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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 

Für meinen Mann und wahren Freund Eli,
der meine Aufmerksamkeit unnachgiebig
auf die Wahrheit lenkte, meine Gedanken anhielt
und mich zu meinem letzten Lehrer
H.W.L. Poonja (Papaji) brachte,
durch dessen Segen mir das Strahlen
im tiefsten Innern offenbart wurde.

Vorwort von Eckhart Tolle
»Die Wahrheit wird euch frei machen.« Diese Worte Jesu beziehen sich nicht auf irgendeine theoretische Wahrheit, sondern auf die Wahrheit dessen, wer oder was du jenseits von Name und Form bist. Sie beziehen sich nicht auf etwas, das du über dich wissen müsstest, sondern auf eine tiefe und doch außerordentlich einfache Einsicht, in der Erkennender und Erkenntnis eins werden. Sogleich ist dabei die Egospaltung geheilt, bist du wieder ganz. Das Wesen dieser Erkenntnis könnte man so beschreiben: Plötzlich wird sich das Bewusstsein seiner selbst bewusst. Wenn das geschieht, richtest du dich auf den evolutionären Impuls des Universums aus, auf die Entfaltung von Bewusstsein in dieser Welt. Was auch immer du hier erreicht haben magst, wenn du diese lebendige Wahrheit nicht erkennst, bist du wie ein Saatkorn, das nicht keimt, und hast den wahren Sinn des Menschseins verfehlt. Selbst wenn dein Leben aus lauter Fehlern und Leiden besteht, bedarf es nur dieser Einsicht, um dich zu erlösen, sodass du rückschauend erkennst, dass das scheinbar Sinnlose mit einem tiefen Sinn erfüllt ist. Wenn dich all deine Fehler bis an diesen Punkt gebracht haben, bis zu dieser Erkenntnis, wie könnten sie dann Fehler sein? »Ich bin nicht das, was geschieht, sondern der Raum, in dem es geschieht.« Diese Gewissheit, diese lebendige Wahrheit befreit dich von der Identifikation mit der Form, von der Zeit ebenso wie von einem falschen, erdachten Selbstgefühl. Was ist das für ein Raum, in dem alles geschieht? Es ist das Bewusstsein, das der Form vorausgeht.
Gangaji sagt richtig: »Das, wovon ich rede, hat nichts mit Religion zu tun.« Obwohl jede Religion im Herzen »das Juwel in der Lotusblüte« in sich birgt, um einen alten tibetischbuddhistischen Begriff zu verwenden, ist die Religion selbst nicht die Wahrheit, sondern nur eine Geschichte, die sich um die Wahrheit rankt. Manchmal verschleiert diese äußere Geschichte die Wahrheit, lässt sie jedoch noch hindurchscheinen. Bisweilen verdunkelt sie sie jedoch auch total oder maßt sich gar deren alleinigen Besitz an. Sobald eine Religion Zwietracht stiftet, wie es so oft der Fall ist, kannst du davon ausgehen, dass die äußere Geschichte die Wahrheit verdrängt hat. Dann ist die Essenz, die auf die tiefer liegende Einheit allen Lebens hindeutet, verloren gegangen. Die Geschichte ist natürlich das Erdachte, Konditionierte, Zeitliche. Die Essenz hingegen verweist auf das Unkonditionierte, Zeitlose, Formlose, auf das Heilige. »Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!«
Seit Jahrtausenden wird die spirituelle Wahrheit in Mythologien, das heißt in Geschichten, überliefert. Kaum jemand hat je die Wahrheit verstehen können, wenn sie ihm unmittelbar eröffnet wurde. Deshalb haben die meisten spirituellen Lehrer ihre Lehren in Geschichten verpackt. »Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen.«
Für Millionen Menschen heute ist das Zeitalter kollektiver Mythologien bereits zu Ende gegangen. Ersatzmythologien wurden ausprobiert, denen es allerdings an Tiefe mangelte; sie waren nur von kurzer Dauer und wurden schnell als Illusion erkannt. Übrig geblieben ist jetzt nur noch die Privatmythologie des Einzelnen, »seine Geschichte«. Gangaji sagt dazu: »Die eigene Geschichte zu erzählen genügt den meisten Menschen auf dieser Erde als Religion.« Wo in all diesen Geschichten versteckt sich die Wahrheit? Wenn du am Morgen aufwachst, erinnerst du dich vielleicht an einen Traum und weißt: Es war nur ein Traum, es war keine Wirklichkeit. Doch selbst an einem Traum muss etwas Wirkliches sein, sonst könnte er nicht sein. Was? Das, was dem Traum oder der Geschichte, dem Gedanken oder dem Gefühl das Sein ermöglicht. Es ist das Bewusstsein, das du bist.
