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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 

WEGE ZUM GLÜCK
Viele Wege führen nach Rom, aber nur ein Weg führt Sie zum Glück: Es ist Ihre Bereitschaft, das Glück empfangen zu wollen. Wer Glück haben möchte, sollte sich ihm deshalb zuwenden und sich gleichzeitig von ihm überraschen lassen. Glückhaben fußt auf dem dauerhaften Werben ums Glück, gleich dem Werben um eine Braut. In ebenso bunter Weise möchte auch das Glück umschwärmt werden, sprich: Sie müssen es sich durch unterschiedliche Rituale, Beschwörungen und Liebesgaben geneigt machen. Diese Annäherung an das Glück ist metaphysisch, weil sphärenübergreifende Sympathien und Strömungen angesprochen und in Fluss gebracht werden. Sprechen Sie Ihr Glück in solch zauberhafter Manier an, widmen Sie sich einer uralten Domäne der weißen Magie, dem Glückszauber. Dass dieser Weg viele Farben, Formen und Facetten besitzt, entspricht dem Wesen der Magie, die sich je nach Stimmung wandelt, um die Harmonie bei der Begegnung mit der höheren Sphäre zu gewährleisten.
Begeben Sie sich nun mit einem ersten Schritt auf diesen Weg und machen Sie sich somit auf Ihre Reise zum Glück.

Das Glück testen und locken

Glück ist zwar bekanntermaßen flüchtig und doch zeigt es sich andererseits ebenso gerne anhänglich. Denn weil das Glück die Glücklichen mag, verwöhnt es am liebsten den glücklichen Menschen mit seiner Anwesenheit. Der erste Glückszauber überhaupt ist deshalb, selbst in einer glücklichen Stimmung zu sein. Blicken wir nämlich miesepetrig in die Welt, schrecken wir das Glück ab, noch ehe es uns verwöhnen konnte. Doch wie erlangen wir jene glückliche Grundstimmung, die sich als kleine stille Seligkeit bemerkbar macht, die uns selbst in bitteren Momenten noch ein wenig erheitert und uns ein inneres Lächeln erlaubt? Es hängt sicher mit davon ab, was wir uns von unserem Glück erwarten. Erwarten wir uns nämlich zu viel vom Glück, werden wir vermehrt unglücklich sein. Ist unser Anspruch dagegen bescheidener, werden wir uns eher vom Glück verwöhnt fühlen. Spüren wir aber die Begegnung mit dem Glück, werden wir ihm gegenüber offener und ihm folglich auch öfter begegnen. Wir entwickeln hierdurch einen Sinn für das Glück und vermögen es hierdurch einzuladen, uns zu beglücken. Demnach gibt es eine grundsätzliche Glückserwartung, die das Glück begünstigt oder abhält.
Diese Glückserwartung ist ein passives Glückspotenzial, das man als Glücksgut bezeichnen kann. Glücksgut ist demnach Ihre ganz persönliche glückliche Grundstimmung, die sich an der Qualität Ihres Glücksgefühls misst. Es spiegelt Ihr persönliches Glücklichsein wider. Gleichzeitig ist Glücksgut auch Ihre Begabung, das Glück zu locken oder es sich herbeilächeln zu können. Es zeigt also auch eine Farbe Ihres Gemüts. Je freundlicher sie ist, desto mehr verfügen Sie über dieses Gut und desto näher rückt Ihnen das Glück.
Wie es mit Ihrer ganz persönlichen Glückserwartung respektive Ihrem Glücksgut bestellt ist, ob Sie das Glück eher verwöhnen wird oder ob es Sie lieber meidet, können Sie mit nachfolgendem Test erkunden.

TEST: Ist mir das Glück hold?

