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Für alle Teenager auf der Welt,
die sich bemühen, den »hohen Weg« zu wählen,

und

für meinen Sohn Michael Sean,
der in schwierigen Augenblicken viel Mut gezeigt hat.

SEAN COVEY

Die 6 wichtigsten Entscheidungen für Jugendliche

Wie du die Weichen für dein Leben
richtig stellst

Aus dem Amerikanischen von Ingrid Proß-Gill

Illustriert von Timo Wuerz

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Die amerikanische Originalausgabe »The 6 Most Important Decisions You’ll Ever Make« erschien 2006 bei Fireside, Simon & Schuster, USA.

All rights reserved. No part of this work may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopying and recording, or by any information storage or retrieval system. FranklinCovey and the FC logo and trademarks are trademarks of FranklinCovey Co. and their use is by permission.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Informationen sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Lektorat: Coaching & More Limited, Untermeitingen (www.coachingandmore.de)

©2014 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

ISBN Buchausgabe: 978-3-89749-847-1

Copyright © der Originalausgabe 2006 by FranklinCovey Company

www.franklincovey.de

Das steht im Buch:

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Die 6 wichtigsten Entscheidungen

Du hast es selbst in der Hand!

Die 7 Wege: Ein Schnellkurs

Der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg

1. Entscheidung: Schule

Den ganzen Stress halt ich einfach nicht mehr aus!

Halte durch!

Überleben und Erfolg haben

Auf zu neuen Ufern!

Finde deine innere Stimme

2. Entscheidung: Freunde

So toll – und doch so schwierig

Wie man Höhen und Tiefen in Freundschaften überlebt

Freunde gewinnen und selbst ein guter Freund sein

Gruppendruck

3. Entscheidung: Eltern

Einfach nur peinlich!

Das emotionale Beziehungskonto

Meine Eltern bringen mich auf die Palme!

Die Kommunikationslücke überwinden

Wenn du deine Eltern erziehen musst

4. Entscheidung: Dates und Sex

Müssen wir wirklich darüber sprechen?

Alles über Dates

Die vier Mythen über Sex

Wahre Liebe kann warten!

5. Entscheidung: Süchte

Es ist leicht, aufzuhören – ich habs schon oft gemacht!

Drei schockierende Tatsachen

Die ganze Wahrheit

Das Übel an den Wurzeln packen

6. Entscheidung: Selbstachtung

Wenn ich doch nur besser aussehen würde …

Der soziale und der wahre Spiegel

Charakter und Kompetenz

Selbstzweifel besiegen

»Halte dich an den Kodex!«

Triff gute Entscheidungen – es lohnt sich!

Anhang

Danke!

Literatur

Leserstimmen

Über FranklinCovey

Stark für die Zukunft!

Die Covey-Klassiker

Über den Autor

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Um es gleich vorwegzusagen: Hätte ich dieses Buch als Teenager gekannt, wäre meine Jugend anders verlaufen.

Ich hätte nicht so sehr damit zu kämpfen gehabt, was andere sagen oder denken. Im Gegenteil: Ich hätte viel bewusster eigene Entscheidungen getroffen und so sicherlich mit weniger Mühe und in kürzerer Zeit meinen Platz im Leben gefunden. Auch hätte ich meine Eltern schon damals in einem anderen Licht gesehen und verstanden, dass sie es wirklich gut mit mir meinen! Mit den Gedanken und Anleitungen aus diesem Buch hätte ich Konflikte und Chancen leichter erkannt und Ziele und Entscheidungen besser durchdacht.

Heute leite ich Stark für die Zukunft!, die gemeinnützige Organisation des FranklinCovey Leadership Instituts. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche vor allem in Schulen – basierend auf den Büchern von Sean Covey und dessen Vater Stephen – gezielt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Stark für die Zukunft! kann auch deine Schule unterstützen.

Selbstverantwortlichkeit, Eigeninitiative, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit sind nur Beispiele zentraler Lebenskompetenzen, die Schülerinnen und Schüler stark für die Zukunft werden lassen und die gar nicht früh genug entwickelt werden können.

Stark für die Zukunft! ist dabei auf die finanzielle Mithilfe von Privatpersonen und Unternehmen angewiesen, denen die Stärkung von Kindern und Jugendlichen genau wie Sean Covey und uns ein echtes gesellschaftliches Anliegen ist.

Katharina Barth

Stark für die Zukunft!

k.barth@stark-fuer-die-zukunft.org

Die 6 wichtigsten Entscheidungen für Jugendliche

Du hast es selbst in der Hand

Nenn mich ruhig Sean.

Ich bin der Autor und freue mich, dass du hier bist. Keine Angst, das ist kein langweiliges Buch! Es ist ganz anders. Ich habe es speziell für Teenager geschrieben. Alles dreht sich um dein Leben, deine Probleme, deine Fragen. Außerdem gibt es jede Menge tolle Cartoons, die ein echt cooler Comic-Zeichner extra für dieses Buch gemacht hat.

Hier geht es um eine einzige Idee. Ich will direkt zur Sache kommen:

In deiner Teenagerzeit triffst du sechs enorm wichtige Entscheidungen, von denen deine ganze Zukunft abhängt. Deshalb musst du clever dabei sein und darfst es auf keinen Fall vermasseln.

Sollte aber doch hin und wieder etwas schiefgehen, ist das auch keine Katastrophe. Du musst dann nur ganz schnell wieder auf den richtigen Weg zurückkehren und anfangen, klügere Entscheidungen zu treffen.

Teenager zu sein ist heute schwerer als je zuvor. Vielleicht mussten deine Großeltern einige Kilometer zu Fuß zur Schule laufen, doch du musst ganz andere Herausforderungen bewältigen: Überflutung durch die Medien, Partydrogen, Pornographie im Internet, Gewalt unter Jugendlichen, globaler Wettbewerb, starker Gruppendruck … Das ist eine ganz andere Welt!

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Ich selbst bin zwar kein Teenager mehr, war aber natürlich selbst auch mal einer und erinnere mich noch sehr genau an die vielen Höhen und Tiefen, die ich damals durchgemacht habe. Eigentlich begannen die meisten meiner Probleme schon bei meiner Geburt. Mein Vater hat mir später erzählt, dass meine Backen so dick waren, dass der Arzt nicht wusste, auf welches Ende er mir den obligatorischen Klaps geben sollte. Das war echt kein Spaß! Du solltest mal meine Babyfotos sehen – meine Backen hingen mir wie dicke Ballons aus dem Gesicht! Du kannst dir sicher vorstellen, dass ich deswegen ganz schön oft gehänselt wurde.

Einmal war ich mit allen Kindern aus der Nachbarschaft Trampolinspringen. Plötzlich sprach Susan aus, was alle dachten: »He, seht euch doch bloß mal an, wie bei Sean die Backen hüpfen! Sie sind ja sooo dick.«

Mein kleiner Bruder David wollte mich verteidigen und sagte: »Sie sind gar nicht dick – das sind doch alles nur Muskeln!«

Doch damit machte er die Sache nur noch schlimmer, denn von da an hatte ich meinen neuen Spitznamen weg: Muskelbacke.

