siehe Bildteil). Der äußere Ring dagegen »zeigt Darstellungen saurierähnlicher Monster«, wie Tanvuia Peter Krassa berichtete. Was auch bei den mit den Untersuchungen befassten rumänischen Wissenschaftlern die Frage aufwarf: Wurden auf den Reliefs humanoide Wesen einer unbekannten Menschenrasse entdeckt, die gleichzeitig mit den Sauriern lebten?
Das wäre natürlich eine echte Sensation gewesen.
Unter dem »Deckel« führte ein senkrechter, mit Granitsteinen ausgekleideter Schacht zehn Meter tief in die Erde. Am Ende lag ein 4,80 Meter langer und 3,60 Meter breiter Raum, dessen Wände ebenfalls aus Granit bestanden, der angeblich »wie glasiert« wirkte und fugenlos verarbeitet war.
Doch dahinter ging es noch weiter, fanden die Geologen, die sich der Sache angenommen hatten, bald heraus. Denn in einer Wand entdeckten sie den Zugang zu einem 2,40 Meter hohen und 1,60 Meter breiten Tunnel, durch den sie in einem Neigungswinkel von 30 Grad 450 Meter weiter hinabgehen konnten.
In 90 Metern Tiefe erreichten sie schließlich einen weiteren Raum, der nicht natürlichen Ursprungs war. Tanvuias Bericht zufolge stießen die Geologen in einer Wand auf einen Granitblock, aus dem durch ein Loch Wasser in eine Vertiefung floss. Das Ganze stellte offenbar so etwas wie einen Brunnenraum dar.
Das Wasser wurde angeblich von Fachleuten aus dem Labor für Bakteriologie und Virologie in Iaşi nach allen Regeln der Kunst analysiert. Ihr Ergebnis: eine wahre Wunderquelle! Mit Krebs infizierte Versuchstiere, so hieß es, konnten, nachdem sie drei Tage mit diesem Wasser behandelt wurden, als geheilt gelten. Ferner ließen sich mit dem Wasser Viren und Bakterien erfolgreich abtöten – und irgendwie würde es damit angeblich auch gelingen, »in den Zellen ein Immunsystem zu schaffen und gewisse Anomalien zu korrigieren«.
Und da man ja nun meinte, endlich ein taugliches Heilmittel gegen Krebs gefunden zu haben, wurde das Tunnelsystem erst einmal mit einer Betonplatte verschlossen, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren.
Merkwürdig!
 
Ich versuchte, die Anschrift von Eugen Tanvuia ausfindig zu machen, um Näheres zu erfahren. Und tatsächlich, in einem älteren Telefonregister Wiens stand sein Name. Allerdings teilte mir das Einwohnermeldeamt der Stadt im Januar 2010 mit, dass Krassas Informant inzwischen verstorben war. Also musste ich andere Wege gehen, um an meine Informationen zu kommen.
Die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, erfuhr ich, ist die Partneruni der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iaşi. Und Professor h. c. Dr. Bernhard Schröder, der Ehrensenator der Albert-Ludwigs-Uni, war so freundlich, mir einen Kontakt zu Professor Dr. Calina Gogalniceanu zu verschaffen, die mir weiterhalf.
In Iaşi gäbe es tatsächlich künstlich angelegte Tunnel, teilte sie mir mit, »die unterhalb der Stadt ein Netzwerk bildeten«. Auch sei man auf »Ruinen von sehr alten Gebäuden« gestoßen, die bisher jedoch noch nicht ausgegraben werden konnten, weil das Geld dafür fehlte.
Die Tunnel, von denen einige offenbar als Weinlager dienten, so schrieb mir Dr. Gogalniceanu, stammten etwa aus dem 16. Jahrhundert. Ein gewisser M. Radu Iacoban habe in den Achtzigerjahren einmal einen Dokumentarfilm über die unterirdische Welt der Stadt gedreht. Viele der Tunnel seien auch voller Wasser, das sei schwefelhaltig und habe deshalb wohltuende Wirkung bei Rheuma, aber: »So etwas wie ein Heilwasser gegen alles Mögliche wurde hier nie entdeckt.«
Professor Gogalniceanu war so nett, mein Anliegen nebst Krassas Artikel, der auch die im Farbteil dieses Buches abgebildete Skizze von dem angeblichen Fund enthielt, an die Archäologin Frau Stela weiterzuleiten, die zusammen mit dem Archäologieexperten Emanuel Bruckner versuchte, der Sache auf den Grund zu gehen. So begann in Rumänien das Rätselraten über den Bericht von 1991 und jene Skizze, die angeblich aus diesem Fund stammt.
