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Vollständige E-Book-Ausgabe der bei
J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
erschienenen Printausgabe

Brad Warner: Zen – Wrapped in

Umschlag (nach dem Original),

Karma Dipped in Chocolate

Typografie/Satz: Wilfried Klei

Übersetzung: Rainer Scholz

Covermotiv: Jonathan Bergeron

© Deutsche Ausgabe: Aurum

(„Johnny Crap“)

in J. Kamphausen Verlag &

Druck & Verarbeitung Printausgabe:

Distribution GmbH, Bielefeld 2011

Westermann Druck Zwickau GmbH

Datenkonvertierung E-Book:

Lektorat: Hendrik Bönisch

Bookwire GmbH

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über abrufbar.

ISBN E-Book: 978-3-89901-513-3
ISBN Printausgabe: 978-3-89901-409-9

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

BRAD WARNER

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Ein bittersüßer Trip durch Tod, Sex, Scheidung
auf der Suche nach dem wahren Dharma

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EINLEITUNG

2007 starb meine Mutter und danach meine Großmutter, meine Frau beschloss, dass sie nicht länger meine Frau sein wollte, ich verlor meinen Traumjob, und Leute, von denen ich gedacht hatte, sie wären meine Freunde, fingen damit an, mich öffentlich wegen Skandalen anzuprangern, die allein in ihren Köpfen existierten. Am Ende jenes Jahres war nur eines klar: Ich würde noch mal ganz von vorn anfangen müssen.

Ich bin ein Lehrer des Zen-Buddhismus, ein „Zen-Meister“, um hier mal eine sehr gängige, aber völlig irreführende Bezeichnung zu benutzen. Buddhismus ist dazu gedacht, Leuten dabei zu helfen, mit Leiden umzugehen. Ein Zen-Meister ist, zumindest einer populären Auffassung zufolge, eine mystische Gestalt, ein erleuchtetes Wesen, das sich über alles an menschlichen Qualen und Unbehagen erheben kann. In jenem Jahr machte das Leben gleich ein ganz großes Fass voll Leid für mich auf. Wie also kommt ein echter Zen-Meister – im Gegensatz zu der karikaturistischen Figur, die eine Schöpfung der Popkultur ist – mit Tod, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes und persönlichen Zerwürfnissen zurecht? Wie erledigt er seinen Job, anderen dabei zu helfen, schwierige Zeiten zu überwinden, während er selbst so einiges an ziemlich übler Scheiße durchmacht? Wie sitzt und meditierst du, während um dich herum deine Welt zusammenbricht? Ist Meditation überhaupt eine angemessene Reaktion oder bloß eine Form spiritueller Realitätsflucht? All das sind berechtigte Fragen. Es sind Fragen, die ich mir selbst in jenem Jahr sehr häufig stellte.

Dies ist mein drittes Buch. Um das hier zu verstehen, musst du die anderen beiden nicht gelesen haben. Doch in gewissem Sinne ist das hier Teil drei einer Serie, und deshalb brauchen wir einen kurzen Rückblick nach dem Motto „Was in Brads bisherigen Büchern geschah“, um alle auf den neuesten Stand zu bringen. Mein erstes Buch, Hardcore Zen: Punk-Rock, Monsterfilme und die Wahrheit über Alles, war ein autobiografischer Bericht darüber, wie ich die Wandlung vom Hardcore-Punk-Bassisten zum zen-buddhistischen Mönch vollzogen habe. Außerdem habe ich darin versucht, einige grundlegende Prinzipien zen-buddhistischer Philosophie darzulegen. Zen ist im Groben eine „Zurück zum Wesentlichen“-Form des Buddhismus, die in China ungefähr tausend Jahre nach Buddhas Tod aufkam (Buddha starb ca. 480 Jahre v. Chr.). Im Laufe dieser tausend Jahre hatte der Buddhismus, welcher als eine sehr einfache Praxis und Philosophie begonnen hatte, die sich auf die Sitzmeditation konzentrierte, eine ganze Menge anderes Zeug angehäuft – Götter, Dämonen, Rezitationen, Statuen, protzige Tempel voller aufwändiger Gemälde und sämtliche Arten ähnlich nutzlosen Mülls. Die Zen-Bewegung strebte danach, all diesen Kram loszuwerden und zu dem zurückzukehren, was wirklich zählte, nämlich die aufs absolut Wesentliche reduzierte Meditationspraxis, die Buddha entdeckt hatte, als er auf der Suche nach der Wahrheit unter einem Ficus saß. Klar, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Aber im Kern war’s das schon.

Ich stieß völlig zufällig auf Zen, als ich noch der 18-jährige Bassist für die aus Akron/Ohio stammende Hardcore-Punk-Band Zero Defex (alias oDFx) war. Zu jener Zeit, in den frühen 1980ern, war Hardcore-Punk die lauteste und härteste Musik, die es überhaupt gab. Außerdem war Punk eine Bewegung in der Gesellschaft, die darauf abzielte, einen realistischeren Rahmen zu schaffen, in dem die Welt gesehen werden konnte. Im Zen fand ich etwas wesentlich Kraftvolleres und Wirklicheres als im Hardcore. Dennoch habe ich nie damit aufgehört, Punk-Rocker zu sein. Zero Defex haben sich sogar etwa ein Jahr nach Erscheinen meines ersten Buches wieder zusammengefunden, und wenn wir es hinkriegen, uns zu treffen, treten wir auch immer noch auf.

Mein zweites Buch, Sit Down and Shut Up: Punk Rock Commentaries on Buddha, God, Truth, Sex and Dogens Treasury of the True Dharma Eye, stieg tiefer in die spezifische buddhistische Philosophie ein, die ich praktiziere und lehre. Jene Philosophie stammt in erster Linie von Dogen Zenji, einem japanischen buddhistischen Mönch aus dem 13. Jahrhundert, der Unmengen tiefgründiger philosophischer Wälzer verfasst hat, aber auch eine Vielzahl extrem detaillierter Handbücher darüber, wie man praktizieren und auf Zen-Art leben sollte. Zum Teil hat er beides so stark vermischt, dass einem schwindlig davon wird. In einem Kapitel spricht er über die Natur des Seins und im nächsten erklärt er, wie ein Mönch kacken gehen sollte. Ganz im Ernst, Leute. Er widmet der Frage, wie man die Toilette benutzen soll, wirklich ein ganzes Kapitel. In Dogens Augen lag darin nicht die geringste Ironie. Für ihn war kacken gehen und die Natur des Seins erforschen genau dieselbe Sache.

Als ich mein erstes Buch schrieb, lebte ich noch in Japan, doch während ich am zweiten arbeitete, zog ich nach Los Angeles um und begann zum ersten Mal zu versuchen, Buddhismus im Land meiner Geburt zu lehren. Wegen jener beiden Bücher wurde ich plötzlich genau zu dem, was ich immer gehasst hatte – zu einer religiösen Autoritätsperson, einem spirituellen Promi, einem berühmten Zen-Meister. Die Leute erwarteten nun von mir – ausgerechnet von mir! –, dass ich genau so sein sollte, wie sie sich einen buddhistischen Meister vorstellten. Aber, Freunde und Nachbarn, ich will euch mal in ein kleines Geheimnis einweihen: Nicht nur ich bin nicht dieser Meister, keiner ist es. Niemand. Ganz egal, wessen Grinsen auch immer auf dem Umschlag jeder zweiten Ausgabe der großen buddhistischen Hochglanzmagazine prangt, die an der Kasse deines örtlichen New-Age-Buchladens ausliegen.

