Anhang

FFZ: Fragebogen zu Funktionalitäten von Zwangserkrankungen

Liebe LeserInnen!

Es ist verständlich und klar, dass Sie Ihren Zwang vor allem als sehr störend empfinden. Alle psychischen Krankheiten haben aber neben den Einschränkungen und Nachteilen auch positive Seiten für die Betroffenen. Dies kennen Sie möglicherweise ebenso wie andere Menschen, die unter Zwängen leiden. Diese positiven Seiten (= Funktionalität) sollen mit dem vorliegenden Fragebogen erfasst werden. Wenn im Folgenden nun von »meinem Zwang« gesprochen wird, sind damit alle ihre Zwänge (Handlungen, Rituale und Gedanken) bzw. Ihre Zwangsstörung im Allgemeinen gemeint. Bitte antworten Sie spontan und ohne viel nachzudenken- wenn Sie sich nicht entscheiden können, kreuzen Sie einfach an, was Ihnen als erstes in den Sinn kam. Es gibt keine falschen oder richtigen Antworten, wichtig ist nur Ihre eigene Einschätzung der Situation.

Wir bitten Sie jetzt, sich ganz in eine Situation hineinzuversetzen, in der Sie gerade Ihr Zwangsritual (Handlungen/Gedanken) ausüben oder ausgeübt haben. Spüren Sie in sich hinein und betrachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle. Es geht darum, wie Sie sich in dieser speziellen Situation fühlen, unabhängig von dem, was Ihr »gesunder Menschenverstand« Ihnen sagt.

Sie finden den Fragebogen »FFZ« auch als Online-Material (AB 5) zum Download.


Tabelle

Fragebogen FFZ (Autoren: Patricia Kulla, Sandra Schlegel, Anne Katrin Külz, Ulrich Förstner, Petra Warschburger & Ulrich Voderholzer)

FFZ: Fragebogen zu Funktionalitäten von Zwangserkrankungen

Stimmt gar nicht

Stimmt völlig

1. Mein Zwang hilft mir, mit mir zufrieden zu sein:

1

2

3

4

5

2. Durch meinen Zwang kann ich mich besser von anderen Menschen abgrenzen:

1

2

3

4

5

3. Mein Zwang gibt mir das Gefühl, wertvoll zu sein:

1

2

3

4

5

4. Mein Zwang hilft mir, ausgeglichen zu sein:

1

2

3

4

5

5. Durch meinen Zwang muss ich mich nicht festlegen:

1

2

3

4

5

6. Durch meinen Zwang kann ich vermeiden, dass andere mir zu nahe kommen:

1

2

3

4

5

7. Mein Zwang hilft mir, mit negativen Gefühlen besser umzugehen:

1

2

3

4

5

8. Durch meinen Zwang muss ich keine Verantwortung übernehmen:

1

2

3

4

5

9. Durch meinen Zwang habe ich etwas zu tun:

1

2

3

4

5

10. Mein Zwang hilft mir, mich stark zu fühlen:

1

2

3

4

5

11. Mein Zwang schützt mich davor, schwierige Entscheidungen treffen zu müssen:

1

2

3

4

5

12. Mein Zwang gibt mir das Gefühl, das Richtige zu tun:

1

2

3

4

5

13. Mein Zwang hilft mir, negative Gefühle zu vermeiden:

1

2

3

4

5

14. Mein Zwang hilft mir, meine Ansprüche an mich zu erfüllen:

1

2

3

4

5

15. Mein Zwang hilft mir, leere Zeit zu füllen:

1

2

3

4

5

16. Mein Zwang schützt mich vor Langeweile:

1

2

3

4

5

17. Mein Zwang hilft mir, andere Menschen auf Distanz zu halten:

1

2

3

4

5

18. Durch meinen Zwang kann ich mich Anforderungen entziehen:

1

2

3

4

5

19. Mein Zwang hilft mir, mit Stress besser umzugehen:

1

2

3

4

5

20. Mein Zwang gibt mir eine Aufgabe:

1

2

3

4

5


Zuordnung der Aussagen zu den Skalen und Skalenmittelwerte von 120 stationären Patienten mit Zwangserkrankung

Um zu sehen, welche Funktionalität bei Ihnen am ausgeprägtesten ist, können Sie die Punkte der jeweiligen Aussagen in jeder Kategorie zusammenzählen.