Beantworten Sie die zwölf Fragen, indem Sie die auf Sie am ehesten zutreffende Möglichkeit ankreuzen.
1. Sie erfahren, dass ein Freund in der Lotterie einen größeren Betrag gewonnen hat. Was denken Sie sich dabei?
a. Warum geschieht mir das nicht auch einmal?
b. Wenn ich gespielt hätte, hätte ich sicher nicht gewonnen.
c. Das ist aber schön für ihn.
2. Sie träumen sich manchmal wie Robinson auf eine einsame Insel?
a. Manchmal, aber ich möchte bald gerettet werden.
b. Nur, wenn ich dort wirklich niemandem begegnen werde.
c. Nur, wenn die Insel nicht ganz so einsam ist.
3. Auf einer Bergwanderung stehen Sie unverhofft vor einem schmalen Grat, der Sie vom Gipfel trennt. Was machen Sie?
a. Ich warte auf einen erfahrenen Wanderer, der mir vorangeht.
b. Ich riskiere nichts und breche die Tour ab.
c. Ich wage mich allein über den Grat.
4. Wie verhalten Sie sich, wenn Sie sich mit Freunden in einer munteren Runde treffen?
a. Ich unterhalte sie mit immer neuen Einfällen.
b. Ich stehe lieber am Rande und beobachte das Geschehen.
c. Ich freue mich, unter ihnen zu sein, und feiere mit ihnen.
5. Ein guter Freund von Ihnen ist schwer erkrankt. Was werden Sie tun?
a. Ich werde fragen, was ich für ihn tun kann.
b. Was soll ich schon tun können, außer abzuwarten und auf die Ärzte zu vertrauen?
c. Ich werde für seine Gesundheit beten.
6. Wie sehen Sie sich, wenn Sie einmal achtzig Jahre alt sein werden?
a. Ich werde sicher meinen Hobbys nachgehen.
b. Ich kann nur hoffen, dass dann meine Rente noch reicht.
c. Ich werde mit meiner Familie und meinen Freunden in Eintracht leben.
7. Sie gehen mit einem Bekannten durch die Fußgängerzone und sehen einen Cent auf dem Pflaster liegen. Was machen Sie?
a. Ich hebe ihn auf und stecke ihn ein.
b. Ich lasse ihn liegen.
c. Ich hebe ihn auf und spucke ihn dreimal an, ehe ich ihn in meinen Geldbeutel fallen lasse.
8. Sie kaufen ein Los bei einer Straßentombola und gewinnen ein Päckchen Buntstifte. Wie verhalten Sie sich?
a. Ich denke mir, das nächste Mal gewinne ich vielleicht etwas Brauchbares.
b. Ich ärgere mich, dass ich ein Los gekauft habe.
c. Ich freue mich über den kleinen Gewinn.
9. Sie müssen ein Vorhaben abbrechen, weil Sie sich zu viel vorgenommen haben.
a. Ich nehme mir vor, das nächste Mal die Übersicht zu behalten.
b. Ich zwinge mich, die Sache irgendwie über die Bühne zu bringen.
c. Das kann eigentlich nicht geschehen, weil ich meine Kräfte gut einteile.
10. Sie begegnen einem alten Bekannten, der sich ungewöhnlich freut, Sie zu treffen. Was denken Sie sich?
a. Muss der aber einsam sein, dass er sich so freut.
b. Sei vorsichtig, der will bestimmt etwas von dir.
c. Das ist aber schön, dass ich ihm in so guter Erinnerung geblieben bin.
11. Sie sehen fern und stellen nach kurzer Zeit fest, dass Sie der Film, den Sie sich ausgesucht haben, nicht sonderlich interessiert. Was machen Sie?
a. Ich schalte auf ein anderes Programm um.
b. Ich sehe mir den Film zu Ende an, vielleicht wird er noch interessant.
c. Ich schalte den Fernseher aus und tue etwas anderes.
12. Glauben Sie, dass andere Sie um Ihr Leben beneiden könnten?
a. Eigentlich nicht, mein Leben ist nicht anders als das ihre.
b. Nein, das müssten schöne Dummköpfe sein.
c. Beneiden vielleicht nicht, aber abschauen könnten sie sich was.

Testauswertung

Für jede Antwort der Kategorie A erhalten Sie 2 Punkte. Für jede Antwort der Kategorie B notieren Sie sich 1 Punkt. Für jede Antwort der Gruppe C schreiben Sie sich 3 Punkte gut.
Errechnen Sie Ihre Gesamtpunktzahl und finden Sie Ihre Antwort.
12 bis 15 Punkte: Sie fühlen sich öfter unglücklich und erwarten wenig vom Glück. Das Leben scheint Ihnen mehr Mühe und Last als Freude, und Sie fühlen sich vom Schicksal verfolgt.
16 bis 21 Punkte: Sie misstrauen Ihrem Glück und fühlen sich von ihm benachteiligt. Haben Sie mal wider Erwarten dennoch Glück, halten Sie dies eher für einen beunruhigenden Zufall als für einen Segen.
22 bis 27 Punkte: Eigentlich sind Sie mit sich ganz zufrieden. Nur vom Glück könnten Sie noch eine dickere Scheibe abhaben. Doch Sie rechnen nicht wirklich damit, dass es Sie treffen könnte, weshalb Sie sich lieber auf sich selbst verlassen.
28 bis 33 Punkte: Sie führen ein recht glückliches Leben. Auch wenn Sie das Glück mal nicht verwöhnt, bleiben Sie im Grunde Ihres Herzens mit sich und der Welt im Reinen. Sie teilen Ihr Glück deshalb gerne mit anderen.
34 bis 36 Punkte: Sie sind ein echtes Glückskind. Selbst aus Niederlagen ziehen Sie wie der Hans im Glück noch das Beste heraus. Deshalb wird Sie das Glück auch nie wirklich verlassen. Wer an Ihrer Seite weilt, wird darum gleichfalls vom Glück verwöhnt werden.