Geschichten, die eine spirituelle Wahrheit enthalten, werden auch weiterhin in Büchern und Filmen Freude bereiten, auch denen, die sie gar nicht mehr brauchen. Sie können auch in Zukunft eine entscheidende Funktion erfüllen, indem sie ein erstes Erwachen bei Menschen auslösen, die ohne eine solche Geschichte und ihre Funktion, unbemerkt die Verteidigungswälle des Ego zu durchbrechen, nicht erreicht würden. Erst wenn es zu spät ist, wird dem Ego klar, dass jede spirituelle Geschichte letztlich von dir selbst handelt.
Dieses Buch ist für die rasch wachsende Zahl von Menschen auf der spirituellen Suche gedacht, die sich dem Ende ihrer Suche nähern und reif sind für die unverwässerte Wahrheit. Mit Gangajis Worten: »Wir sind an einem Punkt der Menschheitsgeschichte angelangt, wo das, was einst einigen wenigen vorbehalten war, auch gewöhnlichen Sterblichen zugänglich ist.«
Es enthält die Essenz der Arbeit Gangajis mit zahllosen Menschen über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg. Gangaji muss in dieser Zeit Tausende von persönlichen Mythologien (Geschichten) angehört – und aufgelöst – haben, aber keine davon ist hier wiedergegeben. Stattdessen erhältst du Gelegenheit, durch Hinterfragen und Nachforschen deine eigene Geschichte aufzulösen, jene mentalen Konstrukte, aus denen deine vorgestellte Wirklichkeit besteht.
Außer einer kurzen Zusammenfassung von Gangajis Geschichte und deren Ende sowie der Geschichte vom Diamanten, auf die der Titel zurückgeht, enthält dieses Buch keine Geschichten und benötigt sie auch nicht. Die Worte selbst sind von einer außergewöhnlichen Lebendigkeit und transformativen Kraft. Das liegt daran, dass sie der gelebten Erkenntnis der Wahrheit entspringen und nicht verstandesmäßig erworbenem Wissen.
Dieses Buch handelt vom Transzendieren des zwanghaften und unbewussten Denkens und vom Ende des menschlichen Leidens. Darüber hinaus ist es Teil einer evolutionären Transformation kosmischer Größe: des Erwachens des Bewusstseins aus dem Traum der Identifikation mit der Form, dem Traum des Getrenntseins. Dass du diese Worte gerade liest, bedeutet, dass es dein Schicksal ist, ein essenzieller Bestandteil dieses großen Abenteuers eines kollektiven Erwachens zu sein.

Einführung
Der Diamant in deiner Tasche ist eine Sammlung von redigierten Auszügen aus Gesprächen, die Gangaji seit 1990 auf öffentlichen Veranstaltungen und Retreats geführt hat. Entstanden ist das Buch als Reaktion auf die Fragen, die laut Gangaji die Mehrheit all derer beschäftigt, mit denen sie gesprochen hat. Es sind dies Fragen, die sich um die Suche nach dem wahren Glück und nach wahrer Erfüllung drehen, um ein Verständnis für die Erfahrung und Aufhebung des Leidens sowohl des Einzelnen als auch der ganzen Menschheit.
Die Wurzel allen menschlichen Leidens ist ein einfacher, aber zutiefst tragischer Fehler: die Unkenntnis des eigenen wahren Wesens. Wenn wir uns fälschlich für voneinander getrennte Egos halten, für Individuen, die von dem einen, alles Leben beseelenden Ursprung getrennt sind, liefern wir uns unsagbarer Not und Verwirrung aus. Dann sind wir von uns selbst und voneinander getrennt. Wir misstrauen dem Leben, sei es bewusst oder unbewusst. Wir fühlen uns allein gelassen, und unsere fieberhafte Suche nach Selbstbestätigung am völlig falschen Ort ängstigt und erschöpft uns. Im vorliegenden Buch geht es um das Ende dieser Suche. Es geht um die direkte, unmittelbare Möglichkeit, im eigenen Herzen einen ewigen Quell wahren Friedens und dauernder Erfüllung zu entdecken.
Auf diesen Seiten wird die Möglichkeit geboten, zur Erkenntnis der letzten, absoluten Wahrheit dessen, wer du bist, zu gelangen. Gangaji hat in den vielen Jahren, in denen sie Gespräche mit Menschen in allen Teilen der Welt geführt hat, die Erfahrung gemacht, dass jeder Sterbliche – also auch jeder, der dieses Buch liest – sofort zur höchsten Wahrheit erwachen kann.
»Wahrheit«, wie sie hier verstanden wird, ist die Urwahrheit, die einer jeden Kultur und Religion im Kern innewohnt, die Urwahrheit, auf die alle großen Heiligen und Mystiker zu allen Zeiten hingewiesen haben, die Wahrheit des bedingungslosen Friedens und der bedingungslosen Freiheit, die jeder Mensch im Herzen trägt – die Wahrheit des essenziellen Selbst.
In den Kapiteln des Buches sind viele verschiedene Gespräche miteinander verwoben. So wird der Leser auf einen sich immer mehr vertiefenden Pfad der Selbsterkenntnis geführt. Gangaji nutzt die verschiedensten Zugänge, wie jeder sie aus eigener Lebenserfahrung kennt, um auf die höchste Erfüllung hinzuweisen, die nur auf unsere Aufmerksamkeit wartet, darauf, dass wir endlich innehalten und der tiefsten Wahrheit unser selbst ernsthaft auf den Grund gehen.
