Flow im Business

UNMEI NO HOUSOKU
Copyright © 2004 by Shiroh Tenge
German translation rights arranged with Asukashinsha Publishing
through Japan UNI Agency, Inc., Tokyo

Vollständige E-Book-Ausgabe der bei
J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
erschienenen Printausgabe

Shiroh Tenge:

Umschlag-Gestaltung,

Flow im Business

Typografie/Satz: Wilfried Klei

Übersetzung:

Cover-Illustration: „Music“

Dr. Keiko Nimura-Eckert

2003 von Rin Terada

© J. Kamphausen Verlag &

Druck & Verarbeitung Printausgabe:

Distribution GmbH, Bielefeld

Westermann Druck Zwickau GmbH

Datenkonvertierung E-Book:

Lektorat: Dr. Nadja Rosmann

Bookwire GmbH

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über abrufbar.

ISBN Printausgabe: 978-3-89901-160-9

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sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Shiroh Tenge

Flow im
      Business

Spielregeln
für Freude
und Erfolg
im Berufsleben

pubb

Geleitworte

Menschen, die in großen Unternehmen der Wirtschaft Verantwortung tragen, haben regelmäßig Rechenschaft abzulegen – ihren Anteilseignern und Gläubigern, ihren Kunden und Lieferanten, ihren Mitarbeitern und auch der breiten Öffentlichkeit. Sie berichten über die Vergangenheit, aber sind auch gehalten, über den Weg nach vorn Auskunft zu geben. Dabei wird erwartet, dass alles unternehmerische Tun „Ratio“ hat, nach Möglichkeit mit mathematischer Genauigkeit. Nur selten räumen Manager ein, dass „die Notwendigkeit zu entscheiden in der Regel größer ist als das Maß der Erkenntnis, über das sie verfügen“. In Wirklichkeit müssen sie immer wieder Schritte ins Dunkel tun. Mit bekannten, scheinbar fest gefügten Tatsachen, Zahlen der Vergangenheit, Erfahrungswerten und Trendfortschreibungen ist die Trasse nach vorn nicht sicher abzustecken. Wie sorgfältig eine Entscheidung auch vorbereitet sein mag, es bleiben Unsicherheiten und Risiken. Es ist durchaus menschlich, wenn in solchen Lagen Zweifel aufkommen. Und das gilt nicht nur im Beruflichen, sondern auch im Privaten.

Für den Erfolg ist entscheidend, wie man mit solchen Zweifeln umgeht. In jedem Fall ist Entscheidungskraft der Schlüssel zum Erfolg. Diese Kraft ist nicht bei allen gleich. Nach außen wird nur selten deutlich, aus welcher Quelle sie fließt. Die meisten Menschen sprechen nicht darüber, sondern behalten es für sich. Die einen haben ein fast unerschütterliches Selbstvertrauen, eine Gabe, die ihnen in die Wiege gelegt ist: Sie verlassen sich auf ihre „Intuition“. Andere stehen fest in ihrem Glauben, den andere vorgegeben haben: „Ich halte stand, weil ich gehalten werde.“ Andere entwickeln ihr eigenes Orientierungs- und Wertesystem. Zu ihnen gehört Shiroh Tenge. Der Wert seines Buches liegt darin, dass er uns teilhaben lässt an dem, was ihm wichtig ist. Mit ihrer einfühlsamen Übersetzung hat Keiko Nimura-Eckert dies auch für den deutschen Kulturkreis fassbar gemacht. Der Leser muss selbst entscheiden, ob er die vorgelegten „Spielregeln“ auch für sein eigenes Leben gelten lässt.