Auf dem Gymnasium wurde dann alles noch viel schlimmer. Ich hasste die siebte Klasse und will eigentlich gar nicht mehr daran denken. Scott, ein Junge aus der achten Klasse, hat mich ständig wegen meiner dicken Backen niedergemacht. Bis heute weiß ich nicht, warum. Vielleicht, weil er sicher war, dass er stärker war als ich. Er wartete jeden Tag nach der Mathestunde mit ein paar Freunden auf dem Flur auf mich und forderte mich zu einer Prügelei heraus. Ich war starr vor Angst und versuchte, ihm ganz schnell aus dem Weg zu gehen.

Eines Tages aber drängte er mich in eine Ecke.

»He, Covey, du feiger Fettsack! Warum kämpfst du nicht mit mir?«

»Weiß nicht.«

Da versetzte er mir einen harten Schlag in den Magen. Ich bekam keine Luft und hatte viel zu viel Angst, um mich zu wehren. Danach ließ Scott mich zwar in Ruhe, doch ich fühlte mich als Verlierer. Übrigens: Inzwischen bin ich größer als Scott und suche immer noch nach ihm, um mich an ihm zu rächen! Nein, das war bloß ein Scherz …

Als ich auf dem Gymnasium war, wuchs mein Gesicht – sehr zu meiner Freude – sozusagen in meine Backen hinein. Doch dafür hatte ich nun andere Probleme. Ich musste jetzt plötzlich viele wichtige Entscheidungen treffen. Doch eigentlich war ich noch gar nicht bereit dazu. Schon in der ersten Woche fragten mich ein paar ältere Jungs, die gerne und viel tranken, ob ich mich nicht ihrer Clique anschließen wolle. Das wollte ich nicht, aber ich wollte sie auch nicht vor den Kopf stoßen. Ich schloss neue Freundschaften. Und dann waren da ja auch noch all diese neuen Mädchen. Eins von ihnen war sogar an mir interessiert! Sie war hübsch und forsch, und das war aufregend und erschreckend zugleich. Ich hatte so viele Fragen. Wie sollte ich auf dieses Mädchen reagieren? Mit wem sollte ich meine Freizeit verbringen? Welche Fächer sollte ich wählen? Sollte ich zu allen Partys gehen? Wie konnte ich die Schule, den Sport und meine Freunde unter einen Hut bringen?

Damals wusste ich das zwar noch nicht, doch all diese Entscheidungen gehörten zu den wichtigsten in meinem ganzen Leben.

Die Idee zu diesem Buch hatte ich, als ich Hunderten von Teenagern Fragebogen schickte und mich nach ihren größten Herausforderungen erkundigte.

Hier einige der Antworten:

»Stress! Meine größte Herausforderung ist, für alles genug Zeit zu haben. Denn ich hab ganz schön viel am Hals.«

»Meine Eltern – ich muss mich jeden Tag mit ihnen herumschlagen, und das nervt total.«

»Die Schule und meine Noten. Der Druck ist enorm.«

»Wie ich es mit der Sexualität halten soll. Ich muss jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, damit ich später nichts bereuen muss. Wenn man als Teenager keinen Sex hat, gilt man offenbar als prüde oder so.«

»Die Vorbereitung auf das Studium. Es geht jetzt bald damit los, und ich habe mir noch keine großen Gedanken darüber gemacht. Wenn ich versuche, mich damit zu beschäftigen, kriege ich immer schreckliche Kopfschmerzen. Deshalb lass ich es lieber.«

»Die Scheidung meiner Eltern. Sie streiten sich einfach ständig.«

»All die Dramen in der Schule: Wer geht mit wem? Wer ist besonders beliebt? Wer hat die coolste Frisur und die tollsten Klamotten? Wer ist beim Sport ganz vorn? Wer hat was über wen gesagt? Das ist doch einfach lächerlich!«

»Geld. Wir haben kaum genug zum Leben.«

»Der Gruppendruck ist ein echtes Problem für mich. Bei manchen Leuten gebe ich einfach viel zu schnell nach.«

»Meine Freundinnen. Sie nerven mich total. Ich passe nicht mehr zu ihnen. Sie lassen mich einfach links liegen. Ich fühle mich ausgeschlossen und gehe deshalb seit einiger Zeit auf Abstand.«

»Verabredungen. Ich habe noch keinen Freund – und dabei bin ich schon 16! Meine Freunde glauben auch, dass mit mir irgendwas nicht stimmt.«

»Mein Aussehen. Ich kämpfe ständig mit meinem Gewicht!«

Ich habe mir alle Antworten ganz genau angesehen. Zudem habe ich mit unzähligen Teenagern gesprochen. Obwohl die Jugendlichen viele verschiedene Herausforderungen nannten, stellte sich schnell heraus, dass sechs davon offenbar ganz besonders wichtig sind.

Als ich der Sache nachging, entdeckte ich, dass Jugendliche bei jeder dieser Herausforderungen wichtige Entscheidungen treffen müssen. Manche der Teenager, mit denen ich gesprochen habe, hatten sehr kluge Entscheidungen gefällt, andere ziemlich dumme. Daher waren manche glücklich, während andere in großen Schwierigkeiten steckten. Mir wurde klar, dass diese Entscheidungen die sechs wichtigsten in der gesamten Teenagerzeit sind.

Die 6 wichtigsten Entscheidungen für Jugendliche

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Schule

Welche Schullaufbahn willst du einschlagen?

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Freunde

Was für Freunde willst du haben?

Was für ein Freund willst du selbst sein?

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Eltern

Wie stehst du zu deinen Eltern?

Ist es dir wichtig, gut mit ihnen klarzukommen?

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Dates und Sex

Mit wem willst du dich verabreden?

Wie willst du es mit dem Sex halten?

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Süchte

Wie stehst du zum Rauchen oder Trinken?

Was denkst du über Drogen und andere Suchtmittel?

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Selbstachtung

Wie siehst du dich selbst?

Wirst du dich dafür entscheiden, dich zu mögen?

Vielleicht hast du noch nicht über diese Entscheidungen nachgedacht? Vielleicht musst du dich aber auch mit einer oder sogar mit mehreren herumschlagen? Wie auch immer deine persönliche Situation aussieht, ganz wichtig ist, dass du dich gut über alles informierst – über die verschiedenen Aspekte, über die Vor- und Nachteile. Nur so kannst du kluge Entscheidungen treffen. Sicher willst du dir doch nicht irgendwann vorwerfen müssen: »Wenn ich es doch nur besser gewusst hätte!«

Viele der Entscheidungen, die du als Teenager triffst, werden sich auf dein ganzes Leben auswirken. Gordon B. Hinckley erzählt in seinem Buch Standing for Something eine Geschichte aus seiner Jugend:

Ich habe mal in Denver bei der Eisenbahn gearbeitet und war dort für das Gepäck und die Eilsendungen zuständig, die in Personenzügen befördert wurden. Eines Tages bekam ich einen Anruf von meinem Kollegen in New Jersey – dort war ein Personenzug ohne Gepäckwagen eingetroffen. Mein Kollege hatte es jetzt mit 300 Kunden zu tun, die zu Recht ziemlich verärgert waren.

