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Hexen und Magie


Hexen und Magie


Historische Einführungen, Band 3 1. Aufl.

von: Johannes Dillinger

14,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: PDF
Veröffentl.: 12.09.2007
ISBN/EAN: 9783593403335
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 197

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Der Hexenglaube im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war Teil einer magischen Sicht der Welt. Die Menschen glaubten an Geister und Dämonen, Magie gehörte zum Alltag. Johannes Dillinger führt in diese Welt ein und erläutert die kulturellen Bedingungen, unter denen Vorstellungen wie Hexentanz und Teufelspakt entstanden. Dabei zeigt er,warum neben Kirche, Staat und Wissenschaft auch die Bevölkerung eine Verfolgung der Hexen nicht nur tolerierte, sondern vehement forderte. Er rekonstruiert die sozialen und politischen Voraussetzungen der Hexenprozesse sowie die Durchführung der Hexenjagden. Ein Ausblick in die Gegenwart verdeutlicht, dass der Hexenglaube nach wie vor lebendig ist. Die Darstellung der Geschichte der Hexenprozesse verknüpft der Autor mit einer Einführung in die historische Hexenforschung der letzten vier Jahrzehnte.
1. Einführung . . 7

2. Magie und Hexerei – Definitionen in Gegenwart und Vergangenheit . . . . 13
2.1. Magie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.2. Aberglauben und Volksglauben . . . . . . . . . . 18
2.3. Der elaborierte Hexereibegriff . . . . . . . . . . . 19

3. Magie und Geisterglauben: Inhalte und Deutungen . . 25
3.1. Sparten und Träger von Magie . . . . 25
3.2. Geisterglauben . . 38
3.3. Dämonologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.4. Der Hexensabbat: Magier und Ketzer werden Hexen . . 55

4. V oraussetzungen und rechtliche Bedingungen der Hexenprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.1. Ursachen . . . . 74
4.2. Der Hexenprozess: Gesetze und Verfahren . . . . 80

5. Strukturen und Akteure der Hexenverfolgungen . . . . 88
5.1. Prozesszahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5.2. Inquisition . . . . . . 92
5.3. Weltliche Gerichte: Systeme geringer Distanz . . 96
5.4. Weltliche Gerichte: Systeme großer Distanz . . 106

6. Die Opfer der Hexenverfolgungen . . 114
6.1. »Realitätsthesen«: Hexenprozessopfer als religiös-kultische Gruppe? . . . 114
6.2. Hexenverfolgung = Frauenverfolgung? . . . . . 119
6.3. Spezifische Verdachtsmomente . . 128

7. Das Ende der Hexenverfolgungen . . 137
7.1. Kritische Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
7.2. Wandel in Administration und Gesetzgebung . . 144
7.3. Soziale Veränderungen . . . 149

8. Magie und Hexen nach den Hexenverfolgungen . . 152
8.1. Weiterbestehen der Hexenangst . . . . 152
8.2. Neue Möglichkeiten, neue Märkte, neue Magie . . 159
8.3. Alte Magie und neue Religionen . . 163

9. Schlussbetrachtung . . . 170

Institutionen und Kooperationen . . . . . . . . . . . . . 172
Auswahlbibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192
Personen- und Ortsregister . . . . . . . . . . . . . . . . 195
Historische Einführungen
Herausgegeben von Frank Bösch (Gießen), Angelika Epple (Hamburg), Andreas Gestrich (Trier/London), Inge Marszolek (Bremen), Barbara Potthast (Köln), Susanne Rau (Dresden), Hedwig Röckelein (Göttingen), Gerd Schwerhoff (Dresden) und Beate Wagner-Hasel (Hannover)
Johannes Dillinger, Dr. phil., ist Lehrbeauftragter an der Universität Trier.
3.2. Geisterglauben
Ein wesentlicher Bereich des vormodernen Volksglaubens war
der Geisterglaube. Magier riefen Gott an; sie versuchten, sich die
Hilfe von Heiligen, Engeln und in Einzelfällen auch von Dämonen
zu sichern. Daneben gingen sie jedoch mit einer Vielzahl von
anderen Geisterwesen um. Zur Orientierung wird hier zwischen
Naturgeistern und Totengeistern differenziert, auch wenn sie sich
in konkreten Quellen häufig kaum unterscheiden lassen.

