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001

Inhaltsverzeichnis
 
Widmung
RÜCKBLICK
 
DIE PFORTEN DES TODES
AM LAGERFEUER
STURM AUF DEN HELGRIND
GETRENNTE WEGE
DER LETZTE RA’ZAC
ALLEIN UNTERWEGS
DIE PROBE DER LANGEN MESSER
GEFLÜGELTE KUNDE
GROSSE UND KLEINE FLUCHTEN
EINE HEIKLE ANGELEGENHEIT
DER WOLFKATZENELF
GEWISSENSQUALEN
DIE SCHATTEN DER VERGANGENHEIT
RAUSCHENDER EMPFANG
DIE STUNDE DER WAHRHEIT
FESTMAHL UNTER FREUNDEN
DIE WEGE KREUZEN SICH
WIEDERGUTMACHUNG
DAS GOLD DER ERDE
KLEINE SCHWERTKUNDE
UNGEBETENE GÄSTE
FLAMMENDER HIMMEL
MANN UND FRAU
NACHTGEDANKEN
BEFEHL IST BEFEHL
SPURLOS VERSCHWUNDEN
ÜBER STOCK UND STEIN
ALLES NUR AUS LIEBE
DER STEINERNE WALD
DIE LACHENDEN TOTEN
BLUTIGER FELS
MIT DEN AUGEN EINES DRACHEN
HOFFEN AUF DIE ZUKUNFT
GLÛMRA
CLAN-VERSAMMLUNG
UNGEHORSAM
BOTSCHAFT IM SPIEGEL
VIER MÄCHTIGE TROMMELSCHLÄGE
ENDLICH WIEDER VEREINT
GÛNTERAS SEGEN
WEISE WORTE
AM SCHANDPFAHL
ÜBER DEN WOLKEN
FÄUSTE GEGEN HÖRNER
FAMILIENANGELEGENHEITEN
EINE LIEBE OHNE ZUKUNFT
BROMS VERMÄCHTNIS
GERAUBTE SEELEN
DIE HÄNDE EINES KRIEGERS
DER LEBENSBAUM
TRIUMPH DES GEISTES
DIE WEISHEIT DES FEUERS
IN VORDERSTER FRONT
ABSCHIED
WETTFLUG GEGEN DIE ZEIT
BRISINGR!
SCHATTEN DES UNTERGANGS
EIN NEUER TAG
 
ÜBER DEN URSPRUNG DER NAMEN
Danksagung
Copyright

001
002
003

WIE IMMER ist dieses Buch für meine Familie. Und ebenso für Jordan, Nina und Sylvie, die hellen Sterne einer neuen Generation. Atra Esterní ono thelduin.

RÜCKBLICK

auf »ERAGON – Das Vermächtnis der Drachenreiter« und »ERAGON – Der Auftrag des Ältesten«

Eragon, ein fünfzehnjähriger Bauernjunge, fällt während der Jagd im Buckel ein glänzender blauer Stein vor die Füße. Er nimmt ihn mit nach Carvahall, wo er mit seinem Cousin Roran auf dem Hof seines Onkels Garrow lebt. Garrow und seine verstorbene Frau Marian haben Eragon großgezogen. Über seinen richtigen Vater ist nichts bekannt. Seine Mutter Selena, Garrows Schwester, verschwand nach Eragons Geburt spurlos.
Wenig später platzt der vermeintliche Stein auf und ein Drachenjunges kommt zum Vorschein. Als Eragon es berührt, erglüht auf seiner Handfläche ein silbriges Zeichen, und zwischen den beiden ist eine unwiderrufliche geistige Verbindung geknüpft, die Eragon zu einem der legendären Drachenreiter macht.
Die Drachenreiter waren ein paar Tausend Jahre zuvor, nach dem großen Krieg der Elfen gegen die Drachen, aufgestellt worden, um dafür Sorge zu tragen, dass es zwischen den beiden Völkern nie wieder zu Feindseligkeiten kommen würde. Sie wurden zu Friedenswächtern, Erziehern, Heilern, Naturkundigen und zu mächtigen Zauberern – denn die Verbindung mit einem Drachen verlieh ihnen magische Kräfte. Als die ersten Menschen in Alagaësia auftauchten, wurden bald auch aus ihren Reihen Auserwählte zu Drachenreitern ausgebildet. Unter ihrem Schutz und ihrer Führung erlebte das Land ein goldenes Zeitalter des Friedens.
Dann jedoch töten die ungestalten und kriegerischen Urgals den Drachen eines jungen menschlichen Reiters namens Galbatorix. Halb wahnsinnig durch diesen Verlust und durch die Weigerung der Ältesten, ihm einen neuen Drachen zur Verfügung zu stellen, beschließt Galbatorix, die Drachenreiter zu stürzen.
Er stiehlt einen Drachen, Shruikan, zwingt ihn sich zu Diensten und versammelt eine Schar von dreizehn Verrätern um sich: die Abtrünnigen. Mithilfe dieser grausamen Anhänger wirft Galbatorix die Drachenreiter nieder, tötet ihren Anführer Vrael und erklärt sich zum neuen Herrscher über Alagaësia. Allerdings bleiben die Völker der Elfen und Zwerge in ihren geheimen Schlupfwinkeln eigenständig und im Süden Alagaësias gründet eine Gruppe von Menschen das unabhängige Surda. Jahrzehntelang herrschen Krieg und Verwüstung, hervorgerufen durch den Untergang der Drachenreiter, und auch der derzeitige Friede wird nur durch ein zerbrechliches Gleichgewicht der Kräfte aufrechterhalten.
In diese heikle politische Situation wird Eragon hineinkatapultiert. Er muss um sein Leben fürchten, denn es ist weithin bekannt, dass Galbatorix jeden Drachenreiter umbringt, der ihm nicht die Treue schwört – und so versteckt Eragon den Drachen vor seiner Familie und zieht ihn heimlich groß. Er gibt seinem Schützling den Namen Saphira, nach einem Drachen, den Brom, der Geschichtenerzähler des Dorfes, einmal erwähnt hatte. Bald darauf verlässt Roran den Hof, um in Therinsford Geld zu verdienen und dann endlich Katrina, die Tochter des Metzgers, heiraten zu können.
Saphira ist inzwischen größer geworden als Eragon, als zwei bedrohliche Fremdlinge, Ra’zac genannt, in Carvahall auftauchen und nach dem Drachenei suchen. Zutiefst verängstigt flüchtet Saphira mit Eragon in den Buckel. Er schafft es zwar, sie zur Rückkehr zu bewegen, aber in der Zwischenzeit haben die Ra’zac sein Zuhause dem Erdboden gleichgemacht. Gefoltert und schwer verwundet, liegt Eragons Onkel Garrow unter den Trümmern. Als er kurz darauf stirbt, schwört Eragon Rache. Er will die Ra’zac aufspüren und vernichten.
Als er aus dem Dorf schleicht, stellt sich ihm Brom in den Weg. Der alte Mann hat längst geahnt, dass er in Eragon einen neuen Drachenreiter vor sich hat, und bietet ihm seine Hilfe an. Denn Brom ist mehr als nur ein einfacher Geschichtenerzähler... Er beginnt, Eragon zu unterweisen. Neben den Grundbegriffen der Magie unterrichtet er ihn in der alten Sprache. Er erklärt ihm die Namen der Dinge und zeigt ihm, wie man sie für magische Zwecke nutzen kann. Es dauert nicht lange und Eragon kann Gegenstände allein mit der Kraft seines Geistes bewegen, Feinde mit Zauberei abwehren und Wunden heilen. Als er all dies gelernt hat, überreicht Brom ihm ein Schwert, das von den Elfen gefertigt wurde und einst einem Drachenreiter gehörte.