Wir fanden dann heraus, dass der Zug von Oakland in Kalifornien nach St. Louis gefahren war, wo jemand aus Versehen eine Weiche verstellt hatte. Deshalb war der Gepäckwagen nicht in Newark angekommen, sondern im über 2000 Kilometer entfernten New Orleans gelandet.

Genauso wie mit dem Zug ist es auch im Leben. Wenn man nur eine kleine Weiche falsch stellt, eine unkluge oder sogar verheerende Entscheidung trifft, dann landet man sehr schnell auf dem falschen Gleis und schlägt eine völlig verkehrte Richtung ein.

Jede dieser sechs Entscheidungen ist wie eine Weiche, ein kleines, nur knapp acht Zentimeter langes Stahlstück, das uns für Hunderte von Kilometern auf den richtigen oder falschen Weg führen wird.

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Die Geschichte von Allie und Desiree

Stell dir zwei Mädchen vor, die am Ende ihrer Teenagerzeit angekommen sind. Mit 13 waren sie in einer ganz ähnlichen Situation, doch mit 19 stehen sie aufgrund ihrer Entscheidungen an völlig verschiedenen Orten.

ALLIE studiert und wohnt zusammen mit zwei tollen Mädchen in einer WG. Die drei haben jede Menge Spaß. Allie hat ein Stipendium bekommen und will ihr Anglistik-Studium in zwei Jahren abschließen, um dann Lehrerin zu werden. Im Augenblick geht sie mit zwei Jungs aus, doch wirklich ernst ist es ihr mit keinem der beiden. Sie hatte in ihrer ganzen Teenagerzeit nicht viele Verabredungen mit Jungs und ist deshalb ein bisschen unsicher. Aber sie ist auch stolz darauf, dass sie nicht gleich mit jedem ins Bett geht.

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Mit 15 hat Allie mal Drogen ausprobiert, doch ihr wurde schnell klar, dass das ziemlich dumm war. Seitdem trinkt sie höchstens hin und wieder ein Glas Wein, raucht nicht und nimmt auch keine Drogen.

Oft und gerne telefoniert sie mit ihrer Mutter, die zugleich auch ihre beste Freundin ist. Allie hat natürlich auch hin und wieder Probleme, insgesamt ist sie aber voller Selbstvertrauen, zielstrebig und mit sich und ihrer Welt zufrieden.

DESIREE ist extrem hübsch, hat aber kein Selbstvertrauen. Wenn man sie nach dem Grund dafür fragt, antwortet sie: »Das weiß ich nicht. Ich denke einfach immer, dass ich fett und hässlich bin.«

Desiree hat mit 14 mit dem Rauchen angefangen und qualmt inzwischen über eine Schachtel am Tag. Allerdings behauptet sie, dass sie jederzeit mit dem Rauchen aufhören könnte.

Sie arbeitet als Vollzeitkraft in einem Lebensmittelmarkt, bekommt aber nicht viel Lohn. Die Realschule hat sie zwar abgeschlossen, sich aber nie richtig angestrengt. Desiree findet, dass sie jetzt genug für ihre Bildung getan hat. Sie lebt allein in einer kleinen Wohnung, wo immer mal wieder der ein oder andere Freund von ihr übernachtet. Und sie hat schon einige Beziehungen hinter sich, den Richtigen aber noch nicht getroffen. Sie sagt: »Irgendwie bin ich immer nur an Verlierer geraten.«

Zu ihren Eltern hat Desiree kaum noch Kontakt, zu ihren besten Freundinnen aus der Schulzeit auch nicht. Sie weiß nicht, was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll, und ist oft ziemlich deprimiert.

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Zwei Mädchen, zwei ganz unterschiedliche Ergebnisse. Woran liegt das? Ganz einfach: an ihren Entscheidungen! Merkst du allmählich, warum es so wichtig ist, im Hinblick auf Schule, Freunde und Eltern, Dates und Sex, Süchte und Selbstachtung die richtigen Entscheidungen zu treffen?

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Zehn Jahre: Ein Experiment

Hast du Lust, ein kleines Experiment zu machen? Ja?! Super!

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Dann erinnere dich zurück, wie du vor genau 10 Jahren warst, und stell dich jemandem genau so vor.

Falls du Max heißt und 17 bist, würdest du beispielsweise sagen: »Hallo, ich heiße Max. Ich bin sieben und lebe mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder in Kanada, in Toronto. Ich komme jetzt in die zweite Klasse. Ich habe einen Goldfisch, der Spot heißt, male gern und spiele auch gern Fußball. Ich bin glücklich.«

Falls gerade irgendjemand in deiner Nähe ist, mach das Experiment doch gleich mit ihm zusammen! Aber: Sag ihm, dass das eine Aufgabe aus einem Buch ist, damit er dich nicht für übergeschnappt hält. Stell dich ihm so vor, wie du vor zehn Jahren warst. Und bitte ihn dann, das auch zu tun. Wenn niemand in der Nähe ist, dann füll doch einfach die Lücken im Text auf der nächsten Seite aus.

 

Das Datum von vor zehn Jahren ist:

Ich heiße:

Ich bin ______ Jahre alt.

Ich wohne in:

Ich wohne mit _______________ zusammen:

Was ich am liebsten mache:

Wie ich mich fühle:

 

So, und nun gehen wir genau in die entgegengesetzte Richtung: Stelle dich nun so vor, wie du in zehn Jahren sein möchtest. Sag, was du machst, und erzähl auch sonst noch ein bisschen was über dich. Nicht vergessen! Es geht darum, wie du in zehn Jahren sein möchtest. Max würde vielleicht sagen:

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»Hallo, ich heiße Max. Ich bin 27 und wohne in Kanada, in Vancouver. Ich habe gerade geheiratet, eine tolle Frau, die Jasmin heißt. Vor ein paar Jahren habe ich mein Musikstudium an der Universität von Toronto abgeschlossen. Jetzt bin ich Klavierlehrer an einer privaten Musikschule. Ich liebe meine Familie und verbringe viel Zeit mit ihr. Die Richtung, die ich in meinem Leben eingeschlagen habe, gibt mir ein wirklich gutes Gefühl.«

 

Das Datum in zehn Jahren ist:

Ich heiße:

Ich bin ______ Jahre alt.