Ende März bekam ich dann konkrete Ergebnisse. Zwischenzeitlich war ich selbst in Rumänien und konnte mich davon überzeugen, dass unterirdische Tunnelsysteme dort tatsächlich keine Seltenheit sind. Golganiceanu schrieb mir:
 
 
»Sie [Stela, Anm. L.A. F.] hat mich gebeten, Ihnen zu sagen, dass sie Ihren Artikel gelesen und analysiert hat, und dass sie dazu sagen kann, dass die Informationen, die dort erwähnt sind, nicht zutreffend sind. Sie meint, dass es nach der Wende (d.h. nach Dezember 1989) mehrere solche Gerüchte (denn anders kann man sie nicht nennen) gegeben hätte, aber die Situation nicht so sei, wie in dem Artikel dargestellt. Frau Stela ist als Archäologin in Iaşi tätig, sie arbeitet seit mehreren Jahren auf diesem Gebiet und sie meint, dass der tiefste Aushub, den sie gesehen hat und wo sie auch bis vor Kurzem dabei war, 9 Meter tief war [...]. Bei einem Projekt, das zurzeit in der Stadtmitte durchgeführt wird und wo Frau Stela als Archäologin tätig ist, hat man bis zu einer Tiefe von 15 Metern gegraben und ist dann auf Lehm gestoßen. Bei dieser Tiefe kann man Wasser finden. Es ist richtig, dass es Quellen mit heilendem Wasser gibt, aber kein solches allheilendes Wasser wie in dem Artikel erwähnt. Sie möchte auch betonen, dass es keinen solchen Tunnel gibt, genau dasselbe gilt auch für das Bild [der Platte, Anm. L.A. F.].«
 
Die ganze Angelegenheit scheint also nichts anderes zu sein als eine schöne Geschichte, eine Vermischung von Realität und Fantasie. Wie so viele »sonderbare Begebenheiten«, über die seit der Öffnung des Ostblocks berichtet wird.
Die Vermutung allerdings, dass das Tunnelsystem von Iaşi von einer menschlichen Zivilisation aus den Tagen der Dinosaurier stammen könnte, klang von Anfang an so, als wäre sie zu schön, um wahr zu sein. Aber man wird ja noch träumen dürfen...

2
DER KOHLESCHÄDEL VON FREIBERG
»Kuriose Fälschung oder 15 Millionen Jahre alt?« Das ist die Frage, die der Diplomgeologe Bernd Nozen im von der Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A.A.S.) herausgegebenen Magazin Sagenhafte Zeiten Anfang 1999 aufwarf.
Und die Geschichte, um die es geht, ist in jedem Fall kurios genug, um ihr auch jetzt, mehr als zehn Jahre später, noch einmal nachzugehen.
Nozen berichtet nämlich von einem alten Fund, der – wenn er denn echt wäre – beweisen könnte, dass bereits vor 15 Millionen Jahren Menschen auf der Erde lebten. Und das wäre eine echte Sensation – würde es doch alle bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Kopf stellen.
Was aber hat es nun wirklich mit diesem Fund auf sich – dem Kohleschädel von Freiberg?
Man kann ihn besichtigen: montags bis donnerstags im Humboldt-Bau der TU Bergakademie in Freiberg, ganz in der Nähe von Schloss Freudenstein. Dort ist er Teil der Paläontologisch-Stratigraphischen Sammlung. Und das schon »seit mindestens 1842«, wie mir mitgeteilt wurde.
Der infrage stehende Schädel entstammt (siehe Bildteil), und nur so viel ist sicher, dem Erbe des Pharmazeuten Löscher, der die Elefantenapotheke in Freiberg betrieb, zudem Bergmeister des Grafen von Thun aus Böhm war und 1813 verstarb.