Bestimmte Sätze und Worte kehren im Buch immer wieder. Für Wiederholungen bitten wir um Entschuldigung. Es ist keineswegs beabsichtigt, den Leser damit zu ermüden. Jede neuerliche Erwähnung eines Begriffs bietet vielmehr von neuem die Möglichkeit, die reine Wahrheit im Innern des eigenen Herzens zu entdecken.
Am besten ist es, sich nichts von dem Gelesenen mit den üblichen Lernmethoden anzueignen, denn das Mysterium des Erwachens entzieht sich dem Zugriff des Verstandes. Aber wer einfach geistig aufgeschlossen ist, bei dem kann etwas anklingen und sein Herz schneller schlagen lassen, und dieser Erkenntnisfunken entzündet unter Umständen ein loderndes Feuer der Selbsterkenntnis.
Das Buch setzt sich aus vier wesentlichen Teilen zusammen. Teil I: Die Einladung: Finde heraus, wer du in Wahrheit bist, weiht dich in das Geheimnis unmittelbarer Selbsterforschung ein und eröffnet dir die Möglichkeit, die tiefste Wahrheit zu entdecken, indem du herausfindest, wer du wirklich bist. Du bekommst Gelegenheit zu erkennen, dass keine der Geschichten, die du von dir erzählen magst, deiner Wahrheit entspricht, und dass, wer du zu sein glaubst, nichts mit dem zu tun hat, wer du in Wirklichkeit bist. Wenn die Gedankentätigkeit auch nur einen Augenblick lang zur Ruhe kommt, offenbart sich der Friede, der allgegenwärtig ist, als das Wesen allen Seins.
In Teil II: Höher als das Verstehen, tiefer als das Empfinden geht es um die Tendenz, durch normales Nachdenken zu einem Verständnis der Wahrheit gelangen und Erfüllung finden zu wollen. Es wird untersucht, auf welche Art und Weise wir uns mit Gedanken und Empfindungen identifizieren, als seien sie Wirklichkeit. Wenn die Stimme des Ego (oder des Über-Ichs), die normalerweise unsere Aufmerksamkeit gefangen nimmt und unsere Entscheidungen im Leben bestimmt, als Betrüger entlarvt wird, kommt das wahre Wissen des Herzens zum Vorschein. Wir entdecken, dass jede Vorstellung und jede Emotion, die wir ehrlich und direkt untersuchen, wunderbarerweise ihre Macht über uns und unser Glück verliert. Die unmittelbare Selbsterforschung ist der Schlüssel dazu.
Teil III: Den Knoten des Leidens auflösen befasst sich mit den tiefer liegenden Ursachen des persönlichen Leidens. Es werden die Mechanismen untersucht, durch die Gedanken und Emotionen sich in einem endlosen Kreislauf von Leid und Verwirrung gegenseitig nähren, nur um dem Leiden zu entfliehen. Dabei wird unser konditioniertes Selbstbild, an dem wir festhalten, mitsamt der Vergeblichkeit unserer gewohnheitsmäßigen Bemühungen, außerhalb unser selbst nach Glück zu suchen, gründlich erforscht. Hier bietet sich die Möglichkeit, einmal bewusst zu untersuchen, welches Leid durch die fortwährend auf Schmerzvermeidung und Lustgewinn ausgerichteten Geistesaktivitäten entsteht.
Teil IV: Den Frieden wählen zeigt uns, wie wir unser Leben als bewusste und klare Widerspiegelung unseres wahren Wesens leben können. Wir sind gefordert, endlich selbst die Verantwortung für unsere Erfahrung des Getrenntseins zu übernehmen und zu erkennen, dass alles Leid auf dieser Weltbühne nicht von dem Leid verschieden ist, das wir unaufhörlich im eigenen Geist erzeugen. Das Leid der Welt ist nur ein Spiegelbild unseres kollektiven inneren Zustands. Sobald die Fehlidentifikation klar als Wurzel allen persönlichen Leidens erkannt wird, ist ebenso klar, dass wir die Wahl haben, weiterzuleiden oder damit aufzuhören. Wir können uns in jedem Augenblick für den Frieden entscheiden, für die Hingabe, für die Wahrheit im Innern der tiefsten Erkenntnis. Die letzten Kapitel des Buches bieten die Gelegenheit, zweifelsfrei die eigene Integrität zu entdecken und die Möglichkeit eines Lebens in wahrer Freiheit zu erkennen. Wir haben die Freiheit und Verantwortung, allem mit Offenheit und Neugier zu begegnen und in unserem Leben ganz wir selbst zu sein.
Gangaji stellt in ihrem Buch immer wieder Fragen, um uns zu tief greifender, aufrichtiger Selbsterforschung anzuregen. Es ist wichtig, diese Fragen rasch zu beantworten, um die innere Zensur zu übergehen. Sie sollen uns einen Zugang zur unmittelbaren Selbsterforschung verschaffen und es uns ermöglichen, die Vorstellungen und Überzeugungen im eigenen tiefsten Innern zu erkunden, die wir für Wirklichkeit halten und bis jetzt wahrscheinlich nie infrage gestellt haben. Ich empfehle, von all diesen Möglichkeiten und den tiefen Erkenntnissen, zu denen sie führen können, weitestgehend Gebrauch zu machen. Wenn eine Frage gestellt wird, kannst du das Buch zuklappen und ihr in deinem Innern nachgehen, bis die Antwort frei und ungehindert in dir aufsteigt. Vielleicht hilft es dir, deine Antworten aufzuschreiben und Tagebuch zu führen über deine Selbsterforschung.
Die Fragen sind so angelegt, dass sie zur tiefsten Selbsterkenntnis führen und dir die Augen öffnen für das, was du vorher möglicherweise gar nicht gesehen hast, um dich dann zur darunter liegenden Wahrheit zu führen. Zweck der Selbsterforschung ist nicht, etwas zu »reparieren«, sondern ehrlich zu untersuchen, wovon das Leben eigentlich beherrscht wird. Wenn die Antworten einfach, ehrlich und wahrheitsgemäß gegeben werden, kommen die tiefer liegenden Überzeugungen zum Vorschein, die für das persönliche Leiden verantwortlich sind.
Die Selbsterforschung ist eines der Hauptanliegen dieses Buches. Wenn du es gelesen hast, wird dir die Kraft, Einfachheit und Lebendigkeit der unmittelbaren Selbsterforschung vertraut geworden sein, und du wirst gelernt haben, sie auf jede Lebenssituation anzuwenden. Sobald deine egobedingte Leidensgeschichte vom Licht der Bewusstheit durchdrungen ist, kann sie nicht länger Macht über dein Leben ausüben.
Beim Lesen dieses Buches spürst du vielleicht schon etwas von der absoluten Süße deines eigenen wahren Wesens. Mögest du in die Richtung schauen, in die Gangaji zeigt, und das sehen, was alle Wechselfälle deines Lebens vollkommen unverändert übersteht. Dieser strahlend helle Himmel grenzenloser Bewusstheit ist deine wahre Heimat, die Liebe, und sie ruft dich eben jetzt aus der Tiefe deines eigenen Herzens. Folge diesem Ruf!
Shanti Einolander

Dank
Von Herzen dankbar bin ich allen, die in den letzten 15 Jahren an meinen Treffen teilgenommen haben, für ihre Fragen und Beobachtungen, die auf die stetig tiefer gehende Selbsterkenntnis hinweisen. Der Gangaji Foundation mit Manju an der Spitze danke ich für die Pflege dieser Schule der Selbsterforschung, Shanti für ihre nimmermüde Bearbeitung der Transkriptionen und ihren weitsichtigen Umgang mit dem Buchprojekt, und Tami und Matt dafür, dass sie die Möglichkeiten dazu überhaupt erkannt haben.

Einleitung
Dieses Buch verdankt seine Entstehung Gesprächen, die ich 15 Jahre lang mit Menschen in aller Welt geführt habe – Menschen, die nach spiritueller Erleuchtung strebten, Menschen, die in der derzeitigen Atmosphäre von Trennung und Krieg auf unserer Erde nach Antworten suchten, und Menschen, die einfach einen Ausweg aus ihrer persönlichen Leidenssituation finden wollten.
Bis ich 1990 meinem Lehrer begegnete, war mein Leben von meiner persönlichen Leidensgeschichte geprägt. Obgleich ich von meinen Eltern Nahrung, Obdach und eine gute Erziehung erhielt und in relativ sicheren Umständen lebte, hatte ich das Empfinden, als fehlte mir etwas, als würde mir etwas vorenthalten, das ich darüber hinaus benötigte.
Ich bin in einem kleinen Ort in Mississippi mit allen Freiheiten und Privilegien eines weißen Kindes der Mittelschicht aufgewachsen, aber die Familiendynamik und der Alkoholismus meiner Eltern bereiteten mir insgeheim Höllenqualen. Meinem Gefühl nach war ich an etwas beteiligt, das ein Riesenfehler war, und ich fühlte mich auf allen Seiten von irgendwelchen Mächten der Finsternis umgeben. Die christliche Unterweisung, die ich erhielt, trug wenig zur Zerstreuung dieses Gefühls bei. Im Gegenteil, es wurde noch verstärkt durch meine Angst, wegen meiner Fehler ewig in der Hölle schmoren zu müssen. Für kurze Zeit nahm ich Zuflucht zur Liebe Christi, aber vor allem die uneingeschränkte, verschwenderische Liebe meiner Großmutter Mammy brachte Licht in meine Kindheit und enthüllte mir die Unversehrtheit und den Frieden des Herzens. Dennoch war meine Kindheit keine glückliche.