Mir wurde langsam klar, dass es erforderlich war, sehr deutlich und unmissverständlich darauf aufmerksam zu machen. Das haben schon einige Leute vor mir versucht. Aber in der Regel tun sie das, indem sie den Finger nach außen richten, von sich weg. Es gibt wohl so etwa hundert schonungslose Enthüllungsberichte über die Vergehen gewisser spiritueller Lehrer – ihre dicken Autos, ihren Drogenkonsum, ihre bizarren sexuellen Ausschweifungen. Die diesen Berichten zugrunde liegende Annahme scheint meistens zu sein, dass zwar dieser Typ nicht so ganz das Wahre war, aber dass es irgendjemand sonst auf der Welt ist.

Shoes Outside the Door von Michael Downing erzählt die Geschichte des skandalösen Abstiegs von Richard Baker Roshi, dem Dharma-Erben von Shunryu Suzuki Roshi, des Autors von Zen-Geist, Anfänger-Geist. Einige sahen in Baker Roshi den spirituellen Supermann, nach dem sie sich sehnten, bis sein Missbrauch von Macht, Geld, Ruhm und Sex einfach zu schamlos wurde, um ihn noch mit irgendeiner Art von „verrückter Weisheitsspiritualität“ begründen zu können. In ihrem Buch The Great Failure enthüllt Natalie Goldberg die Wahrheit: Dainin Katagiri Roshi war mitnichten der „reine“ – dieses Wort wiederholt sie so oft, dass es nervt – erleuchtete Meister, für den ihn alle hielten, sondern hatte tatsächlich – Huch! – Sex mit einigen seiner Schülerinnen. Die Zeit ist reif dafür, dass mal jemand aus der Innenperspektive erzählt, wie es sich eigentlich anfühlt, diesen äußerst ungewöhnlichen Job zu machen. Ich bin zwar nicht der Erste, der dies tut, aber leider ist das längst noch keine gängige Praxis.

Als Zen-Buddhismus und andere Formen sogenannter östlicher Weisheit erstmalig während der 1960er- und 1970er-Jahre im Westen in Mode kamen, neigten viele ihrer Anhänger dazu, ihre Lehrer als übermenschliche Geschöpfe anzusehen. Anders als in westlichen Religionen gibt es in vielen östlichen spirituellen Traditionen diese Idee des „erleuchteten Wesens“, die der Lehrer repräsentieren sollte. Diese Idee scheint nahezulegen, dass der Lehrer so eine Art übernatürliche Gestalt ist, die über Kräfte und Fähigkeiten verfügt, die diejenigen gewöhnlicher Menschen weit übersteigt. Eine ganze Menge Leute macht immer noch einen Haufen Kohle mit der Rolle des spirituellen Supermanns. Das ist reine Abzocke. Es ist wichtig aufzuzeigen, dass keiner von uns in diesem Spiel der östlichen spirituellen Meister auch nur ein Stück übernatürlicher ist als jeder beliebige katholische Pfarrer, Rabbi, Pastor, Schuhverkäufer oder Fischhändler.

Viele Leute da draußen haben ein eigennütziges Interesse daran, niemandem zu erlauben, genau die Dinge zu sagen, die ich hier in diesem Buch von mir geben werde. Denn ihr Lebensunterhalt hängt davon ab, dass ihre Anhänger glauben, sie seien etwas, was sie einfach nicht sind. Vielleicht wird dieses Buch es einigen jener Leute ja ein wenig schwerer machen, auf solche Weise reich zu werden. Und das hoffe ich definitiv. Ich schätze, das klingt fies. Aber die Leute, die diese Nummer abziehen, fügen damit nicht nur ihren Anhängern, sondern auch sich selbst unschätzbaren Schaden zu. Wenn sie sich stattdessen ’nen Job in der örtlichen Burger-Klitsche suchen müssten, wären sie echt besser dran.

Um jener absurden Idee, den östlichen spirituellen Meister als Übermenschen anzusehen, den nötigen Schaden zuzufügen, werde ich mich auf die Ereignisse in meinem eigenen Leben im Jahr 2007 konzentrieren – als ganz konkrete Beispiele dafür, dass Zen zu lehren und zu praktizieren in höchstem Maße menschliche Aktivitäten sind, die von echten Menschen inmitten der Probleme ihres echten Lebens verrichtet werden. Zen bietet nicht jene Sorte sauberer, hübscher „ultimativer Lösungen“ an, die einem so viele Religionen und Sekten versprechen. Es ist vielmehr schonungslos realistisch. Dennoch liefert es eine ungemein praktische Methode, mit dem umzugehen, was das Leben uns allen so auftischt. Tatsächlich glaube ich, dass Praxis und Philosophie des Zen einem die einzig wirklich rationale und realistische Methode dafür an die Hand geben, ein ausgeglichenes und glückliches Leben zu führen. Einigen Leuten missfällt es, wenn ich das sage. Ihnen wär’s lieber, wenn ich ihnen erzählte, dass Zen lediglich einer von vielen guten Wegen sei, mit allem umzugehen. Doch wenn ich das dächte, würde ich weder Zen lehren noch drüber schreiben, und wahrscheinlich würde ich es nicht mal praktizieren. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mir wünsche, jeder würde sich meiner Denkweise anschließen, oder dass ich alle anderen Religionen und Philosophien schlechtmachen möchte. Es soll nur heißen, dass ich kein Interesse daran habe, irgendwas außer derjenigen Philosophie zu lehren und zu praktizieren, die ich für die beste der Welt halte.

Als ich nach elf Jahren nach Amerika zurückkam, stellte sich mir eine weitere Frage: Gibt es im Westen echten Buddhismus? Nach und nach wurde ich dazu eingeladen, in einer Menge buddhistischer Zentren im ganzen Land zu sprechen und zu praktizieren. Ich bekam die Gelegenheit, mit meinen eigenen Augen zu sehen, was so im Namen des Buddhismus abging, sowohl an den Orten, die ich besuchte, als auch durch die Leute, die mich besuchten und kontaktierten und mir die Ergebnisse ihrer Praxis zeigten. Obgleich ich glänzende Beispiele von Buddhas Weg in Gefängnissen und bei Heavy-Metal-Shows fand, entdeckte ich ebenfalls schlimme Auswüchse des Buddhismus mitten in seinen eigenen Tempeln und inmitten jener, die angeblich den Weg in Amerika verbreiten. Authentischer Buddhismus kommt halt nicht immer so verpackt daher, wie wir es uns gern vorstellen.