Ein gewisser Herr Kersten untersuchte den Kopf und veröffentlichte seine Ergebnisse »über einen in Brauneisenstein und Bitumen umgewandelten Menschenschädel« 1842 in Berlin. Mit den Mitteln, die ihm vor 170 Jahren zu Gebote standen, hatte Kersten allerdings weder Spuren von Knochen noch von anderen menschlichen Geweberesten finden können. Als »Innere Ausfüllung eines Menschenschädels durch Kohlemassen« landete der Schädel im Archiv. So ausgewiesen im »Catalog über Versteinerungen der königlichen Bergakademie zu Freiberg« von 1859 unter der Katalognummer 1.
Nachdem der Geologe Otto Stutzer den Schädel 1923 in einer Veröffentlichung erwähnt hatte, erregte er die Aufmerksamkeit von Experten der ethnografischen Abteilung des Zwinger Museums im nahe gelegenen Dresden. Sie untersuchten ihn und kamen zu dem Ergebnis, es handele sich um einen »aus Braunkohle modellierten Schädel«. Also nicht um Teile der sterblichen Überreste eines Menschen, der vor 15 Millionen Jahren gelebt haben könnte.
Von sich reden machte der Fund dann erst wieder 1988, als Prof. Gerhard Roselt in der Zeitschrift für angewandte Geologie (Nr. 34) die Ergebnisse seiner mit neueren Methoden durchgeführten Analysen vorlegte. Er bestätigte im großen Ganzen das Resultat der Zwinger-Experten und wies darauf hin, dass das Objekt Spuren von Harzen aufweise, wie sie von Apothekern verwendet worden seien. Hatte sich der Pharmazeut und Bergmeister Löscher in seiner Freizeit vielleicht als Bildhauer versucht? Oder sich einfach ein Späßchen machen wollen?
Zehn Jahre später wurde ein Lokalreporter der Freien Presse auf den Schädel aufmerksam. Seiner Anregung folgend führten die Ärzte Dr. Frietjof Kaulen und Dr. Siegfried Pomplun aus Freiberg im November 1998 eine computertomografische Untersuchung des Objekts durch. Dabei zeigten sich Strukturen, die an die Jahresringe von Bäumen erinnerten.
 
Stand der Dinge wäre also: Zwar ist die Braunkohle in der Region, aus der das an einen Menschenschädel gemahnende Objekt stammt, 15 Millionen Jahre alt – keineswegs aber es selbst. Der Schädel wurde, wie Roselts Analyse aus dem Jahr 1988 nahelegt, von Menschenhand gefertigt.
Warum dann aber, so fragt Bernd Nozon, in Schichten? »Wäre es einfach nur darum gegangen«, wendet er in seinem Artikel in Sagenhafte Zeiten ein, »einen künstlichen Schädel herzustellen, hätte man diesen in einem Stück modelliert«. Er regte seinerzeit neuerliche Untersuchungen an, zeigte sich diesbezüglich jedoch wenig optimistisch.
Wohl nicht zu unrecht. Denn nach herrschender Meinung handelt es sich bloß um natürliche Kohle, die ein Unbekannter zu einem menschlichen Schädel modellierte. So wurde es mir im Freiberger Institut erst im März 2010 noch bestätigt. Davon, dass das Objekt ein Beleg für die Existenz von Menschen vor 15 Millionen Jahren sein könnte, geht keiner der Forscher dort aus.
Wie so oft bei seltsamen Fundstücken ist auch hier wieder die Herkunft das eigentliche Rätsel. Denn darüber, wo, wann, wie und von wem der Freiberger Kopf gefunden wurde, ist nicht das Geringste bekannt. Bleibt die Vermutung, dass ihn Apotheker Löscher selbst angefertigt hat. Warum auch immer.

3
JAMES CAMERONS FALSCHE SENSATIONEN
Statistische Beweise liegen mir zwar nicht vor, trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass im Ranking der seit Jahrhunderten meistdiskutierten Personen, Figuren und Gestalten die des Jesus von Nazareth den ersten Platz belegt. Prophet? Ketzer? Messias? Sohn Gottes? Aufgestiegener Meister? Hier scheiden sich die Geister. Und viele fragen sich auch, ob dieser legendenumwobene Mann überhaupt je lebte – und unter welchen Umständen. Hatte er Geschwister? Vielleicht gar eine Ehefrau und Kinder? Und wie war das mit seinem Tod, dem Begräbnis und der Auferstehung?