RITUAL: Das Glück einladen

Der Test zeigte Ihnen, wie ausgeprägt Ihre ganz persönliche Glückserwartung ist und wie stark Sie deshalb das Glück berührt beziehungsweise Sie sich von ihm berührt fühlen. Haben Sie nur wenige Punkte gesammelt, wird Ihnen dieses Ritual helfen, sich dem Glück gegenüber zu öffnen. Haben Sie eine hohe Punktzahl erzielt, dürfen Sie sich auf eine intensive Begegnung mit Ihrem Glück freuen.
Nehmen wir die Volksweisheit, dass jeder seines Glückes Schmied ist, wörtlich, dann ist unser Glück stets warm, und es liegt allein an uns, es zu formen. Dieser Kunst können wir uns freilich nur dann widmen, wenn sich das Glück auch in unsere Hände begibt. Wir müssen also unsere Hände für das Glück offen halten und es dazu noch einladen. Kleiden Sie beide Forderungen in ein Ritual, vollziehen Sie einen kräftigen Glückszauber, der Ihre innere Bereitschaft, das Glück zu empfangen, festigt und erhöht. Hierdurch gewinnen Sie Zuversicht. Dies ist ein erster Baustein für das Glück. Schließlich gilt:
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Berechtigte Zuversicht wirkt
wie ein Versprechen vom Glück!
Wollen Sie das Glück einladen, dann zünden Sie eine Kerze an und halten Sie mit beiden Händen eine Blume vor sich. Die Art der Blume spielt keine Rolle, sie sollte jedoch duften und Ihnen gefallen. Betrachten Sie ihre Blüte und atmen Sie ihren Duft. Lassen Sie sich auf die Schönheit der Blume ein, werden Sie wie von selbst lächeln wollen. Geben Sie diesem Lächeln nach, wird es zu einem Lächeln aus Ihrem Herzen werden. Versuchen Sie jedoch dabei nicht, bewusst aus Ihrem Herzen heraus lächeln zu wollen. Lassen Sie vielmehr das erste flüchtige Lächeln in Ihr Herz gleiten. Erwidert Ihr Herz dieses Lächeln wie von selbst, wissen Sie auch, wie die Kommunikation mit Ihrem Glück gelingen wird. Es wird eine stille, passive Zwiesprache sein, zu der Sie wie auf einer sanften Woge gleiten und sich dabei vollkommen behaglich fühlen werden.
Blicken Sie nun in die Kerze, werden Sie im Glanz der Flamme die Farben der Blume in Ihrer Hand aufscheinen sehen. Dies ist die Erwiderung des Glücks auf Ihren stillen Anruf. Legen Sie nun die Blume vor sich, und halten Sie Ihre geöffneten Hände dem Schein entgegen. Sprechen Sie dazu folgenden Zauberspruch:
Glücksduft, der mich umgibt,
Glücksschein, der mich erhellt,
Ich atme deine süße Luft,
Ich lade deine Schönheit ein.
Dein Glanz ist es, der mich erquickt.
derweil dein Duft sich mir gesellt.
Ja, du bist bei mir, du bist mit mir,
Ja, du bist mein Glück.
Bleiben Sie mit geöffneten Händen stehen, und beobachten Sie, wie der Blütenschein um die Kerzenflamme sich ausdehnt und auf Ihre Handflächen überfließt. Gleichzeitig werden Sie spüren, wie aus Ihren Handflächen eine Kraft aufsteigt und in einem leichten Bogen zwischen Ihren Händen pulsiert. Dies ist die Kraft des auf Sie einwirkenden Glücks. Sie treten somit nicht nur sichtbar, sondern auch handfest spürbar mit Ihrem Glück in Verbindung.
Allmählich wird der überfließende Schein nachlassen. Dafür wird die Kraft, die zwischen Ihren Händen schwingt, noch etwas zunehmen. Konzentrieren Sie sich auf sie mit Ihrem Dritten Auge, können Sie sie als bläulichen Nebel förmlich sehen. Führen Sie nun Ihre Hände langsam zusammen, wird sich die Kraft verdichten. Atmen Sie sie nun ein und legen Sie gleichzeitig Ihre Hände ineinander. Beim Einatmen werden Sie den Blütenduft ganz intensiv wahrnehmen; gleichzeitig werden Sie das Gefühl haben, dass Ihre ineinandergelegten Hände von der Kraft des Glücks zusammengehalten werden. Ein Lächeln aus Ihrem Herzen wird Ihre Lippen umspielen. Nehmen Sie es zum Anstoß, um noch ein Weilchen über das Geschehen dieses Rituals zu meditieren.
Beenden Sie das Ritual schließlich, indem Sie Ihre Hände lösen und die Kerze ausblasen. Stellen Sie die Blume in eine Vase. Sie wird Sie noch eine Zeit lang an die Schönheit dieses Glückszaubers erinnern und ihn hierdurch verstärken. Das eingeladene Glück aber wird Ihnen nahe sein; sind Sie aufmerksam, werden Sie es an seinem Duft wie an seinem Schein erkennen.