Ich wohne in:

Ich wohne mit ____________ zusammen:

Was ich in den letzten zehn Jahren gemacht habe:

Wie ich mich fühle:

 

Wow! Du hast gerade zwei Zeitreisen gemacht. Welche Erinnerungen an früher sind wieder hochgekommen? Wie hast du dich damals gefühlt – gut oder schlecht?

Und was ist mit deiner Zukunft? Wie siehst du dich in zehn Jahren? Was willst du in den nächsten zehn Jahren machen? Was für ein Mensch willst du werden?

Du hast die Wahl!

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Die gute Nachricht ist: Wo du in zehn Jahren stehen wirst, hängt allein von dir ab. Du kannst wählen, was du aus deinem Leben machen willst. Das nennt man freien Willen oder Handlungsfreiheit. Das hast du schon bei deiner Geburt mitbekommen. Und: Du kannst es jetzt gleich in Anspruch nehmen! Du kannst dich jederzeit dafür entscheiden, etwas nachsichtiger mit dir selbst zu sein oder dich nicht mehr mit Freunden zu treffen, die dich runterziehen. Letztlich kannst du dich sogar entscheiden, ob du glücklich oder unglücklich sein willst.

Aber Achtung: Du hast zwar die Freiheit, zu wählen, aber keinen Einfluss auf die Konsequenzen deiner Entscheidungen. Denn: Die Konsequenzen sind vorgegeben. Es handelt sich sozusagen um ein Paket – ganz nach dem alten Sprichwort: »Wenn man einen Stock am einen Ende aufhebt, hebt man das andere auch mit auf.« Deine Entscheidungen und ihre Konsequenzen gehören zusammen, genau wie Pommes und Majo. Solltest du dich beispielsweise dafür entscheiden, dich in der Schule nicht weiter anzustrengen und möglichst bald abzugehen, wirst du auch die Konsequenzen tragen müssen: So wird es garantiert sehr schwer für dich werden, eine gut bezahlte Stelle zu bekommen.

Wenn du zu irgendetwas Ja sagst, musst du automatisch zu etwas anderem Nein sagen. Und genau deshalb werden dir manche Entscheidungen besonders schwerfallen.

Es ist immer besser, Entscheidungen ein für alle Mal zu treffen und es dann auch dabei zu belassen. Als ich Teenager war, habe ich beschlossen, nicht zu rauchen, zu trinken oder Drogen zu nehmen. (Keine Angst, ich will mich hier nicht als Held präsentieren. Ich werde dir später noch erzählen, dass ich damals auch jede Menge Fehler gemacht habe. Aber zumindest diese eine Sache, die habe ich ziemlich richtig gemacht.) Deshalb bin ich nicht auf Partys gegangen, auf denen sich alle sinnlos zugeschüttet haben. Ich habe mich nicht mit Leuten getroffen, die Drogen nahmen. So habe ich hier auch nie Gruppendruck zu spüren bekommen. Ich hatte mich ja schon ein für alle Mal entschieden, sodass ich diese Entscheidung nicht immer wieder neu treffen musste.

Manche werden jetzt bestimmt sagen, dass ich jede Menge Spaß verpasst habe. Kann sein. Aber mir gab meine Entscheidung gegen Alkohol, Drogen und Co. Freiheit. Und: Ich habe mich nie sinnlos besoffen und irgendetwas Dummes getan. Ich bin nie mit Alkohol am Steuer erwischt worden und sehr froh, dass ich weder nach Alkohol, Zigaretten, Drogen oder sonst was süchtig bin.

Kurzer Überblick

Du kannst dieses Buch auf unterschiedliche Weisen lesen. Zum Beispiel von vorn nach hinten (Das dürfte auch am besten sein). Du kannst aber auch mit den Kapiteln anfangen, die dich besonders interessieren. Und: Falls du total lesefaul bist, dann schau dir wenigstens die Cartoons an. Damit du weißt, was dich alles erwartet, gebe ich dir hier einen kurzen Überblick.

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SCHULE

Den ganzen Stress halt ich einfach nicht mehr aus!

Sicher ist auch bei dir die Schule Herausforderung Nummer 1. Der ganze Tratsch, die Noten, die Lehrer, die Klassenarbeiten und dann auch noch der ständige Kampf um Beliebtheit … Oh Mann! Deine Eltern erwarten von dir, dass du dich in der Schule echt anstrengst! Ganz zu schweigen davon, dass du dir auch noch Gedanken machen musst, welchen Beruf du eines Tages ergreifen willst.

Deine Entscheidung, welche Schullaufbahn du einschlagen willst, gehört zu den ganz großen in deinem Leben. Denn dadurch kannst du dir viele richtig gute Chancen erschließen – oder auch verbauen.

In dem Kapitel über die Schule werden wir über jede Menge echt wichtige Dinge sprechen, zum Beispiel:

image dass du dir selbst die Chance nimmst, viel Geld zu verdienen, wenn du die Schule einfach abbrichst,

image wie und wo du neue Motivation für die Schule gewinnst,

image die sieben Geheimnisse, wie man gute Noten bekommt,

image wie du Lernprobleme in den Griff kriegst,

image wie man sich auf die Uni vorbereitet,

image wie du deinen Stärken und Talenten auf die Spur kommst und herausfindest, worin du besonders gut bist.

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FREUNDE

So toll – und doch so schwierig

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Manchen Teenagern fällt es leicht, gute Freunde zu finden. Doch für andere ist das ein großer Kampf. Sie werden geschnitten, weil sie nicht die richtigen Klamotten tragen oder nicht perfekt aussehen. Besonders schwierig ist es, wenn deine Familie umziehen muss und du plötzlich neu an der Schule bist. Denn es ist gar nicht so einfach, in eine der bestehenden Cliquen zu kommen. Viele von uns haben Zeiten hinter sich, in denen sie überhaupt keine Freunde hatten. Anderen ist es so wichtig, akzeptiert zu werden, dass sie sich mit jedem befreunden – auch wenn es sich um Leute handelt, die einen schlechten Einfluss ausüben.

Und dann die ganzen Dramen … Es ist wirklich erstaunlich: Praktisch alle Mädchen, mit denen ich gesprochen habe, sagten: »Zwei Mädchen kommen immer gut miteinander aus, drei aber nie.« Wir Jungs müssen ganz andere Herausforderungen bewältigen: uns gegenseitig vertrimmen und mit den Freundinnen der anderen ausgehen.

Welche Leute du dir als Freunde wählst und welche Art von Freund oder Freundin du selbst gerne sein möchtest, gehört zu den wirklich großen Entscheidungen. Deshalb werden wir uns in diesem Kapitel mit ganz vielen grundlegenden Punkten beschäftigen:

image wie man beim »Beliebtheitsspiel« bestehen kann,

image was du tun kannst, wenn du überhaupt keine Freunde hast,

image wie du der Freund werden kannst, den du auch selbst gern hättest,

image wie du Machtkämpfe überstehst,

image was du über Gangs und Cliquen wissen musst,

image wie du dem Gruppendruck standhältst.

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ELTERN

Einfach peinlich!

