Ibrahim Alsabagh
Hoffnung in der Hölle
Als Franziskaner in Aleppo


Aus dem Italienischen
von Silvia Kritzenberger


HV-Signet_sw_Mac.jpg
Titel der Originalausgabe:
Un instante prima dell’alba
Siria. Cronache di guerra e di speranza da Aleppo
© 2017, Fondazione Terra Santa − Milano
Edizioni Terra Santa – Milano


© der deutschsprachigen Ausgabe
Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017
Alle Rechte vorbehalten
www.herder.de

Wenn nicht anders angegeben, ist als deutsche Bibelübersetzung zugrunde gelegt:
Die Bibel. Die Heilige Schrift
des Alten und Neuen Bundes.
Vollständige deutschsprachige Ausgabe
logo_herderbibel
© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2005


Umschlagmotiv: großes Foto: © picture alliance / AP Photo; Porträt: © Ansa
Umschlaggestaltung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand

E-Book-Konvertierung: de·te·pe, Aalen

ISBN Print 978-3-451-37863-8
ISBN E-Book 978-3-451-81169-2

Inhalt


Ein Appell aus Syrien

TEIL I
Briefe aus Aleppo
Januar 2015 bis Januar 2017

Teil II
Interviews, Begegnungen, Zeugnisse
März 2015 bis Dezember 2016

Anmerkungen

Der Autor

Ein Appell aus Syrien
von Bischof Georges Abou Khazen,
Apostolischer Vikar von Aleppo



Das Blutvergießen muss aufhören, auf der einen wie auf der anderen Seite … Ein Menschenleben ist hier nichts mehr wert! Aber wir glauben an die Kraft des Gebets und bitten um Gebete für den Frieden. Die Kampfparteien müssen dringend davon überzeugt werden, dass man reden, die Waffen niederlegen muss! Wer in Aleppo geblieben ist, ob Christ oder Muslim, lebt in Angst und Schrecken.
Am meisten überrascht es uns, immer wieder zu sehen, dass die sogenannten »Rebellen« – also das islamische Kalifat – allen Erklärungen zum Trotz letztendlich vom Westen unterstützt werden.
Wir wissen nicht, wie viele Christen noch in der Stadt sind. Man kann davon ausgehen, dass nicht einmal die Hälfte der 220.000 Christen, die früher hier lebten, geblieben ist. Wer fliehen kann, der tut es. Die Situation in Aleppo gestaltet sich schwierig – und das nicht nur aus offensichtlichen Gründen der Sicherheit: Es gibt kaum Strom, wir können ihn nur durch Treibstoff-Generatoren erzeugen. Heizöl ist teuer und fast nicht zu kriegen. Auch das Trinkwasser geht uns langsam aus. In manchen Vierteln wird es von Tankwägen geliefert, vor denen die Leute dann mit Kanistern Schlange stehen, um Wasser zu holen – natürlich gegen Bezahlung. Zum Glück haben wir noch die Brunnen in den Kirchen, wir können also auch Wasser ausgeben … Und in der Zwischenzeit wird die Not der Menschen immer größer. Da ist das Problem der zerstörten Häuser; wir versuchen, allen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, eine neue Unterkunft zu beschaffen … Die Preise sind rasant gestiegen, genauso wie die Inflation. Auch die Arbeitslosigkeit wächst und wächst, und das Wirtschaftsembargo tut das Übrige. Als Kirche wollen wir denen, die nicht arbeiten, helfen zu überleben; Handwerkern unter die Arme greifen, damit sie eine Arbeit finden … Aber angesichts dieses Blutvergießens ohne Ende wollen wir nur noch Frieden … Wir zählen auf euer Gebet!
Aleppo, September 2016*


* Diesen Appell schrieb Bischof Georges Abou Khazen zwar, bevor die Rebellen-Milizen aus Ost-Aleppo vertrieben werden konnten, das Bild der Stadt, das hier gezeichnet wird, ist aber nach wie vor unverändert. Obwohl sich die Zahl der Kämpfe in der Stadt drastisch reduziert hat, lebt die Bevölkerung weiter unter widrigsten Umständen. Es gibt kein Wasser, keinen Strom und keine Arbeit. Der Alltag ist immer noch von Zerstörung geprägt, und es ist schwer, sich Vorräte zu beschaffen. Der Krieg ist nicht vorbei!