Den Mittelwert (Gesamtanzahl aller Punkte in einer Kategorie geteilt durch die Anzahl der Aussagen) können Sie mit dem Mittelwert anderer Patienten in der Klammer vergleichen.

Zwang als Bestätigung (Mittelwert = 2.53)

Zwang als Beschäftigung (Mittelwert = 2.54)

Schutz vor Verantwortungsübernahme (Mittelwert= 2.50)

Emotionsregulation (Mittelwert = 3.02)

Interpersonelle Regulation (Mittelwert = 2.78)

Hinweise zu den Online-Materialien

Die hier im Anhang aufgeführten Online-Materialien finden Sie auf unserer Internetseite (http://www.beltz.de). Sie kommen zu diesen Materialien, indem Sie auf die Seite des Titels gehen, den Link zum Arbeitsmaterial anklicken und folgendes Passwort eingeben:
TcfdpTJG (Groß- und Kleinschreibung beachten).

Dann können Sie das Material herunterladen. Wenn Sie die Seite schließen, kommen Sie zurück zur Inhaltsübersicht. Da das Arbeitsmaterial nur so lange zur Verfügung steht, wie das Buch lieferbar ist, empfehlen wir Ihnen, es sich auf dem eigenen Rechner zu speichern.

Übersicht zu den Online-Materialien

Weiterführendes Informationsmaterial

CDs:

Kabat-Zinn, J. & Kesper-Grossman, U. (2004). Die heilende Kraft der Achtsamkeit (Audiobook). Freiburg: Arbor.

Kornfield, J. (2007). Meditation für Anfänger. CD mit 6 geführten Meditationen für Einsicht, innere Klarheit und Mitempfinden (7. Aufl.). München: Goldmann.

Websites

Informationen zu MBSR, MBCT, MBCL, MSC und Listen mit qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern für diese Verfahren:

www.arbor-seminare.de

www.institut-fuer-achtsamkeit.de

www.achtsamkeitsinstitut-ruhr.de

www.mbsr-verband.de

www.selbstmitgefühl.de

Informationen über Zwänge

Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V. :

www.zwaenge.de

Literatur

Alione, T (2013). Den Dämonen Nahrung geben: Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung. Göttingen: Arkana.

Baer, L. (2001). Alles unter Kontrolle. Zwangsgedanken und Zwangshandlungen überwinden. Bern: Huber. 

Förstner U, Külz, A.K., Voderholzer U. (2011). Störungssspezifische Behandlung der Zwangsstörungen – ein Therapiemanual – mit vielen Fallbeispielen. Stuttgart: Kohlhammer.

Germer, C. (2010). Der achtsame Weg zur Selbstliebe. Freiburg: Arbor.

Gilbert, P (2010). Mitgefühl. Freiburg: Arbor.

Harris, R. (2009). Wer dem Glück hinterher rennt, läuft daran vorbei. München: Kösel

Heidenreich, T., Michalak, J. (Hrsg.) (2006). Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie: ein Handbuch (2. Auflage). Tübingen: DGVT.

Kabat-Zinn, J. (2006). Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung. Frankfurt a. M.: Fischer Verlag.

Kordon, A., Lotz-Rambaldi, W., Muche-Borowski, C., Hohagen, F. (2014). S3 Leitlinie Zwangsstörungen. www.awmf.de

Kornfield ,J. (2008). Das weise Herz. Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie. München: Arkana.

Külz, A.K. (2016). Die Kraft liegt im Augenblick. Mit Achtsamkeit Depressionen lindern. Freiburg: Herder.

Külz, AK, Rose, N (2014): Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) für Patienten mit Zwangsstörung—Eine Adaptation des Originalkonzepts. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 64: 35-40

Kulla, P, Schlegl, S., Külz, AK, Förstner, U., Warschburger, P. und Voderholzer, U. (2015): Funktionalitäten von Zwangsstörungen – Entwicklung und Validierung eines Fragebogens (FFZ). Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 65: 213-22

Mannschatz, M. (2010). Lieben und Loslassen. Durch Meditation das Herz öffnen. Zürch: Theseus.

Moritz, S., Hauschildt, M. (2016). Erfolgreich gegen Zwangsstörungen. Metakognitives Training - Denkfallen erkennen und entschärfen (3. Aufl.), Heidelberg: Springer.