Dr. Ruprecht Vondran

Präsident des Verbandes Deutsch-Japanischer Gesellschaften, Düsseldorf

common

Gibt es „Spielregeln des Schicksals?“ Was bedeutet es, dem großen Fluss des Lebens zu folgen und gerade dadurch erfolgreich zu werden? Diese Fragen beantwortet Shiroh Tenge, der als ehemaliger Vizepräsident des Elektronikkonzerns Sony, als Erfinder der CD und als interkultureller Philosoph modernes Unternehmertum mit grundlegenden asiatischen Weisheiten in Verbindung bringt.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres

Ordinarius und Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg

Vorwort der Herausgeberin

Während bei spirituell Suchenden im Westen die asiatischen Weisheitslehren in den vergangenen Jahren immer mehr an Popularität gewonnen haben, richten inzwischen auch immer mehr Manager den Blick gen Osten. Die wirtschaftlichen Erfolge von Unternehmen aus Japan oder China lassen sie erahnen, dass hinter den rasanten technologischen Entwicklungen und spannenden Innovationen aus Asien wahrscheinlich mehr steckt als nur ein Aufholmanöver im Wettbewerb der Globalisierung, ein Gleichziehen mit dem Westen. Wenn Firmen wie Toyota europäische und amerikanische Automobilproduzenten plötzlich das Fürchten lehren, geht es um mehr als schlichten Fortschritt. Und um mehr als Geld und Gewinne. Es geht um einen neuen Geist!

Shiroh Tenge, mit bürgerlichem Namen Toshi T. Doi, trägt mit seinem Buch dazu bei, das Geheimnis asiatischer Erfolgsgeschichten ein wenig zu lüften. Er war bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr Executive Vicepresident des Unterhaltungselektronikkonzerns Sony und trug als Erfinder der CD und maßgeblicher Entwickler des Roboterhundes AIBO sowie des humanoiden Roboters QRIO zu diesen Erfolgsgeschichten bei. Aus seiner Sicht liegen der Triumph asiatischer Unternehmen und, für ihn eng damit verbunden, auch die persönliche Erfüllung der Arbeitnehmer zwar auch an Faktoren wie technischem Know-how und großer Einsatzbereitschaft. Beides ist für ihn jedoch auch der Effekt einer tiefer liegenden Kraft, nämlich dem Gespür für einen inneren Flow, der Motivation aus sich selbst heraus erwachsen lässt, und für das von ihm so genannte Teamfeuer, das aus Experten schlagkräftige Teams werden lässt.

Shiroh Tenge versucht mit seinem Buch, den Blick für die menschlichen Aspekte von Führung und Management zu schärfen und lädt uns dazu ein, eine innere, für das Auge unsichtbare Ordnung zu entdecken, nämlich den großen Fluss des Lebens. Im Laufe seiner mehr als vierzigjährigen Tätigkeit als Manager in der Technologiebranche entdeckte er immer wieder Muster, die zur Quelle von Inspirationen wurden und Türen zum Erfolg öffneten. Tenge nennt diese Muster die Spielregeln des Schicksals, ein Ausdruck, der bei vielen westlichen LeserInnen sicherlich zunächst auf einen gewissen Widerstand stößt, verbinden wir mit dem Begriff Schicksal doch nur allzu gerne Fatalismus und Vorbestimmtheit – zwei Phänomene, die unserem Verständnis von Freiheit und Individualität diametral entgegengesetzt zu sein scheinen. Doch der Autor hat anderes im Sinn, denn seine Spielregeln wollen nur eines: es uns erleichtern, dem Lauf der Dinge zu folgen, möglichst unbeschwert durchs Leben zu gehen und entspannt sowohl Erfolge zu erzielen als auch Misserfolge zu verdauen.

Mit wachem Blick und offenem Herzen erschließt er uns eine tiefgründige asiatische Weisheit, die uns dabei helfen kann, das tägliche Auf und Ab im Job mit mehr Gelassenheit zu bewältigen. Schicksal ist für Shiroh Tenge keine festgelegte Kategorie, sondern eher die Kunst, im Alltäglichen neue Zusammenhänge zu erkennen, um so das eigene Glück selbst in die Hand zu nehmen. Er stellt der Logik und Rationalität des Verstandes eine Logik des Seins zur Seite, die allgegenwärtig zu unserem Besten wirkt, wenn wir uns ihr vertrauensvoll überlassen.