Lag das Heilige Grab wirklich an dem Ort, an dem die meisten Christen es vermuten, auf dem Gelände der Grabeskirche mitten in der Altstadt Jerusalems? Wurde er genau hier gekreuzigt, ist er an dieser Stelle auferstanden? Leibhaftig?
Unter einem römischen Tempel soll Flavia Iulia Helena (250-330) neben anderen Indizien Teile von jenem Kreuz gefunden haben, an das Jesu geschlagen wurde. Ihr Sohn, Konstantin der Große, erteilte den Auftrag zur Errichtung der Anlage und weihte sie am 13. September 326 ein.
Zu Tausenden pilgern Jahr für Jahr Christen aus aller Welt in die Grabeskirche zu Jerusalem. Aber sind sie dort an auch der richtigen Stelle? Oder sollten sie ihr liebendes, ehrendes Angedenken Jesu vielleicht doch besser einige Kilometer südöstlich zum Ausdruck bringen, im Stadtteil Talpiot?
Dort wurde 1990 eine Anlage entdeckt, die mit großer Wahrscheinlichkeit das Grab der Kajaphas-Familie enthielt – und damit auch die Gebeine eines jener Männer, die maßgeblich zur Verurteilung Jesu zum Kreuzestod beitrugen. Was im beschaulichen Talpiot jedoch viel weniger beachtet wurde, war ein Zufallsfund, den Arbeiter bei Bauarbeiten bereits 1980 gemacht hatten: zehn sogenannte Ossuare, von denen sechs beschriftet waren. Solche steinernen »Knochenkisten« wurden im ersten Jahrhundert bis 70 nach Christi Geburt zur Sekundärbestattung (nach der vollständigen Verwesung des Leichnams) verwendet.
Ganze 27 Jahre dauerte es, bis dieser Fund – die Ossuare waren schleunigst der Antiquitätenbehörde übergeben und die Bauarbeiten fortgesetzt worden – für Schlagzeilen sorgte. Dann aber drohte er den christlichen Glauben in seinen Grundfesten zu erschüttern.
 
In den USA und in Kanada erschien im Frühling 2007 die Fernsehdokumentation The Lost Tomb of Jesus, die unter dem Titel Das Jesus-Grab am Karfreitag des Jahres auch im deutschen Fernsehen (auf Pro 7) zu sehen war. Regie führte der Emmy-Gewinner Simcha Jacobovici, und zu den Produzenten gehörte kein Geringerer als Oscarpreisträger James Cameron, Regisseur und Drehbuchautor von Kassenschlagern wie Titanic, Rambo II, Terminator oder Avatar (2010).
In dem Film wird die Behauptung aufgestellt, bei dem Talpiot-Fund von 1980 könne es sich um das Familiengrab Jesu Christi gehandelt haben. Was für eine Vorstellung! Was für eine Provokation! Gewiss, wenn die These der Wahrheit entspräche, wäre sie der Beweis für die historische Existenz des Jesus von Nazareth! Doch wie sehr auch würde das christliche Bild des Gottessohnes Schaden nehmen – der enthaltsam lebende Prediger: ein Gatte, ein Vater? Und nicht leibhaftig auferstanden von den Toten?
Als ich Anfang 2009 nach Jerusalem reiste, um der Frage nach dem Jesus-Grab vor Ort nachzugehen, unterhielt ich mich mit Vertretern der verschiedenen Strömungen des Katholizismus, aber auch mit Pilgern aus aller Welt. Und keiner, wirklich kein Einziger ließ auch nur den geringsten Zweifel daran durchblicken, dass Jesus an der Stelle gekreuzigt, zu Grabe getragen und auferstanden war, an der sich die Grabeskirche befindet. Niemand konnte sich mit den archäologischen Thesen der Dokumentation von Simcha Jacobovici und Graeme Ball anfreunden. »Glaube macht blind«, sagt man. Auch in diesem Fall der rätselhaften, archäologischen Sensation?