Das Glück ist eine Dreifaltigkeit

Dass das Glück eine Himmelsmacht ist, ist den meisten Menschen geläufig. Schließlich empfinden wir Glück häufig auch als Gnade oder Geschenk. Auch halten wir es für launisch genug, dass es sich scheinbar grundlos aussucht, wem es sich zuneigt und wen es verlässt. Folgerichtig ist auch das Glück, wie alle großen himmlischen Erscheinungen, von dreifacher Art. Jedenfalls kennen wir drei Arten von Glück, die in anderen Sprachen auch eigens benannt werden.
Sprechen wir vom Glück, meinen wir einmal Glückhaben, was wir auch mit Fortüne bezeichnen. Damit bezeichnen wir vor allem das materielle Glück, so etwa das glückliche Händchen, mit dem wir das große Los ziehen oder die richtigen Partner für gute Geschäfte finden. Auch das Liebesglück zählen wir dazu, denn wer den zu ihm passenden Partner an seiner Seite hat, muss auch eine gute Portion Glück gehabt haben. Zum Glückhaben zählt auch das Glück, wenn uns unser Schutzengel in einer gefährlichen Situation gerade noch rechtzeitig zur Seite steht.
Eine zweite Art des Glückes umschreiben wir auch mit Freude. Es sind die Glücksmomente, die wir erleben, wenn wir uns unbeschwert und glücklich fühlen. Sind wir verliebt oder vergnügen wir uns auf einem harmonischen Fest oder finden wir uns in einer schönen Landschaft wieder, haben wir das Glück der Freude. Es sind meist Ausbrüche aus der Alltäglichkeit, mit denen uns das Glück verzaubert. Es kann aber ebenso die Freude über eine gelungene Arbeit sein, die uns glücklich macht. Viele von uns finden ihr Glück vermehrt in der Arbeit und weniger in ihrer Freizeit.
Die dritte Ausformung von Glück lässt sich mit Glückseligkeit umschreiben. Damit meinen wir einen anhaltend glücklichen Gemütszustand. Wir leben voll Freude und Wonne, ohne dass es einen konkreten Anlass gibt, der uns über den Alltag hinaushöbe.
Wir sind ganz einfach von Herzen glücklich. Dies ist ein Zustand, bei dem unser Glücksgut aus uns heraus wirkt und wir mit unserer Welt in Harmonie schwingen. Einen dauerhaften Zustand von Glückseligkeit empfinden wir als eine überirdische Dimension, weshalb er von vielen auch als ein spirituelles Geschehen verstanden wird. Vielen Heiligen und Mystikern wird deshalb auch ein Leben in Glückseligkeit oder Verzückung nachgesagt.
Im Englischen nennt man diese drei Formen des Glücks luck, pleasure und happiness. Wobei das Wort »luck« die gleiche Wurzel besitzt wie unser Wort für Glück. Man nimmt an, dass es vom altniederfränkischen »gilukki« beziehungsweise »lukan« herrührt, was für schließen, bestimmen und festsetzen gebraucht wurde. Dies weist darauf hin, dass Glück als Schicksalsmacht aufgefasst wurde, der man sich wie jedem anderen Geschick nicht entziehen konnte. Diese Auffassung gilt bis heute, und so glauben auch wir, dass, wer vom Glück begünstigt wird, von den Göttern geliebt werden muss. Folgerichtig gilt damals wie heute als ein Schlüssel zum Glück, ein gottgefälliges Leben zu führen, damit man sich die Gottesliebe erhält. Dies lässt sich auch am volkstümlichen Glückszauber ablesen, der vielfach Züge eines Versöhnungsrituals besitzt. Geht es doch bei vielen Glückszaubern im Wesentlichen darum, Harmonie mit den Göttern und Dämonen zu stiften. Dieses Anliegen ist zum Beispiel in den christlichen Wallfahrten und Heiligenverehrungen heute noch lebendig. Hier verknüpfen wir zum Beispiel das Gebet für eine gute Ernte oder den Segen für Haus und Hof mit Buße und der Bitte um Sündenvergebung. Das Glück wird quasi mit dem Göttlichen verhandelt, wobei die Aussöhnung mit dem Heiligen als Voraussetzung für die Glücksgewährung gilt. Materielle Sicherheit und Absolution sind demnach zwei Grundbedürfnisse, durch die wir uns glücklich schätzen und in der Folge auch Glücksgut ansammeln.
Von diesen glücklichen Voraussetzungen trug die moderne Psychologie noch etliche mehr zusammen. In jüngster Zeit forscht sie zunehmend über die seelischen und neuronalen Glücksfaktoren, sprich über unser Glücksgut. Hierbei versucht die Psychologie im Grunde nichts anderes als das, was wir Menschen seit der Antike tun, nämlich das Glück zu locken, indem wir es beschwören und zu halten versuchen. In der psychologischen Praxis heißt das, über das Glück zu reden, es im Rollenspiel zu ergründen und es dank legaler Drogen in unserem Gemüt zu verankern – was durchaus ein zwiespältiger Glückszauber ist, denn pharmazeutisch bewirkte Glücksgefühle führen in ihren Nachwirkungen häufig zu Depressionen und Abhängigkeiten, womit die ersehnte »Glückspille« zur Büchse der Pandora wird. In gewisser Weise ist deshalb die psychologische Praxis wenig anderes als Glückszauber im neuen Gewand.

Fortuna, die Göttin fürs Glück

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Fortuna symbolisiert das irdische Glück
Im alten Rom huldigte man der Glücksgöttin Fortuna, die ihrerseits Namensgeberin für Glück und Glückhaben bei den lateinischstämmigen Sprachen wurde. Im griechischen Pantheon entsprach ihr die Göttin Tyche. Fortuna zählte zu den Parzen. Diese waren göttliche Wesen, die einem Menschen mit seiner Geburt auch sein Schicksal zulosten, ihm seine Portion an Glück und Unglück mitgaben und daraus seinen Schicksalsfaden spannen. Hierin ähneln die Parzen den nordischen Nornen, die ebenfalls bei der Geburt eines Kindes anwesend waren, um ihm Glück und Unglück zuzuteilen. Wobei die Nornen mal von göttlicher Herkunft waren, mal von den Alben und Zwergen herstammten. Infolgedessen gab es gute und böse Nornen. Allein die guten Nornen verteilten das Glück unter die Menschen. Die Nornen waren aber keine Spinnerinnen des Schicksals. Insofern war mit ihnen eher über ein günstiges Schicksal zu verhandeln als mit den Parzen, die die einmal zugeteilte Portion Geschick unerbittlich zum Schicksalsfaden spannen. Damit erklärt sich auch ihr anderer Name »Fata«. In dieser Rolle waren sie die Stifterinnen des Fatums, des unabwendbaren Schicksals.
Hier aber beginnt Fortunas besondere Rolle. Sie war nicht nur Schicksalsspinnerin, vielmehr sah man in ihr auch die Fruchtbringerin, die Einfluss auf das Gedeihen irdischen Guts besaß. So in die Nähe einer Erdgöttin gerückt gab man ihr ein Füllhorn in die Hand, aus dem die Früchte purzelten.
Gleichzeitig stellte man sie auf eine Kugel, auf der sie naturgemäß einen schlechten Stand hatte. Damit war das Glück perfekt gekennzeichnet: Fülle und Unbeständigkeit. Fortuna vereinigte beides in sich. Verstand man es, sie günstig zu stimmen, schenkte sie entgegen der ursprünglichen Absicht der Parzen doch mehr Glück, als einem ursprünglich zugeteilt war. Fortuna versprach also einen Ausweg aus der fatalistischen Notwendigkeit göttlichen Geschicks.
Man errichtete ihr Tempel, opferte ihr und lernte sehr rasch, dass das Glück und somit Fortuna recht unterschiedliche Gestalten besaß. Dementsprechend wurde sie in vielgestaltiger Form verehrt. Für das römische Staatswohl gab es eine »Fortuna publica« und für das private Glück die private Fortuna. So opferten etwa Familien ihrer Fortuna oder einzelne Personen einer persönlichen Fortuna; selbst für Grundstücke wurden Fortunastatuen aufgestellt und verehrt.
Ein Opfer an Fortuna war niemals Selbstzweck, sondern eine vorweg gegebene Gegenleistung für erwartetes Glück. Dass diese Opfer nicht vergeblich waren, kann man daraus schließen, dass der Kult der Fortuna bis zum Ende des Römischen Reiches lebendig blieb. Das Opfer an die Göttin war somit ganz klar ein lohnender Einsatz. Bei manchem in diesem Buch beschriebenen Glückszauber werden Sie diesen Aspekt wiedererkennen. Auch in vielen kleinen Alltagsbräuchen lebt dieser Opferbrauch fort. So werfen wir beispielsweise Münzen in Quellen und Brunnen, um uns unseres Glücks zu versichern oder um glückliche Heim- oder Wiederkehr zu bitten. Oder wir klopfen auf unseren Geldbeutel, wenn wir einen Kuckuck hören, damit sich sein Inhalt ebenso leichthin und glücklich wie der Kuckuck vermehren möchte.
Eine christliche Alternative zur antiken Fortuna stellt der Heilige Eligius dar, der bei Geldnot gerne angerufen wird. Eligius, der spätere Bischof von Tours und Noyon, war bis 639 Münzmeister unter den Königen Chlothar II. und Dagobert I. am Merowinger Hof. Sein Patronat für Menschen in Geldnot gründet darauf, dass er als Münzmeister das Münzgold auf wundersame Weise vermehrte und an die Armen verteilte.