In jedem menschlichen Wesen gibt es etwas sehr Tiefgründiges, vielleicht kann man es sogar als etwas Heiliges bezeichnen. Auf dieses „Etwas“ kann ein jeder von uns in jedem einzelnen Moment jeden einzelnen Tages zugreifen, doch die meisten von uns werden ihr gesamtes Leben leben, ohne jemals eine Ahnung davon zu bekommen, dass es überhaupt existiert. Der Buddha quatschte nicht einfach so herum, als er sagte, dass der Grund für das Leiden an der Wurzel ausgerissen werden muss und dass man ihm ein für alle Mal ein Ende bereiten kann. Aus diesem Schlamassel, in den die Menschheit geraten ist, gibt es einen Ausweg. Es ist halt nur so, dass die Antwort auf die Ursache des Leidens – und der Weg, es zu beenden – einfach absolut nicht so aussehen, wie du dir vorstellst, dass sie’s sollten.

 Ich habe wirklich keine Ahnung, wo die Bezeichnung Zen-Meister eigentlich herkommt. Für mich klingt sie wie irgendwas aus ’nem schlechten Charlie-Chan-Film von ca. 1936. Ich verwende sie, um ironisch darauf aufmerksam zu machen, dass selbst ein Depp wie ich einen Rang erreicht hat, der nur allzu oft als Zen-Meister oder „Der Ehrwürdige“ oder „Seine Heiligkeit“ oder was-weiß-ich übersetzt wird. Häufig entgeht einigen Lesern diese Ironie. Doch dir sicher nicht.

 Oder sie, aber sicherlich ist dir klar, dass es sowohl Zen-Meister als auch-Meisterinnen gibt.

Anmerkung des Übersetzers:

Dieses Buch ist bislang noch nicht auf Deutsch erschienen, hat also auch noch keinen deutschen Titel. Wenn, dann würde er wohl in etwa Hinsetzen, Klappe halten: Punkige Anmerkungen zu Buddha, Gott, Sex, Tod und Dogens Schatzkammer des wahren Dharma-Auges lauten.

Mit „Dogens Schatzkammer des wahren Dharma-Auges“ ist das Shobogenzo gemeint, auf das Brad auch zu einem späteren Zeitpunkt im vorliegenden Buch Bezug nimmt.

Die vier Bände des Shobogenzo sind bereits in deutscher Übersetzung von Gabriele Linnebach in enger Zusammenarbeit mit Gudo Wafu Nishijima Roshi erhältlich.

 Anmerkung des Übersetzers:

Meines Wissens ist keines dieser beiden Bücher auf Deutsch erschienen.

 Erschienen im Theseus Verlag, 2002.

 Übrigens war Goldberg selbst niemals mit Katagiri im Bett. Keine der Frauen, mit denen Katagiri tatsächlich geschlafen hat, fand diese Sache interessant genug, um ein Buch darüber zu schreiben.

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KAPITEL 1

DER ZEN-TRIP DES TODES

Das durchdringende Kreischen meiner Mutter prallte von den Museumswänden zurück wie das Geräusch eines Kojoten, den man mitten in einer Höhle aus Granit anbinden und dem man dann seinen Schwanz absägen würde. Die hohen, harten Wände verstärkten das Geräusch und schleuderten es von einem Raum zum anderen, bis jeder Besucher es hören konnte – die Schulkinder auf ihrem Ausflug, Omas und Opas, die sich einen netten Tag machen wollten, die schwarz gekleideten Kunststudenten, die versuchten, sich dort an schwarz gekleidete Kunststudentinnen heranzumachen. Und alle drehten sich um, um nachzusehen, wer wohl diese arme alte Frau im Rollstuhl quälte.

Mein Vater und ich taten unser Bestes, sie zu beruhigen. Es war wirklich schwer, genau festzustellen, was sie eigentlich vermitteln wollte. Sie hatte selbst einmal Kunst studiert und mochte Museen schon immer. Doch ihre Sprache, einst mit tiefen Einsichten und schlechten Witzen gespickt, war zu einem einzigen Allzweckjaulen degeneriert. Fröhlich, traurig, eindringlich, gelangweilt: Alles klang genau gleich. Sie wirkte eigentlich nicht verärgert. Doch sie wollte etwas sagen, und keiner von uns hatte auch nur die geringste Ahnung, was es war. Schließlich probierten wir, sie vor eins der Bilder zu rollen. Sie beruhigte sich und betrachtete die Farben und Pinselstriche. Sie war einmal selbst Malerin gewesen, doch ihre wahre Stärke war das Kohlezeichnen. Einen Moment lang wirkte sie fast so, als sei sie wieder 20 Jahre jünger. Doch dann begann ihr Gejammer erneut.

Der Zen-Trip des Todes, auf den ich mich mit Mom und Dad begab, um meine Oma zu besuchen, fand im Spätsommer 2006 statt, ein paar Monate, bevor meine Mom von uns ging. Obwohl meine Mutter erst im Januar 2007 starb, wussten sowohl mein Vater als auch ich, dass dies wohl die letzte Reise ihres Lebens sein würde. Allerdings sprach das keiner von uns beiden aus.

Wir wussten es aus folgendem Grund: Mom und Dad waren zu jenem Zeitpunkt bereits 65. Bei meiner Mutter war vor etwa 20 Jahren die Huntington-Krankheit diagnostiziert worden. Huntington ist, falls du’s nicht weißt – und die wenigsten wissen es, du brauchst dich also nicht dafür zu schämen –, eine degenerative neuromuskuläre Erkrankung, die Parkinson sehr ähnlich ist. Leute mit Huntington verlieren nach und nach die Kontrolle über die Funktion ihrer Muskeln, bis sie so gut wie nichts mehr allein erledigen können. Nach einer Weile sehen sie ungefähr wie Stephen Hawking aus und sitzen mit verzerrtem Gesicht zusammengekauert im Rollstuhl, während ihre Gliedmaßen ihnen komplett den Dienst versagen. Im Gegensatz zu Stephen Hawking verlierst du als Huntington-Patient am Ende allerdings auch deinen Verstand. Zumindest sagt man das. Und dann stirbst du.

Bei meiner Mutter war die Krankheit recht langsam fortgeschritten. Deshalb konnte man bis vor ein paar Jahren größtenteils verstehen, was sie sagte, und sie kam halbwegs zurecht. Sie konnte gehen, wenn jemand sie stützte. Sie konnte allein aufs Klo gehen, solange ihr jemand ins Bad und wieder raus half.