Die Kirchen-Community war angesichts der Dokumentation in Aufruhr. »Der Heiland würde im Grab rotieren« titelte zum Beispiel »Spiegel online« damals. Doch die Dokumentation war nichts weiter als ein Taschenspielertrick. Die »Beweise« für das Grab Jesu sind mager bis falsch. Schlagzeilen und Einschaltquote standen im Vordergrund, und es wurde übersehen, dass schon 1996 die BBC in »The Body in Question« die Thesen verbreitete, so Bibelexperte Prof. Jürgen Zangenberg, Universität Leiden, Niederlande. Auch wenn Cameron auf der Pressekonferenz zum Film in New York am 26. Februar 2007 von »Beweisen« sprach. Und natürlich brachte Simcha Jacobovici gleichzeitig ein Buch zum Film mit »Beweisen, welche die Geschichte verändern« mit einem Vorwort von Cameron heraus.
Zehn Knochenkisten wurden 1980 im Grab gefunden; sechs mit Inschriften. Dr. Joseph Gath dokumentierte am 30. März 1980, dass »neun intakt, eines zerbrochen« seien. Die Namen darauf, eben wie »Yeschua, Sohn des Yehosef« – Jesus, Sohn des Joseph – waren im ersten Jahrhundert weit verbreitet. Sie waren nichts Besonderes unter den rund 900 bekannten Knochenkisten aus Jerusalem aus der fraglichen Zeit. Trickreich wurde in der Dokumentation dann die griechische (nicht aramäische) Inschrift »Mara von Mariamene« als Maria Magdalene dargestellt. Angeblich beweise das, dass sie die Frau Jesus war und hier bestattet wurde. Dan Brown lässt grüßen. Dass die Legende aber sagt, dass Maria Magdalene nach dem Tode Jesus’ in Südfrankreich lebte und starb, wird von Cameron verschwiegen.
Eine weitere Knochenkiste wurde herbeigezaubert, die angeblich aus dem besagten Grab stammt und auf der »Jakobus, Sohn des Joseph, Bruder des Jesus« steht. Aufgetaucht war sie 2002 über Oded Golan aus Tel Aviv. Golan gab an, er hat die Kiste in der Jerusalemer Altstadt erworben. Die »Sensation« wurde zur Ausstellung nach Kanada gebracht und ging dabei zu Bruch. Wie kann es dann sein, dass es sich um das im Museumsarchiv in Jerusalem vermisste zehnte Ossuarium handelt, das bereits 1980 als zerbrochen dokumentiert wurde.
Analysen der Patina (Oxydschicht) der Kiste sollen laut Cameron beweisen, dass Golans Fund aus dem »Jesus-Grab« stammt. Auch das war suggestive Berichterstattung. Christopher Rollston, Johns Hopkins University, Professor für das Alte Testament, bemerkt, dass Gegenproben aus anderen Gräbern nicht sorgsam durchgeführt wurden. Die Patina beweist nur, dass der »Jakobus-Sarg« wie hunderte andere auch aus Jerusalem stammt. Außerdem ist bekannt, dass die »fehlende« Knochenkiste im Hof des Rockefeller Museums herumsteht, da es keine Schrift und Verzierung zeige. Es sah schlicht langweilig aus.
Außerdem darf man Golan so oder so nicht trauen: »Associated Press« meldete schon am 23. Juni 2003, dass die Polizei im Hause Golans eine große und gut ausgestattete Fälscherwerkstatt auffliegen ließ. Fertige und in Arbeit befindliche Objekte lagen überall herum. Auch ein berühmter Stein, der den salomonischen Tempelbau beweisen soll, wurde von Golan gefälscht. Ebenso ist die Altertümerverwaltung Israels nach einer genauen Analyse der Inschrift sicher, dass sie gefälscht ist. Seit 2004 steht Golan deshalb vor Gericht. Und: Golan legte ein Foto vor, das er 1976 von der Truhe gemacht haben will. Das FBI konnte nach Laboruntersuchungen bestätigen, dass die Chemikalien und das Papier des Bildes aus den Siebzigerjahren stammen. Doch das »Jesus-Grab« wurde erst 1980 gefunden.