Die Spur der Ra’zac verliert sich bald, und so suchen sie in der Stadt Teirm Broms alten Freund Jeod auf, von dem sie sich Hilfe versprechen. In Teirm prophezeit die Kräuterhexe Angela Eragon, dass mächtige Kräfte darum kämpfen, sein Schicksal zu bestimmen. Außerdem sagt sie ihm voraus, dass er sich in eine Adelige verlieben und eines Tages für immer aus Alagaësia fortgehen werde und dass es in seiner eigenen Familie einen Verräter gebe.
Brom vertraut ihm schließlich an, dass er ein Agent der Varden sei, einer Rebellenschar, die es sich auf die Fahne geschrieben habe, Galbatorix zu stürzen – und dass er sich in Eragons Dorf versteckt gehalten habe, um auf die Ankunft eines neuen Drachenreiters zu warten. Er erzählt ihm auch, dass er einst zusammen mit Jeod Saphiras Ei aus den Fängen von Galbatorix gestohlen und dabei den Abtrünnigen Morzan getötet habe. Es existieren nur noch zwei weitere Dracheneier, die sich beide in Galbatorix’ Besitz befinden.
Eragon, Brom und Saphira ziehen zum Helgrind, wo sich der Unterschlupf der Ra’zac befindet. Die Gefährten geraten in einen Hinterhalt. Unverhofft kommt ihnen ein junger Krieger, Murtagh, zu Hilfe, der ebenfalls eine Rechnung mit den Ra’zac zu begleichen hat. Dennoch wird Brom tödlich verwundet. Mit seinen letzten Atemzügen eröffnet er Eragon, dass er selbst einmal ein Drachenreiter gewesen sei, der seinen Drachen verloren habe. Bevor er stirbt, nimmt Brom Eragon das Versprechen ab, Saphira mit seinem Leben zu beschützen.
Für Trauer bleibt keine Zeit. König Galbatorix weiß inzwischen, dass es einen neuen Drachenreiter gibt, und er wird alles tun, um Eragon in seine Gewalt zu bringen. Eragon und Murtagh beschließen, nach Gil’ead zu reiten, wo sie sich Informationen über die Varden erhoffen.
In Gil’ead wird Eragon gefangen genommen. Doch Murtagh und Saphira gelingt es, ihn und eine verletzte Mitgefangene, die Elfe Arya, zu befreien. Unterdessen ist das ganze Reich hinter ihnen her und Eragon weiß nur noch einen Ausweg: Sie müssen durch die große Hadarac-Wüste zum Beor-Gebirge gelangen, das außerhalb der Reichsgrenzen liegt.
Mühsam schleppen sie sich durch die Wüste. Murtagh, der nur widerwillig mit zu den Varden geht, sieht sich gezwungen, Eragon zu gestehen, dass er Morzans Sohn ist. Allerdings verurteilt er die Untaten seines Vaters und ist Galbatorix’ Herrschaft entflohen, um seinen eigenen Weg zu finden. Er zeigt Eragon eine lange Narbe am Rücken, die Morzan ihm zugefügt hatte, indem er sein Schwert Zar’roc nach ihm warf, als Murtagh noch ein Kind war. So erfährt Eragon, dass das Schwert in seinem Besitz einst Morzan gehörte, der die Drachenreiter an Galbatorix verriet und viele seiner ehemaligen Kameraden niedermetzelte.
Nach tagelangem Marsch erreichen sie endlich Farthen Dûr, den Stützpunkt der Rebellen, einen hohlen Berg von zehn Meilen Höhe und zehn Meilen Breite. Er beherbergt auch die Zwergenhauptstadt Tronjheim. Während Murtagh aufgrund seiner Abstammung gefangen genommen wird, erhält Eragon eine Audienz bei Ajihad, dem Anführer der Varden. Eragon wird auch Ajihads Tochter Nasuada und dem Zwergenkönig Hrothgar vorgestellt. Von den Zwillingen, zwei kahlköpfigen und ausgesprochen boshaften Magiern in Ajihads Diensten, wird er auf die Probe gestellt. Und Arya, die sich inzwischen wieder erholt hat, erzählt ihm schließlich ihre Geschichte: Brom brachte das Drachenei, das er Galbatorix entwendet hatte, nach Tronjheim. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen den Menschen und den Elfen, wer den nächsten Drachenreiter stellen solle. Schließlich beschloss man, dass das Ei ein Jahr lang bei den Elfen und im nächsten Jahr bei den Varden bleiben solle, damit gleichberechtigt in beiden Völkern nach einem neuen Drachenreiter gesucht werden könne. Arya habe sich mit dem Ei gerade auf dem Rückweg von Ellesméra nach Tronjheim befunden, als sie von Häschern des Königs angegriffen wurde, und kurzerhand das Ei durch Magie an den einzig sicheren Ort befördert, der ihr einfiel: in Broms Nähe, dessen Zufluchtsort sie kannte. Und so gelangte das Ei zu Eragon und Saphira erkannte ihren Reiter...
Nun, erklärt Vardenführer Ajihad, sei Eragon ihre Hoffnung, ein Symbol für Stärke und Macht und Magie. Er ermahnt den Jungen, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein. Er müsse nun entscheiden, ob er seinen vorbestimmten Weg weitergehen und hierfür seine Ausbildung bei den Elfen vollenden wolle.
In diese Situation platzt die Nachricht, eine Armee Urgals nähere sich Farthen Dûr durch die Zwergentunnel. In der darauf folgenden Schlacht wird Eragon von Saphira getrennt und muss allein gegen den Schatten Durza, Galbatorix’ rechte Hand, kämpfen. Weitaus stärker als jeder Mensch, überwältigt Durza Eragon mit Leichtigkeit und schlitzt ihm den Rücken auf. Da sprengen Saphira und Arya das Dach der zentralen Kammer – einen sechzig Fuß breiten Sternsaphir – und lenken Durza damit gerade lange genug ab, dass Eragon ihm das Herz durchbohren kann. Von Durzas finsterem Einfluss befreit, lassen sich die Urgals in die Tunnel zurücktreiben. Eragon fällt in tiefe Bewusstlosigkeit.
Da nimmt ein Wesen telepathisch Kontakt mit ihm auf, das sich selbst als Togira Ikonoka, der unversehrte Krüppel, bezeichnet. Er bietet Eragon Antworten auf all seine Fragen und drängt ihn, zu den Elfen nach Ellesméra zu kommen, um von ihm zu lernen.
Als Eragon aus der Bewusstlosigkeit erwacht, stellt er fest, dass ihm trotz Angelas Heilkunst eine riesige Narbe am Rücken geblieben ist – genau wie Murtagh. Mit Bestürzung wird ihm klar, dass er Durza nur durch reines Glück besiegt hat und dringend seine Fertigkeiten vervollkommnen muss, wenn er den nächsten Kampf gegen die finsteren Mächte überleben und seinem Vermächtnis gerecht werden will.