Neff, K. (2012) Selbstmitgefühl. Mönchengladbach: Kailash.

Segal, Z., Williams, M. & Teasdale, J. (2008): Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie der Depression. Tübingen: dgvt.

Thich Nhar Hanh (2008). Das Wunder der Achtsamkeit. Zürich: Theseus.

Wengenroth, M. (2008). Das Leben annehmen. So hilft die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) Mannheim: Huber .

Williams, M., Teasdale, J., Segal, Z. & Kabat-Zin, J. (2009). Der achtsame Weg durch die Depression. Freiburg: Arbor.

Sachwortverzeichnis

Achtsamkeit 84, 103
Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie 99, 119, 124
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion 118, 123
Akzeptanz- und Commitmenttherapie 98
Alltagsbeeinträchtigung 36
Angehörige 68
Angststörung 62
Anspannung 169
Anspruch, eigener 145
Anti-Zwangs-Haus 182
Antriebssystem 159
Atembetrachtung 113
Atemmeditation 114
Atemraum 167
Aufmerksamkeit 83, 106
Aufmerksamkeitslenkung 108
Aufmerksamkeitsräuber 81
Augenblick, gegenwärtiger 104
Autopiloten-Modus 105
Basalganglien 
Bedrohungssystem 158
Bedürfnisse 183
Behandlungsrichtlinien 89
Bergmeditation 164
Bewertung 137 ff.
Body Scan 130
Brief an den Zwangsdrachen 156
Chöd-Praxis 179
Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy 101
Dämone 180
Denkfallen 143
Depression 60
Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen 54
Dialog, mit dem Körper 131
Drachenfütterung 181
Dritte Welle 97
Edler Kern 162
Embodiment 128
Emotionen 139
Etikettieren 116
Exposition 166
Expositionsbehandlung 88
Expositionstraining 91
Frontalhirn 77
Gedanken-Ereignis-Fusion 
Gedanken-Handlungs-Fusion 
Gedanken-Objekt-Fusion 
Gedankenexperiment 144
Gefühle 
- schwierige 
- unangenehme 
Gehirnaktivität 76
Gehirnstoffwechsel 74
Gehirnsysteme 157
Gehmeditation 190
Generalisierung 172
Genetische Anfälligkeit 67
Genussmomente 115
Haltung, eigene 109
Handlungsimpulse 107
Hoffnungslosigkeit 56
Hörmeditation 121
Impulse 40
Kindheitserfahrungen 71
Kognitive Verhaltenstherapie 87
Kontamination 65
Kontrollverlust 72
Konzentrationsschwierigkeiten 57
Kopfkino 110
Körperhaltung 127
Körperübungen 126, 129
Kraftquelle, innere 163
Lebensbereiche 186
Lebensphase, belastende 73
Leidensdruck 37
Liebevoller Begleiter 194
Medikamente 96
Meditationshaltung 122
Metakognitive Therapie 102
Metta-Meditation 196
Minderwertigkeitserleben 58
Miniexposition 173
Modus 
- hart, Kampfmodus 
Negativspirale 61, 66
Nervensystem, sympathisches 171
Neurobiologische Ursachen 75
Panikstörung 63
Perfektion 152
Perfektionsanspruch 149
Persönlichkeitsmerkmale 69
Phobie, soziale 64
Psychose 43
Psychose 43
Psychotherapie 80
Reaktionsmanagement 
Reize 82
Rituale 33 ff., 39, 47, 51
S3-Leitlinien 90
Schematherapie 100
Sehmeditation 125
Selbstfürsorge 191
Selbstmitgefühl 195
Selbstsaboteure 86
Selbstwerterleben 150
Sicherheit, absolute 153
Sinnesbad 111
Sinneswahrnehmungen, äußere 
Sitzmeditation 141
Sympathikus 168
Symptome 95
Thalamus 
Übung 
- Baum 
- Bergmeditation 
- Lebensrückblick 
- Sitzmeditation 
- Wasserpflanze 
Unperfektheit 151
Unruhe, innere 59
Unvollständigkeitserleben 
Verantwortung 154
Verantwortungsbewusstsein 155
Verantwortungserleben 70
Verhaltensexperimente 
Verhaltensgewohnheiten 176
Wahrscheinlichkeitsrechnung 93
Weisheit, innere 161
Werte 
- persönliche 188
- verzerrte 85
Wertegarten 184, 189
Werterad 185
Widerstand leisten 41
Wochenexperiment 120
Zeitaufwand, täglicher 38
Zohar-Fineberg-Obsessive-Compulsive-Screen 55
Zufriedenheitssystem 160
Zwang 
- Funktionalitäten 
- unbedeutende Funktionen 
Zwangsdrache 117
Zwangserkrankung 35
Zwangsgedanken 52
- Arten 
Zwangshandlungen 46, 53
- Formen 
Zwangsmechanismus 140
Zwangssituationen 134
Zwangstagebuch 135
- persönliches 
Zwangsverstärker 178