»Meine Mutter ist ganz in Ordnung, sie versucht, mich zu verstehen. Aber je mehr sie sich bemüht, desto mehr geht sie mir auf die Nerven. Und mein Vater kommt mir vor wie jemand von einem anderen Stern. Irgendwie habe ich überhaupt keinen Draht zu ihm.«

Das hat Sabrina gesagt, ein ganz normales Mädchen, das seine Eltern liebt, aber meist einfach nicht schlau aus ihnen wird. Das Problem mit den Eltern beruht zum Teil darauf, wie wir sie sehen. Als ich in der Grundschule war, fand ich meine Eltern ziemlich cool. Als ich 13 wurde, hielt ich sie dann allerdings nur noch für total bekloppt und fand sie ungemein peinlich. Sie wussten einfach nicht, wie man sich richtig anzieht oder wie man mit meinen Freunden spricht. Ich werde nie vergessen, wie mir in der achten Klasse bei einem Footballspiel plötzlich jemand auf die Schulter klopfte:

»He, Sean! Willst du ein Stück, und deine Kumpels auch?«

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Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Da stand doch tatsächlich mein Vater an der Seitenlinie – mit einer riesigen Pizza, mitten in meinem Footballspiel! Dann fragte er mich auch noch, ob ich ein Stück haben wollte! Gott, war mir das peinlich … er hatte da nun wirklich nichts verloren!

Aber eins kannst du mir glauben: Wenn du ein bisschen älter bist, wirst du feststellen, dass deine Eltern gar nicht so schlimm sind und deine Freunde anfangen, Dinge wie »Mensch, deine Mutter ist toll!« zu sagen.

Du kannst entscheiden, wie gut deine Beziehung zu deinen Eltern sein soll, und das ist eine der wichtigsten Entscheidungen in deinem Leben. In diesem Kapitel werde ich dir zeigen:

image wie du eine tolle Beziehung zu deiner Mutter und deinem Vater aufbaust,

image wie du deine Eltern mit einem einzigen Satz entwaffnen kannst,

image dass es vier Zauberformeln gibt, die du bei deinen Eltern einsetzen kannst und die immer funktionieren,

image wie man die Scheidung seiner Eltern übersteht,

image wie man mit dem »Warum bist du nicht wie dein Bruder-Syndrom« fertig wird,

image was du tun kannst, falls deine Eltern ihr Leben nicht im Griff haben und du sie erziehen musst.

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DATES UND SEX

Müssen wir wirklich darüber sprechen?

Ich würde mir wünschen, dass wir nicht darüber sprechen müssten. Aber es wäre unverantwortlich von mir, mich davor zu drücken, denn dabei könnte es sich um die wichtigste Entscheidung überhaupt handeln, die du in deinem Leben treffen wirst.

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Meine Eltern haben mich nie aufgeklärt. Mein Vater lief schon knallrot an, wenn er nur an diese Sache dachte. Also bezog ich mein ganzes Wissen von den Jungs aus der Nachbarschaft, die schon Bescheid wussten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Du musst dir unbedingt darüber klar werden, mit welchen Leuten du dich verabreden und wie du es in Sachen Sex halten willst. Sonst wird nämlich irgendein anderer diese Entscheidung für dich treffen. Deshalb werden im Kapitel »Dates und Sex« folgende Punkte angesprochen:

image wie man sich richtig verabredet,

image dass es gar nicht schlimm ist, wenn du keine Dates hast,

image weshalb man seine Freundin oder seinen Freund nicht zum alleinigen Mittelpunkt seines Lebens machen sollte,

image wie man »rote Flaggen« in Beziehungen erkennen kann,

image was sexuell übertragbare Krankheiten sind und warum du dir darüber unbedingt Gedanken machen musst,

image dass die vier großen Mythen über Teenager und Sex gar nicht stimmen.

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SÜCHTE

Es ist leicht, aufzuhören – ich habs schon oft gemacht!

Ja, ich muss es zugeben: Ich bin auf dem Gymnasium doch süchtig geworden – nach Chips! Ich konnte von den Dingern einfach nicht genug bekommen. Und: Ich bin immer noch süchtig danach …

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Ich bin sehr froh darüber, dass ich in meiner Teenagerzeit nicht noch nach anderen Dingen süchtig geworden bin. Einer meiner Arbeitskollegen muss ständig nach draußen gehen, auch wenn es regnet oder eine Bullenhitze herrscht, um sich eine Zigarette anzustecken. Ein Freund unserer Familie hat sein Gehirn durch Drogen so stark geschädigt, dass er nicht mehr ganz richtig im Kopf ist. Solche Leute tun mir wirklich leid. Eins ist klar: Die Folgen der Entscheidungen, die wir im Zusammenhang mit Süchten treffen, werden wir oft unser ganzes Leben lang tragen müssen.

Heute ist der Druck groß, zu rauchen, sich sinnlos zu besaufen, Drogen zu nehmen, Klebstoff zu schnüffeln und und und. Deshalb solltest du dieses Kapitel auf keinen Fall verpassen! Wir werden über viele wichtige Punkte sprechen:

image die drei brutalen Tatsachen in Sachen Sucht,

image die ganze Wahrheit über Alkohol, Tabak, Amphetamine, Ecstasy, Steroide, Kokain, verschreibungspflichtige Medikamente, Schnüffelstoffe …

image dass Marihuana heute viel gefährlicher ist als früher,

image wie man Süchte besiegen kann,

image die Droge des 21. Jahrhunderts,

image wo man die besten Chips bekommt.

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SELBSTACHTUNG

Wenn ich doch bloß besser aussehen würde …

Denkst du auch, dass alle anderen viel besser aussehen als du? Kommst du dir vielleicht sogar unscheinbar und hässlich vor? Ja? Dann bist du damit wirklich nicht allein! Denn: Im Vergleich zu den Models in Modezeitschriften und Lifestyle-Magazinen kommen wir uns doch alle ziemlich lausig vor!

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Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass du möglichst gut aussehen willst. Dennoch solltest du dein Selbstvertrauen nicht davon abhängig machen, wie du aussiehst.

Tatsache ist, dass es unzählige Jugendliche mit großen Nasen und uncoolen Klamotten gibt, die nur so vor Selbstvertrauen strotzen. Andererseits haben Unmengen gut aussehender und sehr beliebter Teenager gar kein Selbstvertrauen. Selbstachtung erwächst also offensichtlich nicht nur aus gutem Aussehen, angesagten Markenklamotten oder großer Beliebtheit. Letztlich ist es deine Entscheidung, ob du dich so magst, wie du bist. Wir müssen alle lernen, unsere Selbstsicherheit aus unserem Inneren zu beziehen, nicht aus Äußerlichkeiten oder daraus, was andere über uns sagen. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns damit, dass:

image du immer in den wahren Spiegel schauen solltest,

image es dumm ist, darauf fixiert zu sein, was andere von dir halten,

image Charakter und Kompetenz die Grundlagen gesunder Selbstachtung sind,

image du dir Hilfe holen musst, wenn du Depressionen hast und dich nicht selbst daraus befreien kannst,

image du deine einzigartigen Talente und Fähigkeiten entwickeln musst,

image du deine wahren Schätze findest.