 
Der Auftrag des Ältesten setzt drei Tage nach Eragons Sieg über Durza ein. Die Varden erholen sich von den Strapazen der Schlacht um Farthen Dûr, während Ajihad, Murtagh und die Zwillinge Jagd auf die Urgals machen, die nach dem Kampf in die Zwergentunnel geflohen sind. Bei dem Überraschungsangriff einer Gruppe Urgals stirbt Ajihad. Murtagh und die Zwillinge verschwinden spurlos. Der Ältestenrat der Varden ernennt Nasuada zur Nachfolgerin ihres Vaters und zur neuen Anführerin der Rebellen. Eragon leistet Nasuada einen Treueschwur und ist fortan ihr Vasall.
Eragon und Saphira beschließen, dass es an der Zeit ist, nach Ellesméra zu gehen, um ihre Ausbildung bei dem unversehrten Krüppel zu beginnen. Vor ihrer Abreise bietet Zwergenkönig Hrothgar Eragon an, ihn in den Clan der Ingietum und in seine Familie aufzunehmen. Eragon akzeptiert, was ihn zum vollwertigen Clanmitglied macht und ihm das Recht gibt, an den Versammlungen der Zwerge teilzunehmen.
Arya und Orik, Hrothgars Stiefsohn, begleiten Eragon und Saphira auf ihrer Reise ins Land der Elfen. Unterwegs machen sie Halt in der Zwergenstadt Tarnag. Die meisten Bewohner sind den Besuchern wohlgesinnt, doch Eragon muss bald erfahren, dass ein Clan ihn und Saphira aus der Stadt vertreiben will. Es sind die Az Sweldn rak Anhûin, die alle Reiter und Drachen hassen, seit Galbatorix und seine Abtrünnigen so viele ihres Clans getötet haben.
Schließlich erreichen die Gefährten Du Weldenvarden, den Elfenwald, und bald darauf die Stadt Ellesméra. Hier begegnen Eragon und Saphira der Elfenkönigin Islanzadi, die, wie sie erfahren, Aryas Mutter ist. Islanzadi führt sie zu Oromis, dem unversehrten Krüppel, ihrem uralten elfischen Lehrmeister. Auch er ist ein Reiter. Oromis und sein Drache Glaedr haben ihre Existenz die letzten hundert Jahre vor Galbatorix geheim gehalten, während sie nach einem Weg suchten, den Tyrannen zu stürzen.
Aufgrund alter Verletzungen können Oromis und sein Drache nicht selbst gegen Galbatorix in den Kampf ziehen – Glaedr fehlt ein Bein, und Oromis, der von den Abtrünnigen gebrochen wurde, ist nicht fähig, größere Mengen an Magie zu kontrollieren. Er erleidet immer wieder schwächende Anfälle.
Eragon und Saphira beginnen mit ihrer Ausbildung sowohl gemeinsam als auch getrennt. Eragon lernt mehr über die Geschichte der Völker Alagaësias, über den Schwertkampf und über den Gebrauch der alten Sprache, die alle Magier benutzen. Zu seiner Bestürzung entdeckt er während seines Studiums der alten Sprache, dass ihm ein furchtbarer Fehler unterlaufen ist, als er gemeinsam mit Saphira das kleine Waisenmädchen in Farthen Dûr segnete. Weil er bei seinem Zauber ein falsches Wort benutzte, hat Eragon die Kleine nicht vor Unheil bewahrt, sondern sie dazu verdammt, das Leid der sie umgebenden Menschen zu spüren und um jeden Preis zu versuchen, sie davor zu beschützen. Eragon schwört, alles zu tun, um dem Mädchen zu helfen.
Saphira macht große Fortschritte bei ihren Lektionen mit Glaedr, aber Eragon wird durch die Verwundung, die er in seinem Kampf gegen Durza erlitten hat, immer wieder zurückgeworfen. Eragon fühlt sich durch die Narbe an seinem Rücken nicht nur entstellt, sie löst auch regelmäßig schmerzhafte Anfälle aus, die ihn stundenlang außer Gefecht setzen. Er weiß nicht, wie er sich unter diesen Umständen als Magier und Schwertkämpfer verbessern soll.
Während seines Aufenthalts bei den Elfen wird sich Eragon seiner Gefühle für Arya bewusst und gesteht ihr seine Liebe, aber die Elfe weist ihn ab und kehrt wenig später zu den Varden zurück.
Kurz darauf feiern die Elfen die elfische Blutschwur-Zeremonie, den Agaetí Blödhren, bei der Eragon eine magische Verwandlung erlebt: Fortan ist er halb Mensch, halb Elf, die riesige Rückennarbe ist verschwunden und er besitzt nun die gleichen übermenschlichen Kräfte wie die Elfen. Auch sein Aussehen erinnert jetzt an sie.
In dieser Situation erfährt Eragon, dass die Varden kurz vor der entscheidenden Schlacht gegen das Imperium stehen und dringend seine und Saphiras Hilfe benötigen. Während seiner Abwesenheit hat Nasuada ihr Volk von Farthen Dûr nach Surda geführt, das Land an Alagaësias Südgrenze, das sich die Unabhängigkeit von Galbatorix bewahrt hat.
Nachdem sie Oromis und Glaedr versprochen haben, so schnell wie möglich zurückzukehren und ihre Ausbildung zu vollenden, verlassen Eragon und Saphira gemeinsam mit Orik Ellesméra.
In der Zwischenzeit erlebt Eragons Cousin Roran seine eigenen Abenteuer. Galbatorix hat die Ra’zac und einen Soldatentrupp nach Carvahall entsandt. Sie sollen Roran entführen, damit der Tyrann ihn als Druckmittel gegen Eragon einsetzen kann. Doch Roran kann zunächst in die nahen Berge fliehen. Dann versuchen er und die anderen Dorfbewohner, die Soldaten zu verjagen. Dabei sterben mehrere Dörfler. Als der Metzger Sloan – der ihn hasst und gegen Rorans Verlobung mit seiner Tochter Katrina ist – ihn an die Ra’zac verrät, überfallen ihn die Finsterlinge mitten in der Nacht im Schlafzimmer. Roran schlägt die Angreifer in die Flucht, doch es gelingt ihnen, Katrina zu verschleppen.
Roran überzeugt die Menschen von Carvahall, ihr Dorf zu verlassen und sich mit ihm zu den Varden nach Surda durchzuschlagen. Sie ziehen westwärts über den Buckel zur Küste, in der Hoffnung, von dort nach Süden weitersegeln zu können. Es sind entbehrungsreiche Wochen, in denen sich Roran als ausgezeichneter Anführer erweist. In der Hafenstadt Teirm begegnet er Jeod, der ihm eröffnet, dass Eragon ein Drachenreiter ist. Außerdem erklärt er ihm, warum die Ra’zac ursprünglich nach Carvahall gekommen waren: wegen Saphira. Jeod bietet Roran und den Dorfbewohnern an, ihnen zu helfen, nach Surda zu gelangen. Sobald sie sicher bei den Varden angekommen seien, erklärt ihm Jeod weiter, könne Roran seinen Cousin um Hilfe bei der Befreiung Katrinas bitten. Und so kapern Roran, Jeod und die Dorfbewohner ein Schiff und machen sich auf den langen Weg zur Südküste.
Eragon und Saphira treffen bei den Varden ein, die sich auf die Schlacht gegen Galbatorix’ Truppen vorbereiten. Nun erfährt der junge Drachenreiter auch, was aus dem von ihm gesegneten Mädchen geworden ist: Sein Name lautet Elva, und obwohl die Kleine eigentlich noch ein Säugling ist, hat sie das Aussehen einer Vierjährigen und spricht und verhält sich wie eine des Lebens überdrüssige Erwachsene. Sie leidet furchtbar unter Eragons Segen, der ihr zum Fluch wurde.