Cover

Titel

Impressum

Anschrift der Autorin:

Dr. Anne Katrin Külz
Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin (VT)
Praxis für Psychotherapie

Rathausgasse 15·

79 098 Freiburg


Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

Dieses Buch ist erhältlich als:


ISBN 978-3-621-28 349-6 Print

ISBN 978-3-621-28 560-5 ePub


1. Auflage



© 2017 Programm PVU Psychologie Verlags Union

in der Verlagsgruppe Beltz • Weinheim Basel

Werderstraße 10, 69 469 Weinheim

Alle Rechte vorbehalten


Lektorat: Natalie Brecht

Umschlagbild: Getty Images/Colormos #668591439:

Illustrator: Boris Braun, Hamburg

Herstellung: Uta Euler

Satz/EPUB: Reemers Publishing Services GmbH, Krefeld


Weitere Informationen zu unseren Autoren und Titeln finden Sie unter: www.beltz.de

Inhalt

Vorwort
Einleitung
1Ein fauchender Drache im Gepäck: Zwänge und ihre Eigenschaften
1.1Woran erkenne ich Zwänge?
1.2Aufdringliche Gedanken und Rituale sind normal
1.3Kennzeichen einer ZwangserkrankungZwangserkrankung
1.4Merkmale von Zwangsgedanken
1.5Wie äußern sich ZwangshandlungenZwangshandlungen?
1.6Was unterscheidet Zwangsgedanken von Zwangshandlungen?
2Leide ich unter einer Zwangserkrankung?
2.1Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Zwangsstörung
2.2Wer ist von Zwängen betroffen?
2.3Zwänge kommen oft in Begleitung
3Wie entwickeln sich Zwänge?
3.1Bausteine für die Entwicklung von Zwängen
3.2Neurobiologische UrsachenNeurobiologische Ursachen: Das »überengagierte« Gehirn
4Was gibt dem Zwangsdrachen Nahrung?
4.1Der Zwang als AufmerksamkeitsräuberAufmerksamkeitsräuber
4.2Der Zwang als Zerrspiegel eigener WerteWerteverzerrte
4.3Der Zwang als SelbstsaboteurSelbstsaboteure
5Werkzeuge gegen den Zwang – Vorstellung bewährter Behandlungsmethoden
5.1Der klassische »Königsweg«: kognitive Verhaltenstherapie
5.2Aktive Konfrontation
5.3Die Zwangsbefürchtungen unter die Lupe nehmen
5.4Was kommt in der Verhaltenstherapie auf mich zu?
5.5Sind MedikamenteMedikamente sinnvoll?
5.6Auf der »Dritten WelleDritte Welle« surfen?
6AchtsamkeitAchtsamkeit als Antwort auf den Zwang?
6.1Anwesend sein und doch weit weg
6.2Was bedeutet Achtsamkeit?
6.3Auf was kann sich Achtsamkeit richten?
6.3.1Das »SinnesbadSinnesbad«
6.3.2AtembetrachtungAtembetrachtung
6.4Eine Situation achtsam erleben – was bedeutet das?
7Achtsamkeit und Zwang
7.1Den Aufmerksamkeitsräuber verabschieden
7.2Den Zwangsgedanken den Schrecken nehmen
7.3Den ZwangsdracheZwangsdrachen huckepack nehmen
8Aus dem Vollen schöpfen – die Brille des Zwangs ablegen
8.1Achtsamkeit im Alltag
8.2.Hör- und Sehmeditation
8.3Den eigenen Körper bewohnen – KörperübungenKörperübungen zur Achtsamkeit
8.4Dialog mit dem Körper
8.5Körper und Geist in »ZwangssituationenZwangssituationen«
9Gedanken über Gedanken: mit Achtsamkeit die eigenen Fallen erkennen
9.1Der Mechanismus des Zwangs
9.2Aussteigen aus dem Zwangsmechanismus
10Typische DenkfallenDenkfallen entdecken
10.1Die Macht der Gedanken?
10.2Perfektionismus und Vollkommenheitsstreben
10.3Der Kampf um Sicherheit
10.4Die Last der VerantwortungVerantwortung
11Eigene Denkweisen erforschen
11.1Die Hitliste der eigenen Denkfallen
11.2Unsere Einstellungen und die drei GehirnsystemeGehirnsysteme
11.3Die innere WeisheitWeisheit, innere würdigen
12ExpositionExposition: das Gefühl umarmen und dem Zwang die Stirn bieten
12.1Emotionen da sein lassen - der AtemraumAtemraum als Tor zur Freiheit
12.2In welchen Situationen verfolgt mich der Zwang?
12.3Die Situation gestalten
12.4Umgang mit schwierigen GefühleGefühle schwierigen: die Gipfelerkundung
12.5Die Situation ist bewältigt – wie geht es weiter?
12.6Der Atemraum in Momenten des Zwangs
12.7Umgang mit Zwangsgedanken
13Von was ernährt sich der Zwang? – FunktionalitätenZwang- Funktionalitäten des Zwangs
13.1Hat der Zwang eine Aufgabe?
13.2Vitamine für den Zwang
13.3Dem Zwangsdrachen freundlich zuhören: Chöd-PraxisChöd-Praxis
14Blumen pflanzen: wo will ich hin?
14.1Abschied vom Zwang
14.2Die Botschaft des Zwangs im Alltag nutzen
14.3Mein »WertegartenWertegarten«
14.4In jedem Augenblick steckt Leben – die GehmeditationGehmeditation
15Abschied von Schuld und Perfektion: Der freundliche Blick auf uns selbst
15.1Hilfreiche Sätze finden - SelbstfürsorgeSelbstfürsorge in Momenten des Zwangs
15.2Geborgen im Augenblick – mit dem Zwang nicht alleine sein
15.3Innere Kraft durch SelbstmitgefühlSelbstmitgefühl
15.4Sich dem Herzen zuwenden: Metta-MeditationMetta-Meditation
15.5Sich auf den Weg machen
Anhang
FFZ: Fragebogen zu Funktionalitäten von Zwangserkrankungen
Hinweise zu den Online-Materialien
Weiterführendes Informationsmaterial
Literatur
Sachwortverzeichnis