Als junge Frau heiratete ich einen wunderbaren Arzt und brachte ein schönes, gesundes Kind zur Welt. Doch wieder hatte ich ein nagendes Gefühl des Unglücklichseins, das auch durch die besseren Lebensumstände nicht vertrieben wurde. Was war das Problem? Ich kam zu dem Schluss, dass es an mir liegen musste, und so begann ich meine Suche und erforschte auf vielerlei Art, wie ich das korrigieren konnte, was ich für mich hielt, wie ich mich verbessern und schließlich meine Unversehrtheit wiederherstellen konnte.
Als ich endlich meinem Lehrer gegenüberstand, hatte ich schon viel an mir gearbeitet. Ich hatte mich mit meiner Persönlichkeit, meinen Emotionen und meinen Neurosen befasst und konnte in diesen Bereichen einige Erfolge verbuchen. Trotzdem war mir bewusst, dass mein Leben auf Leid gegründet war. Ich hatte vieles ausprobiert, um dieses Leidensgefühl zu lindern – Psychotherapie, Affirmationen, Meditation, verschiedene Workshops, Channeling, Astrologie, Visualisation, automatisches Schreiben, Tanzen und psychotrope Stoffe. Ich hatte versucht, alles auszuleben, und ich hatte versucht, mir alles zu versagen. Ich hatte mich bemüht, mich zu lieben, und hatte probiert, mich zu hassen. Nichts davon hatte geholfen. Natürlich hat es auch schöne Momente gegeben – Augenblicke voller Anmut, Freude, Glückseligkeit und Frieden. Aber durch alles zog sich wie ein roter Faden das Leiden. Negativität und Zwietracht nahmen immer wieder meinen Geist gefangen, und das Gleiche beobachtete ich auch bei anderen.
Dabei hatte ich zu jenem Zeitpunkt nach normalem Verständnis ein wunderbares Leben. Ich liebte meinen zweiten Mann Eli innig. Wir waren einander auf allen Ebenen lebhaft und leidenschaftlich verbunden. Ich hatte eine Tochter, die mit ihrem Leben glücklich war. Ich war gesund. Finanziell war ich besser gestellt als die meisten anderen Menschen. Ich hatte einen Beruf, an den ich glaubte und den ich liebte. Doch ich wollte noch mehr; ich fürchtete, das zu verlieren, was ich schon hatte; ich ersehnte und fürchtete zugleich das, was die Zukunft bringen mochte. Es machte mich krank! Irgendwann gab ich mich keinen Illusionen mehr hin, was mich selbst und den Eifer betraf, mit dem ich mich Tag für Tag meiner Selbstverbesserung widmete. Ich kam zu der Erkenntnis, dass meine Beschäftigung mit mir selbst zyklisch verlief. Auf der einen Seite war dieser Zyklus von einem Gefühl der persönlichen Befriedigung und des Einverständnisses damit geprägt, wie sich das Leben entfaltete, auf der anderen von einem Gefühl drohenden Unheils, von einem latenten tiefen Unbehagen und der Überzeugung, dass die Lage des ganzen Universums letztendlich hoffnungslos war.
Wenn ein Zyklus millionenmal abgelaufen ist, wird er einem sehr vertraut. Die Gedanken, Bilder, Emotionen und Schlüsse, die auftauchten, waren alle schon einmal da gewesen. Die Eifersucht, der Neid, die Suche nach befriedigenden Erfahrungen – erst sinnlichen und intellektuellen, dann spirituellen -, das alles führte mich nur zu meiner persönlichen Version der Unzufriedenheit zurück.
Selbst als ich merkte, dass »meine« Geschichte manchmal Ähnlichkeit mit der anderer Menschen hatte und manchmal nicht, glaubte ich noch daran und litt weiter. Auch als ich die tragische Liebesgeschichte erkannte, die fast alle Ereignisse meines äußeren und inneren Lebens überlagerte, hatte ich noch immer keine Ahnung, dass diese Geschichte gar keine Wirklichkeit besaß.
Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Wie war es nur möglich, dass ich manchmal recht glücklich und gelegentlich sogar vollkommen befriedigt war, aber trotzdem immer eine tiefe Sehnsucht nach etwas hatte, das ich gar nicht benennen konnte? Ich hatte doch alles nur Erdenkliche getan, um diesen gordischen Knoten des Leidens zu durchschneiden!
Schließlich wurde mir klar, dass ich Hilfe brauchte. Ich brauchte einen Lehrer. Also betete ich um einen wahren Lehrer, einen echten Lehrer, einen vollkommenen Lehrer – ohne einen blassen Schimmer zu haben, was ein wahrer Lehrer war, was eine wahre Lehre war oder wozu das alles führen sollte. Ich wusste nur, dass ich nicht länger darum kämpfen wollte. Ich wollte die Wahrheit meiner Existenz verwirklichen, wusste jedoch nicht mehr, wie. Ich hatte alle mir bekannten Möglichkeiten ausgeschöpft und gab endlich auf.