Dann bricht der Kampf auf den Brennenden Steppen los. Seite an Seite mit den Varden stürmen Eragon und Saphira den Imperiumstruppen entgegen. Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen taucht auf der Seite des Feindes ein Reiter auf seinem roten Drachen auf. Der Unbekannte tötet den Zwergenkönig Hrothgar und es kommt zum Zweikampf zwischen den beiden Drachenreitern. Als es Eragon gelingt, seinem Gegner den Helm vom Kopf zu reißen, blickt er zu seinem Entsetzen in Murtaghs Gesicht.
Murtagh, so stellt sich heraus, wurde bei dem Hinterhalt in den Zwergentunneln unter Farthen Dûr nicht getötet. Der Überfall durch die Urgals war von den Zwillingen arrangiert worden, um Ajihad zu ermorden und Murtagh gefangen zu nehmen und ihn zu Galbatorix zu bringen. Der Tyrann zwang ihn und seinen frisch geschlüpften Drachen Dorn, ihm in der alten Sprache Treue zu geloben, und machte sie damit zu seinen willenlosen Sklaven. Eragon fleht Murtagh an, sich von Galbatorix loszusagen und sich den Varden anzuschließen, doch gegen den Schwur, den er und sein Drache geleistet haben, ist der neue Reiter machtlos.
Mit seinen außerordentlichen Kräften gelingt es Murtagh, Eragon und Saphira zu überwältigen. Aufgrund ihrer einstigen Freundschaft lässt er die beiden jedoch ziehen. Bevor er davonfliegt, nimmt er Eragon sein Schwert Zar’roc ab. Als ältester Sohn Morzans hält er sich für den rechtmäßigen Erben der Waffe. Beim Abschied eröffnet er Eragon, dass er – Murtagh – nicht der einzige Sohn des abtrünnigen Drachenreiters ist: Eragon und er sind Brüder, beide geboren von Selena, der Geliebten Morzans. Herausgefunden haben dies die Zwillinge, als sie bei Eragons Ankunft in Farthen Dûr sein Gedächtnis untersuchten.
Die Wahrheit über seine Herkunft bestürzt Eragon. Trost spendet ihm in dieser schweren Stunde nur das Wiedersehen mit Roran und den Bewohnern Carvahalls. Diese waren gerade rechtzeitig auf den Brennenden Steppen eingetroffen, um den Varden in der Schlacht beizustehen. Roran kämpfte heldenhaft, und es gelingt ihm sogar, die verräterischen Zwillinge zu töten. Nun will er seinen Frieden mit Eragon machen. Er verzeiht seinem Cousin die Rolle, die er bei Garrows Tod gespielt hat, und bittet ihn um Hilfe. Eragon verspricht, alles daranzusetzen, Rorans geliebte Katrina aus den Klauen der Ra’zac zu befreien.

DIE PFORTEN DES TODES
Eragon starrte auf den düsteren Granitberg. Dort versteckten sich die Ungeheuer, die seinen Onkel Garrow umgebracht hatten.
Er lag auf dem Bauch, hinter der Kuppe eines Sandhügels, der mit spärlichen Grashalmen, Dornenbüschen und kleinen rosenknospenartigen Kakteen gesprenkelt war. Die Stängel, die nach der letztjährigen Blüte vertrocknet waren, stachen ihm in die Handflächen, als er ein Stück vorwärtsrobbte, um eine bessere Sicht auf den Helgrind zu haben. Das Ungetüm überragte die Landschaft wie ein aus dem Erdinneren herausgestoßener schwarzer Dolch.
Die Abendsonne überzog die niedrigen Berge mit langen Schattenstreifen und spiegelte sich – weit im Westen – auf der Oberfläche des Leona-Sees, der dadurch wie ein schillernder Goldbarren wirkte.
Links von sich vernahm Eragon die gleichmäßigen Atemzüge seines Cousins Roran. Das normalerweise kaum wahrnehmbare Strömen der Luft schien Eragon aufgrund seines geschärften Gehörs übernatürlich laut. Eine der vielen Veränderungen, die während des Agaetí Blödhren, der elfischen Blutschwur-Zeremonie, über ihn gekommen waren.
Im Moment schenkte er dem keine große Beachtung. Er beobachtete die Menschenkolonne, die sich auf den Fuß des Helgrind zubewegte. Anscheinend kamen die Leute aus der nur wenige Meilen entfernten Stadt Dras-Leona. Die Spitze wurde von einer Gruppe von vierundzwanzig Frauen und Männern gebildet, die schwere lederne Umhänge trugen und sich merkwürdig bewegten: Sie hinkten und schlurften, humpelten oder robbten über den Boden, sie schwangen sich auf Krücken vorwärts oder zogen sich mit rudernden Armbewegungen auf seltsam kurzen Beinen voran, denn jedem der vierundzwanzig fehlte ein Arm oder ein Bein oder beides.
Ihr Anführer thronte aufrecht in einer Sänfte, die von sechs eingeölten Sklaven getragen wurde. Eragon fand die Körperhaltung überaus bemerkenswert, denn der Mann oder die Frau – er konnte nicht erkennen, was es war – bestand nur aus einem Rumpf und dem Kopf, auf dem eine hohe verzierte Lederhaube saß.
»Die Priester des Helgrind«, raunte er Roran zu.
»Beherrschen sie Magie?«
»Wahrscheinlich. Ich traue mich nicht, den Helgrind mit meinem Geist zu erkunden, bis sie verschwunden sind. Denn falls tatsächlich Magier unter ihnen sind, werden sie die Berührung bemerken, wie leicht sie auch ist, und dann wissen sie, dass wir hier sind.«
Hinter den Priestern marschierte eine Zweierreihe junger, in goldene Gewänder gehüllter Männer. Jeder von ihnen trug einen rechteckigen Metallrahmen mit zwölf Querstreben, an denen kohlkopfgroße Eisenglocken hingen. Die Hälfte der Männer schüttelte die Gestelle, wenn sie mit dem rechten Fuß einen Schritt machten, worauf sich eine wehklagende Kakofonie von Tönen erhob. Die andere Hälfte tat das Gleiche bei jedem Schritt mit dem linken Fuß. So schallte ein einziges klagendes Geläute über die umliegenden Hügel, wenn die eisernen Zungen gegen die eisernen Kehlen stießen; begleitet vom ekstatischen Geschrei und Gestöhne der Messdiener.
Die Nachhut der merkwürdigen Prozession bildete ein Kometenschweif von Einwohnern aus Dras-Leona: Adlige, Kaufleute, Händler, mehrere hochrangige Befehlshaber der Armee sowie eine bunte Mischung aus weniger vom Glück Verwöhnten, wie Arbeiter, Bettler und gemeine Fußsoldaten.
Eragon fragte sich, ob auch der Stadtherr von Dras-Leona, Marcus Tábor, darunter war.
