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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Llixgrijb
Stellen wir uns doch einmal einen Bereich vor, in dem es keine Höhe, Breite, Tiefe oder Zeit gibt … Stellen wir uns ein Wesen vor, das in diesem Bereich lebt, ein Wesen Namens Llixgrijb.
Stellen wir uns vor, das arme Llixgrijb sitzt in einer Art extradimensionalem Einsturz gefangen … Es gibt kein Entrinnen. Aber Llixgrijb … kann nicht sterben. Sein Bewusstsein dauert an, ganz auf sich gestellt und in alle Ewigkeit – wie immer in solch einem Bereich Ewigkeit aussehen mag -, absolut paralysiert. Wie würden wir uns in dieser Situation verhalten? … Wir würden Welten in unserem Geist erschaffen, Welten in uns selbst … Llixgrijb schuf sich ein Universum …
 
Aus: The Jamais Vu Papers von Wim Coleman und Pat Perrin
 
 
 
Möge dieses Buch allen Llixgrijbs auf der Suche nach Wahrheit und Weisheit dienlich sein und dem Geist des Llixgrijbs bei der Erschaffung seines Universums helfen!
V.J. Becker
25. 12. 2005

Vorwort
»Als Gott das Universum schuf, war seine geringste Sorge, es so zu schaffen, dass wir es verstehen.«
Albert Einstein
 
 
Es gibt im Großen und Ganzen zwei Sorten Bücher auf dem Markt, welche den Anspruch erheben, wissenschaftlich zu sein. Die erste Gruppe, welche dem meist mehr als gerecht wird, von promovierten Wissenschaftlern und Universitätsprofessoren verfasst, ist leider oft für das breite Publikum wenig geeignet. Meist trocken geschrieben, sprachlich und fachlich auf einem sehr hohen Niveau, mit Mathematik und Fachwörtern durchzogen, sodass viele Laien abgeschreckt werden. Darüber hinaus will nicht jeder Leser mit der kompletten Wissenschaftsgeschichte konfrontiert werden, wenn er nur etwas über den aktuellen Stand des naturwissenschaftlichen Weltbildes erfahren möchte. Populärwissenschaftliche Bücher sind oft sehr ähnlich im Inhalt und holen zu weit aus. Selbst wenn man mehrere Werke durcharbeitet, erfährt man wenig Neues. Dies ist verständlich, da sich seriöse Wissenschaftler nicht gern Spekulationen hingeben und sich nur streng an die empirische Wissenschaft halten.
Die zweite Gruppe populärwissenschaftlicher Veröffentlichungen ist meist zu spekulativ, driftet zu sehr ins Mystische und Esoterische ab, liefert nur wenige bis gar keine rationalen Erklärungen. Es werden Kapitel für Kapitel nicht verifizierbare Erlebnisberichte von Geistererscheinungen, Ufosichtungen u. Ä. aneinandergereiht. Diese Lektüre kann für jeden denkenden Menschen nur unbefriedigend sein. Im vorliegenden Werk versucht der Autor einen Brückenschlag zwischen Philosophie, Wissenschaft, Parapsychologie, Grenzwissenschaft und Mythologie. Auf diese Weise soll ein ganzheitliches Bild vom Verständnis unseres Universums, der Frage nach der Schöpfung sowie heute noch nicht befriedigend erklärten Themen hergestellt werden. Dabei wird sowohl auf Mathematik als auch auf Erlebnisberichte verzichtet, es soll weitgehend nur durch gedankliche philosophische Betrachtungen der Versuch unternommen werden, dem Geheimnis der Schöpfung auf den Grund zu gehen. Eine Theorie oder ein Versuch muss nicht bis ins Detail erklärt bzw. verstanden werden, wichtig ist nur, dass man sich Gedanken über die daraus entstehenden Konsequenzen macht.
Die meisten Bücher, im Übrigen auch Filme, in unserer westlichen Welt haben einen Anfang und ein Ende, sind ähnlich einer Linie gerade, aufeinander aufbauend in einer Richtung verlaufend. In östlichen Weltanschauungen spielt die Linie keine so große Rolle, hier dominiert der Kreis, alles ist in einem abgeschlossen, in sich selbst zurücklaufend, ohne Anfang und Ende, aus sich selbst heraus existent, jedes ist Teil des Ganzen, jedes Teil enthält das Ganze, alles ist Anfang und Ende zugleich.
Dies bedeutet für das vorliegende Buch, dass man es nicht durchgehend von vorne bis hinten in exakter Reihenfolge lesen muss, man kann Seiten und Kapitel überspringen oder untereinander vertauschen, ohne den Sinn zu entstellen. Wobei sich die Kapitel aber auch gegenseitig durchdringen, so findet man quantenphysikalische Aspekte im Bereich des Bewusstseins und umgekehrt.
Auch kreuzen sich die Untergruppen der Parapsychologie mit der Quantenphysik oder die Unsterblichkeit der Seele überschneidet sich mit der Suche nach Gott.
So ist eben alles von jedem durchdrungen. Denn wie in der östlichen Tradition seit Jahrtausenden bekannt, enthält das Teil das Ganze und Alles ist Anfang und Ende.
In der Argumentationskette wird weitgehend versucht, sich an wissenschaftlich fundierte Thesen zu halten, wobei die meisten hier aufgeworfenen Fragen sich heute wissenschaftlich nicht befriedigend beantworten lassen. Es ergibt sich daher, dass viele Gedankengänge rein philosophischer Natur sind.
Auch bemüht sich der Autor, keine einseitige Stellung zu beziehen. In den einzelnen Themenbereichen werden sowohl Pro und Kontra behandelt. Wobei es natürlich je nach Gebiet für die eine oder andere Seite mehr oder weniger Argumente gibt.
Einige Argumentationsketten widersprechen sich auch, aber genau dies ist gewollt. Es gibt eben nicht immer eindeutige Sichtweisen.
Des Weiteren war ich von anderen Büchern oft enttäuscht, nachdem die in der Überschrift eines Kapitels gemachten Versprechungen im Text nicht erfüllt wurden. Man muss sich oft durch 30 oder 40 Seiten kämpfen und erfährt nur an einer Stelle etwas über das eigentliche Problem. Ich hoffe, dies besser gelöst zu haben. Deshalb fallen die Unterkapitel auf den ersten Blick etwas knapp aus. Auch erachte ich es nicht für sinnvoll, jedes erwähnte physikalische Gesetz oder jede Theorie bis ins Detail seitenlang zu erörtern. Die Erklärungen gehen nur so weit bzw. so tief, wie sie hier nötig sind. Bei Unklarheiten sollten Fachbegriffe oder Gesetze in der entsprechenden Literatur nachgelesen werden.
Die in diesem Buch verarbeiteten Gedanken sind über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren entstanden. Seit dem Abitur faszinieren mich die grundlegenden Fragen unserer Existenz, aber auch Themen wie die Parapsychologie, welche von der Wissenschaft heute noch nicht befriedigend beantwortet werden können. Es ist für mich nicht wichtig zu wissen, wie ein Videorekorder funktioniert, es genügt zu wissen, dass es dabei kein Geheimnis gibt, dass es Ingenieure gibt, welche dieses Gerät bauen und erklären können. Diese endgültige Beschreibung eines Sachverhaltes ist bei den hier behandelten Themen heute noch nicht möglich, deshalb sind sie ja auch so interessant. Als ich nach Jahren intensiven Selbststudiums und unzähligen besuchten Vorlesungen, Vorträgen, Seminaren oder Diskussionsrunden genug eigene Gedanken oder auch neue eigene Interpretationen von Gedanken anderer gesammelt hatte, reifte der Entschluss zu diesem Buch.
Mit der naiven Vorstellung, mal eben in zwei, drei Wochen alles sauber abzutippen, machte ich mich an die Arbeit. Dabei musste ich feststellen, dass sich beim Schreiben und Recherchieren in den Unterlagen immer neue Gedanken einstellten, aber auch Älteres verworfen wurde. So begann ein Prozess, der über einen Zeitraum von gut zwei Jahren mit dem hier vorliegenden Buch abschließt.
Einige Theorien mögen dem nüchtern wissenschaftlich denkenden Leser manchmal etwas weit hergeholt erscheinen. Aber wir wären in den letzten Jahrhunderten nicht einen Schritt weitergekommen, wenn es nicht immer Menschen gegeben hätte, welche die bis dahin geltenden Weltbilder infrage stellten und neue Gedanken entwickelten. Alles Neue wirkt zuerst unglaubwürdig. Bedenken Sie, wie die Relativitätstheorie oder die Quantentheorie auf Galilei oder Newton wirken würde. Diese würden als Hexerei und Okkultismus verworfen. Vielleicht gehen Physiker in 100 Jahren mit immateriellen Geistwelten oder holografischen Paralleluniversen genauso selbstverständlich um wie heute mit Raketentechnik oder Kernspaltung.
Wenn ich in Vorträgen oder Diskussionen die Worte Relativitätstheorie oder Quantentheorie erwähne, bekomme ich von Zuhörern oder Gesprächspartnern oft Antworten wie: »Ja, das ist zwar alles ganz schön, aber eben doch nur eine Theorie!« Deshalb muss hier ganz klar gesagt werden, dass der Begriff der Theorie im wissenschaftlichen Sinne nicht mit dem Sinn im normalen Sprachgebrauch verwechselt werden darf. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein Modell, welches mit physikalischen Gesetzen und Axiomen untermauert bzw. mathematisch bewiesen worden ist. Ja, es ist kein Problem, einen Sachverhalt rein theoretisch mathematisch zu beweisen. Sie können ja auch den Satz des Thales mathematisch beweisen, ohne alle möglichen Winkel im Halbkreis einzeln nachzumessen. Darüber hinaus kann anhand der Schönheit und Einfachheit, der Konsistenz und Symmetrie einer Theorie abgeleitet werden, ob sie in das Weltbild passt. Aber auch in der Praxis sind die großen Theorien längst unzählige Male bewiesen worden und sie heißen trotzdem noch Theorie.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass es Dinge oder Prozesse gibt, welche nach den Gesetzen der Physik prinzipiell unmöglich sind, und andere, welche nur heute aufgrund unseres aktuellen Standes der Technik nicht möglich, in Zukunft aber sehr wohl realisierbar sind. Es existiert z. B. kein physikalisches Gesetz, welches Telepathie prinzipiell verbietet. Dagegen ist es aber prinzipiell unmöglich, ein Perpetuum Mobile zu bauen; dies wird auch in 100 000 Jahren nicht möglich sein. Energie kann nicht erzeugt oder vernichtet, sondern nur umgewandelt werden. Die Gesamtenergie im Universum bleibt immer gleich. Im Moment ist es uns nicht möglich, mit 99% der Lichtgeschwindigkeit zu fliegen, dies ist aber nur ein technisches Problem. Grundsätzlich ist dies möglich. Daher ist anzunehmen, dass wir es in 100 000 Jahren können werden.
So hoffe ich nun, den Leser auf der Suche nach der tieferen Wahrheit und den Fragen unserer Existenz ein kleines Stück weiterzubringen.
Dank gilt allen Menschen, welchen ich in diesen zwanzig Jahren der Suche nach Wahrheit und Weisheit begegnet bin und welche mich zu dem vorliegenden Manuskript mit Anregungen und Gesprächen inspiriert haben. Darunter Physiker, Ingenieure, Philosophen, Mediziner, Theologen, Buddhisten, Parapsychologen, Esoteriker oder einfach der geistreiche Mann auf der Straße.