Doch alles, was lange Zeit noch funktionierte, begann nach und nach in sich zusammenzufallen. Dad täuschte der Familie vor, dass Mom eine ganze Menge dessen, was er bereits übernommen hatte, noch selbst erledigte. Als wir uns auf die Reise machten, konnte sie überhaupt nicht mehr gehen. Natürlich bestand sie darauf, dass sie das noch könne. Es sah allerdings eher so aus, das man sie durch die Gegend schleifte. Sie sagte kaum etwas, das man hätte verstehen können. Ohne ein enormes Maß an Hilfe war sie nicht in der Lage, auf die Toilette zu gehen, und seit etwa zwei Jahren konnte sie auch nicht mehr selbstständig essen. Mom hätte definitiv in ein Pflegeheim mit Ganztagsbetreuung gehört. Doch zu ihrem Unglück war sie Amerikanerin, und mein Vater arbeitete freiberuflich als Handelsvertreter für mehrere Firmen aus der Kunstgummi-Branche. Deshalb konnte er sich professionelle Hilfe auf keinen Fall leisten. Außerdem verschloss er vor der ganzen Sache fest die Augen. Interessanterweise stritt er das nie ab. Er gab es sogar offen zu. Doch er weigerte sich anzuerkennen, dass er sich nicht länger allein um sie kümmern konnte.

Die Krankheit meiner Mutter trieb mich stärker als jeder andere Faktor in meinem Leben dazu, mich mit Buddhismus zu befassen. Zwei meiner Tanten, Mutters Schwestern, hatten lange vor Mom damit begonnen, Symptome zu entwickeln. Die Mutter meiner Mutter war kurz nach meiner Geburt an Huntington gestorben. Seit meiner Kindheit wusste ich also, dass in unserer Familie eine tödliche Krankheit umging. Im Teenageralter war mir klar, dass ich den Experten zufolge eine 50%ige Chance hatte, sie geerbt zu haben. In der Mittelstufe hatte ich dermaßen üble Koordinationsschwächen und stellte mich beim Sport so furchtbar an, dass meine Eltern befürchteten, ich zeigte bereits eine juvenile Form der Krankheit. Die Spezialisten, zu denen sie mich brachten, entdeckten allerdings, dass das wirkliche Problem darin lag, dass ich auf einem Auge sehr schlecht und auf dem anderen sehr gut sehen konnte. Das daraus resultierende absolute Fehlen einer Tiefenwahrnehmung machte es mir so gut wie unmöglich zu beurteilen, ob ich einen Ball nun fangen oder auf die Nase kriegen würde. Da ich es hasste, Bälle auf die Nase zu kriegen und danach dafür ausgelacht zu werden, verabscheute ich Sport. Aber weil ich auch ein sehr gutes Auge hatte, konnte ich immer noch lesen und allen möglichen anderen Kram machen, und deshalb fiel nie irgendjemandem auf, wie schlecht ich mit dem anderen sehen konnte. Nicht einmal mir.

Meine erste Gitarre kauften mir meine Eltern, um herauszufinden, ob ich tatsächlich keine Koordination hatte oder einfach nur unmotiviert war. Als ich mir dann einen riesigen Fender-Showman-Verstärker zulegte und die Nachbarschaft mit unbeholfenen Interpretationen des ersten Albums der Ramones zudröhnte, begannen Mom und Dad, diese Entscheidung zu bereuen. Doch da war’s schon zu spät.

Mir dessen schon früh bewusst zu sein, dass ich eines fürchterlichen Todes sterben könnte, brachte mich dazu, nach Antworten zu suchen. Den Quatsch, den mir die Kirchen, die ich besuchte, auftischten, durchschaute ich ziemlich schnell. Die aufkeimende New-Age-Bewegung mit ihrer verrückten Hippie-Fixierung auf Spirit-Channeling und Kristalle beanspruchte meine Aufmerksamkeit nur etwa ’ne Viertelstunde. Drogen verhießen Erleuchtung, doch sie zeigten mir lediglich, wie es war, unerleuchtet auf Droge zu sein. Die Hare Krishnas hatten zwar nette Liedchen und köstliches Essen, doch je mehr ich mich mit ihrer Philosophie auseinandersetzte, desto dämlicher kam sie mir vor.

Hirngespinste über Himmel und Hölle oder Träume von einer Wiedergeburt an einem besseren Ort stellten mich nicht zufrieden. Ich wollte über dieses Leben Bescheid wissen, da ich es vielleicht nicht besonders lange haben würde. Ich wollte echte Antworten und keinen Schwachsinn. In meinem ersten College-Jahr wurde ich durch einen Lehrer namens Tim McCarthy mit dem Zen-Buddhismus und der Philosophie Eihei Dogens bekannt gemacht. Was ich in Dogens Herangehensweise an Zen fand, war echt. Ich probierte es selbst aus, und es funktionierte.

Wenn ich sage, dass Buddhismus funktionierte, meine ich damit nicht, dass er eine magische Lösung für all meine Probleme lieferte. Und auch nicht, dass irgendwelche Wunder geschahen oder ich in der Lage gewesen wäre, allen Zweifel und jegliche Angst mittels irgendeiner besonderen Kraft aus meinem Geist zu verbannen. Was ich meine, ist, dass Buddhismus, und besonders Dogens Buddhismus, mir den wahrhaft realitätsnahsten und praktischsten Weg dazu wies, mein Leben zu bewältigen. Dieser Weg ist nicht Spiritualität, aber er ist auch nicht Materialismus. Dogens Buddhismus leistet mehr als jede andere Philosophie, der ich jemals begegnet bin: Er überbrückt die klaffende Lücke zwischen diesen beiden sich gegenseitig ausschließenden Arten, die Wirklichkeit zu verstehen. Er lehnt sowohl Spiritualität als auch Materialismus ab und nimmt doch zur gleichen Zeit beides an. Und er ist mehr als nur ein Weg, über die Dinge nachzudenken. Er beinhaltet eine Praxis – Zazen. Die Philosophie kannst du nicht von der Praxis trennen. Wenn du nicht Zazen praktiziert, hast du nicht die geringste Chance, dich einem Verständnis dieser Philosophie anzunähern.

Meine Familie stammt aus Ohio. Doch Mom und Dad zogen in den frühen 1980ern in einen Vorort von Dallas, Texas, als mein Dad bei seinem langjährigen in Akron ansässigen Arbeitgeber Firestone aufhörte, um dort unten für eines der neuen Unternehmen aus der Gummibranche zu arbeiten. Meine Schwester, zu jener Zeit auf der High School, zog mit um, doch ich blieb oben in Ohio, um meinen College-Abschluss zu machen. Daher wohnte ich nie wirklich in dem Haus, das meine Eltern zwei Jahrzehnte lang in Flower Mound in Texas hatten. 2006 war Dad bereits aus dem Unternehmen, für das er dort arbeitete, ausgeschieden und reiste als freiberuflicher Handelsvertreter für Kunstgummi.

Etwa einen Monat, bevor wir uns auf unseren Zen-Trip des Todes machten, brach sich meine 86-jährige Oma, die in der Nähe von Cincinnati lebte, das Becken. Meine Cousine Tina, die mit ihr zusammenwohnte, hat einen autistischen Sohn. Als er fünf war, konnte er zwar schon lesen und schreiben und alles googeln, worauf er Lust hatte, aber verständlich sprechen konnte er nicht, und er hatte gerade erst gelernt, aufs Töpfchen zu gehen. Offenbar rannte er eines Nachmittags wie so oft in Omas Haus rum und stieß mit Oma zusammen, wodurch sie stürzte. Jetzt war sie also in so einer Art Rehaklinik, um sich zu erholen und wieder gehen zu lernen.