Am Rand des Geröllfelds, das den Helgrind umgab, blieben die Priester stehen und versammelten sich um einen rostfarbenen Felsblock mit glatt polierter Oberfläche. Als schließlich die ganze Kolonne bewegungslos vor dem groben Altar verharrte, regte sich das Wesen auf der Sänfte und stimmte einen Sprechgesang an, der genauso grässlich klang wie das Glockengeläut. Der Vortrag des Schamanen wurde immer wieder von heftigen Windböen weggetragen, doch Eragon schnappte Wortfetzen in der alten Sprache auf. Sie war jedoch völlig verdreht, falsch ausgesprochen und angereichert mit Zwergen- und Urgalausdrücken, verbunden durch einen archaischen Dialekt der Menschen. Was er verstand, ließ ihn schaudern. Die Predigt handelte von Dingen, die besser unausgesprochen blieben: von verzehrendem Hass, der jahrhundertelang in den dunklen Tiefen der Menschen geschwelt hatte, bevor er in Abwesenheit der Drachenreiter erblühte; von Blut und Wahnsinn und von abartigen Ritualen, vollzogen unter einem schwarzen Mond.
Am Ende der lästerlichen Predigt eilten zwei Priester herbei, hoben ihren Meister – oder ihre Meisterin – aus der Sänfte und setzten ihn auf den steinernen Altar. Dann gab der Hohepriester einen knappen Befehl. Zwei stählerne Klingen funkelten wie Sterne, als sie in die Höhe schnellten und wieder herabsausten. Rinnsale aus Blut quollen dem Hohepriester aus den Schultern, flossen den ledergewandeten Rumpf hinab und sammelten sich auf dem Felsen, bis das Blut über den Rand lief.
Zwei andere Priester sprangen hinzu und fingen den karmesinroten Strom in Kelchen auf. Sobald diese randvoll waren, wurden sie den Anwesenden gereicht, die begierig daraus tranken.
»Uaah!«, sagte Roran leise. »Du hast vergessen zu erwähnen, dass diese kranken, widerwärtigen, völlig hirnlosen Anbeter von was auch immer Kannibalen sind.«
»Nicht ganz. Das Fleisch rühren sie nicht an.«
Nachdem alle Anwesenden ihre Kehlen benetzt hatten, setzten die unterwürfigen Novizen den Hohepriester zurück in die Sänfte und legten ihm an den Schultern weiße Leinenverbände an. Augenblicke später verfärbten feuchte Flecken den jungfräulichen Stoff.
Die Verletzungen schienen dem Hohepriester nichts auszumachen. Er wandte den gliederlosen Körper seinen Anhängern zu und sprach: »Jetzt seid ihr wahrhaftig meine Brüder und Schwestern, denn hier, im Schatten des allmächtigen Helgrind, habt ihr vom Saft meiner Adern gekostet. Auf immer sind wir nun durch das Blut verbunden. Und wenn diese Gemeinschaft Hilfe benötigt, so steht unserer Kirche bei und auch jedem anderen, der die Macht und Herrlichkeit unseres Schreckensgottes anerkennt... Um dem heiligen Triumvirat unsere ewige Treue zu geloben, sprecht mit mir die Neun Schwüre... Bei Gorm, Ilda und Fell Angvara geloben wir, ihnen mindestens dreimal im Monat in der Stunde vor Sonnenuntergang zu huldigen und ein Opfer von uns selbst darzubringen, um den ewigen Hunger unseres Schreckensgottes zu stillen... Wir geloben, die Regeln zu befolgen, so wie sie im Buch des Tosk geschrieben stehen... Wir geloben, immer unseren Bregnir am Leib zu tragen, uns vor den Zwölfen der Zwölf zu hüten und uns von vielknotigen Seilen fernzuhalten, damit...«
Der plötzlich auffrischende Wind trug den Rest der hohepriesterlichen Litanei mit sich davon. Dann sah Eragon, wie die Zuhörer ein kleines gebogenes Messer hervorzogen, sich damit in die Armbeuge ritzten und den Altar mit ihrem Blut einrieben.
Einige Minuten später legte sich der störende Wind und Eragon verstand den Priester wieder: »... und als Belohnung für euren Gehorsam wird euch all das gewährt werden, wonach es euch verlangt und gelüstet... Damit endet unsere Messe. Sollte es jedoch unter euch einen geben, der tapfer genug ist, uns die wahre Tiefe seines Glaubens zu demonstrieren, dann soll er nun vortreten!«
Die Zuschauer schraken zusammen und blickten sich gespannt um; dies war offenbar, worauf sie gewartet hatten.
Eine ganze Weile schien es, als würden sie enttäuscht werden. Aber dann trat einer der Messdiener vor und rief: »Ich tue es!«
Mit einem freudigen Aufschrei begannen seine Brüder, wild die Glocken zu läuten, und peitschten damit die Zuschauer derart auf, dass sie wie von Sinnen herumsprangen und brüllten. Die rohe Musik entzündete einen Funken der Erregung in Eragons Herzen – trotz seines Abscheus – und weckte einen primitiven animalischen Teil in ihm zum Leben.
Nachdem er sein goldenes Gewand abgestreift hatte, unter dem er nichts trug außer einem ledernen Lendenschurz, sprang der dunkelhaarige Jüngling auf den Altar. Neben seinen Füßen spritzte das Blut auf. Er wandte sich zum Helgrind. Im Rhythmus der Eisenglocken zitterte und bebte er wie unter einem Anfall von schweren Krämpfen. Der Kopf schleuderte wild herum, Schaum sammelte sich in seinen Mundwinkeln, die Arme wedelten wie Schlangen. Schweiß rann ihm über den nackten Leib, bis er im schwindenden Licht glänzte wie eine Bronzestatue.
Bald erreichte das Läuten ein rasendes Tempo und die Töne verschmolzen miteinander. Das war der Moment, als der Jüngling eine offene Hand hinter sich streckte, in die ein Priester den Knauf einer bizarren Waffe gleiten ließ: einschneidig, zweieinhalb Fuß lang mit einem geschuppten Heft, kurzer Parierstange und einer flachen Klinge, die sich zur Spitze hin verbreiterte und einen leichten Wellenschliff aufwies; sie erinnerte entfernt an eine Drachenschwinge. Es war ein Werkzeug, das nur zu einem einzigen Zweck geschaffen worden war: um durch Rüstungen, Knochen und Sehnen so leicht zu schneiden wie durch einen prall gefüllten Wasserschlauch.
Der junge Mann hob die Waffe und zeigte damit auf den höchsten Gipfel des Helgrind. Dann sank er auf ein Knie nieder und ließ die Klinge mit einem irren Schrei auf sein rechtes Handgelenk herabschnellen.
Blut bespritzte die Steine hinter dem Altar.
Eragon zuckte zusammen und wendete sich ab, konnte den gellenden Schreien des Jünglings jedoch nicht entfliehen. Nicht dass Eragon Ähnliches nicht schon im Kampf gesehen hätte, aber es schien falsch zu sein, sich freiwillig zu verstümmeln, wo doch das Leben jeden Tag genug Gefahren für einen bereithielt.
Grashalme raschelten, als Roran sein Gewicht verlagerte. Er stieß einen leisen Fluch aus, der in seinem Bart verhallte, dann verfiel er wieder in Schweigen.
Während ein Priester die Wunde des jungen Mannes versorgte – er stillte die Blutung mit einem Zauber -, winkte ein Messdiener zwei Sklaven von der Sänfte des Hohepriesters heran und legte ihre Fußknöchel in Eisenschellen, die am Altar befestigt waren. Dann zogen alle Messdiener zahlreiche kleine Päckchen unter den Gewändern hervor und stapelten sie auf dem Boden, außerhalb der Reichweite der beiden Sklaven.
Damit endete die Zeremonie. Die Priester und ihr Gefolge verließen den Helgrind in Richtung Dras-Leona, sangen den ganzen Weg über und läuteten ihre Glocken. Der nun einhändige Eiferer folgte gleich hinter dem Hohepriester. Ein seliges Lächeln lag auf seinem Gesicht.
 
»Also«, sagte Eragon und stieß den angehaltenen Atem aus, als die Prozession hinter einem Hügel verschwand.
»Was also?«
»Ich habe lange Zeit bei Zwergen und Elfen verbracht, aber nie habe ich so etwas Absonderliches erlebt wie das, was diese Leute, diese Menschen, tun.«
»Sie sind so grausam wie die Ra’zac.« Mit dem Kinn deutete Roran auf den Helgrind. »Kannst du jetzt herausfinden, ob Katrina in dem Berg steckt?«
»Ich versuche es. Aber halte dich bereit, auf der Stelle zu fliehen.«
Eragon schloss die Augen und schickte nach und nach seinen Geist aus, ließ ihn von einem lebendigen Wesen zum nächsten wandern wie Wasser, das durch Sand sickert. Er berührte geschäftig wimmelnde Insektenstaaten, zwischen warmen Steinen verborgene Echsen und Schlangen sowie verschiedene Gattungen von Singvögeln und zahllose kleine Säugetiere. Eifrig bereiteten sich Insekten und Tiere auf die schnell herannahende Nacht vor, indem sie sich in ihre diversen Höhlen zurückzogen oder – dies galt für die nachtaktiven Geschöpfe – gähnten, sich streckten oder sonstwie anschickten, auf Jagd und Futtersuche zu gehen.
Eragons Fähigkeit, das Bewusstsein anderer Lebewesen zu berühren, nahm mit zunehmender Entfernung ab wie seine anderen Sinne auch. Als seine geistige Erkundungstour den Fuß des Helgrind erreichte, konnte er nur noch die größten Tiere wahrnehmen, und selbst die nur schwach.
Er ging mit allergrößter Behutsamkeit vor, stets darauf gefasst, sich in Sekundenschnelle zurückziehen zu müssen, falls er auf den Geist der Gesuchten stieß: den der Ra’zac und der Lethrblaka – der gigantischen Flugrösser, die gleichzeitig die Eltern der Finsterlinge waren. Eragon war nur deshalb bereit, sich auf diese Weise zu zeigen, da die Gattung der Ra’zac nicht über Magie verfügte und er nicht glaubte, dass sie Geistbrecher waren: Nicht-Magier, die mithilfe von Telepathie kämpfen konnten. Die Ra’zac und ihre Rösser brauchten nicht zu einer solchen List zu greifen, wo doch allein der Hauch ihres Atems den stärksten Mann betäuben konnte.
Obwohl Eragon riskierte, durch seine Nachforschungen entdeckt zu werden, mussten er, Roran und Saphira unbedingt herausfinden, ob die Monster Katrina – Rorans Verlobte – im Helgrind gefangen hielten. Davon hing nämlich ab, ob es sich bei ihrer Mission um eine Befreiungsaktion handeln würde oder ob sie einen Ra’zac schnappen und verhören mussten.
Eragon suchte lange und intensiv. Als er in seinen Körper zurückkehrte, starrte Roran ihn an wie ein hungriger Wolf. In seinen grauen Augen brannte eine Mischung aus Wut, Hoffnung und Verzweiflung. Diese Gefühle waren so stark, dass es schien, als würden sie jeden Moment aus ihm herausbrechen, alles um ihn herum in Brand setzen und selbst die Steine zum Schmelzen bringen.
Eragon verstand ihn.
Katrinas Vater, der Metzger Sloan, hatte Roran an die Ra’zac verraten. Als es den Ungeheuern nicht gelang, ihn gefangen zu nehmen, hatten sie stattdessen Katrina aus Rorans Zimmer entführt, sie aus dem Palancar-Tal verschleppt und es König Galbatorix’ Soldaten überlassen, Carvahalls Bewohner umzubringen oder zu versklaven. Da er Katrina nicht folgen konnte, hatte Roran die Dörfler – gerade noch rechtzeitig – davon überzeugt, ihre Heimat zu verlassen und ihm zu folgen; erst über den Buckel und danach an Alagaësias Küste entlang nach Süden. Dort hatten sie sich den rebellischen Varden angeschlossen. Sie hatten viele schreckliche Mühen und Entbehrungen auf ihrem Weg ertragen müssen. Aber wie verschlungen dieser auch gewesen war, er hatte Roran zu Eragon geführt, der den Unterschlupf der Ra’zac kannte und seinem Cousin versprochen hatte, ihm dabei zu helfen, Katrina zu befreien.
Roran war nur deshalb erfolgreich gewesen, weil seine Leidenschaft ihn zu Extremen trieb, vor denen andere zurückschreckten. So war es ihm gelungen, seine Gegenspieler zu überraschen, wie er später einmal erklärte.
Das gleiche Feuer brannte auch in Eragon.
Wenn jemand in Gefahr schwebte, der ihm wichtig war, trotzte er allen Gefahren ohne Rücksicht auf sein persönliches Wohlergehen. Er liebte Roran wie einen Bruder, und seit Roran sich mit Katrina verlobt hatte, gehörte auch sie für Eragon zur Familie. Diese Einstellung schien wichtiger denn je zu sein, da Eragon und Roran die Letzten ihres Geschlechts waren. Denn nachdem Eragon jede Verbindung zu seinem leiblichen Bruder Murtagh gelöst hatte, gab es nur noch sie beide und nun auch Katrina.
Edle verwandtschaftliche Gefühle waren jedoch nicht das Einzige, was die beiden Krieger – den sterblichen Mann wie den Drachenreiter – antrieb. Sie waren von einem weiteren Ziel besessen: Rache! Ebenso wie sie Katrina aus der Gewalt der Ra’zac zu befreien hofften, dürstete es die beiden danach, König Galbatorix’ abscheuliche Schergen zu töten. Denn sie hatten Rorans Vater Garrow, der auch für Eragon wie ein Vater gewesen war, gefoltert und umgebracht.
Deshalb waren die Informationen, die Eragon gesammelt hatte, für ihn genauso wichtig wie für Roran.