Einleitung
»Ich möchte dem alten Herrn in die Karten schauen, seine Gedanken kennen, alles andere sind Details.«
Albert Einstein
 
 
Im Jahr 1600 wurde ein italienischer Philosoph Namens Giordano Bruno als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er die kopernikanische Lehre vertrat und Thesen über ein endloses Weltall und andere Planeten äußerte. 33 Jahre später hatte ein anderer Astronom etwas mehr Glück. Als er vor der heiligen Inquisition seiner Irrlehre abschwor, wurde er nur zu lebenslangem Arrest und Lehrverbot verurteilt, sein Name war Galileo Galilei. Es sollte bis ins Jahr 1992 dauern, dass die Kirche Galilei offiziell rehabilitierte.
Seit sich die Wissenschaft abgespaltet von der Religion entwickelt, kommt es immer wieder zu Kontroversen. Es dominiert die Vorstellung, dass Wissenschaft und Religion zwei antagonistische Weltanschauungen verkörpern. Dabei hat in den Köpfen moderner Denker längst ein Paradigmenwechsel stattgefunden, sodass man sie heute als komplementäre Interpretationen einer ganzheitlichen tieferen Wirklichkeit auffassen muss. Einstein drückt dies wie folgt aus:
»Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind!«
Wir bilden uns ein, mit unserem wissenschaftlichem Reduktionismus alles zu verstehen. Die moderne wissenschaftliche Forschung ist gerade mal etwa 300 Jahre alt, noch vor etwa 200 Jahren hätten die Menschen ein Telefon, ein Auto oder einen Fernseher als übernatürlich oder als Hexerei empfunden. Es drängt sich die Frage auf, wann wir Dinge wie Telepathie oder Telekinese wissenschaftlich erklären und als ganz natürlich ansehen. Im Vergleich zu den 13,7 Milliarden Jahren, welche unser Kosmos schon existiert, ist die Existenz des menschlichen Verstandes bzw. der Wissenschaft nur eine Sekunde in der Unendlichkeit. Wir wissen noch so gut wie nichts von der Realität, wir haben gerade erst begonnen, darüber nachzudenken. Moderne Theorien wie die Quantentheorie scheinen darauf hinzudeuten, dass alles im Universum zusammenhängt, sogar das menschliche Bewusstsein, und implizieren somit analog zu östlichen Philosophien ein holistisches Weltbild. Den Sinn eines Buches finden wir in keinem einzelnen Wort, kein Mediziner hat je Leben in den Atomen einer Zelle entdeckt, kein Neurochirurg einen Gedanken in einer Hirnzelle, um mit Aristoteles zu sprechen: »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!«
Begeben wir uns nun auf die fantastische Reise in die Tiefen des Seins und beschließen diese Einleitung mit den Worten Werner Heisenbergs: »Ein Schluck aus dem Becher der Wissenschaft macht atheistisch, aber am Boden findet sich Gott!«

Gott, Schöpfung und Urknall
»Wir leben in der vollkommensten aller Welten.«
GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ
 
 
»Gott ist Mathematiker.«
PAUL DIRAC
 
 
Betrachtet man sich das Werk eines Künstlers, eines Malers oder Bildhauers, so ist es nicht zwingend erforderlich zu wissen, mit welchen Werkzeugen, welcher Art Farbe usw. das Werk geschaffen wurde, um das Gesamtbild zu verstehen. Details eines Kunstwerkes besitzen nicht unbedingt eine größere Relevanz, welche zum Verständnis des Sinns beiträgt. Die wahre Tiefe steckt in der Gesamtheit. Wir wollen uns nun nicht damit beschäftigen, die Expansionstheorie, die Inflationsphase, die Entstehung von Sternen durch Gravitationsdruck aus Gasen oder die Erzeugung von Licht durch Kernfusion zu erklären. Dies ist hinlänglich in unzähligen Werken geschehen. Die moderne Physik erklärt die Prozesse zur Entstehung des Universums bis zum Urknall recht genau, und jeder von uns kann sich wohl in etwa eine Vorstellung davon machen, wie sich etwas ausdehnt bzw. wächst, wie sich etwas aus etwas bereits Vorhandenem heraus entwickelt. Dies deckt sich mit unserer täglichen Alltagserfahrung. Wo die moderne Physik versagt, ist die sogenannte Singularität, ein Raumpunkt unendlicher Dichte, unendlicher Gravitation, das Ende von Raum und Zeit, der tatsächliche Beginn der Existenz! Die meisten Menschen begehen den Fehler und stellen sich einen leeren Raum vor, in den hinein die Materie explodiert bzw. in dem die Materie dann expandiert. Richtig ist, dass der Raum selbst mit dem Urknall entsteht und expandiert, die Materie expandiert also mit dem Raum im Nichts. Materie und Raum wachsen synchron. Wir landen in unseren Gedanken immer wieder bei einem leeren Raum. Aber es ist tatsächlich so, dass außerhalb des explodierenden Universums nichts ist, nicht einmal Raum noch Zeit, denn alles begann mit dem Urknall zu existieren, selbst der leere Raum. Es gibt keine gesicherten Hypothesen, was den Urknall verursachte, warum Raumzeit und Materieenergie entstanden und was »davor« war. Genau diesem Problem wollen wir uns durch gedankliche Sophistik nähern. Wir können uns keine Singularität vorstellen. Wir können uns keinen vierdimensionalen Raum vorstellen. Wir können uns das NICHTS nicht vorstellen, dass es NICHTS gibt, weder Zeit noch Raum, dass die Zeit mit dem Urknall begann und es kein Davor gegeben hat. All diese Dinge spielen in unserem Alltag keine Rolle. Da sich aber unser Gehirn in der Evolution in der Raumzeit, in drei Raumdimensionen und in der Zeit entwickelt hat, ist es nicht in der Lage, mit diesen Dingen umzugehen. Genau dieser Problematik wollen wir uns nun nähern, wie Einstein schon sagte: »… alles andere sind Details!«

Vom Urknall zur Entropie

Dass es vor etwa 13,7 Milliarden Jahren den Urknall, einen Anfang des Universums, gegeben hat, gilt als wissenschaftlich gesichert und erwiesen. So konnte Edwin Hubble in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts nachweisen, dass sich alle Galaxien im Kosmos voneinander entfernen, und ihre Fluchtgeschwindigkeit bestimmen. Und zwar entfernt sich alles von jedem, von jedem Punkt im Kosmos aus entfernen sich alle Galaxien; dies erweckt den Anschein, als sei jeder Punkt der Mittelpunkt des Universums. Man kann es sich so vorstellen, als wäre man eine Ameise, welche auf einem Luftballon herumkrabbelt, der gerade aufgeblasen wird. Egal in welche Richtung die Ameise schaut, alles scheint sich von ihr zu entfernen, jeder Punkt der Ballonoberfläche. So als wäre jeder Punkt der Mittelpunkt der Oberfläche.
Mithilfe der Rotverschiebung des Sternenlichts aufgrund des Doppler-Effektes lässt sich die Fluchtgeschwindigkeit genau ermitteln. Die Lichtwellen der Sterne werden in die Länge gezogen, zum rötlichen Spektrum hin verschoben. Würden die Sterne auf uns zurasen, würden die Wellen gestaucht, also zum blauen Spektrum hin verschoben. Dies ist vergleichbar den unterschiedlichen Tönen eines sich entfernenden oder nahenden Zuges oder dem Martinshorn eines Einsatzfahrzeugs, wenn es auf uns zufährt oder sich entfernt.
1978 wurden die Physiker Arno Penzias und Robert Wilson für die Entdeckung der 3-Grad-Kelvin-Hintergrundstrahlung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Diese Strahlung, über den ganzen Kosmos homogen verteilt, gilt als Restwärme der gigantischen Urexplosion, als Nachhall der Schöpfung! All dies beweist, dass ein Urknall stattgefunden hat.
Der wohl wichtigste Beweis für den Urknall ist der zweite Hauptsatz der Thermodynamik. Jedes physikalische System strebt dem Zustand geringster Energie, geringster Ordnung entgegen. Dieses Maß an Unordnung, auf das alles hinausläuft, nennt man Entropie. Und das Universum als Ganzes ist ein in sich abgeschlossenes physikalisches System. Wir beobachten, wie ein Glas herunterfällt und zerbricht; eine heiße Tasse Kaffee kühlt ab, bis sie die Umgebungstemperatur erreicht hat; öffnet man das Fenster in einem beheizten Raum, vermischen sich Innen- und Außenluft, bis der geringste Zustand, das thermodynamische Gleichgewicht, hergestellt ist.
All diese Prozesse laufen in eine Richtung ab. Sie werden nie erleben, dass ohne menschliches Dazutun, sprich Energiezufuhr, ein solcher Prozess rückwärts läuft; es sind irreversible Prozesse. Es wird nicht passieren, dass eine heiße Tasse Kaffee in einem Raum von allein noch heißer wird und der Raum dafür kälter. Wenn Sie ein Aquarium in zwei Becken unterteilen, eines mit warmem und eines mit kaltem Wasser befüllen, wird sich alles vermischen, wenn Sie die Trennwand entfernen. Es wird die größtmögliche Entropie oder Unordnung entstehen. Umgekehrt werden Sie nie erleben, dass sich ein Wasserbecken von allein in ein warmes und ein kaltes Becken aufteilt.
Diese Gerichtetheit des Kosmos ist verantwortlich dafür, dass wir einen psychologischen Zeitfluss, einen Zeitpfeil empfinden.
Natürlich ist es möglich, partiell in einzelnen Systemen Ordnung, also negative Entropie herzustellen. Man kann Kaffee kochen, Zimmer heizen, Dinge herstellen und so weiter. Aber die dafür benötigte Energie führt dem Kosmos mehr Entropie zu, sodass unter dem Strich das ganze Universum immer mehr dem thermodynamischen Gleichgewicht, der größten möglichen Entropie, also Unordnung entgegenstrebt – unaufhaltsam, irreversibel.
Daraus folgt: Das Universum hat in einem Zustand perfekter Ordnung begonnen!
Die ist ein Anzeichen für einen geplanten Schöpfungsakt!