Für gestresste Manager und bisweilen genervte Mitarbeiter – inzwischen anscheinend auch in Tenges Heimatland Japan – mag diese Perspektive zunächst vielleicht eher wie eine Provokation anmuten, sind wir es doch gewohnt, gerade wenn sich im Arbeitsalltag Widerstände zeigen, nur noch aktiver zu reagieren, um das Blatt doch noch zu unseren Gunsten zu wenden. Doch Shiroh Tenge zeigt mit authentischen Beispielen aus seiner eigenen Karriere als Manager, dass es möglich ist, dem großen Fluss des Lebens einfach zu folgen und so gerade durch dieses NichtHandeln im Handeln erfolgreich zu werden. Wo der westliche Betrachter hier vielleicht zunächst einen offensichtlichen Widerspruch wittert, führt Tenge uns vor, dass Fehlschläge und Unglück – manchmal nach Jahren – unserem Leben als großes Glück neuen Glanz verleihen können. Für ihn entsteht dieses Glück durch die Freude und das Vergnügen am Tun, jenseits von Plänen und Wünschen und ihrer direkten Erfüllung.

Shiroh Tenge vermittelt mit viel Feinsinn zwischen westlicher Psychologie und asiatischen Weisheitslehren, zwischen modernen Management-Methoden und Meditation und weist so den Weg zu einem besseren Verständnis für das tägliche Auf und Ab im Business. Von seinen Spielregeln können alle Manager und Mitarbeiter profitieren, die nicht nur nach dem Beifall von Shareholdern und Vorgesetzten streben, sondern für die zum Erfolg auch die Begeisterung für ihr berufliches Wirken und die persönliche Balance gehören.

Bücher wie dieses entwickeln im Laufe ihrer Entstehung einen ganz eigenen Spirit, denn viele Beteiligte tragen mit Herz und Seele dazu bei, dass aus einer Idee schließlich ein fertiges Produkt wird, das seinen Weg zu den LeserInnen findet. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Dr. Keiko Nimura-Eckert bedanken, die den japanischen Originaltext nicht nur übersetzt hat, sondern mit viel Hingabe den gesamten Entstehungsprozess des Buchs begleitete. Auf ihre Initiative geht auch die wunderbare Titel-Illustration „Music“ (2003) des japanischen Künstlers Rin Terada zurück, die das Thema des Buchs aufgreift. Die Punkte und Linien des Werks spiegeln die Flow-Thematik, die sich durch das gesamte Buch zieht, in treffender Weise wider. Auch der Titel des Bilds – „Music“ – wird zur Synchronizität im eigentlichen Sinne und schließt den Kreis, denn der Buch-Autor Shiroh Tenge ist selbst auch Musiker. Mein großer Dank gilt Rin Terada, der sein Werk für dieses Buch großzügig zur Verfügung stellte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Lektüre.

Dr. Nadja Rosmann

Herausgeberin »inspire!«

Vorwort

Die meisten Menschen lassen sich in ihrem Leben vom sogenannten Schicksal treiben. Dieses Schicksal ist nur scheinbar geheimnisvoll und rätselhaft, denn es ist nicht unbedingt ein Zufallsprodukt, sondern scheint bestimmten Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Diese Vermutung war der Ausgangspunkt für die Entstehung des vorliegenden Buchs.

Nun mögen manche Leser zustimmend nicken, andere erklären diese Theorie vermutlich für verrückt. Sie gehören zu denjenigen, die zustimmen? Dann haben Sie wahrscheinlich schon einmal in Ihrem Leben das Wirken einer unsichtbaren Kraft erfahren und darin so etwas wie eine Gesetzmäßigkeit verspürt. Je fester Sie sich dieser Gesetzmäßigkeiten versichern, desto erfüllter und kraftvoller wird Ihr Leben Tag für Tag werden.

Sie sind skeptisch? Dann zählen Sie vermutlich zu den Rationalisten, welche die Welt ausschließlich vom rationalen und logischen Standpunkt aus betrachten. Sie überlassen sich nicht so etwas Vagem wie dem Schicksal, sondern sind davon überzeugt, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen und aus eigener Kraft bewältigen muss.

In der Tat herrscht heutzutage im allgemeinen die Tendenz vor, nur das, was wissenschaftlich eindeutig bewiesen und logisch erklärbar ist, als wahr zu akzeptieren und alles andere als Aberglauben zu verwerfen.

Entsprechend viele Menschen gibt es auch, die so etwas wie die Spielregeln des Schicksals für puren Unsinn halten und in deren Umgebung eine solche Einstellung völlig normal ist. Dieses Buch möchte gerade aus dem, was das allgemein Vernünftige verwirft, ganz verblüffende Wahrheiten herauspicken und Ihnen vor Augen führen.

Ich schätze mich glücklich, wenn Sie darin die Gesetze des Schicksals erkennen, die ich im Laufe meines bisherigen Lebens entdeckt habe, und wenn es Ihnen zum Wegweiser für ein gelungenes Leben wird.

Shiroh Tenge

Kapitel
1

Synchronizität: Neue
Zusammenhänge erkennen und
von diesem Wissen profitieren

Hinter der sichtbaren materiellen Ordnung verborgen
existiert in diesem Universum eine feine,
vortreffliche Ordnung.
In unserem Alltag manifestiert sie sich als
Synchronizität. Wenn man die Gesetzmäßigkeit
dieser Ordnung entdeckt, ist man
auf dem besten Weg, Zugang zu den
Spielregeln des Schicksals zu finden.

Vision am Flughafen

Es war am 18. Dezember 1997. Dieser Tag hat sich mir unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt. Damals war ich gerade am internationalen Flughafen von San Francisco. Ich hatte meine geschäftlichen Termine in den USA hinter mich gebracht und wollte nur noch ins Flugzeug und ab nach Hause. Frei von Verpflichtungen und zufrieden mit dem, was ich erreicht hatte, schritt ich unbeschwert durch die Halle. Wie immer wimmelte es im Flughafengebäude bunt vor Menschen aller Kulturen in den unterschiedlichsten Gewändern. Schritte und Stimmengewirr, vermischt mit ununterbrochenen Lautsprecheransagen, hallten durch die hohe internationale Wartehalle.

Plötzlich stutzte ich, war mir doch, als sei der Tumult ringsumher auf einen Schlag verstummt. Und im gleichen Moment nahm ich, rechts oben in meinem Gesichtsfeld, deutlich die Gestalt eines Mannes wahr – es war Masaru Ibuka, der Gründer des Sony-Konzerns, der mir zuzulächeln schien. Erstaunt ging ich weiter, ohne meinen Schritt zu verlangsamen. Die Vision von Herrn Ibuka blieb noch eine Weile und verschwand dann wieder. Als der Lärm des Getümmels um mich herum wieder aufbrandete, schaute ich auf die Uhr: Es war 11.30 Uhr vormittags.

Durch meine täglichen Meditationen war mir die Erfahrung von Visionen nichts Neues. Hier aber erlebte ich zum ersten Mal eine Vision inmitten einer Menschenmenge, beim Gehen und mit offenen Augen. Noch ungewöhnlicher war für mich, dass mir die Gestalt von rechts erschien. Gewöhnlich nehme ich sie auf der linken Seite wahr. Daher hatte ich immer vermutet, dass Visionen während der Meditation von der rechten Gehirnhälfte erzeugt würden, welche bekanntlich dominant das linke Gesichtsfeld steuert. Sehr genau erinnere ich mich daher heute noch an jene Wahrnehmung auf der anderen Seite und mein Erstaunen darüber, dass etwas anders als sonst war.