Gleichzeitig fand in Cincinnati irgendeine Kunstgummi-Messe statt, so dass mein Vater eine Gelegenheit witterte, ein paar dringend benötigte Aufträge an Land zu ziehen.

Er fand, dass es ’ne coole Sache wäre, zwei Dinge auf einmal zu erledigen, indem er sowohl seine Mutter als auch die Messe besuchte. Und da es so einladend erschien, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, dachte er sich, warum nicht gleich drei oder vier? Also beschloss er, Mom mitzunehmen, da schließlich niemand wusste, wie viel Zeit Mom oder Oma noch bleiben würde, und er entschied sich, mich zu bitten, ebenfalls mitzukommen, da ich ihm dabei helfen könnte, sich um Mom zu kümmern. Außerdem könnte ich Oma besuchen, die ich immerhin auch ’ne ganze Weile nicht gesehen hatte.

Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, kam meine Mutter zu jenem Zeitpunkt schon nicht mehr so toll mit Flugzeugen zurecht, vor allem in der Ära massiver Paranoia an den Flughäfen nach dem 11. September. Das letzte Mal, als Dad versucht hatte, mit ihr irgendwohin zu fliegen, erwies es sich einfach als zu viel für die beiden, ihren Rollstuhl durch die Sicherheitskontrollen zu schleusen und dann mit Moms nahezu durchgehendem Jaulen an Bord eines voll besetzten Flugzeugs klarzukommen. Der Plan würde also nur funktionieren, wenn wir mit dem Auto von Dallas nach Cincinnati führen. Tja, und seit meiner High-School-Zeit war mein Vater es durch seinen Job gewohnt, ständig lange Strecken im Auto zurückzulegen. Für ihn hörte sich ’ne 18-stündige Autofahrt ziemlich easy an. Ich bin mir nicht mal völlig sicher, ob er in der Lage wäre zu begreifen, warum anderen Leuten 18 Stunden im Auto irgendwie lang vorkommen könnten.

Und ich rede hier wohlgemerkt nicht von einer stinknormalen 18-Stunden-Fahrt. Ich rede hier von einer 18-Stunden-Fahrt mit einer Frau, die kaum selber gehen konnte, deren Unterwäsche man alle drei Stunden wechseln musste und die ständig ein Geräusch von sich gab, das so klang, als hätte jemand ’ne Kuh bei lebendigem Leib angezündet. Ich liebte meine Mutter wirklich. Aber, Mannomann, dieses Geräusch

Und als ob all das noch nicht genug gewesen wäre, entdeckte meine Großmutter, dass mein Großvater, der sechs Jahre vor dieser ganzen Geschichte gestorben war, ungefähr eine halbe Million Dollar hinterlassen hatte. Das war ein ordentlicher Schock. Opa war bei aller Vorstellungskraft kein reicher Mann gewesen. Den größten Teil seines Lebens war er in einer mittleren Führungsposition in einer Papierfabrik tätig und wohnte in einem bescheidenen Backsteinhaus, das er zusammen mit seinen Cousins irgendwann vor dem Zweiten Weltkrieg mit eigenen Händen gebaut hatte. Offensichtlich gelangen ihm allerdings ein paar clevere Investitionen, und so hamsterte er ziemlich jeden Cent, den er verdiente, auf verschiedenen Sparbüchern. Und im Laufe seines über 70-jährigen Arbeitslebens hatte sich so ganz schön was angehäuft. Er erzählte nie jemandem was von der Kohle, nicht mal meiner Großmutter oder seinen Kindern. Und Opa hatte kein Testament hinterlassen.

In den letzten sechs Jahren war jenes Geld für meinen Vater und meine Großmutter der Zankapfel gewesen. Dad war der Ansicht, sie solle das Geld dazu verwenden, ihn in der Betreuung meiner Mutter zu unterstützen. Davon mal ganz abgesehen, dass das ein gutes Werk gewesen wäre, hätte es auch ihre Steuerlast gesenkt. Außerdem fing sie eh nichts mit der Kohle an.

Da war nun also dieser Riesenhaufen Geld, der auf Omas Konto schlummerte und nur darauf wartete, dass sie den Löffel abgab, damit alle sich darüber in die Haare kriegen konnten. In der Familie ging das Gerücht um, dass Dad nicht in Omas Testament stand. Vielleicht stand er aber doch drin. Oder vielleicht hatte Oma ja, genau wie ihr verstorbener Gatte, gar kein Testament gemacht. Niemand sprach die Sache offen und ehrlich an. Omas Version der Geschichte änderte sich jedes Mal, wenn sie davon erzählte. Es ist möglich, dass sie’s nicht mal wirklich wusste. Mein Vater war zwar verärgert darüber, enterbt worden zu sein, doch meine Schwester war noch wütender. Vor Jahren schon hatte sie aufgehört, mit Oma zu reden.

Und nur zu deiner Info: Ich wollte die beschissene Kohle nicht. Wegen mir konnten sie die behalten. Ich besorg mir meine eigene Kohle. Geld gibt’s nie zum Nulltarif. Nie, nie, nie. So läuft’s einfach nicht. Das hättest du gern. Das hätte ich gern. Aber so läuft’s halt nicht.

Wie dem auch sei, mein Vater hatte sich vorgenommen, sich deswegen mit seiner Mutter – so etwa zum fünften Mal – anzulegen, sobald wir oben in Ohio angekommen wären.

Angesichts dieser Umstände konnte eine 18-stündige Autofahrt aus den Vororten von Dallas nach Cincinnati, bei der wir meine Mutter mitschleppten, um meine Oma zu besuchen, auf keinen Fall zu etwas anderem werden als zu einem Zen-Trip des Todes, selbst wenn niemand dabei tatsächlich draufgehen sollte. Als wir uns aufmachten, fragte ich mich allen Ernstes, ob überhaupt irgendeiner von uns überleben würde.

 Der Ausdruck Zen-Trip des Todes stammt übrigens nicht von mir. Als ich in den frühen 1980ern noch an der Kent State University studierte, wohnte ich an einem Ort, der das f-Models-Haus genannt wurde, weil eine ortsansässige Punk-Band mit dem Namen The f-Models dort wohnte und im Keller probte.

Iggy Morningstar, der Kopf der Band, bewohnte oben ein Zimmer zusammen mit seiner Freundin Lisa, die ihn aber schließlich rauswarf, weil er dauernd besoffen war und nie die Miete zahlte. Daraufhin erhängte sich Iggy. Für mich bedeutete Iggys Tod sehr lange das Ende des Punk-Rock.

Bis dahin hatte ich mich der Punk-Bewegung extrem verbunden gefühlt. Reagan und Breschnew waren fest entschlossen, den Planeten in Schutt und Asche zu legen, bevor ich überhaupt meinen Uni-Abschluss machen konnte. Doch die gesamte Nation verschloss offenbar fest die Augen vor der Wahrheit. Es war meine heilige Pflicht, jene Botschaft so laut und so oft wie möglich in die Welt herauszuschreien.