Schöpfung aus dem Nichts

Das Universum hat sich aufgrund einer Kausalkette von Ereignissen zu dem entwickelt, was wir heute beobachten. Der Ursache folgt die Wirkung. Alle Prozesse und Dinge im Kosmos wie z. B. die Entstehung von Sternen oder die Bildung von Galaxien lassen sich aufgrund von Ursachen anhand bestehender physikalischer Gesetze erklären. Diese Kausalkette lässt sich so weit – bis zum Urknall – zurückverfolgen, dass damit sogar die Entstehung von Materie/Energie aufgrund von Quantenprozessen aus dem Nichts heraus erklärt wird. Physiker haben in Teilchenbeschleunigern die Entstehung von Teilchen aus dem Nichts nachgewiesen. Bei diesem Prozess verhält es sich so, dass mit der entstehenden Materie immer auch die gleiche Menge Antimaterie entstehen muss, sodass unter dem Strich immer wieder das NICHTS herauskommt. Die Energie von Materie und Antimaterie addiert ergibt wieder null! Nachgewiesen wurde die tatsächliche Existenz von Antimaterie in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts durch den Physik-Nobelpreisträger Paul Dirac. Stellen Sie es sich in etwa so vor: Ihr Konto hat den Stand null. Wenn Sie jetzt 5 Euro überziehen, also minus 5 Euro haben, haben sie dafür 5 Euro plus in der Hand, aber unter dem Strich sind es immer noch null Euro!
Ganz genau genommen wird für die Paarbildung Materie – Antimaterie etwas Energie benötigt, diese Energie wird dann bei der Vernichtung wieder abgestrahlt. Jetzt könnte man sagen, es handele sich hier um die göttliche Energie oder Schöpfungskraft, aber nach der Quantentheorie und speziell nach Schrödingers Unbestimmtheitsrelation ist es möglich, dass diese Energie sozusagen kurzzeitig aus einem Nichts auftaucht und der Materie geliehen wird.
Materie und Antimaterie vernichten sich bei Kontakt sofort in einer gigantischen Explosion. Deshalb können wir davon ausgehen, dass sich in unserer Umgebung keine Antimaterie befindet. Da unser Universum nun mal offensichtlich aus Materie besteht, muss es also auch noch parallel ein Universum aus der gleichen Menge Antimaterie geben! Die meisten Physiker glauben heute allerdings, dass beim Urknall etwas mehr Materie als Antimaterie entstanden ist. Nach der Vernichtung von Materie und Antimaterie ist dieses Etwas übrig geblieben und stellt heute unseren Kosmos dar. Warum es dieses Ungleichgewicht gegeben hat, lässt sich heute noch nicht befriedigend erklären. Man könnte auch hier aufgrund dieses Materieüberschusses auf eine bewusst planende schöpfende Kraft schließen.
Selbst wenn es uns gelingt, eine sinnvolle Erklärung für die Entstehung von Materie/Energie zu finden, bleibt immer noch das Problem, dass dieser Prozess nur in einer schon vorhandenen oder zumindest gleichzeitig entstehenden Raumzeit stattfinden kann.
Es gibt leider bis heute keine befriedigende Theorie, wie die Raumzeit entstanden sein könnte. Der Physiker Stephen Hawking hat eine Art quantentheoretisches Modell des Urknalls geschaffen. Er glaubt, demnach könne auch die Raumzeit selbst aufgrund von Quantenfluktuationen ohne Ursache aus dem Nichts entstanden sein. Wir müssen heute davon ausgehen, dass das Nichts instabil ist und ohne erkennbaren Grund etwas hervorbringt. Unser gesamtes Universum ist ein Gratisgeschenk aus dem Nichts. Das Universum erschafft sich selbst aus dem Nichts. Es ist etwa so wie bei Baron Münchhausen, welcher sich selbst an seinen eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht. Bleibt aber immer noch die philosophische Frage, ob es nicht eine platonische Welt der Mathematik und Gesetze geben muss, welche es dem Nichts gestattet, instabil zu sein!
Man könnte sich auch vorstellen, wir würden mit unserem Kosmos eingebettet in einem höherdimensionalen Raum leben. Zur Vereinfachung stellen wir uns vor, wir seien zweidimensionale Lebewesen auf einem Ball – also einer gekrümmten zweidimensionalen Fläche. Wir würden nur diese Oberfläche wahrnehmen. Der Raum im Ball und um ihn herum würde für uns nicht existieren. Er wäre nicht Bestandteil unserer Physik und könnte mit unserem Denken nicht erfasst werden. Wenn der Ball nun bis auf einen unendlich kleinen Punkt schrumpft, würde er verschwinden. Unser Universum könnte so ins Nichts verschwinden. Ebenso könnte es auch, aus unserer Perspektive betrachtet, aus dem Nichts heraus in Erscheinung getreten sein. Unsere Raumzeit könnte also eingebettet in eine höhere Raumzeit existieren, entstehen oder verschwinden. Für uns sähe es so aus, als käme sie aus dem Nichts. Aber auch hier bleibt wieder die Frage, wo kommt die höhere Raumzeit her?
Wenn der Urknall wirklich ein Punkt der Singularität ist, wo all unsere physikalischen Gesetze ihre Gültigkeit verlieren, wo Raumzeit und Materieenergie sich auflösen, wird der Mensch vermutlich nie die Ursache dieses Ereignisses ergründen können. Es liegt hinter einem Horizont jenseits unseres Einflussbereiches, für Physik und Verstand nicht fassbar, weil es nicht von dieser Welt ist und nicht zu unserem Universum gehört.
Wo bisher die erste Ursache zur Schaffung des Universums aus dem Nichts fehlte, setzten die Religionen einen Schöpfer ein. Dieser scheint nun nicht mehr nötig, da Gesetze die Erschaffung aus dem Nichts erklären. Dies wirft nun folgende Frage auf: Wenn es nichts gab, weder Raum noch Zeit, weder Materie noch Energie, wo oder wann waren dann die zur Schöpfung aus dem Nichts erforderlichen physikalischen Gesetze, beziehungsweise wer hat diese geschaffen oder erdacht? Diese Gesetze müssen doch schon transzendent zum Urknall jenseits von Raum und Zeit existiert haben, um einen Kosmos in die Realität zu erheben!
Also wer oder was erklärt die Gesetze? Diese Fragen schaffen Raum für einen transzendenten Schöpfer, jenseits von Raum und Zeit, der nicht wie ein Handwerker das Universum erschafft, sondern eher wie ein Komponist die für seine Entstehung nötigen Gesetze erdenkt!
Man fühlt sich an hinduistische Philosophie erinnert, in der der Kosmos ein Traum der Götter Wishnu und Brahna ist, die Realität geschaffen durch geistige Kraft. Dieser Geist oder diese Kraft oder Energie, die meisten nennen sie Gott, muss also zeitlos und raumlos existieren. Man könnte fast biblisch sprechen immer und überall, da sie/er nicht an die Raumzeit gebunden ist. Es gab ja kein »vor dem Urknall«, Raum und Zeit sind ja mit dem Urknall entstanden.
Man kann sich dem Urknall immer mehr zeitlich annähern, aber ein Davor gibt es nicht. Es ist so, als wenn man auf der Erde immer weiter nach Norden geht. Irgendwann kommt man am Nordpol an. Man kann dann nicht mehr weiter nördlich, dann geht es in jede Richtung wieder nach Süden.
Wir können also die Entstehung des Kosmos physikalisch erklären, aber nicht die Entstehung der physikalischen Gesetze. Dafür ist wieder eine erste Ursache nötig, ein planender Geist jenseits von der geschaffenen Raumzeit.
Im Buddhismus wird der menschliche Geist als Ursache allen Seins angesehen, als letzte Realität, welcher alles entspringt. Interessant ist, wie dicht hier östliche Philosophie und westliche Wissenschaft beieinanderliegen.
002
Falsche Vorstellung: Das Universum (Materie/Energie) dehnt sich nach dem Urknall in der vorhandenen Raumzeit aus.
003
Richtige Vorstellung: Die Materie/Energie entsteht aus dem Nichts zusammenmit der Raumzeit. Materie, Energie, Raum und Zeit dehnen sich gleichsam zusammen als eine untrennbare Einheit aus.