DIE 7 WEGE: EIN SCHNELLKURS –

Der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg

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Bevor wir mit den Kapiteln zu den sechs großen Entscheidungen in deinem Leben starten, kommt noch ein Schnellkurs zu den 7 Wegen. Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch mit dem Titel Die 7 Wege zur Effektivität für Jugendliche geschrieben. Falls du es schon gelesen hast, wird der Schnellkurs eine gute Wiederholung für dich sein. Falls du es noch nicht kennst, findest du hier alles, was du über die 7 Wege wissen musst. Letztlich ist es egal, in welcher Reihenfolge du die beiden Bücher liest. Das ist wie bei den Star Wars-Filmen – sie gehören alle zusammen, doch es kommt nicht darauf an, welchen man sich zuerst ansieht.

Wir werden die 7 Wege in diesem Buch sozusagen als Werkzeugkasten verwenden, den du bei deinen großen Entscheidungen benutzen kannst. Möchtest du jetzt gern wissen, was die 7 Wege zur Effektivität für Jugendliche sind? Einfach gesagt sind es die Gewohnheiten, die glückliche und erfolgreiche Teenager auf der ganzen Welt, von Afrika bis Alaska, gemeinsam haben.

Fit für die Zukunft

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich dir helfen möchte, bei den sechs wichtigsten Entscheidungen in deinem Leben klug vorzugehen. Ich möchte, dass du glücklich und erfolgreich bist und dich schon heute auf die Zukunft vorbereiten kannst – auf eine so strahlende Zukunft, dass du eine Sonnenbrille tragen musst! Wenn du 20 wirst und das Teenageralter hinter dir lässt, sollst du sagen können:

image Ich habe eine gute Ausbildung!

image Ich habe tolle Freunde, die das Beste aus mir herausholen!

image Ich habe eine gute Beziehung zu meinen Eltern!

image Ich habe im Hinblick auf Verabredungen und Sex kluge Entscheidungen getroffen!

image Ich bin frei von jeder Sucht!

image Ich mag mich und finde mich in Ordnung!

Natürlich wirst du in deiner Teenagerzeit Fehler machen, du wirst viele Kämpfe austragen müssen und viele Höhen und Tiefen erleben. Niemand erwartet, dass du perfekt bist! Mach es dir also nicht schwerer als nötig. Wenn du heute anfängst, klügere Entscheidungen zu treffen, kannst du dir deine Teenagerzeit enorm erleichtern.

Der Dichter Robert Frost hat wunderbar in Worte gefasst, wie wichtig unsere Entscheidungen sind:

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»Zwei Wege trennten sich im Wald, und ich – ich nahm dann den, der kaum begangen war. Das war der einzige Unterschied.«

Robert Frost

PS:

Erobere dir dieses Buch. Mach es zu deinem ganz persönlichen Leitfaden und Wegweiser durch deine Teenagerzeit! Hol deinen Lieblingsstift, bunte Filzschreiber, Leuchtstifte oder was auch immer und leg los. Schreib dir Anmerkungen an den Rand. Zieh Kreise um die Zitate, die dir besonders gut gefallen. Markier die Geschichten, die du toll findest, mit einem Highlighter. Zeichne Symbole neben wichtige Erkenntnisse. Du wirst sehen, das macht richtig Spaß! Denn: Wenn du dir dieses Buch wirklich eroberst, wird es dir noch viel mehr bringen.

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Du willst doch bestimmt wissen, wer der große Unbekannte,

»DER MANN« wirklich ist?

Das wirst du gleich erfahren … Also: Lies schnell weiter!

Die 7 Wege: Ein Schnellkurs

Der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg

Auf der nächsten Seite ist ein Diagramm mit Zahlen von 1 bis 54 abgedruckt. Deine Aufgabe ist es, alle Zahlen in der richtigen Reihenfolge zu suchen: erst die 1, dann die 2, dann die 3 – bis zur 54. Du hast 90 Sekunden Zeit. Wie weit kommst du? Übrigens: Natürlich habe ich keine Zahlen ausgelassen und will dich auch sonst nicht reinlegen. Also: Bist du bereit? Dann leg los!

Und: Wie weit bist du gekommen? Die meisten Leute schaffen es ungefähr bis zur 30. Jetzt versuch es bitte noch mal. Vorher möchte ich dir aber einen Trick verraten, wie du die Zahlen schneller finden kannst. Schau einfach mal bei “Der Weg durchs Zahlenlabyrinth” nach.

Na, wie weit bist du jetzt gekommen? Vielleicht sogar bis zur 54? Der einzige Unterschied ist, dass ich dir einen Wegweiser gegeben habe, mit dem du die Zahlen besser finden konntest. Als du wusstest, wo du suchen musstest, ging es gleich dreimal so schnell.

Genauso ist es mit den 7 Wegen. Auch sie sind ein wichtiger Wegweiser. Sie helfen dir, deine Probleme zu lösen und viel bessere Entscheidungen zu treffen. Deshalb werde ich die 7 Wege hier für dich zusammenfassen und dann das ganze Buch hindurch immer wieder darauf verweisen.

Vorher musst du aber noch zwei wichtige Dinge kennenlernen: Paradigmen und Prinzipien.

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Was ist ein Paradigma?

Ein Paradigma ist dein Standpunkt, die Art, wie du die Welt siehst. Zu kompliziert? Hier ein einfaches Beispiel: Mein Schwager Kameron hat mehrere Wochen daran gearbeitet, in seinem Garten eine Trennwand aus Bahnschwellen zu bauen. Als er fast fertig war, bat ihn seine Nachbarin, die Bahnschwellen wieder zu entfernen und stattdessen Steine zu benutzen. Als Begründung sagte sie nur, ihr Mann wolle nicht für den Rest seines Lebens auf eine Trennwand aus Bahnschwellen schauen.

Kameron konnte gar nicht glauben, dass die Nachbarin ihn um so etwas bat. Die Trennwand war ja schon fast fertig! Und die ganze Arbeit war umsonst! Er verstand seine Nachbarin einfach nicht. Da er aber wusste, dass sie noch lange Tür an Tür wohnen würden, erfüllte er ihre Bitte und ersetzte die Bahnschwellen durch Steine. Als er fertig war, kam die Nachbarin zu Kameron und bedankte sich, dass er die Trennwand neu gemacht hatte. Dann erklärte sie ihm, weshalb das für ihren Mann so wichtig war: »Er selbst würde Ihnen das nie erzählen, aber er war nach dem Krieg 18 Monate lang Gefangener in einem Arbeitslager in Deutschland. Dort musste er die ganze Zeit Bahnschwellen schleppen, und deshalb wird ihm heute noch ganz schlecht, wenn er welche sieht.«

Nun verstand Kameron seine Nachbarn – und seine Sicht der Dinge änderte sich schlagartig. Seine Wut verwandelte sich von einem Augenblick zum anderen in Mitgefühl. Das ist ein typisches Beispiel für einen Paradigmenwechsel. Da wir oft nicht alle Hintergründe kennen, sind unsere Paradigmen, unsere Ansichten manchmal völlig falsch, und wir müssen sie korrigieren. Und genau deshalb sollten wir andere nicht vorschnell beurteilen.