Zu dem Zeitpunkt, als Iggy starb, war unsere kleine Punk-Szene in Akron jedoch bereits von hirntoten Muskelprotzen unterwandert worden, die Pogo-Tanzen als willkommenen Vorwand dafür ansahen, sich zuzudröhnen und jeden aufzumischen, der kleiner war als sie selbst. Ich hatte keinen Bock mehr, Hintergrundmusik für prügelnde Arschgeigen zu spielen. Iggys Tod besiegelte das Ganze nun endgültig. Seine Band war die erste Punk-Band, die ich jemals live gesehen hatte, und sie hatten nicht nur auf mich, sondern auf die gesamte Szene einen enormen Einfluss gehabt. Wenn Iggy den Kampf nicht weiterführen wollte, warum sollte ich es tun?

Das Zimmer von Iggy und Lisa übernahm dann ein anderer KSU-Student, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann. Ich nenne ihn einfach mal Larry. Er sah aus wie ein Larry. Er war groß und drahtig und fuhr regelrecht auf Fahrräder ab. Außerdem stand er auf die buddhistische Nichiren-Shoshu-Sekte.

[Anmerkung des Übersetzers: Das Wort „Sekte“ hat im buddhistischen Kontext nicht zwingend den üblen Beigeschmack, den es sonst im Deutschen oft in Bezug auf Religionsgemeinschaften haben kann. Es gibt schlichtweg sehr viele verschiedene Strömungen des Buddhismus, und „Sekte“ wird in der Regel einfach als wertneutrale Bezeichnung für eine der vielen Untergemeinden benutzt.]

Nach deren Meinung ist der beste Weg, zur Erlösung zu gelangen, immer und immer wieder „Nam Yoho Renge Kyo“ zu chanten – was in etwa „Das Lotus-Sutra ist das coolste aller Sutras“ heißt –, während man vor einer Miniaturausgabe des Lotus-Sutras kniet. Also machte Larry das recht oft in seinem Zimmer.

Eines Tages fiel mir auf, dass Larry einen kleinen Anstecker trug, auf dem „Zen Death Trip“ stand. Er erklärte mir, dass den einer seiner Biking-Kumpels gemacht hatte, und zwar nach einer besonders aufreibenden gemeinsamen Tour. Wegen Larrys Beziehung zum Buddhismus hatten sie die Tour den „Zen-Trip des Todes“ getauft, obwohl Larry an und für sich gar kein Zen-Schüler war.

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KAPITEL 2

LOS ANGELES

Doch bevor ich dir alles über den Zen-Trip des Todes erzähle, sollte ich dir wohl erklären, wie ich überhaupt dazu kam, ihn anzutreten.

Vor vierzehn Jahren zog ich einmal quer über den Globus, von Akron in Ohio nach Japan, da mir klar wurde, dass das wohl die vernünftigere Alternative zu Selbstmord wäre. Ich machte damals Platten, doch sie verkauften sich nicht. Ich bekam einfach keinen ordentlichen Job. Ich fühlte mich nutzlos, orientierungslos und hoffnungslos.

Eines Tages warf ich ein Stück Seil in meinen Kofferraum und fuhr in einen Park, um mich aufzuhängen; an einem Baum so tief im Wald, dass niemand mich je finden würde. Als ich meinen Wagen parkte, sah ich ein paar kleine Kinder, die schaukelten. Und ich dachte mir: Es gibt keinen Ort, an dem ich mich umbringen kann, der absolut garantiert, dass diese Kinder nicht auf meine Leiche stoßen werden. Oder ein junges Paar, das herumschlendert. Oder ein alter Mann, der spazieren geht. Oder einfach sonst wer, der nicht wirklich scharf drauf ist, einen toten Körper an einem Baum hängen zu sehen. Und genauso, wie ich die letzten beiden Jahrzehnte damit verbracht hatte, mich von Iggys Tod runterziehen zu lassen, würde es jene Person runterziehen, wenn sie meine Leiche fände. Und meine Mom wäre traurig. Mein Dad wäre traurig. Meine Schwester wäre traurig. Alle möglichen Leute wären traurig. Ich konnte es nicht tun. Aber so weitermachen wie bisher konnte ich auch nicht.

Es war wahrscheinlich die Zen-Praxis, die ich seit den frühen 1980ern geübt hatte, die mich davor bewahrte, denselben Ausweg zu wählen wie Iggy. Davor hätte ich wohl kaum die Auswirkungen bedacht, die mein Tod auf andere haben könnte. Selbstmord hatte immer eine romantische Faszination auf mich ausgeübt, die nicht einmal von Iggys Tod geheilt wurde. Was sie schließlich austrieb, war, dass mein Kopf endlich klar genug wurde, um mir anzuschauen, wie die Sache wirklich aussah.

Als meine Schwester mir erzählte, dass sie in Japan Lehrer suchten, wurde mir klar, dass ich einen Weg gefunden hatte, mich selbst zu töten, ohne mich tatsächlich umzubringen, einen Weg, einfach alles komplett zurückzulassen, zu verschwinden. Also bewarb ich mich, und ich bekam den Job.

Nachdem ich nur ein Jahr in Japan als Lehrer gearbeitet hatte, nahm ich einen völlig anderen Job bei einer Firma für Film- und Fernsehproduktionen an. Kurze Zeit später kündigte ich dort und ging zu einem ähnlichen Unternehmen der gleichen Branche – Nakano Productions. Was ich darüber erzählen werde, ist wirklich wahr, allerdings nicht unbedingt ein genaues Abbild derTatsachen.

Nakano Productions wurden 1961 von einem gewissen Hajime Nakano gegründet, dem Mann für die Spezialeffekte, der ein sehr berühmtes und extrem gewinnbringendes japanisches Film-Monster erschuf, das von westlichen Filmkritikern unter anderem als „schrecklicher Flugsaurier mit radioaktiver Mandelentzündung“, „riesiges Chamäleon mit Dolchen als Zähnen“, „mit gewaltigen Fängen ausgestattete, fliegende Wasserschildkröte“ oder gar als „grotesker Tintenfisch aus dem All“ beschrieben wurde. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass jene Kritiker sich die Filme, über die sie schrieben, meist gar nicht erst anschauten.

In den frühen 1970ern landeten Nakano Productions mit einer realen (also nicht animierten) TV-Serie namens „Zone Robo“ den großen Wurf. „Zone Robo“ handelte von den Heldentaten eines 40 Meter großen Roboters aus dem Weltall, der von einem kleinen Jungen gesteuert wurde und regelmäßig die Welt vor gigantischen Monstern rettete, welche von Männern in schlecht sitzenden Gummikostümen dargestellt wurden, die in Balsaholz-Nachbauten der Innenstadt von Tokio herumstapften. „Zone Robo“ wurde in den 1970er-Jahren in den Vereinigten Staaten ausgestrahlt, und ich liebte es. Ich war extrem froh darüber, einen Job bei der Firma zu bekommen, die eine dermaßen geniale Serie geschaffen hatte. Es war einer meiner lang gehegten Träume, diese Serie in Amerika erfolgreich zu machen. Und als ich für die Firma zu arbeiten begann, wurde genau das zu meiner Mission.