Ist das Universum der Plan eines Uhrmachers?

Stellen Sie sich vor, Sie finden bei einem Spaziergang im Wald eine Uhr.
Selbst wenn Sie mit der mechanischen Wirkungsweise nicht vertraut sind und selbst wenn Sie noch nie eine Uhr gesehen hätten bzw. gar keine Uhr kennen würden, würden Sie nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss gelangen, dass dieses Objekt kein Zufall ist. Dass es zu präzise geschaffen ist, dass es einen Zweck erfüllen muss, dass es bewusst geplant und hergestellt wurde. Dieser Gedankengang wurde in ähnlicher Weise das erste Mal im 18. Jahrhundert von dem Theologen William Paley formuliert.
Obwohl unser Universum und auch das Leben auf unserem Planeten ein ungleich höheres Maß an Komplexität aufweisen als eine Uhr, wollen wir es als planlosen Zufall hinnehmen?
Der Urknall, eine gigantische Explosion von unvorstellbarer Energie, war präziser abgestimmt als ein Schweizer Uhrwerk. Wäre er nur minimal stärker gewesen, hätten sich keine Gaswolken zu Sternen bilden können. Wäre er nur minimal schwächer gewesen, wäre das All schnell wieder in sich zusammengestürzt. In beiden Fällen hätte es einen Kosmos, wie wir ihn beobachten, nicht gegeben und Leben hätte sich nicht entwickeln können.
Dieses Prinzip der Feinabstimmung gilt im Übrigen für alle Naturkonstanten und Grundkräfte im All. Nur geringste Unterschiede bei den Kernkräften oder der Ladung eines Elektrons, und alles hätte ganz anders ausgesehen. Alles hätte sich anders entwickelt, und Leben in der Form, wie wir es kennen, wäre nie entstanden.
Diese Tatsachen implizieren einen planenden Schöpfer und einen hoch sensiblen, fein abgestimmten Schöpfungsakt. Es muss eine höhere Form von Energie oder Intelligenz geben, welche dies verursacht hat. Die Religionen nennen sie Gott, die Wissenschaften suchen noch danach!
Warum also sieht es so aus, als sei der gesamte Kosmos auf die Entstehung von Leben hin ausgerichtet, jedes physikalische Gesetz, jede Naturkonstante perfekt geplant, um ein Sonnensystem (oder mehrere) mit Planeten zu schaffen, welche aufgrund ihrer Bedingungen die Entwicklung von intelligentem Leben vorantreiben? Es sieht fast so aus, als hätte der Kosmos gewusst, dass wir kommen! Zufall oder Plan? Man kann dem mit folgender Argumentation entgegnen: Wir sind hier und haben uns entwickelt und stellen solche Fragen, weil die Gesetze nun mal dazu geführt haben, dass wir hier sind und uns intelligent entwickeln. Wäre es anders gewesen, hätte sich vielleicht in einem anderen Universum eine andere Art von Leben entwickelt und andere oder ähnliche Fragen würden gestellt. Aber das würden wir nicht mitbekommen. Wir nehmen ja nun mal nur unsere Existenz in unserem Universum wahr.
Ebenso gut können sich schon unzählige Universen ohne Leben entwickelt haben, mit lebensfeindlichen Gesetzen, gar ohne Planeten. Dies würden wir ja auch nicht mitbekommen. Wir nehmen nun mal dieses Universum wahr, weil wir uns in diesem Universum aufgrund dieser Gesetze entwickelt haben.
Es hätte auch anders sein können oder auch gar nicht sein können. Alles ist möglich, alles ist Zufall. Diese Logik nennt man das anthropische Prinzip.
Dazu passt folgender Gedanke des Schriftstellers Douglas Adams: Sollte je ein menschlicher Geist das Universum, das Geheimnis der Schöpfung entschlüsseln, würde Gott alles verschwinden lassen und durch etwas noch viel Bizarreres ersetzen. Es gibt Menschen, die behaupten, dies sei schon geschehen!