Geld allein macht nicht glücklich

Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist eine Volksweisheit, die dennoch in sich das Glück des Geldes behauptet. Fragt man indes glückliche Lottomillionäre, ob sie mit dem Gewinn auch ihr Glück gewonnen hätten, antworten die meisten, dass sie zwar keineswegs glücklicher, aber dafür erheblich beruhigter geworden seien. Das gewonnene Geld nahm ihnen also die Sorgen materieller Not, versetzte sie jedoch nicht in einen anhaltenden Glückszustand. Auch erfährt man bei Umfragen, wo auf der Welt die Menschen am glücklichsten sind, immer wieder, dass es gerade nicht die wohlhabenden Länder sind, wo sich die Menschen mehrheitlich wirklich glücklich fühlen. Jedenfalls scheint das Glück, so die jüngsten Ergebnisse, die Menschen in ärmeren Ländern wie Venezuela, Kolumbien oder Costa Rica eher zu verwöhnen. Dies zeigt, Glück und Glücksempfinden ist eher eine Sache des Herzens als des Geldbeutels. Danach ist Glücksgut auch kein materielles Gut, das wir horten können, sondern eine geistige und seelische Einstellung.
Gleichwohl ist für jeden Menschen in materieller Not das erste Glück: Nahrung, Kleidung, Wohnstatt. Hat sich dieses Glück erst eingestellt, liegt es meist an jedem selbst, wie er sein weiteres Glück schmiedet. Dabei ist der von Herzen Zufriedene dem Rastlosen überlegen, der sein weiteres Glück in der Jagd nach Geld und Gut sucht. Der Zufriedene pflegt sein Glücksgut und lässt es sich entfalten, der Rastlose dagegen setzt auf ein kommendes Glück und nicht auf sein Gut, das ihm dem möglichen Glück gegenüber stets als zu bescheiden erscheint. Bei ihm kann sich das Glücksgut nicht entfalten, folglich wird er sich eher unglücklich fühlen. So erkannte die Schauspielerin Ingrid Bergman (1915-1982) richtig: »Die meisten Menschen sind unglücklich, weil sie, wenn sie glücklich sind, noch glücklicher werden wollen.« Ein erster Zauber, sein Glück zu pflegen, ist daher, seine Gier zu drosseln.
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Wer sein Glück zu schätzen weiß, macht es
zu einem Schatz. Dieser Schatz wird sich
vermehren, indem man ihn bewahrt und sich
an ihm erfreut.
Gewiss kennt Gier auch Momente der Erfüllung. Doch die nähren sie lediglich, worauf sich die Gier noch potenziert. Dies führt am Ende gar zur Anhedonie, wie Psychologen eine anhaltende und krankhafte Freud- und Lustlosigkeit bezeichnen. Sie vermuten als Auslöser allerdings nicht die Gier als vielmehr den Überdruss; was bedeuten würde, dass ein Zuviel an materiellem Glück uns zum Unglück werden könnte. Dies mag man nach manchen Erzählungen über Lottomillionäre auch glauben, die sich wie Hans im Glück verhielten und in der Tat erst wieder richtig froh wurden, als sie auch den letzten Rest ihres gewonnenen Goldbatzens verloren hatten.