Doch Nakano Productions sind ein merkwürdiges Unternehmen. Hajime Nakano war zwar ein kreatives Genie, aber nicht wirklich ein Geschäftsmann. Als er sich 1973 zur Ruhe setzte, überließ er die Firma seinem ältesten Sohn, Masaki Nakano. Masaki war zwar kein sonderlich kreativer Typ, doch ein großartiger Geschäftsmann. Er machte die Figuren seines Vaters durch geschickte Deals und cleveres Merchandising zu absoluten Verkaufsschlagern. Masaki war derjenige, der mich eingestellt hatte, um seinen Traum umzusetzen und „Zone Robo“ über Amerika fliegen zu lassen, wie er gerne sagte. Bedauerlicherweise verließ Masaki etwa ein Jahr, nachdem ich an Bord kam, die Firma, um sich einer bizarren religiösen Sekte anzuschließen. Ich sah damals Berichte darüber, wie diese Sekte in den Bergen Satellitenschüsseln aufstellte, um mit dem Bodhisattva Manjushri Kontakt aufzunehmen, oder so was in der Art. Niemand sprach jemals wieder über Masaki, nachdem er gegangen war. Den Wünschen von Masaki Folge leistend, betrachteten ihn seine Familie und die Firma offiziell als tot. Da das Unternehmen zig Millionen Yen wert war, begann dort somit zwischen Geschwistern, Cousins, Onkeln und Tanten eine Schlacht um dessen Kontrolle, deren Ausmaße Japan seit den Tagen der verfeindeten Samurai-Clans nicht mehr erlebt hatte.

Das führte zu einer ganzen Serie von Familienintrigen, die hier aufzuzählen viel zu kompliziert wäre. Nach fast einem Jahrzehnt interner Machtkämpfe schienen sich die Dinge schließlich zu beruhigen, wobei zwei Mitglieder des Nakano-Clans, Tomoyuki und Ishiro, aus dem blutigen Gefecht als Präsident bzw. Vizepräsident hervorgingen.

Tomoyuki und Ishiro heckten einen Plan aus, der vorsah, mich nach Hollywood zu schicken, um dort für Nakano Productions als Verbindungsmann zur Glitzerwelt der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie zu fungieren. Ich befürchtete zwar bereits, dass sie mich ohne ein richtiges Konzept und auch ohne die notwendigen Entscheidungsbefugnisse, mir selbst einen Plan zurechtzulegen, in die Staaten schicken würden. Doch da ich gesehen hatte, dass es meiner Mutter bei jedem meiner Heimatbesuche wieder schlechter ging, sagte ich mir, dass es wohl besser wäre, mich in Amerika aufzuhalten. Los Angeles ist von Dallas nur zwei Flugstunden entfernt. Ich würde alle paar Monate, vielleicht sogar öfter, zu Besuch kommen, um meinem Dad unter die Arme zu greifen und einfach da zu sein. Also nahm ich die Versetzung an.

Obwohl ich mich auf den folgenden Seiten mächtig über die Firma beschweren werde, finde ich, dass ich Nakano Productions sehr viel zu verdanken habe. Ich liebe das Unternehmen inniglich. Als ich noch in Japan lebte, waren die Leute dort wie eine Familie für mich. Außerdem haben sie mir meine buddhistische Unterweisung bezahlt. Ich habe ihre großzügigen Urlaubsrichtlinien dafür genutzt, an zahlreichen Zen-Retreats teilzunehmen. Ich habe ihre Computer benutzt, um meinem ersten Buch den letzten Schliff zu geben. Ich traf sogar auf meinen jetzigen Lehrer, Gudo Nishijima, als ich in Tokio für sie arbeitete. Nishijima Sensei behielt immer einen regulären Job, um seinen Lebensunterhalt selbst zu finanzieren, während er Buddhismus praktizierte und lehrte, und er regte seine Schüler dazu an, es ihm gleichzutun. Ich rechnete mir aus, dass mein Job bei Nakano Productions getan wäre, wenn ich bloß einen coolen amerikanischen Filmvertrag für sie aushandeln könnte. Ob ich danach noch weiter für sie arbeiten würde oder nicht, hatte ich noch nicht wirklich entschieden.

Viele Leute sehen einen immensen Konflikt darin, einerseits ein buddhistischer Lehrer zu sein und andererseits für eine Firma zu arbeiten, die japanische Low-Budget-Monster-filme macht. Um ehrlich zu sein, manchmal tu ich das auch. Das widerspricht natürlich dem üblichen Bild des heiteren Mönchs, der Tee schlürfend in seinem Bergtempel sitzt und kosmische Weisheit verteilt. Aber dieses Bild ist natürlich sowieso kompletter Stuss.

Einst gab es Zeiten, in denen professionelle buddhistische Vollzeitmönche benötigt wurden. Die damalige asiatische Gesellschaft verstand das. Sie unterstützte buddhistische Klöster und brachte umherziehenden Mönchen Gaben dar. Heutzutage ist dieses traditionelle System der Unterstützung sogar in Asien auf dem absteigenden Ast. Mittlerweile betteln die meisten japanischen Mönche nicht mehr oder leben gar von Spenden an ihre Tempel, sondern sorgen für ihren Lebensunterhalt, indem sie Beerdigungszeremonien leiten. Nishijima sagt gerne, dass die japanische Soto-Schule – in der er übrigens ordiniert wurde – eine Zunft von Bestattungsunternehmern sei.

Da wir kein System errichtet haben, um sie zu versorgen, müssen die meisten westlichen Buddhisten, einschließlich der meisten westlichen buddhistischen Lehrer, „echte“ Jobs in der säkularen Welt ausüben. Doch in den buddhistischen Kreisen des Westens geht der Mythos um, dass die einzigen beiden Jobs, die als das durchgehen, was der Buddha als „rechten Lebenserwerb“ bezeichnete, Therapeut oder Yoga-Lehrer seien. Das ist Schwachsinn.

Hierzu gibt es ein altes Gleichnis. Ein buddhistischer Meister geht an einer Metzgerei vorbei. In jenen Tagen wurden Metzger, deren Arbeit es erforderte, das erste und wichtigste buddhistische Gebot „Töte nicht“ zu brechen, als das ultimative Beispiel falschen Lebenserwerbs angesehen. Der Meister beobachtet, wie ein Kunde den Laden betritt und fragt: „Haben Sie Fleisch da, das wirklich frisch ist?“

Der Metzger legt bedächtig sein Hackmesser zur Seite, faltet seine Hände zu einer respektvollen Geste und sagt: „Mein Herr, sehen Sie in diesem Laden irgendein Fleischstück, das nicht frisch wäre?“ Aus dieser Begebenheit lernte der Meister, dass selbst ein Metzger seinen Job auf buddhistische Art erledigen kann, mit Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Respekt.