3.2.1. Natur- und Hausgeister
Die Naturgeister werden als fairies, Elben und Elfen in der Gegenwart
von einer riesigen Kitschindustrie vermarktet. Mehr noch als
im Fall der Hexen ist dieses Element vormodernen Volksglaubens
von einem Wust moderner Interpretationen derartig überlagert
worden, dass es als Thema seriöser Geschichtswissenschaft kaum
mehr wahrgenommen wird. Mit dem volkskundlichen Begriff
Naturgeist wird eine Vielzahl von Arten von Geisterwesen belegt,
die sich der Volksglaube am Rand der Siedlungen beheimatet vorstellte.
Mit ihnen verbunden waren die Kultur- und Hausgeister,
etwa die im Getreidefeld gedachten Korngeister Bilwis und Kornmuhme
oder der Kobold als Hausgeist.
Viele dieser Geisterwesen standen in Beziehung zur bäuerlichen
Ökonomie: Sie beeinflussten das Wetter und die Gesundheit des
Viehs, oder sie sollten als unsichtbare Helfer direkt auf den Bauernhöfen
aktiv sein. Diese helfenden Geister erhielten eine »Be
zahlung«, indem rituell Essen für sie aufgestellt wurde. Geschichten
über Natur- und Hausgeister sind auf ihre Bedeutung für
die dörfliche Ordnung befragt worden (Petzoldt 1990). Es zeigte
sich dabei, dass der Tabuname »die guten Nachbarn« für die Naturgeister
merkwürdig angemessen erscheint: Die Geschichten
dienten dazu, einfache Verhaltensregeln zu illustrieren und einzuschärfen.
Naturgeister bestraften den, der neues Land unter
den Pflug nahm, und bestätigten damit die Besitzverhältnisse. Sie
überwachten die Mägde, die so an ihre Pflichten erinnert wurden.
Ein literarischer Text aus dem 17. Jahrhundert formulierte den
disziplinarischen Charakter des Hausgeisterglaubens drastisch:
»Schür das Feuer und bring Wasser in das Haus, bevor es dunkel
wird! Wasch deine Melkeimer aus und putz die Küche: Faulenzer
sind den Geistern widerlich« (Robert Herrick: Hespeirdes, London
1648, zitiert nach Purkiss 2000: 165). Die Über- oder Unterschreitung
herkömmlicher Entlohnung wurde von den Geistern
bestraft. Dass Ehebeziehungen zwischen Menschen und Geistern
meist scheiterten, bestätigte Genderrollen und Endogamie. Inwieweit
diese Geschichten geglaubt wurden, ist unerheblich: Sie formulierten
erwünschtes Verhalten (Thomas 1917: 728–732; Purkiss
2000: 164–165; vgl. im Internet Quelle 11: Agricola).
Zum Vorstellungskreis der Naturgeister gehörte das Motiv des
Wechselbalgs: Die Naturgeister sollten die Kinder von Menschen
stehlen und ihre eigenen Nachkommen an deren Stelle setzen.
Diese »ausgewechselten« Kinder waren hässlich, kränklich und
belasteten die Familie mit ihrem riesigen Appetit. Um die Naturgeister
zu zwingen, den Austausch rückgängig zu machen,
sollten die Wechselbälger schlecht behandelt, geschlagen oder
sogar außerhalb der Siedlung ausgesetzt werden. Die Forschung
hat die Wechselbälger als behinderte Kinder gedeutet. Der Naturgeisterglaube
rechtfertigte Infantizid: Wenn das behinderte
Kind an den Misshandlungen starb, denen es als vermeintlicher
Wechselbalg unterzogen wurde, war nicht ein Mensch, sondern
ein Geisterwesen umgekommen. Eberly führte diesen Gedanken
weiter: In Natur- und Kulturgeistern insgesamt wollte sie geistig
oder körperlich Behinderte erkennen (Schmitt 1982: 96–116;
Eberly 1991).

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