Vorwort

Motto

Die Grenze dessen,was wir in uns akzeptieren können,ist die Grenze unserer FreiheitZen Patriarch

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie etwa einer Million anderer Menschen in Deutschland: Sie müssen bestimmte Dinge immer wieder tun, auch wenn sie Ihnen übertrieben, sinnlos oder gar absurd vorkommen. Sie haben quälende, beunruhige Gedanken im Kopf, die Sie nicht abschütteln können, obwohl sie Ihnen unangemessen erscheinen. Sie leiden an einer Zwangserkrankung und versuchen täglich, mit den Symptomen und ihren Auswirkungen zurechtzukommen.

Möglicherweise sind Sie wegen der Zwänge bereits seit längerer Zeit in Behandlung und suchen weitere Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung. Vielleicht sind Sie sich der Diagnose auch noch gar nicht sicher, oder Sie haben aus Angst vor verständnislosen Reaktionen noch nicht gewagt, mit einem anderen Menschen darüber zu sprechen. Vielleicht sind Sie auch nicht selbst von Zwängen betroffen, sondern haben einen nahen Angehörigen oder Freund, der unter dieser Erkrankung leidet. Oder Sie behandeln Menschen mit Zwängen und sind auf der Suche nach neuen Möglichkeiten im Umgang mit diesem Krankheitsbild.

Ganz gleich, welche Erfahrungen Sie mit Zwängen gesammelt haben, das Buch möchte Anregungen geben, auf hilfreiche Weise mit dem »Zwangsdrachen« umzugehen und den Freiraum wiederzuentdecken, der durch die Zwänge verschüttet wurde.

Als ich vor einigen Jahren damit begann, Achtsamkeitsansätze in die Behandlung von Zwangsstörungen einfließen zu lassen, hatte ich bereits über hundert Patienten mit Zwängen in der Spezialambulanz unserer Universitätsklinik gesehen. Etliche von diesen hatte ich über längere Zeit verhaltenstherapeutisch betreut. Obwohl ich mich parallel dazu mit Achtsamkeit befasst hatte, war ich eine ganze Weile nicht auf die Idee gekommen, achtsamkeitsbasierte Interventionen in die Behandlung einzubringen. Je mehr ich das Achtsamkeitsprinzip in die Psychotherapie bei Zwangsstörungen aufnahm, desto besser konnte ich erkennen, dass es für viele Patienten eine deutliche Unterstützung bedeutete.

Indem mich die Patienten über all die Jahre an ihrer Auseinandersetzung mit den Zwängen teilhaben ließen, unterstützten sie mich darin, ihre inneren Kämpfe und Schwierigkeiten immer besser zu verstehen. Ich danke ihnen von Herzen für ihre Offenheit, da ohne sie dieses Buch nie zustande gekommen wäre. Ebenso sind die vorgestellten Achtsamkeitsübungen nicht mein persönliches Werk, sondern entstammen einem teilweise Jahrtausende alten Schatz. Mein persönlicher Zugang zu Achtsamkeit ist stark von Thich Nhat Hanh und den Erfahrungen mit den Nonnen und Mönchen der Plum-Village-Tradition inspiriert, denen gegenüber ich viel Dankbarkeit empfinde. Bedanken möchte ich mich auch bei Mark Williams, Thorsten Barnhofer und Petra Meibert, die meine Begeisterung für das MBCT-Konzept geweckt haben. Weiterhin danke ich Nina Rose, insbesondere auch für die wertvollen Anregungen und die ermutigenden Rückmeldungen zum Manuskript. Ebenso möchte ich Monika Wendl, Thomas Heidenreich, Elisabeth Schramm, Susanne Bregulla-Kuhn, Klaus Kuhn, Cornelia Kneser, Anette Maaßen-Boulton, Paul Grossman, Fabian Hahn und Katharina Wetterkamp für den inspirierenden Austausch und die Ideen zur Anwendung von Achtsamkeit in der Psychotherapie danken. In der Erforschung und Behandlung von Zwängen hatte ich immer viele Freiräume und Unterstützung. Besonders danken möchte ich Ulrich Voderholzer, dem Team von Station 6 der Psychiatrischen Uniklinik Freiburg und der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen. Dankbarkeit empfinde ich auch gegenüber Sarah Landmann, Steffen Moritz, Barbara Cludius, Heike Alsleben, Lena Jelinek, Jens-Peter Rose, Karina Wahl und Philipe Guinsbourger für die Verwirklichung unseres gemeinsamen Projekts zu achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie bei Zwängen. Schließlich möchte ich auch dem Beltz-Verlag, insbesondere Frau Natalie Brecht, für die sehr angenehme Zusammenarbeit und Unterstützung danken.

Am meisten aber danke ich von Herzen meinem Mann Joscha, meinen Kindern Jonathan, Marie, Amelie, Liam, Jaron und meinen Eltern Dorothee und Rainer, meinen Geschwistern Marie Babett, Philipp, Sophie und Elisa sowie meinen Freunden für ihre Liebe und die Kraft, die sie mir schenken, auch immer wieder die Drachen unseres Lebens zu lieben.

Im Sommer 2017 Anne Katrin Külz

Einleitung

Warum Achtsamkeit bei Zwangssymptomen?

Wir alle haben unsere inneren »Drachen«: schwierige Gedanken, Gefühle und Impulse, die wir lieber nicht erleben würden. Bei manchen Menschen äußern sich diese unliebsamen Begleiter etwa in Form von Selbsthass, destruktiven Gedanken oder lähmenden Gefühlszuständen. Bei manchen Menschen zeigen sich diese Drachen als Zwänge.

Wer selbst unter Zwängen leidet, weiß das: Zwänge sind nicht nur relativ zeitaufwendig, sondern rauben auch viel Lebensqualität. Der Zwang engt die Aufmerksamkeit auf bestimmte »Gefahrenreize«, Unsicherheiten und aufdringliche Gedanken ein, sodass es schwerfällt, den Augenblick in seiner ganzen Fülle zu erleben. Das bedeutet eine große Einschränkung, da wir unser Leben nur im Hier und Jetzt genießen und gestalten können. Darüber hinaus verurteilen sich Menschen mit Zwängen nicht selten für ihre unangenehmen Gedanken, obwohl sie keine Schuld daran tragen.