Ein Universum ohne Anfang und Ursache

Wir haben nun gesehen, dass kein Zweifel besteht, dass das Universum einen Anfang hatte, und ansatzweise versucht, Erklärungen für den Schöpfungsakt zu finden. Trotzdem wollen viele Menschen glauben, es hätte keinen Anfang gegeben, um so das Problem der ersten Ursache zu vermeiden. Deshalb kurz einige Gedanken zu einem zeitlich unendlichen Universum.
Stellen Sie sich vor, das Universum würde seit einer unendlichen Zeit existieren. Dann wären auch schon unendlich viele Ereignisse eingetroffen. Diese Aussage impliziert, dass alles, was passieren kann, auch schon passiert ist. Dies bedeutet, dass Sie, wenn Sie jetzt hier sitzen und diese Zeilen lesen, dies nicht zum ersten Mal tun. Sondern dies ist, da in einer unendlichen zeitlichen Abfolge alles schon enthalten ist, schon einmal passiert. Man kann es sogar noch weiter treiben und argumentieren, dass in einer unendlichen Abfolge von Ereignissen jedes Ereignis unendlich oft enthalten ist. Das heißt, dass Sie dieses Buch schon unendlich oft gelesen haben und dass alles, was noch passiert, in Zukunft nur unendliche Wiederholungen sind. Macht dieses Universum, diese Existenz dann noch einen Sinn? Eine absurde Vorstellung! Man umgeht zwar so die erste Ursache, aber die Frage, warum es überhaupt etwas gibt und nicht einfach NICHTS gibt, bleibt bei diesem Modell komplett unbeantwortet. Wie schon Leibniz sagte: »In der Natur gibt es einen Grund dafür, dass etwas existiert und nicht NICHT existiert!« In jedem Fall gelangen wir aus wissenschaftlicher und philosophischer Sicht immer wieder zu dem Schluss, dass das Universum mit einer ersten Ursache begonnen hat. Als diese erste Ursache haben wir einen Schöpfer, Gott, angenommen. Dies wirft die Frage auf, welche Ursache hatte Gott? Wer oder was hat Gott geschaffen bzw. verursacht? Theologen und Philosophen argumentieren, dass diese erste Ursache keiner vorangegangenen Ursache bedarf. Gott braucht keinen Schöpfer. Gott ist die erste Ursache aller Ursachen und ist die Ursache für sich selbst. Die Erklärung seiner Existenz ist in ihm selbst zu finden und durch ihn selbst erklärt.
Aber was hat Gott gemacht, als er noch kein Universum erschaffen hatte?
Hat er ewig gewartet, um dann zu sagen, so jetzt schaffe ich ein Universum?
Macht ein Gott ohne ein Universum einen Sinn? Kann es überhaupt einen Schöpfer ohne Schöpfung geben? Dann hatte Gott also vielleicht gar keine Wahl, er musste, um sich selbst zu erschaffen, ein Universum erschaffen! Denn ohne die Schöpfung ist er ohne Sinn, er würde nicht gebraucht. Wenn Gott also das Universum erschaffen musste, um sich selbst einen Sinn zu geben, um sich selbst zu erschaffen, hatte er ja keine Willensfreiheit. Kann er dann allmächtig sein? Dies erinnert mich an die Frage: Kann Gott einen Stein schaffen, welcher so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann? Wenn er diesen Stein nicht erschaffen kann, ist er nicht allmächtig! Wenn er diesen Stein aber erschaffen kann, kann er ihn nicht heben. In diesem Fall wäre er auch nicht allmächtig! Deshalb behaupten viele Denker, dass diese erste Ursache ohne Ursache, nämlich Gott, nicht nötig sei. Wenn ein Gott ohne Ursache existiert, warum kann dann nicht das Universum ohne Ursache existieren. Man kürzt die Kausalkette um ihr erstes Glied. Der Urknall ist die erste Ursache und trägt seine Erklärung in sich selbst. Er braucht keine Ursache, genau wie ein Gott. Der Urknall ist die Schöpfung ohne Schöpfer. Die Natur selbst enthält die Schöpfung. Der Kosmos selbst ist Gott, die Gesamtheit aller Gesetze und existierenden Dinge, aller Energie, Raum, Zeit und Materie. Gott ist Natur. Gott ist das Universum. Es bedarf keiner Ursache. Das Universum hat sich selbst erschaffen. Alles ist Gott und Gott ist alles. Obwohl diese Argumentation an einigen Stellen sehr nach Religion klingt, verbannt sie doch einen transzendenten mystischen Gott aus ihrem Bild. Diese Gedanken eines sich natürlich selbst schaffenden und erklärenden Universums ohne transzendenten Schöpfer finden sich schon bei Spinoza und Hegel und werden als Pantheismus bezeichnet.

