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Bildnachweis:

Alle Abbildungen im Bildteil picture alliance, Frankfurt am Main

© für die Originalausgabe und das eBook: 2017 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Thomas Steinhoff, Frankfurt am Main

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

Satz und eBook-Produktion: Satzwerk Huber, Germering/München

ISBN 978-3-7766-8268-7

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 | Wer ist Donald Trump?

Trump, der Unternehmer

Trump, der Politiker

Trump, der Fall für die Psychiater

Trump und die Frauen

Trump, der Radikale

Die Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit der Religion?

Trump, der Law-and-Order-Präsident

Trump, der Führer, der nur manchmal führt

2 | Zwei Trumps und zwei Amerikas

Amerikas Identitätskrise

3 | Falsche Schweden: Großvater, Vater, Sohn

Der Großvater: Ein »Etablissement« in Alaska

Der Vater: Bauen für den Mittelstand

Der Enkel: Aus Millionen werden Milliarden

4 | Jäger im Weißen Haus: Wie Donald Trump zur Politik fand

»Running mate« von George H.W. Bush?

Im Bündnis mit Ross Perot

Sprachrohr der Verschwörungstheoretiker

Spenden für die Demokraten

Ein später Abtreibungsgegner

Frühe Kritik am Freihandel

5 | Wer hat Donald Trump gewählt – und warum hat es (k)einer vorab geahnt?

Weiße Pessimisten

Warum Trump bei den Hispanics gut abschnitt

Der College-Graben

Clintons Fehler

Der Meinungsforscher, der nicht mehr an sich glaubte

6 | Das Universum des Präsidenten: Familie und Verbündete

Der Präsident und die Gesetzeslücken

Die Geschäfte der First Daughter

Smarter Schwiegersohn, emanzipierte First Lady

Kräftemessen mit Steve Bannon

Profis im Kabinett

7 | Außenpolitik im Vorzeichen des »America First«

Nato

Europäische Union

Deutschland

Russland

Naher Osten

Iran

Türkei

China

Nordkorea

Philippinen

Hat Trump eine außenpolitische Doktrin?

8 | Spuren nach Moskau: »Putin ist netter als ich«

Erfundene Begegnungen mit Putin

Moskaus Argumente gegen Clinton

Russische Gelder für General Flynn

9 | Rückruf der Geschichte: Trump und das Erbe des Andrew Jackson

Old Hickorys Mangel an Selbstkontrolle

Das gesprengte Parteiensystem

Kampf gegen die Banken

Hurensohn mit Elektrosäge

10 | Obama und die Political Correctness: Trumps unfreiwillige Wahlhelfer

Darf man vom »radikalen Islam« sprechen?

Was die Umfragen verraten

Trumps bezahlte Claqueure

»Einreiseverbot für Muslime«

11 | Amerikas Wirtschaft: Wer fuhr den Wagen in den Sumpf?

Kernfusion statt Klimaschutzabkommen?

Als Bill Clinton in den Sumpf raste

12 | Protektionismus: Trump, der Freihandel und die gefährdete Marktwirtschaft

Arbeitsplätze für 900000 Dollar

Die Wahrheit über den Freihandel

Familie Trump lässt in Asien produzieren

Währungsmanipulator Deutschland?

Xis angeblicher Respekt vor Trump

13 | Der Commander-in-Tweets, die Medien und die alternativen Fakten

Die Regie einer Pressekonferenz

Wie links sind Amerikas Journalisten?

Der Präsident redet Bullshit

14 | Trumps Stärken: Warum dieser Präsident bleibt

Trumpcare und das Verfassungsgericht

Frühe Warnungen vor einer obsoleten Nato

Quellenverzeichnis

Bibliografie

Namensregister

Bildteil

Einleitung

Donald John Trump hat das Zeug, als einer der mächtigsten Präsidenten in die Geschichte der USA einzugehen – wenn man Macht am Ausmaß der Veränderungen bemisst, für die der jeweilige Commander-in-Chief verantwortlich zeichnet.

Da ist zunächst die amerikanische Arena. Niemand wird künftig mehr sagen können, ein Außenseiter, der nicht von einer der großen Parteien und von mächtigen Geldgebern unterstützt werde, ob es sich um bestimmte Milliardäre handelt oder finanzstarke Gewerkschaften, habe keine Chance, ins Weiße Haus zu kommen. Keiner wird auch mehr behaupten wollen, ein amerikanischer Präsident müsse zum Vorbild taugen durch sein Verhalten im Privat- oder Geschäftsleben. Weggeschmolzen ist die als eisern angesehene Regel, bevor man für das Weiße Haus kandidiere, müsse man sich auf anderen politischen Positionen oder im Militär bewährt haben. Trump brachte nicht viel mehr mit ins Weiße Haus als das Versprechen, das politische System umzukrempeln. Aber sein Wahlerfolg gründet auf geschichtlichen und kulturellen Traditionen der USA, die sich mit dem Begriff »Jacksonianismus« verbinden – und die mutmaßlich die Amtszeit Trumps überdauern werden. Beispiellos ist hingegen die Bereitschaft des Präsidenten, die Grenzen zwischen Administration und Familienkonzern, zwischen Politik und Privatinteresse verschwimmen zu lassen.

Mindestens ebenso gravierend sind die Veränderungen auf der internationalen Bühne. Das Pariser Klimaschutzabkommen hat Trump gekündigt und damit amerikanischen Führungsanspruch aufgegeben. Die Nato, einst von den USA zur Sicherstellung ihrer globalen Führungsrolle initiiert, wird von Trump in ihrer Bedeutung massiv relativiert. Sie ist nicht mehr, wie er noch im Wahlkampf sagte, »obsolet«, aber der Präsident sieht die Verteidigungsgemeinschaft auch nicht als unverzichtbar an, wie er bei seinem ersten Auftritt in Brüssel klargemacht hat. Die Verbündeten haben diese Entwicklung mitverschuldet. Dennoch sendet die Relativierung der Nato ausgerechnet durch Washington Schockwellen durch Europa: Werden die USA einschreiten, wenn Russland beispielsweise Estland bedrohen sollte? Das Bekenntnis zum Artikel 5 des Nato-Vertrags im Juni 2017 gegenüber dem rumänischen Präsidenten Klaus Johannis beseitigt nicht die Zweifel. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte »die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen konnten«, als »ein Stück weit vorbei«. Deutschland wird von Trump ohnehin als »schlimm« angesehen, weil das Land zu viel exportiert, insbesondere Autos. Ein Hauch von Äquidistanz durchweht die globale Politik, in der Amerika die Selbstisolierung betreibt, während Europa und Deutschland jederzeit wieder enger an Russland rücken können.

Im Nahen Osten beendet der Präsident die vom Vorgänger Barack Obama geprobte Politik einer Ausbalancierung der sunnitischen Führungsmacht Saudi-Arabien und der schiitischen Führungsmacht Iran. Den Saudis, aus deren Mitte 15 der 19 Attentäter des 11. September 2001 kamen, verkaufte er amerikanische Waffentechnologie für 110 Milliarden Dollar. Was wird aus diesen Waffen, wenn der Königspalast in Riad eines Tages von Extremisten übernommen werden sollte, befördert beispielsweise aus dem Golfstaat Katar, der die radikale sunnitische Muslimbruderschaft unterstützt und daneben enge Beziehungen zum Iran unterhält?

