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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

1 Einführungsgedanken
Es gibt wohl keinen religiösen Brauch, der so allgemein anerkannt ist und doch so wenig verstanden wird wie das Gebet. Jeder, den Sie fragen, wird Ihnen sagen, dass er schon Antwort auf Gebete erhalten hat. Ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer Nationalität, ihrer Hautfarbe oder ihres Glaubens haben alle Menschen diese eindeutige Aufeinanderfolge von Bitte und Erfüllung, die mit dem Wort Gebet umschrieben wird, erfahren. Ein Mann betet vielleicht um Geld, und der Postbote bringt ihm die benötigte Summe. Eine Frau betet um eine neue, besser bezahlte Stellung, und sie erhält auf ihre Bewerbung hin eine Zusage von dem angeschriebenen Unternehmen.
Andererseits finden sich aber auch Beweise für Gebete, die offenbar unbeantwortet bleiben. Es gibt Menschen, die den Hungertod sterben, das Kind, das trotz der flehentlichen Gebete seiner Eltern nicht überlebt.
Jedes Studium des Gebets wird Widersprüche und viele seltsame, verwirrende Tatsachen aufdecken. Ein belangloses Gebet findet Erfüllung, aber ein inniges Gebet in einer wichtigen Angelegenheit nicht. Ein leichtes Leiden wird gelindert, während das verzweifelte Flehen um die Gesundung eines geliebten Menschen nicht erhört wird.
An erster Stelle steht das Gebet um körperliche Belange oder um materielle Unterstützung. Ganz allgemein kann man es als die Bitte an ein Wesen definieren, von dem man annimmt, dass es in der Lage sei sowie die Macht und die Fähigkeit habe, die Bitte zu erfüllen.
Wenn wir ein Gebet sprechen, an wen richtet es sich? Da die meisten Gebete irgendeine Art von physischer Besserung oder materieller Unterstützung erhoffen, sind nur sehr wenige von ihnen tatsächlich an Gott gerichtet. Gewöhnlich haben die meisten Menschen etwas Hemmungen davor, um materielle Vorteile zu bitten, und wenden sich mit einem solch irdischen Anliegen nur ungern an Gott selbst. Zudem war ein großer Teil der religiösen Lehren der vergangenen zweitausend Jahre darauf ausgerichtet, in den Menschen Furcht vor Gott und ein Gefühl des Getrenntseins von ihm zu erzeugen. So empfindet die große Mehrheit der Menschen Gott als teilnahmslos und weit entrückt, ähnlich wie den Präsidenten einer Gesellschaft oder den Direktor einer internationalen Bankengruppe. Viele meinen deshalb, ihre Gebete könnten Gott nicht erreichen, und beten deshalb zu einer Wesenheit, die ihnen erreichbarer erscheint. Zudem glauben sie, dass ein solches Wesen, wie zum Beispiel ein Heiliger, sich vielleicht verständnisvoller und toleranter gegenüber den menschlichen Schwächen zeigt, die hinter der Bitte stehen.
Fromme Menschen in China und Japan beten zu Buddha, in Russland zum heiligen Sergius, in Italien zum heiligen Antonius, in Amerika zur heiligen Theresa. In islamischen Ländern beten sie zu Mohammed und in allen Teilen der christlichen Welt zur Heiligen Familie, zu Jesus, Josef und der Mutter Maria. Tatsächlich gibt es Hunderte von Wesen in allen Religionen, an die täglich Bitten und Gebete ergehen in der Hoffnung, dass sie die Rechtmäßigkeit der Ersuche anerkennen, die Motive des Bittstellers verstehen und wohlwollend beurteilen und ihre Macht sowie ihren Einfluss einsetzen, um bei der Beschaffung der erbetenen materiellen Dinge zu helfen.
Wir sehen also, dass die erste und am weitesten verbreitete Art von Gebet, die Bitte um materielle Vorteile, weniger an Gott gerichtet wird, sondern weitaus häufiger an irgendeine andere Wesenheit, von welcher der Bittsteller glaubt, dass sie den Wunsch zu erfüllen imstande sei, vielleicht sogar zur Erfüllung überredet werden könne.
Wenn wir den Gedanken eines solchen Bittstellers auf den Grund gehen und ihn fragen: »Warum hast du zum heiligen Antonius und nicht direkt zu Gott gebetet?«, dann wird er möglicherweise antworten: »Der heilige Antonius war selbst einmal arm und kann deshalb verstehen, wie sehr ich dieses Geld brauche.« Und wenn wir uns bei jemand anderem erkundigen: »Warum hast du zur Muttergottes gebetet anstatt zu Gott selbst?«, dann hören wir vielleicht als Antwort: »Die Muttergottes ist eine Frau und wird verstehen, was ein Mann nicht verstehen kann.«
Wenn wir in die Herzen dieser Leute blicken, erkennen wir, wie kindlich ihre Gebete sind. Und wir beginnen zu verstehen, warum manche Gebete erhört werden und andere nicht. Die meisten Menschen haben kein rechtes Verständnis des Gebets. Sie sind wie Kinder, die ihre Eltern um das bitten, was sie sich wünschen. Manchmal bekommen sie es und manchmal nicht, aber sie wissen nie genau, warum es sich so verhält.
