Für Elisabetta, Jan Federico und Anna Laura



Alle Texte dieses Buches sind entstanden und vorveröffentlicht als Radioandachten der Reihe Kirche in 1LIVE im WDR, Abdruck mit freundlicher Unterstützung des katholischen Rundfunkreferates NRW, Info: www.kirche-im-wdr.de


Die Texte „Objects in mirror are closer than they appear“, „Jesus als Anwalt“, „Gott spritzt nicht mit Wasser“ und „Lenkzeiten sind Denkzeiten“ sind ebenfalls veröffentlicht in: Firmung vernetzt. Die Welt ist nicht genug. ­Jugendbuch, hrsg. von K. Vellguth u.a., © 2015, ­Kösel Verlag, München, in der Verlagsgruppe ­Random House GmbH



© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017

Alle Rechte vorbehalten

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Gestaltung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand

Umschlagmotiv: © Ilya Bolotov/shutterstock.com


E-Book-Konvertierung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand


ISBN Print 978-3-451-37730-3

ISBN E-Book 978-3-451-81177-7

Inhalt

Vorwort

Christlich in der Küche, an der Kasse – und auf dem Klo

Christlich aufs Klo

Scheiße parken

3-2-1-Gott

Wir öffnen Kasse 3 für Sie

Rotgeld-Opi

Abräumen wär mir lieber

Mit Taxen Menschen bewegen

Milchkauf, zweite Reihe

Schwer zu verstehen

Maschinen­lesbares Leben

Aus mir selbst aussteigen

Stand der Technik

Nicht erste Wahl

Staatsbürger des Herrn

Licht geht automatisch an

Speicherlöcher

Neuen Vertrag machen

Zweite Reihe, auch niedlich

Wie originell

Neuen Vertrag machen

Gott Strich-Acht

Schwedisches Finale

404 Gott not found

Ära Trump oder noch schlimmer

Abwesenheitssimulation

Objects in mirror are closer than they appear

Gottblitzer

Gott privat treffen

Mailbox des Herrn

Zustellgott

Tassen mit Sprüngen mit Tassen

Der beste Scheidungsanwalt

Bonusmeilen bei Gott

Espressotassenleben

Jesus als Anwalt

Diese Erfahrung – nie wieder

Rücksendungen

Schnulzengott

Gott aus der Milchflasche lassen

Windstärken*

Gott in der Milchflasche

Sprechperlen

Alles meins

Haarspängchenjesus

Gott spritzt nicht mit Wasser

WG-Gott

Schwimmkurs des Grauens

Fiderallala

Lifetime Support

Freundschaft, Ehe oder Scheidung?

Sätze mit nie und immer

Wo bist du nur gewesen?

Scheidungsgrund: Hunger

Sich entschuldigen

Weggedrücktwerden

Meine Zeit im Kühlschrank

Effectuation

Kollege kommt gleich

Opportunity creation

Fahrkartenautomaten

Wer betet dann für die?

Lenkzeiten und Denkzeiten

Polizeigewerkschaft

UPS-Fahrer Gottes

Sauberer Abgang

Priority Exit

Schneller Abgang

Nummern statt Namen

Jüngster Waschtag

Heliumleben

Nachwort von Klaus Nelissen

Vorwort

Technologie sollte schön sein – oder unsichtbar. Soll Steve Jobs mal gesagt haben, der ja recht schöne Technologie rausgehauen hat. Beim iPad 3 hieß es dann sogar: Technologie ist am besten, wenn sie unsichtbar ist. Wenn man sich nur der Sache bewusst ist, mit der man beschäftigt ist – und nicht des Gerätes, mit dem man daran arbeitet.

Unsichtbare Theologie in dem Sinne finde ich auch schön. Wenn ich eigentlich nur mit dem Leben beschäftigt bin, das ich gerade lebe, und dabei gar nicht groß über Gott nachdenke, obwohl ohne ihn alles nichts wäre.

Noch schöner finde ich es, wenn Theologie heimlich daherkommt. Wenn man beim Hingucken auf den ersten und auch den zweiten Blick noch sagen würde: Das hat ja nun wohl mit Gott und Glauben gar nichts zu tun. Und beim dritten Hinsehen merkt, dass da gerade das komplette Sonntagsevangelium dargeboten wird an der Aldikasse, zwischen den Espressotassengriffen meiner römischen Schwiegermutter oder beim Einkaufeinladen neben mies geparkten Geländewagen.

Das ist gelegentlich keine schöne Theologie in dem Sinne, dass es da nur um kluge Reflexionen auf metaphysischen Höhenflügen ginge, wo schöne neue Worte für schöne alte Worte zu finden wären. Die Theologie, die ich meine, macht sich auch mal die Schuhe dreckig. Die Theologie, die ich meine, ist gelegentlich verblüffend und sogar unangenehm simpel. Manchmal zum Weinen, auch lustig oder sogar lächerlich. Und wie angedeutet: Das ist keine Theologie, die wir als Theologen irgendwo hinbringen und mit ernstem Blick verkünden. Sie ist schon da draußen und wir entdecken sie.