Wieso sein »Beweis« in Camerons Dokumentation vorgeführt wird, ist ein Rätsel. Diese Informationen über Golan waren durch Presse und Fernsehen seit Jahren international bekannt. Und was sagte ein Antiquitätenhändler in Jerusalem, der Knochenkisten im Angebot hat (für etwa 3 000 Dollar kann man diese erwerben)? Die Anwälte Golans boten 30 000 Dollar, wenn er vor Gericht für Golan aussagt und bestätigt, dass die Inschrift echt ist...
Auch die Frage, wieso Jesus in Jerusalem mit seiner Familie beerdigt wurde, ließ Cameron geschickt offen. »Jesus von Nazareth« nannte man ihn, den angeblich »mehr als 500 Brüder« nach seiner Auferstehung sahen (Kor. 15,3). Josef war ein bescheidener Zimmermann aus Nazareth und starb wohl, als Jesus 12 war. Wie kann ein solcher Mann aus der Provinz ein Grab der Oberschicht in Jerusalem besitzen? Und weiß nicht die Bibel, dass Josef von Arimathäa dem Gekreuzigten sein eigenes Grab nahe Golgatha stiftete (Mt. 27,57-60)? Vier Kilometer von der Vielzahl der Gräber in Talpiot entfernt. Jesus opferte im Tempel einst auch eine Taube (Lk. 2,24), obwohl die Gesetze des Moses fordern, man sollen ein Schaf opfern, wenn man das nötige Kleingeld hat (Lev. 12,8).
Die in der Sendung beteiligten Wissenschaftler gaben der Weltsensation der Archäologie selbst den Todesstoß. Ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen oder suggestiv verwendet worden, stellten sie später richtig. Nachzulesen etwa im Blog von »Scientific American« schon am 2. März 2007. Das bekam allerdings kaum jemand mit – und dieser Mythos lebt weiter...

4
EIN TÄFELCHEN AUS NUSSBAUMHOLZ
Zur Debatte stehen vier Buchstaben – die Lettern I.N.R.I., die sich seit dem 4. Jahrhundert auf fast allen christlichen Darstellungen des gekreuzigten Jesu finden. Sie sind ein Akronym der Worte »Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum« = »Jesus von Nazareth, König der Juden«.
Den übereinstimmenden Schilderungen der Evangelisten Markus, Lukas, Johannes und Matthäus zufolge wurde Jesus in Jerusalem von den Römern verspottet, gequält und gezwungen, das Kreuz, an das er genagelt werden sollte, selbst zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dort wurde, heißt es, über dem Kopf des Todgeweihten eine Tafel am Kreuz angebracht, aus der das Verbrechen hervorgeht, dessen er sich in den Augen der Römer schuldig gemacht hatte.
Im Evangelium des Lukas ist zu lesen:
 
 
»Es stand auch eine Aufschrift über ihm: >Dieser ist der König der Juden<.« (Lk. 23,38)
 
»Und über seinem Haupte hefteten sie eine Inschrift an mit der Angabe seiner Schuld«, steht bei Matthäus (27,37). Das Johannes-Evangelium (Joh. 19,19f.) steuert die Information bei, Pontius Pilatus, von 26 bis 36 unserer Zeitrechnung Statthalter des Kaisers Tiberius in Judäa, habe die Anbringung dieser dreisprachigen Inschrift persönlich befohlen, damit »viele von den Juden« über die Begründung des Todesurteils informiert wurden: Jesus habe – was hier nicht weiter erörtert werden soll – behauptet, der »König der Juden« zu sein. Und das kam einem Kapitalverbrechen gleich – galt eine solche Aussage doch seit einem Erlass des Kaisers Augustus als Hochverrat und Majestätsbeleidigung. Publius Quinctilius Varus (etwa 46 vor bis 9 nach Christus), durch die Varusschalacht im Teutoburger Wald bekannter Senator und Kriegsherr, ließ eine Vielzahl selbsternannter »Judenkönige« kreuzigen.
Dass die Öffentlichkeit durch Schilder über die Verbrechen unterrichtet wurde, die Delinquenten zur Last gelegt wurden, war damals nicht ungewöhnlich. Allerdings hängte man sie ihnen wohl meistens um den Hals. Der römische Senator und Geschichtsschreiber Lucius Cassius Dio Cocceianus (etwa 163-230) jedenfalls erwähnt dies in seiner Römischen Geschichte (Buch LIV, 3,7). Bei Jesus allerdings soll es sich, wie gesagt, um eine Tafel gehandelt haben, die auf dem senkrechten Balken des Kreuzes angebracht wurde.