Es waren noch keine sechs Monate vergangen, in denen ich um einen wahren Lehrer betete, als ich durch verschiedene wundersame Umstände plötzlich nach Indien verschlagen wurde und H.W.L. Poonja (Papaji) gegenüberstand. Er begrüßte mich auf ganz außergewöhnliche Art. Mit funkelnden Augen bat er mich, hereinzukommen und anzunehmen, was immer er zu geben habe. Er wollte weder Referenzen sehen, noch überprüfte er mein Karma, und er zählte auch nicht meine Verdienste zusammen. Er las mir an den Augen ab, dass ich von ihm begeistert war, und sagte nur: »Sag mir, was du willst.«
Ich sagte: »Ich will Freiheit, ich will frei sein von allem, worin ich mich verstrickt habe, von meinen falschen Auffassungen. Ich will wissen, ob es eine letzte, absolute Wahrheit gibt. Sag mir, was ich tun soll.«
Er sagte: »Dann bist du hier richtig!« Und er fuhr fort: »Tu nichts. Dein ganzes Problem besteht darin, dass du immer etwas tust. Lass von all deinem Tun ab. Lass von all deinen Überzeugungen, all deinem Suchen, all deinen Ausflüchten ab und sieh selbst, was schon immer hier war und ist. Beweg dich nicht. Beweg dich weder auf etwas zu noch von etwas weg. Sei jetzt in diesem Augenblick still.«
Ich wusste nicht, was er meinte, denn ich saß ja still da. Dann ging mir auf, dass er gar nicht von physischen Aktivitäten sprach, sondern mich anwies, alle Geistesaktivitäten anzuhalten.
Ich spürte förmlich, wie Zweifel in meinem Geist aufstiegen, wie mich die Angst überkam, meinen Körper zu vernachlässigen, wenn ich nicht mehr dachte, mich nicht mehr aus dem Bett zu erheben, nicht mehr mit dem Auto fahren zu können, nicht mehr zur Arbeit zu gehen – und war entsetzt. Ich hatte das Empfinden, als würde ich allen Boden wieder verlieren, den ich schon gewonnen hatte, wenn ich meine Suche jetzt aufgab. Dass ich etwas von dem verlieren könnte, was ich meinem Gefühl nach bereits erreicht hatte.
Aber er hatte eine ungeheure Ausstrahlung, und ich nahm in dem Augenblick, in dem ich ihm in die Augen sah, eine Kraft, eine Klarheit und eine Weite wahr, die mich sofort bannten. Ich hatte um einen Lehrer gebetet, und zum Glück war ich in jenem Moment offen und geistesgegenwärtig genug, um dem erbetenen Lehrer auch Aufmerksamkeit schenken. Ich ließ mich einfach darauf ein und war bereit, für den Augenblick den Gedanken, die mich mit Entsetzen erfüllten, keinen Raum mehr zu geben, nicht mehr daran zu glauben, nicht wieder in einem Abgrund der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu versinken; und da wurden mir die Erfüllung und der Friede zuteil, die ich gesucht hatte, als seien sie immer da gewesen und hätten unmöglich jemals abwesend sein können. Am meisten schockierte mich, dass ich diese Erfüllung schon immer gekannt hatte! In diesem Augenblick wurde mir klar, dass alles, was ich mir je hätte wünschen können, schon da war als der Urgrund des reinen, ewigen Seins. All das Leid, das ich »meins« genannt hatte, war in Wahrheit umgeben vom reinen, leuchtenden Sein. Vor allem aber erkannte ich, dass ich in Wahrheit dieses Sein war und bin. Und dieses Sein ist überall gegenwärtig, in allem, im Sichtbaren wie im Unsichtbaren.
Mit dieser Erkenntnis zugleich vollzog sich bei mir eine bemerkenswerte Fokusverlagerung weg von meiner Geschichte des Daseins und hin zur endlosen Tiefe des Seins, die im Grunde immer schon hinter der Geschichte bestanden hatte. Welch ein Friede! Welche Ruhe! Ich hatte früher bereits Augenblicke der Verbundenheit mit dem Kosmos voll erhabener Glückseligkeit erlebt, aber dies gehörte in eine andere Kategorie. Es war eine nüchterne Ekstase, ein Augenblick der Klarsicht: Ich bin nicht an »meine« Geschichte gebunden!
Was mir in jenem Augenblick aufging, war so einfach, dass es kaum zu glauben war. Ich hatte nicht gedacht, dass es so einfach sein würde. Ich hatte immer gehört und geglaubt, dass man nur dorthin kommt, wenn man sündenlos und frei von Gier, Aggressivität, Hass und Karma ist. Jetzt wurde mir klar, dass alles, was ich je dachte, immer nur Gedanken waren, auf die kein Verlass war, da sie der Konditionierung und Auflösung unterworfen waren. Im Licht der Wahrheit war dem Denken nicht länger zu trauen. Das Denken konnte sich nicht mehr zum Herrn aufspielen. Die frühere Angst des Nichtwissens verwandelte sich in die Freude des Nichtwissens. Im Nichtwissen wurde mein Geist offen für das, was mit dem Denken nicht zu erfassen ist. Welch eine Erleichterung! Welch eine ungeheure Erleichterung!