Eigentlich wollte ich jetzt noch die Kurve dahin kriegen, dass ich die Welt besser hinterlassen möchte, als ich sie vorgefunden habe, und dass das mit so ’nem Buch wie diesem hier sogar auf dem stillen Örtchen gehen sollte, so von wegen »christlich aufs Klo« und so. Im Essener Generalvikariat hängt der Beitrag zu dem Thema ja sogar irgendwo auf dem Damen-WC, seitdem ist es da immer sauber. Echt jetzt. Aber eigentlich, ja eigentlich ist es genau umgekehrt: Ständig finde ich die Welt besser vor, als ich sie hinterlassen hatte. Und das wäre dann wirklich schöne Theologie in dem Sinne, dass ich die Welt schön hinterlassen will, weil schön eben schön ist. Vielleicht ist es das dann auch mit dem komischen Technologie-Theologie-Vergleich. Theologie braucht von mir aus nicht unbedingt schön zu sein oder unsichtbar, aber wirksam wäre wichtig. Nicht in jedem Detail jedes wissenschaftlichen Fachartikels. Aber da, wo ich mich als Theologe dem Radiohörer zumute, da sollte das in Form und Inhalt so passieren, dass die da draußen kein Mitleid oder Fremdschämgefühle kriegen, sondern dass sie Lust bekommen, die Welt besser vorzufinden, als sie sie hinterlassen hatten.

Oder umgekehrt.

Florian Sobetzko, Aachen

Christlich in der Küche, an der Kasse – und auf dem Klo


1g


Christlich aufs Klo

Ein weiser Freund von mir sagt: Wie christlich ich bin, das entscheidet sich auf dem Klo. Das ist zwar kein so schönes Thema, aber Hand aufs Herz: Wie glaubwürdig fändest du jemanden, der von Nächstenliebe redet, in der Seminarpause aber das Klo so hinterlässt, dass das niemand mehr benutzen will?

Und jetzt kommt’s: Was ich an dem Beispiel so extrem stark finde, ist die Tatsache, dass das jeder mit sich selbst ausmachen muss – denn man kann’s ja kaum kontrollieren. Hier geht es also gar nicht darum, über andere zu urteilen. Hier geht es einzig und allein um mich. Oder – wenn du die Frage abkannst – um dich.

Machst du vorne raus einen auf nett und Freund und guter Kollege und lässt hinten die Sau raus? Oder meinst du es auch in den kleinen Dingen des Alltags ernst und hinterlässt die Orte und Örtchen so, wie du sie vorfinden willst?

Man muss nicht groß rumchristeln, um für so was aufmerksam zu sein. Aber es ist schon echt ein Kriterium. Schließlich geht es hier um niemand anders als den Nächsten.

Scheiße parken

Kennst du das: Du suchst nach einem Parkplatz und dann steht da so’ n Vollpfosten ganz leger auf anderthalb bis zwei Parkplätzen? Könnt ich ausrasten, vor allem wenn das dann auch noch ein Riesen-SUV von irgend’nem Wohlstandstypen ist, der für seine breite Karre den doppelten Platz braucht und die knappe Ressource Parkfläche ganz alleine aufsaugt. Jedes Mal, wenn mir das passiert, nehme ich mir vor, mir solche »Sie parken scheiße«-Zettel zu drucken und die demnächst dabeizuhaben.

Dummerweise bin ich so ein Kirchentyp und muss jetzt gleich dran denken, dass wir in Europa auch irgendwie scheiße parken – zumindest aus der Sicht von Flüchtlingen, die wegen Krieg, Folter oder Hunger – lass das Radio an, ich will das hören! – die wegen Krieg, Folter oder Hunger ihre Heimat verlassen müssen. Und wenn sie nicht im Meer ersoffen sind, dann stellen sie bald fest: In Europa gibt es keinen Platz. Den brauchen wir für uns, und zwar komplett – keine Lust, irgendso ’ne olle Kombitür in meine Metalliclackierung zu kriegen, wenn hier alle so eng neben’ander stehen.

3-2-1-Gott

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist es doch mit eBay-Versteigerungen so, dass der Gewinner erst in den letzten Sekunden einer Auktion feststeht, oder? Ich kann tagelang um die Wette bieten, aber wenn ich am Ende nicht dabei bin, am Rechner oder am Smartphone, oder wenn ich einfach zu wenig biete, dann krieg ich nichts.

Trotzdem stelle ich fest, dass bei den Auktionen, die mich interessieren, irgendwelche Leute immer schon Tage vor Ablauf der Zeit den Preis in die Höhe treiben, was ich einfach nicht kapieren will. Klar, als Verkäufer freue ich mich über so etwas, aber ich rufe doch auch nicht vor dem Tanken bei Aral oder Shell an und teile mit, dass ich gleich komme und sie die Preise ruhig was hochsetzen können, weil ich heute nicht aufs Geld achten will.