Der beobachtende Geist als Bedingung für den Kosmos

Versuchen Sie sich das NICHTS vorzustellen, was nicht wirklich möglich ist, aber versuchen Sie es wenigstens annähernd. Keine Materie, keine Energie, absolute Leere, keine Zeit, kein Moment, kein Vergehen, kein Augenblick. Der leere Raum schrumpft in sich zusammen, verschwindet in einem Punkt aus der Existenz heraus ins Nichts. Sie müssen schon zugeben, dass dieses Nichts, vergleichbar dem Nirwana östlicher Religionsphilosophien, einen sehr harmonischen, ausgeglichenen Zustand darstellt – im Gegensatz zu unserem Universum mit unzähligen rotierenden Galaxien, Sternengeburten, Supernova-Explosionen, Planetensystemen, Kometen und kosmischen Katastrophen, komplexen Strukturen angefangen bei Eiskristallen über Aminosäuren bis zu lebendigen Organismen, neuronalen Vernetzungen, welche in ihrer Komplexität Bewusstsein und Intelligenz hervorrufen. Allein die Artenvielfalt unseres Planeten. Über die Artenvielfalt außerirdischer Existenzen lässt sich nur spekulieren. Macht es einen Sinn, dass diese Artenvielfalt und Komplexität aus dem Nichts heraus ohne Grund entstanden ist?
Es kann kein sinnloser Zufall sein, dass ein solches Universum existiert; dass dieses Universum aufgrund seiner Gesetze eine intelligente Form von Leben hervorbringt, welche in der Lage ist, über sich selbst zu reflektieren und über den Sinn der Existenz nachzudenken. Wenn Bewusstsein und Geist nur eine durch Determinismus und Reduktionismus erklärbare Maschine, basierend auf elektrochemischen Prozessen, wäre, wäre sie dann überhaupt in der Lage, über sich selbst und seine Existenz und den Sinn nachzudenken?
Ich denke nicht, dass ein Computerprogramm ein Bewusstsein entwickelt oder dass ein Ameisenhaufen eine Art kollektives Haufenbewusstsein besitzt, welches über den ganzen Ameisenstaat reflektieren kann. Daher drängt sich die Frage auf, ist der Geist im Kosmos gewollt? Ein toter Kosmos macht wenig Sinn. Man könnte so weit gehen und behaupten, dass ein toter Kosmos gar nicht existent sei, da er nicht bewusst wahrgenommen wird, da er nicht beobachtet wird, da nicht über ihn nachgedacht wird. Ein All, welches nie von einer bewussten intelligenten Form registriert wurde, hat keinen Beweis für seine Existenz erbracht. Wenn es wieder verschwindet, war es praktisch nie da!
In der Tat impliziert die moderne Quantenphysik, dass erst die bewusste Beobachtung die Realität schafft. Das vorher alles nur als eine nebulöse Wolke von Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten in Überlagerung aller möglichen Zustände verschwommen existiert, gleichzeitig überall und nirgends. Dazu aber in einem späteren Kapitel mehr. Man könnte also sagen, dass allein die Tatsache einer bewussten Intelligenz die Realität schafft und somit ein Universum intelligentes Leben hervorbringen muss. Wenn der Kosmos also Leben enthalten muss, muss er auch so geplant sein, dass Leben entsteht. Alle Gesetze müssen so ausgelegt sein, dass sie lebensfördernd wirken. Da Leben durch Zufall sehr unwahrscheinlich ist, könnte man allein aufgrund der Entstehung intelligenten Lebens und der darauf ausgerichteten Gesetze im Kosmos auf einen geplanten Schöpfungsakt schließen. Aber hatte dann Gott überhaupt noch eine Wahl bei der Schöpfung? War er dann nicht an genau diesen Kosmos mit genau diesen Gesetzen gebunden, um dieses Leben hervorzubringen? Wenn man also einen planenden Schöpfer hinter unserer Existenz sehen will, der diesen Kosmos so geschaffen hat, dann hätte er auch einen anderen Kosmos mit anderen Gesetzen schaffen können, welche anderes Leben zulassen, denn Gott ist nicht von den Gesetzen abhängig. Er hat diese ja mit erschaffen, und er würde sie wohl immer so schaffen, dass sie harmonisch ineinandergreifen und zu einer sinnvollen Existenz führen. Er bestimmt die Wirkungsweise der Gesetze und könnte diese immer so auslegen, dass ein All mit intelligentem Leben entsteht. Wenn man einen Schöpfer haben will, muss man ihm auch Handlungsfreiheit lassen, sonst bleibt wieder nur die Alternative, einen Kosmos ohne Ursache und Sinn, entstanden durch reinen Zufall, zu akzeptieren.

Harmonie als Plan

Sind nicht schon allein die Harmonie der Natur und die einfache mathematische Schönheit aller Gesetze und Ereignisse im Kosmos und die überall in der Natur vorkommenden Symmetrien Beweis genug für einen genialen planenden Geist?
Überall findet sich Symmetrie und Regelmäßigkeit. In den Blättern der Pflanzen, an Tieren besonders deutlich beim Schmetterling. Sogar der menschliche Körper ist in etwa symmetrisch aufgebaut. Ein Wassertropfen nimmt an jedem Ort und zu jeder Zeit die gleiche Form an. Schneeflocken, Eiskristalle, Wasserwellen, Wirbelstürme und Schneckenhäuser ebenso. Woher stammen die immer wieder gleichen symmetrischen harmonischen Formen in der Natur? Bei Lebewesen ist es vielleicht noch nachvollziehbar aufgrund des genetischen Codes und der evolutionären Anpassung an die Umwelt. Aber woher weiß »tote« Materie wie ein Wassertropfen oder eine Schneeflocke, wie sie sich zu verhalten hat?