In diesem Buch werde ich viele deiner Paradigmen über dich selbst und das Leben im Allgemeinen infrage stellen. Vielleicht glaubst du ja, dass du nie mit deinen Eltern klarkommen wirst? Oder du bist überzeugt, dass du in Mathe einfach nicht gut sein kannst? Vielleicht könnte es aber sein, dass dein Paradigma falsch ist und du deine Meinung änderst, wenn du einfach mehr über eine bestimmte Sache weißt? Denk daran: Wenn du dich ändern willst, musst du zuerst deine Sicht der Dinge, dein Paradigma ändern.

Was sind Prinzipien?

Prinzipien sind Naturgesetze. Die Schwerkraft zum Beispiel ist ein Prinzip. Wenn du einen Apfel hochwirfst, kommt er wieder herunter – ganz egal, ob du in New York oder in Neu-Delhi lebst.

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Nicht nur die Welt der Physik wird von Prinzipen beherrscht, sondern auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ehrlichkeit beispielsweise ist so ein Prinzip. Wenn du anderen gegenüber ehrlich bist, wirst du ihr Vertrauen gewinnen. Wenn du aber unehrlich bist, kannst du die anderen vielleicht eine Weile hinters Licht führen, doch irgendwann werden sie dir auf die Schliche kommen. Das ist immer so! Natürlich gibt es noch viel mehr Prinzipien – etwa Fleiß, Respekt, Dankbarkeit, Geduld, Verantwortungsbewusstsein, Liebe oder Gerechtigkeit …

Das folgende Funkgespräch zwischen einem Schiff der US-Navy und kanadischen Behörden vor der Küste von Neufundland verdeutlicht wunderbar, was ich mit Prinzipien meine:

AMERIKANER: Sie sind auf Kollisionskurs. Ändern Sie Ihren Kurs bitte um 15 Grad nach Norden!

KANADIER: Wir empfehlen Ihnen, Ihren Kurs um 15 Grad nach Süden zu ändern.

AMERIKANER: Ich bin der Kapitän eines Schiffs der US-Navy. Ich wiederhole: Ändern Sie sofort IHREN Kurs!

KANADIER: Nein, ich wiederhole: Ändern Sie IHREN Kurs!

AMERIKANER: Hier ist der Flugzeugträger Abraham Lincoln, das zweitgrößte Schiff der US-amerikanischen Atlantikflotte. Wir werden von drei Zerstörern, drei Kreuzern und zahlreichen anderen Schiffen begleitet. Ich fordere Sie auf, Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden zu ändern. Andernfalls werden wir Maßnahmen zum Schutz dieses Schiffs ergreifen.

KANADIER: Wir sind ein Leuchtturm. Over!

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Die 7 Wege

Die 7 Wege zur Effektivität für Jugendliche sind die sieben Leitlinien, an denen sich glückliche und erfolgreiche Teenager auf der ganzen Welt orientieren.

1. Weg:

Pro-aktiv sein

Verantwortung für sein Leben übernehmen

2. Weg:

Schon am Anfang das Ende im Sinn haben

Sein Leitbild und seine Ziele finden

3. Weg:

Das Wichtigste zuerst tun

Prioritäten setzen und das Wichtigste zuerst machen

4. Weg:

Gewinn/Gewinn denken

Die Einstellung haben, dass alle gewinnen können

5. Weg:

Erst verstehen, dann verstanden werden

Anderen wirklich zuhören

6. Weg:

Synergien schaffen

Zusammenarbeiten, um mehr zu erreichen

7. Weg:

Die Säge schärfen

Sich regelmäßig selbst erneuern

Prinzipien sind wie Leuchttürme. Sie sind zeitlos, allgemeingültig und offensichtlich. Man kann sie nicht brechen – man kann nur selbst an ihnen zerbrechen.

Da Prinzipien immer funktionieren und uns nie im Stich lassen, sind sie das beste Lebenszentrum. Wenn wir uns an Prinzipien orientieren, findet alles andere in unserem Leben – unsere Kumpels, unser Freund oder unsere Freundin, die Schule und die Familie – wie von selbst den richtigen Platz.

Die 7 Wege beruhen auf zeitlosen Prinzipien, die nie aus der Mode kommen. Ich werde dir in diesem Buch immer wieder zeigen, was für ein Chaos ausbricht, wenn man etwas anderes als Prinzipien in den Mittelpunkt seines Lebens stellt.

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Die Abbildung zeigt, dass die 7 Wege aufeinander aufbauen. Die ersten drei bilden das Wurzelwerk. Bei ihnen geht es um dich selbst, um deinen privaten Erfolg. Hier liegt alles unter der Oberfläche, denn außer dir weiß niemand, was wirklich vor sich geht. Wir versuchen viel zu oft, andere zu ändern. Doch das funktioniert nicht. Wir müssen zuerst uns selbst ändern: Alle Veränderungen beginnen an der Wurzel!

Die Wege 4 bis 6 sind der Stamm und die Äste, das, was jeder sehen kann. Es geht um unseren Umgang mit anderen, um den öffentlichen Erfolg. Und: Wer nicht an seinem privaten Erfolg arbeitet, der kann auch den öffentlichen Erfolg nicht erreichen. Der Schlüssel zu guten Beziehungen ist, zuerst seinen Frieden mit sich selbst zu machen. Man muss immer von innen nach außen vorgehen, nicht umgekehrt.

Über dem Baum sind die Dinge, die dem ganzen Baum Nahrung geben, etwa Regen oder Sonnenschein. Das ist der 7. Weg, die Erneuerung. Sie gibt allen anderen Wegen Kraft und Leben.

Übrigens: Es ist ganz leicht, sich die 7 Wege einzuprägen. Mein Tipp: Stell dir einfach zu jedem Weg ein konkretes Bild vor.

1. Weg: Pro-aktiv sein

Das ideale Bild für den 1. Weg ist eine Fernbedienung.

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Beim 1. Weg geht es darum, dass du die Verantwortung für dein Leben übernimmst und Kapitän deines Schiffes wirst. Mein Freund, der Autor John Bytheway, sagt, dass pro-aktive Menschen die Fernbedienung für ihr Leben fest in der Hand haben. Sie wählen ihr Programm selbst. Reaktive Menschen lassen sich dagegen von anderen kontrollieren. Es ist, als hätten andere ihre Fernbedienung in der Hand. Und die anderen können ihre Stimmung mit einem einzigen Knopfdruck ändern. So lassen sie sich zum Beispiel durch eine dumme Bemerkung den ganzen Tag verderben.