Ich hab also nun mal ’nen Job im Monster-Filmgeschäft. Ich mag Monsterfilme. Der Job macht Spaß, also werde ich ihn so lange behalten, wie sie mich haben wollen, vielen Dank auch.

Rechter Lebenserwerb ist nicht auf bestimmte anerkannte Wege beschränkt, sein Geld zu verdienen. Es geht vielmehr darum, was deine Intuition dir sagt zu dem, was du machst. Das kann ’ne knifflige Sache sein, da die meisten von uns nicht die geringste Ahnung haben, wie man auf seine Intuition hört. Es ist nicht so, dass absolut alles, was du beruflich machst, in Ordnung ist. Aber es stimmt auch nicht, dass irgendwer sonst für dich entscheiden kann, was das Richtige ist. Für einige Leute wäre Yoga-Lehrer oder Therapeut der absolut falsche Job. Was die Gesellschaft – sogar eine sogenannte buddhistische Gesellschaft – in Bezug auf einen „vernünftigen Job“ entschieden hat, ist völlig ohne Belang.

Bevor ich nach Japan ging, arbeitete ich bei der Summit-County-Behörde für geistige Behinderungen und Entwicklungsstörungen und half geistig behinderten Erwachsenen dabei, in dieser komplizierten Welt zu leben und zu arbeiten. Ich bin sicher, dass die „Yoga-Lehrer oder Therapeuten“-Riege von einem solchen Job begeistert wäre und entrüstet darüber, dass ich diesen Job kündigte, um im Filmgeschäft zu arbeiten. Aber ich hasste die Behörde für GBES und machte meine Arbeit absolut miserabel. Ohne mich sind die wesentlich besser dran. Im Filmgeschäft kann ich immerhin einen Funken Ausgeglichenheit da einbringen, wo er dringend gebraucht wird. Was ist wohl besser: Ein sehr gewissenhafter Metzger zu sein oder ein lausiger Therapeut? Wer von beiden hat wohl das größere Potenzial, wirklichen Schaden anzurichten?

In Los Angeles angekommen begann ich damit, die Zen-Szene der Stadt unter die Lupe zu nehmen. Vieles von dem, was mir dort begegnete, war wirklich haarsträubend. Zen-Meister Rama, der eigentlich Frederick Lenz hieß, war einer der Hauptakteure in der buddhistischen Szene von L.A. gewesen. Fred war ein dünner Weißer, der sich gerne in einer sexy Lederjacke und mit einer hell leuchtenden Aureole hinter seinem riesigen Afro fotografieren ließ, so dass es aussah, als trüge er einen Heiligenschein. Er gab spezielle Kurse „für die Ladys“, und er bot teure Seminare zu etwas an, das er „tantrischen Zen“ nannte. Leute, so was wie tantrischen Zen gibt’s nicht. Es gibt eine tibetische Tradition, die tantrischer Buddhismus heißt, und eine japanische Tradition namens Zen. Sich als Lehrer für tantrischen Zen zu bezeichnen ist in etwa das Gleiche, wie den Leuten zu erzählen, man lehre jüdischen Katholizismus. In diesen Seminaren konnten die Leute etwas über höhere Bewusstseinsebenen oder die Manipulation des Energieflusses lernen oder sich mit Anekdoten über des Meisters Arbeit mit Michael Jackson und anderen Hollywood-Koryphäen beglücken lassen. 1988 beging Meister Rama Selbstmord, indem er eine Handvoll Pillen einwarf und ins Meer spazierte. Seine jetzigen Anhänger sehen darin offenbar keinerlei Ironie und führen die Tradition ihres Meisters bis zum heutigen Tag weiter. Eine andere Zen-Gruppe, die ich in L.A. antestete, bot teure Seminare in schicken Hotels an, die sofortige Erleuchtung versprachen. So was wie Instant-Erleuchtung gibt’s auch nicht. Doch dazu kommen wir noch. Allerdings war auch nicht alles in der Zen-Szene von L.A. kommerzialisierter Unfug. Ich schaffte es, ein paar Orte aufrichtiger buddhistischer Praxis ausfindig zu machen, die so versteckt waren wie ’ne glänzende Münze in ’nem Haufen Hundescheiße. Zenshuji ist der offizielle Zweig der japanischen Soto-Schule in Los Angeles. Dort werden mehrmals wöchentlich bodenständige, unfugfreie Zazen-Sitzungen angeboten. Eine weitere Gruppe, die ich fand, war eine zum Rinzai gehörende Organisation, die sich sonntagsmorgens ein paar Stunden vor Geschäftsbeginn in einem Café in Little Tokio traf. Joshu Sasaki, ein Rinzai-Mönch, der gerade seinen 100. Geburtstag feierte, leitet einen Tempel in der Stadt und ein Retreat Center auf dem nahegelegenen Mount Baldy.

Ich fragte mich langsam, ob ich in die südkalifornische Zen-Szene reinpassen könnte. Ich hatte jedoch definitiv nicht die Mittel, um meinen eigenen Tempel hochzuziehen, oder den Wunsch, das zu tun, sogar wenn ich die Knete gehabt hätte. Da traf ich Christine Buckley, einen Fan meines ersten Buches, die bei einer der großen Filmfirmen arbeitete. Sie schrieb mir, sie habe gehört, dass ich nach Kalifornien kommen wollte, und erzählte mir von Dr. Chris Chappel, einem Professor für Vergleichende Religionswissenschaft an der Loyola Marymount University. Er hatte zusammen mit ein paar gleichgesinnten Kollegen ein Haus in Santa Monica gefunden, das nur ein paar Blocks vom Strand entfernt lag. Ihr Plan war es, das Haus an Lehrer verschiedener spiritueller Disziplinen zu vermieten, um ihr Zeug zu lehren. Christine fragte mich, ob ich eventuell interessiert wäre. Das war ich. Also stellte sie uns einander vor.

Dr. Chappel gefiel das, was ich tat, und er fragte mich, ob ich Lust hätte, am Hill Street Center zu unterrichten. Wie alle anderen Lehrer dort müsste ich einen Teil der Miete zahlen, der von der Dauer der Nutzung abhängig war. Doch bei Nakano Productions verdiente ich genug, um mir die Miete leisten zu können, selbst wenn die Spenden, die ich von den Teilnehmern meines Kurses bekäme, sie nicht deckten. Also sagte ich zu.

Dr. Chappel fragte mich nach meiner Anhängerschaft. Ich sagte ihm, dass ich das wirklich nicht wüsste. Mein Buch ver kaufte sich zwar und mein Blog war gut besucht. Aber ich hatte keine Ahnung, ob das tatsächlich bedeutete, dass Leute wirklich kämen, um mit mir Zazen zu üben. Ich begann Anfang 2005 an einem Donnerstagabend. Es erschienen, glaub ich, vier Leute. Nach einer Weile hatte ich einen Grundstock von etwa zehn bis fünfzehn Leuten aufgebaut, auf die ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit rechnen konnte, allerdings nicht immer am selben Tag. Für gewöhnlich lag die Spitze bei sieben Leuten. Manchmal weniger, ab und zu mehr.