RITUAL: Entlassen Sie die Verneiner

Ein Verneiner ist die Gier! Sie verneint das gegenwärtige Glück, weil es noch mehr davon haben möchte. Aber auch Unzufriedenheit mit sich, die Hader- und die Grübelsucht, die mit den Alltagssorgen einhergeht, zehren von unserem Glücksgut und machen uns dem Glück gegenüber stumpf. Wie wir unsere Gier nach Glück, die uns ins Unglück führt, drosseln beziehungsweise verlieren können, ist so simpel, dass es schon wieder schwer ist.
Laufen Sie Ihrem Glück auch davon, indem Sie es in leiser Gier vermehren wollen, sollten Sie sich Zeit für dieses kleine Ritual nehmen. Doch selbst, wenn Sie sich mit Ihrem Glück glücklich bescheiden, kann Sie dieses Ritual noch etwas lehren, nämlich, wie Sie Ihrem Glück Raum verschaffen, indem Sie Ihr Gemüt ein wenig entrümpeln. Denn allzu oft hegen wir mit Verdruss, Unmut und Übellaunigkeit Glücksfresser, die uns gegenüber unserem Glück blind machen.
Machen Sie sich deshalb diese verborgenen Kräfte, die Sie Ihrem Glück entfremden wollen, sichtbar. Dazu müssen Sie die Gier in sich anschauen. Doch versuchen Sie dies nicht direkt. Der indirekte Weg ist hier der deutlichere. Schauen Sie sich deshalb die Gier im Allgemeinen an. Nehmen Sie einen Zeichenblock und Farbstifte, setzen Sie sich hin und zeichnen Sie die Gier in ihrer ganzen Hässlichkeit. Zeichnen Sie, wie Sie sich diesen Glücksfresser vorstellen. Zeichnen Sie zügig aus Ihrem Bauch heraus. Achten Sie nicht auf Proportionen oder Perspektiven, sondern lassen Sie das Bild aus Ihrer Hand fließen. Zeichnen Sie nicht nur ein Bild, zeichnen Sie vielmehr so lange, bis Sie das Gefühl der Gier verlassen hat und Ihre Hand müde wird. Zeichnen Sie in gleicher Weise auch andere Ihr Glück beschränkende Gefühle. Und können Sie einschränkende Gefühle nicht richtig orten oder benennen, so zeichnen Sie Ihre Unzufriedenheit auf, stellen Sie diese graugelbe Qualle, diesen giftigen Dorn, diesen bösen Drachen, der Ihnen das Glück vergällt, dar. Mit dem bildlichen Entstehen rücken Sie ihm näher und haben ihm schließlich mit der dritten, vierten Zeichnung ein deutliches Gesicht gegeben. Daraufhin kennen Sie Ihren persönlichen Glücksfresser und können ihm einen Namen geben.
Sehen Sie sich die Bilder an. Das sind die Gefühle, die Sie umstellen und Ihrem Glück den Raum nehmen. Zerreißen Sie nun die Zeichnungen und verbrennen Sie sie. Geben Sie diese das Glück verneinenden Gefühle frei. Sie werden sich danach leichter und beschwingter fühlen und somit auch eine erste Ahnung von Ihrem kommenden Glück haben. Und falls sich der Verneiner, Ihr Glücksfresser, wieder regt, denken Sie nur daran, wie Sie seine hässliche Visage zerrissen und verbrannt haben. Dann wissen Sie, dass er machtlos ist, und Sie zeichnen ihn mit leichter Hand auf ein Stück Papier, um ihn erneut in Rauch aufgehen zu lassen.

Zufriedenheit ist das Fundament des Glücks

Haben Sie schon mal in einer Lottoannahmestelle den Leuten zugehört, wie sie ihren Tippschein abgaben? Da wird das Glück häufig mit ein paar Worten ermuntert, sein Füllhorn diesmal ein wenig über einen selbst zu leeren. Auch spekuliert man gerne noch ein wenig, was man sich vom Glück erwartet. Doch beschlossen wird ein solches Schwätzchen meist mit der Feststellung, dass Gesundheit doch das höchste Glück im Leben sei. Wie hoch wir dieses Glück schätzen, können wir auch daran ablesen, das bei Glückwünschen fast immer Gesundheit vor Glück gewünscht wird: »Gesundheit und Glück«, so lautet die Glücksformel.
Wir wissen also sehr wohl, was wir zum Glück brauchen. Gleichwohl kennt jeder von uns auch chronisch kranke Menschen, die ein inneres Glück ausstrahlen, das geradezu ansteckend wirkt. Jedenfalls fällt in ihrer Gegenwart so manche Verkrustung von uns ab, und wir empfinden ihr Glück mit als unser Glück. Krankheit schließt Glücklichsein also nicht aus. Ja, wir erkennen, dass Krankheit an sich kein Unglück ist, sondern dass eher die Haltung zur Krankheit und zu sich zum Unglück werden kann. Allerdings bemerken wir in der Begegnung mit Kranken oft, dass wir das Glück, selbst gesund zu sein, allzu leicht vergessen.
Und wieder stellen wir fest, dass unsere hohen Glückserwartungen uns nicht glücklich machen. Dafür vermittelt uns in solchen Augenblicken die Einsicht, uns mit dem, was wir haben, bescheiden zu wollen, ein Glücksgefühl. Wir verstehen, dass wir Beglückte sind, und spüren, wie die positive Kraft unseres Glücksgutes uns befriedet. Hierdurch erhaschen wir mit spürbarer innerer Zufriedenheit einen Zipfel vom Glück.
Zufriedenheit entsteht also nicht dadurch, dass wir uns mögliches Unglück vorstellen, sondern weil wir uns in unserem Hier und Jetzt ganz annehmen. Somit ist Zufriedenheit auch die mentale Einstellung, mit der wir unser Glücksgut anheben und mehren und den Raum für glückliche Umstände öffnen. Wir geben unserem Glück hierdurch eine reale Chance, denn innere Zufriedenheit ist die schönste Einladung an das Glück! Folglich kann man sagen:
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Nicht ein großes Glücksgefühl, sondern
Zufriedenheit formt das Glück. Pflegen wir unsere
Zufriedenheit, pflegen wir auch unser Glück.
Die Umstände, durch die sich Zufriedenheit einstellt, sind allerdings weniger magischer als praktischer Natur. Eine Beschäftigung, in der wir aufgehen, die uns Freude macht und uns fordert, ist eine der viel genannten Voraussetzungen. Durch sie schaffen wir uns positive Ziele, die uns erreichbar scheinen und deren Erfüllung wir sichtbar messen können. Wir vertreiben den Verdruss der Langeweile und vertrauen einer Entwicklung, an deren Ende wir mit Anerkennung rechnen dürfen.
Neben einer erfüllten Beschäftigung sind es vor allem soziale Werte, die uns Zufriedenheit spenden. So streben wir neben der Anerkennung durch Arbeit nach Anerkennung unserer Person durch andere, suchen Freundschaft, Zuspruch und Achtung in unserem Umkreis. Erhalten wir dies, stärkt das unser Selbstwertgefühl und erlaubt uns Zuversicht. Im Wissen um unser Glücksgut sehen wir ohne Arg über den Tag hinaus in der sicheren Erwartung, weitere glückliche Verstärker aus unserer Mitwelt zu erhalten. Folglich sind die genannten Werte auch Glücksfaktoren. Sie werden durch eine weitere Eigenschaft noch verstärkt, nämlich den Glauben an sich und an eine höhere Macht.
Glaube ist eine Zaubermacht für sich, er versetzt Berge, spendet Trost und heilt seelische Wunden und körperliche Gebrechen. Wer religiös lebt, weiß um die heilsame Kraft des Gebetes. Für ihn ist es kein Wunder, wenn er dank seiner Gebete Heilung und Linderung materieller Not erfährt. Offensichtlich werden die Gebete der Gläubigen vor den Heilswünschen der Ungläubigen erhört. Es ist übrigens eine soziologisch bewiesene Tatsache, dass religiöse Menschen die glücklicheren sind; sie besitzen mehr Glücksgut als andere. Haben Sie darum den Mut zu beten. Gehen Sie in eine Kirche, und danken Sie dem Schöpfer, dass er Sie an seiner Gnade teilhaben lässt. Ein solches Gebet ist der älteste Glückszauber überhaupt. Beten Sie ehrlichen Herzens, dürfen Sie vom Glück der Zufriedenheit kosten. Falls Ihnen kein passendes Gebet einfällt, beten Sie diese Zeilen nach:
Lieber Gott, ich danke Dir, dass Du mich auf meinem
Weg begleitest; dass Du mir nahe bist und mich tröstend wiegst.