Der Anblick von Herrn Ibuka hatte in mir sofort eine Unruhe ausgelöst, die immer stärker wurde und mich auch während des Fluges nicht losließ. Etwa ein Jahr zuvor hatte ich eine Demonstration des gerade neu entwickelten Roboterhundes AIBO geleitet. Herr Ibuka war trotz seiner Krankheit erschienen, musste wegen seines schlechten körperlichen Zustands die Veranstaltung jedoch noch vor der konkreten Vorführung wieder verlassen. Ich wusste, dass er schon damals das Bett hüten musste, und seine Bereitschaft, trotz aller gesundheitlichen Bedenken zu kommen, zeigte mir sein großes Interesse und seine hohe Erwartung an das Projekt AIBO. Dies alles machte mir natürlich Sorgen, doch hatte ich danach nichts in dieser Richtung unternommen.

Im Flugzeug fiel mir dies alles wieder ein. Hätte ich ihn damals doch noch am selben Tag besucht und ihm AIBO vorgestellt! Ich biss mir so fest auf die Lippen, dass sie fast zu bluten anfingen. Nun gut, es war immerhin noch nicht zu spät, auch wenn man mir mitgeteilt hatte, dass sein Zustand kritisch war. Ich würde mich gleich nach der Ankunft in Narita telefonisch mit ihm verabreden und ihm in seinem Krankenzimmer AIBO vorstellen. Nachdem ich diesen Entschluss gefasst hatte, konnte ich einigermaßen beruhigt endlich einschlafen.

Am Flughafen Narita angekommen, erwartete mich eine schlechte Nachricht. „Dies hier ist für Sie.“ Mit diesen Worten überreichte mir der Chauffeur einen Umschlag, der die Nachricht vom Tod Ibukas enthielt. Als Todeszeit war der 19. Dezember, 3:38 Uhr morgens angegeben. Bestürzt stellte ich fest, dass Herr Ibuka genau acht Minuten, nachdem ich die Vision am Flughafen von San Francisco gehabt hatte, gestorben war. Zu spät, ich war zu spät gekommen. Dieser Gedanke nagte an mir. Auf der anderen Seite wurde mir voller Rührung bewusst, dass Herr Ibuka auf diese Weise von mir Abschied hatte nehmen wollen.

Aus meiner Erinnerung stiegen Bilder und Szenen der gemeinsamen dreißig Jahre empor, in denen Herr Ibuka mir seit meinem Eintritt in die Firma ein so freundlicher und wertvoller Lehrmeister gewesen war, und mit ihnen Tränen der Trauer und Dankbarkeit.

Merkwürdige Zufälle
und was man aus ihnen lernen kann

Ein solcher Vorbote des Todes, wie ich ihn damals zum allerersten Mal empfing, scheint keine seltene Erfahrung zu sein. Es gibt für solche Vorahnungen im Japanischen Begriffe wie das Insekt als Omen oder die Erscheinung neben der Schlafstatt. Gewöhnlich erhält man solche Vorzeichen durch einen Traum, weniger durch eine Vision am helllichten Tag. Der Psychologe C.G. Jung hat diese Art von Phänomenen in den Begriff der Synchronizität gefasst.

Es muss nicht unbedingt eine Vorahnung des Todes sein, die der Mensch durch so einen merkwürdigen Zufall erfährt. Da macht man sich gerade Gedanken über einen Freund, den man lange nicht gesehen hat, und schon kommt ein Anruf von ihm. Die Definition von Synchronizität lautet also wie folgt: Zwei oder mehrere Erscheinungen, die zwar kausal keinesfalls zusammenhängen, die aber räumlich und zeitlich zusammenfallen, und zwar so, dass dabei ein sinnvoller Zusammenhang entsteht.

Entsprechend kann meine Erfahrung in San Francisco folgendermaßen beschrieben werden: Die Vision von Herrn Ibuka und sein Tod haben zwar keinen ursächlichen Zusammenhang, besitzen aber eine gemeinsame Sinnverquickung durch den Tod und die Nachricht davon. Um dieses Phänomen zu verdeutlichen, habe ich als Beispiel einen dramatischen Fall ausgewählt. In der Regel wird Synchronizität aber in den trivialen, unbedeutenden Ereignissen des Alltags beobachtet, die wir oft als puren Zufall abtun.