Auf der nächsthöheren Ebene des Gebetes finden wir die Bitte um Erleuchtung, um Unterweisung, die einem Menschen in seinem Verlangen, Gott näherzukommen, helfen soll. Dies ist ein Wunsch, der fast immer an Gott oder an das höchste Wesen gerichtet wird. Menschen beten auf diese Weise, weil sie in sich die Sehnsucht nach Gott, dem Ursprung allen Seins, aufkeimen spüren. Allerdings praktizieren sie das gewöhnlich auf unterschiedlichen Ebenen des Verständnisses.
Einer bittet vielleicht um Hilfe in moralischen oder religiösen Fragen, ein anderer um geistiges Wachstum, ein Dritter fleht um die Kraft, Versuchungen zu widerstehen, ein Vierter um Erkenntnis und so weiter. Dies geschieht unaufhörlich auf der ganzen Welt.
Es steht uns nicht zu, die Qualität dieser Gebete zu beurteilen oder sie als gut oder schlecht einzustufen. Aber sie alle haben eines gemeinsam: Der Betende wendet sich an jemand anderen um Hilfe. Damit gesteht er stillschweigend seine Unfähigkeit ein, sich selbst zu helfen.
Eine völlig andere Qualität besitzen die Gebete der Rosenkreuzer. Um diese zu verstehen, müssen wir zunächst begreifen, dass es sich hierbei um einen wissenschaftlichen Vorgang handelt, der immer funktionieren wird, wenn alle Elemente in der richtigen Weise bereitgestellt werden. Misslingt er, dann bedeutet das, dass ein Element oder mehrere Elemente gefehlt haben oder der Vorgang nicht richtig durchgeführt wurde. Nehmen wir als einfaches Beispiel das Backen eines Kuchens. Um einen solchen herzustellen, brauchen Sie Mehl, Wasser, Milch, Eier und Gewürze. Aber all diese Zutaten ergeben noch keinen Kuchen, solange Sie nicht wissen, wie und in welcher Reihenfolge sie zu verarbeiten sind. Doch selbst wenn Sie alle Zutaten im korrekten Mengenverhältnis und in der richtigen Reihenfolge zusammengemischt haben, muss der entstandene Teig erst noch gebacken werden. Und auch dafür sind Regeln notwendig: Die Hitze muss stimmen und natürlich die Dauer des Backvorganges. Ist die Hitze zu groß oder bleibt der Kuchen zu lange im Ofen, brennt er an. Ist die Hitze zu gering oder der Kuchen zu kurz im Backofen, wird er zusammenfallen und der Teig nicht durch sein. Sie sehen also, dass neben der Auswahl der Zutaten noch sehr viel Wissen und Fertigkeit erforderlich ist, um einen guten Kuchen backen zu können.
Lassen Sie uns einmal die Misere eines jungen Mannes untersuchen, der um Hilfe betete. Dieser junge Mann hatte in seiner Firma eine unterbezahlte Anstellung. Er wünschte sich ein höheres Einkommen und die damit verbundenen besseren Lebensumstände. Deshalb bat er seinen Meister um Hilfe, woraufhin ihm dieser einen reichlichen Zustrom an Energie sandte. Wie Sie und ich erwartete dieser junge Mann aber als Antwort auf sein Gebet eine neue Stellung oder einen Geldsegen, sodass er den gewonnenen Energieschub gar nicht erkannte. Er spürte ihn zwar, brachte ihn aber nicht mit seinem Gebet in Zusammenhang. Jedoch er fühlte sich so gut, dass er sofort begann, einen Teil dieser Energie für Liebesaffären mit mehreren Mädchen zu verwenden. Die Mädchen verlangten natürlich viel Beachtung, sodass er sich bald mit allen möglichen Nebensächlichkeiten beschäftigte, die für die Mädchen von Interesse, für ihn aber ohne wirkliche Bedeutung waren. Die eine ging gern ins Theater, eine andere lieber in Nachtclubs, die Dritte wollte Vorträge besuchen, die Vierte Popmusik hören und so weiter.
Inzwischen hatte die zusätzliche Energie den Geist des jungen Mannes angeregt, woraufhin ihm verschiedene sehr gute Ideen in den Sinn schossen, um zu Geld zu kommen. Jede dieser Ideen hätte ihm ein Vermögen eingebracht, wenn er sie verwirklicht hätte. Aber er war zu sehr mit den jungen Damen beschäftigt und die erhaltene Energie bald vergeudet, sodass er nicht mehr genug übrig hatte, um auch nur eine seiner Ideen zu realisieren. Als sich seine Stellung nicht auf wunderbare Weise veränderte, wie er es erwartet hatte, war der junge Mann sehr enttäuscht. Er machte seinem Meister Vorwürfe, ihm nicht die Hilfe gesandt zu haben, um die er so inbrünstig gebeten hatte.