Seit den 1980er Jahren ist die Rede vom bevorstehenden »pazifischen Jahrhundert«. Präsident Trump scheint das amerikanische Jahrhundert durch seine Politik des »America First« nun wirklich beenden zu wollen. Er kündigt den transpazifischen Freihandelsvertrag TPP auf, den Obama mit Partnern in Nord- und Südamerika und in Asien um China herum hatte ausarbeiten lassen. Falls sich Peking des Problems Nordkorea annehme, so die Signale Trumps, halten sich die USA aus Asien weitgehend heraus. Dann kann China seine eigene Macht ausweiten und im geostrategisch ausgesprochen wichtigen Südchinesischen Meer Fakten schaffen, nicht nur durch die Praxis der Landaufschüttung. Die bisherige Pax Americana, die Idee einer militärischen und wertemäßigen Dominanz der USA, scheint in jenem Teil der Welt zu kapitulieren.

Dem Protektionismus gibt dieser Präsident den eindeutigen Vorzug vor dem Freihandel. Die Passierbarkeit der internationalen Seewege hängt vor allem vom Engagement der USA ab. Wenn Trump sich dieser Aufgabe verweigert, geht die Zersplitterung der Welt weiter, die sich bereits etlichen Gefahren gegenübersieht: globalen Wanderungsbewegungen, neuen Nationalismen, Konflikten in der Ukraine wie in Syrien, Spannungen in Asien und ohnehin im Nahen Osten, Zweifel an der EU in Europa.

»Trotz der ständig negativen Presse covfefe«, twitterte ein offenkundig mit dem Schlaf ringender Präsident Anfang Juni 2017 zu mitternächtlicher Stunde. Darüber wurde gewitzelt, bis dann wieder die Debatte über Russlandkontakte die Schlagzeilen bestimmte. Doch dies alles hat eher anekdotisches Format, verglichen mit den geopolitischen Verschiebungen, die unter diesem Präsidenten eher passieren, als dass sie von ihm gesteuert würden. Ein fachlich überforderter Commander-in-Chief verrückt die Welt. In diesem Buch soll untersucht werden, ob er dabei eine Strategie verfolgt, die über die Maxime America First hinausreicht. Der Autor hat Trump aus nächster Nähe erlebt bei etlichen Wahlkampfauftritten und bei der Inauguration, und er stellte dem Präsidenten Fragen bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Er sprach, nach fast acht Jahren als Korrespondent in Washington D.C., mit Quellen im Weißen Haus und in der Administration, er traf Weggefährten, Biografen und Freunde der Familie Trump, von denen viele den heutigen Präsidenten als freundlich und allürenfrei beschrieben. Er reiste zu Trumps Wählern in verschiedenen Bundesstaaten und in einigen seiner Hochburgen, und er stieß dort auf eine Perspektivlosigkeit vor allem unter Weißen mit geringer Bildung, die kluge Soziologen schon vor Jahren analysierten, ohne dass die Politik darauf reagiert hätte.[1]

Donald J. Trump wurde in der ältesten dauerhaften Demokratie der Welt ins Amt gewählt, nachdem die Medien umfassend informiert hatten über seine kühnen Immobilienprojekte wie den Trump Tower und seine Erfolge als Moderator der TV-Show »The Apprentice«, aber auch über seinen ausgeprägten Hang, Fakten zu verbiegen, über seinen oft wahnhaften Narzissmus oder über frühe Geschäftskontakte mit dem Mafiamilieu. Seine Anhänger verehren ihn als jemanden, der Mängel im System beseitigen könne, und seine Gegner sind entsetzt oder gar so voller Hass wie jener Bernie-Sanders-Fan, der im Juni in Virginia auf republikanische Abgeordnete schoss und von Polizisten getötet wurde.

In diesem Buch geht es um ein faires Bild, das die vielen Schwächen des Präsidenten erkennen lässt, aber auch einige Stärken, etwa seine Fähigkeit, Stimmungen zu erfassen. Trump nur zu verdammen, wird nicht dem Phänomen gerecht, das dieser Mann für einen Großteil der Amerikaner weiterhin verkörpert. Aber seine schiere, ihm von seinem Amt verliehene Macht mit Größe zu verwechseln, würde nicht der Gefahr gerecht, die Trump für die Reputation der USA und die Welt, wie wir sie kennen, heraufbeschwört.