»Ich glaube, ich habe sie gespürt«, sagte er. »Ich bin mir nicht ganz sicher, denn wir sind ein gutes Stück vom Helgrind entfernt und ich habe ihren Geist noch nie zuvor berührt. Aber ich glaube, sie steckt in dem einsamen Gipfel, irgendwo ganz oben.«
»Ist sie krank? Ist sie verletzt? Komm schon, Eragon, spuck’s aus: Haben sie ihr etwas angetan?«
»Im Moment hat sie keine Schmerzen. Mehr als das vermag ich nicht zu sagen, denn es hat mich all meine Kraft gekostet, ihr Bewusstsein überhaupt wahrzunehmen; mit ihr kommunizieren konnte ich nicht.« Allerdings behielt Eragon für sich, dass er noch eine zweite Person gespürt hatte, jemanden, dessen Identität er erahnte und dessen Gegenwart, falls sie sich bestätigen sollte, ihn in höchstem Maße beunruhigte. »Aber ich habe weder die Ra’zac noch ihre Flugrösser entdeckt. Selbst wenn ich die Ra’zac irgendwie übersehen habe, sind ihre Eltern doch so riesig, dass ihre Lebenskraft lodern sollte wie ein Steppenbrand, so wie bei Saphira auch. Außer Katrina und einigen wenigen anderen trüben Lichtpunkten ist der Helgrind schwarz, schwärzer als schwarz.«
Roran schaute finster drein, ballte die linke Hand zur Faust und starrte auf den Granitberg. Purpurne Schatten umhüllten die schroffen Gipfel und ließen sie allmählich in der Dämmerung verschwinden. Mit tonloser Stimme, als rede er mit sich selbst, sagte Roran: »Es spielt keine Rolle, ob du richtigliegst oder nicht.«
»Wieso?«
»Heute Nacht können wir ohnehin keinen Angriff wagen; nachts sind die Ra’zac am stärksten. Es wäre töricht, gegen sie zu kämpfen, wenn wir im Nachteil sind. Richtig?«
»Ja.«
»Dann warten wir bis zum Morgengrauen.« Roran deutete auf die Sklaven, die an den blutbesudelten Altar gekettet waren. »Sollten die armen Kerle bis dahin verschwunden sein, wissen wir, dass die Ra’zac zurückgekommen sind, und gehen vor wie geplant. Falls nicht, verfluchen wir unser Pech, dass sie uns entwischen, befreien die Sklaven, retten Katrina und fliegen mit ihr zurück zu den Varden, bevor Murtagh Jagd auf uns macht. Allerdings bezweifle ich, dass die Ra’zac Katrina lange unbeaufsichtigt lassen; nicht wenn Galbatorix sie lebend will, um sie als Druckmittel gegen mich zu benutzen.«
Eragon nickte. Am liebsten hätte er die Sklaven sofort befreit, aber das würde ihren Feinden verraten, dass etwas nicht stimmte. Auch wenn die Ra’zac kamen, um ihre Mahlzeit zu holen, konnten er und Saphira nicht einschreiten. Ein Kampf in offenem Gelände zwischen einem Drachen und Geschöpfen wie den Lethrblaka würde im Umkreis von mehreren Meilen die Aufmerksamkeit jeden Mannes, jeder Frau und jeden Kindes erregen. Und Eragon glaubte nicht, dass er, Saphira oder Roran es überleben würden, falls Galbatorix erfuhr, dass sie sich ganz allein in seinem Imperium aufhielten.
Er wandte den Blick von den gefesselten Männern ab. Um ihretwillen hoffe ich, dass sich die Ra’zac am anderen Ende von Alagaësia befinden oder dass sie zumindest heute Nacht keinen Hunger haben.
In stummer Übereinkunft robbten Eragon und Roran rückwärts von dem Sandhügel, hinter dem sie sich versteckt hatten. Dann wandten sie sich nach Süden und rannten geduckt zwischen zwei Hügelketten hindurch. Die Senke ging allmählich in eine enge, durch einen längst versiegten Wasserlauf entstandene Schlucht über, deren Ränder gebrochene Schieferplatten säumten.
Während er den knorrigen Wacholderbäumen in der Schlucht auswich, sah Eragon kurz auf und erblickte zwischen dem Nadelwerk die ersten Sternbilder am samtenen Abendhimmel. Sie wirkten kalt und klar, wie schillernde Eiskristalle. Dann konzentrierte er sich wieder darauf, nicht zu stolpern, während er und Roran zu ihrem Lagerplatz eilten.

AM LAGERFEUER
Das heruntergebrannte Feuer pulsierte wie das Herz eines riesigen Tieres. Gelegentlich lösten sich goldene Funken, die über das Holz hinwegrasten, bevor sie in einem weiß glühenden Spalt verschwanden.
Die glimmenden Reste des Feuers, das Eragon und Roran geschürt hatten, warfen einen schwachen rötlichen Schein auf die Umgebung. Er ließ einen Streifen steiniger Erde erkennen, einige pulvergraue Sträucher, die schattigen Umrisse eines etwas abseitsstehenden Wacholderbaums und dann nichts mehr.
Eragon hatte seine nackten Füße dem rubinroten Glutnest entgegengestreckt und genoss die Wärme. Mit dem Rücken lehnte er an den knorrigen Schuppen von Saphiras breitem rechten Vorderbein. Roran saß ihm gegenüber auf der eisenharten, sonnengebleichten, vom Wind abgewetzten Rinde eines uralten Baumstumpfs. Wenn Roran sich bewegte, gab der Stumpf jedes Mal ein klagendes Ächzen von sich, bei dem Eragon sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte.
Im Augenblick jedoch herrschte Stille. Selbst das Holz schwelte lautlos. Roran hatte nur längst abgestorbene, völlig trockene Äste gesammelt, damit das Feuer nicht rauchte, was feindliche Späher vielleicht bemerkt hätten.
Eragon war gerade damit fertig, Saphira die Ereignisse des Tages zu schildern. Normalerweise brauchte er ihr nicht zu erzählen, was er erlebt hatte, da alle Gedanken, Empfindungen und Sinneseindrücke zwischen ihnen hin und her flossen wie Wasser von einem Seeufer zum anderen. Dieses Mal war es nötig, denn Eragon hatte seinen Geist auf ihrer Erkundungstour sorgfältig abgeschirmt. Nur bei seinem Vorstoß in den Unterschlupf der Ra’zac war er ungeschützt gewesen.
Nach einer längeren Gesprächspause gähnte Saphira und entblößte ihre furchterregenden Reißzähne. Sie mögen grausam und bösartig sein, aber mich beeindruckt, dass die Ra’zac ihre Opfer derart behexen können, dass sie gefressen werden wollen. So gesehen sind sie große Jäger... Vielleicht sollte ich das irgendwann auch mal versuchen.
Aber nicht mit Menschen, sah Eragon sich genötigt hinzuzufügen. Versuch es stattdessen mit einem Schaf.
Menschen, Schafe: Welchen Unterschied macht das schon für einen Drachen? Dann stieß sie tief aus ihrer Kehle ein polterndes Lachen aus, das Eragon an Donner erinnerte.
Er beugte sich vor, um sein Gewicht von Saphiras scharfkantigen Schuppen zu nehmen, und griff nach dem Rotdornstab, der neben ihm auf dem Boden lag. Er rollte ihn zwischen den Handflächen und bewunderte das Spiel des Lichts auf dem polierten Wurzelknauf und der am Stabende aufgesetzten, stark zerkratzten Eisenspitze.
Roran hatte ihm den Stab in die Hand gedrückt, bevor sie die Varden auf den Brennenden Steppen verlassen hatten, und gesagt: »Hier! Den hat Fisk mir gemacht, nachdem der Ra’zac mir in die Schulter gebissen hatte. Ich weiß, du hast dein Schwert verloren, und ich dachte, du könntest ihn brauchen... Falls du dir ein neues Schwert zulegen willst, ist das auch in Ordnung. Aber ich habe festgestellt, dass es kaum einen Kampf gibt, den man nicht mit einem guten Stock gewinnen kann.« Da auch Brom immer einen Stab getragen hatte, beschloss Eragon, den Rotdornstab einem neuen Schwert vorzuziehen. Er spürte ohnehin kein Bedürfnis, sich mit einer Klinge zu begnügen, die weniger machtvoll war als Zar’roc. In dieser Nacht hatte er den Stab und den Stiel von Rorans Hammer mit verschiedenen Schutzzaubern belegt, damit beide nicht mehr brechen konnten, außer unter extremster Belastung.