Reaktive Menschen sagen Dinge wie:

image »Bei diesem Lehrer kann ich einfach keine guten Noten bekommen.«

image »Mama, du verdirbst mir mein ganzes Leben!«

image »Wenn ich so gut aussehen würde wie sie, wäre ich auch beliebt.«

In dem Film School of Rock gibt es eine großartige Szene: Der Aushilfslehrer Dewey will den Kindern auf ungewöhnliche Weise beibringen, dass wir allzu leicht Opfer »des großen Unbekannten, des Mannes« werden, der imaginären Kraft, die uns fertigmachen will.

DEWEY: Was denn, ich soll euch etwas beibringen? Ihr wollt etwas lernen? Na gut, hier kommt eine nützliche Lektion: Gebt auf! Lasst es einfach sein. In diesem Leben könnt ihr nämlich nicht gewinnen. Ja, natürlich könnt ihr es versuchen, aber am Ende werdet ihr verlieren, und zwar ganz, denn in der Welt bestimmt nur einer: DER GROSSE UNBEKANNTE – DER MANN.

FRANKIE: Wer?

DEWEY: DER GROSSE UNBEKANNTE – DER MANN. Was denn, den kennt ihr nicht? Er ist einfach überall. Im Weißen Haus, bei uns auf dem Flur. Überall ist DER MANN. DER MANN hat die Ozonschicht zerstört, er brennt den Regenwald nieder. Versteht ihr? Deshalb solltet ihr eure Zeit nicht damit verschwenden, zu versuchen, irgendetwas cool oder makellos oder toll zu machen. DER MANN wird euch nämlich immer nur einen erbärmlichen Verlierer nennen und eure Seele auffressen. Tut euch also einen Gefallen: Gebt auf!

Der entscheidende Punkt ist: Wer in die Opferrolle schlüpft, gibt die Kontrolle aus der Hand und reicht die Fernbedienung an »DEN MANN« weiter – an seine Eltern, einen Lehrer, seine Freunde oder das Schicksal. Beim 1. Weg geht es darum, die Fernbedienung zurückzuholen und selbst die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

Jenny zum Beispiel hat früher zugelassen, dass sie sich nach kleinen Sticheleien in der Schule elend fühlte. Als sie den 1. Weg kennengelernt hatte, holte sie sich die Fernbedienung zurück.

Jetzt sagt sie: »Wenn irgendetwas Unangenehmes passiert, überstehe ich es mit einem Lächeln. Es ist wirklich erstaunlich, wie glücklich ich bin. Heute sind die meisten Tage in meinen Augen gut, während ich die gleichen Tage früher schlecht gefunden habe.«

Du wirst noch sehen, dass der 1. Weg bei allen sechs wichtigen Entscheidungen in deinem Leben eine Schlüsselrolle spielt.

2. Weg: Schon am Anfang das Ende im Sinn haben

Für den 2. Weg kannst du dir eine Landkarte vorstellen.

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Wäre es bei deiner letzten längeren Wanderung oder Autofahrt nicht ziemlich schwer gewesen, dein Ziel ohne Karte zu finden? Wahrscheinlich wärst du irgendwann doch noch angekommen. Aber das lange Suchen hätte ganz schön viel Zeit und Nerven gekostet. Bei uns ist das genauso. Wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind, was für ein Ende wir im Sinn haben, wie unsere Ziele aussehen, irren wir planlos umher. Dann verschwenden wir viel Zeit und Energie und werden ganz schnell zum Spielball anderer.

Damit dir klar wird, wohin du im Leben willst, solltest du ein persönliches Leitbild oder ein Liste mit deinen Zielen erstellen. Das ist dann deine ganz persönliche Landkarte.

Das Leitbild der fünfzehnjährigen Alina Johnson sieht so aus:

MEIN LEITBILD

Mein Potential voll ausschöpfen.

Weiter ein Vorbild für meine kleinen Cousinen sein.

Das Abitur machen und studieren.

Anderen helfen, wenn sie Probleme haben.

Später Kinder haben.

Eine erfolgreiche Geschäftsfrau werden.

Eines Tages viel Geld sparen und Bedürftigen helfen.

Meine Organe nach meinem Tod einem Kranken spenden,

der sie dringend braucht.

Sicher kannst du dir vorstellen, wie sehr dieses Leitbild Alina Tag für Tag die Richtung in ihrem Leben weist. Persönliche Leitbilder können ganz unterschiedlich aussehen: Sie können lang oder kurz sein, in Gedichtform verfasst oder auch als Zeichnung oder Collage dargestellt werden. Das von Peter Parker lautet:

Was das Leben mir auch bringen mag – die folgenden Worte werde ich nie vergessen:

»Große Stärke bedeutet viel Verantwortung.«

Das ist meine Gabe und mein Fluch zugleich.

Denn ich bin Spider-Man.

Ich werde in diesem Buch immer mal wieder persönliche Leitbilder von Teenagern abdrucken und freue mich natürlich, wenn du auch eines schreibst. Falls du noch mehr Unterstützung bei der Erstellung deines Leitbilds brauchst, kann dir die englischsprachige Homepage www.6decisions.com weiterhelfen.

3. Weg: Das Wichtigste zuerst tun

Das Bild für den 3. Weg ist eine Uhr mit 13 Stunden.

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13 Stunden? Ja! Denn: Wer das Wichtigste zuerst tut, hat automatisch mehr Zeit – beinahe so, als hätte er eine Uhr mit 13 Stunden! Die folgenden Zeit-Quadranten sind ein wunderbares Modell, das dir hilft, mehr Zeit zu haben. Sie bestehen aus zwei Elementen: wichtigen und dringenden Dingen.

Wichtig: Das, worauf es wirklich ankommt: deine wichtigsten Prioritäten.

Dringend: Eilige Dinge – Sachen, die nicht warten können und sofort erledigt werden müssen.

DIE ZEIT-QUADRAN TEN

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Quadrant image enthält die Dinge, die wichtig und dringend sind: der Deutschaufsatz, der in zwei Tagen abgegeben werden muss, oder die Klassenarbeit, die morgen ansteht … Diese Sachen sind wichtig und müssen sofort in Angriff genommen werden. Manchmal kommen wir ganz schön unter Zeitdruck! Doch oft sind wir selbst Schuld daran, weil wir vieles immer wieder aufschieben. So schieben wir unsere Hausaufgaben das ganze Wochenende vor uns her und müssen dann am Montagmorgen um vier aufstehen, um alles noch irgendwie hinzubekommen. Das bringt jede Menge Stress. Deshalb solltest du versuchen, möglichst wenig Zeit in Q1 zu verbringen.

Quadrant image umfasst die Dinge, die wichtig, aber nicht dringend