Und genau diese Tafel soll heute noch existieren – sicher verwahrt in einem Seitenschiff der Kirche Santa Croce in Gerusalemme zu Rom (siehe Bildteil). Das Gotteshaus war früher der Palast Flavia Iulia Helenas (etwa 250-330), der Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen. Sie soll es gewesen sein, die die sensationelle Entdeckung machte. Auf einer Pilgerreise, die sie im Jahr 325 nach Jerusalem führte, fand sie angeblich nicht nur das Kreuz, an das Jesu Christi geschlagen worden war, sondern auch drei Nägel davon – und eben besagte Tafel.
Ein Teil der Reliquien wurden nach Rom in den Palast der Helena gebracht und ging dort verloren. 1492 allerdings wurde im Zuge von Bauarbeiten ein Ziegel gefunden, der die Inschrift Titulus crucis (»Kreuz-Inschrift«) trug und angeblich im Jahre 1143 dort versteckt wurde. Hinter diesem Stein tauchte in einer Bleischatulle auch ein Teil der Jesus-Tafel wieder auf. Am 29. Juli 1496 erkannte Papst Alexander VI. (1431-1503) die Echtheit der Inschrift an.
Viel Aufsehens für eine im Neuen Testament nur kurz erwähnte Tafel. Doch das ist spannend. Sollte die Reliquie tatsächlich echt bzw. 2 000 Jahre alt sein? Ich flog also nach Jerusalem (zum angeblichen Auffindungsort der Reliquie), aber auch nach Rom, um mehr über diesen Reliquien-Fund zu erfahren. In der Santa Croce in Gerusalemme in Rom finden sich einige Kreuzreliquien. Die gesuchte Jesus-Tafel ist noch heute darunter.
Ich habe mir die Reliquie angeschaut. Das in einem prachtvollen Rahmen befindliche Ausstellungsobjekt in Santa Croce in Gerusalemme ist sehr verwittert, von Holzwürmern und Pilzbefall zerfressen. Aber ist es auch wirklich authentisch? Wirklich cirka 2 000 Jahre alt?
Schon 1870 legte der Franzose Ch. Rohault de Fleury eine bebilderte Untersuchung der dreisprachigen Tafel vor. Sein Werk ist illustriert und trägt den Titel Memoire sur des Instruments de la Passion de N.-S. J.-C. Er konnte belegen, dass bereits im dritten Jahrhundert die Schreibweise der griechischen Zeile der Jesus-Tafel nachzuweisen ist.
Doch erst am 25. April 1995 kam es zu einer genaueren Bestandsaufnahme. Maria-Luisa Rigato von der Päpstlichen Universität Gregoriana (Rom) war beauftragt worden, die Reliquie eingehend zu dokumentieren. Demnach ist die Tafel 25 Zentimeter lang, 14 Zentimeter hoch und 2,6 Zentimeter dick. Das beschädigte und dunkle Stück besteht aus rund 700 Gramm Nussholz und trägt sichtbare Inschriften. Der Botaniker Professor Elio Corona aus Italien ist sich sicher, dass das Holz von der Echten Walnuss (juglans regia) stammt, die im fraglichen Herkunftsgebiet durchaus vorkam.
 
1998, als der Historiker Michael Hesemann noch Chefredakteur von Magazin 2 000 war, wurde ihm gestattet, die Kreuztafel genauer zu untersuchen. »Der deutsche Historiker Michael Hesemann sieht in ihr den einzigen schriftlichen Beweis für den Kreuzestod von Jesus«, schrieb Focus (Nr. 1/2 000) über seine Forschungen, die er in einem Buch 1999 vorlegte. Bild titelte am 1. Oktober 1999 denn auch: »Deutscher Wissenschaftler ist sich sicher: Dies ist ein Stück vom Kreuz Jesu.«
Was war geschehen? Nachdem er im Jahr zuvor auf die Tafel aufmerksam geworden war, reiste er nach Israel, um dort Experten für Paläografie (die Lehre von alten Schriften) zu konsultieren. Sie bestätigten ihm, dass die Inschriften auf der Kreuzes-Tafel durchaus aus dem ersten Jahrhundert stammen können. Professor Dr. Israel Roll wies Hesemann zudem auf Parallelen zwischen der lateinischen Zeile, die sich darauf befindet, und einer römischen Weihe-Inschrift aus dem ersten Jahrhundert hin, die 1961 gefunden wurde. Diese Inschrift, so geht aus Hesemanns Die Jesus-Tafel hervor, stammte von Pontius Pilatus, der auch die Tafel am Kreuz Jesu anfertigen ließ, wie es im Neuen Testament nachzulesen ist.