Nachdem ich eine Zeit bei Papaji geblieben war, in der er mich befragt und geprüft hatte, sah er, dass meine Gedanken tatsächlich zur Ruhe gekommen waren. Als er dies erkannte, bat er mich, »von Tür zu Tür zu gehen« und anderen von meiner Erfahrung zu erzählen. Ich sagte zu ihm: »Papaji, ich weiß ehrlich nicht, wie ich das anstellen sollte.« Er erwiderte: »Prima. Dann kannst du nur aus eigener Erfahrung sprechen.« Er nannte mich nach dem Ganges, dem heiligen Fluss Indiens, der dort Ganga heißt, »Gangaji«, weil wir uns an dessen Ufer begegnet waren und ich ihm im Traum als Göttin Ganga erschienen war.
Mit der Zeit interessierten sich auch andere für meine Erfahrung. Bald konnte unser Wohnzimmer die Herbeiströmenden nicht mehr fassen, und so begann ich, Papajis Bitte getreu von »Tür zu Tür zu gehen« und überall auf der Welt Versammlungen abzuhalten, zu denen Menschen aus allen Lebensbereichen kamen.
Als Papaji starb, fragte mich ein Interviewer, was er für mein Leben bedeutet hätte. Ich antwortete: »Vor Papaji hatte ich kein Leben. Ich hatte nur eine Leidensgeschichte. Es gab zwar angenehme, gelegentlich sogar glückliche Momente, aber es blieb eine Leidensgeschichte. Dadurch, dass ich Papaji begegnet bin, habe ich meine Geschichte verloren und das Leben gefunden.«
Seit ich aufgehört habe, im Geist oder in den äußeren Umständen nach Erfüllung zu suchen, lebe ich mein Leben jetzt voller Freude. Es gibt Augenblicke, in denen ich unglücklich, wütend oder bekümmert bin, und Stimmungen, die kommen und gehen, aber alles geschieht auf dem Urgrund der Freude. Ich muss keine Stimmung fürchten und keinen Augenblick vermeiden. Ich habe eingesehen, dass alle Stimmungen, alle Gemütsregungen, alle Gefühle, alles, was wirklich erforscht wird, auf dieselbe Quelle hinweist – auf jenen strahlenden Himmel erfüllten Bewusstseins, der meine ebenso wie deine Wahrheit ist.
Man hat mich oft gefragt, ob ich ein Guru, ein Kirchen- oder Religionsführer sei. Ich betrachte mich nicht als Guru und schon gar nicht als Kirchen- oder Sektenoberhaupt. Manche nennen mich »Lehrerin«, aber im Grunde unterscheide ich mich nicht von anderen Menschen. Wir alle sind Aspekte oder Bezugspunkte des einen essenziellen Bewusstseins. Ich kann die Rolle der Lehrerin nur spielen, weil ich weiß, dass letztlich keine Rolle Wirklichkeit besitzt. Der wahre Lehrer ist in jedem von uns wirksam und offenbart sich am Ende in allem, mag es als Inneres oder Äußeres erscheinen.
Das, wovon ich rede, hat nichts mit Religion zu tun. Ramana Maharshi, der Lehrer meines Lehrers, war zwar Hindu, und auch mein Lehrer Papaji ist als Hindu aufgewachsen, aber die Lehre hat nichts mit Ost oder West zu tun. Sie macht keinen Unterschied zwischen Hindus, Christen, Moslems, Buddhisten, Heiden, Männern, Frauen, dir und mir. Die Erkenntnis der Allgegenwart des Seins ist es, in der alles aufscheint – du, ich, Ozeane, Berge und Himmel, alle Glückseligkeit und alles Grauen. Das Feld reiner Präsenz ist lebendig und intelligent und hat das Potenzial, sich selbst in dir zu erkennen.
In Wahrheit bist du reines Bewusstsein: Du bist weder dein Name noch dein Körper, weder deine Emotionen noch deine Gedanken. Das sind nur Hüllen, die kommen und gehen. Sie entstehen, existieren eine Zeit lang und vergehen wieder. Bewusstsein kommt nicht und geht nicht. Es ist hier und jetzt. Es kennt keine andere Zeit.
Das Bewusstsein ist frei. Es ist nicht an einen Namen oder einen Begriff gebunden. Es ist nicht durch Vorstellungen von Zeit und Raum begrenzt. Es lässt sich nicht von Emotionen oder Krankheiten beeinflussen. Du bist reines Bewusstsein. Du bist immer frei gewesen, denn du bist immer Bewusstsein gewesen. Du hast dich als einen Punkt im Bewusstsein erfahren und dir eingebildet, von diesem Punkt aus auf einen Körper beschränkt zu sein.