Eragon wurde von einer Reihe ungebetener Erinnerungen überwältigt: Ein düsterer orangeroter Himmel rauschte an ihm vorbei, als Saphira bei der Verfolgung des roten Drachen und seines Reiters in die Tiefe hinabstieß. Der Wind heulte ihm in den Ohren... Seine Finger wurden taub durch die Wucht, mit der die Schwerter aufeinanderprallten, als er am Boden gegen jenen Drachenreiter kämpfte... Mitten im Duell riss er seinem Gegner den Helm vom Kopf und erkannte, dass er seinem tot geglaubten einstigen Freund und Reisegefährten Murtagh gegenüberstand... Murtaghs höhnischer Blick, als er Zar’roc an sich nahm und erklärte, als Eragons älterer Bruder der rechtmäßige Erbe der roten Klinge zu sein...
Eragon blinzelte verwirrt, als das Schlachtengetöse verklang und der Geruch des Blutes dem angenehmen Duft des Wacholderholzes wich. Er fuhr sich mit der Zunge über die Zähne, um den bitteren Geschmack nach Galle loszuwerden.
Murtagh.
Allein der Name weckte in Eragon eine Unzahl widerstreitender Gefühle. Einerseits mochte er ihn. Murtagh hatte ihn und Saphira nach ihrem ersten unseligen Besuch in Dras-Leona vor den Ra’zac gerettet. Murtagh hatte sein Leben riskiert, um ihn – Eragon – aus Gil’ead herauszuholen. Er hatte sich bei der Schlacht um Farthen Dûr mehr als ehrenhaft geschlagen. Und trotz der schweren Strafe, die ihn dafür ohne Zweifel erwartete, hatte er Galbatorix’ Befehle in einer Weise interpretiert, die es ihm erlaubte, Eragon und Saphira nach der Schlacht auf den Brennenden Steppen ziehen zu lassen. Es war nicht Murtaghs Schuld, dass die Zwillinge ihn entführt hatten, dass der rote Drache Dorn für ihn geschlüpft war oder Galbatorix ihre wahren Namen herausgefunden und Murtagh und Dorn damit einen Treueschwur in der alten Sprache abgerungen hatte.
An nichts von alledem traf Murtagh eine Schuld. Er war ein Opfer des Schicksals, war es seit dem Tag seiner Geburt gewesen.
Und dennoch... Murtagh mochte Galbatorix gegen seinen Willen dienen, und er mochte die Gräueltaten verabscheuen, die zu begehen der König ihn zwang. Aber ein Teil von ihm schien an der neuen Macht Gefallen zu finden. Bei der Schlacht auf den Brennenden Steppen zwischen den Varden und dem Imperium hatte Murtagh sich den Zwergenkönig Hrothgar herausgegriffen und ihn aus der Ferne mittels Magie umgebracht, ohne dass Galbatorix ihm den Befehl dazu erteilt hätte. Er hatte Eragon und Saphira gehen lassen, aber erst nachdem er sie in einem brutalen Kräftemessen besiegt und Eragon ihn anschließend angefleht hatte, ihnen die Freiheit zu schenken.
Und Murtagh hatte sich sichtlich an Eragons Qualen ergötzt, als er ihm offenbarte, dass sie beide Söhne Morzans waren – des ersten und letzten der dreizehn Drachenreiter, der Abtrünnigen, die ihre Gefährten an Galbatorix verraten hatten.
Heute, vier Tage nach der Schlacht, fiel Eragon eine weitere mögliche Erklärung für Murtaghs Verhalten ein: Vielleicht war es für ihn eine Erleichterung, endlich einem anderen Menschen dabei zuzuschauen, wie er die gleiche schreckliche Last schultern musste, die Murtagh bereits sein ganzes Leben lang trug.
Ganz gleich, ob das nun stimmte oder nicht, Eragon vermutete, dass Murtagh seine neue Rolle aus demselben Grund annahm, aus dem ein Hund, der grundlos geprügelt wird, sich eines Tages gegen seinen Herrn wendet und ihn anfällt. Murtagh hatte wieder und wieder Prügel einstecken müssen, und nun hatte er die Gelegenheit, es einer Welt heimzuzahlen, die ihm nicht die geringste Güte entgegengebracht hatte.
Doch egal, was noch an Gutem in Murtaghs Herzen verborgen sein mochte, er und Eragon waren dazu verdammt, Todfeinde zu sein, denn Murtaghs in der alten Sprache geleisteter Treueschwur kettete ihn mit unzerstörbaren Banden an Galbatorix – in alle Ewigkeit.
Hätte er nur nicht Ajihad bei der Jagd nach den Urgals unter Farthen Dûr begleitet. Oder wenn ich nur ein bisschen schneller gewesen wäre, hätten die Zwillinge...
Eragon, sagte Saphira.
Er riss sich zusammen und nickte, dankbar für Saphiras Ermahnung. Eragon bemühte sich nach Kräften, nicht ständig über Murtagh oder ihre gemeinsamen Eltern zu grübeln, aber die Gedanken überfielen ihn oft gerade dann, wenn er am wenigsten damit rechnete.
Eragon nahm einen tiefen Atemzug und ließ die Luft langsam ausströmen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Dann versuchte er, sich wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren, aber es gelang ihm nicht.
Am Morgen nach der gewaltigen Schlacht auf den Brennenden Steppen – als die Varden sich neu formierten, um die Truppen des Imperiums zu verfolgen, die sich den Jiet-Strom entlang auf dem Rückzug befanden – hatte Eragon Nasuada und Arya aufgesucht, ihnen Rorans Situation geschildert und um Erlaubnis gebeten, seinem Cousin zu helfen. Er bekam sie nicht. Beide Frauen sprachen sich vehement dagegen aus, und Nasuada bezeichnete den Plan gar als »undurchdachte Torheit, die im Falle eines Scheiterns für alle in Alagaësia katastrophale Folgen haben würde!«
Die Diskussion zog sich so lange hin, dass Saphira sie schließlich mit einem Aufbrüllen beendete, das die Wände im Zelt der Varden-Anführerin erbeben ließ. Dann sagte die Drachendame: Ich bin verwundet und müde. Und Eragon hat die Sache viel zu umständlich erklärt. Wir haben Besseres zu tun, als wie Dohlen herumzukreischen, findet ihr nicht?... Gut, dann hört jetzt mir zu.
Es war schwierig, einem Drachen zu widersprechen.
Im Detail waren Saphiras Ausführungen komplex, aber die zugrunde liegende Struktur ihres Vortrags war leicht nachzuvollziehen. Saphira unterstützte Eragon, weil sie begriff, wie viel ihm die geplante Mission bedeutete. Eragon wiederum unterstützte Roran, weil er wusste, dass der auch ohne ihn Katrinas Fährte folgen würde und dass sein Cousin auf sich allein gestellt nicht gegen die Ra’zac bestehen konnte. Und solange das Imperium Katrina gefangen hielt, wäre Roran – und dadurch auch Eragon – anfällig für Galbatorix’ Erpressungsversuche. Falls der Tyrann drohte, Katrina zu töten, würde Roran nichts anderes übrig bleiben, als dessen Forderungen zu erfüllen.
Deshalb wäre es doch am klügsten, diese Schwachstelle in ihrer Verteidigungslinie zu beseitigen, bevor ihre Feinde sich diesen Vorteil zunutze machten.