Achtsamkeit als eine offene, vorurteilsfreie Einstellung gegenüber den gegenwärtigen Sinneserfahrungen, Gefühlen und Gedanken stellt einen Gegenpol zu der verzerrten, oftmals einengenden und abwertenden Welt des Zwangs dar. Was bedeutet das für die Bewältigung von Zwängen?

Im Umgang mit Zwängen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition in einer Reihe von Studien als Methode der Wahl bewährt. Dieses Verfahren zielt darauf ab, mit therapeutischer Unterstützung schwierige Zwangssituationen aufzusuchen ohne die Zwangsrituale auszuführen, und hilfreiche Einstellungen gegenüber den Zwangsinhalten zu entwickeln. Aber auch wenn es sich um die bislang wirksamste Therapieform handelt, profitieren bislang nur etwa zwei Drittel der Betroffenen von dieser Methode. Es erscheint also sinnvoll, nach Ansätzen Ausschau zu halten, welche die Expositionsbehandlung ergänzen oder vertiefen können.

Nach meiner therapeutischen Erfahrung kann das Einüben von Achtsamkeit Betroffenen oft die Auseinandersetzung mit den Zwangssymptomen erleichtern und den Alltag bereichern. Dabei ist es mir wichtig, die Achtsamkeitsübungen nicht in Gegnerschaft zur herkömmlichen Expositionstherapie zu sehen. Vielmehr ist eine achtsame Grundhaltung eine Art Energiequelle, die Mut macht, sich auch in schwierige Situationen zu begeben – ganz so, wie wenn ich eine herausfordernde Expedition mit einem guten Freund angehe, der mir Sicherheit und Zuversicht schenkt.

Wann macht Selbsthilfe bei Zwängen Sinn?

Womöglich fragen Sie sich, ob die Lektüre des Buches zum aktuellen Zeitpunkt das Richtige für Sie ist, oder ob Sie besser nach anderen Unterstützungsmöglichkeiten Ausschau halten sollten.

In bestimmte Situationen oder Phasen der Erkrankung kann die Lektüre von Selbsthilfeliteratur bei Zwängen hilfreich sein. Dazu zählt beispielsweise:

Das vorliegende Buch möchte dazu einladen, dem Zwang mithilfe des Achtsamkeitsprinzips auf hilfreiche Weise im Alltag zu begegnen. Dabei hat es sich bewährt, die vorgeschlagenen Übungen tatsächlich auch mehrere Male auszuprobieren, um mit ihnen vertraut zu werden und den Nutzen für die eigene Situation einschätzen zu können. Es ist gut möglich, dass Sie sich von einigen Übungen sehr angesprochen fühlen, während Sie mit anderen »nicht warm werden«. Tatsächlich nutzen die Übungsbeispiele ganz unterschiedliche Zugangswege zu den Zwangssymptomen und mögen für verschiedene Menschen unterschiedlich hilfreich sein. Auch kann es sein, dass Sie einzelne Übungen lieber mit therapeutischer Unterstützung aufgreifen oder vertiefen möchten.

Neben allgemeinen, bewährten Achtsamkeitsübungen enthält das Buch auch Anregungen aus unserem Gruppenprogramm für Patienten mit Zwängen. Dabei handelt es sich um einen Kurs in achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie (»Mindfulness Based Cognitive Therapy«, MBCT) nach Mark Williams, Zindel Segal und John Teasdale, den ich zusammen mit meiner Freundin und Kollegin Nina Rose für Menschen mit Zwängen angepasst habe. Außerdem habe ich einige Interventionen aus der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) nach Steven Hayes einfließen lassen. Diese Interventionen haben sich in ersten Studien bei Zwängen als effektiv gezeigt und verbinden achtsamkeitsbasierte Ansätze mit verhaltensorientierten Strategien. Schließlich werden an manchen Stellen auch bewährte klassische Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie vorgestellt. Zu Beginn des Buches möchte ich zunächst mit dem »Zwangsdrachen« vertraut machen und eine Einführung in Zwänge und ihre wichtigsten Merkmale geben.