Ich danke Dir, dass Du mich beschützt und zum Guten leitest.
Ich danke Dir, dass Du mir vergibst, wenn ich mit Dir hadere und daran zweifle, ob du mich liebst.
Lieber Gott, ich bin ein schwacher Mensch, doch mit
Dir wird mir kein Übel widerfahren. Die Geborgenheit
in Dir ist mein Glück. Dieses Heil will ich mir bewahren.
Lieber Gott, stärke meine Zuversicht, auf dass ich darauf vertraue, dereinst einzugehen in dein holdes
Licht, so wie ich heute deinen Segen schaue.
Ich danke Dir dafür. Amen.
Dieses Gebet ist keine ausgesprochene Bitte nach Glück, vielmehr ist es ein Dankgebet für unser Hiersein und unser Gottvertrauen. Es ist im Grunde ein Teilen mit der Höheren Macht. Sie geben ihr etwas für die Ihnen zuteil werdende Gnade zurück, indem Sie sich bei ihr bedanken. Sie spüren den Effekt dieses Dankes durch den Frieden, der Sie erfasst. Sie werden ruhig, kommen zu sich und empfinden sich als Teil eines großen Ganzen. Dieses Gefühl ist Glück und das Wissen, dass Sie in Kommunikation mit der Höheren Macht stehen.

Glückliche Hinweise zur Zufriedenheit

* Geben bringt Glück und Segen. Sie haben etwas mit Ihrer
Höheren Macht geteilt. Dieses himmlische Glücksgefühl, das
Sie dabei erlebten, findet seine irdische Entsprechung, wenn
Sie etwas auf Erden teilen. Deswegen gilt im Volkszauber die
milde Gabe an einen Armen als eine Voraussetzung, um das
Glück zu locken. Geben Sie einem Bettler, so ist sein »Vergelt’s
Gott« ein Segen, der Sie wohl stimmen wird.
Geben Sie darum Armen, was Sie entbehren können. Spenden
Sie regelmäßig. Teilen Sie mit Ihren Freunden Ihr Geschick,
indem Sie ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, oder erfüllen
Sie ihnen einen lang gehegten Wunsch. Geben Sie vor
allem, ohne aufzurechnen. Denn knauserige Ausgewogenheit
lässt in der Waagschale keinen Platz für das Glück. Solches
Geben ist vielmehr ein Handel, bei dem Geben und Nehmen
gemessen wird und am Ende ein Gewinn herausspringen soll.
Hier aber fehlt die Leichtigkeit und Liebe, durch die sich eine
innere Zufriedenheit überhaupt erst einstellt, wenn wir geben
und helfen konnten. Die innere Zufriedenheit aber ist es,
die sich zum spürbaren Glücksgut wandelt, sobald wir vorbehaltlos
gegeben haben.
Vor allem anderen aber stiften Sie Glück, sobald Sie Ihre
Freude und Ihr Glück mit anderen teilen. Hierdurch rücken
Sie sich gar selbst dem himmlischen Glück ein wenig näher,
schließlich bemerkte schon Cicero: »Die Menschen kommen
durch nichts den Göttern näher, als wenn sie Menschen
glücklich machen.«
 