Diese Erkenntnis, auch wenn sie nur einen Moment dauert, steht am Beginn einer unendlich sich vertiefenden Selbsterforschung. Sie markiert das Ende der Beschäftigung mit dem Kreislauf der Selbstdefinition und den Anfang wahrer Selbstergründung, die keine Grenzen kennt.
»Anhalten der Geistesaktivitäten« heißt, sich nicht länger in Gedanken, Emotionen, Umständen oder im Körperlichen zu suchen. So einfach ist das. Die Suche ist vorbei, sobald dir bewusst wird, dass die wahre, bleibende Erfüllung, nach der du gesucht hast, nirgendwo anders zu finden ist als da, wo du bist. Sie ist hier. Sie ist in dir, sie ist in allem Leben, sowohl im fühlenden als auch im empfindungslosen. Sie ist überall. Solange du nach ihr suchst, wirst du sie nicht finden, weil du dann davon ausgehst, dass sie anderswo ist. Du jagst unablässig einer Lüge hinterher.
Dabei ist die Wahrheit, wer du wirklich bist, höchst einfach. Sie ist dir näher als deine Gedanken, näher als das Pochen deines Herzens, näher als dein Atem. Wenn du deine Gedanken für wirklich hältst, wenn du in ihnen die Grundlage deiner Wirklichkeit siehst, entgeht dir immerfort das Nächstliegende, das dich die ganze Zeit über ruft und sagt: »Du bist doch hier! Du bist zu Hause! Komm herein. Sei zu Hause.« Zu Hause zu sein bedeutet, einfach hier zu sein. Das Einfach-hier-Sein in die Zukunft zu verschieben heißt, sich mit unendlich komplexen Selbstdefinitionen und Fehlidentifikationen zu verzetteln.
Jetzt und hier besteht die Möglichkeit, aufzuhören und die Wahrheit zu sagen über die Flamme des Bewusstseins, die deine Wesensessenz ist. Sie verleugnen zu wollen bringt Leid über dich. Sich ihr freiwillig zu unterwerfen macht allem unnötigen Leiden ein Ende. Wenn du dir selbst begegnest, wenn du dich selbst liebst, wenn du erkennst, dass du diese Flamme der Wahrheit bist, die du liebst, hast du kein Bedürfnis mehr, nach Liebe zu suchen oder Liebe wecken zu wollen. Dann hast du Erfüllung gefunden.
Wir sind an einem Punkt der Menschheitsgeschichte angelangt, wo das, was einst einigen wenigen vorbehalten war, auch gewöhnlichen Sterblichen zugänglich ist. Da wir uns selbst immer als gewöhnliche Sterbliche eingestuft haben, haben wir eine gewisse Tür in unserem Hirn und Herzen immer vor der Wahrheit im Wesen aller Dinge verschlossen gehalten. Doch inzwischen hat unsere Konditionierung einen Sprung bekommen. Wenn du dies liest, bist du dir dessen bis zu einem gewissen Grad bereits bewusst, sonst hättest du dieses Buch nicht zur Hand genommen. Wir leben in einer Zeit, in der der gewöhnliche Mensch im Erwachen begriffen ist. Das heißt, nicht nur diejenigen, die unter einem günstigen Stern geboren wurden, sondern auch der ganz gewöhnliche Sterbliche – du.
Ich nehme an, dass du, wenn du dieses Buch liest, fest entschlossen bist, zu erwachen und frei zu werden. Diese Entschlossenheit ruft dich nach Hause. Das Buch will die Rückkehr des einzelnen Bewusstseins, »deines« Bewusstseins, zu seinem Ursprung unterstützen, zum Ozean des Bewusstseins.
In Wirklichkeit waren und sind beide jedoch nie voneinander getrennt.
Ich habe nicht vor, jemanden von irgendetwas zu heilen oder ihn etwas zu lehren. Wenn du die einfache, absolute Wahrheit erkennst und einsiehst, wer du bist, brauchst du nichts dazuzulernen. Die Wahrheit darüber, wer du bist, liegt näher als alles, was erlernt werden kann. Wie wäre es, wenn du in diesem Augenblick einmal versuchsweise, im Geist der Selbsterforschung, alles außer Acht ließest, was du je über dich – wer du bist – in Erfahrung gebracht hast, einschließlich all deiner Ängste und Hoffnungen, wer du sein könntest, und dich innerlich der Wahrheit öffnetest, die du bist? Diese Wahrheit ist immer hier. Ich lade dich ein, alles zu unterlassen, was deinen Geist bewegt und dich von der Wahrheit wegzieht, damit du das in dir lebendige Juwel unmittelbar selbst entdeckst.

Teil I
Die Einladung: Finde heraus, wer du in Wahrheit bist

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Wo du zuletzt suchen würdest
Mein Lehrer erzählte gern die Geschichte von einem vollendeten Diamantendieb, der sich darin geübt hatte, nur die allerfeinsten Diamanten zu stehlen. Zu diesem Zweck hielt sich der Dieb im Diamantenviertel auf, um zu beobachten, wer einen solchen Stein kaufte, und diesen Menschen dann zu bestehlen.