Als Hesemann 1999 die Ergebnisse seiner Recherchen auf einem Kongress der Päpstlichen Lateran-Universität (Rom) vortrug, erhielt er großen Beifall.
War der Kreuztitel, den Helena fand, also womöglich wirklich echt? Die Tafel ist den Berichten nach geteilt worden, und dabei ging im Laufe der Zeit ein Teil verloren – noch in Jerusalem, wie Hesemann dokumentiert. Auch das Exponat in Rom ist allem Anschein nach nicht vollständig erhalten. (Während es links eine saubere Schnittkante aufweist, wirken die anderen drei Seiten stark verwittert.)
Der Historiker und Papyrologe Professor Carsten Peter Thiede (1952-2004), den Hesemann im Zuge seiner Recherchen für Die Jesus-Tafel interviewt hatte, war ebenfalls der Meinung, die Tafel müsse aus dem ersten Jahrhundert stammen. Davon zeugt auch sein Buch Das Jesus-Fragment, das er zusammen mit Matthew D’Ancona 2000 veröffentlichte.
Zwei Jahre später jedoch ergab eine Radiokohlenstoffdatierung, die an der Universität Roma Tre durchgeführt worden war, dass das fragliche Stück wesentlich jünger war – nur etwa 1000 Jahre alt.
In einem Vortrag, den er am 2. Mai 2009 auf einem Kongress hielt, der von der Universidad CEU San Pablo (Madrid) abgehalten wurde, verteidigte Hesemann seine Forschungsergebnisse und mutmaßte, die Proben, die Roma Tre vorgelegen haben, könnten kontaminiert gewesen sein.
Die Befürworter der Echtheit des Kreuztitels weisen vor allem auf Zeugnisse wie etwa das des Pilgers Antonius aus Piacenza hin, der um 570 in Jerusalem war und die Tafel vom Kreuz Jesu dort gesehen, geküsst und in den Händen gehalten haben wollte. »Dieses Kreuzesholz ist von Nussbaum«, soll er anschließend berichtet haben. Über die Verehrung einer Kreuzestafel in Jerusalem hatte sich auch die Pilgerin Egeria geäußert, allerdings schon im Jahr 383.
Und was ist mit der Expertise der Paläografen, die Hesemann zu Rate gezogen hatten? Irrten sie, als sie das Alter der Tafel auf 2000 Jahre schätzten? Oder wollten sie dem deutschen Historiker etwa einen Bären aufbinden?
Zu bedenken ist auch: Bei Johannes heißt es, dass die Tafel am Kreuz Jesu auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch verfasst wurde. Bei der Reliquie in Santa Croce di Gerusalemme aber ist die Reihenfolge der Schriftzüge anders, nämlich (von oben nach unten) hebräisch, griechisch und lateinisch. Hätte sich der Fälscher im frühen Mittelalter – wenn es einen solchen denn gab – nicht eher exakt an den Wortlaut der Bibel gehalten?
Durchaus möglich also, dass das Ergebnis der Radiokohlenstoffdatierung nicht stimmt. Könnte es sein, so fragt deshalb auch Michael Hesemann in Jesus von Nazareth, dass das Resultat »darauf zurückgeht, dass die Tafel rund 1100 Jahre (also bis zu ihrer Entdeckung 1492, Anm. L.A.F.) in einer Bleikassette steckte«? Das Blei könnte den natürlichen radioaktiven Zerfall durch die kosmische Strahlung aufgehalten haben.
 
Fazit: Die historische Wahrheit über die Kreuztafel Jesu ans Licht zu bringen, wird zukünftigen Analysen vorbehalten bleiben müssen...

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