*Glück ist Ansichtssache. Zufriedenheit als Basis für unser
Glücksempfinden ist insbesondere davon abhängig, wie wir
die Welt wahrnehmen und uns in ihr sehen. Sagen wir uns jeden
Morgen: »Die Welt ist schön!«, und sehen wir in unseren
Mitmenschen liebe Freunde, erweitern wir das Fundament
unseres Glücks. Denn wie man in den Wald ruft, so schallt
es zurück. Zeigen wir uns herzlich und freundlich, antwortet
man uns ebenso. Unter solchen Umständen fällt es uns leicht,
positive Gedanken zu entwickeln. Dann haben wir auch die
Kraft, den Zauber positiver Gedankenmacht anzuwenden,
indem wir mit gläubiger Zuversicht daran denken, dass sich
dieser oder jener Mangel, der uns bedrückt, alsbald beheben
wird.
Mit dieser Einstellung werden Sie einen erfüllbaren Wunsch
nicht als Forderung an das Schicksal betrachten. Vielmehr
werden Sie sich in froher Erwartung die Erfüllung dieses
Wunsches vorstellen. Es ist eine heitere Gewissheit, die Sie so
in die Zukunft blicken lässt. Mit dieser Stimmung nehmen Sie
das Glück der Wunscherfüllung vorweg. So vorbereitet wird
sich das Glück selbst nicht lange zieren, den Raum zu betreten,
den Sie ihm bereithalten.
Wichtig ist, dass Sie sich hierbei erfüllbare Wünsche vorstellen.
Das kann der Wunsch nach einer kleinen Anschaffung,
einer Begegnung oder einem Vergnügen sein, über dessen Verwirklichung
Sie sich besonders freuen würden. Greifen Sie indes
über den Horizont hinaus, sind Sie dabei, Ihrem Glück
davonzueilen. Was dann geschieht, hat Bertolt Brecht in der
Dreigroschenoper treffend formuliert: »Renn nur nach dem
Glück, doch renne nicht zu sehr, denn alle rennen nach dem
Glück, das Glück rennt hinterher.«

RITUAL: Ein Opfer für das stille Glück

Das stille Glück ist der Schein Ihres Glücksgutes, sprich: die Ausstrahlung der in Ihrem Herzen und Gemüt verankerten Zuversicht. Dieses Glücksgut kommuniziert mit dem himmlischen Glück. Dies ist jene Sphäre, in der die guten Kräfte für Sie zusammenwirken. Opfern Sie Ihrem stillen Glück, geben Sie folglich auch ein Opfer für die himmlische Quelle Ihres Glückes. Sie teilen Ihr Glück mit dem Glück. Was kann es Schöneres und Edleres geben! So schmückt Sie bereits die Absicht, dieses Ritual durchzuführen.
Werden Sie sich Ihrer inneren Freude bewusst, lächeln Sie über das Ihnen innewohnende Glück, schließen Sie die Augen und sinnen Sie diesem Gefühl nach. Sagen Sie dreimal fest und laut zu sich: »Ich bin glücklich! Ich danke meinem Glück für dieses Glück!« Bleiben Sie mit geschlossenen Augen entspannt sitzen und lassen Sie den Eindruck dieser Worte auf sich wirken. Sie werden dabei, wenn Sie ein wenig in sich gehen, Farben, Muster, Formen und Blüten sehen. Durch sie zeigt sich symbolisch die Gestalt Ihres stillen Glücks. Sobald die Sicht nachlässt, beenden Sie diese Betrachtung.
Sie wissen nun, wie sich Ihnen Ihr Glück am liebsten zeigt. Schmücken Sie nun nach diesen Eindrücken eine kleine Porzellanschale. Wählen Sie Blüten und Bänder, die die gesehenen Farben und Muster wiedergeben. Legen Sie schmückende Gegenstände dazu, die Ihrer Sicht entsprechen. Bauen Sie diesen kleinen Opferplatz in einem Fenster auf, sodass ihn Sonne und Mond bescheinen können.
Geben Sie in das Porzellanschälchen einen Teelöffel Honig. Er ist das Opfer an Ihr Glück. Sprechen Sie Ihren Dank an Ihr Glück erneut dreimal hintereinander laut aus: »Ich bin glücklich! Ich danke meinem Glück für dieses Glück!« Räuchern Sie danach in dem Raum, in dem Ihr kleiner Glücksaltar steht, und denken Sie dabei noch eine Weile über Ihr mögliches Glück nach. Bedenken Sie Ihre Wünsche und korrigieren Sie sie, falls sie zu weit ins Kraut schießen und zu phantastisch werden. Denn Sie wissen mittlerweile, dass sich das Glück lieber an das Machbare hält. Gießen Sie abschließend etwas heißen Tee in die Schale, verrühren Sie den Honig und trinken Sie diesen Glückstee.
Dieses Glücksopfer sollten Sie wenigstens einmal im Monat wiederholen. Belassen Sie den Glücksaltar im Fenster, können Sie einen Wunsch, der Ihnen glücklich erfüllt werden soll, auf einen Zettel schreiben und dazulegen. Das zuvor gnädig gestimmte Glück wird sich daraufhin seiner annehmen.

Wahres Glück ist ein himmlisches Gefühl

Haben sich materielles Glück und inneres Glück eingestellt, fehlt als krönender Stein auf der Glückspyramide noch das Gefühl der Glückseligkeit. Zu diesem vollkommenen Glücksgefühl gibt es verschiedene Vorstellungen, wann und wie es sich erfüllen könnte. In einem jedoch ist man sich einig: Glückseligkeit hat nichts mit dem materiellen Glück gemein. Dagegen hat es mit einem Gefühl von Allverbundenheit zu tun. Man fühlt sich erfüllt und mit seiner Welt verbunden, die Zeit scheint aufgehoben zu sein und es gibt, egal wie es um einen stehen mag, keine Sorgen mehr.
Empfinden wir solcherart Glückseligkeit, sind wir mit dem Augenblick eins und fühlen: So, wie es ist, ist alles gut, schön und richtig. Dieses Gefühl geht weit über das Gefühl des inneren Glücks, das durch unsere Zufriedenheit genährt wird, hinaus. Wir glauben, dass uns für Augenblicke der Himmel umfasst.