Wenn wir zu Gott oder zu einem erhabenen Wesen um Hilfe beten, müssen wir bereit sein, diese große Energie zu empfangen und in richtiger Weise auf das Objekt unserer Wünsche zu lenken. Zunächst muss unser Aufnahmevermögen groß genug sein, um die erbetene Energiemenge zu empfangen und zu erfassen. Haben wir dann die notwendige Dosis gespeichert, gilt es sorgsam darauf zu achten, sie nicht töricht zu verschwenden. Ein großer spiritueller Meister beschreibt dies folgendermaßen:
»Die Menschen reden sehr viel von der Hilfe, die sie von uns erwarten. Wir wollen einmal die Fähigkeit dieser Menschen, unsere Hilfe anzunehmen, analysieren. Jeder Mensch, der von Hilfe träumt, hat bereits die Richtung und das Ausmaß dieser Hilfe in selbstsüchtiger Weise bestimmt. So wie ein Elefant in einem niedrigen Keller keinen Platz finden würde, berücksichtigt der Hilfesuchende weder das Ausmaß noch die Eignung der Hilfe.«
Jedes Gebet kann sowohl an Gott als auch an ein spirituelles Wesen gerichtet werden, von dem wir überzeugt sind, dass es uns helfen kann. Gott wie auch diese Wesen zeigen sich immer bereit, uns in jeder ihnen möglichen Art und Weise zu unterstützen. Wir haben lediglich Schwierigkeiten damit, diese Hilfe zu empfangen und zu verwirklichen. Das ist ein Problem, das die meisten Menschen ein Leben lang nicht zu lösen vermögen, sodass sie die ihnen zugedachte Hilfe gar nicht wahrnehmen.
Halten wir uns vor Augen: Wir leben und bewegen uns in einer Sphäre der Energie. Unser eigenes Wohlbefinden und unsere Fähigkeit, etwas zu erreichen, hängen davon ab, wie viel Energie wir zu erfassen in der Lage sind. Wenn wir von einem über uns stehenden Wesen Hilfe erbitten und es antwortet, dann sendet es uns Energie. Es ist unsere Aufgabe, diese Kraft dankbar zu empfangen und dann für unser angestrebtes Ziel einzusetzen.
Ich werde Ihnen das an einem einfachen Beispiel aufzeigen: Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Haus kaufen, das 200 000 Euro kostet. Ihnen stehen aber nur 20 000 Euro zur Verfügung. Sie gehen also zu einem reichen Freund, erzählen ihm von Ihren Plänen und bitten ihn um Unterstützung. Weil er ein guter Freund ist, will er Ihnen auch tatsächlich unter die Arme greifen. Aber gibt er Ihnen deshalb das Haus? Natürlich nicht, sondern einen Scheck über 180 000 Euro, damit Sie Ihr Vorhaben in die Tat umsetzen können. Jetzt brauchen Sie nur den Scheck bei einer Bank einzulösen und das Haus mit dem Geld zu erwerben.
Nun nehmen wir einmal an, Sie seien nicht in der Lage, den Wert dieses Schecks zu erkennen, und sagen: »Ich habe um ein Haus gebeten und nur ein Stück Papier bekommen.« Und Sie werfen den Scheck ärgerlich fort. Oder Sie lösen ihn zwar ein, geben das Geld aber dann für etwas anderes aus, für ein neues Auto, schöne Kleidung, eine Kreuzfahrt oder dergleichen. Das Haus aber gehört Ihnen immer noch nicht, weil Sie den Scheck nicht als Grundlage für dessen Erwerb erkannt haben.
Wenn Sie also ein Bittgebet sprechen, ganz gleich worum Sie Gott oder eine andere Wesenheit ersuchen, müssen Sie sich öffnen für die »Energie der Erfüllung«. Jedoch dürfen Sie nicht erwarten, dass sich Ihr Wunsch genau nach Ihren Vorstellungen erfüllen wird.
Noch eine Schlussbemerkung zu dieser Einführung: Alles, was ich in diesem Buch wiedergebe, entspringt meinen eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen. Wenn Sie bewusst davon profitieren möchten, dann halten Sie sich einfach an den Spruch aus der Bibel: »Prüfet alles und das Beste behaltet« (1 THESSALONICHER 5,21).

2 Gott und die Physik
Max Planck, der berühmte deutsche Physiker, legte die entscheidende Grundlage zur Atomforschung. Er gab der Menschheit sozusagen den Schlüssel zum atomaren Geschehen. Im Jahre 1858 geboren, war er schon 1885 Professor der Physik und erarbeitete in der Folge die Quantentheorie über Strahlungsenergie, wofür er 1918 den Nobelpreis erhielt.
Doch nicht nur das Atom, die Strahlungsenergie, Wärme- und Elektrizitätslehre zählten zu seinen Forschungsanliegen, sondern auch die philosophische Erhellung der neuen physikalischen Erkenntnisse. Der große Forscher starb 1947. Jahre zuvor äußerte er sich auf einem Gelehrtenkongress in Florenz sehr deutlich: