To all those who are able to transform
pain into creativity!

Schönheit

Zwischen Versprechen und Brechen

Auf der Suche war: Mart Mirente

INHALT

4 Geschmack - Geschmäcker

8 Schönheit von Materialien

Ausgrabungen

Eine Wohnung - viele Geschichten

Kleine Kritik des Geschmacks

In Würde altern

Schönheit von Dingen

35 Schönheit von Oberflächen

Perfektion

Makellosigkeit

46 Schönheit von Menschen

Landeanflug

In einem Land in dem die Blumen schöner blühen

Spaziergang durch die Evolution

Selbst-Versprechen

Fremd-Versprechen

Absturz auf der Seinsleiter

Innere Schönheit

Ein Blick in die Zukunft

83 Bekleid-erscheinungen

92 Resumée

Geschmack – Geschmäcker

Wann immer ich erzählte, ich würde ein Buch über Schönheit schreiben, war der erste Satz gesetzt: „Geschmäcker sind verschieden!“ Soll heißen: „Wo liegt denn der Sinn, über Schönheit zu schreiben, wenn doch jeder etwas anderes als schön empfindet.“

Ja, würde ich antreten, endlich anderen das ewige Rätsel „Schönheit“ zu lüften, so hätte dieser Einwand Recht. Denn tatsächlich hat hier jeder seine eigene Meinung. Trotzdem halten sich hartnäckig eine Reihe von Theorien, die allesamt leichten Schrittes das höchst subjektive Auge des Betrachters ignorieren und versuchen, Schönheit für alle und für jeden festzuschreiben.

Noch weniger Sinn –auflagentechnisch gesehen– hätte das Vorhaben, anderen erzählen zu wollen, was ich für schön halte. Man müsste schon sehr viel Zeit und Langeweile haben, ein Buch zu lesen, in dem der Autor seine höchst persönliche Sicht von Schönheit vorträgt. Sogar auf dem täglichen Weg zu Arbeit gibt es unterhaltendere Lektüre als das „Ästhetische Tagebuch eines Unbekannten“.

Der täglich grüßende Murmeltiereinwand tritt auf beiden Seiten Türen ein, die offener nicht stehen könnten. Warum also schreibe ich trotzdem und ausgerechnet über Schönheit? Ganz einfach: Ich fange an, zu schreiben, wenn andere mir keine Antwort geben, die mich zufriedenstellt.

Doch nicht die Schönheit als solche und ganze stellt mir Fragen, sondern deren Änderung. Bei jeder meiner Wahl- und Kaufentscheidungen spielen Aussehen, Farbe, Form, Design, Ästhetik oder Mode eine Rolle, ganz egal, ob es um eine Frau geht, eine Vase oder einen Hut. Doch wie schnell legt Staub sich über meine Wahl und andere Schnuppen gehen auf und stürzen, was noch eben oben stand.

Dass jeder seinen eigenen Geschmack hat, damit könnte ich noch leben. Dass ich selbst jeden Tag eine andere Meinung habe und damit in Summe keine, das ist eine offene Wunde.

Mein Geschmack hüpft trotzig wie ein Mobile im Wind. Ohne jegliche Konstanz widerspreche ich mir immer wieder selbst und damit auch all den Regeln, die hoch droben im Himmel der Ästheten, an Zahlen oder gar an Göttern hängen, wie auch immer sie dort hingekommen sein mögen. Mein Geschmack: er ist verschieden. Das zu wissen, brauch ich andere Menschen nicht.

*

Damals hatte einer eine Frage und weil er keine Antwort fand, holte er den Hammer raus und hieb sich den Frust an einem Stein von der Seele. Wer auch immer dann an diesem Mal vorüberkam, verstand, dass, was dort stand, die Wahrheit sei. In staubigen Stuben fertigen seit vielen tausend Jahren gedankenlose Schreiber davon fleißig Abschriften an. Wiederholung ließ aus Wut Weisheit wachsen.

Dies scheint mir die Erfolgsgeschichte des Satzes „Geschmäcker sind verschieden“ zu sein. Wie vielen anderen Sätzen mag es ähnlich gehen? In Ermangelung eines Buches, das mir erklärt, was zu verstehen mein Geist sich weigert, will ich selber eines schreiben. Will sehen, fühlen und so lange kneten, bis ich irgendwann versteh’.

Zur Struktur:

Meine Widersprüche weisen Parallelen auf, quer durch alle Beete. Ich will deshalb dort mit meiner Fragerei beginnen, wo die Welt noch einfach ist, und wo die Hormone den Mann weitestgehend unbehelligt lassen: im Baumarkt. Wer durchhält, wird es nicht bereuen. Denn Materialien und Menschen weisen in puncto Schönheit erstaunliche Parallelen auf. Und erst diese geben dem Folgenden Würze und Fundament.

Im zweiten und sicher interessanteren Teil werden Frauen mir die Sinne rauben. Trotzdem hoffe ich einen einigermaßen klaren Kopf zu behalten. Dass ich nicht selbst auch noch eine Frau bin und im Proporz über Männer denke, tut mir aufrichtig leid, ließ sich aber leider auf die Schnelle nicht ändern.

Im dritten Teil soll einiges von dem im Zentrum stehen, dessen Funktion es ist, das Maximale aus menschlicher Schönheit herauszuholen: Schmuck, Kleidung etc. … Die Verpackung! Um „Stil und Geschmack“ soll es gehen.

*

Auch den Satz: „Warum schreibst du nicht auch über Kunst?“ hörte ich mehr als einmal. Der Grund ist einfach: Ich will mir Fragen beantworten. Im Bereich der Kunst habe ich keine Fragen, denn Widersprüche finde ich hier nicht.